Andreas Unterweger

POEM/E/S

Posted in ratlos by andreasundschnurrendemia on 18. Juli 2009

Gestern Abend wurde im WUK, 1090 Wien, der neue Sampler von pumpkin records präsentiert.
poemes_cover_kleinDas Doppelalbum trägt den Namen „POEM/E/S„, also Poeme oder Poems, da es sich um Vertonungen deutscher (CD1) und englischer (CD2) Gedichte handelt. Die Beiträge stammen von österreichischen Bands und Musikern, wie etwa Norb Payr, Hotel Prestige oder Rotifer, auf CD1, Nr. 10, befindet sich der Beitrag meiner Band ratlos: „Brief an Richard Dehmel“ (Text: Hugo von Hofmannsthal).
CDs bestellen (1 CD à 15 Euro) kann man bei pumpkin records oder, wenn auch nur für kurze Zeit, bei ratlos bzw. mir (Mail an: andreas.unterweger@gmx.at): drei von allen Bandmitgliedern signierte Luxusexemplare warten auf drei exemplarische Luxusfans!

Als kleine Kostprobe hier das Video: ratlos hört erstmals „Brief an Richard Dehmel“, Tonstudio der KUG, April 2009.

Und hier das zum Songtext umarrangierte Hofmannsthal-Gedicht:

Brief an Richard Dehmel
(Göding, Kavalleriekaserne, 25. Juni 1895)

Ich reite viele Stunden jeden Tag, / Durch tiefen toten Sand, durch hohes Gras,
Durch gutes helles Wasser und durch schwarzes / Im Wald, das quillt und gurgelt unterm Huf.
Zuweilen reit ich auf die Sonne zu, / Die Kupferscheibe in den schwarzen Büschen,
Zuweilen gegen feuchten Wind, manchmal / Auf einem heißen steilen Weg, manchmal
Auf einem Damm in heller stiller Luft, / Wie fliegend Glas, das überm Feuer flirrt.

Zuweilen reiten viele neben mir / Und viele vor mir, alles ist voll Lärm,
Die grünen Mulden dröhnen, und die Luft / Ist voller Klirren, und ich seh vor mir
Nur weiße Flecken, und in dem Gedränge / Der dunklen Reiter blinken gold die Helme
Und so die Klingen, wie ein Netz von Adern / Lebendgen Wassers blinkt im stärksten Mond
(Darüber, weißt du? schwebt es milchig weiß / Und viele Unken schreien, wundervoll).

Ich reite durch Wasser durch Feuer durch nichts
Durch Flecken durch Blinken durch Flirren durch nichts
Ich reite durch Leben durch Nebel durch nichts
Ich reite ich reite ich reite ich reite

Zuweilen aber reit ich ganz allein, / So still! ich höre, wie die Mücke schwirrt,
Lang schau ich einer Nebelkrähe nach / Und folg der schwarzen auf dem grauen Weg
Im niedern Gras, wo viele Anemonen, / Schneeweiße, stehn; sitz ab und laß den Fuchs
Mit nachgelaßnen Gurten ruhig grasen / Und riech dann noch, wenn ich zu Haus den Handschuh
Abstreif, den Duft von kühlem Thymian … / Und fühl in alledem so nichts vom Leben!

Wie kann das nur geschehn, daß man so lebt / Und alles ist, als obs nicht wirklich wäre?
Nichts wirklich als das öde Zeitverrinnen / Und alles andere wie nichts: das Wasser,
Der Wind, das schnelle Reiten in dem Wind, / Das Atmen und das Liegen in der Nacht,
Das Dunkelwerden, und die Sonne selbst, / Das große Untergehn der großen Sonne
Wie nichts, die Worte nichts, das Denken nichts! / … in alledem so nichts vom Leben …

Ich reite durch Wasser durch Feuer durch nichts
Durch Flecken durch Blinken durch Flirren durch nichts
Ich reite durch Leben durch Nebel durch nichts
Ich reite ich reite ich reite ich reite

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

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Eine Antwort

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  1. andrea said, on 19. Juli 2009 at 9:32 pm

    wir wollen den alternativtext!!


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