Andreas Unterweger

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Posted in lost brains by andreasundschnurrendemia on 28. September 2009

Nachtrag zu lost brains

„lost brains“, jenes abgespacte Klang-, Bild- und Textspektakel, zu dem ich das Libretto verfassen durfte, wurde unlängst in Linz und Weiz uraufgeführt – sowohl Premiere als auch Vorpremiere waren ein voller Erfolg!

Ich war von der Umsetzung meines Textes, sprich: von der Musik Wim van Zutphens, den Visuals Johann Steineckers und den Darbietungen der Musiker, allen voran Anna Maria Pammers gesanglicher Performance, hellauf begeistert!

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Für alle, die nicht dabei waren, bieten sich folgende Gelegenheiten, meine Begeisterung zu teilen:

29.09.2009, 23:05, „lost brains“ (Premieren-Mitschnitt) in „Zeitton“, Ö1*

Post-Premieren-Interviews mit Wim van Zutphen, Andreas Unterweger und Anna Maria Pammer auf Radio Frech – hier zu hören.

Eine kurze Nachbetrachtung in der Kleinen Zeitung (Fokus Weiz) vom 18.09.09.

Und – was für uns Schriftsteller immer am wichtigsten ist! – es gibt auch ein Buch!

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Wim van Zutphen und Johann Steinecker haben mich am Abend der Vorpremiere mit diesem liebevoll aufbereiteten Büchlein überrascht, in dem man neben einem Querschnitt durch die Visuals und einer Vorrede von Wim van Zutphen natürlich auch mein Libretto findet. Den jeweiligen Szenen sind dabei – sehr intelligent gewählte – Ausschnitte aus meinen E-Mails an Wim gegenübergestellt. Das Buch gibt einen wunderbaren Einblick in die Entstehung des Textes und des gesamten Werkes und war auch für mich informativ!
Bestellen (um 5 Euro, wenn ich mich recht erinnere) kann man es via E-Mail an: aae@gmx.at.

* Leider ist die vom Brucknerhaus Linz im seinem Programm verbreitete Fehlinformation, dass Stück sei „nach einem Text von Gert Jonke“ entstanden, nicht und nicht aus der Welt zu schaffen. Auf ein entsprechendes E-Mail des Komponisten antwortete die Presse-Abteilung des Brucknerhauses, dass sie leider zu spät informiert worden sei und jetzt nichts mehr ändern könne (auf der Homepage zum Beispiel – man kann Homepages einfach nicht verändern …). Nun findet sich, wohl vom Pressetext des Brucknerhauses abgeschrieben, die gleiche Falschmeldung auch im Ankündigungstext von Ö1 – meine E-Mail mit der Bitte, diesen entsprechend zu ändern, blieb bislang unbeantwortet.
Irgendwann wird es so sein, dass ich selbst glaube, wir hätten das Stück „nach einem Text von Gert Jonke“ verfasst. Und wehe denen, die dann etwas anderes behaupten!

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L´viv

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 20. September 2009

Nachtrag zu dem Termin:
„11., 12. und 13.09.2009, Andreas Unterweger und Judith Gschwantner bei der Buchmesse Lemberg (L´viv), Ukraine. Zwei Lesungen, eine Konzertgala am 13.09., 19:00 – 20:30, Voskresinnya Theater, L´viv. Moderation: Chrystyna Nazarkevych.“

Es wurde schließlich nur ein Auftritt im wunderschönen Lemberg, und zwar das Konzert. Das aber war so ziemlich der beste Gig meines Lebens!

Die Location (ein mit 50, 60 Leuten voll besetzter Theatersaal) war dem Anlass wie auf den Leib geschneidert, die Damen und Herren an der Tontechnik haben gute Arbeit geleistet, Chrystyna Nazarkevych hat auf sehr herzliche (und damit einzig passende) Art und Weise durch den Abend geführt, und das Publikum (den Reaktionen auf Texte und Wortmeldungen nach zu schließen zum Großteil deutschsprachig, also Germanistikstudentinnen und -studenten) war einfach wunderbar.

Kein Wunder, dass wir, Judith und ich (erstmals in unseren neuen Tingeltangel-Tour-T-Shirts von Reini und Vicky – danke!), uns unter unseren Lemberger Freunden sehr sehr wohl gefühlt haben!

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Außerdem hat Fotograf Myroslaw Trofymuk ein famoses Foto von mir geschossen, das, wenn schon nicht der Wahrheit, so doch meiner Selbstwahrnehmung zu beinahe 100 % entspricht!

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Danke Lemberg!
Djákuju L´viv!
Spasíbo L´wow!

LOVE                 L´WOW
LIFE                   L´VIV
LIVE                   L´VIV
LOVE                 L´WOW

 

Marko Lipus

Posted in Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 20. September 2009

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Es war, wenn schon nicht unbedingt ein bad, so doch auf jeden Fall kein best hair (und das heißt ja leider immer auch mood …) day – trotzdem hat der ebenso gut frisierte wie aufgelegte Fotograf Marko Lipuš sehr schöne Fotos von mir geschossen. (Auch Fotos sagen also mehr über den aus, der sie macht, als über den, den sie zeigen.)
Im Hintergrund sind u. a. mehrere wildromantische Innenhöfe des siebenten Wiener Gemeindebezirks zu sehen.

Mehr Fotos von mir (bzw. von Marko Lipuš) gibt es auf Marko Lipuš´ Literatenporträtplattform www.literaturfoto.net.

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Posted in lost brains by andreasundschnurrendemia on 16. September 2009

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Musiktheater von Wim van Zutphen (Musik), Andreas Unterweger (Libretto) und Johann Steinecker (Visuals)

17.09.2009, 20:00, Vorpremiere im Kunsthaus Weiz

18.09.2009, 19:30, Uraufführung im ORF-Landesstudio OÖ, Linz (= Brucknerfest 2009)

Anna Maria Pammer: Sopran
Wim van Zutphen: Klavier
Izumi Hasebe: Violine
Georg Ludvik: Violoncello
Hubert Salmhofer: Klarinette

„lost brains“ basiert einerseits auf Haydns Oratorium „Die Schöpfung“, andererseits auf den Ereignissen rund um Haydns Schädel nach dessen Tod –  Haydns Leiche wurde von Schädelforschern der Kopf abgesägt, um das „mentale Organ“ für musikalische Genialität aufzuspüren. Der tote Haydn ist eines der prominentesten Opfer der Gehirnforschung, die (mit ihren Auswüchsen ins Wahnhafte) das Thema des Stücks ist.

Hier schreibt die Kleine Zeitung über „lost brains“.

Und unten stehend eine kleine Leseprobe:

I

Am Anfang ist die Zelle. Die Zelle außerhalb von mir, die Zelle in mir. Sieben Milliarden
Einzelzellen, jeder in seiner. Vier Milliarden Jahre Einzeller, eins Komma zwei Millionen
Arten Vielzeller, einhundert Milliarden Zellen zählt es: mein Gehirn.

Zwischen den Zellen funkt es: Funksignale. Funkenflug Flächenbrand Signalfeuer. Und
Rauchsignale. Das Feuern der Synapsen, das Aneinanderschlagen zweier Feuersteine. Das
Knack! Knack! Knack!, dies Knattern: des Telegraphen, der Aktionspotenziale.

Evolution im Telegrammstil: „Phone. Stop. Phoneme. Stop. Telefone.” Die ersten
Grabbeigaben waren Sprechwerkzeuge: Larynx, Mandibula … Das erste Knacksen,
Schnattern in den Höhlen. Dann: in den Telefonzellen. Dann: Zelltelefone.

Man darf nicht sagen: Ich spreche. Man müsste sagen: Es spricht mich. Mein Text bewegt
sich mit Über-Ich-Geschwindigkeit durch mich hindurch. Donnert mit mehr als 1000 km/h
über die Nervenbahnen. Mit fünfzehn Lauten/Sekunde: Knaknaknaknakna-!

Die Stille gibt es nicht. Ich höre Stimmen. Ich habe dieses Knack! Knack! Knack! im Ohr, das
Krachen in der Leitung, in den Leitungen. Das Pochen, Rauschen in den Rohren – schschscht
… Die Zellen sind verkabelt. Dies Knack!sen in der Leitung spricht für sich.

Ich habe Drogen bei mir. Ich bin vollgepumpt. Ich bin ein wandelnder Standort der
Pharmaindustrie: 1500 Gramm pure Chemie unter der Schädeldecke. 1500 Gramm: pure
Magie. Aktionen, Ionen, Reaktionen … Ich hänge an den Drähten: up – and down.

Ich habe da so ein System – im Kopf, so eine Art Kanalsystem. Ich gehe auf und ab, ich gehe:
im Grunde immer am Kanal entlang. Immer am Ariadnefaden Kanal entlang, immer
im Labyrinth: kommunizierender Gefäße. Immer dies – schschscht … Immer dies:

Knack! Knack! Knack!

Über das Glück im Leben

Posted in Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 2. September 2009

Christoph Hartner, freier Journalist und einer der ersten Leser von „Wie im Siebenten“, hat mich für die Kronen Zeitung (Steiermark) interviewt. An einem Freitag im August haben wir uns zwei Stunden lang im Gastgarten der „Scherbe“ am Grazer Lendplatz über Gott, Melville und die Welt unterhalten (und meinem Droschl-Verlagskollegen Stefan Schmitzer zugewunken, der im Hintergrund mit seiner entzückenden Familie brunchte). In Gesprächspausen hat mir Christoph dann ein paar einfache Fragen gestellt und sich eifrig Notizen gemacht, während ich – stotternd, stockend und, wenn ich Glück hatte, stammelnd – versucht habe zu erklären, warum mein Buch ganz genau so geworden ist, wie es ist, und nicht anders.
Heute ist dazu folgender Zeitungsartikel erschienen, der wie alle Zeitungsartikel (und insbesondere Interviews) ein literarischer Text ist – „literarischer“ vielleicht noch als der literarische Text, um den es eigentlich geht.
Zwei lebene Legenden im Gespräch sozusagen … Was nicht heißen soll, dass die unten stehenden Dinge, die so nie gesagt wurden, nicht stimmen. Im Gegenteil. Vielleicht ist es ja tatsächlich so, wie die literarische Figur Andreas Unterweger in Christoph Hartners Dialog „Über das Glück im Leben“ zur literarischen Figur Christoph Hartner sagt: „Legendenbildung ist das einzige, was wir haben, um die Wahrheit zu sagen.“
Danke jedenfalls für das sehr nette Gespräch und Gratulation zu dem gelungenen dramatischen Dialog, Christoph!

Andreas Unterwegers Romandebüt „Wie im Siebenten“:

Über das Glück im Leben

Mit seinem Debütroman über die Liebe, das Glück und das Schreiben eines Debütromans hat der gebürtige Grazer Andreas Unterweger nicht weniger als die Komplexität der Einfachheit eingefangen. Seit gestern ist „Wie im Siebenten“ (Verlag Droschl) im Handel erhältlich. Die „Steirerkrone“ traf ihn zumInterview.

Ist „Wie im Siebenten“ der Versuch eines Buches über das Glück?

„Ja und nein. Ich bin ein Fan der Happy-Art-Bewegung von Wolfgang Bauer. Wenn ich mich übertrieben bemühe, Glück darzustellen, schimmert ja immer auch etwas anderes durch, nämlich die Wahrheit, dass es natürlich nicht so einfach ist. Das Buch ist der Versuch, die Wahrheit zu sagen, und da gehören Zweifel und Ängste genauso dazu.“

Dennoch vermischen Sie Ihre Biografie mit der von Pop-Größen wie Dylan oder Lennon. Machen Sie sich damit nicht zur lebenden Legende und entfernen sich von der Wahrheit?

„Legendenbildung ist das einzige, was wir haben, um die Wahrheit zu sagen. Außerdem kommt man der eigenen Wahrheit oft näher, wenn man die Geschichten anderer erzählt oder etwas erfindet. Man muss als Autor nicht wirklichkeitsgetreu sein, sondern wahrhaftig.“

Das Schreiben des ersten Buches wird bei Ihnen zum literarischen Motiv.

„Dass der erste Roman eine autobiografische Liebesgeschichte ist, ist ja ein Klischee der Literaturgeschichte. Ich bediene mich in meinem Roman einer postmodernen Strategie und umgehe das Klischee, indem ich es bloßlege. Ich wollte viele Perspektiven auf Idylle und Wirklichkeit zeigen.“

Sie umschreiben das Wir mit der Formel „Ich, Andreas und sie, Judith“. Warum die Namensnennung?

„Ich schreibe nach einem Rhythmus und mache daher viele Details unbewusst. Es hat aber bestimmt mit einer Identitätsverstärkung zu tun, ein kontinuierliches Sicherstellen also, wer dieses ,Ich‘ und ,sie‘ und ,Wir‘ sind. Auch hier scheint durch die Übertreibung ein gewisser Zweifel durch.“

Hat man dennoch nie Angst vor Trivialität, wenn man über die Liebe schreibt?

„Nein, denn die Sicht auf die Liebe ändert sich ja täglich, sie ist ganz einfach und äußerst kompliziert zugleich. Ich hatte eher Angst davor, zu kompliziert zu werden, weil ich das Buch ja gleichzeitig erlebt und geschrieben habe und nie wusste, wie es ausgeht. Die Angst vor Trivialem war mir dabei letztlich nicht so wichtig wie das eigene Glück.“

„Wie im Siebenten“ (144 Seiten, 18 Euro) ist seit gestern im Handel erhältlich. Am 1.Oktober liest Andreas Unterweger im Grazer Literaturhaus.
Der 1978 geborene Andreas Unterweger bringt sein Debüt „Wie im Siebenten“ im Verlag Droschl heraus. Der Fan und Experte in Sachen Wolfgang Bauer hat bislang in Literaturzeitschriften publiziert und erhielt 2007 den Förderpreis der „manuskripte“.