Andreas Unterweger

lost brains

Posted in lost brains by andreasundschnurrendemia on 16. September 2009

lost brains
Musiktheater von Wim van Zutphen (Musik), Andreas Unterweger (Libretto) und Johann Steinecker (Visuals)

17.09.2009, 20:00, Vorpremiere im Kunsthaus Weiz

18.09.2009, 19:30, Uraufführung im ORF-Landesstudio OÖ, Linz (= Brucknerfest 2009)

Anna Maria Pammer: Sopran
Wim van Zutphen: Klavier
Izumi Hasebe: Violine
Georg Ludvik: Violoncello
Hubert Salmhofer: Klarinette

„lost brains“ basiert einerseits auf Haydns Oratorium „Die Schöpfung“, andererseits auf den Ereignissen rund um Haydns Schädel nach dessen Tod –  Haydns Leiche wurde von Schädelforschern der Kopf abgesägt, um das „mentale Organ“ für musikalische Genialität aufzuspüren. Der tote Haydn ist eines der prominentesten Opfer der Gehirnforschung, die (mit ihren Auswüchsen ins Wahnhafte) das Thema des Stücks ist.

Hier schreibt die Kleine Zeitung über „lost brains“.

Und unten stehend eine kleine Leseprobe:

I

Am Anfang ist die Zelle. Die Zelle außerhalb von mir, die Zelle in mir. Sieben Milliarden
Einzelzellen, jeder in seiner. Vier Milliarden Jahre Einzeller, eins Komma zwei Millionen
Arten Vielzeller, einhundert Milliarden Zellen zählt es: mein Gehirn.

Zwischen den Zellen funkt es: Funksignale. Funkenflug Flächenbrand Signalfeuer. Und
Rauchsignale. Das Feuern der Synapsen, das Aneinanderschlagen zweier Feuersteine. Das
Knack! Knack! Knack!, dies Knattern: des Telegraphen, der Aktionspotenziale.

Evolution im Telegrammstil: „Phone. Stop. Phoneme. Stop. Telefone.” Die ersten
Grabbeigaben waren Sprechwerkzeuge: Larynx, Mandibula … Das erste Knacksen,
Schnattern in den Höhlen. Dann: in den Telefonzellen. Dann: Zelltelefone.

Man darf nicht sagen: Ich spreche. Man müsste sagen: Es spricht mich. Mein Text bewegt
sich mit Über-Ich-Geschwindigkeit durch mich hindurch. Donnert mit mehr als 1000 km/h
über die Nervenbahnen. Mit fünfzehn Lauten/Sekunde: Knaknaknaknakna-!

Die Stille gibt es nicht. Ich höre Stimmen. Ich habe dieses Knack! Knack! Knack! im Ohr, das
Krachen in der Leitung, in den Leitungen. Das Pochen, Rauschen in den Rohren – schschscht
… Die Zellen sind verkabelt. Dies Knack!sen in der Leitung spricht für sich.

Ich habe Drogen bei mir. Ich bin vollgepumpt. Ich bin ein wandelnder Standort der
Pharmaindustrie: 1500 Gramm pure Chemie unter der Schädeldecke. 1500 Gramm: pure
Magie. Aktionen, Ionen, Reaktionen … Ich hänge an den Drähten: up – and down.

Ich habe da so ein System – im Kopf, so eine Art Kanalsystem. Ich gehe auf und ab, ich gehe:
im Grunde immer am Kanal entlang. Immer am Ariadnefaden Kanal entlang, immer
im Labyrinth: kommunizierender Gefäße. Immer dies – schschscht … Immer dies:

Knack! Knack! Knack!

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Eine Antwort

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  1. lost brains 2 « Andreas Unterweger said, on 28. September 2009 at 4:32 pm

    […] lost brains 2 Veröffentlicht in lost brains von andreasundschnurrendemia am 28. September 2009 Nachtrag zu lost brains […]


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