Andreas Unterweger

Zwei Riesen

Posted in Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land by andreasundschnurrendemia on 31. März 2010

(Bei der Windmühle von St Monans, Schottland, 23.03.10)

StAnza

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 27. März 2010

Nachtrag zu dem Termin: „19.03.2010, 12:45, Lesung im Rahmen von Scotlands International Poetry Festival StAnza, The Town Hall, Queens Gardens – Council Chamber, St Andrews, Schottland. Eintritt: £3.00/£2.00.“

(c) Vero

Mit bestem Dank an das Austrian Cultural Forum London, dessen Direktor Peter Mikl extra aus London angereist ist (ihm gehört, ganz links, der erste nicht sichtbare Hinterkopf außerhalb des Fotos), und das Organisationsteam rund um Eleanor Livingstone, das großartige Arbeit geleistet hat!

Besonders gefreut habe ich mich, beim StAnza Poetry Festival – wie bei jedem Lyrikfestival, das ich bisher besuchen durfte – meinen lieben Kollegen Victor Rodríguez Nunez aus Kuba zu treffen. „We must talk!“ ist der Satz, den wir uns nach Medana/Slowenien und Granada/Nicaragua nun also auch in St Andrews/Schottland zugerufen haben. Umso schöner, dass wir diesmal – erstmals! – unser Vorhaben auch in die Tat umsetzen konnten: am Rande des Open Mic-Abends haben Victor und ich besprochen, dass angesichts des lautstarken Gedränges an verbale Kommunikation nicht zu denken ist – und vereinbart, einander E-Mails zu schreiben …

Nachspiel

Posted in Tingeltangel-Tour, Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 16. März 2010

… zu dem Termin:
„14.03.2010, ca. 15:20, Lesung aus Wie im Siebenten – mit einer Einführung von Christian Winkler – bei Neue Texte 2010, Lesefest bei den Minoriten, Mariahilferplatz 3, 8010 Graz. (Ich selbst darf um ca. 18:00 Gerhard Pelko vorstellen.)“

Gegenstimmen: Nachspiel
Eine Torsonische Lügengeschichte

Es ist kein Zufall, dass diese Geschichte – wie ihr Titel schon sagt: ein Nachspiel zu Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten von Gerhard Pelko – damit beginnt, dass eine Figur, die als ich bezeichnet wird, in einem Zugabteil sitzt und liest: und zwar in dem Buch Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten von Gerhard Pelko. Schließlich endet Gegenstimmen, das letzte Kapitel des Buches Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten, dessen Autor, Gerhard Pelko, ich jetzt und hier vorstellen darf, ja damit, dass dem Ich-Erzähler (namenlos, wie ich) in einem Zugabteil ein Buch in die Hände fällt – ein Buch, das (nicht zufällig!) den folgenden Titel trägt: Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten.

Während jedoch der Ich-Erzähler in Gegenstimmen den Autor des Buches (mit dem bereits erwähnten Titel) völlig außer Acht lässt, muss ich, der ich ja den Autor Gerhard Pelko einem Publikum vorstellen soll, in meiner Lügengeschichte ganz anders vorgehen. „Wer also“, frage ich den Lesenden, der mir im fleckigen Spiegel des schäbigen Abteils gegenüber sitzt, „ist dieser Gerhard Pelko?“ „Das“, antwortet mir mein Spiegelbild, „„würde ich auch gern wissen. Aber leider, mir geht es nicht anders als dir: ich kenne ihn nicht. Wie du bin ich ihm nie zuvor begegnet. Alles, was wir von ihm wissen können“, so mein Spiegelbild weiter, „steht in dem Buch, das du da in meiner Hand hältst: Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten.“

Tatsächlich findet sich, wie in fast in jedem Buch, so auch in diesem (Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten), eine kurze Notiz zur Biografie des Autors. Diese spricht u. a. von zwei weiteren, vor mehreren Jahren erschienenen Büchern, von Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, außerdem wird Gerhard Pelko darin als Amateurfotograf bezeichnet (eine Formulierung, die – da solche Kurzbiografien, in der Regel vom Betroffenen selbst stammen – von Bescheidenheit zeugt). Das Foto über dem Text, das, davon ist auszugehen, Gerhard Pelko zeigt, stammt, lt. Copyrightvermerk, jedoch nicht von ihm, sondern von seiner Ehefrau, Mutter, Schwester, Tochter, Cousine oder einfach nur Namensbase: Doris Pelko.

Nun ist eine solche Kurzbiografie als Quelle für eine Autoren-Vorstellung, zumal in einem so festlichen Rahmen wie diesem, natürlich viel zu wenig. Also packe ich – immer noch, wie der Ich-Erzähler in sehr vielen Kapiteln des Buches Gegenstimmen, in einem Waggon der TBB, der Torsonischen Bundesbahn, unterwegs – meinen Laptop aus, um „gerhard pelko“ zu googeln. Doch vergebens. Anders als die meisten seiner Kollegen ist Gerhard Pelko nicht bei Facebook, die Domain http://www.gerhardpelko.at ist noch verfügbar, und auch die Informationen auf http://www.andreasunterweger.at, einer Website, auf der Gerhard Pelko erwähnt wird, weil ihr Betreiber, so wie ich hier und jetzt, ihn bei einer Lesung vorstellen darf, sind mehr als dürftig.

Was soll´s. Ich verstaue den Computer und vertiefe mich, wenn schon nicht in Gerhard Pelkos Leben, so doch in sein Buch. Wie die Provinz-Bahnhöfe draußen ziehen vor meinem inneren Fenster seine Prosaminiaturen, Lügengeschichten, wie alle Literatur, vorbei. Oft, angesichts skurriler Vorgänge in Torsonien, Gerhard Pelkos Heimatland, das in so vielem an Österreich erinnert, muss ich schmunzeln. Dann wieder beeindrucken mich die gestochen scharfen Bildbeschreibungen (die verraten, dass der Sprachfotograf Gerhard Pelko kein Amateur ist). Und zwei- oder dreimal, beim Anblick eines verwitterten Pflegeheims etwa, das über sich hinaus auf die Ruine eines Menschenlebens verweist, ergeht es mir wie Pelkos Ich-Erzähler:

dann habe ich Tränen in den Augen.

I Am From Austria

Posted in Notizen by andreasundschnurrendemia on 3. März 2010

„Bei Olympia, schreiben sie“, sagte Hans, der diesen Abend (wie jeden Abend) mit der Lektüre der Morgenzeitung ausklingen ließ, „zählen nur die Medaillen. Aber in Wirklichkeit“, fuhr er, mit seiner Zigarette auf den Medaillenspiegel tippend, fort, „sind es doch einzig und allein die Goldmedaillen, die zählen … Besser gesagt“ – nach Betrachtung der dicksten Schlagzeile – „die Goldmedaillen der Alpinen … Die der alpinen Herren“, verbesserte er rasch, „versteht sich. – Und eigentlich“, murmelte er, eine Kolumne überfliegend, „zählt doch nur eines: Abfahrtsgold – Gold in der Herrenabfahrt … Das aber haben wir“, schloss er, verdüstert (während im Hintergrund irgendein Schlager lief), „wie jedes Mal auch dieses Mal: schon zu Beginn der Spiele, wenn nicht gar noch früher, verloren …“

FAZ

Posted in Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 2. März 2010

Gute Neuigkeiten aus dem kunterbuntesten Feuilleton Aller Zeiten!
Euer Rockmusikant

Aller Anfang war leicht
Gelungenes Scheitern: Andreas Unterwegers Debüt über einen Debütroman

Ah, ein Frauenbuch“, das sagt mein Freund, während ich aus dem Paket ein vielfarbiges Cover schäle. „Oder ein Kinderbuch“, sage ich beim Blick auf die Kringel. Leute, denen so was gefällt, nennen die Gestaltung vermutlich kunterbunt. Das Buch, so viel verrät mir ein besonders dicker Kreisel, heißt: „Wie im Siebenten“. Immerhin, der Klappentext verheißt Versöhnung, er erzählt erfreulich schnörkellos von der Leichtigkeit des Anfangs, der Liebe, des Schreibens. „Also doch ein Frauenbuch“, sagt mein Freund. Aber so eine Kategorie schreckt mich nicht ab; das Gute an Schutzumschlägen ist, dass man sie zur Seite legen und dann zu lesen anfangen kann.

Und schon ist doch nicht alles so einfach, wie man sich das vorgestellt hat. Gleich ganz zu Beginn beschreibt Andreas Unterweger in seiner nüchternen, klaren Sprache, wie „fast alles“, so heißt das erste Kapitel, nicht ganz so leicht ist wie gedacht. Vielmehr handelte es sich sogar ausdrücklich um schwierige Zeiten, damals im 7. Bezirk von Wien. Um das Leben zu vereinfachen, bedienen die beiden Protagonisten – sie heißen Andreas (wie der Autor) und Judith – sich eines küchenpsychologisch fundierten Tricks: Sie schreiben gewisse Dinge auf. Nicht nur schwarze Notizbücher werden mit schwarzem Fineliner beschriftet, auch eine Tasse bekommt einen Post-it-Zettel aufgeklebt. Eigentlich, um die Dinge beim Namen zu nennen, aber das gelingt nicht, ganz im Gegenteil: „Wie gesagt: Es waren schwierige Zeiten, und vieles, was ganz einfach begonnen hatte, wurde kurze Zeit später schon ganz kompliziert und konnten einen – oder, wie in unserem Fall, Judiths und meinem und dem der Tasse, gleich zwei – ganz verrückt machen.“

Unterweger studierte Deutsche Philologie und Französisch und ist schon vor Erscheinen seines Debütromans Schriftsteller, so die Autorenbiographie. Außerdem ist er ein sogenannter „Rockmusiker“, herrlich, das Wort hat man schon lange nicht gehört, vielleicht handelt es sich um einen im Deutschen omahaft klingenden Austriazismus, wie „Stiege“ statt „Treppenhaus“, jedenfalls spielt Unterweger also bei „ratlos“ (so heißt eine österreichische Band). Und wann, bitte schön, hören Klappenumschlagspoeten auf, so etwas anzupreisen? Dass jemand drei Akkorde beherrscht, macht ein Buch auch nicht interessanter.

Außerdem hat „Wie im Siebenten“ das auch überhaupt nicht nötig. Sein Debüt erzählt virtuos von der (Nicht-)Entstehung eines Debütromans über eine große Liebe, ist ein gelungenes Buch über das Scheitern. Der als Fragment daherkommende Metatext bleibt eher vereinfachend als analytisch bohrend oder theoretisierend, formt nüchtern und klar seinen oftmals pathetischen Inhalt, zum Beispiel die Notwendigkeit des Schreibens.

Unterwegers Debütroman erscheint nicht ohne Grund im ambitionierten Droschl-Verlag, der sich, in der Steiermark beheimatet, auf das ewig Morgige, das Schräge, das Herausstechende spezialisiert hat; und doch trotzdem mit der äußeren Gestaltung des postmodernen Romans diesmal so weit danebenliegt. Dennoch: Bei aller angestrebten Einfachheit ist Unterweger ein höchst raffinierter Erstling gelungen ist.

Trotz Andreas‘ stetiger Suche nach der Leichtigkeit ist der Autor kein schriftstellerisches Leichtgewicht: „Andererseits aber konnte damals, in jenen schwierigen Zeiten, die wir, Judith und ich, Andreas, zusammen erlebt haben, eine Sache, die erst ganz kompliziert gewesen war, auch bald – manchmal eben sehr, manchmal weniger bald – wieder ganz einfach sein. Und ich weiß noch, dass wir, Judith und ich, am Ende dann doch über alles (oder zumindest fast alles), was uns erst ganz kompliziert erschienen war, ganz einfach nur lachen konnten.“ Und so ist Unterwegers Debüt ein manchmal verschwurbeltes, aber durchweg charmantes Plädoyer für Gelassenheit und das Vertrauen darauf, dass alles so kommen wird, wie es soll. Vielleicht also doch eher ein Frauenbuch – aber ein anspruchsvolles.

CHRISTINA HOFFMANN

Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.02.2010, S. 34.