Andreas Unterweger

Nachspiel

Posted in Tingeltangel-Tour, Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 16. März 2010

… zu dem Termin:
„14.03.2010, ca. 15:20, Lesung aus Wie im Siebenten – mit einer Einführung von Christian Winkler – bei Neue Texte 2010, Lesefest bei den Minoriten, Mariahilferplatz 3, 8010 Graz. (Ich selbst darf um ca. 18:00 Gerhard Pelko vorstellen.)“

Gegenstimmen: Nachspiel
Eine Torsonische Lügengeschichte

Es ist kein Zufall, dass diese Geschichte – wie ihr Titel schon sagt: ein Nachspiel zu Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten von Gerhard Pelko – damit beginnt, dass eine Figur, die als ich bezeichnet wird, in einem Zugabteil sitzt und liest: und zwar in dem Buch Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten von Gerhard Pelko. Schließlich endet Gegenstimmen, das letzte Kapitel des Buches Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten, dessen Autor, Gerhard Pelko, ich jetzt und hier vorstellen darf, ja damit, dass dem Ich-Erzähler (namenlos, wie ich) in einem Zugabteil ein Buch in die Hände fällt – ein Buch, das (nicht zufällig!) den folgenden Titel trägt: Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten.

Während jedoch der Ich-Erzähler in Gegenstimmen den Autor des Buches (mit dem bereits erwähnten Titel) völlig außer Acht lässt, muss ich, der ich ja den Autor Gerhard Pelko einem Publikum vorstellen soll, in meiner Lügengeschichte ganz anders vorgehen. „Wer also“, frage ich den Lesenden, der mir im fleckigen Spiegel des schäbigen Abteils gegenüber sitzt, „ist dieser Gerhard Pelko?“ „Das“, antwortet mir mein Spiegelbild, „„würde ich auch gern wissen. Aber leider, mir geht es nicht anders als dir: ich kenne ihn nicht. Wie du bin ich ihm nie zuvor begegnet. Alles, was wir von ihm wissen können“, so mein Spiegelbild weiter, „steht in dem Buch, das du da in meiner Hand hältst: Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten.“

Tatsächlich findet sich, wie in fast in jedem Buch, so auch in diesem (Gegenstimmen. Torsonische Lügengeschichten), eine kurze Notiz zur Biografie des Autors. Diese spricht u. a. von zwei weiteren, vor mehreren Jahren erschienenen Büchern, von Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, außerdem wird Gerhard Pelko darin als Amateurfotograf bezeichnet (eine Formulierung, die – da solche Kurzbiografien, in der Regel vom Betroffenen selbst stammen – von Bescheidenheit zeugt). Das Foto über dem Text, das, davon ist auszugehen, Gerhard Pelko zeigt, stammt, lt. Copyrightvermerk, jedoch nicht von ihm, sondern von seiner Ehefrau, Mutter, Schwester, Tochter, Cousine oder einfach nur Namensbase: Doris Pelko.

Nun ist eine solche Kurzbiografie als Quelle für eine Autoren-Vorstellung, zumal in einem so festlichen Rahmen wie diesem, natürlich viel zu wenig. Also packe ich – immer noch, wie der Ich-Erzähler in sehr vielen Kapiteln des Buches Gegenstimmen, in einem Waggon der TBB, der Torsonischen Bundesbahn, unterwegs – meinen Laptop aus, um „gerhard pelko“ zu googeln. Doch vergebens. Anders als die meisten seiner Kollegen ist Gerhard Pelko nicht bei Facebook, die Domain http://www.gerhardpelko.at ist noch verfügbar, und auch die Informationen auf http://www.andreasunterweger.at, einer Website, auf der Gerhard Pelko erwähnt wird, weil ihr Betreiber, so wie ich hier und jetzt, ihn bei einer Lesung vorstellen darf, sind mehr als dürftig.

Was soll´s. Ich verstaue den Computer und vertiefe mich, wenn schon nicht in Gerhard Pelkos Leben, so doch in sein Buch. Wie die Provinz-Bahnhöfe draußen ziehen vor meinem inneren Fenster seine Prosaminiaturen, Lügengeschichten, wie alle Literatur, vorbei. Oft, angesichts skurriler Vorgänge in Torsonien, Gerhard Pelkos Heimatland, das in so vielem an Österreich erinnert, muss ich schmunzeln. Dann wieder beeindrucken mich die gestochen scharfen Bildbeschreibungen (die verraten, dass der Sprachfotograf Gerhard Pelko kein Amateur ist). Und zwei- oder dreimal, beim Anblick eines verwitterten Pflegeheims etwa, das über sich hinaus auf die Ruine eines Menschenlebens verweist, ergeht es mir wie Pelkos Ich-Erzähler:

dann habe ich Tränen in den Augen.

2 Antworten

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  1. andrea said, on 16. März 2010 at 11:58 am

    (ich schon wieder :-)): kannst du nicht auch christian winkler um seinen einführungstext DICH betreffend fragen? den würd ich gern nochmal lesen.

  2. andreasundschnurrendemia said, on 2. April 2010 at 10:54 pm

    Liebe Andrea, wie gewünscht (danke, Christian!):

    CHRISTIAN WINKLER:

    Andreas Unterweger – WIE IM SIEBENTEN
    Einführung im Rahmen des Lesefestes 2010, Minoriten Graz, 14. 03. 2010

    Vor einiger Zeit bekam ich Andreas Unterwegers letztes Buch (im Sinne von neuestes Buch) WIE IM SIEBENTEN zugeschickt und schon beim Lesen der ersten paar Seiten ist mir sofort der Gedanke gekommen: Das muss ein Plagiat sein. Schon wieder so eines, habe ich mir gedacht, kann keiner mehr etwas Selbständiges schreiben, kann jeder nur noch irgendwo abschreiben? Ich behaupte einfach mal, dass Unterweger ganz frech und frivol von seinem eigenen Leben abgeschrieben hat, sich also selbst plagiiert. Gut, vielleicht kann ich es nicht wirklich beweisen, aber man riecht ja so ein Plagiat schon kilometerweit, besonders solche Lebens-Plagiate riechen ja ganz unverwechselbar nach Schweiß, kaltem Rauch und, in seinem Fall, einem zarten Hauch von Rock’n Roll. Na ja, was soll’s – hat vielleicht keiner außer mir bemerkt – denn hätte es jemand bemerkt, würde er wahrscheinlich heute nicht hier sein dürfen – wenn die Veranstalter gewusst hätten, dass es sich bei seiner ersten Veröffentlichung um ein Plagiat handelt, hätte man ihm nie diese Wahnsinns-Ehre zuteil werden lassen, hier öffentlich aufzutreten, und vielleicht auch noch unverhohlen aus diesem Plagiat vorzulesen.
    Na ja.
    Und es liegt auch wirklich auf der Hand, dass es sich um ein Plagiat handelt, ich meine, jeder hätte das riechen müssen, wie soll er auch nur so authentisch und intelligent über die Liebe und das Leben als Schriftsteller schreiben können? Wann hätte er all die notwendigen Erfahrungen dafür machen sollen? Leute, er ist ja viel zu jung dafür. Im Klappentext ist zu lesen, er hätte in Graz Deutsche Philologie und Französisch studiert und das auch noch vor ein paar Jahren abgeschlossen – bin mir auch nicht sicher, ob das überhaupt stimmt – und, dass er sonst auch noch Lyrik und Essays schreibt und 2007 den Manuskripte-Förderpreis erhielt – na ja, das muss er mir auch erst einmal beweisen. Also, die eigentliche Frage ist: Wann hätte er neben Studium und Arbeit für ein eigenes Leben Zeit haben sollen? Wann? Ich meine, ganz offensichtlich hätte er sich für dieses Buch eingehendst mit Musik, dem Musizieren an sich, Literatur, Kunst, den gängigsten Wissenschaften, Bob Dylan, den Beatles und Yoko Ono auseinandersetzen müssen – und das glaube ich einfach nicht – besonders für die Beatles ist er ja noch viel zu jung. Zweiunddreißig. Wie gesagt, ganz schön frech abgeschrieben, dieser Grazer. Das muss man sich einmal trauen – andererseits, irgendwie schon Respekt, ich könnte das nämlich nicht. Und dann diese Fragen, die dann überall auftauchen, die man vielleicht nicht beantworten kann, weil man ja von seinem eigenen Leben abgeschrieben hat, Fragen, die im Endeffekt nur das eigene Leben beantworten könnte. Sie wissen schon, was ich meine, oder?
    Na ja.
    Um ehrlich zu sein, habe ich nach den ersten paar Seiten gar nicht mehr darüber nachgedacht, also darüber, ob dieses ganze Buch nun ein Plagiat ist, oder nicht, und nachdem ich diese Tatsache einmal vergessen hatte, mochte ich das Buch sogar wirklich sehr – ich kann es Ihnen wirklich empfehlen – Plagiat oder nicht – am Ende doch egal.
    Wissen Sie, was ich denke? Ich denke, er hat mit seinem Verlag sicher einen Deal ausgehandelt, damit sein Leben, von dem er ja abgeschrieben hat, auch ein paar Euro dran verdient.


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