Andreas Unterweger

keine delikatessen

Posted in Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 3. Juni 2010

Neulich in der sehr empfehlenswerten Wiener Literaturzeitschrift keine delikatessen – Bühne für SchriftBilder:

Hermann Niklas:

Andreas Unterweger, Wie im Siebenten, Literaturverlag Droschl: Graz und Wien, 2009.

Andreas Unterweger hat das Debüt  hingelegt: Ein Buch über das erste Buch. Ein Buch über das Schreiben, wie es aus dem Alltag und dem Fenster franst und „durch die Blätter der Bäume des Innenhofs rauscht“. Ein Buch über Liebe und Musik, und wie sie sich gegenseitig bedingen. Ein Buch darüber, wie einfach und schön alles sein kann.

In der Wohnung im Siebenten will Andreas sein Buch schreiben, das davon handelt wie Andreas und Judith in dieser Wohnung im Siebenten zusammenleben. Als Andreas das Buch dann tatsächlich schreibt, reflektiert er diese Zeit im Siebenten. In detailverliebten Bildern und literarischen Episoden erzählt Andreas Unterweger kurzweilige Sequenzen einer Liebesgeschichte, davon ausgehend verliert er sich in Kleinigkeiten und schweift scheinbar ab, um plötzlich und überraschend zum Punkt zu kommen. Mit seiner pointierten Sprache, mit dem leisen naiven Ton, der sich selbst nicht ganz ernst nimmt, versteht es Unterweger mit wenigen knappen Worten, seine poetischen Bilder in Szene zu setzen.

Das Buch sollte nach Andreas nur von einfachen und schönen Dingen handeln, denn es sollte vom Leben mit Judith handeln, und das war einfach und schön.

Dennoch ist es nicht so, wie der Klappentext verspricht: Wie im Siebenten steht nicht für Easy Living, und es ist keine leichte Unterhaltung an der Oberfläche!

Das „Ich, Andreas“ und das „Sie, Judith“ und das „Wir, Andreas und Judith“, das ständige Bestätigen als sich wiederholendes Mantra richtet sich gegen die anfangs noch versteckten Abgründe, gegen das Bedrohliche und Unaussprechliche, das da irgendwo zwischen den Zeilen hockt: Die Lochmenschen, die mit ihrem Hunger alles aufsaugen, Lebendtote mit bodenlos, dunklen Augen, „hinter deren Lachfältchen“ sich „der nackte Schädelknochen“ auftut. Und nicht zuletzt der Beziehungshorror, wenn sie sich stockend gegenüberstehen und sich nichts mehr zu sagen haben.

Andreas Unterweger spielt mit seinen eingezogenen Ebenen, flechtet essayistische Abhandlungen über Dante, Lennon, Dylan ein (die von der Idee her gut angelegt waren, aber die kürzer gehalten vermutlich noch würziger gewirkt hätten), spart nicht mit Zitaten, reflektiert sich und das Buch nicht nur im Text, sondern es wird auch in zahlreichen Fußnoten und Anmerkungen ungehemmt weiter analysiert und richtiggestellt, er erteilt am Schluss noch der (fiktiven?) Herausgeberin des Buches das Wort, und lässt das alles nicht kompliziert erscheinen, sondern einfach und schön.

Und unterhaltsam: Zumindest Robert Scoon, Fernfahrer und Mystiker, sollte hier nicht unerwähnt bleiben. Mit ihm wäre die Welt eine bessere!

Ein raffiniert konstruiertes Buch, das – selten genug – mit einer Leichtfüßigkeit daherkommt, als wäre tatsächlich alles so einfach, wie man gar nicht zu träumen wagt.

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