Andreas Unterweger

Ein Interview

Posted in Tingeltangel-Tour, Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 21. September 2010

Vorschau auf die Veranstaltung:
27.09.2010, 20:00, Shamshad Abduallaev (Usbekistan) und Andreas Unterweger lesen im Rahmen der Reihe „Literatur: Ost-West“, Kulturzentrum bei den Minoriten, ImCubus, Mariahilferplatz 3/I, 8010 Graz. Eintritt: € 6,50/3,50.

Interview mit Andreas Unterweger
von Birgit Pölzl
(aus der aktuellen Minoriten-Zeitung)

Das Schwebende, die Leichtigkeit deiner Texte wird immer wieder betont. Auch der virtuose Einsatz postmoderner Verfahren. Wie würdest du selbst deine Arbeit beschreiben.

Wenn ich so etwas wie ein Motto beim Schreiben habe, dann jenes, das ich meinem Roman „Wie im Siebenten“ vorangestellt habe. Es ist ein Zitat aus Ernest Hemingways Paris-Buch und lautet: „Alles, was du tun mußt, ist, einen wahren Satz schreiben. Schreib den wahrsten Satz, den du weißt. So schrieb ich schließlich einen wahren Satz hin, und von da an machte ich weiter.“
Was das aber bedeutet: „ein wahrer Satz“, darüber kann ich nur spekulieren. Ich vermute, dass es mit Musik zu tun hat. Jedenfalls kommt es mir so vor, als ob ich beim Schreiben einer Melodie folgte, einem Rhythmus, der schon vor dem fertigen Text da gewesen zu sein scheint: wie die Skulptur, die bereits im unbearbeiteten Felsblock steckt und dann „nur noch“ freigelegt werden muss.
Und was die sog. „postmodernen“ Erzählverfahren betrifft: Meine Geschichten (sofern sie denn welche sind) auf die herkömmliche, marktfreundliche Art und Weise zu erzählen, erschien mir, so wie es aussieht, bislang zumindest einfach nicht als das Wahre …

„Wie im Siebenten“ ist dein erstes Buch. Ein Buch über das Schreiben, über die Liebe und die Musik, und wie sie sich gegenseitig bedingen. Ein Buch auch darüber, wie einfach und schön alles sein kann, auch dann, wenn es gar nicht so einfach und schön ist. Einfachheit also, da finden sich Anklänge zu östlichen Philosophien, ist etwas, das nicht per se existiert, sondern etwas, das man wahrnehmen bzw. kreieren muss. Einwand? Zustimmung?

Eine schwierige Frage … Sagen wir so: Einfachheit ist in meinen Augen etwas, das zwar immer da ist, das man aber nicht immer wahrnehmen kann: Wenn es mir gut geht, ist alles ganz einfach – an schlechten Tagen aber präsentiert sich schon der morgendliche Weg vom Bett zum Schreibtisch als unendlich kompliziert.
Ob das jetzt einen Einwand oder eine Zustimmung bedeutet, weiß ich nicht – dazu müsste ich mich wohl besser mit östlichen Philosophien auskennen … 

Shamshad Abdullaev, den wir gemeinsam mit dir zu einer Lesung eingeladen haben, beschreibt sich vehement als unpolitischen Autor. Wie würdest du dein Verhältnis zum Politischen definieren.

Vielleicht so: sehr distanziert, aber doch vorhanden.
Zwar ist bisher niemand auf die Idee gekommen, mich als politischen Autor zu bezeichnen (ich auch nicht!) – dennoch scheint mir „Wie im Siebenten“ z. B. kein völlig unpolitisches Buch zu sein. So lässt sich etwa, wenn mich nicht alles täuscht, ein gewisses, womöglich teilweise sogar utopistisches Engagement erkennen. Wie dies im Detail aussieht, wäre aber eher eine Aufgabe für eine (engagierte) literaturwissenschaftliche Arbeit.

Ironie / Selbstironie hat viele Volten und Tönungen, die von Heiterkeit auf der einen bis Zynismus auf der anderen Seite reichen. Wie faltest du Ironie in deiner Arbeit aus, welche Qualität hat sie.

Selbstironie halte ich für eine der Bedingungen von guter Kunst – ebenso wichtig erscheint es mir aber (so widersprüchlich das auch klingen mag), dass man das, was man tut, auch vollkommen ernst meint. Einfacher gesagt: Leute, die nur blödeln und bluffen, sind mir ebenso suspekt wie die, die gar keine Selbstironie kennen.
Was meine eigene Arbeit betrifft, so nehme ich an, dass sich darin, abgesehen vielleicht vom Zynismus (den haben die politischen Autoren nötiger …), zahlreiche Variationen der vorwiegend heiteren Ironie finden. Der Klappentext von „Wie im Siebenten“ etwa spricht von der „lässigen Ironie der Postmoderne“ – ein freundlicher Kritiker wollte stattdessen „eher eine aufklärerische Ironie im Arouet´schen Sinne“ (Arouet: der bürgerliche Name von Voltaire) am Werk sehen. Ich weiß zu wenig über Humor- und Komiktheorie, um zu begreifen, wovon hier im Detail gesprochen wird (ich bin schon froh, dass ich ergründen konnte, wer Arouet ist …), kann mir aber vorstellen, dass sowohl das Lässige als auch das Aufklärerische im Ironiekatalog des Buches ihren Platz finden.
Interessanterweise haben immer wieder Rezensenten Passagen, die ich mit vollem Ernst geschrieben habe, für ihre gelungene Ironie gelobt – und dafür andere Stellen, die für mich ganz offensichtlich ein 😉 tragen, bierernst genommen. Daran, dass diese Herrschaften dennoch zu einem für mich schmeichelhaften Verständnis meines Buches gelangt sind, zeigt sich wieder einmal, dass es gar nicht so wichtig ist, was ich, sein Autor, darüber denke …

Laut Biografie auf deiner Homepage lebst du als Schriftsteller und Songwriter. Wie einfach ist das.

Mittlerweile (oder muss ich sagen: zurzeit?) ist es sehr einfach. Seitdem mein erstes Buch erschienen ist, hatte ich sehr viel Glück mit Stipendien und Preisen, die ich in aller angebrachten Demut und Dankbarkeit annehme.
Das zweite Buch, eine Novelle mit dem Titel „Du bist mein Meer“, erscheint übrigens Ende Jänner 2011, wieder bei Droschl, dem Verlag meines Herzens. Alles in allem hoffe ich, dass es mit dem Schreiben (in jeglicher Hinsicht) so gut weitergeht wie bisher.
Mit den Songs hingegen verfolge ich andere Ziele. Derzeit singen meine Frau und ich nur für unsere wunderschöne, vier Monate alte Tochter … Die Selbstdefinition als Songwriter bzw. Rockmusiker ist für mich aber seit jeher sehr wichtig: als eine Frage der Lebenseinstellung. Musik hat eben nicht nur viel mit Wahrheit, sondern womöglich noch mehr mit Freiheit tun.

Andere Interviews

Advertisements