Andreas Unterweger

Alte Schmiede

Posted in Das kostbarste aller Geschenke by andreasundschnurrendemia on 28. Januar 2014

Nachtrag zum Termin:
22.01.2014, 19:00, Andreas Unterweger liest aus „Das kostbarste aller Geschenke“ in der Alten Schmiede, Schönlaterngasse 9, 1010 Wien. Außerdem lesen: Robert Prosser und Christoph Dolgan. Motto des Abends: „MUSTER REFLEXIVER PROSA“. Moderation: Angelika Reitzer.

Hier die aus meiner Sicht wichtigsten Stationen eines gelungenen Abends, bei dem ich mich besonders über die zahlreich erschienenen V.I.P.s (u. a. mein Schwager Bernhard!) gefreut habe:

Hier lege ich mein neues Buch auf den Amboss der Alten Schmiede:

Unterweger2(c) Literaturverlag Droschl

Hier schwingt Angelia Reitzer den Diskussionshammer:

Angelika1(v.l.n.r.: Prosser, Dolgan, Unterweger, Reitzer)
(c) Literaturverlag Droschl

Hier lässt sich Angelika Reitzers schöner Einleitungstext nachlesen (mein Lieblingssatz daraus: „Bemerkenswert ist, wie sehr es dem Autor gelingt, in dieser Fragmentierung ein großes Ganzes, etwas Geschlossenes darzustellen, in der Form durchaus stringent.“).

Und hier gelangt man zum Erfahrungsbericht von Literaturflüstererin Eva Jancak, die bezüglich der Gemeinsamkeiten meiner bisher erschienenen Bücher zu (für mich) überraschenden, aber durchaus interessanten Einsichten kommt.

biblio.at

Posted in Das kostbarste aller Geschenke by andreasundschnurrendemia on 16. Januar 2014

Ich freue mich über Helmuth Schönauers inspirierte Rezension zu „Das kostbarste aller Geschenke“ auf www.biblio.at, der Website des österreichischen Bibliothkswerks:

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Triëdere

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 14. Januar 2014

Mein Beitrag zum sehr schön gestalteten und zu lesenden* Heft 9 der Wiener Theorie- und Kunstzeitschrift Triëdere, das dem Thema „Von der Bedeutung des Kleinen“ gewidmet ist.
Mit bestem Dank an Herausgeber Alexander Sprung für die Einladung.

EINE ART ESKIMO

X

Sätze 2007 – 2005

X

Er war eine Art Eskimo geworden. Er lebte in einem Iglu aus eiskalter Wut und kannte dreiundzwanzig verschiedene Namen für die ewige, alles bedeckende, schneeweiße Traurigkeit.

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Wie jede Beziehung unterscheidet sich unsere Beziehung von jeder anderen Beziehung in jeder Beziehung.

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Fern von dir bin ich der, den du suchst. In deiner Nähe kann ich mich selbst nicht finden.

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Wenn er sah, wie er mit jenen umsprang, die er liebte, war er heilfroh, dass er sich selbst überhaupt nicht leiden konnte.

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Morgen für Morgen wollte er im Erdboden versinken. Abend für Abend schaffte er es zumindest unter den Tisch.

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Ein jeder in seinen eigenen Augen seit jeher hässlich wie die Nacht, ging beiden, als sie endlich einander in die Augen schauten, schön langsam ein Licht auf.

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Mein Herz spricht schon mit schwerer Zunge. Sofern man noch von „sprechen“ sprechen kann. Geschweige denn von „Herz“.

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Was sich am Nachmittag als Bitte um ein „Achtel“ höflichst im Lokal vorgestellt hatte, ließ bereits am frühen Abend, wieder und wieder und in immer kürzeren Abständen nach noch einem „Viertel“ keuchend, alle gute Manieren vermissen und brüllte schlussendlich, in tiefster Nacht, längst auf die Straße geworfen und sich wie ein Unmensch im Straßendreck kugelnd, nach seiner verlorenen, seiner verschollenen, seiner ihm schon sein ganzes Leben lang fehlenden „Hälfte“.

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„Das Geheimnis unseres bis heute währenden glücklichen Zusammenlebens“, so der Liebende Jahrzehnte später, „sind die seit jeher getrennten Badezimmer und getrennten Betten – von den getrennten Schlafzimmern, ja, Wohnsitzen!, ganz zu schweigen.“

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Mit einem einzigen Rundumschlag war es ihm gelungen, sich selbst mit einer feindlichen Übermacht zu umzingeln.

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Was dir früher die liebste Unterhose an mir war, ist jetzt mein intimster Feind.

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Nur in meinem Schreiben, so oft ich dich auch nenne, brauche ich dich nicht.

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Niemand in der Gesellschaft wusste davon. Niemand konnte je hören, was sie sich dann am Abend sagten, niemand je sehen, wie sie dann wirklich miteinander sprachen, jeder die Gabel in der einen, den Hörer in der anderen Hand, vor dem Spaghettitopf, in seiner Küche allein.

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Erst als inmitten des Gesprächs der Gesprächspartner wechselte, bemerkte er, dass er mit sich selbst sprach, legte den Stift weg, verstummte.

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Sich einen anderen Menschen zu halten (zum Beispiel an der Hand), der einem immerzu zusieht, ist die billigste Variante, in zumindest einem Film der Held zu sein.

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Je weniger er auf die Außenwelt achtete, desto weniger achtete er darauf, wie ihn die Anderen, in der Außenwelt, sahen, und desto klarer sah er, in der Außenwelt, die Anderen (und ihre Verachtung für ihn).

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Immer wollte ich in einer ganz anderen Stadt leben. Jetzt lebe ich immer noch hier. In einem ganz anderen Leben.

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Die Vergangenheit war eine Frau, die ihn niemals verlassen würde und die er trotzdem immerzu vermisste.

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Wenn man einer im Wind schwankenden Pappel nur lange genug zusieht, wird alles gut.

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Immer war alles eine Tragödie für den Protagonisten und eine Komödie für den Zuschauer. Und immer sah er alles mit den Augen des Protagonisten.

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Eine Frage von Leben oder Tod: Er wollte sich in eine Bierflasche stürzen – oder umgekehrt?

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Wenn sie nicht Hand in Hand gingen, wirkte sie entfesselt, er: amputiert.

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Das einzige freundliche Lächeln, das er (der, gelinde gesagt, wenig zu lachen hatte) Tag für Tag zu Gesicht bekam, wurde ihm von einem lieblos hingestrichelten Schnurbart und dem darunter als böser Hexenzahn platzierten Aufkleber „STOPPT SEXISTISCHE WERBUNG“ grausam aus dem Leben gerissen.

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„Haben Sie denn nichts zu tun? Haben Sie keine Frau?“ Mit dieser letzten, schlimmsten aller ungeheuerlichen Unterstellungen schlägt der eine Streithals den anderen in die Flucht.

(Graz, Schmidgasse)

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Du sprichst von einem Spiegel, in dem du dich „lang sehen“ kannst, meinst aber groß. Du nennst mich deinen „lebensgroßen Teddybären“ und meinst es so, nicht anders.

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Ist nicht ein Leben mit mir dein Leben plus nichts? Ist nicht mein Leben minus dir ein Leben unter Null?

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Wie weit noch, bis das ein Gewinn ist: Ich tausche dich ein gegen nichts.

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So lange er süchtig gewesen war, hatte die Sucht ihn auf Trab gehalten. Jetzt, allein mit den Menschen, machte kein Schritt mehr Sinn.

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Wieder ein Gedicht, mit dem fast alles gesagt ist: Karl Krolows Fast nichts.

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Das Ende einer Liebesgeschichte mit Karl Krolows Gedichten über das Alter (z. B. Vita) als Abschiedsgeschenk: Das zumindest bleibt dir erspart!

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Der alte Irrglaube: Die Zeit, die wir am Anfang verschenken, bekommen wir am Ende zurück.

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Ich habe so viele Bilder von dir, die dich alle nicht zeigen.