Andreas Unterweger

Statistik 2014

Posted in Tingeltangel-Tour, Twitteristik by andreasundschnurrendemia on 30. Dezember 2014

Noch einmal zum Nachlesen: jene 3 Beiträge, die 2014 die meisten Zugriffe auf dieser Homepage hatten:

Die große Elf (Stanglpass 18)
Schon 2011 veröffentlicht, aber meines Wissens der einzige online existierende Essay über den Fußballromanklassiker „Die große Elf“ von Karl Bruckner. Mein Artikel, ursprünglich in Heft 60 des famosen Fußballfachmagazins Der tödliche Pass veröffentlicht, erlangte heuer auch durch einen Kommentar von „Ennstaler“ zu einem lesenswerten Interview mit dem ähnlich großen Ivica Osim auf sturm12.at  erstaunliche Popularität. Was für ein Glück für die zahlreichen Fans von Sturm Graz, die sich dadurch auf meine Seite, die ja auch jene des GAK und damit die einzig richtige, heilsbringende, ist, verirrt haben!

Heimlich durch die unheimliche Literaturhauptstadt
Ausführliche Nachbetrachtung der schönen Reise durch meine Geburtsstadt Graz, die ich gemeinsam mit Lothar Ruske und den so freundlichen Leuten der Lesegesellschaft Andere Bibliothek unternehmen durfte. Mit vielen sehenswerten Fotos der Reiseteilnehmer Heinrich Käsgen und Angelika Domnick-Gölnitz.

Mein Kind ist ein Vogerl
Ankündigung der Anthologie mit dem Thema „Schriftsteller-Eltern schreiben über ihre Kinder“, die ich gemeinsam mit Bernadette Schiefer bei Edition Yara herausgegeben habe. Mittlerweile ist das Buch vergriffen, aber wir Eltern, die daran teilgenommen haben, schreiben immer noch.

Ich danke allen Verlinkerinnen und Verlinkern, allen Retweeterinnen und Retweetern und, v. a., allen Anklickerinnen und Anklickern und wünsche allerseits ein ruhiges Silvester und viel Glück im neuen Jahr, das, u. a., auch ein neues Buch von mir bringen wird!

Euer/IhrAndreas

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Fußball ohne Schläger

Posted in Stanglpass by andreasundschnurrendemia on 24. Dezember 2014

Es ist in den letzten Jahren zur traurigen Tradition geworden, dass ich gegen Jahresschluss auf diesem Medium kundtue, es sei zur traurigen Tradition geworden, dass meine einzigen Beiträge zur besten und (zumindest, was die Qualität der Zuneigung anbelangt) auch beliebtesten deutschen Fußballzeitschrift (“Der tödliche Pass”) aus den Antworten zur alljährlichen Silvester-Umfrage bestünden … Sei´s drum, vielleicht wird es im nächsten Jahr ja anders –  auch das schreibe ich jedes Jahr. Hier jedenfalls mein Stanglpass 2014 – und natürlich, wie jedes Jahr, der aus tiefstem Herzen kommende Wunsch, dass es Euch, geneigte Userinnen und User, in diesen Tagen so ergehen möge wie dem derzeit allenthalben so eifrig besungenen Otannenbaum (“Du grinst nicht nur zur Sommerszeit” usw.).

Umfrage Dezember 2014

1. Tor des Jahres

WM 2014: Carlsens 2:1 gegen Anand (misslungener Schuss – der Ball findet, sozusagen, von der Stange des eigenen, an der Fußspitze des Ex-Torschützenkönigs vorbei, ins Netz des gegnerischen Tors).

2. SpielerIn des Jahres

Wie 2013: Magnus Carlsen, Hobbykicker und Schachweltmeister, der all den Schachfans beweist: Fußball ist nicht nur was für Nerds! (Vgl. dazu: Gerald Wenge, Der tödliche Pass 72)

3. Spiel des Jahres

Carlsens Hallenkick am Ruhetag des Gashimov Memorials. Nach 2 Niederlagen in Folge kehrt er entfesselt ins Turnier zurück, siegt in der letzten Runde auch gegen Kronprinz Caruana.

4. Szene des Jahres

Caruana gegen Carlsen, Sinquefield Cup, Rückrunde: Carlsen nimmt Caruana nach dessen 7 Siegen in Folge (!) mit Müh und Not ein Remis ab, Körpersprache danach: gar kein Problem!

(Variante: Nach wochenlangem Hickhack entscheidet sich Carlsen doch dazu, das WM-Match in Sotschi, finanziert von einem ukrainischen prorussischen Aktivisten, zu spielen.

)

5. Enttäuschung des Jahres

Carlsen spielt bei der WM in Sotschi, anders als in Chennai 2013 und den meisten anderen Turnieren bisher, nur Basketball (an den Ruhetagen, meine ich – sonst natürlich Schach).

6. Größtes Ärgernis des Jahres

Garri Kasparow, Carlsens Mentor, verliert die offen korruptionsgelenkte Wahl des FIDE- (= Schach-FIFA)-Präsidenten gegen Amtsinhaber und Gaddafi-, Al-Assad- und Alien-Freund Iljumschninow.

7. Überraschung des Jahres

Fabiano Caruana beginnt das stärkste Turnier der Schachgeschichte, den Sinquefield Cup, mit 7 Siegen in Folge (ebenso „unmöglich“ wie gegen die Seleção 7:0 in Führung zu liegen).

8. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte…

… ließe sich Fußball nebenbei, also neben dem Kinderhüten, Arbeiten u. Ä., ebenso gut über Mobiltelefon und Twitter verfolgen wie Schach.

9. Satz / Spruch / Wort des Jahres

“The process of picking a line-up is a bit like sitting in front of your chess pieces. You’ve no idea how similar the two things are.” Pep Guardiola.

(Vgl. dazu:

)

10. Welche Wendung wollen wir 2015 NIE mehr hören

„Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel.“ (Lukas Podolski? Nein: Kabarettist Jan Böhmermann!)

Buchkultur (manuskripte 205)

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 20. Dezember 2014

Erfreuliche Rezension im Magazin „Buchkultur“ (Dezember 2014) zur vorletzten Ausgabe der „manuskripte“ (Heft 205 [!]), wobei mir der Satz, in dem „Größen wie Julian Schutting oder Ursula Krechel oder Franz Josef Czernin oder Michael Buselmeier“ erwähnt werden, natürlich besonders zu Herzen geht.

buchkultur

andreas

Fotos (c) Andrea Stift (danke!)

(Die Rede ist von diesen Gedichten.)

Tatsächlich ist der Lyrikteil dieser Ausgabe geradezu verschwenderisch stark besetzt, erwähnt werden können hätten genauso gut „Größen wie“ Uwe Kolbe (mit seinen berührenden Psalmen) oder Maja Vidmar (mit ihren ebenso unglaublich leichten wie unglaublich guten, von Slowenisch-Übersetzungs-Star Fabjan Hafner übertragenen Texten), und dass die Gedichte von Marija Ivanovic, Vasyl Lozynskyi, Nana Kelechidse, Ronald Pohl, Barbara Rauchenberger, Michael Hammerschmid oder Theodora Bauer (manuskripte-Förderungspreis 2014) „durchaus“ daneben „zu bestehen vermögen“.

Alles in allem jedenfalls: ein Gedicht.

Unterweger las Brus

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 6. Dezember 2014

Nachtrag zum Termin:
04.12.14, 19:00, manuskripte-Präsentation (Heft 206!).
Einleitung: Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger.
Es lesen: Dietmar Krug und Schauspieler Daniel Doujenis (Gedichte von Ilma Rakusa und Dragana Tripković). Andreas Unterweger liest 4 Kurzgeschichten von Günter Brus.
Schauspielhaus Graz, Ebene 3.,

Was so – “

 

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liest

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“ – bzw. so – “

“ – angekündigt war, hat dann so ausgesehen:

brus

*

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Mehr Fotos von diesem rundum gelungenen Abend und seinen Protagonisten (Dietmar Krug, Daniel Doujenis, angeregtes Publikum …) gibt es auf dem Facebook-Account der manuskripte.

* Foto-Credits:
Andreas Unterweger – Selbstübermalung © Andreas Unterweger, PRIVAT (übernommen von http://www.andreasunterweger.at)
Günter Brus – Selbstübermalung © Günter Brus, MUMOK (übernommen von http://www.zintzen.org)
Andreas Unterweger – Studiert die Rückseite von Heft 206 der manuskripte im Redaktionsbüro © Andrea Stift (übernommen von manuskripte auf Twitter)
Andreas Unterweger – Spricht über Heft 206 der manuskripte und richtet schöne Grüße vom anwesenden Herausgeber Alfred Kolleritsch aus © Andrea Stift (übernommen von manuskripte auf Facebook)
Andreas Unterweger – Liest „4 Kurzgeschichten“ von Günter Brus © Andrea Stift (übernommen von manuskripte auf Facebook)
Titelbild der manuskripte gemalt von Franz YangMocnik (Porträt von Friederike Mayröcker, die am 20.12. ihren 90. Geburtstag feiert und in der aktuellen Ausgabe der manuskripte durch mehrere Laudationes geehrt wird)

Übersetzen. Schreiben. Lesen.

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 4. Dezember 2014

Mein Beitrag zu Heft 206 (!) der manuskripte – und meine erste „Rezension“ (ich hoffe, es ist nicht wirklich eine geworden):

ÜBERSETZEN. SCHREIBEN. LESEN

Zu
Laure Gauthier: marie weiss rot. marie blanc rouge.
Mit einem Vorwort von Gilles Jallet und drei Fotogrammen von Brice Dellsperger.
Französische Fassung übersetzt aus dem Deutschen von Laurent Cassagneau und Laure Gauthier. Vorwort aus dem Französischen von Bettina Sund. Nachwort aus dem Französischen von Rieke Schäfer und Laure Gauthier.
Sampzon: Delatour France 2013.
Deutsch und Französisch je 116 Seiten.

1

„Ich bitte dich, bitte mich nicht darum, zu übersetzen.“

Im Gegensatz zu dem, was die Literary Scouts and Agents in Halle 6.0 der
Frankfurter Buchmesse auf Trab hält, lebe ich in der Gewissheit, dass es unmöglich
ist, Literatur (von „anspruchsvoller“ Literatur, Gedichten etwa, ganz zu schweigen),
ohne (zu große) Qualitätseinbußen von einer Sprache in eine andere zu übersetzen.

Andererseits wohnt einem solchen, per se unmöglichen Unterfangen (unmöglich wie,
z. B., die Wahrheit sagen [oder gar schreiben]) ein starker Reiz inne – der des
Utopischen. Und so versuche sogar ich, trotz meiner vor ca. 20 Jahren gewonnenen
Gewissheit, wieder und wieder das Unmögliche: schönes Scheitern, haufenweise …

Dieser utopische Reiz erhöht sich wohl noch, wenn man, einen Schritt weiter, in der
Fremdsprache, der Sprache II, schreibt: der Nervenkitzel, nicht genau (weniger denn
je) zu wissen, was man da von sich gibt – dazu die Außenperspektive, die nicht nur zu
Fehlern, sondern auch zu Wortspielen führt, die Muttersprachler nie machen würden.

Mit marie weiss rot. marie blanc rouge wagt die Pariser Germanistin Laure Gauthier
beide geschilderten Unmöglichkeiten. Sie hat den Text erst in ihrer Fremdsprache
Deutsch geschrieben, danach, mit Laurent Cassagneau, ins Französische übersetzt.
Das (intendierte) Resultat: Er liest sich in beiden Sprachen „wie eine Übersetzung“.

Was ist das? Philologische Spielerei? Ästhetik des bewusst Schlechten? Oder weckt
der Text, wie das Vorwort von Gilles Jallet (bzw. Bettina Sund [Übersetzung …])
behauptet, tatsächlich die Ahnung einer „Sprache III“, „die aus dem Raum zwischen
den beiden Sprachen hervorgeht: die abwesende Insel, klangvoll und farbenfroh“?

Rezensionszitat 1 (für Homepages, Klappentexte etc.):
marie weiss rot ist ein ästhetisch originelles Experiment zwischen zwei Sprachen,
das sich am Unmöglichen versucht und seine Schönheit im Scheitern (er-)findet.“

2

„Und lass mich endlich schreiben, weiß-rot schreiben.“

Auch gattungsmäßig sitzt marie weiss rot zwischen den Stühlen. Meist ein Drama
(mit Personen, Dialogen, Regieanweisungen), verfügt der Text außerdem über einen
Lyrikteil und einen Prosa-„Bonustrack“, sprich: ein Nachwort der Autorin („aus dem
Französischen [!] von Rieke Schäfer“). Dazu drei „Fotogramme“ (Brice Dellsperger).

Mit der Gattungsfrage eng verknüpft ist jene nach dem Inhalt. marie weiss rot ist
sowohl ein Beziehungsdrama (zwischen marie und Albert [und deren jeweiligen
Partnern Frederik und Christine]) als auch ein literarischer Essay (zu Sprache, Kunst,
Geschichte etc.) als auch (und dies wirkt dominant) ein „Klagelied“ (der Hauptfigur).

Worüber beklagt sich marie? Über ihre Männer, z. B. (Stichwort „Beziehungsdrama“,
s. o.), aber eigentlich über die ganze Welt („Sprache, Kunst, Geschichte etc.“, s. auch
o.). Eine einzelne, immer wiederkehrende Klage scheint jedoch alle anderen in sich
zusammenzufassen: die, nicht schreiben zu können – zumindest nicht so, wie sie will.

Dabei ist das Motiv Schreiben durchwegs mit der Handlung verknüpft, sprich: kunst-
und zeitkritisch, sexuell, ja, existentiell konnotiert. So meint marie, ihre
„Seitensprunglogik“ lege ihr „Wortschellen“ an. Albert (vor Kunst, die „das alltäglich
Unsagbare“ mit Knoten verdeckt): „Ich würde gern knotenartig schreiben können.“

marie hingegen sucht nach dem Knoten-Lösenden, frei Fließenden: „lass mich
[…] weiß-rot schreiben“ (konnotiert mit, u. a., Nelly Sachs´ „Ich lege Schnee auf meine
Wunde“ und Menstruations-Blut). Oder: „wie der Lachs […] in die Luft springt.
Tollkühn, voller Hybris, so frei. […] Ich würde so gern lachsartig dahinschreiben.“

Rezensionszitat 2 (für Pressetexte, Plakate etc.):
marie weiss rot ist ein dramatisches Gedicht jenseits der herkömmlichen
Gattungsgrenzen, in dem schreiben immer auch leben, und leben lieben bedeutet.“

3

„Lauter Ungereimtheiten im Text, oder?“

Die ewige Rezensionenfrage – die, ob dem Rezensenten der rezensierte Text gefällt
lässt sich in diesem Fall nicht einfach mit Ja/Nein beantworten – wohl deshalb, weil
sich der Text allen Vereinfachungen bewusst entzieht (vgl. dazu seine Sprach- und
Gattungskapriolen). Wobei es womöglich das ist, was mir an ihm am besten gefällt.

Endlich wieder einmal ein Buch, das auch als Medium spannend ist! Mit seinen zwei
Titelseiten (französisch und deutsch, von vorne und hinten lesbar), seiner Überzahl an
Übersetzern, Anmerkungen, Fußnoten, Leerseiten, Bildern, Sekundärtexten, Zitaten
präsentiert sich marie weiss rot als Gesamtkunstwerk – originell, intelligent gestaltet.

Was man bei all den Gimmicks, die um die Leerseiten im Zentrum aufgetürmt (bzw.
gegen sie, gegen das Stummbleiben, gerichtet) sind, leicht übersehen kann, ist die
Komplexität, die der Sprache selbst innewohnt – das dichte Netz aus (Leit-)Motiven,
dessen Knoten (!) sozusagen in fast jedem Satz weiß-rote (!) Abdrücke hinterlassen.

Eher springt der „übersetzungsartige“ Akzent von Gauthiers Kunstdeutsch ins Auge –
diese Mischung aus Pathos, Pseudo-Alltagssprache, riskanten Wortspielen und
Zitaten aus der Ecke Sachs/Celan, die zwischen Gesagtem und Gemeintem einen
auffällig großen Spalt zu lassen scheint (vgl. dazu die Leerseiten in der Buchmitte).

Hier soll sich wohl der Raum („Flur“) öffnen für die utopische „Sprache III“. Dazu ist
freilich Arbeit des Lesers vonnöten, der nicht gefällig berieselt wird. Stattdessen gilt
es, Gauthiers bewusstes Vorbeisprechen – so, wie manche Sterne nur dann leuchten,
wenn man an ihnen vorbeischaut – aktiv in die eigene, innere Sprache zu übersetzen.

Rezensionszitat 3 (für Kurzbiografien, Bewerbungsschreiben etc.):
marie weiss rot ist ein intelligent gestaltetes Gesamtkunstwerk, dessen komplexe
Poetik auch dem Leser eine Menge Arbeit abverlangt. Aber die Mühe lohnt sich!“