Andreas Unterweger

Ein Bild von dir – live

Posted in Mikroessays, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 29. Juni 2015

Recht verspäteter Nachtrag zum Termin:
22. und 23.10.2011: Andreas Unterweger bei der Autorentagung “Literarische Brennpunkte. Mikrotexte aus Lateinamerika und Europa“. Weitere Teilnehmer: Katharina Bendixen, Ruth Johanna Benrath, Flavia Company, Patricia Esteban Erlés, Judith Keller, Ildiko Nassr, Juan Romagnoli. Literaturhaus Lettrétage, Methfesselstraße 23-25, 10965 Berlin.

Hier ein paar Eindrücke in Form eines schönen kleinen Videos von Freyja Hirscher, u.a. sieht man eine jüngere Version von mir den Anfang der Kurz-Erzählung/des Prosagedichts „Ein Bild von dir“ lesen, ab 10:40.

Lettrétage 10/2011 from Freyja Hischer on Vimeo.

Meine Lieblingsstelle ist die, wo die Stimme weiterspricht, aber niemand mehr liest, und alle zu der Projektion an der Wand hinaufschauen. Das Bild dort zeigt freilich eine andere Judith als die, der der Text gewidmet ist (Judith Keller nämlich, damals aus Südamerika zugeschaltet).

„Ein Bild von dir“ ist später, dank Katharina Bendixen, in „poet“ erschienen – hier in Gänze nachzulesen.

Und es gab auch einen feinen taz-Bericht von Jan Scheper über das Literaturhaus Lettrétage und diese Lesung: hier.

Mehr zu meinen schönen Berliner Erlebnissen von 2011: klier hicken.

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manuskripte 208

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 27. Juni 2015

Nachtrag zu dem Termin vom 17.06.2015

Alfred Kolleritschs Begrüßung und mein Sprechen über Heft 208, Ernst Jandls Beziehung zu den manuskripten, Vanessa Hannesschläger, Ingeborg Horn, Tomas Venclova, Franz Weinzettl und die Vorlesenden Susanne Konstanze Weber und Daniel Doujenis gibt es jetzt als Video, gefilmt vom routinierten Jungregisseur Edwin Rainer alias voice-inspiration (danke!):

<p><a href=“https://vimeo.com/131735096″>&quot;manuskripte&quot; HEFT 208/2015 – Pr&auml;sentation durch ALFRED KOLLERITSCH und ANDREAS UNTERWEGER im Schauspielhaus Graz</a> from <a href=“https://vimeo.com/voiceinspiration“>voice-inspiration</a&gt; on <a href=“https://vimeo.com“>Vimeo</a&gt;.</p>

P.S. Kleine Korrektur: Ich bin Redaktionsmitglied der schönen manuskripte, nicht ihr Mitherausgeber.

Jandl gab Rat, Jandl half

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 24. Juni 2015

Mein kleiner Artikel über Texte von Ernst Jandl in Heft 208 der manuskripte, der in der heutigen Kleinen Zeitung unter dem Titel „werch ein illtum“ zu lesen ist – dort mit dem Mehrwert eines feinen Begleittextes von Werner Krause:

 

Jandl gab Rat, Jandl half

 

Am 1.8. dieses Jahres wäre Ernst Jandl 90 Jahre alt geworden. Die Literaturzeitschrift manuskripte präsentiert unveröffentlichte Texte aus seinem Nachlass.

 

Ernst Jandl war ein experimenteller Dichter – und gilt doch als „Popstar der Literatur“. Seine bekanntesten Gedichte, „schtzngrmm“ oder „ottos mops“, zeichnen sich eben nicht nur durch radikale poetische Verfahren, sondern auch durch Ohrwurmqualitäten aus. Seine legendären Lesungen erinnerten in punkto Stimmung und Besucherzahl tatsächlich oft eher an Pop-Konzerte. Populär ist Jandl heute aber auch insofern, als sein Werk unsere Alltagssprache geprägt hat wie kaum ein anderes – man denke nur an Redewendungen wie „lechts und rinks““, „werch ein illtum!“ oder „laut und luise“.

Doch selbst bei einem modernen Klassiker wie dem 2000 verstorbenen Wiener gibt es noch viel zu entdecken. Sehr viel, sogar. 650 Archivboxen und mehr als 200 Großformatmappen füllt sein Nachlass im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek. Ein Teil dieses Schatzes wird nun in der Literaturzeitschrift manuskripte veröffentlicht.

 

Diese Texte, großteils Briefe aus den 1960ern, zeigen Jandl nicht nur als brillanten Autor, sondern auch als aktiven Netzwerker. Im kulturell zurückgebliebenen Nachkriegsösterreich löste seine Schreibweise ähnlichen Widerstand aus wie den, dem sich Alfred Kolleritsch mit seinen manuskripten gegenübersah. Ein Schulterschluss lag nahe.

Kolleritsch veröffentlichte den von ihm geschätzten Lehrerkollegen erstmals in Heft 9 – und dann immer wieder. Und Jandl? „Jandl war helfend“, erzählt Kolleritsch heute.

 

Wie diese Hilfe konkret aussah, lässt sich nun in den bislang unveröffentlichten Briefen nachlesen: Jandl stellte wichtige Kontakte her. Außerdem gab er seinen Grazer (Brief-)Freunden, darunter Gunter Falk und Wolfi Bauer, Ratschläge – Kolleritsch etwa den, die Leitung des Forum Stadtpark zu übernehmen, um gegen mediale Angriffe gewappnet zu sein. Und anfangs übernahm er es sogar höchstpersönlich, die manuskripte in Wien zu vertreiben.

Vor allem aber schlug Jandl neue Autoren vor. So setzte er sich für Oswald Wieners Roman die verbesserung mitteleuropas ein, dessen Veröffentlichung in den manuskripten für Aufregung sorgen sollte. Auch Peter Weibel und Elfriede Jelinek (!) wurden von ihm empfohlen.

Höhepunkt der freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Kolleritsch, Jandl und dessen großer Liebe Friederike Mayröcker war zweifellos die 1973 erfolgte Gründung der Grazer Autorenversammlung. Damals eine progressive Alternative zum österreichischen PEN-Club ist die GAV heute die größte SchriftstellerInnenvereinigung des Landes.

 

Dass der Dichter Ernst Jandl nicht zu kurz kommt, dafür sorgt die in typischer Kunstsprache verfasste Prosa „die versuchung ernst jandls“. Der als Faksimile des Typoskripts abgedruckte Reisebericht ist, so Jandl-Forscherin Vanessa Hannesschläger in ihrem exzellenten Vorwort, „eine poetische Auseinandersetzung mit dem Leben im Literaturbetrieb“. Und: eine Liebesgeschichte. Und: ein literarischer Leckerbissen vom Feinsten.

7 Grazer Glücksversprechen II

Posted in Grazer Glossen, Trauer by andreasundschnurrendemia on 21. Juni 2015

Noch einmal mein Text aus dem von Luise Kloos 2012 bei edition keiper herausgegebene “Citybook” Graz (mit schönen Beiträgen von Werner Schandor, Andrea Stift u. a.) – von Schauspieler Rudi Widerhofer sehr, sehr gut vorgelesen (Beginn der Lesung ca. 2:50, Text darunter):

(Video vom arrivierten Jungregisseur Edwin Rainer alias voiceinspiration – besten Dank)

7 Grazer Glücksversprechen

 1

Schließ die Augen. Stolpere so bis zum Hochhaus am Lendplatz (dem mit der Uhr drauf), fahr
mit dem Lift bis ganz hinauf, zur Waschküche, taste dich an ein Fenster … Öffne die Augen.

2

Warte auf den heißesten Tag des Jahres. Wandere dann, auf dem größtmöglichen Umweg,
zum Landhaushof, setz dich unter die Arkaden. Die Bänke dort liegen seit 1505 im Schatten.

3

Geh die Keplerstraße auf und ab (oder die Kärntner Straße oder die Conrad-von-Hötzendorf-
Straße oder die Triester Straße oder die Grabenstraße …) – so lange, bis es zu regnen beginnt.

4

Leg dich unter den Hummelbaum – Yggradsilkrone aus summenden Blüten – im Innenhof der
Universität. Leg den Wittgenstein weg, die Zigaretten weg. Beginn die Hummeln zu zählen.

5

Lauf am linken (oder rechten) Murufer entlang nach Norden (oder Süden). Lauf unter der
letzten Brücke durch. Lauf, bis der Weg endet, die Welt endet, der Wald beginnt. Lauf weiter.

6

Lern Fahrradfahren im Volksgarten. Versuch es immer wieder – bis deine Zähne nicht mehr
den Boden berühren. Versuch das dann mit den Knien. Mit den Füßen. Dann: mit den Reifen.

7

Mach dir Freunde in Andritz. Tauch unter in ihrem Swimmingpool. Werde ein erstes gelbes
Blatt, ein Katzenhaar, ein Pingpongball. Treib so (so langsam es nur geht) aufs Meer hinaus.

Na Bumba!

Posted in Koffeinismus, Twitteristik by andreasundschnurrendemia on 15. Juni 2015

Mit wem würde man den Erhalt des Projektstipendiums für Literatur des Bundeskanzleramtes 2015/2016 lieber feiern?

 

Ähnlicher Beitrag: Gâteau rigolo

 

Morgen in Graz

Posted in ratlos by andreasundschnurrendemia on 11. Juni 2015

Jetzt ist es also schon 10 Jahre her, dass dieser Song geschrieben wurde …

ratlos: Morgen in Graz (Video: Matthias Jäger)

In den Credits auf der 2008 erschienenen, gleichnamigen EP werde ich als alleiniger Musik- und Text-Autor ausgewiesen. Na ja. Stimmt schon, ich habe diesen Hund gesehen. Und hatte so einen Rhythmus im Ohr, der im wilden Schlussteil des leider (noch?!) unveröffentlichten ratlos-Songs „Hochwald“ (Dayé/Unterweger) erstmals anklingt.
Die Basslinie aber hat Stefan Laube komponiert. Bei Struktur und Aufbau des Songs war Schlagzeuger Lukas Priebsch bestimmt mehr als nur mitbestimmend. Und die Soli, mit denen der Song zwischendurch und am Schluss abhebt, hat sich Christian Dayé natürlich ganz allein ausgedacht. Ein richtiger Bandsong also, von Heimo Knopper schön wuchtig produziert, dank kunst@werk in einem Schaufenster der Grazer Jakominigasse in Szene gesetzt und von Matthias Jäger angenehm sperrig in Videoform gepackt.
Die Zeichnungen im Hintergrund sind von Walter Lang, das ratlos-Logo ist von Reinfried Blaha.

Auf der immer noch existierenden FM4-Soundpark-Seite von ratlos gibt es übrigens, u.a., diese, 2007 in 1070 Wien verfassten, fast zu viel verratenden Liner Notes zu lesen:

„Es ist ein Labrador, der dem Kitzel der in den Wellen der Mur schwankenden Schilfhalme nicht widerstehen kann, der in den Fluss springt und stromaufwärts davonschwimmt. Und du kannst es ihm nachfühlen, weißt selbst, wie kalt dieses Wasser ist, das die Freiheit bedeutet, und wie viel Hoffnung der Schmerz bringt, von ihm getauft zu werden, Kopf unter Wasser, und wieder aufzutauchen, neu geboren.“

Sommer der Liebe

Posted in Das gelbe Buch, Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land, Trauer by andreasundschnurrendemia on 1. Juni 2015

Das Getränk zum Buch:

„Sommer der Liebe“*

1/8 l Bio-Weißwein, 5/8 l kaltes Leitungswasser, 3-7 Blätter Zitronenmelisse.

Die gut gekühlte Flasche in eine Badetasche packen und am ersten richtigen Sommertag des Jahres am Badesee (oder Fluss, Meer …) langsam, aber konsequent, austrinken.

* Nach Tom Tom, in Erinnerung an die Sommer mit ihm (6.11.77-1.6.11).