Andreas Unterweger

Rockahorn (Update)

Posted in Tankstellenmorgen, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 15. Februar 2016

Spät, aber noch: Nachtrag zu dem schönen Termin am 16.12.15 in der Landesbibliothek Steiermark, Graz:
Verleihung des rotahorn-Preises
(gestiftet von KR Hans Roth und kuratiert von Alfred Kolleritsch, Werner Krause, Barbara Frischmuth und Reinhard P. Gruber)
an zwei meiner Lieblingsdichter: Franz Weinzettl und Verena Stauffer.

Musikalische Umrahmung:
Andreas Unterweger (voc, harp), Norb Payr (git, voc), Gernot Feldner (kb)

16.12.2015, AUT, Joanneumviertel, Graz, VERLEIHUNG DES ROTAHORNPREISES, im Bild: ; FOTOCREDIT: ERWIN SCHERIAU WICHTIGER HINWEIS: Der Auftraggeber wird darauf hingewiesen, dass der Fotograf keine gesonderten Vereinbarungen mit den abgebildeten Personen oder mit den UrheberInnen abgebildeter Werke getroffen hat. Ausdrücklich wird daher auf die einschlägigen, insbesondere persönlichkeitsrechlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes verwiesen, die vom Auftraggeber unter eigener Verantwortung zu beachten sind.

(c) Erwin Scheriau

Ich danke Franz Weinzettl für die Äußerung seines Wunsches, Norb Payr und mich für die „musikalische Umrahmung“ einzuladen,
KR Hans Roth und seinem Team (v.a. Josef M. Schurz!) für die aufmerksame und überaus freundliche Organisationsarbeit,
Alfred Kolleritsch, Franz Weinzettl und Verena Stauffer für ihre ebenso launigen wie herzlichen Ansprachen,
meinen Bandkollegen für ihre Virtuosität, vertrauensstiftende Gelassenheit und allgemeine Schärfe …

Foto7262

… und überhaupt allen Beteiligten für diesen rundum gelungenen Abend! Musikalische Umarmung!

P.S.

Die Setlist:
„Tankstellenmorgen“
„Autopilot“
„Bei dir“
(alle: Payr/Unterweger)

Auf der EP „Tankstellenmorgen“ (Dornbach Records 2012) gibt es die Musik zu den Bildern.

Und hier eine Hörprobe: „Autopilot“

P.P.S.

Und hier noch einige private, exklusive und dementsprechend interessante Post-Preisverleihungs-Party-Fotos, gemacht und mit Kommentaren versehen von Preisträgerin Verena Stauffer!

„Nur Alfred fehlt!“
(dafür ist KR Hans Roth im Bilde [l.])
stauffer1

„alles dreht sich!“stauffer2

„beim Christkindlmarkt“
(mit, u.a., Dr. Rainer Götz [l.] und Dr. Franz Weinzettl [r.])stauffer3

„du bist ganz verschwommen, Helga“
(Höhn [l.], von den manuskripten)stauffer4

„die Richtung“
(in der/die es mit der Literatur weitergeht,
sprich: vor dem Wegweiser zum Redaktionsbüro der manuskripte – mit Helga Höhn [l.], am Morgen danach)stauffer5

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„Versteckte Sprachphilosophie“ (Alfred Kolleritsch über „Das gelbe Buch“)

Posted in Das gelbe Buch by andreasundschnurrendemia on 11. Februar 2016

Hier das Transkript von Alfred Kolleritschs Rede auf „Das gelbe Buch“ als sein „Buch des Jahres“ im Literaturhaus Graz („wir“ berichteten) – neben dem relativ reibungslos und sogar mit Spaziergang vor der Bescherung abgelaufenen Heiligen Abend mit meiner Familie in diesem Jahr mein schönstes Weihnachtsgeschenk!

Vielen Dank!

Alfred Kolleritsch
über
Andreas Unterweger: „Das gelbe Buch“
als „Buch des Jahres“ 2015

Literaturhaus Graz, 17.12.2015
Gesprächsrunde mit Werner Krause, Klaus Nüchtern, Daniela Strigl und Überraschungsgästen (Christoph Hartner, Alfred Kolleritsch, Clemens Setz). Moderation: Klaus Kastberger

Alfred Kolleritsch:

Ich habe mich für ein Buch entschieden, das ich zuerst zögerlich gelesen habe, um dann immer begeisterter in das Buch hineinzukommen. Das Buch nennt sich „Das gelbe Buch“, von Andreas Unterweger. Es hat schon eine ganze Reihe Besprechungen gegeben, und ich habe mir einige Gedanken dazu gemacht.

In dem Buch steckt sehr viel Sprachphilosophie – versteckt. Wenn man das so oberflächlich liest, hat man das Gefühl: „Mei, ein Kinderbuch!“ – es geht ja auch um Kinder –, aber dahinter steckt ein ganz bestimmtes, nicht unbekanntes sprachkritisches Verständnis. Das Buch zitiert ja, ganz schüchtern, eigentlich, einige Stellen Wittgenstein, es wird auf Hugo von Hofmannsthal hingewiesen, auf den „Chandos-Brief“ usw. Mit einem Wort, es geht um das Missverhältnis, das es zwischen der Einbildung und dem „Sachverhalt“, wie der Autor schreibt, gibt.

Die Sprachkrise, das ist ja bekannt, ist Anfang des 20. Jahrhunderts ein großes Thema gewesen, Wittgenstein usw., das muss ich hier nicht erzählen. Nun, da haben sich zwei Wege auseinandergetrennt, die einen sind sozusagen den Weg der experimentellen Literatur gegangen oder haben die Literatur überhaupt aufgegeben, weil jemand, dem das politische Denken wichtiger ist, hat andere Probleme.

Der gute Autor, den ich da zu besprechen habe, ist einen eigenen Weg gegangen. Er hat die Probleme der Sprachkrise zwar mit hineingenommen, aber er hat sich gleich in eine Welt der Phantasie begeben.

Das ist ein Buch, das man liest, als ob man in der Hülle einer Monade eingeschlossen wäre. Alles, was in dem Buch geschieht, alle Tiere, alle Menschen, sind gelb. Das Gelb ist ein Fluidum, ein alles übergreifendes Phänomen, und in dieser Welt, in dieser Monade, spielen Kinder. Es ist eine Kinderwelt, aber das Ganze ist eben nicht eine Kinderwelt, sondern die Kinder sind Beispiele für das, was ihnen ein Anliegen ist, nämlich, darüber zu reden, dass ein Zustand von der Welt erhofft werden könnte, wo das Denken und das Sein nicht irgendwie auseinandergesetzt sind, sondern in dem irgendeine Einheit, eine Möglichkeit einer geschlossenen Welt, eine Art lebensfähiger Heimat geteilt und besprochen wird, beschrieben wird.

Die Bewohner dieser Welt, dieser gelben Welt, dieser Monade, die ja ohne Fenster ist, wie man bei Leibnitz liest, sondern eine riesige geschlossene Kuppel – es wird auch kaum vom Tod, vom Ende geredet –, werden in vielen kleinen Episoden dargestellt

Im Mittelpunkt stehen ein Großvater – eine liebliche Figur, wie Kinder sie sich wünschen, der alles macht, die Schuhe putzt, kocht, für die Kinder sorgt –, dann Kinder, die wohnen in einem Haus, ein Fluss ist in der Nähe, die Kinder baden, die Kinder sind fröhlich, so wie man sich ein Kinderleben vorstellt. In diese Welt dringen immer wieder einige neue Figuren ein. Da ist zum Beispiel der berühmte Waldläufer, der von außen kommt und quasi Meldungen bringt von anderen Geschehnissen in dieser Gegend. Der Waldläufer ist so etwas wie ein Philosoph, ein Denker, der versucht, Ordnung zu schaffen, obwohl dort ohnehin eine gewisse Ordnung herrscht. Mir ist eingefallen, jetzt: er ist ein Dadasoph, dieser Mann, der da kommt, und den alle mögen, und der die kleine Welt mit Neuigkeiten versieht.

Die vielen Differenzierungen dessen, was dort geschieht, sind in einer wunderbaren und genauen Sprache beschrieben. Es ist keine Phantasiesprache, sondern da wird die Phantasie zu einer ganz merkwürdigen Realität. Wenn man das liest – es sind so wunderbare Stellen drinnen. Es treten natürlich auch Frauen auf, Mädchen, in die die Buben verliebt sind. Diese Passagen sind so, dass man sie verwenden könnte für Liebesbriefe usw., so viel Herzliches …

Und trotzdem ist das Buch jetzt keine Idylle, sondern es ist der Entwurf, die Konstruktion einer Idylle. Es ist kein psychologisches Buch, keine Kinderpsychologie wird da betrieben, sondern es geht letztlich um die Sprache oder um die Fähigkeiten der Sprache – es ist ein Buch der Möglichkeiten.

Klaus Kastberger:

Wem würden sie es schenken?

Alfred Kolleritsch:

Ich habe es selbst geschenkt bekommen … (Lachen) Nein, also: Kindern kann es man schwer schenken …

Klaus Kastberger:

Ab 18 Jahren! (Lachen)

Alfred Kolleritsch:

Jemanden, der gerne phantastische Erzählungen liest, Kleinigkeiten, Idyllen – der aber weiß, dass das alles zerbrechliche, gebrechliche Situationen sind.

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P.S.
Übrigens, nicht verpassen: Heute, am 11.02.: Präsentation der Neuauflage von Alfred Kolleritschs Roman „Allemann“ im Literaturhaus Graz, mit Alfred Kolleritsch, Angelika Reitzer, Thomas Stangl, Jochen Jung u.a.m.!