Andreas Unterweger

manuskripte 211

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 24. März 2016

Nachtrag zum Termin:
23.03.2016,, 19:00, Präsentation der manuskripte 211. Es lesen Sarah Kuratle, Günther Freitag und Lydia Haider. Mit einer Begrüßung von Alfred Kolleritsch und einer Einleitung von Andreas Unterweger. Schauspielhaus Graz, Ebene 3, 19:00.

Ja, Alfred Kolleritsch konnte tatsächlich leider nicht kommen – war aber zumindest durch das von Fritz Panzer gemalte „Porträt“, das die Titelseite der aktuellen manuskripte ziert, omnipräsent.
Heute früh war die Müdigkeit, Folge eines arbeitsreichen Tages samt anschließendem ORF-Interview, zum Glück wieder überwunden. Dieser Schnappschuss zeigt ihn bei einem „Stelzenerlebnis“ am Grazer Lendplatz – zu Beginn eines, in seinen Worten, „erfolgreichen Vormittags“!

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Das Heft 211 freilich ist, wie jedes manuskripte-Heft, nicht nur von außen, sondern auch innen drin ein sehr schönes geworden.
Unter den Beiträgern finden sich zahlreiche „manuskripte-Klassiker“: Ingeborg Horn, Leopold Federmair, Elke Laznia, Olga Martynowa, Günther Freitag oder die beiden großen österreichischen Lyriker Franz Josef Czernin und Michael Donhauser, deren Arbeiten auch in Essays von Thomas Poiss und Theresia Prammer bespochen werden.
Besonders freuen wir uns über die zahlreichen neuen manuskripte-Autorinnen und -Autoren in diesem Heft. Bei manchen von ihnen, Sarah Kuratle und Björn Treber etwa, handelt es sich sogar um ihre ersten literarischen Veröffentlichungen überhaupt. Die kleine „Geburtshilfe“, die Literaturzeitschriften wie die manuskripte bei derlei Debüts leisten können, gehört bestimmt zu den wertvollsten Aspekten ihrer Arbeit. Geht es doch um nichts weniger als das Mit-Teilen eines neuen Blickwinkels, die Eröffnung eines neuen Zugangs – im Grunde: die Entdeckung einer neuen Welt. Nachdem die alte auf ihre so wenig bewährte Weise weitermacht, sind Neuentdeckungen wie diese, wie immer schon, dringender als je zuvor.

Hier die drei Lesenden – alle drei, jede/r auf ihre/seine Art, großartig:

Foto7718Sarah Kuratle

Foto7719Lydia Haider

Foto7721Günther Freitag

Und hier eine Momentaufnahme des Après-Poesies in Ferdls Weinstube, u. a. mit Philipp Kolleritsch, Klaus Hoffer, Helmut Moysich – auch alle drei großartig, z. B. als Übersetzer!

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P.S.
In der Kleinen Zeitung vom 23.3.16 gab es sogar schon eine Rezension um Heft. Unter dem Titel „Der schönen Worte junge Gesichter“ erwähnt auch Daniel Hadler die „auffallend viele[n] junge[n] Autoren“ und geht auf einige der Textbeiträge ein – zu meiner Freude auch auf meinen eigenen. Danke!

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P.P.S.
Erfreuliche Rezension des Heftes auch in der Kronen Zeitung v. 29.3. Christoph Hartner hat interessante Assoziationen zu Fritz Panzers Porträt von Alfred Kolleritsch und findet freundliche Worte zu mehreren Beiträgen – zu meiner Freude ist mein eigener schon wieder dabei! Danke!

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Fünf Freunde (manuskripte 211)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 23. März 2016

Mein Beitrag zu Heft 211 der manuskripte:

 

FÜNF FREUNDE

 

Love´s not the way you treat a friend.

Richard Brautigan

 

DAMALS

 

Vor dreizehn Jahren, sieben Monaten und siebzehn Tagen, oder vielleicht auch schon

vor vierzehn Jahren, einem Monat und sieben- oder gar neunundzwanzig Tagen, kurz:

damals, als ich kurz davorstand, die Stadt, die, damals noch, die meine war (& deine,

obwohl ich das, warum auch immer, immerzu zu vergessen pflege …), zu verlassen,

erzähltest du meinem ehemaligen engsten Freund (damals noch dein Kollege, oder?),

der – meinen alten Notizen zufolge – „verlässlich“ war (oder steht da: „vergesslich“?!),

was du von mir (mir, damals! [niemand, wirklich, an den man sich erinnern müsste …])

in Wirklichkeit, jetzt! (also damals), willst: zwei Kinder – & ein weißes Sommerkleid,

 

& heute – ist alles so geworden, wie du es dir vorgestellt hast: Das weiße Sommerkleid

ist da, & du bist da, & die zwei Kinder & ein Strohhut, & selbst ein Picknickkorb ist da

(fehlt nur ein Schirmchen auf den Renoir!) auf diesem Spielplatz, dieser Sommerwiese

im Park der Stadt, die immer deine war (& meine ist, auch wenn ich´s immerzu vergesse),

& dein Lachen ist da, wie immer, damals schon (stimmt: du warst die, die immer lachte),

& sogar ich: bin da, auch mich: sehe ich, auf diesem Bild (das keines ist, es ist ja wahr),

im weißen Licht über die Spielplatzwiese laufen – fangenspielend, mit dir –, & lachend

werde ich (von jemandem, der vergessen hat, dass wir uns kennen) mir selbst vorgestellt.

 

 

 

MANCHMAL

 

„Von mir aus könnte es immer so weiterregnen“, hätte ich damals denken können,

hätte ich damals vielleicht sogar denken sollen, denke ich heute manchmal, aber

in Wirklichkeit (das heißt: damals) dachte ich nicht an so was, dachte ich nur an –

ja, was eigentlich – eigentlich gab es damals wohl gar nicht so viel zu denken …

 

Wir saßen einfach da, auf deinem Sofa, du & ich, wir hatten immerhin ein Kind

zwischen uns sitzen – & bei dem kleinen Eisbären & bei Bob, dem Baumeister,

& bei dem warmen Regen, der da draußen: auf deinen Eisberg, meine Baustellen fiel,

fiel gar nicht auf, was mir nun manchmal einfällt – manchmal, wie gesagt, nicht oft.

 

 

 

NIE

 

Nie fällt mir ein, dass ich verliebt sein wollte

in eine Frau, die (damals) Frauen liebte: dich

 

z. B., & dennoch: denke ich an sie viel öfter

als an uns – das, was auch immer es nicht war

 

mit dir & mir … Bei ihr erinnere ich mich

gerade noch, dass es nicht viel war, was da

 

nie passierte – wenig, zumindest, zu wenig,

gewiss, um es jetzt immer noch nicht nicht

 

mehr zu verschweigen … Von dir jedoch

weiß ich nicht einmal das.

 

 

 

IMMER

 

Immer schaffte ich es dann am Ende doch nie,

dir zu sagen, was ich für dich nicht empfand –

aber etwas muss man doch auch nicht sagen

(hieße nichts nicht sagen denn nicht: sprechen?),

& so: brach ich also unser schönes Schweigen

erst, als die Straßenbahn in die Station einfuhr

& du wegen ihres Lärms nichts hören konntest.

 

Immer noch nicht stehe ich immer noch hier

an der Haltestelle, wo ich es immer noch nicht

nicht glauben kann, was ich dir damals sagte,

& immer noch nicht sehe ich dich immer noch

schön lächeln, & verständnislos, hinter der Scheibe –

damals, als die Straßenbahn dich wegbrachte

von mir, von uns, unserer Chance, für immer.

 

 

 

NICHT MEHR

 

Von deiner Stadt hab ich nicht mehr gesehen

als Paul Verlaine von Manchester, das heißt:

so gut wie nichts – wobei das „so gut wie“

dem Regen gilt, dem Schnee, dem Hagel

& all den andren 37 Arten des bekannten

terrestrischen meteorologischen Niederschlags.

 

Von deiner Stadt hab ich nicht mehr gesehen

als Regen, Hagel, Griesel, Graupel, Schnee

& Butter, die auf einem Crumpet schmilzt.

Am Morgen kamst du in mein Bett, & ich

las dir Verlaine vor, Souvenir de Manchester.

Es regnete noch immer, hinterher, als wir

 

im Nebel Richtung Busbahnhof spazierten.

 

 

 

 

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Lesefest 2016 – Rückblick

Posted in Das gelbe Buch, manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 11. März 2016

Nachtrag zum Termin:
05.03.2016,, 19:30, Andreas Unterweger liest aus „Das gelbe Buch“ beim Lesefest „Neue Texte“. Einführung duch Natascha Gangl. (Andreas Unterweger spricht um 17:00 über Martin Kolozs und um 18:00 über Verena Stauffer). Kulturzentrum bei den Minoriten. Mariahilferplatz 3, 8020 Graz.

Schön war´s! Es hat zwar lang gedauert (von 14:00 – nach 22:00 statt bis um 20:30, ich war mit meiner Lesung z. B. erst nach 21:00 dran – wäre erfreulich, wenn sich das nächste Mal alle Kolleginnen und Kollegen an die ohnehin klar vorgegebenen Zeitangaben halten könnten, es ist ja klar, dass sonst alle anderen nach hinten verschoben werden …), aber das wurde durch die gute Stimmung während der Veranstaltung und meine anschließend im Rehazentrum Baltimore erfolgreich verlaufene Tischfußballtherapie mehr als wettgemacht!

Ich danke Birgit Pölzl und Andreas Wladkowski für die gewohnt tolle Organisationsarbeit!

Hier meine Auftritte (alle Fotos (c) Teresa Schnider, Kultum – danke!):

Ich spreche …

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… über Martin Kolozs …

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… (hier der Einführungstext: „Tirol ist ferner, als man denkt“).

Ich spreche …

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… über Verena Stauffer …

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… (hier der Einführungstext: „Die Wahrheit über Verena Stauffer“).

Natascha Gangl spricht …

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… über mich, und ich lese, zum letzten Mal womöglich (buhuu!), aus „Das gelbe Buch“
(hier Natascha Gangls Text über mein Buch, mit dem ich natürlich sehr glücklich war – vielen herzlichen Dank, Natascha! Als möglicher Titel dafür kämen sowohl „Der Unterweger-Effekt“ als auch „Die gelbe Sprache“ in Frage).

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Weitere Highlights waren etwa die Auftritte von Franz Weinzettl, Gerhild Steinbuch, Wilhelm Hengstler, Ninja Reichert (Lesung der Texte von Clemens Setz) und meine coolen neuen Schuhe.

Für die wenigen Grazer, die nicht bis zum allerletzten Leseblock ausgeharrt haben (ich danke allen, die es geschafft haben!) oder meinen dort geäußerten Aufruf verschlafen haben:
Ich suche für meine Familie und mich ein Haus mit Garten in der Umgebung von Graz-Umgebung. Es soll so ähnlich aussehen wie „das gelbe Haus“ in „Das gelbe Buch“ (Idylle usw. – im Buch nachzulesen). Wir danken für Hinweise.

„Mein Weinviertel“ – Vorschau

Posted in Das gelbe Buch, Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 10. März 2016

Große Vorfreude auf meine allererste Lesung in Krems, morgen, 11.03., 20:00, Unabhängiges Literaturhaus NÖ, bei der Erstpräsentation der Anthologie „Mein Weinviertel“ (Edition Niederösterreich 2016)!

Außerdem lesen: Beatrix Kramlovsky, Alfred Komarek, Marion Steinfellner.

 

Ich lese 12 – 15 Minuten aus meinem Beitrag mit dem Titel „Nein: New Grafenwörth: Ja. / Auszüge aus Andreas Unterwegers großem Interview mit dem Rolling Stone (Grafenwörther Ausgabe, August 2015)“.
Im ersten Teil dieses „Interviews“, das einen Dichter namens „Andreas Unterweger“ an einem für ihn typischen Arbeitsmorgen, von 06:00 – 09:00, begleitet, geht es um Dichtung und Wahrheit in Bezug auf „Das gelbe Buch“ (das ja zur Gänze in St. Johann/Grafenwörth geschrieben wurde), im zweiten, u. a., um das „Wirtschaftswunder Wagramland“ in seiner so spannenden Ambivalenz („New Grafenwörth“), im dritten, wichtigsten, dann um das „Das Leuchten der Bäckerei Staiger“.

 

Ich danke Gabriele Ecker von der Edition NÖ und Herausgeber Wolfgang Kühn für die Einladung und die so gute Zusammenarbeit.

Ich danke Thomas Mann für, u. a., „Lotte in Weimar“ und Alfred Kolleritsch für, u. a., „Nein: Graz: Ja“.

Ohne sie wäre „Nein: New Grafenwörth: Ja“ nicht möglich gewesen.

 

Ankündigung des Abends auf der Website des Unabhängigen Literaturhauses NÖ.

Ankündigung der Anthologie auf der Website der Literaturedition NÖ.

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