Andreas Unterweger

Montagsbühne

Posted in Das gelbe Buch, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 24. Januar 2017

Besser fast zwei Monate zu spät als zwei! Nachtrag zum Termin:
05.12.2016, 19:00, Andreas Unterweger liest auf der „Montagsbühne“. Außerdem lesen: Stephanie Lindner, Fanny Sorgo und Max Wallenhorst. Moderation: Florian Labitsch und Christoph Szalay. Literaturhaus Graz, Elisabethstr. 30, 8010 Graz.

 

Mein Highlight dieser Lesung war zweifellos das überraschende Auftauchen eines alten Freundes, mit dem ich früher, vor elf, zwölf Jahren, so manche Glühbirne eingeschraubt habe. Vom Rasenmähen, Laubrechnen und dem stundenlangen Schneeschaufeln, das ich um zwei Tage verpasst habe, ganz zu schweigen.

Jedenfalls: der Freund wollte vorletzten Sommer zur Präsentation von „Das gelbe Buch“ kommen, wurde aber am selben Tag von einer Gehirnblutung niedergestreckt. Im Krankenhaus habe er sich selbst versprochen: „Sobald ich wieder gehen kann, komme ich zu einer Lesung vom Andreas.“ Und er hat Wort gehalten.

Ihm zuliebe habe ich dann auch mein geplantes Programm umgeworfen und von der radikal jugendlichen Bandgeschichte, die ich vorlesen wollte, umgeschwenkt auf ein paar Kapitel aus „Das gelbe Buch“.

Nicht jede Gelegenheit, die man verstreichen lassen muss, ist für immer vertan.

 

Hier ein paar Fotos dieses rundum gelungenen Abends, an dem ich – zum ersten Mal, denke ich, und wie aus den Fotos einwandfrei zu erkennen! – unter den Lesenden, und das gleich mit zehn Jahren Vorsprung, der Methusalem war.

Agnes Altziebler vom Literaturhaus Graz begrüßt, Florian Labitsch und Christoph Szalay moderieren:

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Stephanie Lindner liest eine zarte Geschichte.

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Florian Labitsch und Christoph Szalay lesen den dramatischen Text von Fanny Sorgo, die nicht kommen konnte.

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Max Wallenhorst liest und macht coole DJ-Geräusche mit seinem Computer.

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Ich lese –

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u. a. dieses, zum Datum passende Kapitel aus „Das gelbe Buch“.

Und hier der Text, mit dem mich Florian vorgestellt hat – herzlichen Dank dafür, und für die Einladung und die Organisation (auch an Christoph!), und überhaupt allen Beteiligten!

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Florian Labitsch:

Andreas Unterweger

 

Himmel und Hölle ist ein Hüpfspiel, der Grat ist schmal, zwischen der Hölle links, wo bekanntlich der Teufel sitzt, und der anderen Seite, wo er, der andere, aufgefahren in den Himmel, er sitze zur rechten …Und so weiter. Priester oder Pfarrer ist wohl keiner an mir verloren gegangen, obwohl dieses Pult theologisch angehauchte Gemüter vielleicht an die Kanzel in der Kirche erinnern könnte. Vielleicht kommen wir in den Himmel, ich eher nicht, Andreas Unterweger jedenfalls war immerhin schon im siebenten Himmel. Warum? Der Titel seines 2009 veröffentlichten Romans lautet: Wie im Siebenten. Andreas und Judith, die Protagonisten des Prosawerks, leben nicht nur im siebenten Wiener Gemeinde-Bezirk, sondern auch im siebenten Himmel, aber weil der Autor raffiniert ist, ließ er im Romantitel den Himmel außen vor. Dennoch handelt das Buch nicht nur von einer Beziehung, von Liebe, sondern –  wie alle großen Romane – auch vom Tod, der Leere, dem Verzweifeln: Wir hatten ein Loch in der Brust. Das Loch war ein Einschussloch. Das Loch war die Summe der Löcher, die unsere Vorfahren im Krieg in andere Leute geschossen hatten – und umgekehrt. Viele von uns verbrachten ihr Leben mit dem Versuch, das Loch wieder zuzustopfen. Aber das Loch war groß. Zu groß.

Christoph und ich sind ja die größten Fans von guter Literatur, daher ist es keineswegs uneigennützig, wenn wir gute, sehr gute Autoren wie den Andreas, der auch Mitherausgeber der Grazer Literaturzeitschrift manuskripte ist, einladen. Ich freue mich auf den einzigen heute unter uns, der schon im Himmel war, und wundersamerweise wieder auf die Erde zurückgekehrt ist, nur um auf der Montagsbühne aufzutreten: Willkommen, Andreas Unterweger!

 

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GroßVaterSprache (Freie Presse)

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 6. Januar 2017

Mein Gedicht „GroßVaterSprache“ ist big in Sachsen – zumindest wurde es in der gestrigen Ausgabe der Chemnitzer Tageszeitung „Freie Presse“, der „größten Abonnement-Zeitung Sachsens“ (Wikipedia), in der Kolumne „Gedicht der Woche“ abgedruckt.

Ausgewählt wurde mein Gedicht vom Redakteur dieser Spalte, dem Lyriker Andreas Altmann (zuletzt in den manuskripten 214 vertreten). Herzlichen Dank!
Leider ist „GroßVaterSprache“ das viertletzte Gedicht, das in dieser Reihe erscheint – die „Freie Presse“ stellt die Kolumne ein. Weniger Poesie in Sachsen, das kann nicht gut sein. Protestierende Leserbriefe erwünscht!

„GroßVaterSprache“ wurde 2008 in St. Johann/Grafenwörth und 1030 Wien geschrieben. Erste Veröffentlichung in manuskripte 199, eine Übersetzung ins Polnische erschien in der „Anthologie österreichischer Gegenwartslyrik in polnischer Sprache“ mit dem Titel „pod język wkładam ci słowo“ (Atut Verlag, Wrocław).

*

GrossVaterSprache

Die Panzerwagen der Ernte-Division
sind gestern früh durch unser Dorf gerollt.

Vier Kilometer nördlich stand der Mais.
Sie mähten ihn, sie metzelten ihn nieder.

Erst gegen Abend herrschte auf dem Schlachtfeld
dann wieder Schweigen, sozusagen: Frieden

das Wort, für das der Weltsprache der Kriege,
in der ich schreiben muss, die Bilder fehlen.