Andreas Unterweger

Der Besuch der jungen Leute

Posted in Das gelbe Buch, manuskripte, Tingeltangel-Tour, Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 8. Februar 2017

Volles Haus, oder genauer: volle manuskripte-Redaktion, als uns gestern, am 07.02.17, Schülerinnen und Schüler der 6., 7. und 8. Klassen des Akademischen Gymnasiums mit ihrem Deutsch-Lehrer Dr. Josef Buchegger besuchten.

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Die jungen Leute, die freiwillig (!) und nach Schulschluss (!!) zu Besuch waren, lauschten aufmerksam meinem Impulsvortrag über die manuskripte, stellten kluge Fragen und hatten auch mehrheitlich die richtige Antwort parat, als es darum ging, unter 2 Gedichten dasjenige zu erkennen, das Alfred Kolleritsch und ich in die nächste Ausgabe aufgenommen haben. (Ich habe die Texte ohne Nennung ihrer Autoren vorgelesen. Das gute Gedicht stammte aus Kornelia Koepsells Zyklus Die Wächter und ist in Heft 215 der manuskripte, die am 30.03.17, um 19:00, im Schauspielhaus Graz, Haus 3, präsentiert werden, nachzulesen.)

Die „Neigungsgruppe Deutsch“ (oder so ähnlich) beschäftigt sich in diesem Semester mit „Gegenwartsliteratur aus Graz“ (oder so ähnlich).

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Viktor Mutic (l.) und Akis Dakar haben ein Referat über Wie im Siebenten und Das gelbe Buch gehalten. Hier das Interview, das ich ihnen geben durfte:

Pakete austragen und Scherben aufsammeln

Andreas Unterweger im Gespräch mit Viktor Mutic und Akis Dakar

Welchen Bezug hast du heute noch zu deiner Heimatstadt Graz? Welche Bedeutung hat Graz für dich?

Ich bin im Sommer (2016) wieder in die Nähe von Graz gezogen, nach Leibnitz, und komme zurzeit drei bis vier Vormittage die Woche nach Graz, um bei der Literaturzeitschrift manuskripte zu arbeiten. Seit Herbst bin ich dort Mitherausgeber. D. h. ich wähle gemeinsam mit Alfred Kolleritsch, der die Zeitschrift 1960 gegründet hat, aus den vielen, vielen Einsendungen, die wir ins Büro bekommen, die besten Texte für unser jeweils nächstes Heft aus. Außerdem kümmere ich mich um den Facebook- und Twitter-Auftritt der manuskripte, bringe Pakete zur Post etc.

Ich bin also wieder Teilzeit-Grazer geworden. Das freut mich sehr, denn ich fühle mich immer noch, wenn schon als irgendetwas, dann als Grazer. Es ist „meine Stadt“, wie man sagt.

Was hat dich dazu bewogen, „Wie im Siebenten“ und „“Das gelbe Buch“ zu schreiben? Wieviel vom Inhalt beruht auf eigenen Lebenserfahrungen? 

Beide Bücher kamen sozusagen aus heiterem Himmel. Oder eher aus einem finsteren – beide Anfänge sind nach oder in schlaflosen Nächten entstanden, ohne dass ich einen Plan dafür entworfen hätte. Aber ich habe jedes Mal sofort gespürt, dass das etwas Größeres werden könnte als nur dieser eine Text. Dass sich da eine eigene kleine Welt auftut.

Autobiographisch, also so gut wie möglich eins zu eins aus meinen eigenen Erfahrungen übertragen, ist bei beiden Büchern v. a. die Geographie. Die Schauplätze viel mehr als die Figuren.

Zu Beginn von „Wie im Siebenten“ habe ich im siebenten Wiener Gemeindebezirk gewohnt, „Das gelbe Buch“ verklärt die Landschaft rund um St. Johann/Grafenwörth in Niederösterreich, wo ich anschließend neun Jahre lang gelebt habe.

Wobei „Wie im Siebenten“ natürlich provokant autobiographisch „tut“, mit der Hauptfigur des Schriftstellers „Andreas“, der sein erstes Buch schreibt usw. Das Buch zeigt aber auch gleichzeitig, dass es schwierig ist zu erzählen, wie etwas „in Wirklichkeit“ gewesen ist. Der Schriftsteller im Buch scheitert daran, so wie ich in Wirklichkeit (!) daran gescheitert bin. Aber indem von eben diesem Scheitern berichtet wird, gelingt es dem Buch hoffentlich doch, etwas Wirkliches herzustellen, in all seiner Brüchigkeit und Wandelbarkeit. Es erzählt autobiographisch, indem es erzählt, dass man nicht autobiographisch erzählen kann, könnte man sagen …

„Das gelbe Buch“ besteht hingegen nicht, wie viele glauben wollen, aus Erinnerungen an meine eigene Kindheit. Diese bilden nur einen geringen Teil (Aspekte der Großvater-Figur, die „Tomatensauce“-Verwechslung). Alle anderen Storys sind Erlebnisse, Beobachtungen und Einfälle, die mir in dieser heiteren Landschaft begegnet sind, oder Dinge, die ich aus anderen Büchern und Filmen in mein Buch geholt und für meine Zwecke umgebaut habe. Und zwar aus ganz unterschiedlichen Werken: Weltliteratur, Philosophie, Science Fiction, Bibel etc. Im Lauf der Zeit habe ich den Eindruck gewonnen, die Welt des „gelben Buchs“ sei älter als „Das gelbe Buch“ selbst. Etwas, das als Rohstoff da draußen schon vorhanden ist, und ich, der Dichter, bin jemand, der herumgeht, die leuchtenden Stücke (die Scherben?!) aufsammelt und sie neu zusammenfügt.

– Wie würdest du die beiden Bücher gegenüberstellen? Welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede haben sie deiner Meinung nach?

Die beiden Bücher haben den Tonfall gemeinsam, der in meinen Ohren ein fröhlicher, allen Zweifeln zum Trotz optimistischer ist. Beide Bücher entspringen der Freude, u. a. der über einen neuen Wohnort, neue Eindrücke – einmal Wien, einmal das Haus am Land.

Mit dem „gelben Buch“ habe ich direkt nach „Wie im Siebenten“ begonnen, also nach ca. einem Monat Pause, im Sommer 2008. Aus der Aufregung eines ersten Sommers am Land, aus einer großen Freude am Leben heraus. Es sollte mein zweites Buch werden und es fühlt sich für mich auch immer noch so an. Das Schreiben hat dann doch länger gedauert, weil ich zweimal Vater geworden bin und diese Erfahrungen in anderen Büchern verarbeitet habe (erst „Du bist mein Meer“, dann „Das kostbarste aller Geschenke“). In jenen Zeiten habe ich parallel an den Büchern gearbeitet, immer ein paar Monate am „gelben Buch“, dann am jeweils anderen. Das hat sich gut ergänzt und teilweise beeinflusst. „Du bist mein Meer“ ist eine ebenso legitime logische Weiterentwicklung von „Wie im Siebenten“ wie „Das gelbe Buch“: Gleichzeitig passt „Das gelbe Buch“ genauso gut auf „Das kostbarste aller Geschenke“ wie es auf „Wie im Siebenten“ gepasst hätte.

Für mich sind beide Bücher gelb. „Wie im Siebenten“ hat freilich einen deutlichen meer- bis nachtblauen Schattenstreifen im Bild.

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Vielen Dank für den netten Besuch!

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Wartholz 2017

Posted in Grungy Nuts, Koffeinismus by andreasundschnurrendemia on 2. Februar 2017

Nun ist es offiziell: Meine Erzählung „Koffeinismus“ ist unter jenen 12 Texten, die aus 589 anonym eingereichten Einsendungen für das Finale des 10. Literaturpreises Wartholz ausgewählt wurden.

Der Wettbewerb findet von 10.-12. März 2017 im Literatursalon Wartholz in Reichenau an der Rax statt.

Die Jury bilden Schriftstellerin Olga Flor, Lektorin Angelika Klammer, Universitätsprofessor Wynfrid Kriegleder und Schriftsteller Michael Stavarič.

Es geht u. a. um diese Preise:
Literaturpreis Wartholz (€ 10.000,-) ,
Land Niederösterreich Literaturpreis (€ 5.000,-) ,
Publikumspreis (€ 2.000,-).

Ich freue mich schon.

Drückt mir die Daumen, bitte.

Offizieller Pressetext.

Teilnehmerliste mit Biografien.

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Es ist übrigens mein zweites Antreten in Wartholz: der Bericht über das erste Mal, 2012, samt Radiointerview und -lesung, gestaltet von Barbara Belic, der Grande Dame des steirischen Literaturradios, ist durch Klicken auf diese Worte zu öffnen.

 

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