Andreas Unterweger

„Von unserem Sonderberichterstatter in Poesie“ (manuskripte 218)

Posted in manuskripte, Simulakren, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 25. November 2017

Mein eigener Beitrag zu Ausgabe 218 der manuskripte ist die Übersetzung von Guillaume Métayers Essay „Von unserem Sonderberichterstatter in Poesie“.

Der französische Dichter, Übersetzer und Geisteswissenschaftler Guillaume Métayer war im Juni 2017 im Rahmen des Programms „Styria Artist in Residence“ des Landes Steiermark in Graz zu Gast – wir sonderberichteten!

Hier schildert er seine Eindrücke: Graz, die Steiermark und Österreich von aussen, sozusagen – oder die Fremde des Nahen. Und nicht zuletzt eine Art Fest des Huhnes …

*

Guillaume Métayer

Von unserem Sondergesandten in Poesie

Obwohl Mallarmé notorisch zwischen der „universellen Reportage“ und der „Literatur“ unterschied, lässt sich doch, zumal in unserer überinformierten Welt, eine Form der Reportage imaginieren, die sich in den Dienst der Poesie stellt. Eine Erzählung jener Dinge, die sich unentwegt in „der Literatur“ oder rund um sie ereignen, die sie da und dort noch möglich machen, von denen aber niemand oder fast niemand je spricht, außer vielleicht in den ebenso erlaubten wie an den Rand gedrängten Formen der Memoiren und des Interviews, wo sie aber zum Freizeitvergnügen verflachen. Dies fortzuspinnen könnte eine Art „Rettendes in der Gefahr“ bedeuten, ein Gegenfeuer, das an der Schwelle zur Niederlage entfacht wird. Ein Gedanke des argentinischen Dichters Arnaldo Calveyra kommt mir in den Sinn: Die Zeitungen berichten zwar davon, dass einer seinen Nachbarn mit Messerstichen getötet habe, erwähnen aber nie, dass ein anderer, am selben Nachmittag, ein Gedicht schrieb. Von dieser Literaturzeitung, die so geräuschlos ist, dass sie sich häufig im Intimen einschließt, könnten wir, „eines Tages“, versuchen, ein Fragment zu skizzieren, das uns andere Informationen zusteckte als jene, die von allen bis zum Überdruss kommentiert werden („die Aktualität“), mit von hier und anderswo eingeschmuggelten Gedichten – schließlich darf das, was so vertraulich ist, durchaus ein bisschen geheim sein, braucht es Sonderberichterstatter in Poesie, wie in einem fernen Land. Es könnte also der Versuch unternommen werden, zu berichten, zu importieren und, aus allen möglichen Sprachen (hier aus dem Deutschen), zu übersetzen, die Ausfaltungen der Verdrängung der Poesie, die unsere Zeit zu erleben scheint, zu erforschen – eine Verdrängte, deren überschwängliche Rückkehr sich logischerweise in der Phrase „Alles ist Dichtung außer dem Gedicht“ ereignet (den Syllogismus, der dieser Phrase innewohnt, hat Martin Rueff jüngst angeprangert). Kurz, wir könnten auf eine bescheidene, nichtsdestotrotz europäische Weise versuchen, uns dem Gedicht zu nähern, es zu sich zu bringen, es dorthin zu rufen, wo es noch nicht ist, und es da zu erraten, wo es schon fehlt. Als ersten Versuch schlage ich bereitwillig vor, dem Verlauf eines hübschen kleines Flusses, der Mur, für einige Kabellängen zu folgen.

Das letzte Gasthaus

Mitteleuropa ist ein Gasthaus, das geschlossen hat, in dem man aber trotzdem noch bedient wird.

Nicht jeder, natürlich – nur die alten Stammgäste. Man konnte sie nicht einfach so, ohne ihr Lieblingsgasthaus, zurücklassen.

Sie wussten genau, dass hinter dem niedrigen Holzzaun, hinter den Paradeiser- und Paprikapflanzen, noch die Sonnenschirme stehen, mit den verschwundenen Biermarken darauf. Und darunter: einige Plastiktische.

Und so haben sie die Tür aufgestoßen und sind eingetreten, als ob nichts wäre.

Der Wirt und seine Frau wirkten nicht überrascht, sie zu sehen.

Man hätte meinen können, sie hätten alles vorbereitet.

Jedenfalls ist aufgedeckt.

Heute servieren sie ihr letztes Backhuhn. Oder das vorletzte. Aber immer das letzte. Bis zum nächsten Mal. Das nächste Mal, das allerletzte Mal, dass der klapprige Trupp der Stammgäste mehr schlecht als recht in diese Ecke Land in der Stadt, weiter unten am Fluss, bei der Parkhaus-Baustelle, gestolpert kommt.

Zu einem Termin, der in keinem Kalender steht.

Als Beilage zum Geflügel gibt es Salat aus dem Garten in einer wässrigen Sauce, deren Grundlage Kürbiskernöl ist – jenes Kürbiskernöl, das die slowenischen Nachbarn sich anzueignen versucht haben, das aber unser ist. Österreichisch bis in alle Ewigkeit – mit einem Faktum müssen wir uns nicht brüsten. Kürbiskernöl, im Original deutsch. Kürbisöl wäre ungenau. Ein Wort muss sich an eine Sache heranzoomen können, Stück für Stück. Also Kürbiskernöl.

Achtung, es darf nichts vermischt werden: Der Salat wird auf einem eigenen Teller serviert. Später geht die Wirtin wieder vorbei, die Salatschüssel gegen die Schürze gestemmt, die Servierzange in der Faust, wie um die Hühner zu füttern. „Später!“, schreit einer. „Es gibt kein Später“, erwidert sie jovial. Es ist ja das letzte Mal!

Der Wirt schleppt seine humpelnde Leibesfülle mehrere Male bis an den Tisch. Er ist mit weißem Spritzer beladen, es sieht aus wie ein Gleichgewichtsspiel. Weißwein mit Soda vermischt, ein bisschen nach dem Muster der Salatsauce. Bei fünfunddreißig Grad im löchrigen Schatten der Sonnenschirmrentner ist es kein Luxus, den Wein mit Wasser zu versetzen. Der Luxus besteht eher darin, dass er, der aus dem Verkehr gezogene Wirt, unser Mundschenk ist.

Dass er, für uns allein, das Kapital seiner letzten Anstrengungen verschleudert. Jede seiner Gesten, selbst die ungelenkigste, wird dadurch verschönert, nahezu perfekt. Oh, dass er niemals wieder ein Glas, selbst ein einzelnes, anders bringen wird als so, auf diesem kleinen, schwankenden Tablett mit dem schief platzierten Geschirrtuch darauf!

Eine Hommage, und dennoch: Es ist alles sehr familial hier, sagt mein Sitznachbar, äußerst erfreut, während er sich eines panierten Hasenohrs bemächtigt, von dem zahlreiche Ohrläppchen abstehen. Mit Radioaktivität hat das nichts zu tun, es ist nur die Leber des Huhns, die sich in der Panier ausdehnt und verfestigt.

Die Wirtin umkreist den Tisch mit einem Topf voll Reis. Sie lässt es auf jedem Teller mit ihrem Schöpflöffel zweimal klingeln. Ein Löffel für Mama, ein Löffel für Papa. „Papa“, so verabschiedet man sich hier. In der mit weißen Mischungen gespritzten Sonne macht das fast schon Sinn.

Die Wirte verteilen bereitwillig Herr Professors, aber woher wissen sie, wer tatsächlich die höchsten universitären Stufen erklommen hat?

Vielleicht aber ist Professor hier auch etwas ganz anderes. Ein Titel, den man niemals anders als honoris causa verleiht, nach langen Jahren endloser Diskussionen im Inneren eines emeritierten Gasthauses.

Professor, ist das nicht derjenige, der immer am Kopf des Tisches sitzt, dem die Gelehrten reiferen Alters ihre respektablen, kaum von der Frittüre benetzten Schnauzbärte zuwenden?

Professor, ist das nicht derjenige, der am Ende die Scheine zückt?

Professor, der, dessen Scheine man immer zurückweist?

Die Gestik, das steht fest, ist rituell: Du zückst die Scheine, ich weise sie zurück: Nein, nein, Herr Professor. Ihre essentielle Funktion ist es, den Professorenstatus des Professors zu bestätigen.

Nein, Professor, also.

Und außerdem haben wir jetzt geschlossen, wie Sie wissen. Ich habe also keine Kasse mehr. Und wenn ich ihr Geld nähme, dann würden mir die Beamten des Finanzamts Schwierigkeiten bereiten. Das einzige Mal, als ich es versucht habe, sind sie sofort gekommen. Wie der KGB. Man hätte meinen können, sie seien vom Dach gestiegen. Die Nachbarin mit dem Nussbaum war es vielleicht, die mich verraten hat, warum auch immer.

Die Angst vor dem Finanzamt ist ein taktvoller Vorwand, um das Geld zurückzuweisen: Ich verschmähe Ihr Geld nicht, Herr Professor. Ich erweise Ihnen nicht die immense Gunst der Kostenlosigkeit, nach der Sie allzu sehr in meiner Schuld stehen würden. Indem ich Ihnen dieses letzte Mahl anbiete, Ihnen und Ihren Jüngern, erspare ich mir Probleme, Sie verstehen.

Weil wir geschlossen haben, Herr Professor. Wir öffnen nur noch für Sie, einmal im Jahr, an einem beliebigen Tag, ausgerechnet an jenem, an dem Ihre zögerlichen Schritte Sie zu uns geführt haben. Selbstverständlich können Sie aber, wenn Sie darauf bestehen, etwas für die Getränke herlegen, wenn es Ihnen beliebt.

Und so wirft jeder seinen Schein auf den Tisch. Mit spitzen Fingern, wie man eben mit Geld umgeht, das nicht zum Zahlen da ist, das davon wie beschmutzt wirkt. Schließlich kann man die Summe, die man gibt, nur verachten – ist sie doch viel geringer als die Großzügigkeit, an der man teilhatte. Und weil das Ganze ja kein Mittagessen war, sondern nur eine Art Poker mit der Zeit. Wo man dann plötzlich zahlt, um „zu sehen“.

Um das Spektakel andauern zu lassen. Eine kleine letzte Runde für Österreich. Eine letzte Runde für Mitteleuropa.

Um die Welt aus dem Blickwinkel des geschlossenen Gasthauses zu sehen. Um für einen Moment aus diesem funktionierenden Universum auszusteigen. Um für einige Augenblicke abzudriften, wie ein Inselstück, das sich auf der Mur losgerissen hat und das sich schon lange vorsingt, dass es sein Slowenien wiedersehen wird, sein Kroatien, sein Ungarn.

Mit dieser Menge an Scheinen auf dem Tisch, all diesen Gelehrten, die wie zwielichtige Wetter aussehen. Aber es gab gar keinen Hahnenkampf, nur ein Backhuhn. Lange werden sie diese anrüchige Rechnung freilich nicht aufrechterhalten können. Denn sie haben nur dafür bezahlt, um zu sehen, wie es war. Schlimmer, vielleicht: um nicht zu sehen, wie es ist.

Wegen solcher Kleinigkeiten kommen die Finanzamtsbeamten nicht.

Und wenn sie kämen, sie würden sie schnell wieder laufen lassen, hinaus in diese funkelnde Welt, wo sie unaufhörlich dazu gezwungen sind, das zu essen, wofür man bezahlen muss.

Gratia

Warum hast du so schlecht gebucht? Lange musste ich mir vorhalten lassen, zum falschen Zeitpunkt angekommen zu sein. Weil ich ein Flugzeug reserviert hatte, das am Vorabend des Pfingstsonntags landete. Niemand wird in Graz sein, um dich zu empfangen. Niemand im ganzen Haus. In der ganzen Stadt kein offenes Café, wo man deine Schlüssel hinterlegen könnte. Warum hast du so schlecht gebucht? Du wirst in einem Hotel in Wien bleiben müssen. Auf deine Kosten, versteht sich. Und ab Dienstag früh in mein Büro kommen, um die Papiere zu unterschreiben und deine Schlüssel zu kriegen. Warum hast du so schlecht gebucht? wurde, im Geist wiederholt, bald zu einem Echo im Geist von Molières Was hatte er denn auch auf dieser Galeere zu suchen? Und so machte ich mich auf, um – gemäß Thomas Bernhard und Werner Schwab – Nazismen zu sammeln (wie es ja auch Barbarismen gibt). Ich war, wie jedermann, bereit, meinen schwarzen Stein zu werfen.

Und weil ich geglaubt hatte, in einer Bar ein Taufbecken gesehen zu haben, war es nur allzu leicht, daraus eine ganze Geschichte, ein ganzes Sonett gegen Graz zu machen:

Gratia

Um es allein zu tragen ist es zu schwer das Heil
So hatte man in Mitteleuropa den Gedanken
Eines totalen Sonderabverkaufs ohne Schranken
An einem Grabtuchzipfel hängt jeder hier zum Teil.

Vermehret Brot und Bier es wird keinem zu geil
Würstel des HErrn ein jeder hat im Gralschmalz die Pranken
Admiral Biedermeier schätzt es nicht sich zu zanken
Das Laschenschiff gibt träg´ er dem Untergang anheim

Man stolpert schon beim Eingang der Bars in ein Taufbecken
Kratér wohl den sangriaartig Blumen bedecken
Mit Muskatell´ betauft man sich ohne Unterlass

In diesen neuen Jordan tauchen hier alle ein
Man gratuliert sich und umarmt sich in dem Wein
Planscht rum und segnet sich noch in der kleinsten Gass.

Viel später bringt die nette Organisatorin meines Aufenthaltsstipendiums uns, eine rumänische Bildhauerin, ihren schachverrückten Freund und mich, zum Geburtshaus Arnold Schwarzeneggers. Wir besuchen die Kirche von Thal, die steirische Sagrada Família im Kleinformat. Man zeigt uns, am Ufer des Sees, das Boot des Versprechens, jenes „historische“ Kanu, in dem der Gouverneur von Kalifornien um die Hand einer brillanten Nachkommin Kennedys angehalten hat. Und dann das Kriegsdenkmal um die Ecke. Dort findet sich eine Europakarte, mit Kreuzen, die jene Orte bezeichnen, an denen Soldaten aus Thal gefallen sind. Ich finde das interessant, bedauere, so etwas in Frankreich nie gesehen zu haben. Meine Begleiter hingegen sind schockiert. Warum denn?, frage ich. Bei uns gibt es doch auch in jedem Dorf ein solches Denkmal. Brüder, Väter und Ehemänner sind gestorben. Es ist normal, ihrer zu gedenken.

Mag sein, antwortet die Rumänin. Aber hier gibt es nicht das kleinste Monument, das der im Zweiten Weltkrieg ausgerotteten Juden gedenkt. In Österreich hat es keine Entnazifizierung gegeben.

In Österreich hat es keine Entnazifizierung gegeben. So lautet das Leitmotiv der Gespräche unter uns Emigranten. Ich wiederhole es, wie jedermann, möchte es glauben, glaube es, bin mir sicher. Ich erinnere mich an Waldheim, Haider, Hofer. Aber im Grunde weiß ich nicht, inwieweit es tatsächlich wahr ist. Dazu brauche ich mehr als nur eine Reportage. Ich bekomme eine Art Bestätigung in Romanform, als ich, spät, einen schönen Roman von Alfred Kolleritsch, Herausgeber der berühmten Zeitschrift manuskripte, entdecke. Allemann, 1996 bei Verdier auf Französisch veröffentlicht und damals auch wahrgenommen, beginnt mit einem Begräbnis. Irgendwo in der Steiermark, 1980er Jahre. Überall, zwischen den Gräbern und besonders um jenes herum, das gerade gegraben wird, strömen die Nazis zusammen. Sie steigen aus der Erde, aus dem Schatten, von den Bäumen, kommen wieder hoch wie der Wald bei Macbeth. Unter ihren Mänteln zeichnen sich die versteckten Kreuze ab. Kolleritsch beschreibt ihre Sprache mit der Feinfühligkeit eines Klemperer. Sie bedienen sich weiterhin der Sprache ihrer Väter und Großväter, um den Horizont zu verriegeln. Sie sagen weiterhin der Führer. Die Nachkriegsnazis bestatteten sich ebenso heimlich gegenseitig wie die Mormonen sich taufen. Das letzte christliche Sakrament wurde auf extreme Weise in eine nationalsozialistische Salbung verkehrt. Der Nazismus der Gräber – wie einst das Christentum der Krypten.

Und dennoch kann es das doch wohl nicht sein. Ich kann doch nicht in die Steiermark kommen, nur um die Fehler der Väter zusammenzuzählen und das Schweigen der Familien zum Schreien zu bringen. Man muss auch etwas anderes sehen, auch wenn dieser Knödel im Bauch bleiben wird, für immer, nie am selben Fleck, ohne je zu wissen, wo man ihn hinstecken soll und man ihn immer von einem Winkel des Bewusstseins zum anderen trägt.

Das wäre eine persönliche Niederlage, denn Österreich ist mein Missing Link. Die nationale Erziehung hat uns, den braven Germanisten der 1980er Jahre, hauptsächlich Deutschland nähergebracht. „Aus eigenem Antrieb“ (wie es in den Mitteilungsheften unserer Kindheit hieß) habe ich Ungarn erforscht, ohne die geringste Anziehung für das zu verspüren, was mir als weicher Bauch erschien, das no-man’s-land zwischen Berlin und Budapest. Kaum angekommen, verzapfe ich mein Vorurteil gegenüber einem ungarischen Freund: Österreich scheint keine eigene Identität zu haben. Es ist Deutschland ohne die Ernsthaftigkeit, die Schweiz ohne Geld, Italien ohne die Sonne, Frankreich ohne die Eleganz, Ungarn ohne das Feurige, Jugoslawien ohne das Körnchen Verrücktheit. Ich taufe es „Nélkülország“ (das „Ohneland“) … Einfach. Und undankbar … Sollte über Österreich zu schreiben immer schon meckern über Kakanien bedeuten? Mons murem peperit. Ad infinitum? Überladener Gigantismus einer verstaubten Provinz. Die Karosse, die zum Kürbis wurde. Kürbiskernöl für immer. Der tiefe Fall Mozarts, Schuberts, Kafkas, Roths und all der anderen in den Trichter des Schwejk.

Was ist Österreich? Eine absurde Frage, aber welcher Reisende hat denn nicht versucht, ein Bild der durchquerten Länder an sich zu reißen? Simple Selbstbeherrschung kann das nicht verhindern. Es sind Fragen, die man eher überanstrengen sollte als sie bei Spielbeginn zum Schweigen zu bringen. Und so stelle ich beim Betrachten der barocken Kirchen fest, dass es überall dieselben sind, von Györ bis Bratislava, über Maribor und Budapest. Eine Freundin aus Graz, die eben aus Lemberg (oder Lvov oder Lviv) zurückkehrt, hat dieselbe enthusiastische Wahrnehmung gemacht. Und es war übrigens ihr Großonkel, der die Oper von Lvov erbaut hat, eine Nachbildung der Oper in Wien. Des Mutterhauses, sozusagen. Die Konturen der ehemaligen pax austriaca wiederzufinden kann, ich weiß es wohl, nur zu einem allerersten Verständnis dessen führen, was hier geschieht. Am schlimmsten scheint mir, dass die Originalität oder wesentliche Überlegenheit der Metropole nicht bestehen bleibt. Kolonialismus kompromittiert, nicht einmal Rom vermochte dem zu entkommen. Dasselbe lässt sich zweifellos an den Mini-Kolosseen der Provence, den kleinen Parisen in Algerien beobachten. Am Ende ist es immer die Metropole, die lächerlich wirkt. Seid nicht fruchtbar, und mehret euch nicht. Österreich hat sich dieser Tatsache zu spät gebeugt und ist jetzt arm dran.

Da ich an die Kolonisierten ein Stückchen donauabwärts gewohnt bin, ist meine erste Vision von Österreich die von etwas Pneumatischem, um nicht zu sagen: Aufblasbarem. Als ob man das Ungarn, das ich kenne, mit Luft vollgepumpt und so im Ganzen erweitert hätte. Größer und imposanter, aber genau dasselbe.

Es ist entschieden nicht einfach, sich einen Weg zu Österreich zu bahnen. Sein Image als Aufbewahrungsort des Hasses und seine verkrampfte Gemütlichkeit verbieten es, sich an ihm zu erfreuen. Es ist leicht, mit Sissi und Waldheim die zwei Seiten derselben Medaille aufzuzeigen. Hier der Zucker, dort der Tod.

Am besten überlässt man wohl den Dichtern das Wort, um zu hören, wie sie sich und uns sehen. Als ich ihn um ein Gedicht über Europa bitte, schlägt mir Michael Hammerschmid, der mir freundlicherweise etwas Zeit in Wien widmete, als ich „so schlecht gebucht“ hatte, diese wenig aufbauenden Verse vor:

am boden saß der vogel

neben einem auto

und flog nicht fort

er saß am boden

braun gescheckt lebendig

die sonne schien

der sommer stand im becken

der stadt

der vogel blieb

am boden

nur die passanten

gingen fort.

Andreas Unterweger gelingt es, als gutem Schüler Alfred Kolleritschs, dank einer doppelten Sprache von klinischer Präzision die Landschaften des „Vaterlandes“ (der „Heimat“) von Umweltpolitik künden zu lassen. Oder davon, wie der Atompilz und die oil company bis ins Land des Kürbiskernöls und der Sonnenblumen hinein eine Bedrohung darstellen.

Die Sonnenblumen

Die Sonnenblumen: strahlenkrank.
Den ganzen Sommer über

hielten sie vor dem Dorf die Stellung.
Hielten sie ihre Köpfe hin,

wenn aus dem Osten, Tag für Tag,
der Feuerball aufstieg, der Lichtblitz kam …

Unter den Pilzwolken, dem sauren Regen
die Sonnenblumen: schwer verstrahlt.

Und all das nur wegen dem bisschen Öl.

Und, um diese Eskapade abzuschließen, eine beunruhigende Anmerkung desselben Autors, in der sich zeigt, dass – in Ermangelung einer anderen Sprache als jener der Großväter – selbst die ländliche Idylle von der Erinnerung an und die Angst vor dem Krieg geformt wird.

GrossVaterSprache

Die Panzerwagen der Ernte-Division
sind gestern früh durch unser Dorf gerollt.

Vier Kilometer nördlich stand der Mais.
Sie mähten ihn, sie metzelten ihn nieder.

Erst gegen Abend herrschte auf dem Schlachtfeld
dann wieder Schweigen, sozusagen: Frieden

das Wort, für das der Weltsprache der Kriege,
in der ich schreiben muss, die Bilder fehlen.

To be continued.

***

Hier zwei Rezensionen:

Die erste, private, stammt von einer Dame aus Graz. Ein Auszug:

„Ein ganz negativer, dunkler Befund. Ein typischer Österreicher fast.“

Die zweite, öffentliche stand in der Kleinen Zeitung v. 3.12.17 – danke, lieber Werner Krause!

 

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manuskripte 218 – Präsentation

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 25. November 2017

Nachtrag zum Termin:

23.11.2017, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 218. Es lesen Thomas Stangl, Yara Lee und Schauspieler Daniel Doujenis (Lyrik von Max Sessner, Franz Josef Czernin und Verena Stauffer). Veranstaltungssaal der Steiermärkischen Landesbibliothek, Raubergasse 10, 8010 Graz.

Eine ebenso stimmige wie stimmungsvolle Veranstaltung, die von der Bühne aus so ausgesehen hat …

… und aus Perspektive des Publikums so:

Was für eine herzliche Begrüßung! Katharina Kocher-Lichem, Direktorin der Steiermärkischen Landesbibliothek, liest zu Beginn der ersten manuskripte-Präsentation in ihrem Haus ein Gedicht von Alfred Kolleritsch aus der ersten manuskripte-Ausgabe, 1960 …

Ich spreche über das Heft, sein Titelbild, „Aus der Erde wächst eine organische Skulptur“ von Hartmut Urban (1973), nenne die im Heft mit Beiträgen vertretenen AutorInnen 1) und stelle die Akteure des Abends vor.

„Das wäre nun also Afrika, denkt er“. Thomas Stangl liest einen Auszug aus dem Roman „Fremde Verwandtschaften“, der 2018 bei Droschl erscheinen wird.

„‚Geh nach Hause und genieß dein Leben‘, sagt einer“. Yara Lee liest den Vorabdruck aus ihrem Debütroman „Als ob man sich auf hoher See befände“, der 2018 bei Residenz erscheinen wird.

 
„immer dasselbe zart, aber auch roh mantische / fortwandern von holzweg zu holzweg.“ Unser Publikumsliebling, Schauspieler Daniel „Doujenissos“ Doujenis liest Gedichte Franz Josef Czernin (Zitat), Max Sessner und manuskripte-Förderpreisträgerin 2017 Verena Stauffer.
Hier zu bewundern im Film von Edwin Rainer alias VOICEINSPIRATION (vielen Dank!):

<p><a href=“https://vimeo.com/246682199″>&quot;manuskripte 218/2017&quot; LYRIK – Einf&uuml;hrung: ANDREAS UNTERWEGER, Lesung: DANIEL DOUJENIS</a> from <a href=“https://vimeo.com/voiceinspiration“>voice-inspiration channel</a> on <a href=“https://vimeo.com“>Vimeo</a&gt;.</p>
*
Schön war´s in der Landesbibliothek!
Heft 218 ist wie jede Ausgabe der manuskripte ein Knüller und hier zu bestellen: manuskripte-Online-Shop.
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1) AutorInnen manuskripte 218:
Thomas Ballhausen, Alida Bremer, Wojciech Brzoska, Franz Josef Czernin, Hans Eichhorn (rotahorn-Preis 2017), Günther Freitag, Dieter M. Gräf, Cecilia Hansson, Jochen Jung, Adelá Knapová, Johannes Kühn, Mariusz Lata, Yara Lee, Friederike Mayröcker, Guillaume Métayer, Daniel Nachbaur, Jan Volker Röhnert, Almut Tina Schmidt (rotahorn-Förderpreis 2017), Andrea Scrima, Max Sessner, Thomas Stangl, Verena Stauffer (manuskripte-Förderungspreis 2017), Aleš Šteger, Mikael Vogel.
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Fotos von Julian Kolleritsch und A.U.

„Erlöstenresidenz Messias“ – Präsentation

Posted in Erlöstenresidenz Messias, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 19. November 2017

Nachtrag zum Termin:
„17.11.2017, 19:00, Andreas Unterweger liest bei der Präsentation des Kunstbuchs „Erlöstenresidenz Messias“ (Zeichnungen von Walter Lang, Backgrounds von Geko, Texte von Andreas Unterweger). Mit DJ, Visuals und Agape. Galerie Roter Keil. Reininghausgründe. 8020 Graz“

Es war göttlich!

Ein wahres Künstlerparadies von Location: die Galerie Roter Keil …

… allenthalben himmlische Kunst …

… darunter mehrere verklärende Originalzeichnungen Walter Langs aus „Erlöstenresidenz Messias“ …

… erleuchtende Visuals von Geko …

… beseelende T-Shirts von Leon Podesser, die sich der Kapitel-Überschriften aus „Erlöstenresidenz Messias“ bedienen …

… dann meine Predigt …

… und die entrückte Gemeinde!

Alle reservierten sich Plätze in unserer Jenseitsresidenz, unterschrieben die vorbereiteten Verträge. Walter Lang ging mit gutem Beispiel voran …

… endlich erlöst!

Walter Lang, Mastermind des Projektes

Lang, Unterweger

Lang, Geko, Unterweger.

Unser Dank gilt der Galerie Roter Keil, v. a. Leon Podesser, der uns bei der Herstellung und der Präsentation unseres Kunstbuchs märtyrermäßig unterstützt hat, sowie den Förderern dieses Projekts:

 

Das Kunstbuch „Erlöstenresidenz Messias“ verkörpert eine bis zum Galgenhumor satirisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Religion. Jenseits von provokativer Karikatur oder gar naiven Heiligenbildchen machen die Grafik und Literatur verbindenden Arbeiten deutlich, dass sich nicht nur die Mythen um Jesus, Mohammed und Buddha, sondern auch die Aussagen der Gründer (bzw. deren Auswirkungen) frappierend ähneln. So stellt etwa nicht nur das friedliche Streben nach Erlösung/Erleuchtung, sondern auch die Diskriminierung von Frauen und auch Kindern eine religionsverbindende Gemeinsamkeit dar.

Walter Langs in klassischer Buntstift-Filzstift-Mischtechnik angefertigte Zeichnungen und Collagen setzen die 3 Religionsgründer Jesus, Mohammed, Buddha und deren Familien jeweils gemeinsam in Szene. Ein besonderes Anliegen sind Lang die Frauen der Religionsgründer.

Mit seinen computeranimierten Landschaften, die bekannten DJs wie etwa David Guetta als Visuals bei ihren Konzerten dienen, liefert Geko den surrealen Hintergrund zu den Zeichnungen.

Andreas Unterwegers Kurztexte scheinen aus der Werbekampagne einer im Jenseits angesiedelten „Erlöstenresidenz Messias“ zu stammen, die sich aus dem Formulierungskatalog von Altersheim- und Versicherungsreklamen bedient.

„Was passiert mit meinen Aposteln, wenn ich eine Kreuzigung habe? Wer kümmert sich um den heiligen Krieg, wenn ich karikiert werde? Und kann ich mir einen Ausstieg aus dem Kreislauf der Reinkarnation überhaupt leisten? (…)

Ewiges Heil in standesgemäßem Ambiente: Sichern Sie sich jetzt einen Platz in der Erlöstenresidenz Messias!“

Die Reservierung eines solchen garantierten Heim-, ja, Heilplatzes lässt sich nun ganz einfach mittels Buchkauf erledigen:

1 Exemplar von „Erlöstenresidenz Messias“ kostet 20 Euro und ist in der Bücherstube Schimunek in der Grazer Prokopigasse 16, in draxlers büchertheke in der Schmiedgasse, Leibnitz, oder per Mail an diese Adresse zu bestellen: erloest@gmx.at.

Ebenfalls unter dieser Adresse und in der Galerie Roter Keil sind T-Shirts à 20 Euro erhältlich.

Amen.

„Wortnetze, in denen man sich gern verfängt“ (Kleine Zeitung v. 12.11.17)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 12. November 2017

Am 12.11.2017 in der Kleinen Zeitung: meine Rezension zum Gedichtband „Im Ausgehorchten“ von Hans Eichhorn, rotahorn-Preisträger 2017 – eine Hommage.

Erst der veröffentlichte Artikel …


… dann die Originalversion:

Die Stille ist ein Tun geworden

Die Gedichte des rotahorn-Preisträgers Hans Eichhorn schöpfen aus dem Schweigen

Die am lautesten schreien, sind nicht zwangsläufig jene, die am meisten Aufmerksamkeit verdienen. Diese alte Rotkreuz-Weisheit lässt sich glatt auf den Literaturbetrieb übertragen. Zu den so genannten „Stillen im Land“, die von den Literaturkritik-Sanitätern in ihrer täglichen Aufregung oft sträflich übersehen werden, zählt Hans Eichhorn.

Der 61-jährige Oberösterreicher erlebte den wohl größten medialen Hype um seine Person erst kürzlich, in diesem Sommer. Der im Zweitberuf als Fischer tätige Autor hatte, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz, sein in den 90ern verlorenes Geldbörsel aus dem Attersee geangelt. Selbst Boulevardblätter berichteten. Um die knapp 30 Prosa- und Lyrikbücher, die er in den Jahrzehnten davor veröffentlicht hat, war es dagegen medial vergleichsweise still geblieben …

Die Stille, wenngleich eine ganz andere, wesentlichere, prägt auch Eichhorns jüngste Publikation, den Lyrikband Im Ausgehorchten. „Und plötzlich ist es still“, hebt etwa ein typisches Gedicht an, „Fast ein Atemanhalten und der Sinuston in den Ohren“ ein anderes, oder: „Die Stille des Hauses nimmt dich in ihre Mitte“.

Wie bei John Cage ist auch die Stille in Hans Eichhorns Gedichten nicht mit der Abwesenheit von Geräuschen gleichzusetzen. Sie bezeichnet vielmehr den Zustand einer gesteigerten Aufmerksamkeit, eine Bewusstseinsveränderung, durch die das lyrische Ich nicht unbedingt immer zur Ruhe, aber doch zu sich kommt. Die zumeist nächtliche Stille ist jener See, aus dem der Dichterfischer, „die Ohren […] geräuschgespitzt“, seine Sprachbilder holt. Titelgebend wird sie zum „Ausgehorchten“, zum Be- und Erschriebenen: „Und die Stille ist ein Tun geworden“, „erschwiegen die Schrift“.

Geräusche der Außenwelt (Autos, die Schreie der Blässhühner oder, um „Punktfünfuhrsiebzehn“, die Katze) verbinden sich mit nachwirkenden Skurrilitäten des öffentlichen Diskurses und dem permanenten inneren Lärm (Erinnerungen, Selbstgespräche, Zweifel …) zu meist kurzen, unprätentiös konzipierten Meditationen von poetischer Vieldeutigkeit – „nur nicht mit Logik die Sache verderben“. Beeindruckend, wie der Autor sein reduziertes Motivinventar immer wieder neu zu arrangieren vermag. Und wie er daraus dichte Wortnetze webt, in denen man sich beim Lesen gerne verfängt.

Am 13.11. bekommt Hans Eichhorn den von Saubermacher-Gründer Hans Roth gestifteten rotahorn-Preis verliehen. Die Jury (Alfred Kolleritsch, Barbara Frischmuth, Reinhard P. Gruber, Werner Krause) würdigt in ihm den „getriebenen Sprachwerker, der Fische aus dem Attersee und Wörter aus der Möglichkeitskiste zieht“. Die festliche Preisverleihung findet in der Steiermärkischen Landesbibliothek statt. In aller gebotenen Stille – es könnte also laut werden!

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Mit bestem Dank an Werner Krause für die professionelle und herzliche Betreuung/Zusammenarbeit!

„Andreas Unterweger simuliert den Inspirationsprozess“

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 12. November 2017

Anlässlich des 444. Geburtstags des Akademischen Gymnasiums wurde ich eingeladen, einen Text zu dem von Schülerinnen und Schülern umgesetzten Roman „444 … und nun ein Krokodil!“ beizusteuern.

Mein Dank gilt den engagierten Jugendlichen, insbesondere Lola Knoch, die mich als Verlegerin betreute …

… und mit deren Mutter Annette, meiner anderen Verlegerin, ich gestern, am 11.11.17, beim Tag der offenen Tür des Akademischen, vor klugen und interssierten jungen Menschen einen Vortrag über den Literaturbetrieb halten durfte.

In der Folge mein Text – die strenge Vorgabe war, einen inneren Monolog zu schreiben, bei dem der innerlich Monologisierende davon erfährt, dass das Akademische Gymnasium evakuiert werden musste, weil das präparierte Krokodil, das seit 1911 im Erdgeschoss hängt, zu neuem Leben erwacht ist …

 

Andreas Unterweger simuliert den Inspirationsprozess

Puh, ich hab überhaupt keine Lust … Muss ich jetzt wirklich was schreiben? Bäh … Einen inneren Monolog. In-ner-en Mo-no-lo-o-ho-ho … Weiß gar nicht, wann ich so was das letzte Mal … In der Schule, wahrscheinlich. Englisch-Schular- … Und nur weil die Knoch das will … Aber so ist es halt. Verlegerin ist gleich Bestimmerin! … Na, gut, los geht´s. Wo fangen wir an, wo? Am Schreibtisch. Hinsetzen, Andreas, hinsetzen zum Schreibtisch! „Das Hinsetzen zum Schreiben“, hat der Wolfgang Bauer zu mir gesagt, „das ist das Schwierigste.“ Ja, der Wolfi … Aber heute – heute wird es nicht so. Heute wird es ganz einfach. Zum ersten Mal. Heute – so. Sitze. Geht doch! Ah. Laptop auf … Zackzack. Passwort eintippen … Ladidadidadida … Word – Datei – nanu, was tut er?! Hm. Also, noch einmal: Word – Datei – Neu – Leeres Dokument und – wunderbar. Leere Seite. Schreiben! Mein Traumjob!! Meine Berufung!!! Ach!! Ah! Hm. Pfff – Brrr … Innerer Monolog … Innerrrrrer … „Goethe simuliert den Bewusstseinsstrom“, z. B., weiß noch, Werther, Uni … Dabei gibt es nix Künstlicheres. Ich meine, wer denkt schon wirklich so? In Sätzen, Halbsätzen, Wortfetz- … In so ´nem Pseudo-Alltags-Deutsch … Mit Satzzeichen noch und nöcher!?! Lauter „…“ und … Wie denkt man eigentlich einen Gedankenstrich? – Und diese dummen Gedankensprünge … Der Schnitzler war wahrscheinlich der Einzige, der je so … Mmh, Schnitzerl … Erdäpfelsalat … Das wär jetzt … Nein, nein. An die Arbeit, Andreas, an … Schreiben schreiben hungrig bleiben – hungrig, verstehen Sie? Ich hab ja auch schon eine, hab auch schon WAS für eine, eine … Idee! „Aber, werter Degas! Verse macht man nicht mit Ideen, sondern mit Wörtern“ … Ja, eh. Pff. Muss mir das jetzt wieder … Aber: NE, nE, MallarmÉ, innerE MonologE schreibt man aber schon mit einer IdEE! HehE. … Also, ich zumindest. Wie war sie doch noch, die … KaffEE! Das ist sie! Die IdEE! Ein KaffEEidEE, phantastisch, Andreas, du hast schon was, also so was, so richtig Genia … Auf, aufstehen, zum KaffEE, auf, auf … KüchEE … EspressokannEE! – Das ist aber … Das ist aber nicht so gesund, Andreas. Du musst ja gesünder, sagt … Der Wurm, z. B., also der Erwin Wurm – „weil ich sehr darauf achte, gesund zu leben“. Immer nur geriebene Äpfel, der Wurm, hab ich neulich … Aber muss ich deshalb auch … Apferl … Pff … „Wurm isst nur Äpfel“ … Hehe. Nein, also – Kaffee ist ja nicht unbedingt ungesund … Hab ich ja neulich auch, an anderer … „in Maßen“, „gelegentlich“, „bis zu fünf Mal am Tag“ … Wie Wein, z. B. … Da sind ja auch so, so Dings drin … Gute … Und Bauchweh krieg ich immer nur vom Stress! Nur! Also gleich Wein? Nein, nein, kein Alkohol. Lieber gesund: Espresso! Doppelt! Wobei – das Herzklopfen neulich … Kein Spaß. Vielleicht doch lieber – oh ja, Malzkaffee! „Ein köstlicher gesunder Durstlöscher“!, laut zentrumdergesund … Oder halb Malz, halb gut, äh, echt, das geht – aber nur Löskaffee! Zum Loslassen … Entspannen … Halbhalb. So, halbes Löfferl Malz – ah, das war aber … Dann halt ein ganzer Löffel Echtkaffe dazu, zum Ausgleich … Oder zwei … Perfekt. Wasser kocht … Birkenzucker … Sehr gesund … Wurmesk, geradezu! Hehe. Und Wasser drauf, umrühren, mmh, riecht gut – verdammt guter Kaffee … und HEISS! AU! Zunge! Krawuzi … Das ist jetzt so … pelzig … Bäh … Macht nix … Wird schon … Jetzt muss es aber – vorsichtig …Immer noch – heiß … aber … ah … HERRLICH!! Hinsetzen! Hinsetzen zum Kaffee, in der Küche, mit einem Keksi, oder zwei, her mit der Packung, also: das ist das Schwierigste. Beim Schreiben. Dieses entspannte Hinsetzen. Die Ruhe finden. Trotz Stress! Die Ruhe im Gedankensturm! Das ist auch eine Leistung, ja! Und draußen hinterm Fenster – Flieder, Sonne, sehr – hell, eigentlich, schon ziemlich, aber: eh schön … Dass man das genießen kann, so poetisch, so ein poetischer Act, eine One-Minute- … Nix tun … Nix denken … Die Gedanken sind Wolken … Die aus dem Kaffeehäferl aufsteigen … Die Stille … Helle … Stillehellestillehelle … Ladidadiadadi … … Wo ist eigentlich, mein, wo ist es … Wo hab ich es nur hin, mein – Handy? Handy?! HANDY!? Ah, eh da. Handy … Schauen wir einmal. Ein bissi informieren darf man … Braucht man … Braucht man sich nicht verbieten … Man muss ja, zumal als Schriftsteller, muss wirklich, muss ja am Puls der … zeit.de oder Twitter? Nein, Puls, denk an deinen Puls, Andreas, nur nicht aufregen … Keine Politik, nein, nein … Schon gar keine Kultur … Lieber Sport, vielleicht, ja, Formel 1 … Wobei: diese eingebildeten … Facebook, ja, Facebook, das passt, das ist auch News, Nachrichten, ist auch seri- … Ah, der Willi! Ein lieber Kerl… Und noch immer aktiv, hyperaktiv, mit 7! 70 neue Beiträge heute … Oder umgekehrt … Also, schauen wir einmal … Was? Was schreibt er da? „Akademisches Gymnasium – evaporiert“? Wie? Nein. „Evakuiert“ … Warum das? Und ausgerechnet jetzt?! Ach … So komme ich ja nie zum Schreiben!

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Theater Sternstunde

Posted in Das gelbe Buch by andreasundschnurrendemia on 12. November 2017

Das Theater Sternstunde hat aus meinen Texten „Großvaters Hupe“ und „Großvaters Pumpe“ ein „hörspielartiges Erlebnis“ gemacht.

Die beiden Texte waren als mögliche Ersatz-Kapitel für „Das gelbe Buch“ gedacht und wurden dann nicht gebraucht. Gut aber, dass ich sie geschrieben hatte. Als 2016 Gerhard Melzers so schöne Rezension „Der Traum vom ewigen Sommer. Zu Andreas Unterwegers Roman Das gelbe Buch“ in Ausgabe 148 der Grazer Literaturzeitschrift „Lichtungen“ erscheinen sollte, wurde die gleichzeitige Veröffentlichung eines literarischen Beitrags von mir zur Bedingung gemacht. So schlug schließlich die Sternstunde der apokryphen Kapitel …

Ihre „hörspielartige“ Umsetzung ist durch Klicken auf diese Zeilen nachzuhören:
Ab 10:08: Gerhard Melzer, „Der Traum vom ewigen Sommer“
Ab 14:04, „Großvaters Hupe“, „Großvaters Pumpe“

„Erlöstenresidenz Messias“

Posted in Erlöstenresidenz Messias, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 10. November 2017

ERWACHET!

Und pilgert zur Präsentation des Kunstbuchs „ERLÖSTENRESIDENZ MESSIAS“

von Geko (Backgrounds), Walter Lang (Zeichnungen) und Andreas Unterweger (Text)!

Lesung (von Andreas Unterweger), Ausstellungseröffnung (Bilder von Walter Lang), Visuals (Geko), DJs, Agape …

17.11.2017, 19 Uhr

Galerie Roter Keil, Reininghausgründe, 8020 Graz

Bei Missfallen Seele zurück!

Fotos von Eva-Maria Merkl

Zum Buch:

Das Kunstbuch „Erlöstenresidenz Messias“ ist eine bis zum Galgenhumor fröhliche kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Religion. Jenseits von provokativer Karikatur oder gar naiven Heiligenbildchen machen die Arbeiten deutlich, dass sich nicht nur die Mythen um Jesus, Mohammed und Buddha, sondern auch die Aussagen der Gründer (bzw. deren Auswirkungen) frappierend ähneln. So stellt etwa nicht nur das friedliche Streben nach Erlösung/Erleuchtung, sondern auch die Diskriminierung von Frauen und auch Kindern eine religionsverbindende Gemeinsamkeit dar.

Walter Langs in klassischer Buntstift-Filzstift-Mischtechnik angefertigte Zeichnungen und Collagen setzen die 3 Religionsgründer Jesus, Mohammed, Buddha und deren Familien jeweils gemeinsam in Szene.

Mit seinen computeranimierten Landschaften, die etwa David Guetta als Visuals bei ihren Konzerten dienen, liefert Geko den surrealen Hintergrund zu den Zeichnungen.

Andreas Unterwegers Kurztexte scheinen aus der Werbekampagne einer im Jenseits angesiedelten „Erlöstenresidenz Messias“ zu stammen, die sich aus dem Formulierungskatalog etwa von Altersheim-Reklamen bedient.

Was passiert mit meinen Aposteln, wenn ich eine Kreuzigung habe? Wer kümmert sich um den heiligen Krieg, wenn ich karikiert werde? Und kann ich mir einen Ausstieg aus dem Kreislauf der Reinkarnation überhaupt leisten? ()

Ewiges Heil in standesgemäßem Ambiente: Sichern Sie sich jetzt einen Platz in der Erlöstenresidenz Messias!“

Die Reservierung eines solchen garantierten Heilsplatzes lässt sich nun ganz einfach mittels Buchkauf erledigen:

1 Exemplar von „Erlöstenresidenz Messias“ kostet 20 Euro und ist bei der Buchpräsentation, in der Bücherstube Schimunek in der Grazer Prokopigasse 16, in draxlers Büchertheke in Leibnitz, oder per Mail an diese Adresse zu bestellen: erloest@gmx.at.

Für noch unentschlossene Agnostiker: Am Mittwoch, 15.11.2017, 10:00, spricht Andreas Unterweger über Kinder, Erlösung und „Kinderlösung“ und liest aus „Erlöstenresidenz Messias“ (Zeichnungen von Walter Lang, Backgrounds von Geko, Texte von Andreas Unterweger) – in: „good News – life line. Geschichten die das Leben erzählt …“. Radio Helsinki.

„Erlöstenresidenz Messias“ wurde gefördert von: