Andreas Unterweger

„Andreas Unterweger simuliert den Inspirationsprozess“

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 12. November 2017

Anlässlich des 444. Geburtstags des Akademischen Gymnasiums wurde ich eingeladen, einen Text zu dem von Schülerinnen und Schülern umgesetzten Roman „444 … und nun ein Krokodil!“ beizusteuern.

Mein Dank gilt den engagierten Jugendlichen, insbesondere Lola Knoch, die mich als Verlegerin betreute …

… und mit deren Mutter Annette, meiner anderen Verlegerin, ich gestern, am 11.11.17, beim Tag der offenen Tür des Akademischen, vor klugen und interssierten jungen Menschen einen Vortrag über den Literaturbetrieb halten durfte.

In der Folge mein Text – die strenge Vorgabe war, einen inneren Monolog zu schreiben, bei dem der innerlich Monologisierende davon erfährt, dass das Akademische Gymnasium evakuiert werden musste, weil das präparierte Krokodil, das seit 1911 im Erdgeschoss hängt, zu neuem Leben erwacht ist …

 

Andreas Unterweger simuliert den Inspirationsprozess

Puh, ich hab überhaupt keine Lust … Muss ich jetzt wirklich was schreiben? Bäh … Einen inneren Monolog. In-ner-en Mo-no-lo-o-ho-ho … Weiß gar nicht, wann ich so was das letzte Mal … In der Schule, wahrscheinlich. Englisch-Schular- … Und nur weil die Knoch das will … Aber so ist es halt. Verlegerin ist gleich Bestimmerin! … Na, gut, los geht´s. Wo fangen wir an, wo? Am Schreibtisch. Hinsetzen, Andreas, hinsetzen zum Schreibtisch! „Das Hinsetzen zum Schreiben“, hat der Wolfgang Bauer zu mir gesagt, „das ist das Schwierigste.“ Ja, der Wolfi … Aber heute – heute wird es nicht so. Heute wird es ganz einfach. Zum ersten Mal. Heute – so. Sitze. Geht doch! Ah. Laptop auf … Zackzack. Passwort eintippen … Ladidadidadida … Word – Datei – nanu, was tut er?! Hm. Also, noch einmal: Word – Datei – Neu – Leeres Dokument und – wunderbar. Leere Seite. Schreiben! Mein Traumjob!! Meine Berufung!!! Ach!! Ah! Hm. Pfff – Brrr … Innerer Monolog … Innerrrrrer … „Goethe simuliert den Bewusstseinsstrom“, z. B., weiß noch, Werther, Uni … Dabei gibt es nix Künstlicheres. Ich meine, wer denkt schon wirklich so? In Sätzen, Halbsätzen, Wortfetz- … In so ´nem Pseudo-Alltags-Deutsch … Mit Satzzeichen noch und nöcher!?! Lauter „…“ und … Wie denkt man eigentlich einen Gedankenstrich? – Und diese dummen Gedankensprünge … Der Schnitzler war wahrscheinlich der Einzige, der je so … Mmh, Schnitzerl … Erdäpfelsalat … Das wär jetzt … Nein, nein. An die Arbeit, Andreas, an … Schreiben schreiben hungrig bleiben – hungrig, verstehen Sie? Ich hab ja auch schon eine, hab auch schon WAS für eine, eine … Idee! „Aber, werter Degas! Verse macht man nicht mit Ideen, sondern mit Wörtern“ … Ja, eh. Pff. Muss mir das jetzt wieder … Aber: NE, nE, MallarmÉ, innerE MonologE schreibt man aber schon mit einer IdEE! HehE. … Also, ich zumindest. Wie war sie doch noch, die … KaffEE! Das ist sie! Die IdEE! Ein KaffEEidEE, phantastisch, Andreas, du hast schon was, also so was, so richtig Genia … Auf, aufstehen, zum KaffEE, auf, auf … KüchEE … EspressokannEE! – Das ist aber … Das ist aber nicht so gesund, Andreas. Du musst ja gesünder, sagt … Der Wurm, z. B., also der Erwin Wurm – „weil ich sehr darauf achte, gesund zu leben“. Immer nur geriebene Äpfel, der Wurm, hab ich neulich … Aber muss ich deshalb auch … Apferl … Pff … „Wurm isst nur Äpfel“ … Hehe. Nein, also – Kaffee ist ja nicht unbedingt ungesund … Hab ich ja neulich auch, an anderer … „in Maßen“, „gelegentlich“, „bis zu fünf Mal am Tag“ … Wie Wein, z. B. … Da sind ja auch so, so Dings drin … Gute … Und Bauchweh krieg ich immer nur vom Stress! Nur! Also gleich Wein? Nein, nein, kein Alkohol. Lieber gesund: Espresso! Doppelt! Wobei – das Herzklopfen neulich … Kein Spaß. Vielleicht doch lieber – oh ja, Malzkaffee! „Ein köstlicher gesunder Durstlöscher“!, laut zentrumdergesund … Oder halb Malz, halb gut, äh, echt, das geht – aber nur Löskaffee! Zum Loslassen … Entspannen … Halbhalb. So, halbes Löfferl Malz – ah, das war aber … Dann halt ein ganzer Löffel Echtkaffe dazu, zum Ausgleich … Oder zwei … Perfekt. Wasser kocht … Birkenzucker … Sehr gesund … Wurmesk, geradezu! Hehe. Und Wasser drauf, umrühren, mmh, riecht gut – verdammt guter Kaffee … und HEISS! AU! Zunge! Krawuzi … Das ist jetzt so … pelzig … Bäh … Macht nix … Wird schon … Jetzt muss es aber – vorsichtig …Immer noch – heiß … aber … ah … HERRLICH!! Hinsetzen! Hinsetzen zum Kaffee, in der Küche, mit einem Keksi, oder zwei, her mit der Packung, also: das ist das Schwierigste. Beim Schreiben. Dieses entspannte Hinsetzen. Die Ruhe finden. Trotz Stress! Die Ruhe im Gedankensturm! Das ist auch eine Leistung, ja! Und draußen hinterm Fenster – Flieder, Sonne, sehr – hell, eigentlich, schon ziemlich, aber: eh schön … Dass man das genießen kann, so poetisch, so ein poetischer Act, eine One-Minute- … Nix tun … Nix denken … Die Gedanken sind Wolken … Die aus dem Kaffeehäferl aufsteigen … Die Stille … Helle … Stillehellestillehelle … Ladidadiadadi … … Wo ist eigentlich, mein, wo ist es … Wo hab ich es nur hin, mein – Handy? Handy?! HANDY!? Ah, eh da. Handy … Schauen wir einmal. Ein bissi informieren darf man … Braucht man … Braucht man sich nicht verbieten … Man muss ja, zumal als Schriftsteller, muss wirklich, muss ja am Puls der … zeit.de oder Twitter? Nein, Puls, denk an deinen Puls, Andreas, nur nicht aufregen … Keine Politik, nein, nein … Schon gar keine Kultur … Lieber Sport, vielleicht, ja, Formel 1 … Wobei: diese eingebildeten … Facebook, ja, Facebook, das passt, das ist auch News, Nachrichten, ist auch seri- … Ah, der Willi! Ein lieber Kerl… Und noch immer aktiv, hyperaktiv, mit 7! 70 neue Beiträge heute … Oder umgekehrt … Also, schauen wir einmal … Was? Was schreibt er da? „Akademisches Gymnasium – evaporiert“? Wie? Nein. „Evakuiert“ … Warum das? Und ausgerechnet jetzt?! Ach … So komme ich ja nie zum Schreiben!

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