Andreas Unterweger

„Dons Juans“ (Po&Sie 162)

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 21. Mai 2018

Große Freude über meine jüngste Veröffentlichung in Frankreich: Die Erzählung „Don Juans“, übersetzt von Guillaume Métayer, in der renommierten Pariser Literaturzeitschrift „Po&Sie“:

Hier der französische Text als PDF mit der ebenso wortwitzigen wie anspielungsreichen Vorrede von Guillaume Métayer, die unten in meiner ungenügenden Übersetzung wiedergegeben ist.

Beeindruckend war für mich daran u. a. auch Guillaumes Feststellung, dass meine Arie in K durchaus als eine neue, mit Ms spielende, wiederkehren könnte – er hatte vollkommen recht! (S. „Grungy Nuts“, S. 23-41.)

Vielen Dank, lieber Guillaume!

*

Guillaume Métayer

„Wäre Kleopatras Nase länger gewesen, hätte die Liebe des Kaisers von Rom anders ausgesehen, und damit auch unsere Welt (Erd-kugel, natürlich), das weiß man ja.

Alles ist Kleopatras Nase im Lande der verwöhnten Kinder: das Alter der Kapitänin, ihr Gewicht, ihre Größe, ihr Ring, aber auch ihr Cognac, ihre Cornflakes, ihr Müsli, ihre Biere und Pizzas.

Die Welt zerfällt in unzählige Unangemessenheiten, Unzufriedenheiten ohne Zahl. Andreas Unterweger aus dem Lande Mozarts und Kafkas hat verstanden, dass dieser banale Pointillismus der Dekadenz des Herzens eine neue Version des Donjuanismus begründet, die ebenso weitverbreitet wie zwanghaft ist. Unterweger, der Poet des Alltäglichen, hat diesen fraktalen Donjuanismus in uns er-, oder besser: gefunden. Die tragische Dialektik (im Sinne Peter Szondis) des Zerbrechens und unmöglichen Wiederzusammensetzens, die in alle Ewigkeit miteinander verknüpft sind.

Dieser neue Katalog eines Leporello, des subalternen Alter Ego des großen Verführers, wird nicht stolz in Elviras Gesicht geschmettert – schließlich sind die amourösen Eroberungen von Hans sind keine parodistisch-militärischen Heldentaten, ja, noch nicht einmal die Aufzählung der Reichtümer, die ein geiziges Herz verprasst hat, sondern der Versuch eines Ich, die Mängel einer jeden einzelnen durch die Zusammenfügung aller auszugleichen. Es ist ein Puzzle, oft ein Rätsel für diesen postmodernen Lakaien, der sich ebenso solidarisch wie distanziert präsentiert wie unser Sganarelle und der mit seinem Meister ebenso untrennbar verbunden ist wie es bei ihm die Falle und die Flucht sind. Eine Obsession mit Ks, die ineinandergreifen und sich um einander drehen, ohne jemals die unendliche Bewegung einer seltsam mittelmäßigen, mittelmäßig seltsamen Unbefriedigtheit anzuhalten. Alle sind sich ähnlich, sind sich unähnlich, alle sind unfähig, Hans auszufüllen, alle werden vergeblich zusammengesetzt wie Ikea-Möbel. Don Juan im Zeitalter des skandinavischen Konstruktivismus. Don Juan im Land des Kitts. Deine Kitty ist mir dir quitt.

Endlich, in der gleichermaßen pathetischen wie komischen Schlusskadenz, entdeckt man, dass dieser komplizierte Katalog eine Konfession war. Wie man sie eben in der Telerealität, aber auch im richtigen Leben, ganz am Anfang einer Begegnung ablegt, ein Auftakt, bestehend aus vorangegangenen, vorbereitenden Verirrungen. Eine Art Hegel auf dem Sofa. Oder eher ein Heiliger Augustinus. Denn am Ende heißt diejenige, der (man/das) erzählt wird, diejenige, die dem kafkaesken Fluch der Ks entgeht, Marie. Ave Maria, il catalogo questo. (Zähneknirschende) versprechen diese doppelten, dreifachen, zwiespältigen, multiplen Wesen die Konversion zur monotheistischen Monogamie. Ist das als atemlose Ankunft im Heimathafen zu verstehen oder vielmehr in der Art des Schiffbruchs bei Mathurine im Molière´schen Modell? Wird Marie die Richtige sein? Man sagt sich wohl eher, dass alles noch einmal auf der Basis von Ms beginnen könnte. Die Ge-Marterten. Um dann mit allen Buchstaben des Alphabets, die auch Mozart lieb waren, weiterzusingen. A Be Tse De Eh Eff Ge.

Morgen kommt der Don Juan … Meisterhaft.“

(Aus: Po&Sie 162. Paris: Belin 2017.)

*

Don Juans im deutschen Original (Literaturpreis der Akademie Graz 2009)

Don Juans auf Slowenisch.

 

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