Andreas Unterweger

175 n. Ros. (Spectrum, Die Presse)

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 21. Juni 2018

So sah mein Beitrag zum Spectrum der Presse letzten Samstag aus:

Im Rahmen der Spectrum-Umfrage „steirische Autoren über ihren Landsmann Peter Rosegger“ antworteten Valerie Fritsch, Angelika Reitzer, Cordula Simon, Petra Ganglbauer, Linda Stift und ich mit jeweils ca. „50 Zeilen“.

Der Text ließ sich in der Printausgabe und lässt sich auf diepresse.com nachlesen.

Ich danke den Damen und Herren vom Spectrum für die angenehme Zusammenarbeit!

 

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Die Grazer Gruppe – Kick-off

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 8. Juni 2018

Nachtrag zum Termin:

„05.06.18, 18:00, Andreas Unterweger liest Alfred Kolleritsch. Außerdem lesen: Max Höfler, Angelika Reitzer, Stefan Schmitzer, Clemens Setz, Silvia Stecher, Christoph Szalay. Filmprojektstart: „Die Grazer Gruppe“. Regie: Markus Mörth. Forum Stadtpark, 8010 Graz“

Hier der Bericht von Nora Edelsbacher vom Filmteam:

„Ja, es gab das eine oder andere höchst spannende Detail bei unserem Kick-off zum Dokumentarfilm „Die Grazer Gruppe“.

➡ Die ersten Filmausschnitte sorgten für Verzückung.
➡ Die Lesungen der Autor/innen Höfler, Reitzer, Schmitzer, Setz, Stecher, Szalay, Unterweger waren höchst inspirierend.
➡ Eine spontane szenische Lesung von Stefan Schmitzer, Silvia Stecher und Max Höfler erfreute die Menge.
➡ Special Effect: Originale 1968er Luft.
➡ Last but not least: Alfred Kolleritsch, Literaturpapst in u. a. der „Grazer Gruppe“ war zum ersten Mal auf der Terrasse des Forum Stadtpark.

(Heidrun Primas, Andreas Unterweger, Alfred Kolleritsch)

❗Frohe Kunde: Ihr könntet sogar bei den Dreharbeiten im Backstage Bereich sein.❗

Das ist eines der Goodies auf:

https://wemakeit.com/projects/die-grazer-gruppe

*

Und hier weitere Fotos von Nora Edelsbachers, mit meinen Kommentaren:

Ich zeige zu Beginn des Leseblocks und meiner eigenen Lesung die erste Erwähnung der „Grazer Gruppe“ in …

… Heft 18 der manuskripte, 1968: Ankündigung für …

… Heft 19, mit „Prosa der Grazer Gruppe“.

Ich lese Alfred Kolleritschs Marginalie aus Heft 19 („… war es vielleicht ein Fehler, von einer Grazer Gruppe zu sprechen“ …), anschließend Gedichte Kolleritschs, die einigen anderen Autoren der Gruppe – Bauer, Falk, Handke, Schwab – gewidmet sind.

Christoph Szalay liest Gunter Falk.

Angelika Reitzer liest Elfriede Jelinek und Peter Handke.

Max Höfler raucht Wilhelm Hengstler.

Silvia Stecher liest Wolfgang Bauer.

Stefan Schmitzer liest Barbara Frischmuth.

Clemens Setz liest Klaus Hoffer.

Und wer ist diese motivierte Truppe?
Ah, es ist die Podiumsdiskussion nach den Lesungen beim Kick-off zum Dokumentarfilm „Die Grazer Gruppe“!
(Moderation: Günther Encic)

Zur allgemeinen Freude …

… unter reger Beteiligung der Herren Hengstler, Eichberger und Kolleritsch in der ersten Reihe.

(Alle Fotos bis auf dieses, das ich gemacht habe, (c) Nora Edelsbacher.)

Fazit:
1. Ein fröhlicher Literaturabend!
2. Ein schönes und wichtiges Projekt, dem ich viel Erfolg wünsche!

Mehr Infos und Unterstützungsmöglichkeiten:
https://wemakeit.com/projects/die-grazer-gruppe

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Zuhausebleiben ist eine Kunst! (Kulturzeitung 80)

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 5. Juni 2018

Mein Beitrag zur jüngsten Ausgabe der Grazer Kulturzeitung 80: Vormittag eines Schriftstellers – in Leibnitz …

Kulturregionen im Portrait: Leibnitz und die Weingegend der Südsteiermark.

Zuhausebleiben ist eine Kunst!

 

Man muss kein Storch sein, um sich in der südsteirischen Weinhauptstadt wohlzufühlen. Auch menschliche „Kulturfolger“ werden in der Region Leibnitz, 35 km von Graz, mehr als fündig.

 

Meine erste Lesung hatte ich in Leibnitz. Im August 2001 saß ich eines Vormittags mit Wolfgang Bauer im Café Elefant und las, ohne Vorwarnung, in das entspannte Cafétreiben hinein ein Kurzdrama vor. Dieses handelte von einem Herrn, der eines Vormittags entspannt im Café Elefant sitzt, wo ihm, ohne Vorwarnung, ein Kurzdrama vorgelesen wird, das von einem Herrn handelt, der eines Vormittags entspannt im Café Elefant sitzt und so – weiter kam ich nicht. Der Herr, der tatsächlich dort saß, verließ das Café, noch bevor der Vorhang fiel – und damit fiel der Vorhang …

Heute sitze ich selbst an seinem Platz. Ein-, zweimal die Woche versuche ich, einen entspannten (Arbeits-)Vormittag abseits des Grazer Kulturbetriebs zu verbringen. Aber immer wieder ergeht es mir wie dem Herrn von damals … Kaum habe ich mich hingesetzt, schon geht das Theater los – und ich bin nur noch Statist auf der Bühne des Leibnitzer Kulturlebens, das viel mehr zu bieten hat, als man vermuten möchte.

 

Blues, Jazz und Wein

 

Da ist z. B. „Sir“ Oliver Mally. Eben schreitet er lässig, wie es einer internationalen Blues-Größe zukommt, nach draußen. „Entschuldigung!“, rufe ich ihm nach – weil ich wissen will, wann er wieder in der Gegend auftritt. Die Blues-Tage, die er jüngst zum 9. Mal kuratierte, habe ich leider verpasst. Dabei waren sie, etwa mit dem deutschen Jungstar Jimmy Reiter, famos besetzt.

Aber: So, wie ich den Sir nicht gehört habe, hört nun er mich nicht. Umso hellhöriger dafür meine Sitznachbarin. „Um gute Musik zu hören, muss man von hier nicht wegfahren“, meint sie. „Denken Sie doch nur an das Jazzfestival Leibnitz!“ Tatsächlich: Jazz & Wein ist sogar neoleibnitzer Ex-Post-Grunge-Rockern wie mir ein Begriff. „Die Presse“, so meine Nachbarin weiter, „nannte es den ,Jazzstern im Süden´. Der Kurier schwärmte von der ,maximal entspannten Toskanastimmung´. Ende September geht es wieder los – u. a. mit dem Star-Trompeter Wadada Leo Smith aus den USA.“ „Ich komme! Leitet nicht Otmar Klammer das Festival?“ „Ja, seit 2013. In den 90ern gegründet wurde es von Sigi Feigl“ „Ah, der Saxofonist! Kann man ihn denn auch wieder einmal in Leibnitz hören?“ „Fragen Sie ihn selbst!“ Sie zeigt hinaus, wo sich ein Herr energisch vom Rathaus wegbewegt. „Danke!“, rufe ich, rufe „Zahlen!“, zahle und laufe ihm nach.

 

Klassik im Schloss, Literatur im Werk

 

An diesem ebenso wolken- wie autolosen Maimorgen macht der Leibnitzer Hauptplatz seinem Reklamenamen „schönster Platz des Südens“ alle Ehre. Im Osten ein Rauchfang, auf dem der Stadtstorch klappert, im Osten der Seggauberg … Von dort wehen zartere Klänge herab. Vermutlich wird in einem Fürstenzimmer des malerischen Schlosses Seggau für die nächste Schlossmatinee geprobt. Wer weiß, vielleicht greift sogar Rafael Catalá, der künstlerische Leiter der gefeierten Klassikkonzertreihe, gerade selbst in die Saiten … Oder gehören die Töne zur Installation Reflection von Clemens Hollerer, Teil der Seggauer Ausstellung Grenze – Öffnung & Heimat. 800 Jahre Diözese Graz-Seckau? Ich lausche versonnen – da werde ich angehupt. Es ist der Buchhändler Erwin Draxler. Er pilotiert den Leibnitz-lädt-ein-Kinderzug. Ich steige zu.

„Erwin, ich habe Sigi Feigl aus den Augen verloren! Wo ist er?“ Draxler schmunzelt: „Neben Lesungen in draxlers büchertheke sorgen meine Frau Barbara und ich auch mit einer alljährlichen Literatur-/Musik-Gala im Autohaus Marko für literarische Nahversorgung …“ „Klar, Literatur im Werk! Hab selbst 2017 beim manuskripte-Abend mitgewerkt, äh, -gewirkt. Super Location, Stimmung und Buffet!“ „Heuer feiern wir die 15. Auflage. Es lesen Reinhard P. Gruber und Radek Knapp. Und die Musik steuert bei …“ „Sir Oliver Mally?“ „Nein, Sigi Feigl! Dabei hat er seit Jahren nicht mehr in der Stadt gespielt!“ „Sensationell, ich komme! Aber – da ist ja Mally wieder …“ Ich springe ab, folge dem Sir.

 

Steiermark trifft Slowenien

 

Als ich den Hauptplatz erneut betrete, klingen mir Stimmen entgegen. Nanu, ist das etwa schon das Literaturcafé der Buchhandlung Hofbauer? Nein, es sind Stadthistorikerin Dr. Ursula Pintz und Mundwerk-Liedermacherin Betty O, die sich unterhalten. „Wo findet das Weinberg Open Air, das Sie seit Jahren in der Region veranstalten, heuer statt?“, fragt Dr. Pintz. „Auf drei Weingütern in der Region: Kästenburg, Moser und Harkamp – Musikkabarett vom Feinsten!“, antwortet Betty O. „Und worum geht in der von Ihnen kuratierten Ausstellung Grenzlinien?“ „Sie erzählt die spannende Geschichte einer durch die neue Staatsgrenze 1918 zerrissenen Familie.“ „Ich komme! Ich komme!“, rufe ich im Vorbeilaufen.

Aber dann werde ich unsicher. Wo ist Mally hin? Nach rechts, in den schattigen Marenzipark, wo jedes Jahr das Kulturpicknick stattfindet? Heuer steht es unter dem Motto „Steiermark trifft Slowenien“ – mit Aleš Šteger liest ein Lyriker von Weltformat und das Alte Kino wird wiedereröffnet … Oder ist er nach links, Richtung Kulturzentrum? Dieses stellt nicht nur einen der wichtigsten Veranstaltungsorte dar, sondern beherbergt auch Leibnitz Kult, jenen eigenständigen Verein, der mit einem großen Teil des Kulturbudgets der Stadt einen noch größeren Teil ihres Kulturprogramms gestaltet. Hm, eine schwierige Frage – bei der nur ein Experte helfen kann!

 

20 Jahre Galerie Marenzi

 

Entschlossen gehe ich geradeaus: ins Marenzihaus. Über der legendären Location Marenzikeller, wo demnächst die nicaraguanische Literaturikone Gioconda Belli zu Gast sein wird, befindet sich die Galerie Marenzi. Hier stellten viele berühmte und noch mehr erst später berühmt gewordene KünstlerInnen aus: Erwin Wurm etwa, Werner Reiterer, Ingo Nussbaumer, David Reumüller oder local heroine Stefanie Holler, die ihre Zeichnungen eben im Brüsseler Steiermark-Haus präsentiert. Zurzeit sind hier die impressionistischen Bilder des Foto-Pioniers Heinrich Kühn zu bewundern – eine in Zeiten von Instagram umso faszinierendere Schau.

Ah, da ist ja Klaus-Dieter Hartl, der Leiter der Galerie – und einer der profundesten Kunstkenner des Landes! 2015 erlangte er zusätzliche Bekanntheit, als er das 50 Jahre verschollen gewesene Stück Der Rüssel von Wolfgang Bauer fand … „Ah, da bist du ja!“, ruft er. „Ich wollte dich etwas fragen!“ „Ich dich auch!“ „Möchtest du beim Fest zum 20. Geburtstag der Galerie Marenzi, aus deinem neuen Buch lesen? Werner Reiterer spricht, Bodo Hell liest auch, zu sehen gibt es Werke von Eva Schlegel und aus der Sammlung der Galerie. Dazu die umwerfende Kochshow mit Götz Bury. Für die Musik sorgen Livia Hubmann und …“ „Sigi Feigl?“ „Nein, Sir Oliver Mally!“ „Ich komme! „Und deine Frage?“ „Hat sich erledigt …“

 

Kunst und Kultur in der Weingegend: Konzerte, Festivals, Ausstellungen …

 

Nun aber rasch nach Hause. Vorbei erst am Gymnasium, an dem Alfred Kolleritsch unterrichtete, dann an der multikulturellen Volksschule: viele Kulturen, viel Kultur! Da eilt mir mein Nachbar, der Kunstfreund, entgegen. „Quo vadis?“, grüße ich. „Etwa zum berüchtigt stimmungsvollen Folkfestival Ehrenhausen?“ „Nein, aber ich freue mich schon auf sein 20-Jahr-Jubiläum in diesem Sommer. Ein Abend mit amerikanischen, einer mit irischem Spitzenfolk. Das werden zwei Feste!“ „Oder zu Summertimeblues im pittoresken Schloss Gamlitz?“ „Noch nicht! Ist aber ein allsommerlicher Fixpunkt: Jazz und Blues mit Bands wie Count Basic und Die Strottern, dazu die Weinstraßenromantik …“ „Wohin dann?“ „Nach Wagna, Karten für Stermann und Grissemann sowie das Nena-Konzert kaufen … Und was habt ihr heute vor?“

„Etwas Entspannendes. Vielleicht fahren wir zum Schloss Retzhof …“ „Das Bildungshaus – nicht nur des herrlichen Parks wegen immer einen Besuch wert! Der von UniT initiierte Retzhofer Dramapreis wird 2019 wieder verliehen.“ „Oder zum Naturparkzentrum Grottenhof in Kaindorf …“ „Hübsch! Im dortigen Regioneum stellt Gerald Brettschuh, der südsteirische Maler schlechthin, derzeit seine farbprächtigen Aquarelle aus! Diese Schau ist der Beginn einer Reihe, die bis 2021, Brettschuhs 80.Geburtstag, an verschiedenen Orten seiner lebenslang geliebten Windischen Bühel (Schloss Seggau, Zeughausmuseum Radkersburg, Schloss Spielfeld und Ormoz) fortgesetzt wird. Ach, wenn man diese Meisterwerke ansieht, hat man das Gefühl, wie ihr Schöpfer en plein air zu stehen, drüben auf dem Hügel, im Weingarten …“ „Oder in die Weinberge …“ „Na, dann ab zum Weingut Pongratz in Kranachberg: Stubnblues und Freunde mit Johannes Silberschneider und Boris Bukowski! Auch im Buschenschank Schneeberger, wo das Duo Marmelade „Steirische Chansons“ zum Besten gibt, muss man ausgespannt haben.“ „Oder wir fahren zum Sulmbad Steinerne Wehr …“ „Das älteste Flussbad Österreichs – und auch das schönste! ,Soul Singer´ Leo Kysèla ist Stammgast. Dazu gibt es rurale Interventionen von Erwin Posarnig und anderen zu bestaunen.“ „Oder wir bleiben einfach zuhause …“ „Ach so?“ „Ja.“ „Nun“, sagt mein Nachbar, „bei so viel kulturellem Angebot ist das eigentlich auch eine Kunst.“

Mit bestem Dank an Stefan Zavernik für die gute Zusammenarbeit!