Andreas Unterweger

Sept poèmes (Babel heureuse 4)

Posted in gedichte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 18. November 2018

Sieben meiner Gedichte* in der neuen Ausgabe der Pariser Literaturzeitschrift „Babel heureuse“ – ich bin glücklich wie Babel!

Und bedanke mich sehr herzlich bei Übersetzer Laurent Cassagnau – erstens für seine exzellente Übersetzungsarbeit (zuletzt schon in „La barque“ zu bewundern), zweitens für seinen profunden Kurzessay über meine Gedichte, der unten sowohl im französischen Original als auch auf Deutsch nachzulesen ist. Ich mag besonders die Formulierungen „melancholische Ironie“ und „was man den ,magischen Realismus´ Andreas Unterwegers nennen könnte“.

Andreas Unterweger: 7 Gedichte – Übersetzung und Einleitung von Laurent Cassagnau;
Andreas Unterweger: 7 Poèmes – Présentation et introduction par Laurent Cassagnau

Einleitung von Laurent Cassagnau:

„Die hier präsentierten Gedichte wurden zwischen 2008 und 2017 geschrieben. Sie illustrieren die sowohl der Prosa als auch der Lyrik Andreas Unterwegers innewohnende Dialektik von Sehnsucht und Enttäuschung, Banalität des Alltäglichen und imaginären Gegenden, von Dingen und Wörtern. Diese Dialektik speist sich aus Biographemen, aber auch aus einer Vielzahl von Lektüren – hier vermischen sich etwa Referenzen an das Universum Tolkiens (u. a.: „A Elbereth ! Gilthoniel“, die Hymne in Sindarin, der Sprache der Grauelben, oder „der Perian“ etc.) mit Inuit-Mythologie (Sedna, die Meeresgöttin mit den verstümmelten Fingern, deren Haar von den Inuit-Schamanen gekämmt wird). Die autobiografische Dimension ist nicht frei von Selbstironie, wovon das Gedicht Elbenmärchen zeugt, in dem die geliebte Frau, Judith, emphatisch als wahrer „Silmaril“ gefeiert wird („Glitzern reinen Lichts“, bei Tolkien) – und das von einem Sprecher, der ein Zwerg ist und, anders als der wissende Leser es erwarten würde, nicht Gimli heißt, sondern Wimli, eine spaßige Variation, die das germanophone Ohr, das mit Austriazismen vertraut ist, auf « Wimmerln », also Aknepickel, verweist. Melancholische Ironie ist auch am Werk, wenn Die Eltern verglichen werden mit Elefantenrobben, wie sie Alfred Brehm (1829-1884), ein renommierter Zoologe und Autor eines in Deutschland und Österreich sehr populären Tierlebens, beschrieben hat. Was man den „magischen Realismus“ Andreas Unterwegers nennen könnte, ist nicht frei von einer politischen Dimension. In Kabul evoziert er implizit die antike Exegese und die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Stufen der Lektüre (wörtlicher, moralischer, allegorischer, anagogischer Schriftsinn), um sie besser widerlegen zu können: Ausgehend von der Hypothese, nach der die Jungfrauen, die islamistische Fanatiker im Paradies zu treffen hoffen, kraft der Polysemie des arabischen Terminus „huri“ nur „Weintrauben“ darstellen, geht Andreas Unterweger noch weiter und setzt der Diskussion ein Ende, indem er sowohl den anagogischen Sinn (die Jungfrauen) als auch den metaphorischen Sinn (die Weintrauben) verweigert : „in Wirklichkeit, / schon klar, waren es keine Trauben (oder / Korallen, Perlen und Rubine), die wir sahen, // sondern nur: Mädchen“ – womit er Taliban und andere Gottesfanatiker auf ihre groteske und blutige religiöse Verkennung hinweist.

Ob nun als Berichte realer Reisen (wie etwa in das ukrainische Lviv der Gegenwart, das im alten Österreich Lemberg hieß) oder als „Reisen im eigenen Zimmer“, in deren Verlauf sich Brotbrösel in einen Sandstrand verwandeln und der Abwasch im Spülbecken in eine submarine Landschaft, bahnen sich die Gedichte Andreas Unterwegers ihren Weg durch triviale wie schmerzvolle (Donauebene) Erfahrungen, um etwas zu erreichen, das er sich nicht scheut, Glück zu nennen.“

Vielen herzlichen Dank, lieber Laurent!

* Donauebene, Dezember [2008, in: manuskripte 183, 2009]; Bluten (Frühlingsgedicht) [2009]; Юдит [2009]; Elbenmärchen [2012, unveröffentlicht]; Die Eltern [2012]; Sedna [2012]; Kabul [2017]

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