Andreas Unterweger

„Von Äpfeln, Glasaugen und Rosenduft“. Mit Gerhard Melzer im Literaturhaus Graz

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 2. Februar 2020

Am 29.1. hatte ich die Ehre, die Präsentation von Gerhard Melzers neuem Buch im Literaturhaus Graz zu moderieren: Von Äpfeln, Glasaugen und Rosenduft, eben bei Sonderzahl erschienen.

Darin versammelt der Germanist und ehemalige Leiter des Grazer Literaturhauses, der die Kulturstadt Graz der letzten Jahrzehnte mitgeprägt hat wie wenig andere, 25 in der Kleinen Zeitung erschienenen „Literaturgeschichten“ über das Werk jeweils einer österreichischen Autorin/eines österreichischen Autors.
Drei davon, Barbara Frischmuth, Valerie Fritsch und ich, nahmen mit ihm auf der Bühne Platz.

(c) Literaturhaus Graz

Markenzeichen der „Literaturgeschichten“: Sie rücken jeweils eine leitmotivische Nebensächlichkeit aus dem Werk des/der jeweiligen AutorIn in den Vordergrund (vgl. dazu den Titel).
Bei Barbara Frischmuth etwa die Tiere. Nachdem Melzer seinen Text über sie gelesen hatte, las sie zur Bestätigung seiner Beobachtungen zwei Geschichten über Pferde.

Valerie Fritsch (ihr Motiv sind die Glasaugen) hatte Polaroids zu dem Buch beigesteuert, die in Vitrinen beäugt werden konnten.

Zwischen den Lesungen der Autorinnen und des Autors führten wir ein beherztes Gespräch, das ich mit folgenden beiden Statements beschließen durfte:

1.

„Weil er nicht da ist, möchte ich Franz Schuh widersprechen, der in seinem ansonsten großartigen Nachwort behauptet: ,Eine Interpretation kann eine Nach-Erzählung,, sollte aber selbst keine Dichtung sein.‘
Warum sollen sie das nicht? Jedenfalls gibt es gute Interpretationen, die gleichzeitig gute Dichtung sind. Texte von Jorge Luis Borges fallen mir dazu ein, von Klaus Hoffer und von Franz Schuh selbst. Aber auch Gerhard Melzers Buch gehört in diese Reihe. Andere schreiben über Äpfel und Scheibtruhen, Melzer über Äpfel und Scheibtruhen, die in den Büchern anderer auftauchen. Was Sprache, Formbewusstsein und Wirkung anbelangt, sind seine Literaturgeschichten sehr wohl literarische Texte.“

 

2.

bedankte ich mich im Namen aller im Buch besprochenen AutorInnen.
Ich jedenfalls war tief berührt, als ich Gerhard Melzers „Literaturgeschichte“ über meine Bücher erstmals gelesen habe. Selten genug, dass man gelesen wird, aber dann auch noch so – ein Wunder.
Das vehemente Nicken der beiden anderen Autorinnen auf der Bühne bestätigte, dass ich das nicht allein so empfand.

Hier „Der Traum der Katze. Andreas Unterweger und die schwankenden Böden der Wirklichkeit“ noch einmal zum Nachlesen:

Ich danke Gerhard Melzer für die Einladung, dem Team des Literaturhaus Graz um Klaus Kastberger für die professionelle Betreuung, dem Publikum für seine Herzlichkeit und Michael Tschida von der Kleinen Zeitung für diesen Bericht:

Beim Après-Moderation:

(c) Valerie Fritsch

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