Andreas Unterweger

„Alles erstrahlt im Licht der Kindheit“: „Diérèse“ über „Le livre jaune“

Posted in Das gelbe Buch, Le livre jaune by andreasundschnurrendemia on 25. April 2020

Ich freue mich sehr über Sabine Dewulfs Besprechung von „Le livre jaune“ („Das gelbe Buch“ in der exzellenten Übersetzung von Laurent Cassagnau, erschienen 2019 bei Éditions LansKine) in der französischen Literaturzeitschrift „Diérèse“!

Wie alle Rezensionen aus Frankreich ist auch diese hier wieder ausgesprochen klug. Ich lerne jedes Mal etwas Neues und Wichtiges über mein eigenes Buch.

Ein Auszug:
„Im Laufe der Seiten werden unsere Sprachgewohnheiten von überaus ernsten kindlichen Behauptungen angeknabbert. Das Reale wurde falsch benannt, stellt der stets in unwahrscheinliche Rechnungen verstrickte Biber fest. Man muss alles noch einmal überdenken, und das ausgehend von dieser kindlichen Sprache, die Wortspiele mag und neben sich nur zwei andere Sprachen duldet: die Sprache der Katze, die zwar auf ein einziges Wort („Mia“) beschränkt ist, aber doch groß genug, um alle Dinge zu bezeichnen, einschließlich der Katze selbst; und die Sprache des Waldläufers, in dessen Mund das Wort „Wildschwein“ eine ähnliche Rolle spielt: der herkömmliche Sinn verschwindet, was bleibt, ist die visuelle und klangliche Hülle, die unendlich wiederholt wird, weil sie die potenziellen Offenbarungen einer Welt umschließt, die wirklicher ist als die unsere.“

Und hier ein etwas längerer Auszug, ein Screenshot von Sabine Dewulfs Facebook-Seite mit unvermeidlichem Suchbalken und Facebook-generierter, selbst an der Poesie kratzender Roboterübersetzung!

Merci un peu, le robot, merci beaucoup, Madame Dewulf!

Jeder Tag ist ein Gedicht („Kabul“ auf Literadio)

Posted in Poèmes by andreasundschnurrendemia on 19. April 2020

Es lohnt sich, die Serie „Jeder Tag ist ein Gedicht“ auf Literadio tatsächlich jeden Tag zu verfolgen – dann verpasst man auch nicht, so wie ich, sein eigenes Gedicht, das am 14.4. als Tagesgericht, äh, -gedicht fungieren durfte:

Wer auf den obigen Screenshot klickt, gelangt zu Literadio und kann dort zuhören, wie ich „Kabul“ vor 1, 2 Wochen an einem sonnigen Vormittag in einen Apparat hineingelesen habe.

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Wer „Kabul“ selbst lesen möchte, dem empfehle ich, meinen Gedichtband „Poèmes“ bei den oben genannten Buchhandlungen oder die Ausgabe 221 der manuskripte beim manuskripte-Webshop zu kaufen.

Wer dies getan hat, kann dann ruhigen Gewissens „Kabul“ online lesen, z. B. auf dieser zur Genüge bekannten Netzpiratenhomepage.

Übrigens:
Vom 13.-15.4. fand wohl ein kleiner, inoffizieller manuskripte-Schwerpunkt in Literadios Serie statt: vor und nach meinem Text wurden Gedichte von Rahel Mayfeld und Max Sessner gefeatured, Gedichte von beiden finden sich etwa in den aktuellen manuskripten 227.

Ich danke Daniela Fürst und dem Team von Literadio für die so freundliche redaktionelle Betreuung!

Literadio (Interview mit Daniela Fürst über „Poèmes“)

Posted in Poèmes by andreasundschnurrendemia on 11. April 2020

Jetzt auf Literadio: mein Skype-Interview mit Daniela Fürst.
Es geht um meinen Gedichtband „Poèmes“ (La Traductière 2019), Gedichte und das Schreiben im Allgemeinen, wahre Sätze, erste Emotionen, spätere Reflexionen u.v.a.m.:

HIER ZU HÖREN!

Vielen Dank, liebe Daniela! Unsere Unterhaltung hat mir viel Spaß gemacht und war nicht nur wegen der aktuellen Ausgangsbeschränkungen ausgesprochen wohltuend!
Trotzdem halte ich sie nun, beim Wiederhören, für alles andere als oberflächlich. Tatsächlich finden sich darin einige der offensten und genauesten Äußerungen zu meinem Schreiben, die ich bisher getätigt habe, scheint mir.

Das Gespräch war übrigens für die Buchmesse in Leipzig geplant, wurde „dank“ Corona jedoch ins klanglich nahe Leibnitz verlegt: Daniela nahm bei mir zuhause in meinem Arbeitszimmer Platz:

Daniela Fürst (l.), ich (r. oben)

„Klimatologen“ (Poème hebdomadaire)

Posted in Poèmes, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 7. April 2020

Juhu, mein Gedicht „Klimatologen“* ist „poème hebdomadaire“ (das wöchentliche Gedicht? Gedicht der Woche?) des Österreichischen Kulturforums in Paris!

Die französische Übersetzung stammt von Guillaume Métayer, Dichter und Übersetzer aus Paris.

Ich danke dem Team des forum culturel autrichien à Paris, insbesondere Alexandra Filippi, für diese Auszeichnung und die freundliche redaktionelle Betreuung!

„Klimatologen“ als „poème hebdomadaire“ ist derzeit zu lesen auf Instagram …

… Twitter …

… und Facebook:

Hier in Originalgestalt:

 


 

 


 

„Klimatologen“ wurde 2014 geschrieben, und zwar jenseits aller Ausgangsbeschränkungen, irgendwo zwischen den schottischen Föhren des Schlossparks von Grafenegg und niederösterreichischen Weiden am Spielplatz in Kirchberg am Wagram.

Aus dem für mich sehr erfreulichen französischen Begleitschreiben:
„Das Gedicht ‚Klimatologen‘ ist charakteristisch für [Andreas Unterwegers] Schreiben – Musikalität, formale Ästhetik, leise Melancholie, die subtil eine Kritik äußert – oder eine Befürchtung?“


* „Klimatologen wurde auf Deutsch erstveröffentlicht in manuskripte. Zeitschrift für Literatur. Heft 213. Graz: 2016.

Die französische Übersetzung von Guillaume Métayer erschien 2016 in Place de la Sorbonne. Révue internationale de poésie de Paris-Sorbonne.

Beide Fassungen sind Teil von „Poèmes“, meinem 2019 dank Versopolis bei La Traductière erschienenen dreisprachigen Gedichtband.

„Poèmes“ ist erhältlich in Angelika Schimuneks Bücherstube in Graz und in Draxlers Büchertheke in Leibnitz.

manuskripte 227 – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 1. April 2020

Die manuskripte 227 wurden am Dienstag, 31.3.2020, online präsentiert.

Hier Alfred Kolleritschs und meine Marginalie als Leseprobe:

 

Marginalie

 

„ich bin hier wo die
richtung des neuen noch steil ist“
Freda Fiala, S. 69

 

Ida von Szigethys Titelbild scheint auf den ersten Blick eine aussichtslose Situation darzustellen. Eine von jenen, wie sie uns aus den täglichen Nachrichten nur allzu bekannt sind … Was aber, wenn es sich um den Augenblick unmittelbar vor dem Aus- und Aufbruch handelt, das Sammeln der Kräfte, bevor die Jacke der Zwänge gesprengt und all das, was die Welt verstellt, übersprungen wird?

Die 33 Beiträge der vorliegenden Ausgabe, geschrieben von 19 Autorinnen und 13 Autoren aus zehn Ländern (und mehr als dementsprechend unterschiedlich!), haben den Akt ihrer eigenen Befreiung schon hinter sich. Auch wenn es bislang keine andere als die papier- bzw. bildschirmweiß flimmernde Grenze zum Bislang-so-noch-nicht-Gesagten ist, die überwunden wurde. Immerhin. Nein: umso bemerkenswerter.

 

Dieses Jahr sind es genau 60 Jahre, dass die manuskripte damit begonnen haben, sich aus freien Stücken wieder und wieder, Heft für Heft, hart an solchen Mauern zu positionieren: „hier wo die / richtung des neuen noch steil ist“. Ein Standpunkt, der keiner ist, weil er nie stillsteht, immer in Bewegung bleiben muss, per definitionem nicht exakt definiert werden kann – und gerade deshalb oft einen schweren Stand mit sich bringt …

Zum 60. Geburtstag unserer Zeitschrift geht im Literaturhaus Graz ein Symposium des Franz-Nabl-Instituts über die Bühne, das den schon lange gültigen Anspruch der manuskripte an sich selbst im Namen trägt: „(Die beste Information,) wie es mit der Literatur weitergeht“. Zwei Tage voller Vorträge, Filmvorführungen und Diskussionen zu den Aufbrüchen, die in dieser Zeitschrift Platz fanden, finden und finden werden. Und bestimmt sind auch die mehr oder weniger erwünschten Nebenwirkungen auf Städte der Volkserhebung, selbst ernannte Kulturhauptstädte und weit darüber hinausreichende Bubbles ein Thema. Das Programm liegt dem Heft bei.*

 

Immer noch freuen wir uns darüber, dass Peter Handke, der 1964 in Heft 10 der manuskripte als Schriftsteller debütiert und insgesamt 43mal zu unserer Zeitschrift beigetragen hat, 2019 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle!

 

Und immer noch trauern wir um unseren so lieben Freund, den Schriftsteller, Maler und Fischer Hans Eichhorn, der uns Ende Februar 2020 seine letzten Gemälde-Postkarten geschickt hat. Eine davon wird das Cover der manuskripte 228.

 

 

A.U./A.K.

 

*

Das Symposium wurde leider wegen der Maßnahmen gegen Corona abgesagt.
Dennoch gehen die wissenschaftlichen Beiträge nicht verloren. Sie werden gesammelt und im Herbst in einer Sonderpublikation der manuskripte und auf Dossier Online veröffentlicht.

 

 

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manuskripte 227 – Online-Präsentation, Pressetext

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 1. April 2020

Nachtrag zum Termin:
31.03.2020, 19 Uhr, Online-Präsentation der manuskripte 227 auf dem neuen YouTube-Kanal der Literaturzeitschrift
(Die ursprünglich geplante Präsentation am 31.3. im Schauspielhaus Graz mit Lesungen von Michael Donhauser, Volja Hapeyeva und Susanne Konstanze Weber musste aufgrund der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus abgesagt werden.)

Teil 1

Ich spreche über das Heft und die dazugehörigen Absagen und Vorhaben:

Teil 2

Die Grazer Stadtschreiberin Volja Hapeyeva liest einige ihrer Gedichte aus dem Heft: „mutantengarten“

Teil 3

Freda Fiala wandert durch Taipei und liest aus ihrem Heftbeitrag: „NEU TAIPEI an PLUS VIER DREI“

***

Pressetext der manuskripte 227:

 

Krise und Aufbruch

 

„Ida von Szigetys Titelbild scheint auf den ersten Blick eine aussichtslose Situation darzustellen. Eine von jenen, wie sie uns aus den täglichen Nachrichten nur allzu bekannt sind … Was aber, wenn es sich um den Augenblick unmittelbar vor dem Aus- und Aufbruch handelt, das Sammeln der Kräfte, bevor die Jacke der Zwänge gesprengt und all das, was die Welt verstellt, übersprungen wird?“

Dies fragen sich Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger in ihrer dem Heft vorangestellten Marginalie. Als diese geschrieben wurde, war das Ausmaß der Corona-Krise noch nicht abzusehen – der Hoffnungsschimmer, der den Worten der Herausgeber innewohnt, ist aber wohl willkommener denn je.

 

Mit oder ohne Corona-Problematik lassen sich die 33 Beiträge der Ausgabe, geschrieben von 19 Autorinnen und 13 Autoren aus 10 Ländern, als Sammlung literarischer Sturmläufe gegen alle möglichen Zwänge lesen: Aufbrüche noch und nöcher, die angeblich Unumstößliches wieder und wieder kippen.

Hier einige Streiflichter: Michael Donhauser poetische wie psychedelische Kurzprosa zu Fotos von Natascha Auenhammer etwa ist nicht nur das poetische Protokoll einer Bewusstseinserweiterung, sondern auch Mittel zurselben, Felix Philipp Ingolds Essay zu „Anonymität und Exhibitionismus“ stellt die Eckpfeiler des Literaturbetriebs in Frage, Sabine Scholl schildert Venedig unter der Quarantäne des Faschismus, Hanno Millesi liefert sozial hellwache Großstadtimpressionen, in den Gedichten der Grazer Stadtschreiberin Volja Hapeyeva verwandeln sich Männer in Torten, Valerie Fritschs Gedichte porträtieren die Liebe gleich als „Kannibalismus“, und Freda Fialas Text- und Bildbericht aus Taipei skizziert mit wohltuend unkonventionellen Sätzen eine Situation, die nicht nur jener der Titelfigur des Heftes, sondern auch der ästhetischen Position der manuskripte seit nunmehr 60 Jahren ähnelt: „ich bin hier wo die / richtung des neuen noch steil ist“.

 

Auffällig der hohe Anteil an neuen Stimmen in dieser Ausgabe: der Steirer David Misch steuert eine Kurzgeschichte über den nicht banalen „Büroalltag“ bei, der Mariborer Tomo Podstenšek stellt einen seltenen Aspekts des kleinen Grenzverkehr dar, Nora Wicke gibt Einblick in ihr „diary of an extremely hungry feminist person raised in leipzig schwankend in berlin“.

Beeindruckend auch die debütierenden Lyrikerinnen wie Rahel Mayfeld mit ihrem Zyklus „heufieber“ oder Marit Heuß mit ihrem Langgedicht „Palacio inivisível“.

 

In der Lyrik-Sparte gibt es einen Schwerpunkt in Erinnerung an den unvergessenen Dichter und Übersetzer Fabjan Hafner, der drei seiner bislang unveröffentlichten Übersetzungen von Gedichten Uroš Zupans und Jasmina Topićs vereint.

Und Helmut Moysichs Rezension Die große Ausschüttung gedenkt des jüngst Verstorbenen manuskripte- und rotahorn-Preisträgers Hans Eichhorn.

Hier das gesamte Inhaltsverzeichnis:

P.S.

Dem Heft liegt ein Folder bei, der auf das Symposium „Wie es mit der Literatur weitergeht“ des Franz-Nabl-Instituts im Literaturhaus Graz hinweist. Dieses hätte sich am 23. und 24.4. dem 60. Geburtstag der manuskripte widmen sollen, wurde aber leider wegen der Maßnahmen gegen Corona abgesagt.

Dennoch gehen die wissenschaftlichen Beiträge nicht verloren. Sie werden gesammelt und im Herbst in einer Sonderpublikation der manuskripte und auf Dossier Online veröffentlicht.

P.P.S.

Die manuskripte 227 sind in unserem Webshop (http://www.manuskripte.at/webshop/) oder in der ausliefernden Buchhandlung Ihres Vertrauens erhältlich.
(In Graz liefert etwa Angelika Schimuneks Bücherstube aus, in Leibnitz Erwin Draxlers Büchertheke.)

 

* Das Video wurde in meinem Arbeitszimmer aufgenommen.
Gemälde im Hintergrund von Sepp und Mona Unterweger.
Abgesehen davon geht es mir wie vielen anderen YouTubern: Sonst bekannt für meine tipptopp geschniegelte Frisur und den millimetergenau getrimmten Bart, haben die Wochen der Ausgangsbeschränkung und Selbstisolation kleine, aber feine Spuren hinterlassen …