Andreas Unterweger

„Seine Neugierde hat ihn bis zum Schluss nie verlassen“ (Kulturzeitung 80, Juli 2020)

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 26. Juni 2020

In der aktuellen Ausgabe der Grazer Kulturzeitung „80“:

Besten Dank an Stefan Zavernik für das freundlich geführte Interview!

Mehr zum Vermächtnis Alfred Kolleritschs und zur Zukunft der manuskripte gab es neulich auch in Der Standard zu lesen.

„Die Grazer Gruppe“ (Literaturhaus Graz, 23.06.2020)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 25. Juni 2020

Nachtrag zum Termin:

 

 

Im impliziten Gedenken an unseren lieben Alfred Kolleritsch …

… ging am 23.06. die Vorpremiere von Markus Mörths Dokufilm „Die Grazer Gruppe“ im Grazer Literaturhaus über die Bühne.

Wieder beeindruckten mich der Drive und die Dichte des Films, der uns in 45 Minuten 5 Jahrzehnte Grazer Literatur (ab 1960) erleben ließ.

Anschließend Podiumsdiskussion …

 

Foto: (c) Literaturhaus Graz

… die sich u. a. um Alfred Kolleritschs bzw. der Grazer Gruppe Verdienste um das Label „Literatur-“ oder gar „Kulturhauptstadt Graz“ drehte – und darum, ob, nein, wie dieses Vermächtnis weiter besteht.

Um den großen Klaus Hoffer …

… zu paraphrasieren: „Was so begann, muss fruchtbar weitergehen!“

(c) Sepp Unterweger

Ich danke Klaus Kastberger und dem Literaturhaus Graz für die Einladung, meinen PodiumskollegInnen für die anregende Unterhaltung, dem Publikum für das ebenso zahlreiche wie angesichts der Corona-Abstände höchst disziplinierte Erscheinen und Markus Mörth für seinen gelungenen Film!

(c) Nora Edelsbacher

Finissage Isa Riedl, Vernissage Laura Manfredi (Galerie Marenzi)

Posted in In Zeilen wie diesen, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 14. Juni 2020

Zweimal innerhalb einer Woche war ich nun in der Galerie Marenzi in Leibnitz zu Gast.

Am 06.06.2020 las ich bei der Finissage von Isa Riedls Ausstellung „Magic Spell“ aus „In Zeilen wie diesen“, meinen „Corona-Texten“, mit denen ich die Schau während der letzten Wochen durch Online-Lesungen in den Räumlichkeiten begleitet hatte.

Vor der Lesung verkündete Klaus-Dieter Hartl, der Leiter der Galerie, erfreulicherweise, dass die 20 Prosagedichte in einer von der Galerie Marenzi herausgegebenen Broschüre erscheinen werden, gemeinsam mit Fotos von Isas Arbeiten.

Dazu mehr in Kürze.

*

Am 12.06. hatte ich die Ehre, bei der Vernissage der Ausstellung „Tapete – Landschaft der Erinnerung“ der italienischen Künstlerin Laura Manfredi „zur Ausstellung“ zu sprechen.

Ich trug die Biografie der Künstlerin vor:

Laura Manfredi beantwortete meine beiden Fragen („Warum ,Landschaft der Erinnerung‘?“ „Warum ,Tapete'“?):

Zum Abschluss las ich, als literarische Reaktion auf Lauras serielle Variationen und Umformungen einzelner Erinnerungsbilder, einen meiner frühesten Prosatexte, „Ein Bild von dir“, von 2006.

 

V.l.n.r., mit dem gebotenen Abstand: Bgm. Helmut Leitenberger, Vize-Bgm.in Helga Sams, Laura Manfredi, A.U., Klaus-Dieter Hartl.

*

Ich habe die Begegnung mit beiden Künstlerinnen als große Bereicherung empfunden. Welch ein Glück, dass es in Leibnitz möglich ist, zeitgenössische bildende Kunst auf diesem hohen Niveau zu erleben! Laura Manfredis Ausstellung ist bis 25.7. zu sehen: Empfehlung!

Und herzlichen Dank für die Einladungen, lieber Klaus-Dieter Hartl!

Alle Fotos: (c) Sepp Unterweger

Update:

Bericht und Fotos auf meinbezirk.at

LeibnitzKult auf Instagram:

 

„In großen Fußstapfen“ (Der Standard v. 10.06.20)

Posted in manuskripte, Trauer by andreasundschnurrendemia on 10. Juni 2020

Heute in Der Standard: Michael Wurmitzer hat mich dazu befragt, wie es nach dem Tod meines lieben Freundes und Herausgeberkollegen Alfred Kolleritsch mit den manuskripten weitergeht.

 

Danke für die Geduld beim ausführlichen Telefon-Interview und bei der grafischen Tüftelei mit den Schnappschüssen aus unserem Büro, lieber Herr Wurmitzer!

Update: Hier der Link zur Online-Ausgabe des Artikels.

In Zeilen wie diesen #5 (feat. Isa Riedl, Galerie Marenzi)

Posted in In Zeilen wie diesen by andreasundschnurrendemia on 4. Juni 2020

20+20 Zeilen aus den Zeiten, die wir gerade erleben – der 5. und letzte Teil meiner Auftragsarbeit für die Leibnitzer Galerie Marenzi, kuratiert von Klaus-Dieter Hartl, gefilmt von Max Pratter.
Dazu ein Gespräch mit der großartigen Grazer Künstlerin Isa Riedl, deren Arbeiten eben in der Galerie zu sehen sind. Wir sprechen über etwas, das uns verbindet: Konzepte der Auflösung.

Am 06.06. lese ich bei der Finissage der Ausstellung zweimal die gesammelten Texte:

Hier Teil 5 zum Mitlesen:

***

Dies also war nun unser Krieg. Endlich konnte es uns gut gehen,
so gut, wie es eben nur dann geht, wenn das Befürchtete tatsächlich
eintritt. Pandemien sind besser als Montagmorgen, und wir sahen,
maskiert, die Azaleen vor dem Spar erstmals wirklich. Später, als
Risikogruppe, würden wir etwas zu erzählen haben. Und weißt du,

ich wusste es schon damals, noch während es geschah, noch vor
der zweiten, vor der dritten Welle, dem D-Day, wusste ich: Ich für
meinen Teil würde nur von dir erzählen. Von uns, meine ich. Und
welch ein Glück ich denn nicht hatte, dass du es warst, die damals
bei mir war … Ich schreibe dies hier auf nur für den Fall, dass –

*

Wir hatten einen gemeinsamen Feind. Sogar die Taliban waren nun
für Ver- statt Kampfhandlungen – in jenen Gebieten zumindest, die
sie bereits erobert hatten. Während die NATO, um keine Gefühle
zu verletzen, die Presse nicht mehr über Angriffe des Islamischen
Emirats
informierte, veranstaltete der Islamische Staat in Kabul,
drei Tage nach unserem Muttertag, eine systematische Hinrichtung
von Müttern
. Drei Männer erschossen in einer Geburtsklinik 24
Neugeborene, Mütter und Krankenschwestern. So die Agenturen.
Ein Arzt vor Ort meinte freilich: Was passiert ist, kann mit Worten
nicht beschrieben werden.
Wir hatten einen gemeinsamen Feind.

*

Also wurde das absurde Theater erfunden. Den Mitkonsumenten,
der im Supermarkt bei meinem Anblick noch in den nächsten Gang
geflüchtet war (obwohl ich doch, wie er, ein Horn auf der Nase
trug!), traf ich später auf dem Hauptplatz wieder. Verschwörerisch
stellten wir uns an einen Stehtisch (0 bis kein Meter Durchmesser),
steckten die Hörner zusammen, füllten sie mit Wein. Verleugnung,
Wut, Verhandlung, Depression: all das durchlebten wir zusammen.
Schließlich akzeptierten wir die neue Weltordnung, stießen drauf
an. Dass wir dabei die Gläschen vertauschten, WHO cares … Wir
hatten uns ja ohnehin, verordnungsgemäß, die Kehlen desinfiziert.

*

In jenen Tagen sah ich einen Berg aufsteigen über Kathmandu, der
hüllte sich nicht in Luftverschmutzung, und das zum ersten Mal
seit Jahrzehnten. Und weil dieser Gipfel als höchster der Welt galt,
gab es mir doch zu denken, dass darauf weder Zeus zu sehen war
noch Yeti, der ihm eingeborene Sohn. Hatte Gott uns verlassen?

Ratlos pilgerte ich nach Hause, wo Pascal, mein Zimmergenosse,
mich nachdenklich erwartete: Die Stoiker, sagte er, sagen: Haltet
Einkehr in euch selbst, dort werdet ihr eure Ruhe finden. Und das
ist nicht wahr. Die andern sagen: Geht nach draußen und sucht
das Glück, und das ist nicht wahr: Die Krankheiten kommen.

***

Geschrieben bis 24.5., aufgenommen am 30.5.2020. 😕