Andreas Unterweger

„Das Schweigen ansprechen“ (4.10.20, Forum Stadtpark)

Posted in Uncategorized by andreasundschnurrendemia on 9. Oktober 2020

Nachtrag zum Termin:
Das Schweigen ansprechen. Wie man über Schweigen schreibt und wie man über Schreiben schweigt. Eine Literarische Matinee im Forum Stadtpark“
Literarische Matinee von und mit den Styria Artists in Residence Tanja Sljivar (SRB) und Vera Schindler (D) und der Schauspielerin Ninja Reichert.
Lesung, Film, Diskussion mit den Künstlerinnen, Heidrun Primas und Andreas Unterweger.
Forum Stadtpark, 04.10.2020, 11 Uhr.
Eine Kooperation von Forum Stadtpark, manuskripte und St.A.i.R. (Styria Artist in Residence) des Landes Steiermark.

V.r.n.l.: Heidrun Primas, Vera Schindler, io mio.
Foto: Jennifer Eckert (danke!)

Eine spannende Literaturveranstaltung erwuchs aus einem der ersten Gespräche, die ich mit Vera Schindler in Graz führte. Vera ist Dramatikerin aus Berlin, wurde ab diesem Semester an der Wiener Schule für Dichtung angenommen und derzeit Styria Artist in Residence des Landes Steiermark in Graz, wo sie von mir organisatorisch betreut wird.

Andreas, ungefähr so: Hier ist der Schlüssel, hier ist der Corona-Test, dann ist die Vorstellungsrunde, und wann und wo machen wir dann eine öffentliche Präsentation deiner Arbeit?
Vera hingegen: Eine Lesung? Warum? Ich schreibe doch, das muss reichen.

Aus dieser dialektischen Spannung und ihrer Vorliebe dafür, sich durch ihre künstlerische Arbeit zu artikulieren, anstatt ihre Person in die Öffentlichkeit zu stellen, entwickelte Vera gemeinsam mit Tanja Sljivar, ihrer Styria Artist-Kollegin aus Serbien, eine erstaunlich komplexes Konzept für einen Vormittag, der sowohl künstlerische als auch kulturpolitische Brisanz in sich barg.
Efreulicherweise erklärte sich Heidrun Primas vom Forum Stadtpark, das Tanja Sljivar betreut, bereit, die Veranstaltung ins Forum-Programm aufzunehmen.

Dort haben die Autorinnen den Vormittag so angekündigt:

„Eine Autorin, die das Blatt leer lässt. Ein Buch ohne Buchstaben. Ein Umschlag ohne Inhalt. Ein ungeposteter Post. Eine wortlose Diskussion.
Ein schweigendes Gespräch._
Das Schweigen ansprechen.Wie man über Schweigen schreibt
und
wie man über Schreiben schweigt.Eine Lesung und ein Gespräch über Künstlergespräche“

Heidrun Primas begrüßte:

Ninja Reichert las Vera Schindlers Standortbestimmung:

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 20201004_112130.jpg.
Hinten, im Bildvordergrund: Vera Schindler. Auf der Bühne vorne, im Bildhintergrund: Ninja Reichert

Tanja Sljivar kombinierte auf famose Weise Textsplitter über das Wesen der Arbeit mit Songs quer durch die Musikgeschichte, von der kommunistischen Arbeitsverherrlichung bis zum Gastarbeiter-Lied:

Tanja Sljivar und Vera Schindler

Anschließend entspann sich eine selten gesprächige Diskussion über Wohl und Wehe der verschiedenen Arten des Schweigens in der Kunst mit dem zahlreich erschienen und hochkarätig besetzten Publikum:

Ninja Reichert und Vera Schindler

Ich steuerte u.a. Erfahrungsberichte aus der eigenen Schriftstellerexistenz bei (so wurde mir etwa vor meinem Debüt der Rat gegeben, mich künftig relativ beliebig zu möglichst vielen Themen via Zeitung/Internet zu Wort zu melden, um nur ja wahrgenommen zu werden, im Gespräch zu bleiben, Werbung für meine Bücher zu machen – leider nicht mein Ding [aber es gibt ja genug hochmotivierte Kolleg*innen]) und Erfahrungen aus Jurysitzungen, in denen Künstler*innen, deren Arbeiten politiker- und mainstreammedienfreundlich in Themen gefasst werden können (und damit weniger offen, letztlich weniger widerständig sind), in letzter Zeit einen Startvorteil zu haben scheinen.

Ich danke den beiden Künstlerinnen sowie Heidrun Primas und ihrem Team für diesen so fleißig zugebrachten Sonntagvormittag!

V.r.n.l.: Heidrun Primas, io mio, Vera Schindler.
Foto: Jennifer Eckert