Andreas Unterweger

manuskripte 229 („Für Fredy“) – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 22. Oktober 2020

Meine Marginalie zu Heft 229 der manuskripte, das am 24.10.2020 im Rahmen der großen Hommage für Alfred Kolleritsch im Schauspielhaus Graz präsentiert wird.*

(Titelbild von Fritz Panzer: Portrait Alfred Kolleritsch. Öl-Tempera auf Leinen, 1981)

MARGINALIE

Wenn ich von Alfred Kolleritsch eines gelernt habe, dann das: Beim Herausgeben einer Literaturzeitschrift, wie in der Literatur überhaupt, geht es nicht nur um Texte (oder gar Themen), sondern um Menschen.
Anders, mit Lukas Cejpek nämlich, gesagt: „Ich erinnere mich, dass Alfred Kolleritsch, wenn wir über neue Texte sprachen, immer als erstes gefragt hat: Wie ist der so? Kennst du den persönlich?“ (S. 133.)

Nachdem er in 60 Jahren 228 Ausgaben der manuskripte herausgegeben hat, gibt es nun erstmals ein reguläres manuskripte-Heft, das sich voll und ganz dem Menschen Alfred Kolleritsch selbst widmet. Dass es dazu erst posthum kommt, in der ersten Nummer nach seinem Tod, ist traurig – sagt aber auch viel darüber aus, wie er so war.

„Aus vielen Splittern“, so hieß es in unserem Aufruf zu diesem Heft, „soll das vielseitige Porträt seiner vielfältigen Persönlichkeit entstehen“.
Viele Seiten sind es tatsächlich geworden. Und auch vielfältige. Neben den Reden, die bei Verabschiedung und Begräbnis gehalten wurden, finden sich im Blattinneren Bilder aus acht Jahrzehnten sowie Nachrufe, Erinnerungen, Anekdoten, Gedichte, Nachgesänge, Klagelieder, Briefe, Gespräche, Notizen und auch Essays sowohl zum literarischen als auch zum kulturgeschichtlichen Vermächtnis unseres lieben Fredy.
Verfasst wurden sie von Wegbegleiter*innen aller Art – die man, spätestens nach dieser Ausgabe, als „Chor der manuskripte-Autor*innen“ bezeichnen könnte. Die vielstimmige Hommage gilt aber nicht nur dem Herausgeber und Literaturförderer Kolleritsch, sondern auch dem Dichter, dem Forum-Stadtpark-Präsidenten, dem homme de famille, kurz: dem Menschen Alfred Kolleritsch.
Dieser behauptete von sich: „Ich habe mich bemüht, meine verschiedenen Tätigkeiten ,als eine‘ zu leben.“ Und tatsächlich verschwimmen seine auf den ersten Blick so unterschiedlichen Lebensbereiche bei der Lektüre dieses Heftes zu einem großen Ganzen, das von ein und demselben ebenso scharfsinnigen wie freundlichen Esprit getragen wird.

Manche der folgenden Texte gingen aus Kondolenzschreiben hervor. Viele schrieben ihre Beiträge auf unsere Einladung hin. Andere zogen es vor, schweigend zu gedenken. Einige haben sich auch selbst gemeldet. Abgelehnt wurde kein einziger Text – auch ein Novum in der manuskripte-Geschichte.
Wir bedanken uns bei allen, die zu diesem Heft beigetragen haben – insbesondere bei den Familien Kolleritsch und Hoffer. Und entschuldigen uns bei jenen, die sich womöglich übersehen fühlen. Für sie wird es weitere Möglichkeiten der Äußerung geben.
Das Gedenken an einen Menschen wie Alfred Kolleritsch kann sich unmöglich auf eine einzelne manuskripte-Nummer beschränken – so, wie auch sein Vermächtnis weit über diese 250 Seiten hinausreicht.

„Bestimmt wird Alfreds sanfter und starker Geist Schutzpatron der manuskripte bleiben.“
(Olga Martynowa, S. 188)

A.U.

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* Alfred Kolleritsch. Eine Hommage

Sa, 24.10., 19:30 Uhr, Schauspielhaus Graz (Haus Eins). Geschlossene Veranstaltung.

Eine Veranstaltung des Literaturhauses Graz in Zusammenarbeit mit manuskripte – Zeitschrift für Literatur, Forum Stadtpark und Schauspielhaus Graz.

„Auch für mich ist das ein furchtbarer Schreck. Man denkt sich unwillkürlich: Jetzt hat er so viel durchgemacht, da hätte er jetzt auch nicht sterben müssen! Es ist sehr selten, daß ein großer Schriftsteller wie er auch ein großer Kommunikator und Organisator ist. Man denkt immer, das schließt sich aus. Aber der Fredy war einfach alles, und das, ohne ein Gschaftlhuber zu sein. Das ist sehr selten. Er war auch als Veranstalter und Zeitschriftenherausgeber ein großer, freier Geist, aber mit den Wurzeln doch immer in diesem wahnsinnigen Graz, man hätte ihn nie ausreißen können.” (Elfriede Jelinek)

Alfred Kolleritsch ist am 29.5.2020 in Graz verstorben. Weggefährt*innen und Autor*innen würdigen das Werk des vielfach ausgezeichneten Autors und seine einzigartigen Verdienste um die Vermittlung deutschsprachiger Literatur.

Mit: Barbara Frischmuth, Markus Schirmer, Max Droschl, Heidrun Primas, Anna Baar, Monique Schwitter, Aleš Šteger, Andreas Unterweger, Franz Weinzettl u.v.a.m.

Moderation: Katja Gasser und Klaus Kastberger.

Die Veranstaltung wird im Live-Stream übertragen.

In Kooperation mit Literaturverlag Droschl und ORF-Landesstudio Steiermark.

P.S. Die manuskripte 229 sind bereits im manuskripte-Webshop bestellbar.

5 Antworten

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  1. wolkenbeobachterin said, on 22. Oktober 2020 at 7:24 pm

    Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich erst die Gedichte von Alfred Kolleritsch entdeckt und gelesen. Ich finde es sind sehr gute Gedichte und ich weiß gar nicht, warum es so lange gedauert hat, bis ich ihn als Dichter entdeckt habe. Aber vielleicht ist es manchmal eben so. Über den Menschen Alfred Kolleritsch selbst wusste ich nicht viel, ich habe etwas über ihn im Internet gefunden und gelesen. Insofern freue ich mich über diese Ausgabe der Manuskripte und hoffe, dass ich die Zeitschrift hier in Berlin irgendwo erwerben kann. Vielen Dank für diese Ausgabe sage ich schon jetzt. Und: Ein tolles Cover ist das. Gefällt mir sehr. Weiterhin viel Spaß und Inspiration mit dem Schreiben und dem Magazin. Liebe Grüße aus Berlin, m.

    • andreasundschnurrendemia said, on 22. Oktober 2020 at 7:29 pm

      Sie können die manuskripte per Webshop – http://www.manuskripte.at/webshop/ – oder in der Buchhandlung Ihrer Wahl bestellen. Auch in Bahnhofskiosken sind die manuskripte erhältlich, sowie auf Flughäfen, falls vorhanden. 🙂
      Danke jedenfalls für Ihr Interesse! Liebe Grüße!

      • wolkenbeobachterin said, on 22. Oktober 2020 at 7:32 pm

        Hallo! Bestellen möchte ich es nicht so gern. ich werde es in einer größeren Buchhandlung hier vor Ort versuchen, ich habe schon eine Idee wo ich danach schauen kann. Und gern „Du“ anstatt „Sie“, vielen Dank. Liebe Grüße zurück.

      • andreasundschnurrendemia said, on 22. Oktober 2020 at 7:45 pm

        Gute Idee! Und: Sehr gern. Danke Dir auch für die guten Wünsche!

      • wolkenbeobachterin said, on 22. Oktober 2020 at 7:48 pm

        Fein! 🙂 Und: Gerne!


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