Andreas Unterweger

manuskripte 231 – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 18. Mai 2021

Meine Marginalie zu Heft 231 der manuskripte, das ab morgen (Mi, 19.05.21) im Handel erhältlich ist.

Marginalie

„Weiterschreiben!“ war ein Ratschlag, den Alfred Kolleritsch gerne jungen Autor*innen mit auf den Weg gab. Im Zuge der behutsamen Erneuerung der manuskripte im Jahr 1 nach dem Ableben unseres lieben Fredy wurde sein Motto nicht nur zum Untertitel der Zeitschrift erhoben, sondern auch um eine Bedeutungsebene bereichert. „weiter schreiben“ im Sinne von: „weiter denken“, „den Horizont erweitern“.

In den manuskripten wird eben nicht nur weiter, es wird weiter geschrieben: das Ideal des „Offenen“, das Kolleritsch stets verfolgte, ist wichtiger denn je. Die Zeitschrift bietet Platz für die unterschiedlichsten Schreibweisen von jüngeren und renommierten Autor*innen aus aller Welt.

Man könnte sagen: In den manuskripten wird weiter weiter geschrieben …

Aus der stolzen Tradition unseres Mediums Kraft für Neues zu schöpfen, das hatten wir uns für das optische Redesign vorgenommen. So orientierte sich Petra Höfler, die beauftragte Grafikerin, an der Titelschrift der allerersten manuskripte-Ausgabe, um daraus ein zeitgemäßes Logo zu entwickeln.

Ähnlich die Vorgangsweisen bei den Veränderungen von Format, Schrift und Papier – Details dazu werden in einem Kurzfilm erläutert, der auf unserem YouTube-Kanal zu sehen ist*.

Neu ist auch die stärkere Verschränkung von Coverkunst und Inhalt. Diesmal sind es die farbenprächtigen Pilze der Malerin Val Smets, die nicht nur vom Umschlag leuchten, sondern wie ein grafisches Myzel auch das Heftinnere durchwirken.

Assoziationen zu literarischen Fungi, von Alice im Wunderland über den „Pilznarren“ Peter Handke bis zu Hugo von Hofmannsthals Lord Chandos, dem die Worte „wie modrige Pilze im Mund“ zerfielen, sind keine Grenzen gesetzt.

Die Texte sind rund um Zitate aus dem Heft angeordnet, die weniger als Kapitelüberschriften gemeint sind, denn als unverhoffte Orientierungshilfen beim Seitenwandern: Wegweiser, die im Pilzwald hängen, lose und windschief, in eine andere Richtung gewendet von jeder blätternden Hand.

Das erste, ins Heftganze einführende Satzfragment stammt aus dem Essay Teufelskirsche der kanadisch-wienerischen Autorin Catherine Lemieux, der von der diesjährigen manuskripte-Preisträgerin Laura Freudenthaler ins Deutsche übersetzt wurde: „nichts weniger als Magie“.

Dieses Motto weist auf den ersten Blick auf all die Fabelwesen hin, die Dämonen, Lindwürmer, Hexen und Wölfe, die sich in verblüffender Fülle und in völlig unterschiedlichen Rollen, vom sprachmagischen Versuchskaninchen bis zum Wappentier politischen Engagements, in den Beiträgen finden.

Was aber auch gemeint ist: Ihr hoffentlich freudiges Staunen über den Inhalt der manuskripte 231!

Andreas Unterweger

Titelbild von Val Smets: „Nudgers & Shovers I“

*Online ab 19.05.21

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