Andreas Unterweger

Neverend. Literarische Dialoge in Ljubljana

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 15. Juni 2022

Am 9.6. wurde „Neverend. Literarische Dialoge zwischen Nord und Süd“, das im Rahmen der Reihe „Internationale Literaturdialoge“ des Österreichischen Außenministeriums ausgezeichnete und geförderte Projekt von Monique Schwitter und mir, in den schönen Räumlichkeiten des Društvo slovenskih pisateljev/Slowenischen Schriftstellerverbandes in Ljubljana präsentiert.

Organisiert wurde der rundum gelungene Abend dankenswerterweise vom Österreichischen Kulturforum in Ljubljana – Direktor Andreas Pawlitschek (wir kennen uns aus Washington, D.C.) begrüßte:

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana
(Vorne rechts: Der Schweizer Botschafter in Ljubljana, Denis Knobel. Herr Knobel wollte eigentlich bald wieder gehen, es gefiel ihm aber so gut, dass er bis zum Schluss blieb – wie wir anderen auch!)

Monique Schwitter und ich stellten unser Dialog-Projekt vor, verorteten es zwischen Liebe und Krieg.

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana
V.l.n.r.: Moderatorin Breda Biščak, die auf Englisch und Slowenisch moderierte, Monique, Andreas

Monique sprach über die Liebe – sie habe sich in die Gedichte Nikola Madzirovs verliebt …

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

… ich hingegen sprach über den Krieg, den „Long Yugoslav War“. Die jugoslawischen Kriege also, die mitnichten beendet sind, sondern in der Diaspora, unter dem Deckmantel anderer Nationalitäten, weiterschwelen (so erlebt etwa in der Auseinandersetzung zwischen Marko Arnautovic und seinem nord-mazedonischen Gegenspieler bei der letzten Fußball-EM – dort gerieten ein Österreicher bzw. Nord-Mazedoniener aneinander, um einen Konflikt zwischen einem Serben und einem Albaner auszutragen).

Anschließend die Lesungen: Monique Schwitter (Schweiz) und Nikola Madzirov (Nord-Mazedonien) lasen ihren Dialog, abgedruckt in manuskripte 233:

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

Maša Kolanović (Kroatien) las ihre Beiträge vor Ort, Matthias Nawrat (Deutschland) seine per Videoaufzeichnung:

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

Von Aleš Šteger (Slowenien) und mir (Österreich) stammt der dritte Dialog. Während ich die entsprechende manuskripte-Ausgabe 233 mit dem tollen Cover von studio ASYNCHROME …

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

… und Aleš jüngst bei Wallstein auf Deutsch erschienenen Roman „Neverend„, von dem die Literaturdialoge sich ihren Titel geborgt hatten, in die Kamera hielt …

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

… vollendete Aleš in einer klugen Rede den anfangs begonnen Gedankengang zu Liebe und Krieg: Es gebe eben auch, sagte er, u.a. auf unseren Dialog, der um die Themen Sprache und Grenze kreist, Bezug nehmend, eine Liebe vor der Liebe, einen Krieg vor dem Krieg.

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

Unsere Unterhaltungen führten wir auf Englisch, wir lasen im Original, die zahlreichen Gäste waren vom Österreichischen Kulturforum großartigerweise mit schön gestalteten Übersetzungen ins Slowenische versehen worden. Diese werden in der slowenischen Zeitschrift Vrabec Anarhist veröffentlich werden.

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

Hinterher: Poetisches Mit- und Durcheinander – unter Zuhilfenahme von sensationellen Brötchen aus dem hauseigenen Restaurant und slowenischem Wein:

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

Mein Dank für diese schöne Veranstaltung gilt dem Österreichischen Kulturforum in Ljubljana, besonders Andreas Pawlitschek und seiner großartigen Mitarbeiterin Marjeta Malus, sowie den unterstützenden Institutionen (Schweizerische Botschaft, Goethe-Institut, Slowenischer Schriftstellerverband …), die vom Österreichischen Kulturforum zur Zusammenarbeit gewonnen wurden.

Hvala! Zelo lepo je bilo v Ljubljani!

Selbstporträt als Bücherschrank

*****

„Neverend“, noch einmal kompakt zusammengefasst:

NEVEREND | Literatur-Dialoge
Monique Schwitter (Schweiz) – Nikola Madzirov (Nordmazedonien)
Andreas Unterweger (Österreich) – Aleš Šteger (Slowenien)
Matthias Nawrat (Deutschland) – Maša Kolanović (Kroatien)

9.6.2022, 18:00 | LJUBLJANA | VRT LILI NOVY | TOMŠIČEVA UL. 12
(beim Regen im Saal des Slowenischen Schriftstellerverbandes)
Moderatorin: Breda Biščak
Sprache: Englisch und ins Slowenische gedolmetscht


Exakt dreißig Jahre nach ihrem Beginn und zwanzig nach ihrem Ende sind die Jugoslawien-Kriege
noch immer eine offene Wunde, die sich über die jugoslawische Diaspora hinaus in allen Bereichen
der europäischen Identität bemerkbar macht. Vom offiziellen Diskurs meist ignoriert, bildet dieser
Schmerz den Ausgangspunkt für die „Neverend“-Dialoge, die nach dem Roman des slowenischen Schriftstellers Aleš Šteger benannt sind. Wie der Roman kreisen die Dialoge um die Frage, welche Auswirkungen dieses ins kollektive Unterbewusstsein verbannte Trauma der jugoslawischen Kriege auf unsere Gegenwart und Zukunft haben. Wie ist der gegenwärtige Zustand der aus dem ehemaligem Jugoslawien hervorgegangenen Staaten, mit ihren regionalen Nationalismen und autoritären Tendenzen? Wie ist in diesem Zusammenhang die EU verfasst? Was erzählen die Flüchtlings-„Lager“? Wie rasch kann der analytische Blick auf den Süden in eine kolonialistische oder imperialistische Überheblichkeit kippen?
Welche Lehren kann Europa ziehen, um dem Gräuel zu entgehen, dem der Balkan erst kürzlich
entflohen ist und der sich leider erneut in der Ukraine wiederholt? Und welche direkten und vor
allem indirekten Spuren hinterließen der Krieg und seine Folgen in den Biografien der
Gesprächsteilnehmer*innen, in ihrem Selbstverständnis und in ihren literarischen Arbeit?


Zu den Autor*innen:
NIKOLA MADZIROV (Nordmazedonien), in Strumica geboren, lebt in Skopje. Er ist Dichter,
Herausgeber und Übersetzer. Er war Gast bei Literaturfestivals auf der ganzen Welt und wurde in
mehr als 40 Sprachen übersetzt. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Gebrüder-
Miladinov-Preis und den Hubert-Burda-Preis.
MATTHIAS NAWRAT (Deutschland), in Opole in Polen geboren, lebt seit 2012 in Berlin. Bisher
veröffentlichte er fünf Romane, die große Aufmerksamkeit erregten sowie übersetzt und
ausgezeichnet wurden. Der jüngste war die „Reise nach Maine“ aus dem Jahr 2021 und im Herbst
2022 erscheint sein Gedichtband bei Parasitenpresse. Nawrat ist Mitglied des Deutschen PEN-
Zentrums.
MONIQUE SCHWITTER (Schweiz), in Zürich geboren, lebt seit 2005 in Hamburg. Sie ist
Schriftstellerin, Theaterregisseurin und Schauspielerin. Seit 2010 widmet sie sich ausschließlich ihrer
schriftstellerischen Tätigkeit. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Robert-Walser-
Preis, dem Schweizer Buchpreis und dem manuskripte-Preis des Landes Steiermark. Sie ist Mitglied
des Deutschen PEN-Zentrums und Präsidentin der Freien Akademie der Künste in Hamburg.
ALEŠ ŠTEGER (Slowenien), geb. 1973, lebt in Ljubljana. Er arbeitet regelmäßig mit Komponisten,
Musikern, bildenden Künstlern und Filmemachern zusammen. Seine Bücher wurden in mehr als 20
Sprachen übersetzt. Neben zahlreichen Preisen wurde sein Buch „The Book of Things“ mit zwei
American Mayor Translation Awards (BTBA und AATSEL) ausgezeichnet. 2016 erhielt er den Horst-
Bienek-Preis für Lyrik und 2021 den Alfred-Kolleritsch-Preis der Stadt Graz. Er wurde vom
französischen Staat mit dem Titel Chevalier des Artes et Lettres ausgezeichnet. Er ist Mitglied der
Berliner Akademie der Künste und Mitglied der Deutschen Akademie der Sprache und Dichtung.
ANDREAS UNTERWEGER (Österreich), geb. 1978 in Graz, lebt in Leibnitz. Er ist Schriftsteller,
Übersetzer und Herausgeber der manuskripte. Im Jahr 2022 erscheint bei Droschl sein Roman So
long, Annemarie. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Literatur-Preis der
Akademie Graz 2009 und dem manuskripte -Preis des Landes Steiermark 2016.


„NEVEREND“ ist ein Projekt von Monique Schwitter und Andreas Unterweger, das im Rahmen der
Ausschreibung „Internationale Literaturdialoge“ des Österreichischen Bundesministerium für
Europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) und in Kooperation mit manuskripte und
der Freie Akademie der Künste Hamburg seine Umsetzung gewann. Das Projekt nominierte drei
Tandems, bestehend aus je einer/einem deutschsprachigen und einer/einem südosteuropäischen
Schreibenden.)

Offizielle Darstellung auf Literaturdialoge.at:

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