Andreas Unterweger

manuskripte 236 – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 30. Juni 2022

Meine Marginalie zu Heft 236 der manuskripte, das am 29.06. im Kunsthaus Graz präsentiert wurde:

Marginalie

„Nein, die Musen schweigen nicht“ – auch wenn die Waffen wüten. Davon zeugt nicht nur Chrystyna Nazarkewytschs unter die Haut schneidender Bericht aus der Ukraine, von dem sich diese Ausgabe ihr Motto geborgt hat, sondern auch der Chor der anderen literarischen Beiträge des Heftes.
Ungebrochenes, nein, oft aus Brüchen schöpfendes Weiterschreiben, das den so nah gerückten und ferneren Barbareien unserer Gegenwart auf seine fragile Weise die Stirn bietet: „Paroligebote / in zerbrechlichem Zusammenspiel“.

Zusammenspiele unterschiedlichster Art prägen das gesamte Heft: von der neuen Kooperation mit der amerikanischen Literaturzeitschrift starORec über die beiden Reden zum Franz-Nabl-Preis (von Preisträgerin Kathrin Röggla und Laudatorin Teresa Präauer) bis hin zur grafischen Gestaltung der Ausgabe durch Ingeborg G. Pluhar.
Ihre Coverkunst, abgedruckt dank einer Kooperation mit Amazons of Pop. Künstlerinnen, Superheldinnen, Ikonen 1961–1973, der aktuellen Ausstellung des Kunsthauses Graz, ermöglicht es den manuskripten,ein Versäumnis nachzuholen. Schließlich hätte Pluhars avantgardistische Persiflage auf Inszenierung und Instrumentalisierung des weiblichen Körpers, die spätere weltweite Aufreger wie Lady Gagas meat dress um Jahrzehnte vorwegnimmt, durchaus schon 1972 in die manuskripte gepasst.
Zugleich wurde Gerhild Steinbuch, manuskripte-Preisträgerin 2019, dazu eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und in einen literarischen Dialog mit den im Kunsthaus präsentierten Vorkämpferinnen zu treten.

Dem 70. Geburtstag des ehemaligen Droschl-Lektors und langjährigen manuskripte-Redakteurs Rainer Götz verdankt das Heft sein Happy End.
Neben Hommagen von Barbara Frischmuth, Tomer Gardi, Iris Hanika und Sissi Tax versucht ein Essay von Harald Miesbacher eine erste historische Einordnung: Schließlich galt Rainer „the phenomenon“ Götz in den letzten Jahrzehnten nicht nur als beliebtester Mensch im deutschsprachigen Literaturbetrieb, sondern prägte die steirische, ja, österreichische Literaturlandschaft auch wie kaum ein anderer.
Neben zahlreichen wesentlicheren Entdeckungen und Anregungen ist sein Einfluss übrigens vermutlich nirgendwo spürbarer als hier. Schließlich war er es, der schon 2009 jene Möglichkeit eines generationenübergreifenden Weitermachens der manuskripte skizzierte, die Alfred Kolleritsch einige Jahre später aufgriff und die mich nun diese Zeilen schreiben lässt.

Andreas Unterweger

Ingeborg G. Pluhar, Kostüm für Humanic Modenschau in Galerie H, 1972, Courtesy Horst Gerhard Haberl, Foto: Pressefoto Horowitz, Wien
Mit Chrystyna Nazarkewytsch am 24.6., einen Tag vor ihrer Rückreise in die Ukraine, im manuskripte-Büro.
Rainer-Götz-Geburtstags-Stadtspaziergang im Mai 2022, nach der ersten Station (ich hatte ihn eben mit dem Bob-Dylan-Fortschreibung „Rainer“ – statt „Sara“ – als unbekannter Straßenmusiker überrascht).
V.r.n.l. Sissi Tax, Rainer Götz, unbekannter Straßenmusiker, Julian Kolleritsch, Silvana Cimenti.

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Die manuskripte 236 sind im manuskripte-Webshop erhältlich.

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Bernd Melichar in der Kleinen Zeitung v. 25.07.2022 über die manuskripte 236:

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Christoph Hartner in der Kronen Zeitung v. 26.07.2022:

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Ein Bericht über die Präsentation der manuskripte 236 am 29.06. im Kunsthaus Graz mit Theodora Bauer, Gerhild Steinbuch, Schauspielerin Ninja Reichert (las den Text von Chrystana Nazarkewytisch) und Musik von Pekua folgt anlässlich von Barbara Belics Radiosendung „Das rote Mikro“ am 1.8. auf Radio Helsinki.

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