Andreas Unterweger

Heimo Steps, 1946-2022

Posted in manuskripte, Trauer by andreasundschnurrendemia on 21. August 2022

Heimo Steps
1946-2022

„Damit es licht bleibt / und hell“, schrieb Heimo Steps auf das Blatt, das er zu Alfred Kolleritschs 89. Geburtstag an die legendäre Zettellampe im manuskripte-Büro hängte. Licht spielte auch wenig später, in seinem Nachruf auf seinen engen Freund Fredy, mit dem ihn weit mehr als die turbulente gemeinsame Herausgabe eines französischen manuskripte-Heftes verband, eine entscheidende Rolle: „in seinem letzten Gedichtband ,Die Nacht des Sehens‘“, so Steps in manuskripte 229, habe Kolleritsch „den Sinn der Schwermut … zum Leuchten gebracht“.

Heimo Steps war ein Lichtblick in der steirischen Kulturlandschaft, der mit seinem unkonventionellen, vor Ideen sprühenden Engagement seinerseits einen Sinn zum Leuchten brachte: den der Kulturpolitik. Über Jahrzehnte hinweg war er den manuskripten ein ebenso verlässlicher wie kreativer Projektpartner, darüber hinaus ein fixer Bestandteil der Café-König-Morgenrunde (gemeinsam mit Alfred Kolleritsch, Johanna Vucak, Helga Höhn, Fußballern, Marktfrauen, Jungschriftsteller*innen …) und ein gern gesehener Gast in unserer Redaktion, der er immer wieder Texte von Autorinnen und Autoren vermittelte, wenn er sie nicht gleich selbst übersetzte (Boualem Sansal).

Mir selbst ist Heimo 2004 erstmals begegnet: Im obersten Geschoss des Joanneums, wo er als eine Art Exilant und ich als eine Art Praktikant untergebracht waren. Sein völlig selbstloses Interesse an mir und meinen Tätigkeiten vor allem abseits des Museumsjobs war ungewöhnlich für die Umgebung. Nach jedem der kurzen, aber nie in starren Phrasen verlaufenen Gespräche schienen der enge Gang breiter, die kleinen Fenster heller.

Später durfte ich Heimo Steps auch als Reise-Organisator erleben: 2009 und 2011 lud er mich als Autor in die Delegation des Landes Steiermark, die die Frankfurter Buchmesse besuchte. Ich erinnere mich, dass er die Lemmingströme des internationalen Reiseverkehrs gerne mit kopfschüttelnden Aphorismen quittierte, etwa: „Alle gehen in die gleiche Richtung – was soll das?!“

Bei seinem letzten offiziellen Auftritt dort verabschiedeten wir Autorinnen und Autoren unseren liebenswürdig chaotischen Reiseführer in den Ruhestand, Günter Eichberger hielt eine Rede, in der er den „letzten Anarch unter den Beamten“ eloquent würdigte.

In den Jahren danach saßen Heimo und ich oft im Café König zusammen. Immer wieder staunte ich über die Fülle und Vielfältigkeit seiner Interessen, nein, Begeisterungen. Die Gespräche über Albert Camus, Gert Jonke und Michel Houellebecq, über Paris und Klagenfurt, Ornithologie und Gartenbaukunst, Marco Pantani, den KAC und den Grazer Fußball, Naked Lunch, die Melancholie und den Blues bin ich dankbar – sie werden mir sehr fehlen.

Bon voyage, lieber Heimo.

Mit Heimo Steps auf der Frankfurter Buchmesse 2011
Alfred Kolleritsch und Heimo Steps

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