Andreas Unterweger

manuskripte-Förderpreis der Stadt Graz 2022

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 30. Oktober 2022

Der manuskripte-Förderungspreis der Stadt Graz 2022 geht an Katrin Köhler – herzlichen Glückwunsch!

„Dieser Preis wird alljährlich vergeben und wurde früher Forum Stadtpark – Literaturförderungspreis genannt. Die Vergabe erfolgt auf Empfehlung des Herausgebers der international renommierten Grazer Literaturzeitschrift „manuskripte“. Die Preishöhe beträgt ab 2019 Euro 2.500,–.“

Preisverleihung am 25.10. im Kunsthaus Graz: Stadtrat Günter Riegler, Katrin Köhler, Moderator Gernot Rath (v.r.n.l.)

***

manuskripte-Förderungspreis der Stadt Graz für Katrin Köhler – Jurybegründung:

Mit ihren glasklar formulierten Sätzen erschafft Katrin Köhler schwindelerregende Ordnungen. Diese versuchen sich als Wegweiser durch ebenso seltsame wie seltsam vertraute Denklabyrinthe, tasten nach dem System im Chaos des „existentialistischen Musicals“, als das sie unser Dasein treffend entlarven.

Wer dies als unterhaltsames absurdes Gedankentheater abtut, übersieht die tragische Dringlichkeit, mit der die Erzählstimme dieser Texte sisyphosartig um Orientierung ringt. Gerade, indem sie konsequent scheitern, skizzieren Köhlers zwischen Lyrik und Prosa, Traktat und Tragikomödie hin und her schaukelnde literarische Erklärungsversuche das Ausmaß des „riesigen Durcheinanders“ in unserer Welt. Damit gelingt der Autorin nichts weniger als eine höchst überzeugende Darstellung der menschlichen Unbehaustheit, zum einen tieftraurig, zum anderen getragen von einem feinen, oft grimmigen Humor: „Die Liebe ist keine Kartoffel.“

Katrin Köhler wurde 1987 in Ivano-Frankivsk in der Ukraine geboren und wuchs in Schwedt/Oder auf. Sie studierte in Hamburg, Kiel und Istanbul Bildende Kunst und lebt heute in Hamburg. Sie war Finalistin beim Literarischen März Darmstadt (Leonce-und-Lena-Preis) 2021 und erhielt im selben Jahr das LCB-Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats.

2020 und 2021 lebte Katrin Köhler als Styria Artist in Residence des Landes Steiermark in Graz, wo sie enge künstlerische Kontakte knüpfte, so dass sie seither regelmäßig zurückkehrt. In Heft 231 der manuskripte, der ersten Ausgabe nach dem Relaunch der Zeitschrift 2021, publizierte sie einen Auszug aus Das existentialistische Musical. Für Heft 233 besuchte sie im Auftrag der Zeitschrift die Ausstellung was sein wird – den so entstanden poetischen Essay Ein Mangel an Orientierung ist ein Nicht-zu-Hause-Sein trug sie bei der Präsentation im Kunsthaus Graz vor.

Katrin Köhler ist nicht die erste ausländische Autorin, die in Graz ein literarisches Zuhause gefunden hat, aber die erste, die den manuskripte-Förderpreis erhält – eine längst überfällige Premiere!

Andreas Unterweger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: