Andreas Unterweger

manuskripte 226 – glänzende Premiere(n)!

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 30. November 2019

Nachtrag zum Termin:
28.11.2019, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 226. Mit Lesungen von Nava Ebrahimi, Florian Dietmaier und Valentina Colonna (I). Klaviermusik von Valentina Colonna. Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz. Eintritt: 4-6 Euro.

Gleich mehrere glänzende Premieren gab es am Donnerstag Abend im Literaturhaus Graz zu feiern!

Erste manuskripte-Präsentation im Literaturhaus Graz:

(c) manuskripte

Auch zur Freude des anwesenden manuskripte-Gründers Alfred Kolleritsch und des Literaturhauschefs Klaus Kastberger, der den Beginn einer engeren Zusammenarbeit zwischen Literaturhaus und manuskripte ankündigte.

(c) manuskripte

Erster Auftritt des brandneuen manuskripte-T-Shirts …

(c) manuskripte

… vom Grazer Künstler Leon Podesser im Siebdruckverfahren bedruckt und aus nichts als fair gehandelter Biobaumwolle bestehend.
Während ich das T-Shirt vorführte, sprach ich über die Autor*innen des Abends und das Heft (s. Pressetext, u.):

(c) manuskripte

Erster öffentlicher Auftritt von Nava Ebrahimi als Morgenstern-Preisträgerin des Landes Steiermark:

(c) manuskripte

Sie las ihre Kurzgeschichten „Vor lauter Blech“ und „Jung wird sie nicht bleiben“.

Erste Lesung überhaupt von Florian Dietmaier (manuskripte-Förderungspreis der Stadt Graz 2019):

(c) manuskripte

Er las – abgebrüht wie ein Profi – seine Erzählung „Einsichtnahme“.

Erstes Österreich-Konzert der italienischen Pianistin und Komponistin Valentina Colonna …

(c) manuskripte

(c) manuskripte

… die sich als Dichter gleichzeitig über ihre erste Veröffentlichung als Dichterin in einer österreichischen Literaturzeitschrift freute:

(c) manuskripte

Ruth Karzel, die Colonnas Texte übersetzt hatte, las die deutschen Übersetzungen:

(c) manuskripte

Valentina Colonna trug auf Italienisch vor und spielte zwei wunderbare Eigenkompositionen zu Beginn und Ende der Lesungen:

(c) manuskripte

Nachzuhören auf ihrer Homepage.

Anschließend: Run auf die Hefte (ausverkauft!), Wein (danke, Literaturhaus!) und geselliges Beisammensein in großer Runde, u.a. mit den Autor*innen Thomas Antonic, Valentina Colonna, Julia Dengg, Christoph Dolgan, Nava Ebrahimi, Günter Eichberger, Klaus Hoffer, Harald Miesbacher, Helmut Moysich u.a.m.:

Herzlichen Dank an Klaus Kastberger und Elisabeth Loibner vom Literaturhaus Graz, an das zahlreich erschienene Publikum und die Autor*innen, insbesondere Valentina Colonna, die ja die weiteste und beschwerlichste Anreise auf sich genommen hatte. Zum Glück ging sich am Vormittag danach noch die Besichtigung der wichtigsten Grazer Sehenswürdigkeiten aus: manuskripte-Büro, Café König:

*

manuskripte 226 – Pressetext

 

Do, 29.11.2019, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 226. Mit Lesungen von Nava Ebrahimi, Florian Dietmaier und Valentina Colonna (Lyrik und Klavier).

Literaturhaus Graz, Elisabethstr. 30, 8010 Graz.

Eintritt 6 Euro (ermäßigt: 4 Euro). Wein frei.

Titelbild: Christoph Dolgan.

Die Literatur in Zeiten des Klimawandels

Die halb zertrümmerte Schreibmaschine auf dem Titelbild und das Pianino, an dem sich die italienische Lyrikerin Valentina Colonna beim Vortrag ihrer Gedichte selbst begleiten wird, markieren nur zwei der ästhetischen Pole, zwischen denen sich die schier unglaubliche Vielfalt der aktuellen manuskripte-Ausgabe ausbreitet.

Erster Blickfang sind natürlich Christoph Dolgans atemraubende Ruinen-Fotografien, denen neben dem Cover ein umfangreicher Bildteil gewidmet ist. Der Autor und bildende Künstler wurde von den manuskripten für das Art Steiermark-Stipendium des Landes Steiermark nominiert. Er präsentierte seine Fotos am 21.11. im Steiermark-Büro in Brüssel, wo manuskripte-Mitherausgeber Andreas Unterweger auch die Zeitschrift international vorstellte.

Weiters hervorstechend: Ein neuer Text von Paul Nizon, der Anfang Dezember seinen neunzigsten Geburtstag feiert. Die im Faksimile des Typoskripts abgedruckte Prosa wird von einem Porträt Christoph W. Bauers begleitet, dessen Begeisterung für Leben, Werk und Welt Nizons ansteckend ist. Wer möchte da nicht mit durch Paris vagabundieren!

Ausgezeichnete Prosa von mehreren 2019 ausgezeichneten AutorInnen findet sich in der Rubrik Prosa, darunter Texte von Olga Flor (Franz-Nabl-Preis), Nava Ebrahimi (Morgenstern-Preis) oder Florian Dietmaier (manuskripte-Förderpreis). Lydia Davis erteilt amüsante Französisch-Lektionen in einer weiteren Meister-Übersetzung von Klaus Hoffer, Johannes Wally begibt sich auf eine erzähltechnisch bemerkenswerte Spurensuche, der Tscheche Josef Pánek informiert uns über Die Liebe in Zeiten des Klimawandels.

10 Beiträge aus 7 Ländern versammelt die exzellent besetzte Lyrikabteilung, zu der auch die amerikanische Lyrikikone Louise Glück, ihre Übersetzerin Uta Gosmann, Lia Likokeli aus Georgien oder die deutsche Debütantin Nina Lenz Texte beigesteuert haben.

Thomas Antonics Aufsatz „Unter Nazis. William S. Burroughs in Wien 1936/37“ wird nicht nur Fans der Beat Generation neue Erkenntnisse bescheren.

Hier das gesamte Inhaltsverzeichnis:

Die manuskripte 226 sind unter bestellung@manuskripte.at zu bestellen.

*

Presse:

Radio ORF Steiermark, Ilse Amenitsch interviewt Andreas Unterweger bei der Präsentation der manuskripte 226.

TV ORF Steiermark: Ilse Amenitsch mit einem hochinfomativen Bericht über Art Steiermark 2019: Christoph Dolgan mit seinen Ruinen-Fotografien und Texten aus manuskripte 226 mit manuskripte-Herausgeber Andreas Unterweger im Steiermark-Büro in Brüssel.

Kleine Zeitung v. 24.11.19, von Julia Schafferhofer:

Kronen Zeitung v. 24.11.19, von Christoph Hartner:

Kleine Zeitung v. 27.11.19, von Ute Baumhackl und Werner Krause:

Günter Encics Literaturpodcast v. 3.12.19:

manuskripte 225 – Präsentation

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 10. Oktober 2019

Nachtrag zum Termin:
08.10.2019, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 225. Mit Lesungen von Josef Winkler, Birgit Pölzl und Max Höfler. Steiermärkische Landesbibliothek, Kalchbergg. 2, 8010 Graz.

Einen bis auf den letzten zusätzlichen Sessel gefüllten Lesesaal, gute Stimmung, einen leergekauften Büchertisch und fast die gesamte Bandbreite der Gegenwartsliteratur in nur drei Lesungen bot die Präsentation der manuskripte 225 in der Steiermärkischen Landesbibliothek!

Hier der Abend im Schnelldurchlauf:

Josef Winkler kommt an, Alfred Kolleritsch ist schon im Haus. Links von ihm Thomas Antonic, rechts hinten Helwig Brunner.

Ich spreche über das Heft:

Was ich sage, lässt sich weiter unten sinngemäß nachlesen („Zum Heft“) …

… oder hier, im Video von Edwin Rainer aka Voiceinspiration (herzlichen Dank!), anschauen:

Josef Winkler liest aus seiner Erzählung „Ah, diese viehische Kunst“ …

… und erzählt über seine Beziehung zum Maler Edgar Degas, ihrem Protagonisten.

Birgit Pölzl erläutert die poetologischen Grundlagen ihres rhythmischen Prosatextes …

… und liest daraus. Der Text ist Teil ihres Romans „Frei. Leib“, der nächstes Jahr bei Leykam erscheinen wird.

Max Höfler liest seine sämtlichen Hochleistungsgedichte …

… und bedankt sich performativ bei WIRKLICH allen, die diesen Abend möglich gemacht haben.

Après-Poesie:

Jsoef Winkler, Alfred und Julian Kolleritsch.

 

Josef Winkler und Anna Baar lesen die manuskripte.

Zum Heft:

Die Ausgabe 225 der manuskripte lässt zumindest drei Schwerpunkte erkennen.

Der erste ist Josef Winkler gewidmet. Zwischen der Prosa des Büchner-Preisträgers und den Beiträgen der beiden Kärntner Schreibenden Anna Baar und Björn Treber lassen sich zahlreiche, mehr oder weniger versteckte Verbindungen herstellen. Übrigens: Am 7.11.19 werden die manuskripte 225 auch bei Winklers Lesung im Café Museum im Rahmen der Buch Wien präsentiert.

Günter Eichberger bildet ein weiteres Zentrum des gewohnt dezentral organisierten Heftes. Neben neuer Prosa des Grazer Klassikers, der jüngst (!) seinen 60. Geburtstag feierte, wird sein Gesamtwerk in einem Essay von Gerhard Fuchs gewürdigt.

Olga Martynowa ist die dritte Protagonistin des Heftes. Wie Leopold Federmair nimmt auch sie auf das berühmte Hölderlin-Gedicht „Hälfte des Lebens“ Bezug, im Interview mit Tatjana Hofmann spricht sie über die Hintergründe ihrer Arbeit.

Weitere Highlights der Ausgabe sind neue Prosa von Gertrud Kolmar-Preisträgerin Ulrike Draesner, Shortlist-Dauergast Raphaela Edelbauer, Manon Hopf (Open Mike 2019) oder Wolfgang Pollanz, unveröffentlichte Lyrik von Friederike Mayröcker, Kornelia Koepsell, Helwig Brunner, Gerald Fiebig oder Ann Kathrin Ast, Essays zu Werner Schwabs Anfängen von Harald Miesbacher und Peter Handkes graphischem Werk von Helmut Moysich sowie Hubert Burdas heitere Erinnerung an den verstorbenen Dichter Peter Hamm.

Das Titelbild stammt vom steirischen Künstler Martin Roth (1977-2019): Ohne Titel, Acryl auf Leinwand, 2006.

Das Heft lässt sich im manuskripte-Webshop oder in der Buchhandlung Ihres Vertrauens, etwa in Angelika Schimuneks Bücherstube, erwerben.

manuskripte 224 – Präsentation

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 28. Juni 2019

Nachtrag zum Termin:
26.06.2019, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 224. Mit Lesungen von Hans Eichhorn, Erwin Einzinger und Schauspielerin Sarah Sophia Meyer. Steiermärkische Landesbibliothek, 8010 Graz.

Heiß her ging es bei der Präsentation der manuskripte 224 – und das trotz der unverschämt angenehmen Kühle im Veranstaltungssaal der Steiermärkischen Landesbibliothek.

Der Saal war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt, unter den Zuhörenden befanden sich erfreulich viele Schreibende wie etwa Christoph Dolgan, Günter Eichberger, Max Höfler, Heidi Wingler, Silvana Cimenti, Florian Dietmaier, Gerhard Melzer, Helmut Moysich und Klaus Hoffer. Danke fürs Kommen!

Ich eröffnete den Abend mit schönen Grüßen von Alfred Kolleritsch, der leider aus gesundheitlichen Gründen verhindert war. Zum Glück ist es nichts Ernstes – noch am Vormittag befand sich mein lieber Kollege wohl genug, um im Büro rund 23 Einsendungen abzulehnen.

(c) manuskripte

 

Anschließend die ProtagonistInnen des Abends, zuerst die Doppelspitze der progressiven oberösterreichischen Literatur, Hans Eichhorn …

 

… und Erwin Einzinger:

Danach las Schauspielerin Sarah Sophia Meyer Gedichte von Yevgeniy Breyger, Lynn Salcom, Walle Sayer und Guillaume Métayer.

An- und abschließend reger Heftverkauf und Weingenuss!

Vielen Dank, liebe Katharina Kocher-Lichem und Christine Wiesenhofer für die Gastfreundschaft!

Unten noch weitere Infos zu manuskripte 224: Pressetext, Cover, Erwerbsmöglichkeit …

 manuskripte 224: Lektüre für einen ganzen herrlichen Sommer …

 

… bietet die Ausgabe 224 der manuskripte. Davon kann man sich bereits bei der Präsentation des Heftes am 26.6. in der Landesbibliothek überzeugen. Die Erzählung des Dichter-Malers Hans Eichhorn liefert die Hintergrundstrahlung zum seesommerfrischen Grün seines Titelbilds, Erwin Einzinger entführt uns in die phantastischen Schattenbilder seiner Verstreuten Märchenbaumkalenderblätter, und Schauspielerin Sarah Sophia Meyer deklamiert die heißeste Lyrik der Gegenwart, darunter die eben erst mit dem Leonce-und-Lena-Preis ausgezeichneten Gedichte Yevgeniy Breygers (D) sowie Texte der kanadischen Newcomerin Lynn Salcom und des aktuellen Styrian Artist in Residence des Landes Steiermark, Guillaume Métayer (F).

 

Weitere Hotspots des Heftes:

Warm und kalt gibt es für Peter Handkes Roman Die Obstdiebin in Leopold Federmairs Essay Im Wechselbad der Gefühle, Debütantin Freda Fiala führt uns mit ihren Gedichten durch die glühende Hitze Houstons, Ludwig Hartinger erklimmt überhaupt Lichtsteige.

Wem dies zu heiß ist, der halte sich an Almut Tina Schmidts Trostspender-Dramolette oder mag in Wolfgang Hermanns Garten am Meer, Bodo Hells Öde[r] Kirche oder gar Ingeborg Horns Zwei Paradiesen Abkühlung suchen. Und besonders lichtempfindliche LeserInnen folgen am besten Christoph Dolgan in die Elf Nächte und ein[en] Tag seines Romanvorabdrucks (Droschl, Herbst 2019) oder Michael Donhauser in die Sommernachtsepisoden seiner subtil formvollendeten Epoden.

Besonderes Augenmerk sei den essayistischen Beiträgen geschenkt: Christoph W. Bauer poetischer Erinnerung an Gert Jonke, Daniela Strigls euphorischer Diagnose des Morbus Setz oder Thomas Rothschilds Analyse des Gesamtwerks der jüngst mit dem Ehrenring des Landes Steiermark geehrten Barbara Frischmuth.

Den Auftakt bildet diesmal eine Marginalie der trotz ihrer Jugend schon langjährigen manuskripte-Autorin Gerhild Steinbuch: Ihre sprachlich fundierte Kritik an der „vermeintlich neuen sehr sehr alten Rechten“ macht deutlich, dass es im Widerstand gegen eine Politik, die die Freiheit der Kunst und Medien beschränken will, keine Sommerpause geben darf.

Alle Autor*innen des Hefts:

Thomas Antonic
Christian W. Bauer
(michael johann bauer) blume
Katharina Bendixen
Yevgeniy Breyger
Christoph Dolgan
Michael Donhauser
Hans Eichhorn
Erwin Einzinger
Freda Fiala
Leopold Federmair
Natascha Gangl
Helga Glantschnig
Ludwig Hartinger
Lydia Haider
Bodo Hell
Wolfgang Hermann
Ingeborg Horn
Sarah Kuratle
Guillaume Métayer
Jari Niesner
Barbara Rauchenberger
Thomas Rothschild
Lynn Salcom
Walle Sayer
Lisa Spalt
Almut Tina Schmidt
Daniela Strigl
Mikael Vogel

 

Die manuskripte 224 sind zu bestellen im umfassend bestückten Webshop:

http://www.manuskripte.at/webshop/

Oder unter: bestellung@manuskripte.at

Guillaume Métayer: Drei Gedichte (manuskripte 224)

Posted in manuskripte, Simulakren, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 27. Juni 2019

Mein persönlich(st)er Beitrag zu Heft 224 der manuskripte sind diese Übersetzungen dreier Gedichte von Guillaume Métayer, zurzeit Styrian Artist In Residence des Landes Steiermark.

Während Guillaume Métayer in Frankreich eben mit seiner Übersetzung der gesammelten Gedichte Friedrich Nietzsches (in Form, sprich: Reim!), die auch im Bezug auf die deutsche Edition neue Maßstäbe setzt, große Erfolge feiert (s. etwa Rezension in Libération oder Le nouveau magazine littéraire) …

 

(Foto: lesbelleslettresblog)

… ist er hierzulande hauptsächlich als Dichter bekannt. Dies mag an seinem Gedichtband „Simulakren“ (Yara 2016) ebenso liegen wie an seinen Veröffentlichungen in den manuskripten (z. B. der Essay „Von unserem Sonderberichterstatter in Poesie“, manuskripte 218) und seinen Aufenthaltsstipendien im Rahmen des Styrian Artist in Residence-Programms (2017 und 2019).

(Der junge Nietzsche und sein Übersetzer [v.l.n.r.])

Für die eben erschienenen manuskripte 224 habe ich drei neue Gedichte übersetzt, die Métayers lyrische Bandbreite skizzieren – vom zeitkritischen, ebenso ironischen wie formvollendeten Sonett über die kurze subjektive Reflexion bis zum epischen Langgedicht à la István Kemény (den Métayer ins Französische übersetzt):

 

 

FB WORLD

 

 

Wir haben erfunden: das Buch der Gesichter

wo jedes Maul wie eine Flaschenpost ist

Wir sind alle zu schön jeder ein Spezialist

darin nett großzutun bei der Jagd auf Irrlichter

 

Seht hier unsere Posten und Pfoten und Dichter

unser bestes Profil Kleinkram der uns anpisst

Aber weil zurückschnellt was nicht abwürgbar ist

kommt unsere Traurigkeit hoch vor die Richter

 

Die Glätte des Bildschirms bietet keinen Stopp

Wir sind hier gefangen im großen Als-ob

beim Casting für ein terroristisches Stück

 

Trauerweide von Pest als Baum unsrer Ahnen

Passfotos wie Aschenfahnen

Fajumporträts sind wir Untote vor Glück

(Schauspielerin Sarah Sophia Meyer liest „FB World“ bei der Präsentation der manuskripte am 26.06.19 in der Stmk. Landesbibliothek, (c) manuskripte)

 

 

Recht

 

 

Papier Gewalt

Die in Wettbewerb tritt mit dem Gewicht eines Kindes

Tintenseerose

Die all die Zimmer füllt, all meine Zeit.

Verlorenes Juwel

Am Grunde eines Brunnens des Argwohns.

Tunnel der Pflichtfigur

Für den Vitruvianischen Menschen in seinem Spinnennetz.

 

 

 

 

Von einem nuklearen Epos

 

 

Rauch zwischen dem roten Blinken,

Aber die Installation ist nicht in Gefahr.

Das Wasser bleibt glatt, die Leere und die Wand intakt.

Im einzigen Strahl eines schüchternen Mondes

Badet die Spitze eines Zeigefingers,

Beladen mit unendlich codierten Wellen,

Vertrautes Labyrinth, Rivale trüben Wassers,

Milchstraßen, die sich in schwarze Löcher knüllen,

Sandrosen des Himmels …

Dieser Finger, der sich da windet, ähnelt

Einem jener Fische, die zum Licht hochschwimmen,

Wie in einem aufsteigenden Tanz, einem Karussell

Der Kegel, der Marionetten, deren Fäden das Licht wären

Und deren Magnet der Mondstein.

Oder der alte Bärtige, der diesen anstößigen Finger

Beunruhigt, dann befriedigt untersucht,

Erst ganz still, dann mit einem murrenden Sermon

Sicher stellt, dass seine unzähligen taktilen Kanäle

Ihren Platz auf seinem Zeigefinger eingenommen haben: er macht sich bereit, von der Höhe

Des Damms die längste Angel der Welt auszuwerfen,

Ganz hinunter, ganz hinunter, weit weg von diesem Rauch hier,

Der ganz hinauf, ganz hinaufsteigt, auf diesen Mond zu

Und dem Himmel gegenüber, die Hand in der Leere, fühlt er, wie

In Extase, weit weg, das Abendessen zappeln. Danach, es hinaufziehen,

Vorsichtig, über mehrere hundert Meter.

Dann essen, schlafen gehen, wie üblich,

Gemäß der persönlichen Philosophie des Hosha Suru,

Nach der die geringste falsche Bewegung

Einen Sturz aus dreihundert Metern zur Folge hat und den Tod,

Unweigerlich. Ideal einer absoluten Selbstbeherrschung,

Wo das geringste Stampfen für den Schläfer tödlich sein kann,

Außer wenn er in seinem Fall die raue Wand zu krallen kriegt

Und Halt findet in dieser Mauer ohne Griff, deren

Geringste Reliefs für Riesen bemessen zu sein scheinen.

So, mit dem fernen Schnee der Berge als Decke

Und dem blauen Himmel als Schal, nistend

Über diesen verlassenen Amphitheatern,

Diesen Gavarnie´schen Karen, die eine übermenschliche Technik

Von Insel zu Insel säte, als wahrer

Floh auf so manchem Argus aus Beton mit blinkenden Augen,

So lebt seit über zwanzig Jahren Hosha Suru,

Der Verstrahlte.

*

Die manuskripte 224 sind u. a. im manuskripte Webshop erhältlich!

manuskripte 223 – Präsentation

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 9. März 2019

Nachtrag zum Termin:
07.03.2019, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 223. Mit Lesungen von Daniel Wisser, Angelika Reitzer und Schauspieler Daniel Doujenis (Lyrik von Christoph W. Bauer, Stefan Hertmans, Ales Steger und Hedwig Wingler). Schauspielhaus Graz, Haus 3, 8010 Graz.

 

Auch die Präsentation der manuskripte 223 war ein Lesefest!

Im knallvollen Haus 3 des Schauspielhauses Graz gab es schon bei meiner Einführung …

… zweimal Szenenapplaus.


Erstens als ich erzählte, Alfred Kolleritsch befinde sich wohl und habe heute im Büro rund 30 Texte abgelehnt …

… zweitens, als ich mich im Namen der manuskripte für die bislang (seit 1962) 72 manuskripte-Beiträge Heidi Winglers (oben zwischen Wisser und Kolleritsch) bedankte.

Hier das Video meiner Einführung, gefilmt vom unverwüstlichen Jungregisseur Edwin Rainer alias Voiceinspiration (vielen Dank!):

Danach: fulminante Lesungen der KollegInnen Daniel Wisser …

… und Angelika Reitzer.

Abschließend las Daniel Doujenis Gedichte von Christoph W. Bauer …

… Aleš Šteger, Stefan Hertmans und Hedwig Wingler.

((c) aller scharfen Fotos: Julian Kolleritsch/manuskripte)

Unten alle Presse-Informationen zum Heft, das wie immer im manuskripte-Webshop zu bestellen ist:

manuskripte 223: Die Strahlkraft großer Namen

 

Glanz und Glamour bei der Präsentation der manuskripte 223: Mit Daniel Wisser, dem Gewinner des Österreichischen Buchpreises 2018, und Angelika Reitzer sind zwei AutorInnen zu Gast, die mit ihren Romanen im vergangenen Literaturjahr die absoluten Glanzlichter setzten. Wisser liest die abgründig-amüsante Kurzgeschichte Silvia aus seinem neuen Buchprojekt, Reitzer eine berührende Erzählung namens 20.000 Stunden Licht. Dazu präsentiert Publikumsliebling Daniel Doujenis neue Gedichte von drei Starlyrikern aus drei Nationen.

Titelbild: Ida Szigethy, „SHADOW OF A DREAM“, Paris 1980

Für ausgezeichnete Literatur auf der Höhe der Zeit stehen auch die Namen der weiteren BeiträgerInnen im neuen manuskripte-Heft. Der frischgebackene Wortmeldungen-Preisträger Thomas Stangl ist mit dem Beginn seines im Mai bei Droschl erscheinenden Erzählbands vertreten, die Grazerin Nava Ebrahimi (Österr. Buchpreis Debüt 2017) mit einem Auszug aus ihrem neuen Roman, die rotahorn-Preisträgerinnen 2018 Marie Gamillscheg und Miroslava Svolikova mit ihren amüsanten wie aufrüttelnden Dankesreden.

Texte arrivierter Literaturgrößen wie Friederike Mayröcker, Said, Händl Klaus, Wilhelm Hengstler und Günter Eichberger stehen neben jenen von aufstrebenden AutorInnen wie Carolin Callies, Sandra Gugic oder Bastian Reinert und gleich zwei waschechten Debüts: Prosa des Grazers Florian Dietmaier und Lyrik der Vorarlbergerin Verena Längle!

Abschließend stellt die iranisch-schwedische Autorin Athena Farrokhzad in ihrem „offenen Brief an Europa“ eine Reihe ebenso poetischer wie dringlicher Fragen: Europa, wo hast du die Liebe verlegt?“

*

AutorInnen manuskripte 223 – Gesamtliste:

 

Christoph W. Bauer L niemandsmorgen, fünf fragmente
Carolin Callies L Gedichte
Lucas Cejpek P Umkreisung
Florian Dietmaier P Hörst du zu, wenn du schweigst oder hörst du weg
Nava Ebrahimi P Ali-Reza (Romanauszug)
Günter Eichberger P Bosch 3
Athena Farrokhzad E Offener Brief an Europa
Marie Gamillscheg E Dankesrede rotahorn-Preisverleihung
Stefan Gerlach P Signora Tardelli
Christl Greller L Erzählgedichte
Sandra Gugic L Protokolle der Gegenwart
Klaus Händl L 2 Gedichte
Ingram Hartinger P Aus: Offenheit und Riff
Wilhelm Hengstler P Baumwolle
Stefan Hertmans Gedichte
Barbara Honigmann E Gedenken an Oleg Jurjew
Günther Kaip P Miniaturen
Julian Kolleritsch E 20 Jahre ohne Protokolle
Verena Längle L Gedichte
Friederike Mayröcker L Gedichte
Daniel Nachbaur P Alterserscheinungen
Ioana Orleanu P Zwiegespräch mit Liebelie
Sebastian Raho L Gedichte
Bastian Reinert L Schattentrunken. Gedichte
Angelika Reitzer P 20.000 Stunden Licht
SAID P malone im abfallenden licht
Thomas Stangl P Die Geschichte des Körpers (Anfang)
Aleš Šteger L Aus dem Band: „Über dem Himmel unter der Erde“
Miroslava Svolikova E Dankesrede anlässlich der Verleihung des rotahorn – Literaturpreises 2018
Sissi Tax P auszug aus dem drahtzeilprojekt: modertexte
Juliane von Crailsheim L Gedichte
Hedwig Wingler L Was erlaubt ist
Daniel Wisser P Silvia

 

P = Prosa, L = Lyrik, E = Essay

*

Update: Ein ganzer Podcast über die manuskripte 223 von Günter Encic!

„Nicht nur die „Mischung aus Arrivierten und Newcomern“ in manuskripte 223 ist sehr schön geworden, sondern auch der Podcast von Günter Encic, der seine gesamten 18:30 Minuten unserer aktuellen Ausgabe widmet! Mit einem Interview mit Andreas Unterweger sowie Lesungen aus dem Heft von Angelika Reitzer und Nava Ebrahimi. Schwere Empfehlung! Vielen Dank für dieses gelungene Porträt, lieber Günter Encic!“
(manuskripte auf Facebook)

 

 

„kaspar aus stein“ (manuskripte 222)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 16. Dezember 2018

Mein eigener Beitrag zu Heft 222 der manuskripte:

Laure Gauthier: kaspar aus stein
Aus dem Französischen von Andreas Unterweger

Die poetische Erzählung kaspar de pierre wurde seit ihrem Erscheinen 2017 im Verlag La Lettre volée in positiven bis hymnischen Rezensionen gefeiert, für mehrere Preise nominiert und in Genf szenisch aufgeführt.

Als Bearbeitung des Kaspar Hauser-Mythos weist der Text zahlreiche Bezüge zur deutschen Sprache im Allgemeinen und zur österreichischen Literatur im Besonderen auf – man denke nur an Peter Handkes Drama Kaspar. Die 1972 geborene Pariserin hat sich sowohl als Dichterin als auch als Literaturwissenschaftlerin intensiv mit Elfriede Jelinek und ihren österreichischen GenerationsgenossInnen auseinandergesetzt.

 

Hier die Anfänge der Übersetzung: Leibnitz, Sommer 2018 …

Lesen Sie hier den Beginn des in den manuskripten abgedruckten Auszugs aus kaspar aus stein!

Bestellen Sie hier die manuskripte 222!

Laure Gauthier lebt in Paris und schreibt wunderbar eigensinnige Gedichte, Erzählungen und Libretti. Mehr, auch über kaspar aus stein, auf ihrer (auch deutschsprachigen) Homepage: laure-gauthier.com/de
2015 habe ich ihr Theaterstück marie weiss rot für die manuskripte besprochen: „Übersetzen. Schreiben. Lesen“.
2016 erschien in manuskripte 215 meine Übersetzung eines Textausschnitts aus Gauthiers aktuellem Buch, je neige (entre les mots de villon) (Lanskine 2018).
Dank eines Werkzuschusses der Literar Mechana werde ich das ganze Buch kaspar aus stein übersetzen können – herzlichen Dank, Literar Mechana!

 

manuskripte 222 – Präsentation

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 22. November 2018

Nachtrag zum Termin:
21.11.2018, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 222.
Mit Lesungen von Arnold Stadler und Andrea Winkler. Schauspielerin Susanne Konstanze Weber liest Lyrik von Kornelia Koepsell, Ursula Krechel und Max Sessner. Schauspielhaus Graz, Haus 3, 8010 Graz. Eintritt und Wein frei.

Titelbild: Jack Bauer, aus der Serie „Schäferstündchen“, 2018.

 

222 – eine magische Nummer, ein magisches Heft, eine magische Präsentation!

Hier die wichtigsten Stationen des Abends im Schnelldurchlauf: Ilse Amenitsch von ORF Steiermark hat ihr Mikrofon platziert: am 22.11., 18:30,und am 2.12., 22:00, auf ORF Radio Steiermark zu hören.

Ich spreche über das Heft, den Begriff der Offenheit, die „Weltreise der Literatur“, die die aktuelle Ausgabe der manuskripte antritt (s.u.) und stelle die ProtagonistInnen des Abends vor:

Arnold Stadler liest seinen Beitrag, „Am Kilimandscharo. Unterwegs zu einer Erzählung“:

Andrea Winkler las ihren Beitrag: „An einem Tag wie keinem“:

Schauspielerin Susanne Konstanze Weber las Lyrik von Kornelia Koepsell, Ursula Krechel und Max Sessner:

Anschließend: Après-Poesie mit vielen Freundinnen und Freunden! Alfred Kolleritsch, Gründer und Herausgeber der manuskripte, war zwar leider aus gesundheitlichen Gründen verhindert, aber durch seine Präsenz in jeder Anekdote mittendrin im Geschehen!

Arnold Stadler

Andrea Winkler, Franz Weinzettl

Heft 222 der manuskripte lässt sich hier bestellen: bestellung@manuskripte.at oder http://www.manuskripte/webshop

 

Pressetext der manuskripte 222:

Weltreise der zeitgenössischen Literatur

 

Alle, die angesichts des mild, aber doch heranrückenden Winters das Fernweh packt, können mit der aktuellen Ausgabe der manuskripte im Kopf verreisen:

Folgen Sie Arnold Stadler zum Kilimandscharo und an andere Sehnsuchtsorte, streifen Sie mit Leopold Federmair durch die „Gegend von Takehara“ (in Japan), mit Rosa Pock durch „die stadt der müßiggänger“ oder schauen Sie mit Jan Volker Röhnerts Gedichten durch „Teheran-Fenster“. Die ganze Ambivalenz des Exotischen zeigt sich in Milena M. Flašars Erzählung „Ferngespräch“, die sich auf die Spuren von Exilanten begibt – von der Kaspar-Hauser-Variation der französischen Avantgarde-Dichterin Laure Gauthier ganz zu schweigen.

 

Ebenso buntgemischt wie hochkarätig die Liste der BeiträgerInnen aus insgesamt sechs Ländern:

Internationalen Literaturstars wie Büchner-Preisträger Arnold Stadler oder Ursula Krechel (Dt. Buchpreis 2016) stehen neben nationalen Größen wie Milena Michiko Flašar (Österr. Buchpreis Shortlist 2018), Andrea Winkler oder Lydia Mischkulnig und Newcomern wie der Grazerin Silvana Cimenti (manuskripte-Förderpreis der Stadt Graz 2018). Die Germanistin Alexandra Millner bespricht Thomas Antonics Wolfgang Bauer-Biografie, Literaturhauschef Klaus Kastberger Flašars Roman „Herr Kato spielt Familie“.

Und mit Rui Nunes präsentieren die manuskripte 222 auch eine überraschende Neuentdeckung: Der arrivierte portugiesische Autor lebt seit Jahren vom hiesigen Literaturbetrieb unbemerkt in St. Pölten. Die Prosastücke in den manuskripten 222 sind seine erste Publikation in Österreich.

 

Bleiben Sie weltoffen – lesen Sie die manuskripte!

 

AutorInnen der manuskripte 222:

Thomas Ballhausen
Xaver Bayer
Ruth Johanna Benrath
Silvana Cimenti
Jan Decker
Leopold Federmair
Milena Michiko Flasar
Laura Freudenthaler
Laure Gauthier
Jörg Hannemann
Ingeborg Horn
Daniel Jurjew
Günther Kaip
Klaus Kastberger
Kornelia Koepsell
Ursula Krechel
Elke Laznia
Alexandra Millner
Lydia Mischkulnig
Boris A. Novak
Rui Nunes
Mario Oppelmayer
Christine Pitzke
Rosa Pock
Jan Röhnert
Max Sessner
Cordula Simon
Arnold Stadler
Christian Steinbacher
Andrea Winkler

Buch Wien 2018: manuskripte-Meet and Drink

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 17. November 2018

Nachtrag zum Termin:
09.11.2018, 15:00, Andreas Unterweger bewirtet manuskripte-AutorInnen und -AbonnentInnen (und solche, die es werden wollen) beim manuskripte-Meet and Drink auf der Buch Wien mit südsteirischem Weißwein und der besten Information, wie es mit der Literatur weitergeht. Stand der Verlage Droschl und Residenz, C19, C21.

Eine Buch Wien ohne manuskripte-Meet and Drink wäre wie Wien ohne …

… den Eiffelturm!

Deshalb wurde die seit dem Jahre 17 unseres Jahrhunderts bestehende Tradition auch heuer fortgesetzt. Und tatsächlich stürmten die Autorinnen und Autoren, Abonnentinnen und Abonnenten, Freundinnen und Freunde der manuskripte (und solche, die es werden wollten [sprich: wurden!]) auch diesmal wieder den Droschl-/Residenz-Stand, an dem Helga Höhn und ich unsere Zelte in Form von Heften, Flaschen und Grazer Königstalern aufgeschlagen hatten.
Hier ein paar kleine Ausschnitte der regen Betriebsamkeit:

Max Droschl, Daniela Strigl
(wie in der Folge: v.l.n.r.)

Tadeja Lackner, Verena Stauffer, Fridolin Stauffer

Almut Tina Schmidt

Andreas Unterweger, Heinz Fischer, Daniela Strigl

Helga Höhn

Anna Baar

Karin Rick

Helga Höhn, Karin Rick und Heide Schmidt (beim Kauf eines guten Droschl-Buchs)

Sebastian Raho

Andreas Unterweger, Frédéric Beigbeder, Thomas Stangl

Herbert J. Wimmer

Helga Höhn und Andreas Unterweger auf der Buch Wien Party

Wir danken allen fürs Kommen! Bis zum nächsten Mal!

Und für diejenigen, die zwar Abo-Karten mitgenommen haben, sie aber im prall gefüllten Messe-Sack nicht mehr wiederfinden: ein manuskripte-Abo kann man auch online bestellen: http://www.manuskripte.at/webshop/ – 4 x 150 Seiten mit der besten Information, wie es mit der Literatur weitergeht – um nur 29,70 Euro (innerhalb Österreichs).

 

„Kabul“ und weitere Gedichte (manuskripte 221, grazkunst)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 18. Oktober 2018

Während ich auf dem Weg nach Augsburg bin, um dort gemeinsam mit Michael Hammerschmid und Verena Stauffer Gedichte vorzulesen, ist in zwei Grazer Kunstzeitschriften folgende lyrische Parallelaktion zu beobachten:
Mein Gedicht „Kabul“ findet sich sowohl in manuskripte 221 (auf Wunsch von Alfred Kolleritsch) als auch in grazkunst, der Zeitschrift der Kunstuniversität Graz, deren aktuelle Ausgabe dem Thema „Begehren“ gewidmet ist (mit Beiträgen von Robert Menasse, Robert Pfaller, Beat Furrer u.a.m.).

„Kabul“ variiert ein bekanntes Übersetzungsproblem aus dem Koran – angeblich sind mit den „Huris“, die im Paradies auf Märtyrer und andere Gerechte warten, gar keine Jungfrauen gemeint, sondern Weintrauben …
In den manuskripten wird „Kabul“ von den Gedichten „Qikiqtaq“ und „An einen, den ich kannte“ begleitet – Reaktionen auf Berichte über die Franklin-Expedition und (ein Gedicht von) Charles Bukowski.

 

 

 

 

 

Kabul

 

1

 

Wenn der Frühling kam, war wieder Krieg,

und wir achteten darauf, dass wir die Sonne,

wie wir es gelernt hatten, immer im Rücken

 

hatten. Auf den Terrassen all der Teehäuser

auf den Kabuler Boulevards besetzten wir

immer dieselben Plätze (die mit dem Rücken

 

zur Sonne), so dass für all die Mädchen, die,

damals noch, täglich ins Teehaus kamen, nur

noch die anderen, die in der Sonne, blieben.

 

Während die Mädchen somit, um uns sehen

zu können, gegen das Licht blinzeln mussten,

konnten wir die Mädchen ansehen, ohne zu

 

blinzeln. Und während sie die Augen, wegen

der Sonne, bald ganz geschlossen hielten (so

dass es uns, in ihren Augen, eigentlich nicht

 

mehr gab), gab es für unsereins, wenn er auf

diese Weise (großäugig) ein Mädchen ansah,

nichts, was mehr da war (nichts mehr, was da

 

war?) als sie … Ihre Haut war so hell, dass

man das Mark in ihren Knochen sah … Ein

Tuch auf ihrem Haar war besser als die Welt.

 

 

 

 

 

2

 

Für sie zu sterben war das Mindeste. Doch

mindestens genauso gut war es, hier so, die

Sonne hinter uns, zu sitzen, und die Mädchen

 

anzusehen … Wie sie so dasaßen, die Sonne

im Gesicht, die Augen (schwarz umrandet)

zu, musste ich jedes Mal wieder – das weiß

 

ich noch – an Weintrauben denken … Nicht

an Korallen, Perlen und Rubine, sondern an

Trauben, Weißweintrauben, solche mit sehr,

 

sehr hellem Fleisch … Aber in Wirklichkeit,

schon klar, waren es keine Trauben (oder

Korallen, Perlen und Rubine), die wir sahen,

 

sondern nur: Mädchen – Mädchen mit sehr,

sehr weißen Lidern, Mädchen, weiß von dem

Sonnenlicht, in dem sie saßen, warm von der

 

Sonne, und die Augen zu … Es waren weiße,

kristallklare Trauben. Alles, vom Himmel

bis zum Boden, war von ihrem Duft erfüllt.

 

 

 

 

 

 

 

3

 

Von uns aus hätte es bis in alle Ewigkeit so

(Teehaus-Terrasse, Sonne, Mädchen in der

Sonne) weitergehen können, aber: so ging es

 

eben nicht, nicht hier bei uns, hier in Kabul,

schon gar nicht hier, bei uns, in Kabul, wenn

der Frühling kam … Wenn der Frühling kam,

 

war wieder Krieg, und im Krieg sah man

keine Mädchen, konnte das nicht, wie auch,

sondern starb für sie – das war (das wussten

 

wir, die wir damals dort saßen, auch) der

Krieg: Wir starben für Mädchen, die es gar

nicht gab … Es gab ja nur das Teehaus und,

 

in der Sonne dort, die Mädchen. Wir sahen

die Gesichter, hell und: unsagbar klar … Was

sich in ihnen spiegelte, erleuchtete die Welt.

 

 

 

 

 

Qikiqtaq

 

1

 

Damals hatten wir jede Menge Schnee –

damals gab es das noch: richtige Winter!

–, und es lief gut für uns, richtig gut (All

 

well), lief wie auf Kufen, nein, wirklich

auf Kufen: unser Beiboot nämlich, das

wir mit Seifen und mit Seidentüchern,

 

Haarbürsten, Bibeln und goldenen Uhren

bis über die Freibordkante hoch beladen

hatten. Damals gab es das noch: echtes

 

Gold, wir verwendeten Taschentücher

aus Naturseide, und jeder von uns besaß

seine eigene mechanische Uhr … Heute

 

noch finden sich (haufenweise!, alles

echtes Handwerk!) unsere Schiffsöfen,

Schaufeln, Eispickel und Ruder auf dem

 

Archipel. Von ihr, der Großen, unserer

Pyramide, die wir aus Konservendosen

(erst ausgelöffelt, dann mit Kies befüllt)

 

errichtet hatten, ganz zu schweigen. Die

Dosen waren aus echtem, englischem

Zinnblech. Verlötet mit: reinstem Blei.

 

 

 

 

 

2

 

Denn darum geht es doch, nicht? Spuren

zu hinterlassen. Und ich meine nicht die

des Schlittens im Schnee. Ich spreche

 

von etwas anderem, Größerem … Und

sei es nur eine Line Earl Grey, Type für

Type übers Eis verstreut, ein Formblatt

 

unter einem Stein: so was setzt doch auf

jeden Fall ein Zeichen – und wenn dieses

unleserlich ist wie das Tagebuch eines

 

Maats … Ihr, habgierig, hinterhältig und

grausam, mit eurer Vorliebe für Blut und

Walfischspeck, könnt das natürlich nicht

 

begreifen. Doch wahrlich, ich sage euch:

Wer nicht vergessen werden will, muss

Spuren legen … Schnitte setzen … Und

 

sei es mit einem Messer – aus echtem

Silber, versteht sich, mit Monogramm –

auf Johns Oberarmknochen … John,

 

der den Schlitten zog wie ein Ochse. Ein

waschechter englischer Fleischberg von

Ochse. Der trotz des Hungers gut schlief.

 

 

 

An einen, den ich kannte

 

 

Wie all meine autobiografischen Gedichte / ist auch dieses hier an

jemanden gerichtet / den ich in Wahrheit nie kennengelernt habe

 

Nur seine schiefgelatschten Schuhe / kannte ich, & wie es ist, mit

einem Koffer aus Papier / in eine Stadt zu kommen, wo es regnet

 

& nichts im Bauch zu haben als Sehnsucht / nach einem ruhigen

Zimmer, billigem Rotwein / Zigaretten, Sinfonien von Brahms &

 

einer Schreibmaschine, die noch durchhält / eine letzte Nacht …

Von allen Schreibmaschinen in der Hölle / war deine die heißeste

 

die, von der selbst einer wie du / immer wieder schnellstmöglich

die Finger lassen musste / wohl deshalb hacktest du so auf sie ein

 

Wenn deine Hinterhofboxerfäuste / die Tasten schlugen, schlugen

Flammen daraus / zumindest stellte ich mir das damals oft so vor

 

Du warst ein Dichter, ich / ein Junge, aber nicht zu jung für diese

Art Brand, noch heute / hüte ich seine Nester unter nassem Papier

 

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manuskripte 221 – Präsentation

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 18. September 2018

Nachtrag zum Termin:
18.09.2018, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 221. Mit Lesungen von Günther Freitag (Prosa) und Verena Stauffer (Lyrik). Schauspielerin Julia Gräfner liest Lyrik von Antonio Fian und Miroslava Svolikova. Schauspielhaus Graz, Haus 3, 8010 Graz.

So jung kommen wir nicht mehr zusammen!

Und noch dazu zu so schönen Lesungen!

DSC05555.JPG

(c) manuskripte

Erst Verena Stauffer …

… dann Günther Freitag (*einmal die) …

… schließlich Schauspielerin Julia Gräfner:

Wir Herausgeber lauschten gebannt …

… und freuten uns über die so zahlreich erschienen Gäste, darunter die AutorInnen Fiston Mwanza Mujila, Valerie Fritsch, Max Höfler, Daniel Nachbaur, Florian Labitsch, Alexander Micheuz, Harald Miesbacher, Helmut Moysich u.a.m.

Presseinformation:

Titelbild: Günter Brus, „Kammerkopf“, Mischtechnik auf Papier 1979. Zur Verfügung gestellt von Galerie Sommer, Graz, Bürgergasse 5, 8010 Graz.

 

manuskripte 221: die Vielseitigkeit guter Literatur!

In Ausgabe 221 zeigen sich die manuskripte wieder einmal von ihrer besten Seite – und präsentieren die schier unerschöpfliche Vielseitigkeit zeitgenössischer Literatur.

Erzählungen und Romanauszüge stehen Seite an Seite mit Bewusstseinsströmen, „Apokalypsychosen“ und Reisereportagen, Kindergedichte neben Experimentallyrik, Prosa in Versen neben Versen in Prosa, der flammende Appell neben dem tiefschürfenden, zitatenreichen Essay …

Ebenso abwechslungsreich die Liste der BeiträgerInnen aus insgesamt sechs Ländern. „Große Namen“ wie Friederike Mayröcker, Josef Winkler oder Kinga Toth (die neue Grazer Stadtschreiberin) fehlen darin ebenso wenig wie die von jungen Talenten (Miroslava Svolikova, Marie Gamillscheg, Alexander Micheuz) oder gar Debüts (Silvan Beer aus der Schweiz).

Offene Literatur für eine offene Gesellschaft: Lassen Sie sich ein auf 148 Seiten Vielseitigkeit!

Die manuskripte 221 sind im gut sortierten Buchhandel, via lz@manuskripte.at oder unter www.manuskripte.at/webshop erhältlich.