Andreas Unterweger

Music & Poetry 1, manuskripte-Förderpreis an Gabriel Proedl, Eröffnung Buch Wien …

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 17. November 2021

Am 9.11. wurde der manuskripte-Förderungspreis im Kunsthaus Graz an den jungen Grazer Autor und Journalisten Gabriel Proedl verliehen. Doch Graz machte seinem selbst verliehenen Ruf als „Kulturhauptstadt“ alle Ehre, indem Proedl zeitgleich schon für eine Lesung verpflichtet war – und zwar im Café der Grazer Murinsel, zum Auftakt einer Kooperation von Gamsbart Jazz und manuskripte.

So nahm manuskripte-Redakteurin Silvana Cimenti den Förderungspreis an seiner Statt aus den Händen des alten und neuen Kulturstadtrats Dr. Günter Riegler entgegen – als erster Mensch erhielt sie den Preis damit zum 2. Mal.

(c) manuskripte
(c) manuskripte

Und ich, der ich das Event auf der Murinsel gemeinsam mit GamsbartJazz-Chef Gerhard Kosel moderierte, nutzte die von mir verfasste Jurybegründung, um Gabriel Proedl im nahezu ausverkauften Café vorzustellen:

manuskripte-Förderungspreis der Stadt Graz 2021 für Gabriel Proedl – Jurybegründung

Gabriel Proedl ist erstaunlich. Erstaunlich jung, zum Beispiel, aber auch schon erstaunlich bekannt. Mit Reportagen, deren thematische Bandbreite vom Doppelleben des Schulbusfahrers seiner Kindheit über französische Starautoren bis zu Mode aus dem Senegal reicht, hat er sich als Journalist für Medien wie Die Zeit, Stern oder Der Falter einen Namen gemacht.

In manuskripte 231 legte er im Mai 2021 mit der erstaunlich abgebrüht vorgebrachten Erzählung Wahnsinnsnacht, Mama auch sein literarisches Debüt vor, das er bei der Präsentation der Ausgabe im Lesliehof erstaunlich selbstbewusst vortrug.

Wie die Reportagen Proedls zeichnet auch seine literarische Prosa eine seltene Beobachtungsgabe aus, die trotz ihrer fast schon hyperrealistischen Genauigkeit beiläufig genug bleibt, um hohes Lesevergnügen zu garantieren. Der in einzelnen Details aufblitzende Röntgenblick für Menschen und die skurrilen bis tragischen Verwicklungen der Situationen, in denen sie sich befinden, geht Hand in Hand mit einem angenehm schrägen Humor, der stellenweise an Wolfgang Bauers absichtlich schlechte Lyrik erinnert.

Der 1998 in Graz geborene Journalist und Autor ist Mitbegründer von Hermes Baby, einer Gemeinschaft für Erzähljournalismus mit Sitz in Hamburg, schrieb das Drehbuch für den international prämierten Film Taste Of Love und strotzt nicht nur vor Ideen, sondern auch vor Energie, diese umzusetzen.

Von Gabriel Proedl werden wir bestimmt noch viel lesen!

Andreas Unterweger, Herausgeber manuskripte

Anschließend las Gabriel Kurzprosa aus dem Jahr 2020 und 2 seiner Zeit-Reportagen – eine erstaunlich gut funktionierende Mischung!

Herzlichen Glückwunsch, lieber Gabriel!

*

Tags darauf reisten Silvana und ich zur Eröffnung der Buch Wien, wo wir zwar unzählige nette Leute trafen, aber für Fotos kaum Zeit blieb.

Eröffnungsrede von Isolde Charim
Mit Theodora Bauer und Cordula Simon
Mit Daniela Kocmut

Ein Teil der österreichischen Literaturzeitschriftengeschichte im Zeitraffer am Stand der IG Autorinnen und Autoren:

(c) Daniela Kocmut

Schön war’s in Wien! Nicht umsonst nennt man es das Paris von Mitteleuropa …

… oder gar sein Venedig.

„L’Europe poétique“ – Podcast, Festival Magnifique Printemps (Villa Gillet Lyon)

Posted in Poèmes by andreasundschnurrendemia on 17. März 2021

Gestern aufgezeichnet, aber ab heute und in alle Ewigkeit unter diesem Link zu hören: 4 auch übersetzende Dichter*innen aus 4 Ländern diskutieren rund um Guillaume Métayers neues Meisterwerk „A comme Babel“ (La rumeur libre 2020) über Übersetzung, Dichtung …

… und Wahrheit:

Am Start (v.r.u. nach r.o.): Vanda Miksic (Kroatien), Tóth Krisztina (Ungarn), Guillaume Métayer (Frankreich: mit Mikrophon im Gesicht und Organisatorin Lucie Campos Mitchell neben sich) und ich (Österreich).

Die Ankündigung der Villa Gillet:

„A wie Babel : ein Europa der Dichtung“
Mit dem Untertitel „Übersetzung, Dichtung“ vermischt der Guillaume Métayers Essay „A comme Babel“ (La rumeur libre, 2020) Berichte aus der Übersetzungswerkstatt mit einer theoretischen Reflexion, die tief in der Poesie und der Liebe zu den Sprachen verankert ist. Er lädt uns ein zu einer Reise zu zeitgenössischen Texten und Dichtern, deren Fährmann er ist. Mit
Krisztina Tóth (Code-barres, Gallimard, 2014), Andreas Unterweger (Le livre jaune, Lanskine, 2019) und Vanda Miksic (Des transports : septembre 2014-décembre 2016, Lanskine, 2019): eine mehrsprachige Fahrt in ein ganzes Universum der zeitgenössischen Poesie, die den Blick auf Ungarn, Österreich, Kroatien und andere Landstriche der Dichtung richtet.“

Folgende Fragen standen u.a. zur Debatte:

Welche Rolle spielt das Internet in Ihrer Übersetzungsarbeit?

Welchen Platz nimmt die Übersetzung in Ihrer Arbeit als Schriftsteller*in ein?

Befürchten Sie, dass die Übersetzungsarbeit Sie vom Schreiben abhalten könnte?

Welches Bild haben Sie vom Übersetzer/von der Übersetzerin? Tauchen er oder sie in Ihren literarischen Arbeiten als Figur auf? Wenn ja, als welche?

Wer ist Ihr/e Lieblingsübersetzer*in?

Usw. usf.

(Achtung: die Diskussion wird auf Französisch geführt! Vorbereitung war très nécessaire!)

Herzlichen Dank, lieber Guillaume für die Einladung, das gelungene Konzept und die großartigen Fragen (die Dikussion war mir eine große Freude!), herzlichen Dank liebe Vanda Miksic und Krisztina (ich habe viel gelernt!), herzlichen Dank, liebes Team von der Villa Gillet (alle waren sehr freundlich und der technische Support durch Pierre-André Pernin war topp!)!

(Foto: Guillaume Métayer, er war beneidenswerterweise vor Ort. Wir anderen saßen, wie er zu Beginn sagte, „chacun dans sa ville, chacun dans sa villa“*.)

*“Jeder in seiner Stadt, jeder in seiner Villa.“ Wortspiel, unübersetzbar. 🙂

Micropoetica (zu Peter Handke, Olga Tokarczuk u. a.)

Posted in Das gelbe Buch, manuskripte, Mikroessays, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 11. Oktober 2019

Mehr als nur ein Zufall, nämlich zwei Zufälle: In einem Vortrag über das (und mein) Schreiben von kurzen Prosaformen, den ich vor 8 Jahren im Literaturhaus Lettrétage in Berlin-Kreuzberg gehalten habe (erstveröffentlicht in manuskripte 194) tauchen gleich beide Nobelgepriesene von gestern auf.

Wenn ich meinen Aufzeichnungen trauen kann, habe ich von Olga Tokarczuk gelernt, wie ein Roman auch aussehen kann (wichtig etwa für Das gelbe Buch). Und Peter Handke hat mich davor bewahrt, Germanist zu werden.

HIER ZUR GÄNZE NACHZULESEN!

Für Klick- und Downloadfaule habe ich die Stellen mit Handke und Tokarczuk hier herausfotografiert:

Printemps des poètes – Hors saison

Posted in gedichte, Poèmes, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 14. Juli 2019

Spät, dafür aber am französischen Nationalfeiertag – Nachtrag zu den Terminen:

  1. 23.05.19, 19 Uhr, Andreas Unterweger liest beim Poesiefestival Printemps des poètes aus seinem in Kooperation mit Versopolis erscheinenden dreisprachigen Gedichtband. Guillaume Métayer liest die Übersetzungen ins Französische. Außerdem lesen:  Luljeta Lleshanaku (Albanien), Eleanor Rees (GB), Ivan Hristov (Bulgarien). Centre national du livre, 53 Rue de Verneuil, 75007 Paris, und
  2. 24.05.19, 19 Uhr, 23.05.19, 19 Uhr, Andreas Unterweger liest beim Poesiefestival Printemps des poètes aus seinem in Kooperation mit Versopolis erscheinenden dreisprachigen Gedichtband. Yekta liest die Übersetzungen ins Französische. Außerdem lesen: Luljeta Lleshanaku (Albanien), Eleanor Rees (GB), Ivan Hristov (Bulgarien). Café La Pomme d´Eve, 1 Rue Laplace, 75005 Paris.

Paris, bekanntlich ein Fest fürs Leben, hat auch für zwei Leben ausreichend Feste zu bieten. Und so durfte Ende Mai nicht nur der Prosaschriftsteller meines Namens jubilieren (bei der Nuit de la littérature: wir berichteten), sondern auch sein Gedichte schreibendes Alter Ego – wurde doch im Rahmen meiner Teilnahme an der Sonderschiene „Hors saison“ des Lyrikfestivals „Printemps des poètes“ mein erster Gedichtband veröffentlicht:

Die Einladung nach Paris und das im Verlag La Traductière erschienene Büchlein verdanke ich meiner  virtuellen Präsenz auf der internationalen Lyrikplattform Versopolis, die vom Verlag Beletrina in Ljubljana organisiert wird und zu der ich vom Unabhängigen Literaturhaus Niederösterreich eingeladen wurde. Vielen Dank, liebe Sylvia Treudl und Michael Stiller! God save the E.U.!

Die erste Lesung fand im renommierten Centre national du livre statt.
Von l.n.r.: Ivan Hristov, io, Luljeta Lleshanaku, Eleanor Rees:

Hier sieht man, wie der Dichter dreinschaut, wenn das Flugzeug der AUA zwischen Graz und Wien so viel Verspätung aufreißt, dass es den AUA-Anschlussflug nach Paris verpasst und der Lesereisende trotz Dauerlaufs vom Flughafen über die RER- und Métro-Bahnsteige (auch solche in die falsche Richtung) erst 15 Minuten nach programmiertem Beginn der Veranstaltung auftaucht:

(c) Printemps des poètes

Ich las drei Gedichte („An einen, den ich kannte“, „Großvatersprache“, „Die Schlange“, glaube ich), alle drei übersetzt von Guillaume Métayer, der auch die französischen Fassungen vortrug.

Anschließend eine lange Diskussion über „die neue europäische Lyrikwelle“, die von einigen ihrer Protagonisten im schönen Garten des CNL fortgesetzt wurde.
Hier unterhalten sich Ivan Hristov, Guillaume Métayer und die bulgarisch-französische Dichterin Velina Minkoff

… hier Luljeta Lleshanaku mit Leserinnen …

… hier zitiert ein AUA-Geprüfter wieder einmal Arthur Rimbaud: Ich ist ein anderer:

Die Vorbereitungen auf die Lesung am Abend darauf lassen sich auf Facebook trefflich nacherleben, dort so geschildert:

„Paris – Stadt der Dichterinnen und Dichter!
Erst Rimbaud und Verlaine gesucht und gefunden …

… dann zufällig (!), einen Tag vor den vereinbarten Treffpunkt, Laure Gauthier getroffen (kein Wunder, dass wir doublecheesen) …

… danach geplantes Posen mit dem designierten Styrian Artist In Residence Guillaume Métayer vor der Buchhandlung Tchann, wo er demnächst seine über 1000-seitige Nietzsche-Lyrik-Gesamtübersetzung (in Reimen!) präsentiert …

Guillaume und ich besuchten auch das Café La Pomme d’Eve im Quartier latin, in dessen mittelalterlichem Kellergewölbe am Abend die zweite Lesung des Festivals stattfand – schon die Klingel war ein Gedicht …

Am Abend wurde wieder Gutes von Luljeta Lleshanaku (Albanien), Mystisches von Eleanor Rees (GB) und Witziges von Ivan Hristov (Bulgarien) geboten.
Ich las das lange Gedicht „Kabul“, das der ebenfalls anwesende Laurent Cassagnau, bekannt als brillanter Übersetzer von „Das gelbe Buch“ („Le livre jaune“), ins Französische übertragen hatte.

 

(c) Laurent Cassagnau

(c) Printemps des poètes

Musikalischer Höhepunkt des Abends war zweifelsohne Ivan Hristovs Flötenperformance.

Danke Österreichisches Kulturforum in Paris

… danke Versopolis, danke Linda Maria Barros und Louise Champiré von Printemps des poètes!
Danke auch für die netten Unterhaltungen auf diversen Flughäfen, lieber Paris-Flug- und Verspätungsgenosse Christoph Urban!

*

Zum Gedichtbuch:

Es enthält folgende Gedichte im deutschen Original und ihre Übersetzungen ins Französische und Englische:

Donauebene (Dezember), frz. v. Laurent Cassagnau, engl. v. Greg Nissan.
An einen, den ich kannte, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Greg Nissan.
Kabul, frz. v. Laurent Cassagnau, engl. v. Greg Nissan.
Großvatersprache, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Greg Nissan.
Die Sonnenblumen, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Greg Nissan.
Klimatologen, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Greg Nissan.
Das Tonstudio, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Greg Nissan.
Юдит, frz. v. Laurent Cassagnau, engl. v. Greg Nissan.
Die Maus, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Gertraud Dayé.
Die Spinne, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Gertraud Dayé.
Die Schlange, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Gertraud Dayé.
Kein Gedicht, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Gertraud Dayé.

(Herzlichen Dank auch den ÜbersetzerInnen!)

Das Buch ist in den Buchhandlungen Bücherstube, Prokopigasse 16, 8010 Graz …

… und Büchertheke Draxler, Schmiedgasse 12, 8430 Leibnitz, erhältlich.
Veranstalter*innen/Journalist*innen beschicke ich gerne selbst.

 

Nächste Lesungen aus dem Buch:

Podujatie, Slowakei.

24.07.2019, 17:00, Guillaume Métayer und Andreas Unterweger lesen Gedichte von Friedrich Nietzsche und eigene Texte. Special guest: Kinga Tóth. Anschließend Prosecco und Knabberei. Bücherstube, Prokopig. 16, 8010 Graz.

 

„Hölle Kitty“ (Poetin 25)

Posted in Das kostbarste aller Geschenke, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 13. September 2018
Mein Beitrag zur Leipziger Literaturzeitschrift „poetin“ (vormals: „poet“), Nr. 25, Thema „Autorschaft und Elternschaft“ sind mehrere Notizen aus einer losen „Kindergeschichtengeschichten“-Sammlung mit dem Arbeitstitel Hölle Kitty.
Angesichts des Themas erinnern sich manche vielleicht auch an mein Buch Das kostbarste aller Geschenke (Droschl 2013) oder die Anthologie Mein Kind ist ein Vogerl (Edition Yara 2014), die ich gemeinsam mit Bernadette Schiefer herausgegeben habe (bzw. mein Vorwort dazu: Vaterbücher).
*
Leseprobe aus „Hölle Kitty“ in der „Poetin“:
(…)
DIE KUNST, AUF JEDEM BILD ZUALLERERST DIE KATZE ZU ENTDECKEN
(und es gibt sie, tatsächlich, auf jedem Bild: nicht nur bei Picasso, Dora
Maar au chat, sondern auch auf dem Rahmen des Fensters, das man
durch das Klofenster des Zahnarzts sieht, in einer Ecke des Wand –
teppichs, den Jeanne in Une vie von Maupassant betrachtet, und sogar,
zu mehrt!, auf dem Foto, das der Lektor von seiner »Bücherwand
Rushmore« schickt), habe ich von meinen Kindern erlernt.
(…)
AUCH DER BUB IM AUTOSCOOTER,
der – das Gesicht verzerrt und »Ich schießen euch alle nieder!« kreischend
– auf die Kinder in den anderen Autoscootern losschießt, wird
von seinen Eltern, die, wie wir, mit ihren Smartphones hinter der Bande
stehen, verzückt fotografiert.
(…)
»ICH SEH, ICH SEH, WAS DU NICHT SIEHST,
und das ist hellblau und sehr, sehr klein!«
Das Kind, wie aus der Pistole geschossen: »Österreich!«
Der Vater: lacht.
Das Kind, beleidigt: »Da, auf dem Globus!«
(…)
*
Mit bestem Dank an Katharina Bendixen für die freundliche redaktionelle Betreuung!
*
poetin nr. 25
Literaturmagazin
Herausgeber: Andreas Heidtmann
Konzept: Carolin Callies
Prosaredaktion: Katharine Bendixen
poetenladen, Herbst 2018
272 Seiten, 9.80 Euro
Beiträge von Andreas Heidtmann, Andreas Unterweger, Björn Kuhligk, Michelle Steinbeck, Ulrike Almut Sandig, Dagmara Kraus, Daniela Seel, Arne Rautenberg, Jan Volker Röhnert, Janin Wölke, Carl-Christian Elze, Ron Winkler, Nora Nora-Eugenie Gomringer, Hendrik Jackson, Christian Filips, Timo Berger, Kathrin Schadt, Walle Sayer, Francis Nenik, Soulemane Diamanka, Hiromi Ito, Elo Viiding, Kerstin Preiwuß, Nancy Hünger, Sünje Lewejohann, Max Wallenhorst, Thomas Kunst, Sophie Sumburane, Anke Stelling, Melanie Katz, Simone Scharbert, Markus Orths, Isabelle Lehn, Kathrin Bach, Mithu Melanie Sanyal, Christiane Rösinger, Christina Mohr, Hauke Hückstädt.


*

Weitere Texte aus „Hölle Kitty“ finden sich in der Anthologie „Verführung zum Staunen“ (hg. v. Friederike Schwab, Leykam 2016).

Tagged with: , ,

poet

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 26. März 2013

Meine Beiträge zu Heft 14 der Literaturzeitschrift poet, die den von Katharina Bendixen zusammengestellten (und mit einem sehr lesenswerten Einleitungsessay versehenen!) Schwerpunkt „Prosaminiaturen“ eröffnen:

Über die Polen

Man unterscheidet vier Arten von Polen: Die Nordpolen, die Südpolen, die Pluspolen und die Minuspolen. Von den Pluspolen und Minuspolen ist bekannt, dass zwar einerseits Pluspolen Minuspolen und Minuspolen Pluspolen ungemein anziehend, andererseits aber Pluspolen Pluspolen und Minuspolen Minuspolen ungeheuerlich abstoßend finden. Deshalb trifft man niemals auf Pluspolen im Kreise von Pluspolen, und nirgendwo auf Minuspolen im Kreise von Minuspolen. Da hingegen vielmehr Pluspolen ausschließlich an der Seite von Minuspolen, und Minuspolen ausschließlich an der Seite von Pluspolen gesichtet werden, ist die Unterscheidung der Polen in Pluspolen einerseits und Minuspolen andererseits eigentlich hinfällig. Ähnliches gilt für Nordpolen und Südpolen. Es gibt überhaupt nur einen einzigen Nordpolen, doch niemand hat ihn jemals zu Gesicht bekommen. Es gibt auch nur einzigen Südpolen. Der lebt aber gar nicht in Polen, sondern in der Antarktis. Er wurde 1911 von Amundsen entdeckt.

Lieben

„Es gibt nicht: die Liebe. Es gibt: die Lieben.“ Es gibt so viele Lieben, wie es Menschen gibt. Es gibt für jeden Menschen nur: die eine. Sie bricht das erste Mal aus, wenn er sechzehn ist. Sie wird zu viel für ihn sein, schon das erste Mal. Erst viel zu leicht und dann: schon viel zu schwer. Er wird die Liebe einem auf die Schulter legen, der sie nicht haben will. Dann wird der Mensch sich wundern: ach, wie schwer das ist. So eine Liebe loszukriegen. So allein mit der Liebe. So allein mit sich. Der Mensch wird weiter nach dem suchen, der die Liebe trägt. Seine Liebe: erträgt. Und wird vielleicht, von Zeit zu Zeit: jemanden finden, der sie auf sich nimmt. Für eine Zeit und dann: wieder allein. Mit seiner Liebe und: allein mit sich. Und immer schwerer wird die Liebe werden, weil: die Liebe wächst. Sie wächst und wächst, wenn: keiner da ist, der: sie haben will. Sie halten und: für sich behalten will. Der Mensch wird mit der Liebe weitertaumeln, die: ihn fast erdrückt. Der Mensch wird schwer bewaffnet sein, mit seiner Liebe. Und so wird es geschehen, dass der Mensch: den Menschen, den er, lebenslang!, gesucht hat, trifft. Mit seiner Liebe. Und: ihn so erschlägt.

Ein Bild von dir

Du hast ein Bild von dir bei mir vergessen. Es ist ein ganz ganz kleines Bild von dir, mit einer Kerze und mit, hinter dir, einem ganz schwarzen Nachthimmel im Fenster. Einem noch ganz ganz schwarzen Morgenhimmel. Ein Bild vielleicht wie der Kaffee, den du am Bild gerade trinkst. Ganz schwarz, ganz stark, mit Honig drinnen und mit Kardamom. Mit ein paar Brösel Toast vielleicht, mit einem Brösel Schafskäse vielleicht, vielleicht mit einem Brösel noch einer Olive. Oder von dem, was sonst noch auf dem Tisch da steht, an dem du sitzt, da, auf dem Bild von dir. Dem Bild, das wie ein Song ist von, vielleicht, so einem wie Van Morrison. Oder vielleicht von so einem wie Townes Van Zandt. Aber es ist kein Song von einem von den beiden. Es ist ein Song, in dem es um ein Mädchen geht wie dich. Das schon am Küchentisch sitzt und Kaffee trinkt, schwarz, mit Honig, wenn es noch finster ist, wenn es im Fenster hinter ihm noch viel mehr Nacht ist als schon Morgen. Das Honigsüße dieser Nacht sei, heißt es in dem Song, die Hoffnung, die das Mädchen bringt. Die schon der Anblick vom Gesicht von diesem Mädchen da im Song, das so wie deines ist, dem einen bringt, der es besingt. Wenn er es denn nur sehen könnte, einmal noch, und sei es noch so früh am Morgen, wie es da, schlaflos schön, in seiner Wohnung sitzt, an seinem Küchentisch, und den Kaffee, den er gemacht hat, trinkt, ganz schwarz, mit Honig drin. Und von den Augen von dem Mädchen da im Song heißt es, sie seien außen grün und innen schwarz, wie Kardamom. „Grün wie die Hoffnung“, heißt es etwas kitschig, du weißt ja, wie die Songschreiber so sind, „tief wie der Ozean, schwarz wie die Nacht“. Ganz so wie deine Augen sind. Wie deine Augen auf dem Bild da sind, dem Bild von dir, das du vergessen hast. Ich kann die Melodie hören von dem Song über das Mädchen, das so ist wie du, und ich kann mitsingen, ja, ich kann mitsingend den Song über das Mädchen schreiben, das so ist wie du, wenn ich dich sehe, auf dem Bild von dir. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich das Bild.

Für Judith

Der Winter dauerte nur einen Tag

Als ich die Augen aufmachte, fing es an zu schneien. In dicken Flocken fiel der Schnee von der Schimmelschutzdecke auf das Bett herab. Ich kratzte etwas Eis aus meinen Augenwinkeln. Dann stand ich auf. Es war nicht wirklich kalt. Ich ging zu Marie rüber, die beim Ofen kniete. Sie legte ihren Kopf gegen mein Knie und sagte: „Hallo Hans“. Dann kam der Kleine, und wir spielten Bauen. Wir bauten was aus Brennholz. Wir bauten eine Mauer rund um uns. Die Mauer schützte uns vor allem, was nicht so wie wir war. Drinnen, da waren wir – der Rest blieb draußen. Die Mauer schützte uns: den Kleinen und Marie und mich, Hans. Die Mauer schützte uns am Morgen, als wir, sie bauend, vor dem Ofen saßen – sie schützte uns am Abend, als wir, in ihrem warmen Schatten, tanzten. Wir tanzten durch den Schneefall, Hand in Hand, fingen die Flocken auf mit unseren Zungenspitzen. Der Schnee schmeckte wie Staubzucker in diesem Winter. Der Schnee war warm, das Holz brannte im Ofen, die Mauer rund ums hielt allem stand. Es war der schönste Winter meines Lebens. Aber er dauerte nur einen Tag. Nicht, dass es dann am nächsten Morgen nicht geschneit hätte. Im Gegenteil: dicker denn je fielen die Flocken auf das Bett herab. Der Schnee war da, als ich die Augen aufmachte, das Eis war da, in meinen Augenwinkeln, und auch die Mauer war noch da, höher noch, fester, viel fester, als gestern. Dahinter wusste ich Marie in Sicherheit. Beim Ofen kniend, mit dem Kleinen spielend. Ich kratzte etwas Eis aus meinen Augenwinkeln. Dann stand ich auf. Jetzt war es wirklich kalt. Ich ging, ganz müde noch, zur Mauer rüber. Dort fiel es mir dann ein: Ich bin nicht Hans.

Poetisches Daumenkino …

Posted in Du bist mein Meer by andreasundschnurrendemia on 23. Februar 2011

… oder „Auf der Suche nach dem verlorenen Meer“ …

Unter diesem schönen Titel ist auf literaturhaus.at, der Website des Literaturhauses Wien, eine sehr genaue, sehr aufmerksame, sehr gut geschriebene und glücklicherweise auch noch sehr freundliche Rezension zu „Du bist mein Meer“ von Michaela Schmitz erschienen.

Hier nachzulesen!

Ach, wie ich mich freue, wenn ich den Eindruck haben darf, eine Rezensentin/ein Rezensent nimmt ihren/seinen Job genau so ernst wie ich den meinen!

Viel Freude beim Lesen!

„kaspar aus stein“ in Literadio

Posted in kaspar aus stein, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 14. Januar 2022

Kürzlich war ich bei Daniela Fürst im Online-Literaturradio Literadio zu Gast, um über Laure Gauthiers poetische Erzählung „kaspar aus stein“ zu sprechen.
Das Buch ist 2021 in meiner Übersetzung bei Edition Thanhäuser mit Illustrationen von Christian Thanhäuser erschienen.

Daniela und ich unterhalten uns über den Kaspar-Hauser-Mythos und seine literarischen Ausarbeitungen, die sprachlichen, formalen und inhaltlichen Besonderheiten des Zugangs von Laure Gauthier, die Entwicklung unserer Zusammenarbeit und darüber, inwiefern Laures Texte zu übersetzen dem Auspacken von Überraschungseiern gleicht.
Dazu gibt es sehr schöne Lesungen aus dem Buch von Laure Gauthier (französisch/deutsch).

Zum Hören bitte hier oder unten klicken!

https://literadio.org/hoerbeitrag/laure-gauthier-kaspar-aus-stein/

Herzlichen Dank für die freundliche Atmosphäre, die exzellente Vorbereitung und die schöne Gestaltung der Sendung, liebe Daniela!

Herzlichen Dank für Dein Vertrauen, liebe Laure!

Mehr zu „kaspar aus stein“ von Laure Gauthier findet sich u.a. hier.

manuskripte 234 – Marginalie, Cover, Link zur Online-Präsentation, Inhaltsverzeichnis …

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 16. Dezember 2021

Marginalie

Ansagerin: Also, die schlechten Nachrichten zuerst.“
Kathrin Röggla, Das Wasser (S. 5 dieser Ausgabe)

Oswald Wiener ist gestorben. Kaum ein Autor hat die Geschichte der manuskripte so geprägt wie er. Die kapitelweise Veröffentlichung des Romans verbesserung von mitteleuropa löste in den 60ern nicht nur den sogenannten „Pornographie-Skandal“ aus, der Alfred Kolleritsch juristische Unannehmlichkeiten und den manuskripten gar nicht so unwillkommene mediale Aufmerksamkeit bescherte, sondern formte den Charakter unserer Zeitschrift auch hinsichtlich ihrer Ansprüche und ästhetischen Ausrichtung.
Die Germanistin Daniela Bartens etwa spricht von einem mit der verbesserung erreichten „Endpunkt eines Schreibens“, der für alle folgenden (manuskripte-)Autorinnen und -Autoren den „point of no return der poetologischen Selbstbefragung“ darstelle.[1]
Es sind nicht zuletzt die Maßstäbe, die Oswald Wiener mit seinen Arbeiten als Dichter und Denker gesetzt hat, die von ihm bleiben werden.

Die in dieser Ausgabe versammelten poetischen und poetologischen „Selbstbefragungen“ scheinen auf den ersten Blick vor allem nach Antworten auf die schlechten Nachrichten zu suchen, die uns tagtäglich erreichen. Es dominieren Motive wie Krankheit, Grenze und vor allem (Hoch-)Wasser – etwa in den Auszügen aus der Arbeitsfassung von Kathrin Rögglas neuem Stück, das uns die aktuelle Franz-Nabl-Preisträgerin dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat.
Doch vielleicht entsteht dieser Leseeindruck auch nur aus dem Bild, das derzeit von der Realität gezeichnet wird.

Überhaupt muss Literatur nicht immer Auswege aufzeigen. Gute Literatur ist aber immer selbst ein Ausweg.
Insofern tun wir gut daran, uns gegen die Zumutungen der Gegenwart mit Poesie zu wappnen – wie es auch das Titelbild des bildenden Künstlers und Schriftstellers Hanno Millesi nahelegt.

„aber dann kämmt dir unvermutet / der Wind das Haar und wenn / schon Zirkuswagen dann richtig“ (Max Sessner, S. 90).

Andreas Unterweger


[1] Vgl.: Daniela Bartens: Die Pornographie der Verhältnisse. Der Skandal um Oswald Wieners die verbesserung von mitteleuropa, roman in den „manuskripten“ (Objekt des Monats, Franz-Nabl-Institut).
https://franz-nabl-institut.uni-graz.at/de/neuigkeiten/detail/article/objekt-des-monats-april-2020

„Armed with poems“: das Cover der manuskripte 234 stammt (wie die grafischen Interventionen im Heftinneren) vom Schriftsteller und bildenden Künstler Hanno Millesi.

Während das Titelbild der Pandemie ins Gesicht springt, geht die Präsentation der Ausgabe doch mit Online-Sicherheitsabstand über die Bühne, und zwar diesen Donnerstag, den 16.12., um 19 Uhr, produziert vom Literaturhaus Graz.
Es lesen: Volha Hapeyeva, Hanno Millesi und Max Sessner.
Musik von Seppo Gründler und Josef Klammer.
Moderation: manuskripte-Herausgeber Andreas Unterweger
Ab 16.12., 19 Uhr, auch hier:

„wenn schon Zirkuswagen dann richtig“ – Heft 234 des Klassikers unter den deutschsprachigen Literaturzeitschriften wird in seiner Fülle dem aus einem Gedicht Max Sessners stammenden Motto gerecht.Die grafische Gestaltung übernahm diesmal Hanno Millesi, der neben seinen tragikomischen Collagen auch mit einer typisch skurrilen Erzählung vertreten ist. Ebenso präsentiert die jüngst mit dem rotahorn-Preis ausgezeichnete belarussische Autorin Volha Hapeyeva ihr Gedicht „Muruhr“ gemeinsam mit den Musikern Seppo Gründler und Josef Klammer. Dieses Projekt at.mur.at wurde im Auftrag vom Institut für Kunst im Öffentlichen Raum Steiermark und im Rahmen vom Musikprotokoll im steirischen herbst 2020 am Aussichtsdeck Radetzkybrücke uraufgeführt. Die Musiker spielen live von dort.

Presse:

Kulturzeitung 80:

8. internationales Symposium der Literaturkritik in Ljubljana

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 10. Dezember 2021

Für das 8. internationale Symposium der Literaturkritik/Mednarodni kritiski simpozij in Ljubljana habe ich mich mit der slowenischen Literaturkritikerin Tanja Petrič über Literaturkritik im deutschsprachigen Raum unterhalten.

Seit der Premiere am 10.12.21, um 17:30, ist das Gespräch hier abrufbar:

Wir sprechen – auf Deutsch mit slowenischen Untertiteln – darüber, welche Formen der Literaturkritik in Österreich existieren, wo sie stattfinden (Spoiler: Literaturzeitschriften habe ich vergessen zu erwähnen …), wie sie sich in den letzten Jahren verändert haben, wer als Kritiker tätig ist, wer es überhaupt sein sollte und viele weitere spannende Fragen.

Das Gesamtprogramm des Symposiums mit dem schönen Jahrestitel „Die Kunst der Kritik – wer ist ein Kritiker?“, in dem auch mein geschätzter Berliner Bekannte Tom Bresemann zu Wort kommt, findet sich hier.

Mein Dank gilt Tanja Petric für die Einladung, die fundierte Vorbereitung und das so freundliche Gespräch, Aljaž Koprivnikar für die reibungslose Organisation sowie Henrike Blum, die mir beim Training für diesen Auftritt mit all ihrem Wissen zur Seite stand. Eine unschätzbare Hilfe!

*****

Bonus-Content 1: Eine Auswahl an mehr oder weniger Literaturkritikähnlichem, von mir selbst geschrieben:

aus fischhaut, aus stein. Poetische Porträts aus der Edition Thanhäuser. Kultum. Programmzeitung. Sep-Okt 2021, Graz 2021, S. 16 f.

Mit spitzen Fingern. Sarah Kuratles literarische Überschreitungen der Wirklichkeit. ARTfaces Galerie des Landes Steiermark.

Wir brauchen Tausende Don Quijotes! Fiston Mwanza Mujila, der kongolesische Sprachsaxofonist aus Graz. In: Landes Kunst und Kulturpreise 2018. Hg. v. Land Steiermark, 2018, S. 20-25.

Der schüchterne Frechdachs. Franz Weinzettl und seine Suche nach dem Glück zwischendurch. Art Faces Galerie des Landes Steiermark.

Wortnetze, in denen man sich gern verfängt. [Über Hans Eichhorn: „Im Ausgehorchten“] In: Kleine Zeitung v. 12.11.2017, S. 68.

Die Geldnot, der Glanz, das Elend. [Zu F. Scott Fitzgerald: „Für dich würde ich sterben“.] In: Kleine Zeitung v. 20.05.2017, S. 66 f.

Gänzlich unbeschützt im Weltenall. [Zu Iris Hanika: „Wie der Müll geordnet wird“] In: Kleine Zeitung v. 22.03.2015, S. Sonntag 11.

Übersetzen. Schreiben. Lesen. Zu Laure Gauthier: marie weiss rot. marie blanc rouge. In: manuskripte. Zeitschrift für Literatur. Heft 206. Graz: 2014.

Peripheres Porträt. 7 x 10 Zeilen für Klaus Hoffer. In: manuskripte. Zeitschrift für Literatur. Heft 198. Graz: 2012, S.34 – 36.

Die Welt von gestern. Karl Bruckners Fußballroman „Die große Elf“. In: Der tödliche Pass. Magazin zur näheren Betrachtung des Fußballspiels. Heft 60. München: 2011, S. 40 f.

Mehr unter Bibliographie.

*****

Bonus-Content (Werbung) 2:

Das Spekulieren darüber, ob die Literatur durch die oft nur noch auf Floskeln wie „Phantastisch!“ und „Phänomenal!“ reduzierte Literaturkritik nicht selbst zum Phantasma oder Phänomen werde, hat mich an folgende Stelle aus wärmeren Zeiten bzw. aus „Das gelbe Buch“ erinnert:

Frühstück mit Biber

Seitdem er denken konnte, träumte Biber davon, am Fluss zu frühstücken. Morgen für Morgen, wenn er, „pudel, ja, bernhardinernass“, wie er sagte, am Flussufer stand und die Tröpflein auf seiner Haut in den Strahlen der Morgensonne rot erglitzerten, stellte er sich vor, wie unvorstellbar schön es wäre, hätte er heute Morgen, wie jeden Morgen, in seiner Badevorfreude nicht darauf vergessen, die Jause, die Großvater gewiss für ihn bereit gestellt hatte, an den Fluss mitzunehmen …

Er sah sich in ein Semmelchen beißen, sah sich Malzkaffee schlürfen, Haferbrei löffeln – ja, er sah es nicht nur, sondern hörte es auch, hörte die Semmel krachen, roch den Kaffee, spürte, wie der Brei warm auf der Zunge schmolz – und wenn, wie jeden Morgen, Briefträger Schnecke just jetzt vorbeischlich und den nackt, mit verzücktem Blick ins Nichts beißenden Buben fragte: „Na, wie schmeckt´s?“, dann entsprach Bibers Antwort, wie verträumt sie auch wirken mochte, voll und ganz der Wahrheit:

„Phantastisch!“

(c) Literaturverlag Droschl 2015