Andreas Unterweger

„Gute Kunst ist immer selbst ein Ausweg“ – Interview literaturoutdoors.com

Posted in So long, Annemarie, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 4. August 2022

Walter Pobaschnig hat mir 5 Fragen gestellt und samt Antworten auf seinem Blog literaturoutdoors.com veröffentlicht – vielen herzlichen Dank!

Das Interview ist hier in der Originalfassung oder unten nachzulesen.

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5 Fragen an KünstlerInnen zur Gegenwart

Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Es ist ein ständiges Hin und Her. Oder eigentlich nur ein Hin. Viele verschiedene Aufgaben, nein, Hingaben. Mit der Katze zum Frühstück, mit den Kindern in die Schule, mit dem Zug nach Graz, mit dem Fahrrad in die Innenstadt. Schreibkaffee im Café Ducks, Arbeitskaffee in der manuskripte-Redaktion, Besprechungskaffee im Café König. Selten mittags, meist nachmittags, manchmal nachts mit dem Zug nach Hause, nach Leibnitz. Wann immer es möglich ist, abends die Kopfhörer auf und zum Laufen hinaus, in die Felder.

Früher, in Niederösterreich, habe ich über mehrere Jahre hinweg außer der engsten Familie und meinem Laptop eigentlich kaum jemanden gesehen, jetzt begegnen mir täglich viele Menschen: meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Redaktion, manuskripte-Autorinnen und -Autoren, Styria-Artists-in-Residence des Landes Steiermark, die ich während ihres Aufenthaltstipendiums in Graz betreuen darf, Kolleginnen und -kollegen aus diversen Jurys, Journalisten, Kuratorinnen, Kulturamtsdirektoren, Galeristen, Schuldirektorinnen, Lehrerinnen, alte Schulfreundinnen und -freunde, neue Schulfreundinnen und Freunde (die der Kinder nämlich), deren Eltern usw. usf.

Sobald ich einmal allein bin, schreibe ich einen Gedichtanfang auf einen Einkaufszettel oder ein paar Satzfetzen auf ein Kuvert. Mein Roman „So long, Annemarie“, der eben bei Droschl erschienen ist, hat 2017 so begonnen und mich dann jahrelang in jeder freien Minute begleitet. Interessanterweise hat mir das Schreiben in dieser Zeit eher Kraft gespendet als geraubt. Vermutlich habe ich die anderen Dinge mit diesem Ziel vor Augen einfach schneller und effizienter machen können.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Viel trinken, Abstand halten, Energie sparen? Vor allem aber wird – weiterhin und wie immer – jede und jeder wieder und wieder herausfinden müssen, was für sie/ihn selbst gerade besonders wichtig ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich spreche ungern für „uns alle“, schließlich bin ich kein Politiker, auch kein selbsternannter. Vielleicht wäre schon das wesentlich: wenn nicht alle immer für andere, schon gar nicht für alle anderen, sprechen zu müssen glaubten.

Es fällt mir auch schwer, der Kunst in ihrer galaktischen Vielfalt eine bestimmte Rolle zuzuweisen. Nach meinen Erfahrungen scheint mir die Aufgabe oder der Sinn von Kunstwerken jedenfalls nicht unbedingt nur darin zu liegen, Auswege aus konkreten Notlagen aufzeigen. Gute Kunst ist aber immer selbst ein Ausweg.

Was liest Du derzeit?

Ich hatte gerade eine Woche Urlaub. Statt der 18 zeitgenössischen Romane für kommende Jurysitzungen, die ich eingepackt hatte, habe ich mir ein älteres Sachbuch aus dem Bücherschrank der Berghütte geholt: Reinhold Messner, Antarktis. Himmel und Hölle zugleich. Auch ein Ausweg.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das Verspaar „Sag mir etwas, / das nicht verschwindet“ von Alfred Kolleritsch. Es kommt mir in letzter Zeit immer häufiger in den Sinn, ob ich nun anderen zuhöre oder mir selbst.

Verschwinden des Schattens in der Sonne, August 2022

Präsentation der manuskripte 236 – Mitschnitt und Bilder

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 2. August 2022

Am 29.06. wurden die manuskripte 236 im Kunsthaus Graz präsentiert – ein Heft mit Brücken zur Kunsthaus-Ausstellung “Amazons of Pop!” (1961-1973). So stammten etwa die Umschlagbilder (und die grafischen Interventionen im Inneren) von der Avantgarde-Künstlerin Ingeborg G. Pluhar (mehr dazu in meiner Marginalie zum Heft).

In ihrer stets empfehlenswerten Literatursendung Das rote Mikro auf Radio Helsinki hat Barbara Belic nun einen Mitschnitt des Abends ausgestrahlt – vielen Dank! (Zum Nachhören hier klicken!!!)

In den Hauptrollen (in der Reihenfolge ihres Auftretens):

Kunsthaus-Chefkuratorin und Interimschefin Katrin Bucher, die den Abend eröffnete:

Der manuskripte-Herausgeber als dunkelblauer Moderator:

Pekua, die mit ihren Klängen wieder einmal das Publikum begeisterten:

Gerhild Steinbuch, manuskripte-Preisträgerin 2019 und Rektorin der Sprachkunst Wien, zwar verhindert und daher nicht im Bild, aber gut zu hören: Ihr Text „How to Lasso the Truth – ein ziemliches taumelndes Manual“, eine literarische Reaktion auf die Kunsthaus-Ausstellung Amazons of Pop (s. Marginalie), wurde mit musikalischer Umrahmung von Bernhard Fleischmann virtuell performt.

Theodora Bauer, manuskripte-Förderpreisträgerin 2016 und bekannt als LiteraTOUR-Moderatorin von Servus TV, las ihre nachdenklich-schöne Prosa „Wesen, von wo der Abend kommt“:

Schauspielerin Ninja Reichert mit Chrystyna Nazarkewytschs ebenso erschütterndem wie berührendem Kriegsbericht (hier zum online Mitlesen):

Café-König-Chefin Waltraud Merkl, leider auch nicht im Bild, aber stets im Bilde: dank ihres Caterings klang der Abend, der mit einem Begrüßungsgetränk (s.u.) schon gut begonnen hatte, auch stimmungsvoll aus.

Im Namen der manuskripte danke ich allen Beteiligten, insbesondere den Damen und Herren vom Kunsthaus Graz, für die gute Zusammenarbeit!

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Die manuskripte 236 sind im Buchhandel und im manuskripte-Webshop erhältlich.

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Bernd Melichar in der Kleinen Zeitung v. 25.07.2022 über die manuskripte 236:

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Christoph Hartner in der Kronen Zeitung v. 26.07.2022:

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„Ein Flaneur an der Grenze der Jugend“ – Kronen Zeitung über „So long, Annemarie“

Posted in So long, Annemarie by andreasundschnurrendemia on 17. Juli 2022

Die Kronen Zeitung vom 17.07.2022 über meinen Roman „So long, Annemarie„:

Vielen herzlichen Dank, lieber Christoph Hartner!

Das rote Mikro v. 11.07.22

Posted in So long, Annemarie, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 12. Juli 2022

Am 11.07.2022 war ich bei Barbara Belic zu Gast und durfte nicht nur einundhalb Kapitel aus meinem Roman „So long, Annemarie“ in das berühmte „rote Mikro“ lesen, sondern auch das erste Interview zu meinem Buch geben.
Dabei bestätigte sich eindrucksvoll eine der Thesen des Buchs: „Sie wissen nicht, was sie schreiben“. Was der guten Unterhaltung hoffentlich nicht geschadet haben sollte.

Die Sendung ist hier zu hören!

Barbara Belics schönes Begleitschreiben auf der Homepage von Radio Helsinki:

„Seit seinem Debutroman Wie im Siebenten 2009 hat Andreas Unterweger im Literaturverlag Droschl vier weitere Bücher mit Prosa veröffentlicht. Das sechste Buch ist wieder ein Roman: So long, Annemarie ist dieser Tage erschienen.

Als der 20-jährige „kleine dicke Dani aus Graz“ im September 2001 in Nantes ankommt, um dort ein Studienjahr zu verbringen, sind die Terroranschläge auf die Twin Towers in New York Thema Nummer eins in allen Medien und in den Gesprächen der Menschen. Dani bekommt von den Anschlägen nicht viel mit, er ist viel zu sehr damit beschäftigt, mit seinem Liebeskummer fertig zu werden. Dass er es war, der Annemarie verlassen hat, und nicht umgekehrt, macht den Schmerz nicht geringer. Dani kennt er niemanden in Nantes, sein Untermietzimmer ist winzig, also lässt er sich den ganzen Herbst über Tag für Tag auf langen, ziellosen Spaziergängen durch die Stadt treiben und widmet sich seinem Kummer.

Andreas Unterweger lässt seinen Ich-Erzähler die Geschichte seiner Jugend im Rückblick schildern, verspielt und subjektiv, in direkter Rede, Tagebuchaufzeichnungen und mit vielerlei literarischen und musikalischen Bezügen – Dani hat damals schließlich Literatur studiert und leidenschaftlich gern Musik gehört. Vordergründig ist es eine humorvolle, ironisch grundierte Liebesgeschichte, doch daneben spiegelt sie finten- und anspielungsreich ein Stück Zeitgeschichte, das gravierende Folgen hatte.

Andreas Unterweger liest Ausschnitte aus „So long, Annemarie“ und spricht ausführlich über Entstehung und Hintergrund seines Romans.“

Musik: Noir Désir, CD „des Visages, des Figures“, Barcley 2001

Barbara Belics rotes Mikro und ihre orange Regenjacke (danke!).

Ich lese die Kapitel „Der erste Schlag“ und Auszüge aus „Haus sechs“.
Als Soundtrack Noir Désir – Gänsehaut.
Das Interview – es handelt von Erinnerungen, die sich bei jedem Mal „Aktualisieren“ verändern, die doppelte oder mehrfache Belichtetung der Vergangenheit, die Unmöglichkeit autobiografischen Erzählens, Gestaltwandler wie Ich-Erzähler oder Bertrand Cantat u.v.a.m. – hat mich positiv überrascht. Nicht zum ersten Mal hört sich recht vernünftig an, was ich Barbara Belic erzähle, obwohl ich in der Erinnerung nur gestammelt habe. Das ist eben Barbara Belics Radiomagie!

Barbara Belics Radiomagie: rotes Mikro, ihre penible Vorbereitung, der Kaffee, der Mohnkuchen. Nicht im Bild: die aufmerksame Nachbereitung.

Vielen Dank für die Einladung, liebe Barbara!

„Kopfüber in die Erinnerungen“ – Kleine Zeitung über „So long, Annemarie“

Posted in So long, Annemarie by andreasundschnurrendemia on 2. Juli 2022

Erste Rezension zu „So long, Annemarie“ von Werner Krause in der Kleinen Zeitung:

„Buch der Woche“ – wow, ich freue mich sehr. Vielen Dank, lieber Werner Krause!

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P.S. Hier das erwähnte Foto – ein Filmstill aus David Reumüllers Porträtfilm:

https://www.youtube.com/watch?v=Lr32_VpXccY&t=11s

Give Peace A Chance-Akrostichon für Literatur outdoors

Posted in Dylanologie, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 2. Juli 2022

Auf Einladung von Walter Pobaschnig (Literaturblog Literatur outdoors) durfte ich ein Akrostichon zum Songtitel/Slogan John Lennons verfassen.
Es ist eine Art Meditation über das Wort „Frieden“ geworden.

Zu lesen auf Literatur outdoors (als eines in der mittlerweile stattlichen Reihe solcher Gedichte, u.a. von Volja Hapeyeva und Lydia Mischkulnig) oder, leicht überarbeitet, hier:

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Gräber sind keine Auswege, auch wenn sie sich
In alle Richtungen auftun, und auf so einem Friedhof
Verirrt man sich schnell. Nicht nur hier in St. Peter –
Es reicht schon, Nachrichten zu hören oder aus Mein Freund

Pax vorzulesen. Hinterher solltest du dem Kind freilich
Erklären, was den Unterschied ausmacht zwischen Romana und
Americana (es gibt keinen, und wenn, dann ist er winzig,
Ca. 2000 Jahre nur, kaum ein Christentum also, sprich:
Ein einziger Kreuzzug, gut gemeint, aber grausam).

Auf so einen Friedhof verirrt man sich schnell, deshalb

Check Ort für Wort, wohin du trittst, ob nun in Lebring oder
Hier im Freizeitzentrum Flavia Solva, über dessen streets kein Dylan je sang
Are filled with rubble
, obwohl die Knochen nach der Landesausstellung
Nur notdürftig verscharrt worden sind. – Für dich, Freund, frei und froh, stehen die
Chancen freilich denkbar schlecht. O du süszer, holder, lieber, goldner
Ein Wort wie ein Friedhof, da verirrt man sich schnell.

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Vielen Dank für die Einladung, lieber Walter Pobaschnig!

manuskripte 236 – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 30. Juni 2022

Meine Marginalie zu Heft 236 der manuskripte, das am 29.06. im Kunsthaus Graz präsentiert wurde:

Marginalie

„Nein, die Musen schweigen nicht“ – auch wenn die Waffen wüten. Davon zeugt nicht nur Chrystyna Nazarkewytschs unter die Haut schneidender Bericht aus der Ukraine, von dem sich diese Ausgabe ihr Motto geborgt hat, sondern auch der Chor der anderen literarischen Beiträge des Heftes.
Ungebrochenes, nein, oft aus Brüchen schöpfendes Weiterschreiben, das den so nah gerückten und ferneren Barbareien unserer Gegenwart auf seine fragile Weise die Stirn bietet: „Paroligebote / in zerbrechlichem Zusammenspiel“.

Zusammenspiele unterschiedlichster Art prägen das gesamte Heft: von der neuen Kooperation mit der amerikanischen Literaturzeitschrift starORec über die beiden Reden zum Franz-Nabl-Preis (von Preisträgerin Kathrin Röggla und Laudatorin Teresa Präauer) bis hin zur grafischen Gestaltung der Ausgabe durch Ingeborg G. Pluhar.
Ihre Coverkunst, abgedruckt dank einer Kooperation mit Amazons of Pop. Künstlerinnen, Superheldinnen, Ikonen 1961–1973, der aktuellen Ausstellung des Kunsthauses Graz, ermöglicht es den manuskripten,ein Versäumnis nachzuholen. Schließlich hätte Pluhars avantgardistische Persiflage auf Inszenierung und Instrumentalisierung des weiblichen Körpers, die spätere weltweite Aufreger wie Lady Gagas meat dress um Jahrzehnte vorwegnimmt, durchaus schon 1972 in die manuskripte gepasst.
Zugleich wurde Gerhild Steinbuch, manuskripte-Preisträgerin 2019, dazu eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und in einen literarischen Dialog mit den im Kunsthaus präsentierten Vorkämpferinnen zu treten.

Dem 70. Geburtstag des ehemaligen Droschl-Lektors und langjährigen manuskripte-Redakteurs Rainer Götz verdankt das Heft sein Happy End.
Neben Hommagen von Barbara Frischmuth, Tomer Gardi, Iris Hanika und Sissi Tax versucht ein Essay von Harald Miesbacher eine erste historische Einordnung: Schließlich galt Rainer „the phenomenon“ Götz in den letzten Jahrzehnten nicht nur als beliebtester Mensch im deutschsprachigen Literaturbetrieb, sondern prägte die steirische, ja, österreichische Literaturlandschaft auch wie kaum ein anderer.
Neben zahlreichen wesentlicheren Entdeckungen und Anregungen ist sein Einfluss übrigens vermutlich nirgendwo spürbarer als hier. Schließlich war er es, der schon 2009 jene Möglichkeit eines generationenübergreifenden Weitermachens der manuskripte skizzierte, die Alfred Kolleritsch einige Jahre später aufgriff und die mich nun diese Zeilen schreiben lässt.

Andreas Unterweger

Ingeborg G. Pluhar, Kostüm für Humanic Modenschau in Galerie H, 1972, Courtesy Horst Gerhard Haberl, Foto: Pressefoto Horowitz, Wien
Mit Chrystyna Nazarkewytsch am 24.6., einen Tag vor ihrer Rückreise in die Ukraine, im manuskripte-Büro.
Rainer-Götz-Geburtstags-Stadtspaziergang im Mai 2022, nach der ersten Station (ich hatte ihn eben mit dem Bob-Dylan-Fortschreibung „Rainer“ – statt „Sara“ – als unbekannter Straßenmusiker überrascht).
V.r.n.l. Sissi Tax, Rainer Götz, unbekannter Straßenmusiker, Julian Kolleritsch, Silvana Cimenti.

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Die manuskripte 236 sind im manuskripte-Webshop erhältlich.

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Bernd Melichar in der Kleinen Zeitung v. 25.07.2022 über die manuskripte 236:

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Christoph Hartner in der Kronen Zeitung v. 26.07.2022:

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Ein Bericht über die Präsentation der manuskripte 236 am 29.06. im Kunsthaus Graz mit Theodora Bauer, Gerhild Steinbuch, Schauspielerin Ninja Reichert (las den Text von Chrystana Nazarkewytisch) und Musik von Pekua folgt anlässlich von Barbara Belics Radiosendung „Das rote Mikro“ am 1.8. auf Radio Helsinki.

Happy release day, „So long, Annemarie“!

Posted in So long, Annemarie by andreasundschnurrendemia on 24. Juni 2022

Seit heute, 24.06.2022, und damit zum frühestmöglichen „Herbst“-Termin, ist mein neuer Roman im Handel. Er trägt den Titel „So long, Annemarie“ und ist bei Droschl erschienen. Von den 65.488 Wörtern, aus denen das Buch besteht, hat mein Verlag folgende fünf für ein Postkarten-Zitat ausgewählt:

Wer dem Spirit dieser P.R.-Kampagne in aller Konsequenz folgen möchte, der/die möge nun, nach Kenntnisnahme von Titel und Erscheinungsdatum, seine/ihre Lektüre bitte selbstständig beenden und das Buch einfach kaufen gehen.

Wessen Augen aber wissensdurstig weiterwandern, wer sowohl das zeitlos schöne Cover von Corinna Gerl als auch den charmanten Klappentext mit seinem (für mich) unerwarteten Fokus, das neue Autorenfoto von Helmut Lunghammer (in Graz und gleichzeitig doch im bretonischen Wind!) sowie kurze und lange Leseproben samt prägnater Entstehungs-Bild-Geschichte schon vor dem Kauf voll und ganz auskosten möchte, der/die

KLICKE BITTE HIER!

Der Verlag meines Herzens auf Facebook!
Mit Verlegerin Annette Knoch
Der Lektorenkater meines Herzens!

Neverend. Literarische Dialoge in Ljubljana

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 15. Juni 2022

Am 9.6. wurde „Neverend. Literarische Dialoge zwischen Nord und Süd“, das im Rahmen der Reihe „Internationale Literaturdialoge“ des Österreichischen Außenministeriums ausgezeichnete und geförderte Projekt von Monique Schwitter und mir, in den schönen Räumlichkeiten des Društvo slovenskih pisateljev/Slowenischen Schriftstellerverbandes in Ljubljana präsentiert.

Organisiert wurde der rundum gelungene Abend dankenswerterweise vom Österreichischen Kulturforum in Ljubljana – Direktor Andreas Pawlitschek (wir kennen uns aus Washington, D.C.) begrüßte:

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana
(Vorne rechts: Der Schweizer Botschafter in Ljubljana, Denis Knobel. Herr Knobel wollte eigentlich bald wieder gehen, es gefiel ihm aber so gut, dass er bis zum Schluss blieb – wie wir anderen auch!)

Monique Schwitter und ich stellten unser Dialog-Projekt vor, verorteten es zwischen Liebe und Krieg.

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana
V.l.n.r.: Moderatorin Breda Biščak, die auf Englisch und Slowenisch moderierte, Monique, Andreas

Monique sprach über die Liebe – sie habe sich in die Gedichte Nikola Madzirovs verliebt …

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

… ich hingegen sprach über den Krieg, den „Long Yugoslav War“. Die jugoslawischen Kriege also, die mitnichten beendet sind, sondern in der Diaspora, unter dem Deckmantel anderer Nationalitäten, weiterschwelen (so erlebt etwa in der Auseinandersetzung zwischen Marko Arnautovic und seinem nord-mazedonischen Gegenspieler bei der letzten Fußball-EM – dort gerieten ein Österreicher bzw. Nord-Mazedoniener aneinander, um einen Konflikt zwischen einem Serben und einem Albaner auszutragen).

Anschließend die Lesungen: Monique Schwitter (Schweiz) und Nikola Madzirov (Nord-Mazedonien) lasen ihren Dialog, abgedruckt in manuskripte 233:

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

Maša Kolanović (Kroatien) las ihre Beiträge vor Ort, Matthias Nawrat (Deutschland) seine per Videoaufzeichnung:

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

Von Aleš Šteger (Slowenien) und mir (Österreich) stammt der dritte Dialog. Während ich die entsprechende manuskripte-Ausgabe 233 mit dem tollen Cover von studio ASYNCHROME …

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

… und Aleš jüngst bei Wallstein auf Deutsch erschienenen Roman „Neverend„, von dem die Literaturdialoge sich ihren Titel geborgt hatten, in die Kamera hielt …

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

… vollendete Aleš in einer klugen Rede den anfangs begonnen Gedankengang zu Liebe und Krieg: Es gebe eben auch, sagte er, u.a. auf unseren Dialog, der um die Themen Sprache und Grenze kreist, Bezug nehmend, eine Liebe vor der Liebe, einen Krieg vor dem Krieg.

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

Unsere Unterhaltungen führten wir auf Englisch, wir lasen im Original, die zahlreichen Gäste waren vom Österreichischen Kulturforum großartigerweise mit schön gestalteten Übersetzungen ins Slowenische versehen worden. Diese werden in der slowenischen Zeitschrift Vrabec Anarhist veröffentlich werden.

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

Hinterher: Poetisches Mit- und Durcheinander – unter Zuhilfenahme von sensationellen Brötchen aus dem hauseigenen Restaurant und slowenischem Wein:

© Miha Fras für ÖKF Ljubljana

Mein Dank für diese schöne Veranstaltung gilt dem Österreichischen Kulturforum in Ljubljana, besonders Andreas Pawlitschek und seiner großartigen Mitarbeiterin Marjeta Malus, sowie den unterstützenden Institutionen (Schweizerische Botschaft, Goethe-Institut, Slowenischer Schriftstellerverband …), die vom Österreichischen Kulturforum zur Zusammenarbeit gewonnen wurden.

Hvala! Zelo lepo je bilo v Ljubljani!

Selbstporträt als Bücherschrank

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„Neverend“, noch einmal kompakt zusammengefasst:

NEVEREND | Literatur-Dialoge
Monique Schwitter (Schweiz) – Nikola Madzirov (Nordmazedonien)
Andreas Unterweger (Österreich) – Aleš Šteger (Slowenien)
Matthias Nawrat (Deutschland) – Maša Kolanović (Kroatien)

9.6.2022, 18:00 | LJUBLJANA | VRT LILI NOVY | TOMŠIČEVA UL. 12
(beim Regen im Saal des Slowenischen Schriftstellerverbandes)
Moderatorin: Breda Biščak
Sprache: Englisch und ins Slowenische gedolmetscht


Exakt dreißig Jahre nach ihrem Beginn und zwanzig nach ihrem Ende sind die Jugoslawien-Kriege
noch immer eine offene Wunde, die sich über die jugoslawische Diaspora hinaus in allen Bereichen
der europäischen Identität bemerkbar macht. Vom offiziellen Diskurs meist ignoriert, bildet dieser
Schmerz den Ausgangspunkt für die „Neverend“-Dialoge, die nach dem Roman des slowenischen Schriftstellers Aleš Šteger benannt sind. Wie der Roman kreisen die Dialoge um die Frage, welche Auswirkungen dieses ins kollektive Unterbewusstsein verbannte Trauma der jugoslawischen Kriege auf unsere Gegenwart und Zukunft haben. Wie ist der gegenwärtige Zustand der aus dem ehemaligem Jugoslawien hervorgegangenen Staaten, mit ihren regionalen Nationalismen und autoritären Tendenzen? Wie ist in diesem Zusammenhang die EU verfasst? Was erzählen die Flüchtlings-„Lager“? Wie rasch kann der analytische Blick auf den Süden in eine kolonialistische oder imperialistische Überheblichkeit kippen?
Welche Lehren kann Europa ziehen, um dem Gräuel zu entgehen, dem der Balkan erst kürzlich
entflohen ist und der sich leider erneut in der Ukraine wiederholt? Und welche direkten und vor
allem indirekten Spuren hinterließen der Krieg und seine Folgen in den Biografien der
Gesprächsteilnehmer*innen, in ihrem Selbstverständnis und in ihren literarischen Arbeit?


Zu den Autor*innen:
NIKOLA MADZIROV (Nordmazedonien), in Strumica geboren, lebt in Skopje. Er ist Dichter,
Herausgeber und Übersetzer. Er war Gast bei Literaturfestivals auf der ganzen Welt und wurde in
mehr als 40 Sprachen übersetzt. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Gebrüder-
Miladinov-Preis und den Hubert-Burda-Preis.
MATTHIAS NAWRAT (Deutschland), in Opole in Polen geboren, lebt seit 2012 in Berlin. Bisher
veröffentlichte er fünf Romane, die große Aufmerksamkeit erregten sowie übersetzt und
ausgezeichnet wurden. Der jüngste war die „Reise nach Maine“ aus dem Jahr 2021 und im Herbst
2022 erscheint sein Gedichtband bei Parasitenpresse. Nawrat ist Mitglied des Deutschen PEN-
Zentrums.
MONIQUE SCHWITTER (Schweiz), in Zürich geboren, lebt seit 2005 in Hamburg. Sie ist
Schriftstellerin, Theaterregisseurin und Schauspielerin. Seit 2010 widmet sie sich ausschließlich ihrer
schriftstellerischen Tätigkeit. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Robert-Walser-
Preis, dem Schweizer Buchpreis und dem manuskripte-Preis des Landes Steiermark. Sie ist Mitglied
des Deutschen PEN-Zentrums und Präsidentin der Freien Akademie der Künste in Hamburg.
ALEŠ ŠTEGER (Slowenien), geb. 1973, lebt in Ljubljana. Er arbeitet regelmäßig mit Komponisten,
Musikern, bildenden Künstlern und Filmemachern zusammen. Seine Bücher wurden in mehr als 20
Sprachen übersetzt. Neben zahlreichen Preisen wurde sein Buch „The Book of Things“ mit zwei
American Mayor Translation Awards (BTBA und AATSEL) ausgezeichnet. 2016 erhielt er den Horst-
Bienek-Preis für Lyrik und 2021 den Alfred-Kolleritsch-Preis der Stadt Graz. Er wurde vom
französischen Staat mit dem Titel Chevalier des Artes et Lettres ausgezeichnet. Er ist Mitglied der
Berliner Akademie der Künste und Mitglied der Deutschen Akademie der Sprache und Dichtung.
ANDREAS UNTERWEGER (Österreich), geb. 1978 in Graz, lebt in Leibnitz. Er ist Schriftsteller,
Übersetzer und Herausgeber der manuskripte. Im Jahr 2022 erscheint bei Droschl sein Roman So
long, Annemarie. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Literatur-Preis der
Akademie Graz 2009 und dem manuskripte -Preis des Landes Steiermark 2016.


„NEVEREND“ ist ein Projekt von Monique Schwitter und Andreas Unterweger, das im Rahmen der
Ausschreibung „Internationale Literaturdialoge“ des Österreichischen Bundesministerium für
Europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) und in Kooperation mit manuskripte und
der Freie Akademie der Künste Hamburg seine Umsetzung gewann. Das Projekt nominierte drei
Tandems, bestehend aus je einer/einem deutschsprachigen und einer/einem südosteuropäischen
Schreibenden.)

Offizielle Darstellung auf Literaturdialoge.at:

Leipziger Poesieautomaten

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 7. Juni 2022

Bei der Vernissage von Matthias Göritz‘ Leipziger Poesieautomaten am 1.6. im Literaturhaus Leipzig lasen Gerhild Steinbuch und ich sämtliche Gedichte aus dem Poesieautomaten „Liebe aus Österreich“, den ich gemeinsam mit Matthias kuratiert habe.

Erste Reihe, v.r.n.l.: Frieder von Ammon (Vorstandsvorsitzender des Vereins Literaturhaus Leipzig e.V.), Thorsten Ahrend (Leiter Literaturhaus Leipzig, Wallstein Verlag), Franc But (Botschafter Sloweniens in Deutschland) mit Begleitung, Burkhard Jung (Oberbürgermeister von Leipzig), Gerhild Steinbuch (Autorin und Leiterin der Sprachkunst Wien), Andreas Unterweger (ich)

Der Automat „Liebe aus Österreich“ …

… hat seinen Baum im wunderschönen Garten des Literaturhauses Leipzig mittlerweile verlassen und wird bis zur Leipziger Buchmesse 2023 Standort Schaubühne Lindenfels positioniert sein, wo Gastland Österreich sein Hauptquartier hat.
Bei der Präsentation lasen Gerhild Steinbuch und ich abwechselnd alle 14 Liebesgedichte und -Prosagedichte (von Christoph W. Bauer, Franz-Joseph Czernin, Erwin Einzinger, Barbara Frischmuth, Valerie Fritsch, Sabine Gruber, Elfriede Jelinek, Sarah Kuratle, Elke Laznia, Fiston Mwanza Mujila, Maja Haderlap, Ferdinand Schmatz, Verena Stauffer, Gerhild Steinbuch) aus dem Automaten.

Es handelt sich um die Ausbaustufe des vom Grazer Desginer Michael Neubacher designten Poesieautomaten „Gefühlsechte Gedichte“, der letztes Jahr in Graz zu sehen war (ein Projekt von Kunst im öffentlichen Raum Steiermark/Dr. Elisabeth Fiedler und Matthias Göritz).
Zum Abschluss der Präsentation las ich die Gedichte „Nebel ist die Musik“ von Alfred Kolleritsch und „Nahuatl“ von mir, die sich mit 12 anderen Texten darin befunden hatten.

„Liebe aus Österreich“ wurde wesentlich von der Literaturzeitschrift manuskripte finanziert – aus Mitteln des Archivverkaufs an das Land Steiermark.

Die anderen beiden Poesieautomaten, die Matthias Göritz für Leipzig konzipiert hat:

„Mein Nachbar aus der Wolke“ mit Gedichten von slowenischen Lyriker*innen, wie man sie auch aus der gleichnamigen Rubrik in den manuskripten kennt.
„Frische Gedichte“: junge Lyrik aus Leipzig

Weitere Highlights:

Der slowenische Automat wird staatstragend eröffnet: in der fröhlichen Gruppe sind u.a. der Dichter Tone Skrjanec (2. v.l.), die Dichterin Ana Pepelnik (2. v.r.) und Amalija Maček, Co-Kuratorin und Übersetzerin (ganz rechts), auszumachen.
Matthias Göritz, der Erfinder und Mastermind des Poesieautomatenprojekts, eröffnet die Eröffnung und moderiert.
Burkhard Jung, der Oberbürgermeister von Leipzig, liest Gedichte aus den Automaten und hält eine erfrischende Ansprache.
Vermutlich brauchen wir mehr ehemalige Deutsch-Lehrer*innen in der Politik.
Lara Rüter, eine von mehreren anwesenden manuskripte-Autor*innen (u.a. Sibylla Vričić Hausmann), liest aus dem Poesieautomaten „Frische Gedichte“ mit junger Literatur aus Leipzig.
Vorbildliche Buchstadt Leipzig: Neben dem Büchertisch gibt es einen eigenen manuskripte-Tisch.
(c) Literaturhaus Leipzig/Haus des Buches

Mein Dank gilt allen Beteiligten, insbesondere Matthias Göritz und Thorsten Ahrend, meiner exzellent lesenden lieben Kollegin Gerhild Steinbuch und allen österreichischen Autorinnen und Autoren, die ein Gedicht für den Automaten geschrieben haben!

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Leipzig – Poesieautomaten, wohin man schaut: