Andreas Unterweger

lost brains 4 (die Cowboy-Version)

Posted in lost brains, Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 18. November 2010

Nachtrag zu dem Termin: „12.11.2010, 20:30, „lost brains“, Musiktheater von Wim van Zutphen (Musik), Johann Steinecker (Visuals) und Andreas Unterweger (Libretto), im OHO, Offenes Haus Oberwart.“

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Es wird ja viel zu wenig darüber gesprochen, was für ein wahnsinnig lässiges Cowboyleben man als Schriftsteller eigentlich führt.
Deshalb hier ein paar Eindrücke von meinem letzten Ausritt:

Sonnenuntergang über dem Highway …

Einreiten in Oberwart City …

Schlafen in einem der billigsten „ZIMMERN“ (steht an der Tür zum Gästezimmertrakt) der Stadt – über der GRILL BAR – unter einem grellen Mond (und einem noch fremderen Gestirn) …

Erwachen bei Sonnenaufgang …

Hinausreiten aus Oberwart City …

Und wenn  der (freundliche) Tankwart in Pinkafield einem dann „Noch eine gute Fahrt“ wünscht,
ist die einzig richtige Antwort tatsächlich: „Ebenfalls!“

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Worüber außerdem viel zu wenig gesprochen wurde (und wird):
Was für ein wahnsinnig lässiges Musiktheater „lost brains“ eigentlich war (und ist)!
Deshalb hier ein Bild von der letzten Aufführung (für zumindest dieses Jahr) im OHO Oberwart:

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Und was man auch noch nicht zur Genüge weiß:
Dass Franz Joseph Störtebeker Janus Haydn, einer der Protagonisten von „lost brains“, nicht der einzige ist, der, posthum oder nicht, mit falschem bzw. doppeltem Kopf herumläuft.
Man halte sich etwa nur Onkel Bernhard vor Augen
(mit beiden Köpfen, falschem und richtigem [von links nach rechts]) …

… oder gar diesen kinnbärtigen Cow-, äh, Pigboy:

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lost brains 3

Posted in lost brains by andreasundschnurrendemia on 7. November 2010

Das Austrian Art Ensemble* reitet wieder – und hat das Musiktheater „lost brains“ (Musik: Wim van Zutphen; Libretto: Andreas Unterweger; Visuals: Johann Steinecker) im Gepäck!

Nach der umjubelten** (Graz-)Premiere unseres durchgeknallten Musik-, Film- und Sprachgewitters (wie ich, um mich nicht zu wiederholen, zu sagen gezwungen bin), gibt es, beginnend mit heute Abend, noch weitere vier Gelegenheiten, „lost brains“ live zu erleben.

Heute, 07.11.2010, 20:00, im MuWa, Museum der Wahrnehmung, 8010 Graz.

Morgen, 08.11.2010, 19:30, im Konzerthaus Klagenfurt.

Übermorgen, 09.11.2010, 19:00, in der Alten Schmiede, 1010 Wien.***

Und am 12.11.2010, 20:30, im OHO, Offenes Haus Oberwart.
Um 19:30 findet ein Einführungsgespräch zum Thema „Ethik in der Forschung – Biologismus in der Bewusstseinforschung, oder Gott ist tot – alles ist Biochemie“ statt. Es diskutieren Dr. Erwin Fiala (Kultur- und Medienphilosopie, Karl-Franzens-Universität, Graz), Dr. Martin Balluch (Tierethiker und Tierrechtsaktivist), Dr. Manfred Biskup (Antrophologe und Co-Leiter von Dance Identity Pinkafeld), Wim van Zutphen und ich.

Wer lesen will, was Wim van Zutphen der Kleinen Zeitung über „lost brains“ und seine Erfahrungen in der Magnetresonanzröhre erzählt hat, klicke hier.

Wer mein Libretto lesen will, klicke hier.

Und wer noch ein drittes Mal klicken will, kann das hier tun.

Viel Vergnügen!

* Anna Maria Pammer: Sopran; Wim van Zutphen: Laptop; Izumi Hasebe: Violine; Georg Ludvik: Violoncello; Hubert Salmhofer: Klarinette

** Davon gehe ich aus – ich konnte ja leider nicht dabei sein.

*** Zeitgleich mit der Aufführung von „lost brains“ findet übrigens auch folgendes, womöglich nicht minder interessante Event statt:
09.11.2010, 19:00, Andreas Unterweger feat. Norb Payr, Lesung mit Musik in der Bücherei Pannaschgasse, Pannaschg. 6, 1050 Wien.
Wem es gelingt, beiden Terminen vollständig beizuwohnen, dem schenke ich mein mentales Organ für Musik!

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Posted in lost brains by andreasundschnurrendemia on 28. September 2009

Nachtrag zu lost brains

„lost brains“, jenes abgespacte Klang-, Bild- und Textspektakel, zu dem ich das Libretto verfassen durfte, wurde unlängst in Linz und Weiz uraufgeführt – sowohl Premiere als auch Vorpremiere waren ein voller Erfolg!

Ich war von der Umsetzung meines Textes, sprich: von der Musik Wim van Zutphens, den Visuals Johann Steineckers und den Darbietungen der Musiker, allen voran Anna Maria Pammers gesanglicher Performance, hellauf begeistert!

musiktheather_heran

Für alle, die nicht dabei waren, bieten sich folgende Gelegenheiten, meine Begeisterung zu teilen:

29.09.2009, 23:05, „lost brains“ (Premieren-Mitschnitt) in „Zeitton“, Ö1*

Post-Premieren-Interviews mit Wim van Zutphen, Andreas Unterweger und Anna Maria Pammer auf Radio Frech – hier zu hören.

Eine kurze Nachbetrachtung in der Kleinen Zeitung (Fokus Weiz) vom 18.09.09.

Und – was für uns Schriftsteller immer am wichtigsten ist! – es gibt auch ein Buch!

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Wim van Zutphen und Johann Steinecker haben mich am Abend der Vorpremiere mit diesem liebevoll aufbereiteten Büchlein überrascht, in dem man neben einem Querschnitt durch die Visuals und einer Vorrede von Wim van Zutphen natürlich auch mein Libretto findet. Den jeweiligen Szenen sind dabei – sehr intelligent gewählte – Ausschnitte aus meinen E-Mails an Wim gegenübergestellt. Das Buch gibt einen wunderbaren Einblick in die Entstehung des Textes und des gesamten Werkes und war auch für mich informativ!
Bestellen (um 5 Euro, wenn ich mich recht erinnere) kann man es via E-Mail an: aae@gmx.at.

* Leider ist die vom Brucknerhaus Linz im seinem Programm verbreitete Fehlinformation, dass Stück sei „nach einem Text von Gert Jonke“ entstanden, nicht und nicht aus der Welt zu schaffen. Auf ein entsprechendes E-Mail des Komponisten antwortete die Presse-Abteilung des Brucknerhauses, dass sie leider zu spät informiert worden sei und jetzt nichts mehr ändern könne (auf der Homepage zum Beispiel – man kann Homepages einfach nicht verändern …). Nun findet sich, wohl vom Pressetext des Brucknerhauses abgeschrieben, die gleiche Falschmeldung auch im Ankündigungstext von Ö1 – meine E-Mail mit der Bitte, diesen entsprechend zu ändern, blieb bislang unbeantwortet.
Irgendwann wird es so sein, dass ich selbst glaube, wir hätten das Stück „nach einem Text von Gert Jonke“ verfasst. Und wehe denen, die dann etwas anderes behaupten!

lost brains

Posted in lost brains by andreasundschnurrendemia on 16. September 2009

lost brains
Musiktheater von Wim van Zutphen (Musik), Andreas Unterweger (Libretto) und Johann Steinecker (Visuals)

17.09.2009, 20:00, Vorpremiere im Kunsthaus Weiz

18.09.2009, 19:30, Uraufführung im ORF-Landesstudio OÖ, Linz (= Brucknerfest 2009)

Anna Maria Pammer: Sopran
Wim van Zutphen: Klavier
Izumi Hasebe: Violine
Georg Ludvik: Violoncello
Hubert Salmhofer: Klarinette

„lost brains“ basiert einerseits auf Haydns Oratorium „Die Schöpfung“, andererseits auf den Ereignissen rund um Haydns Schädel nach dessen Tod –  Haydns Leiche wurde von Schädelforschern der Kopf abgesägt, um das „mentale Organ“ für musikalische Genialität aufzuspüren. Der tote Haydn ist eines der prominentesten Opfer der Gehirnforschung, die (mit ihren Auswüchsen ins Wahnhafte) das Thema des Stücks ist.

Hier schreibt die Kleine Zeitung über „lost brains“.

Und unten stehend eine kleine Leseprobe:

I

Am Anfang ist die Zelle. Die Zelle außerhalb von mir, die Zelle in mir. Sieben Milliarden
Einzelzellen, jeder in seiner. Vier Milliarden Jahre Einzeller, eins Komma zwei Millionen
Arten Vielzeller, einhundert Milliarden Zellen zählt es: mein Gehirn.

Zwischen den Zellen funkt es: Funksignale. Funkenflug Flächenbrand Signalfeuer. Und
Rauchsignale. Das Feuern der Synapsen, das Aneinanderschlagen zweier Feuersteine. Das
Knack! Knack! Knack!, dies Knattern: des Telegraphen, der Aktionspotenziale.

Evolution im Telegrammstil: „Phone. Stop. Phoneme. Stop. Telefone.” Die ersten
Grabbeigaben waren Sprechwerkzeuge: Larynx, Mandibula … Das erste Knacksen,
Schnattern in den Höhlen. Dann: in den Telefonzellen. Dann: Zelltelefone.

Man darf nicht sagen: Ich spreche. Man müsste sagen: Es spricht mich. Mein Text bewegt
sich mit Über-Ich-Geschwindigkeit durch mich hindurch. Donnert mit mehr als 1000 km/h
über die Nervenbahnen. Mit fünfzehn Lauten/Sekunde: Knaknaknaknakna-!

Die Stille gibt es nicht. Ich höre Stimmen. Ich habe dieses Knack! Knack! Knack! im Ohr, das
Krachen in der Leitung, in den Leitungen. Das Pochen, Rauschen in den Rohren – schschscht
… Die Zellen sind verkabelt. Dies Knack!sen in der Leitung spricht für sich.

Ich habe Drogen bei mir. Ich bin vollgepumpt. Ich bin ein wandelnder Standort der
Pharmaindustrie: 1500 Gramm pure Chemie unter der Schädeldecke. 1500 Gramm: pure
Magie. Aktionen, Ionen, Reaktionen … Ich hänge an den Drähten: up – and down.

Ich habe da so ein System – im Kopf, so eine Art Kanalsystem. Ich gehe auf und ab, ich gehe:
im Grunde immer am Kanal entlang. Immer am Ariadnefaden Kanal entlang, immer
im Labyrinth: kommunizierender Gefäße. Immer dies – schschscht … Immer dies:

Knack! Knack! Knack!