Andreas Unterweger

Micropoetica (zu Peter Handke, Olga Tokarczuk u. a.)

Posted in Das gelbe Buch, manuskripte, Mikroessays, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 11. Oktober 2019

Mehr als nur ein Zufall, nämlich zwei Zufälle: In einem Vortrag über das (und mein) Schreiben von kurzen Prosaformen, den ich vor 8 Jahren im Literaturhaus Lettrétage in Berlin-Kreuzberg gehalten habe (erstveröffentlicht in manuskripte 194) tauchen gleich beide Nobelgepriesene von gestern auf.

Wenn ich meinen Aufzeichnungen trauen kann, habe ich von Olga Tokarczuk gelernt, wie ein Roman auch aussehen kann (wichtig etwa für Das gelbe Buch). Und Peter Handke hat mich davor bewahrt, Germanist zu werden.

HIER ZUR GÄNZE NACHZULESEN!

Für Klick- und Downloadfaule habe ich die Stellen mit Handke und Tokarczuk hier herausfotografiert:

Ein Bild von dir – live

Posted in Mikroessays, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 29. Juni 2015

Recht verspäteter Nachtrag zum Termin:
22. und 23.10.2011: Andreas Unterweger bei der Autorentagung “Literarische Brennpunkte. Mikrotexte aus Lateinamerika und Europa“. Weitere Teilnehmer: Katharina Bendixen, Ruth Johanna Benrath, Flavia Company, Patricia Esteban Erlés, Judith Keller, Ildiko Nassr, Juan Romagnoli. Literaturhaus Lettrétage, Methfesselstraße 23-25, 10965 Berlin.

Hier ein paar Eindrücke in Form eines schönen kleinen Videos von Freyja Hirscher, u.a. sieht man eine jüngere Version von mir den Anfang der Kurz-Erzählung/des Prosagedichts „Ein Bild von dir“ lesen, ab 10:40.

Lettrétage 10/2011 from Freyja Hischer on Vimeo.

Meine Lieblingsstelle ist die, wo die Stimme weiterspricht, aber niemand mehr liest, und alle zu der Projektion an der Wand hinaufschauen. Das Bild dort zeigt freilich eine andere Judith als die, der der Text gewidmet ist (Judith Keller nämlich, damals aus Südamerika zugeschaltet).

„Ein Bild von dir“ ist später, dank Katharina Bendixen, in „poet“ erschienen – hier in Gänze nachzulesen.

Und es gab auch einen feinen taz-Bericht von Jan Scheper über das Literaturhaus Lettrétage und diese Lesung: hier.

Mehr zu meinen schönen Berliner Erlebnissen von 2011: klier hicken.

The American Notebook

Posted in Adamsologie, Cobainologie, Dylanologie, manuskripte, Mikroessays, Notizen, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 12. April 2015

Mein Beitrag zu Heft 207 der manuskripte:
„The American Notebook. Eine Art Hymne
Bordbuch meiner zweiten Reise nach Amerika, Washington, D.C., November 2014“

Der Text zum Lesen (PDF)

Der Text zum Hören: meine Lesung in „Das rote Mikro“ von Barbara Belic, mit Interview, Radio Helsinki, 13.04.15:

Fotos zum Text, in der Reihenfolge ihres Gemachtwerdens*:

IMG_2114 IMG_2126 IMG_2133 IMG_2135 IMG_2143 IMG_2148 IMG_2170 IMG_2176 IMG_2178 IMG_2187 IMG_2191 IMG_2195 IMG_2201 IMG_2206 IMG_2209 IMG_2214 IMG_2230 IMG_2233 IMG_2234 IMG_2236 IMG_2251 IMG_2259 IMG_2260IMG_2262 IMG_2270 IMG_2272 IMG_2274 IMG_2284 IMG_2276 IMG_2278 IMG_2301 IMG_2302 IMG_2305 IMG_2280 IMG_2307 IMG_2308 IMG_2309 IMG_2313

IMG_2314

IMG_2316

IMG_2317

IMG_2320

IMG_2323

 IMG_2325 IMG_2327 IMG_2331 IMG_2332 IMG_2344 IMG_2345 IMG_2346

Und zum Ausklang empfehle ich diese Playlist:

Ryan Adams, Kim
Nirvana, Radio Friendly Unit Shifter
Bob Dylan, Sara
Ryan Adams, Oh My Sweet Carolina

* In der Ankündgung hieß es: “in der Reihenfolge ihres Erscheinens im Text”, das war natürlich ein Blödsinn. Die Fotos erscheinen ja nicht im Text, die Bilder des Textes sind andere, und der Text, den die Fotos bilden, erst recht.

P.S. Alle weiteren Beiträge zu meiner zweiten Amerika-Reise, mit Danksagungen (an die manuskripte, das Austrian Cultural Forum in Washington, D.C. etc.), Fotos von der Lesung, vom Kaffeetrinken, vom Weintrinken, vom Inneren des Weißen Hauses etc.

Was uns erwartet

Posted in Mikroessays, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 16. April 2012

Mein Beitrag zum Buch „Das große Abenteuer der Kunst – Assoziationen nach der Moderne“. Hg. v. Astrid Kury und Emil Breisach, das anlässlich Emil Breisachs 89.Geburtstags und zum 25-Jahr-Jubiläum der Akademie Graz in der Grazer edition keiper erschienen ist.
Beiden Geburtstagskindern wünsche ich nachträglich alles Gute!

4 Mikroessays

nach Impulsen von Emil Breisach und Astrid Kury

Was erwartet uns / Sag es mir / da du mit deiner Musik / mit deinen Versen /
mit deinen Bauten / und Bildern / das eherne Tor / einen Spalt breit / zu öffnen suchst

Emil Breisach

Was uns erwartet, weiß ich nicht, zum Glück, und will es auch gar nicht wissen. Denn:
„Sobald man weiß, was als Nächstes kommt, wird es fad“ (das habe ich neulich über mein
Schreiben geschrieben), und dass „fad“ schlimm ist, richtig schlimm (schlimmer als Krieg –
schreibt das nicht Peter Strasser?), das weiß ich. Ich weiß ja, was passiert, wenn mir beim
Schreiben fad wird: ich höre sofort damit auf. Und wer hat noch einmal (in seinem ersten
Buch, da ist ein solcher Satz erlaubt) geschrieben: „Ich lebte, weil ich schrieb“? Ach ja, ich.

„Ich bin Abenteurer und nicht Dichter“, hat H. C. Artmann gedichtet (obwohl er es
gesagt hat, nicht geschrieben) – ein Satz, der, in meinen Ohren, so wenig (oder viel?) Sinn
ergibt wie der: „Ich wollte immer Dichter sein, nicht Schriftsteller“ oder der: „Sie werden
überrascht sein, wie viel mit einer Tautologie gesagt werden kann“ (C. West Churchman). –
Sagen wir so: Nicht jedes Abenteuer, das dich ruft, ist ein Gedicht – aber jedes Gedicht ist ein
Abenteuer (sein Ruf ein Satz: der wahrste, den du weißt – der erste, den du niederschreibst.)

Nur das Neue macht glücklich, sagt unser neues Orakel, die Neurologie. Indem dein
Gehirn dich nur für neu gemachte Erfahrungen mit Dopaminen belohnt, stachle Es den
Faulpelz, der Es durch die Gegend trägt, zum Lernen an. – Andererseits: Ich erinnere mich an
ein Seminar, Poetiken von Aristoteles bis heute (?), bei dem es jede Stunde wieder um das
gleiche Alte ging (Mimesis). – Andererseits: Deine Erinnerungen, sagt das Orakel, werden im
Hirn stets aufs Neue gebaut: das Alte, das du zu kennen glaubst, erfindet sich unentwegt neu.

Nichts fürchten wir mehr als das Unbekannte – man denke nur an Xenophobie, die
Angst vor dem Fremden: der Horror verschwindet dann aus den Filmen, wenn man den Alien
erstmals sieht. So gesehen sind wir alle, wenn schon nicht Künstler, so doch Abenteurer –
wann immer du den Schritt ins Unbekannte wagst. Ob nun ins Labyrinth, hinter den nächsten
Beistrich, die Kellertür: Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs [Platz für deinen Namen],
seiner ein Mann starken Besatzung, die „das eherne Tor / einen Spalt breit / zu öffnen sucht“.

Mehr Leseproben aus dem Buch (Texte u. a. von Dimitré Dinev, Clemens Setz, Valerie Fritsch …)