Andreas Unterweger

Sommer der Liebe

Posted in Das gelbe Buch, Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land, Trauer by andreasundschnurrendemia on 1. Juni 2015

Das Getränk zum Buch:

„Sommer der Liebe“*

1/8 l Bio-Weißwein, 5/8 l kaltes Leitungswasser, 3-7 Blätter Zitronenmelisse.

Die gut gekühlte Flasche in eine Badetasche packen und am ersten richtigen Sommertag des Jahres am Badesee (oder Fluss, Meer …) langsam, aber konsequent, austrinken.

* Nach Tom Tom, in Erinnerung an die Sommer mit ihm (6.11.77-1.6.11).

Geh ´nause´!

Mein Beitrag zu:

k ein h aus

Szenischer Abend in 10 Stationen mit dramatischen Kurztexten von Valerie Fritsch, Anselm Glück, Elfriede Jelinek, Stefan Schmitzer, Monique Schwitter, Clemens Setz, Gerhild Steinbuch, Peter Turrini, Andreas Unterweger und Josef Winkler.
Zum 10. Geburtstag des Literaturhauses Graz

Mitwirkende SchauspielerInnen: Katharina Paul, Sebastian Reiß, Susanne Weber, Rudi Widerhofer
Musik: Robert Kreš (Geige), Lothar Lässer (Akkordeon)
Regie: Danielle Strahm, Regieassistenz: Julia Hager, Ausstattung: Manuela Pirozzi

Vorstellungstermine: 15., 16., 21., 24., 25., 26., 27. Mai und 1., 2., 3. Juni 2013, Beginn: jeweils 19.30 Uhr

Geh „nause“!

 10 x 3 Wegbeschreibungen

zum 10. Geburtstag
des Grazer Literaturhauses
(eröffnet ´03)

Schick deine Homies vor: nach Tokio, Narita Airport. Lass sie dort Gösser saufen, Schnitzel
futtern, furzen. Und die Gates mit Cif putzen – bis es riecht wie in Wien-Schwechat. Dann:

komm du.

*

Geh heute ausnahmsweise einmal zum Spar, nicht zum Billa. Such dort so lange nach deinem
Lieblings-Bio-Bulgur, bis du im Labyrinth schluchzend zusammenbrichst … Dann: geh rüber

zum Billa.

*

Mal die traurigen Hügel dort, die zum Weinen sind, wenn man sie in der Sonne anschaut. Mal
dir ein gelbes Haus darauf, mit großen Fenstern, einer roten Tür. – Öffne die Tür. Schließe sie

(hinter dir).

*

Überschütte dich mit Benzin. Leg den Sprengstoffgürtel an, die Schlinge um. Steck dir die
Pumpgun in den Mund, die Pillen, setz die Rasierklinge an … Steig aufs Brückengeländer.

Spring – nicht.

*

Streichle deine Katze – mit der Nasenspitze – im Nacken, wo sie es am liebsten hat. Atme den
Wellenrausch der Wiese ein, die Gischt des Taus, das gelbe Flimmern, das so schläfrig macht.

Bleib so.

*

Spring in den Bach neben der Autobahn. Tauch ein – in seine ganze Länge: stell dir den Biber
vor, mit dem du dir das Wasser teilst, den Wels; denk an den Aal auf seinem Trip ins Meer …

Folge ihm.

*

Gib die Kontaktlinsen raus – und fahr mit U-Bahn, Tram und Bus (wobei du mindestens
fünfmal umsteigst) zu einer Adresse, wo du noch nie zuvor gewesen bist. Gib dort die Linsen

wieder rein.

*

Warte auf die erste Schneesturmnacht des Jahres. Steig dann in deinen Truck und fahr über
den Wechsel (oder die Rocky Mountains [oder sonst ein Gebirge]). Halte beim erstbesten

Parkplatz danach.

*

Dreh die Zeit zurück – bis zu jenem Sonne-auf-Augen-zu-gelben Augenblick, der deiner
ersten Erinnerung unmittelbar vorausgeht. Schau dich um. Präge dir alles ganz genau ein, und

„vergiss“ es.

*

Zieh ins Tonstudio. Nimm dort – Nacht für Nacht, sobald sie schläft – die Atembrandung
deiner Liebe auf. Gib die Ohropax raus, die Kopfhörer rein – wenn du allein bist, später dann,

im Sarg.

*

Erbe das Rezeptbuch deiner Großmutter. Entziffere ihre Handschrift. Bereite das „Hendl“ zu,
die „Fülle“, den „Saft“ – ganz genau so, wie sie es immer gemacht hat. Koste. – Nein, das

funktioniert nicht.

*

Warte auf die Regenzeit. Steig dann – allein – auf den Hohenstein (oder den K2 [oder sonst
einen Berg]). Krall dich in den Fels. Zieh dich hoch. Kriech zum Schutzhaus. Rette dich: in

den Notraum.

*

Trag immer bei dir: das Frosch-Spülmittel, den Denk mit-Schwamm, das Geschirrtuch aus
Frankreich (mit den roten Birnen drauf). Und wohin es dich auch verschlagen mag: mach du

den Abwasch.

*

Erbe den Toaster deiner Großmutter. Stell ihn auf den Küchentisch – wie eine Vase (Urne?) –,
steck ihn an. Schieb keine Scheibe Toast hinein. Setz dich. Drück den Hebel nach unten. Und

jetzt: schnuppere.

*

Komm nicht auf blöde Ideen wie diese. Hab nicht so viel getrunken, nichts geraucht, sei gar
nicht erst mitgegangen. Und: schau nur, geh nicht hinein. Nein, schau nicht einmal. Geh nicht.

Geh nicht.

*

Erbe die Uhr deines Großvaters. Leg sie in dein Bett, neben dich – und wenn du nachts nicht
schlafen kannst, dann schau, wie früher, zu ihr hin: Wie ihr Ziffernblatt leuchtet! Wie sein

Herz tickt!

*

Hör heute ausnahmsweise einmal früher auf zu arbeiten. Nein: fang gar nicht erst an. Lass dir
zum Frühstück Pizza kommen, Eis und Bier, hau dich aufs Sofa, schau Sitcoms. Und hab ein

gutes Gewissen.

*

Finde deinen Platz. Such das Haus ab, den Garten, die Straße. Versuch´s unter der Tanne, auf
ihr, in der Restmülltonne. Such, bis es Nacht wird – Tag wird – such weiter … Bleib dort, wo

du zusammenbrichst.

*

Tausch Platz mit deinem Spiegelbild. Sei Immigrant im Wunderland, lern Jabberwocky,
gewöhn dich an den Linksverkehr. Schau dich an – im Rückspiegel. Und erkenne dich selbst

nicht wieder.

*

Zieh aufs Klo. Lern im Sitzen zu schlafen, mit Fliesen zu kuscheln, sprich mit dem Klobesen,
wenn du ihn gießt … Wisse: du kannst aufatmen. Jetzt (endlich!) bist du in keinem Haus mehr

ein Fremder.

*

Zieh ins Literaturhaus. Geh dabei so vor: Versteck dich während dieser Vorführung (z. B.
hier, im Text), lass dich einsperren. Und wenn alle fort sind: hol die neue Mickey Mouse raus

und lies.

*

Warte auf den heißesten Tag des Jahres. Wandere dann, auf dem größtmöglichen Umweg,
zum Grazer Landhaushof, setz dich unter die Arkaden. Die Holzbänke dort liegen seit 1505

im Schatten.

*

Stell den Schuh wieder hin. Nimm den Finger vom Sprayknopf, kehr das Backpulver auf,
kämm das Schneckenkorn aus der Wiese. Zieh den Gelsenstecker raus. Entrolle die Zeitung.

Tu´s nicht.

*

Frag dich auf Stoasteirisch durch Mumbai (oder Guǎngzhōu [oder Seoul [oder Lagos]]) – bis
dir jemand auf Stoasteirisch antwortet. – Aber nein. Das vergiss gleich wieder. Dieser Weg ist

zu einfach.

*

Lies alles über Bob Marley. Tourtagebücher, Memoiren, das Rastafari Kochbuch. Analysier
seine Riffs, die Chiffren, sezier die Verwandlung von Fleisch in Musik. Dann aber: steh auf

und tanze.

*

Schau deinem Laptop dabei zu, wie er abstürzt. Wie das Warnfenster flackert, die Lüftung
aufjault, diese Zeile erlischt. Erlebe drei bange Minuten. Schalte das Ding wieder ein. Siehe:

alles okay.

*

Fahr in die Arktis, stürz dich von einer Klippe, werde die Möwe, die du in Wirklichkeit bist.
Merke: du bist der größte, stärkste Vogel hier draußen – niemand fliegt so hoch wie du. Dann:

lande wieder.

*

Lass dich von deinem Schatten scheiden. Wisch die Angst aus deinen Augenwinkeln, leg den
Trauerflor ab, der dich fesselt. Sag den Gleichnissen adieu, den Höhlen. Dreh dich um, blinzle

ins Licht.

*

Hör auf den Herzschlag deiner Mutter. Schaukle im Wellenrausch des ersten Meers, Eigelb
und Flimmernis … Dann aber: dreh dich, winde dich da raus. Wir versprechen dir: es kommt

noch besser.

*

Mach nur noch das, was deine Tochter sagt: Räum die Sonne weg! Blas die Brennnesseln aus!
Entschuldige dich bei den Regentropfen! Komm immer mit/schau immer zu/bleib immer da!

Geh „nause“!

Alphabet der Kindheit

Posted in Das gelbe Buch, Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 30. August 2012

Mein Beitrag zu dem schönen Buch

Alphabet der Kindheit„.
50 Autorinnen und Autoren schreiben für 50 Jahre SOS-Kinderdorf in der Steiermark.
Hg. v. Agnes Altziebler und Silvana Cimenti.
Graz: Leykam 2012,

das am 12.09.12, um 19:00, im Meerscheinschlössl, Mozartgasse 3, 8010 Graz
mit einer Lesung des Schauspielers Wolfram Berger und Buffet
präsentiert wird
(Einladung zum Ausdrucken!):

Das gelbe Buch

(Auszüge)

(„)Alter Waschbär(“)

Lange blieb ungeklärt, was (oder wer) nachts auf dem Dachboden hauste.

Manche sagten: ein alter Waschbär.
Andere wiederum vermuteten, es sei der Geist eines (un-)toten Indianerhäuptlings namens: „Alter Waschbär“.

Für den alten Waschbären (den wirklichen) sprach, dass es in jener Ebene, in deren Mitte das gelbe Haus lag, viele, ja, sehr viele Waschbären gab – mehr sogar, als in dem großen Auwald und an den Böschungen der sieben Flüsse, die von Süden nach Norden durch die Ebene strömten, Platz hatten. Indianer hingegen (oder Indianerhäuptlinge) hatte man dort, in der Ebene der sieben Flüsse, deren kleinster und nördlichster durch den Garten des gelben Hauses floss, noch nie gesehen.
Andererseits aber sah die Ebene – vor allem westlich des gelben Hauses, dort, wo sie nicht mehr aus Flüssen und Auen, sondern aus weitem, lichtem Grasland bestand – tatsächlich aus wie eine jener Gegenden, die man aus den Indianerbüchern kennt. Und wenn es nachts, nach Mitternacht, mit einem Mal da oben auf dem Dachboden zu rumoren begann, wenn wir im Aufschrecken begriffen, dass zwei, drei Meter über uns etwas sehr Schweres, Pelziges über die strohbedeckten Bretter scharrte, war die Vorstellung eines untoten Indianerhäuptlings, der – schwer behangen mit Waschbärfellen und Waschbärzahnketten – auf ewig schlaflos durch unsere Träume schlurfte, einfach nur nahe, ja, am nächsten liegend – näher liegend jedenfalls als die Vorstellung von irgendetwas (oder -jemandem), das (oder den) es wirklich gab.

Das Problem – ob nun ein alter Waschbär oder „Alter Waschbär“ nachts auf dem Dachboden hauste – beschäftigte uns einen Herbst, einen Winter, einen Frühling und noch einen Herbst lang (im Sommer beschäftigte uns dieses Problem nicht, da hatten wir andere Sorgen, siehe Kapitel 3). Schließlich, im zweiten Herbst, nachdem die nächtlichen Dachbodengeräusche begonnen hatten, bot uns jemand (ein Nachbar? ein Besucher? ein Passant?) folgende Erklärung an:
„Was (oder wer) nachts auf dem Dachboden haust“, sagte er (oder sie?), „ist weder ein alter Waschbär (ein wirklicher) noch der Geist eines (un-)toten Indianerhäuptlings namens „Alter Waschbär“ – sondern: es ist der Geist eines (un-)toten Indianerhäuptlings namens „Alter Waschbär“, der Nacht für Nacht zurückkehrt in die ewigen Jagdgründe seiner Kindheit – und zwar in Gestalt eines alten Waschbären (eines wirklichen).“

Natürlich war auch das – das war uns klar – ein Märchen.
Trotzdem:

Seither schliefen wir ruhiger.

„Biber“

In jenem Sommer arbeitete er hart daran, ein richtiger Biber zu werden.

Morgen für Morgen, wenn wir anderen Kinder noch schliefen, lief er hinunter zum Fluss, der durch den Garten des gelben Hauses floss, riss sich den Pyjama vom Leib, sprang ins – je nach Wetterlage – baumkronengrüne oder morgensonnenrote Wasser und schwamm, das Köpfchen hoch-, die Schneidezähne rausgestreckt – wie ein richtiger Biber! –, flussaufwärts.
Morgen für Morgen tauchte er so – nackt und den Kopf voraus – im Wasser unter, Morgen für Morgen tauchte er so – die nassen Haare an den Kopf geklatscht, Kopf hoch – beim Frühstück auf. Kein Wunder, dass ihn alle Welt – oder zumindest wir (aber wir waren alle Welt in jenem Sommer) – in jenem Sommer nur noch „Biber“ nannte.

Nun konnte es aber natürlich so – nackt, nass und jeden Morgen Sommer – nicht weitergehen – zumindest nicht für immer: wie jedes Mal folgte auch dieses Mal auf den Sommer der Herbst. Bald lag der Fluss Morgen für Morgen gelb, gelb wie das gelbe Haus, im Morgennebel, bald trieben gelbe Blätterteppiche den morgennebelgrauen Fluss hinab.
Natürlich ging nun niemand mehr, nicht einmal er, am Morgen baden – und selbstverständlich war nun nicht nur das, sondern auch alles andere plötzlich ganz anders. Nun schlief er länger als wir anderen, ließ er, wenn er zu spät zum Frühstück kam, den Kopf hängen, hingen ihm noch, nicht uns, die Haare ins Gesicht. Tatsächlich war er nun, im Herbst, ein völlig anderer.

Und nur noch seiner Zähne wegen nannte ihn alle Welt (die, wie im Sommer, wir waren): „Biber“.

Erstes Leid
(„Tomatensauce“)

Damals, in unserer Kindheit – besser gesagt: im gelben Haus –, gab es nichts, was wir, die
Buben, die wir damals so gut wie nichts fürchteten, verabscheuten oder gar hassten, mehr
gefürchtet, ja verabscheut, wenn nicht gar gehasst hätten als das, was folgenden Namen trug:

„Tomatensauce“.

Wann immer Großvater, der vor dem Mittagessen mit dem großen Topf, in dem das
Mittagessen war, und mit dem Ausruf: „Mittagessen!“ vor das gelbe Haus trat, auf die von
allen Seiten an ihn gerichtete Frage „Was gibt´s zum Mittagessen?“ folgende Antwort gab:

„Tomatensauce“,

erhob sich ein großes Geheul – woraufhin die Katze, die bereits unter dem Tisch unter der
großen Tanne, die im Garten stand, auf für sie abfallende Leckereien wartete, auffauchte und,
über den Zaun hinweg, durchs hohe Gras des angrenzenden Apfelhains von dannen jagte.

„Tomatensauce!“,

brüllten wir, so laut wir nur konnten – und es schien tatsächlich so, als ob die Katze, die das,
was wir ihr sagten, ansonsten nie verstand (siehe Kapitel 12), nun ausgerechnet dieses eine
Wort, das wir am allerwenigsten von allen Wörtern leiden konnten, verstanden hätte.

„Tomatensauce“,

murmelte Großvater dann immer nur leise, Kopf schüttelnd und – nachdem der Topf am Tisch
unter der Tanne abgestellt war – sich mit der rechten Hand am Hinterkopf, da, wo sein graues
Haar, das überall sonst noch recht voll war, merklich schütter wurde, kratzend, „ach,

Tomatensauce …“

 „Paradeissauce“ hingegen – das war damals unsere Lieblingsspeise.

Ein Meister der Verkleidung

 1

 Einmal im Jahr, am sechsten Dezember, sprich: am Nikolaustag, kam der Nikolaus ins gelbe Haus.

Er, der Nikolaus, hatte Großvaters Stimme, er roch wie Großvater (nach Großvater und Zigaretten), und – das war das Allerverblüffendste! – er sah (bis auf den weißen Rauschebart, aber der war, das sah ein Blinder, ja nur angeklebt) auch ganz genauso wie Großvater aus.
Wie Großvater war auch der Nikolaus groß, schlank, gebeugt, mit noch recht vollem grauen Haar, das nur am Hinterkopf – da, wo der Nikolaus sich Jahr für Jahr heftig kratzte, während wir ihm erzählten, wie brav wir gewesen waren – merklich schütter wurde.

Tatsächlich unterschied die beiden – Großvater und den Nikolaus – so gut wie nichts: nichts,  außer eben jener (angeklebte) Rauschebart und ihre Namen – der eine hieß „Großvater“, der andere „Nikolaus“.
Hätten wir nicht gewusst, dass es einmal im Jahr, und zwar am sechsten Dezember, sprich: am Nikolaustag, der Nikolaus war, der ins gelbe Haus kam, und nicht Großvater, uns wäre der Unterschied, minimal wie er war, wohl gar nicht erst aufgefallen.

2

Schade nur, dass Großvater (dem, wie gesagt, der Nikolaus trotz seines weißen Rauschebarts jedes Jahr wieder zum Verwechseln ähnlich sah) ihn, seinen Doppelgänger, nie zu Gesicht bekam.

Er, der ansonsten stets zuhause war, der selbst an den heißesten Sommertagen nicht, und wenn, dann nur unter Protest, das gelbe Haus oder gar den zum gelben Haus gehörenden Garten verließ, war jedes Jahr wieder just dann, wenn wieder einmal der sechste Dezember, sprich: der Nikolaustag, gekommen war, außer Haus.

Und dabei hätten wir ihm ja den Nikolaus, diesen Meister der Verkleidung, dem Jahr für Jahr das Kunststück glückte, sich täuschend echt als „Großvater“ zu kostümieren, doch so gern einmal vorgestellt!

3

Leider vergeht die Zeit, und wie es eben so geht, mehrten sich mit der Zeit die Stimmen, die behaupteten, all das, was wir, die Buben, für wahr gehalten hatten, sei – in Wirklichkeit – ganz anders.
In Wirklichkeit, sagten die Stimmen etwa, sei keineswegs der Nikolaus derjenige, der sich als Großvater verkleide – im Gegenteil: in Wirklichkeit, hörten wir immer öfter, verkleide sich am Nikolaustag stets der Großvater, „der Großvater“, hieß es, „ist der Nikolaus.“

Nun stelle man sich aber unser Staunen vor, als wir erfuhren, dass der Nikolaus, dessen tatsächlich zu frappante Ähnlichkeit mit Großvater ja hier, bei uns, im gelben Haus, gar nicht zu leugnen war, nur ein Haus weiter, bei den Türmchens, dem Türmchen-Onkel, einem kleinen dicken Mann mit Glatze, der aussah wie ein Ei, wie ein Ei dem anderen geglichen haben sollte!
Diese Information (dass es Großvater möglich war, sich binnen kürzester Zeit in den Türmchen-Onkel zu verwandeln) steigerte unsere Bewunderung für jenen Mann, der hier bei uns, im gelben Haus, das ganze Jahr über brav den Großvater spielte, der aber – in Wirklichkeit – jener Meister der Verkleidung war, den wir hinter dem Nikolaus seit jeher schon vermutet hatten, ins Unermessliche …

Und so spielten auch wir, die Buben, weiterhin brav mit – und ließen seine, „Großvaters“, wahre Identität (sofern man denn bei jemandem wie ihm überhaupt von so etwas wie einer „wahren Identität“ sprechen konnte …) noch viele Jahre, viele Nikolaustage lang (vorgeblich) unentdeckt.

Die Zeiger von Großvaters Uhr

leuchteten im Dunklen. Das gab natürlich nur ein kleines Licht – nicht zu vergleichen mit den
Kerzenflammen, in deren Schein uns Großvater manchmal, am Abend, wenn wir schon in den
Betten lagen, aus Winnetou vorlas, dem Licht des Abendsterns oder gar dem des Monds. Aber

die Zeiger von Großvaters Uhr

leuchteten auch dann noch, wenn Großvater die Kerzen ausgeblasen hatte, sie leuchteten auch
dann, wenn Mond und Sterne hinter Wolken steckten, wenn sie sich, wie Biber sagte, „unter
ihrer Bettdecke verkrochen“ hatten, „vermutlich aus Angst vor der Dunkelheit – wie wir.“ Ja,

die Zeiger von Großvaters Uhr

leuchteten in jenen Nächten, in denen nicht nur wir, die Buben aus dem gelben Haus, sondern
das ganze gelbe Land, mit all seinen Häusern und Höfen, seinen Flüssen und Auen, seinen
Feldern und Wäldern, unter der Bettdecke versteckt den Atem anhielt, sogar besonders hell.

Die Zeiger von Großvaters Uhr

leuchteten, wenn man, von Schritten unterm Dach, von einem Rascheln aufgeschreckt, unter
der Decke hervorlugte – wenn man, die Lider aufgebäumt, das Herz wild ausschlagend, in
jenen Winkel Finsternis starrte, wo tagsüber Großvaters Bett gestanden war … Sagen wir so:

die Zeiger von Großvaters Uhr

leuchteten nicht nur, sondern sie sagten auch, mit Großvaters Stimme: „Ich bin da.“ Und das
machte wohl ihre Leuchtkraft aus, die, laut Biber, „wissenschaftlich nicht nachzuweisen“ war. –
Es war ein ganz ganz kleines Licht. Und doch nahm es der Dunkelheit all ihren Schrecken.

Spuren im Schnee (Rätsel der Natur 178)

Posted in Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land by andreasundschnurrendemia on 4. März 2012

Welche Tiere hinterlassen diese Spuren?

a) Kuh, Affe, Hund und Katze.
b) Kuh, Affe, Hund, Katze, großer und kleiner Mensch.
c) Großer und kleiner Mensch.

Die erste richtige Antwort (via Kommentar oder Mail) gewinnt einen freien Eintritt beim Lesefest NEUE TEXTE 2012 am 11.03.2012 im Kulturzentrum Minoriten in Graz, bei dem ich zweimal im Einsatz bin (um 11:00 stelle ich Linda Stift vor, um 15:25 lese ich selbst, und zwar einen neuen Text, und werde von Natascha Gangl eingeführt).

Alle weiteren richtigen Antworten gewinnen Eintrittskarten für meinen nächsten Auftritt in Wien:
27.03.2012, 19:00, Andreas Unterweger feat. Norb Payr und Band: Lesung mit Musik. Bücherei Pannaschgasse, Pannaschgasse 6, 1050 Wien.

Jeder hat drei Versuche!

manuskripte 191

Posted in manuskripte, Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land by andreasundschnurrendemia on 16. April 2011

Das schönste Literaturzeitschriftencover der letzten 51 Jahre!

Das Foto stammt von meinem Papa, Sepp Unterweger, über die abgebildete Dame schreibt Herausgeber Alfred Kolleritsch in seiner Marginalie:
„Maria auf dem Titelblatt hält die manuskripte sicher hinaus in die Zukunft. Die Dichtertochter (Andreas Unterwegers) versinnbildlicht das Weiterschreiben, das Vertrauen zur Poesie. Wir wollen die 50 Erscheinungsjahre, die dafür abgehaltene Revue im Grazer Schauspielhaus und die über hundert mitfeiernden Dichter nicht als Endstation sehen.“

Das Heft ist übrigens nicht nur von außen, sondern auch von innen sehr schön.
Meine Highlights: Prosa von Silvia Wolkan, Gerhard Ochs, Andrea Stift, Lydia Davis (übersetzt von Klaus Hoffer) und Hans Eichhorn, Lyrik von Dorta Jagic und Erwin Einzinger – und die Rede von Rainer Götz zu Alfred Kolleritschs 80. Geburtstag.

Strandgut

Posted in Du bist mein Meer, Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land by andreasundschnurrendemia on 25. Januar 2011

Hvide Sande, Dänemark, 19.01.2011

Für 2011 wünsche ich …

Posted in Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land by andreasundschnurrendemia on 29. Dezember 2010

… Sonne im Herzen, Erleuchtung im Hirn!

Prosit Neujahr!

lost brains 4 (die Cowboy-Version)

Posted in lost brains, Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 18. November 2010

Nachtrag zu dem Termin: „12.11.2010, 20:30, „lost brains“, Musiktheater von Wim van Zutphen (Musik), Johann Steinecker (Visuals) und Andreas Unterweger (Libretto), im OHO, Offenes Haus Oberwart.“

1

Es wird ja viel zu wenig darüber gesprochen, was für ein wahnsinnig lässiges Cowboyleben man als Schriftsteller eigentlich führt.
Deshalb hier ein paar Eindrücke von meinem letzten Ausritt:

Sonnenuntergang über dem Highway …

Einreiten in Oberwart City …

Schlafen in einem der billigsten „ZIMMERN“ (steht an der Tür zum Gästezimmertrakt) der Stadt – über der GRILL BAR – unter einem grellen Mond (und einem noch fremderen Gestirn) …

Erwachen bei Sonnenaufgang …

Hinausreiten aus Oberwart City …

Und wenn  der (freundliche) Tankwart in Pinkafield einem dann „Noch eine gute Fahrt“ wünscht,
ist die einzig richtige Antwort tatsächlich: „Ebenfalls!“

2

Worüber außerdem viel zu wenig gesprochen wurde (und wird):
Was für ein wahnsinnig lässiges Musiktheater „lost brains“ eigentlich war (und ist)!
Deshalb hier ein Bild von der letzten Aufführung (für zumindest dieses Jahr) im OHO Oberwart:

3

Und was man auch noch nicht zur Genüge weiß:
Dass Franz Joseph Störtebeker Janus Haydn, einer der Protagonisten von „lost brains“, nicht der einzige ist, der, posthum oder nicht, mit falschem bzw. doppeltem Kopf herumläuft.
Man halte sich etwa nur Onkel Bernhard vor Augen
(mit beiden Köpfen, falschem und richtigem [von links nach rechts]) …

… oder gar diesen kinnbärtigen Cow-, äh, Pigboy:

Möbel aus dem gelben Land 2

Posted in Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land by andreasundschnurrendemia on 15. August 2010

Strandmöbel „Copakampana“

Schuhregal „Schmafu“
(nacktschneckensicher!)

Wäschetrockner „Erhard“

Duschkabine „Sabine“
(Größe verstellbar!)

Strumpfhosenhalter „Andreas“

Möbel aus dem gelben Land

Posted in Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land by andreasundschnurrendemia on 27. Juli 2010

Stuhl „Ahab“

Kindertisch/Hütte/Trettraktorgarage „Alterlattenrosta“*

Outdoorensemble „Schragel“*

Katzenkorb „Fellkomposta“*

Bettwurst „Horizontal“

* Kind und Katze unverkäuflich!