Andreas Unterweger

European Balcony Project

Posted in ratlos, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 8. November 2018

Vorschau auf den Termin:
10.11.2018, 16:00, 1010 Wien, vor dem Parlament:
Andreas Unterweger ruft die Europäische Republik aus.
(Vielen Dank an GKP, Steirische Gesellschaft für Kulturpolitik, für die Unterstützung!)

Als Teil des internationalen European Balcony Project werde ich das von Ulrike Guérot, Robert Menasse und Milo Rau verfasste Manifest des European Balcony Project verlesen.

Damit es mir dabei nicht ergeht wie diesem leise vor sich hin lesenden Herrn …

… werde ich das Manifest als Straßenmusikant mit Gitarre, Kazoo und Mundharmonika intonieren.Also ungefähr so:

 

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Und das auf die Stunde genau 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs. Vor dem Parlament, wo am 12.11.1918 die Österreichische Republik ausgerufen wurde. Und zur Melodie des ratlos-Songs „Brennnesseln“ – in dessen Riff die „Freude, schöner Götterfunken“-Fanfare hymnischerweise nahezu perfekt hineinpasst.
Mit Auftritten wenn schon nicht auf Balkonen, so doch zumindest in Schaufenstern haben wir mit ratlos in den Nuller Jahren ohnehin Erfahrung gesammelt …

Also, kommt vorbei, liebe Leute, oder informiert Euch/bleibt auf dem Laufenden:

Hier das Manifest in Originalfassung.

Meine Lyrics-Fassung poste ich – gemeinsam mit einem Video des Auftritts und anderen Goodies – nach dem Geschehen.

Es lebe die Europäische Republik!

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Fast alles über … Salz 173

Posted in Adamsologie, ratlos, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 28. Oktober 2018

Mein Beitrag zu Heft 173 der Salzburger Literaturzeitschrift Salz, die unter dem Titel „lass rauschen. Über Songs schreiben“ dem Schreiben von Songs bzw. Songschreibern gewidmet ist, besteht aus 3 Texten.

Zum einen die Gegenüberstellung eines Songtextes, den ich 2005 für meine Band ratlos geschrieben habe („Fast alles“), und eines Textes über das Schreiben von Songs, wie es mir heuer von Ryan Adams im Computerfernsehen erklärt wurde.
Zum anderen ein Gedicht aus dem Jahr 2008, das ein berühmtes Zitat von Rolf Dieter Brinkmann auf den Kopf stellt („Liner Notes“).

Wie das Ganze auf einem Küchensessel liegend aussieht, sieht man auf diesen Fotos davon …

… wie das Ganze rein textmäßig aussieht, sieht man hier in den Worddateien von „Fast alles über Fast alles“ und „Liner Notes.

Ich empfehle dennoch den Erwerb der ganzen Ausgabe von Salz 173, schließlich finden sich darin zahlreiche weitere Beiträge von geschätzten KollegInnen wie Erwin Einzinger, Ernst Molden, Franz Adrian Wenzl (Kreisky, Austrofred), Ann Cotten, Xaver Bayer, Michael Köhlmeier u.v.a.m.:

Mit bestem Dank an die Herausgeberinnen Barbara Stasta und Magdalena Stieb für die Einladung und die so freundliche redaktionelle wie layouttechnische Betreuung!

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„Ein großes, grausam-lustiges Chaos“ (Alte Schmiede)

Posted in Cobainologie, Grungy Nuts, ratlos, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 23. September 2018

Nachtrag zum Termin:
20.09.2018, 19:00, Andreas Unterweger liest aus „Grungy Nuts“ (Droschl 2018). Außerdem liest: Verena Stauffer. Alte Schmiede Wien, Schönlaterng. 9, 1010 Wien.

Unter einem selten guten Stern stand mein jüngster Auftritt in der Alten Schmiede!

1. gab es mit Daniel Terkl

… einen profund vorbereiteten Kurator und Moderator, der sowohl mit seinem klugen Ankündigungstext …

… als auch in seiner gewitzten, gut recherchierten Anmoderation die passenden (hermeneutischen) Instrumente …

… auf richtige Weise einsetzte!
(Dass etwa Arthur Rimbauds „Illuminations“, aus dem das Motto für „Grungy Nuts“ stammt, laut Daniel Terkl das Lieblingsbuch Kurt Cobains gewesen sein soll, der auf dem Cover und mehreren Seiten des Buchs prominent herumgeistert – wow! Vernetzende Textanalyse ganz im Sinn der besprochenen Arbeit!)

2. hatte ich mit Verena Stauffer eine ebenso sympathische wie begabte Kollegin zur Seite, mit der ich dieses Jahr erfreulicherweise noch mehrere Auftritte absolvieren darf: Ich freue mich schon darauf!

Und 3. waren, obwohl draußen der letzte richtige Sommerabend des Jahres tobte, zahlreiche Freund- und LeserInnen aus Wien und Umgebung (von Meidling bis Japan) gekommen, darunter etwa die verehrte Kollegin Angelika Reitzer, die dankenswerterweise dieses Video von der musikalischen Zugabe gefilmt hat:

Ich danke allen namentlich Genannten und Ungenannten für diesen Abend, der so ziemlich genau das Gegenteil jener Stimmung verbreitete, die im oben gespielten und unten in Gestalt seiner Lyrics festgehaltenen Song versprüht wird!

 

Das Gegenteil
(Geschrieben 2007, bislang einzige Aufführung 2007, ratlos live auf der Karl-Eder, Gmunden)

 

Ich bin das Gegenteil von dem, was ich gern wär
und alle Leute laufen schreiend vor mir her
wenn meine Seele eine Käsekrainer wär, ich
kotzte sie heraus
dann wäre alles aus
dann wäre alles gut
aber wozu?

Ich leb allein mit meinen
Tachyonen
und hundert Liedern über
Depressionen
und tausend Büchern über
Illusionen
du hast leicht reden am Telefon
ich muss hier wohnen

Mit mir allein
allein mit mir

Ich bin das Gegenteil
von dir

*

Weitere Fotos aus Wien:

Illumination vor der Lesung:

„Dr. Faustus“ feat. „Grungy Nuts“:

Zur Mädchengitarre „umfunktionierte“ Ex-Post-Grunge-Gitarre:

Einer der „Kästen“ aus „Grungy Nuts“:

Eine der „Meerjungfrauen“ aus der Erzählung „Das Liebesleben der Meerjungfrauen“, die ich gelesen habe:

Daniel Terkl, tiefschürfender „Knight Rider“-Exeget, erinnert sich an seine Begegnung mit Michael Knight:

„Grungy Nuts“ (Der Titel)

Posted in Grungy Nuts, ratlos by andreasundschnurrendemia on 2. August 2018

Am 10.08.18 erscheint mein neues Buch „Grungy Nuts“ im Literaturverlag Droschl.
Höchste Zeit, sich einmal über den Titel Gedanken zu machen. Hier 3 Annäherungsversuche …

1.

„grungy“:

Lt. Merriam Webster:

„1 : shabby or dirty in character or condition
2 : characteristic of grunge music or fashion“

Lt. Cambridge Dictionary:

„(of a person) feeling tired and dirty, or (of a thing) dirty:
,He showed up for the interview wearing some grungy old sweatshirt and jeans.´“

„nuts“

Lt. Merriam-Webster:

1: „enthusiastic, keen“
2: „insane, crazy“

Lt. Cambridge Dictionary:

„offensive for testicle [als Substantiv]
silly, stupid, or strange“ [als Adjektiv]

Fazit: Man landet semantisch irgendwo in der Gegend von energiearmen männlichen Sonderlingen in schäbigen T-Shirts und Jeans, die mehr als verrückt nach Nirvana und Co. sind.
Passt zum Glück gut zu den Protagonisten des Buchs.

2.

Den Begriff „Grungy Nuts“ habe ich meinem Freund Lukas zu verdanken:

Es muss ungefähr 1994 gewesen sein, als er, der in der Schule mein Sitznachbar war, während einer Chemie-Stunde versucht hat, mich von eben diesem Bandnamen für unser jüngst gegründetes Rockmusiktrio, in dem er das Schlagwerk bediente und ich, zumindest anfangs, das elektronische Cembalo, zu überzeugen. Leider wusste ich damals noch nicht, was ich heute weiß, was „Grunge“ ist, nämlich (s. o.), und war deshalb (wie wir alle damals, immer, bei allen Vorschlägen, von wem auch immer) strikt dagegen. Ich kannte nur „Crunchy Nuts“, die Cornflakes. Und mit denen hatte die Musik, die wir machten (genauer gesagt: machen wollten, sprich: besprachen), nichts zu tun.

Lieber Lukas,

wir sitzen jetzt leider nicht mehr so oft nebeneinander, aber ich wollte Dir trotzdem mitteilen:
Nach vielen Mühen, Drangsalen und 24 Jahren, in denen ich nicht allzu viel anderes getan habe, als genau darüber nachzudenken, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass „Grungy Nuts“ doch ein ziemlich guter Bandname gewesen wäre. Noch besser als Deine nächste Idee, „ratlos„, womöglich.

3.

Kurzgeschichte des Grunge in Bildern:

1992

1994

2018

*

Ich hoffe, wir sehen uns bei der ersten Lesung aus „Grungy Nuts“: 16.08., 20:00, ORF Hör- und Seebühne Graz-St. Peter!

 

„Autobahnromantik“ – Vorschau

Posted in Autobahnromantik, ratlos, Tankstellenmorgen, Tingeltangel-Tour, Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 8. April 2018

Vorschau auf den Termin:

18.04.2018, 19:00:
Autobahnromantik
Szenische Lesung mit Musik, montiert und großteils geschrieben von Andreas Unterweger.
Gelesen und gespielt von Ninja Reichert und Felix Krauss.
Musik: Andreas Unterweger (voc, git, kaz, harp).
Straßenmeisterei Graz-Süd, St. Peterstraße 61, 8071 Hausmannstätten.
Eine Produktion der Steirischen Kulturinitiative.

Ein Paar auf seiner nicht immer friktionsfreien Reise durch das „Land der Geschwindigkeit“ … Euphorische Aufbrüche fehlen ebenso wenig wie traumnahe Nachtfahrten, Pannen, Staus, Unfälle oder ein Johnny Cash-Cover, das alle 87 Rastplätze des österreichischen Autobahnnetzes besingt.
„Autobahnromantik“ ist ein literarisch-musikalisches Roadmovie, das den Lebensraum Autobahn auf tiefgründig-humorvolle Weise erforscht.

Mit Texten von Andreas Unterweger – und Paul Virilio, F. Scott Fitzgerald, Paul Auster, Julio Cortázar u.a.m.
Musik von Johnny Cash, Bright Eyes, Ostbahn Kurti, Norb Payr/Andreas Unterweger, Tocotronic, ratlos u. a.
Musik/Autor(-R)adio: Andreas Unterweger (voc, git, kaz, harp).

Mit dem Veranstaltungsort, der Straßenmeisterei und Überwachungszentrale Süd in Hausmannstätten, im Süden von Graz, verhält es sich übrigens wie mit allen Orten im Zeitalter der motorisierten Fortbewegung auf grauen Asphaltbändern: Sie ist erstaunlich nah … Und das sogar dann, wenn man nicht das Auto nimmt, sondern den Bus! Hier Näheres …

… und hier noch Näheres:
Autobahnromantik-Folder zum Download

Rasend vor Vorfreude,
Euer Andreas

 

Morgen in Graz

Posted in ratlos by andreasundschnurrendemia on 11. Juni 2015

Jetzt ist es also schon 10 Jahre her, dass dieser Song geschrieben wurde …

ratlos: Morgen in Graz (Video: Matthias Jäger)

In den Credits auf der 2008 erschienenen, gleichnamigen EP werde ich als alleiniger Musik- und Text-Autor ausgewiesen. Na ja. Stimmt schon, ich habe diesen Hund gesehen. Und hatte so einen Rhythmus im Ohr, der im wilden Schlussteil des leider (noch?!) unveröffentlichten ratlos-Songs „Hochwald“ (Dayé/Unterweger) erstmals anklingt.
Die Basslinie aber hat Stefan Laube komponiert. Bei Struktur und Aufbau des Songs war Schlagzeuger Lukas Priebsch bestimmt mehr als nur mitbestimmend. Und die Soli, mit denen der Song zwischendurch und am Schluss abhebt, hat sich Christian Dayé natürlich ganz allein ausgedacht. Ein richtiger Bandsong also, von Heimo Knopper schön wuchtig produziert, dank kunst@werk in einem Schaufenster der Grazer Jakominigasse in Szene gesetzt und von Matthias Jäger angenehm sperrig in Videoform gepackt.
Die Zeichnungen im Hintergrund sind von Walter Lang, das ratlos-Logo ist von Reinfried Blaha.

Auf der immer noch existierenden FM4-Soundpark-Seite von ratlos gibt es übrigens, u.a., diese, 2007 in 1070 Wien verfassten, fast zu viel verratenden Liner Notes zu lesen:

„Es ist ein Labrador, der dem Kitzel der in den Wellen der Mur schwankenden Schilfhalme nicht widerstehen kann, der in den Fluss springt und stromaufwärts davonschwimmt. Und du kannst es ihm nachfühlen, weißt selbst, wie kalt dieses Wasser ist, das die Freiheit bedeutet, und wie viel Hoffnung der Schmerz bringt, von ihm getauft zu werden, Kopf unter Wasser, und wieder aufzutauchen, neu geboren.“

Liebesgedichte zum Valentinstag

Posted in ratlos, Tankstellenmorgen, Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 12. Februar 2015

Nachtrag zum Termin:
14.02.2015, 09:00 – 10:00, Andreas Unterweger liest Liebesgedichte zum Valentinstag in Walter Langs „Werkskantine“, Radio Helsinki , Graz.

Ich habe, wie angekündigt, ausschließlich eigene Texte gelesen, die sich entlang folgender 3 Mottos von anderen bewegt haben – dreier wahrer Sätze über DIE LIEBE, falls man das überhaupt so, in einem Wort (plus Artikel), sagen kann:

Der erste Satz, von Stendhal, ist freilich gar kein Satz, sondern nur ein Gedanke, eine (von mir bewusst vage formulierte) These aus „De l ´amour“:
Es gibt nicht die Liebe, es gibt die Lieben (= mehrere Arten der Liebe).

Dazu wurde folgendes, schon 2005 geschriebene Kurzprosastück gelesen:

Lieben

„Es gibt nicht: die Liebe. Es gibt: die Lieben.“ Es gibt so viele Lieben, wie es Menschen gibt. Es gibt für jeden Menschen nur: die eine. Sie bricht das erste Mal aus, wenn er sechzehn ist. Sie wird zu viel für ihn sein, schon das erste Mal. Erst viel zu leicht und dann: schon viel zu schwer. Er wird die Liebe einem auf die Schulter legen, der sie nicht haben will. Dann wird der Mensch sich wundern: ach, wie schwer das ist. So eine Liebe loszukriegen. So allein mit der Liebe. So allein mit sich. Der Mensch wird weiter nach dem suchen, der die Liebe trägt. Seine Liebe: erträgt. Und wird vielleicht, von Zeit zu Zeit: jemanden finden, der sie auf sich nimmt. Für eine Zeit und dann: wieder allein. Mit seiner Liebe und: allein mit sich. Und immer schwerer wird die Liebe werden, weil: die Liebe wächst. Sie wächst und wächst, wenn: keiner da ist, der: sie haben will. Sie halten und: für sich behalten will. Der Mensch wird mit der Liebe weitertaumeln, die: ihn fast erdrückt. Der Mensch wird schwer bewaffnet sein, mit seiner Liebe. Und so wird es geschehen, dass der Mensch: den Menschen, den er, lebenslang!, gesucht hat, trifft. Mit seiner Liebe. Und: ihn so erschlägt.

Musik: ratlos: „… ich habe kalt“

*

Der zweite Satz: ein Vers aus einem Gedicht von Richard Brautigan:
„Mit Liebe behandelt man keinen Freund.“ (Das ganze Gedicht, übersetzt von Johannes Beilharz)

Dazu, u. a., dieses Gedicht:

Der Vogel

Der Vogel, den die Katze gestern / im Buschwerk fing, hat mich an dich / erinnert. Es war
wohl was mit seinen Augen. Jedenfalls / schloss ich die Katze drinnen / ein & hob den Vogel
hoch, setzte ihn auf den höchsten Zweig / des Apfelbaums. Da saß er / dann & sah mich an

mit deinen Augen. Von all den / Frauen, die ich früher / kannte, hast du mir am wenigsten
wehgetan, dachte ich, als ich / unter dem Apfelbaum stand, & / am meisten … Am Ende
brachte ich dem Vogel / einen Regenwurm. Dann ließ ich ihn / allein, ging wieder rein & ließ

die Katze raus.

Musik: ratlos: Morgen in Graz

*

Der dritte wahre Satz über die Liebe, verbunden mit meinem eigenen Valentinsgruß, steht in der Erzählung „Von der Liebe“ von Anton Tschechow:
„Bis heute ist über die Liebe nur ein einziger wahrer Satz gesprochen worden, nämlich: „Dies Geheimnis ist groß“, alles andere, was man über die Liebe geschrieben oder gesagt hat, war keine Lösung, sondern nur das Stellen von Fragen, die auch weiterhin ungelöst bleiben.“

Dazu habe ich das Kapitel „Viel weiter“ aus „Wie im Siebenten“ gelesen, dem Tschechows Satz als Motto voransteht.

Musik: Norb Payr und Andreas Unterweger: Bei dir

*

Danke fürs Zuhören!
Danke, Walter Lang, für Deine Gastfreundschaft!

Retweet des Jahres

Posted in Cobainologie, ratlos, Tingeltangel-Tour, Twitteristik, Unterweger & Stift by andreasundschnurrendemia on 14. April 2014

Retweet des Jahres 2013 ist – zumindest auf dieser Homepage – der letzte der vier unten stehenden, ausnahmsweise vom Homepagebetreiber selbst stammende Tweet – wurde er doch von Gerald Wenge in der Fußballfachzeitschrift „Der tödliche Pass“ als Motto für seinen Artikel „Seitenaus. Oder was es außer Fußball noch so gibt“ verwendet:

Tatsächlich liefert Gerald Wenge einen Fußballspielbericht in Schach-Termini – mein Tweet hatte also offensichtlich recht.
Jedenfalls empfehle ich den Tödlichen Pass heißestens – sowohl in seiner Print-, als auch in seiner Blog- und Tweetausgabe.

*

Nun ist das natürlich beileibe nicht das erste Mal, dass eine Zeile von mir als Motto verwendet wird (sondern das, äh, kurz nachgerechnet …  zweite).
Der erste mottomäßige Retweet findet sich auf S. 5 des Romans „Klimmen“ von Andrea Stift, wo es darunter heißt: „Mein Dank für umfassende Inspiration gilt der Band ratlos„.

Man kann sich vorstellen, wie dem ehemaligen, derzeit in Papapause befindlichen Leadsänger von ratlos zumute war, als er Andrea Stifts kürzlich erschienenem Der Standard-Artikel über Kurt Cobain lesen musste, sie habe „Klimmen“ „mit Nirvana in den Ohren“ geschrieben …
Wie viele Bands passen denn gleichzeitig in zwei Schriftstellerinnenohren? Zwei?! Oder eine ins Ohr, eine ins Herz?!? Oder gar umgekehrt?!?! – Der Leadsänger lässt Frl. Stift ausrichten, er verlange lückenlose Aufklärung – am besten in Artikelform – spätestens zu seinem 20. Todestag.

 

Song für Pollanz

Posted in ratlos, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 4. März 2014

Nachtrag 1 zum  Termin:
01.03.2014, Andreas Unterweger beim Lesefest NEUE TEXTE 2014. Um 14:00 lese ich aus „Das kostbarste aller Geschenke“ (Vorstellung durch Friederike Schwab), um 15:35 stelle ich Wolfgang Pollanz vor. Kulturzentrum bei den Minoriten, Mariahilferplatz 3/I, 8010 Graz.

Song für Pollanz

„Du warst wie ich ein Unheilbarer“
Wolfgang Pollanz: Spanish Caravan (für Jim Morrison)

Wolfgang und ich, wir haben uns 2008 kennen gelernt – hier, in diesem Saal, beim Lesefest.
Damals war er es, der mich vorgestellt hat, und zwar auf so freundliche, derart erfreuliche und
mein chronisch kränkelndes Selbstbewusstsein dermaßen kräftigende Weise, dass ich, der ich
damals gerade erst an meinem ersten Buch schrieb, die letzten Zweifel über Bord schmiss und
mich endgültig dazu entschloss, Dichter zu werden. Das will ich ihm heute heimzahlen.

Wolfgang, ich bereue unsere Begegnung oft. Genauer gesagt: Ich bereue manchmal, dass wir
uns nicht woanders kennen gelernt haben. Noch genauer: Ich frage mich ab und an, wie mein
Leben verlaufen wäre, wenn wir uns nicht hier, mit unseren Literatenmasken auf, getroffen
hätten, sondern dort, wo sich wahre Gesichter, zumindest unsere, unverhüllt zeigen: im
Rauch- und Biernebel eines Rockkonzerts – z. B. der Band, die ich damals noch hatte (ratlos).

Denn schließlich bist ja auch du, lieber Wolfgang, was Rockmusik betrifft, wie ich „ein
Unheilbarer“. Zwar hast du an die 20 gute Bücher veröffentlicht, die tolle Literaturzeitschrift
Sterz gegründet, verlegst die großartige edition kürbis und machst Wies, etwa durch das
Programm des Theater im Kürbis, für so manchen Abend zur heimlichen Kulturhauptstadt der
Steiermark. Aber – und krank, wie ich bin, scheint mir das mindestens genauso wichtig – aber

du bist eben auch, ja, womöglich: in Wirklichkeit, Musiker (von der legendären „Isolierband“
der 80er bis zu den spannenden Les machines molles von heute) und, was bezüglich meines
nunmehr verkorksten Lebens am wichtigsten ist, sogar ein Labelboss – also einer jener mit
jehovamäßigen Kompetenzen ausgestatteten Weltregenten, wie man sie nur noch aus den
Berichten von Leuten kennt, die sich an die 60er erinnern können (sie nicht miterlebt haben).

Stell Dir also vor, wir wären uns erstmals bei einem ratlos-Konzert begegnet, du hättest uns
spielen sehen, wärst natürlich, wie jeder, der dort war (Eltern, Onkeln, Großcousinen), hin
und weg gewesen und hättest uns prompt einen lukrativen Plattenvertrag vorgelegt, der für
Alternativelabels wie Deine pumpkin records typisch ist. (Man weiß ja: in der Musikindustrie
liegt das Geld, anders als im kindlegeschädigten Literaturbetrieb, immer noch auf der Straße.)

Herrje, was hätte sich aus diesen paar kleinen Unterschriften nicht alles entwickeln können!
Ich erspare Dir hier die Details meiner Tagträume – nur so viel: In dem am wenigsten kühnen
fahren wir beide, längst Härteres als Lesefeste feiernd und somit vollgepumpt bis obenhin mit
purem, unverschnittenem Glück, in unseren schicken gelben Lamborghinis frühmorgendliche
Stock-Car-Rennen in Miami Beach … Ach, was wäre das für ein wirklich erfülltes Leben!

Im kühnsten Paralleluniversum aber hast du – trotz all der goldenen Platten, Käfige,
Klobemsel usw. – weitergeschrieben, hast sowohl Deine feinen, fast schon gewagt
unprätenziösen Gedichte als auch 33 Songs trotzdem geschrieben, und 33 Songs wäre
trotzdem das beste Buch des Jahres 2013 geworden – mit dem Unterschied freilich, dass nun
auch ein Song von ratlos darin vorkäme, ein Song mit dem Titel, sagen wir, Song für Pollanz.

„Ich habe diesen Song gewählt, um über Rockmusiker zu schreiben, die das Gefühl nicht
loswerden, in Wirklichkeit Dichter zu sein“, stünde im Text über den Song, und: „Dieses
Gefühl ist nicht heilbar“, und vielleicht auch: „Der Song beginnt mit den Sätzen: ,Wolfgang
und ich, wir haben uns 2008 kennen gelernt – im Rauch- und Biernebel eines ratlos-Konzerts
… Prompt hat er uns einen Plattenvertrag vorgelegt … Das will ich ihm heute heimzahlen.´“

Wechselland

Posted in ratlos by andreasundschnurrendemia on 9. August 2009

Musikvideo
(aufgrund der hohen Produktionskosten für Musik [von denen für Videos ganz zu schweigen …]
ohne Ton [von Film ganz zu schweigen …])

(Andreas:)
Die Schatten die mich überholen sind aus
der Sprache die das Auge spricht
um mir zu sagen dass ein Wort von dir
zu jagen sinnlos ist

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genau wie über diese Autobahn
mit hundertneunzig Sachen
oder noch mehr zu rasen
aber ohne Sicht

auf dieses Land in dem es so viel schneller
dunkel ist als je bei uns

(Christian:)
Wo ist denn bloß
die Leitplanke geblieben
und wo der Mittelstreifen

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wo der Streifen Licht
am Horizont
der eine Stadt bedeutet?

Christian spielt auf der Gitarre Neu-Mexiko: Wüste, Kakteen, Tequila und Staub. Weit entfernt Donnergrollen (klingt fast wie ein paar Töne auf der Bassgitarre), irgendwo in der Nähe (hinter dem Schlagzeug?) hört man auch eine Klapperschlange …

Dann, plötzlich, …

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… ein paar Windböen, Staubaufwirbeln, Blitz und Donner, die ersten schweren Regentropfen schlagen auf die Snaredrum … Einen Takt später: Getöse, Sturm …

(Christian und Andreas:)
Ich bin allein
im Auto &
ich weiß es nicht
& ich spreche zu dir
die du nirgends bist

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bloß diese schwarzen Schatten
die mich überholen
mit hundertneunzig oder noch mehr Sachen
wo doch die Autobahn
schon längst zu Ende ist

Der Sturm wird zum Orkan, der Orkan erreicht seinen Höhepunkt, am Höhepunkt des Orkans segeln zerfetzte Kakteen durch die Luft – und auch die Band (hier Stefan) verschwimmt …

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…, versinkt – trotz Sonnenbrillen – im Treibsand …

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Nur das Publikum (Christoph T., 30) …

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… konnte gerettet werden.

„Wechselland“
(c) ratlos 2005
Musik: Christian Dayé
Text: Andreas Unterweger
Kamera: Daniel Ithaler
Fotos: Judith Gschwantner
Bilder vom Auftritt beim Böllerbauer, Haag (NÖ), Juli 2009
(s. auch Böllerbauer)