Andreas Unterweger

„Da kommt der GAK!“

Posted in Stanglpass by andreasundschnurrendemia on 13. Januar 2018

Mein Beitrag zum Fußballmagazin „Der tödliche Pass, Heft 87. Mit bestem Dank an Johannes John für die Einladung und liebe redaktionelle Betreuung!

 

Umfrage Dezember 2017

 

  1. Tor des Jahres

 

Das Tor zum Café König, Sackstraße 14, 8010 Graz.

 

  1. SpielerIn des Jahres

 

Gottfried Lamprecht, Spieler des GAK (Grazer AK) von 1970-1981, Stammgast im Café König.

 

  1. Spiel des Jahres

 

Es ist immer dasselbe Spiel. Man betritt z. B. an einem Montagmorgen das Café König …

 

  1. Szene des Jahres

 

…  und bespricht mit den Stammgästen die Fußballspiele des Wochenendes – vom GAK (derzeit in der Landesliga, vierthöchste Spielklasse) abwärts (Sturm Graz, Bundesliga).

 

  1. Enttäuschung des Jahres

 

Weder Gottfried Lamprecht noch Alfred Kolleritsch noch Heimo Steps sind morgens anwesend, und es wird notwendig, anderes zu besprechen (Politik, z. B.).

 

  1. Größtes Ärgernis des Jahres

 

Weder Gottfried Lamprecht noch Alfred Kolleritsch noch Heimo Steps sind morgens anwesend, und es wird notwendig, anderes zu besprechen (Innenpolitik, z. B.).

 

  1. Überraschung des Jahres

 

Man spricht nun auch ab und zu über Frauenfußball (das österreichische Damen-Nationalteam, z. B.).

 

  1. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte …

 

… würde man im Café König schon bald den geglückten „Durchmarsch“ des GAK von der untersten Spielklasse zurück in die Bundesliga besprechen.

 

  1. Satz / Spruch / Wort des Jahres

 

„Da kommt der GAK!“ (GAK-Fan Alfred Kolleritsch, wenn Gottfried Lamprecht das Café König betritt.)

 

  1. Welche Wendung wollen wir 2018 NIE mehr hören

 

„In welcher Liga spielt der GAK noch einmal?“ (Heimo Steps, Sturm-Fan)

Marcel Kollers Garagentor

Posted in Stanglpass by andreasundschnurrendemia on 26. Dezember 2015

Es ist in den letzten Jahren zur traurigen Tradition geworden, dass ich gegen Jahresschluss auf diesem Medium kundtue, es sei zur traurigen Tradition geworden, dass meine einzigen Beiträge (= „Stanglpässe“) zur besten und (zumindest, was die Qualität der Zuneigung anbelangt) auch beliebtesten deutschen Fußballzeitschrift (“Der tödliche Pass”) aus den Antworten zur alljährlichen Silvester-Umfrage bestünden … Da es dieses Jahr aber anders war (s. https://andreasunterweger.wordpress.com/2015/04/22/soccer-subversiv-stanglpass-20/), bleibt Euch/Ihnen, geneigte Userinnen und User, zumindest dieser jahreszeitübliche Witz erspart. Was Ihr/Sie freilich, wie jedes Jahr, ertragen müsst/müssen, ist mein aus tiefstem Herzen kommender Wunsch, dass es Euch/Ihnen in diesen Tagen so ergehen möge wie dem in diesen Tagen allenthalben so eifrig besungenen Otannenbaum (“Du grinst nicht nur zur Sommerszeit” usw.).

Und hier meine Antworten auf die wie immer klugen Fragen des Pass-Fragebogens, aus denen im Wesentlichen hervorgeht, dass ich alt und vergesslich geworden bin und mehr als das Wesentliche gar nicht mehr mitbekomme.

 

Umfrage Dezember 2015

1. Tor des Jahres
Marcel Kollers Garagentor (und dann natürlich die, die seine Mannschaft erzielt hat – besonders die vier Auswärtstore gegen Schweden).

2. SpielerIn des Jahres
Marcel Koller (früher im Mittelfeld der Grasshoppers Zürich – jetzt in Österreich „Kommunikator des Jahres“ und damit Nachfolger von Conchita Wurst [wem?!]!)

3. Spiel des Jahres
Marcel Koller gewinnt in Schweden (1:4) und qualifiziert sich für die EM.

4. Szene des Jahres
Marcel Koller mit Barrett / beißt genüsslich ins Baguette (bei der Pressekonferenz nach dem Sieg in Schweden: http://www.news.at/a/em-qualifkation-schweden-oesterreich-marcel-koller-pk)

5. Enttäuschung des Jahres
Marcel Koller kassiert im letzten Länderspiel des Jahres die erste Niederlage – 1:2, ausgerechnet gegen die Schweiz (wahrscheinlich eine Finte).

6. Größtes Ärgernis des Jahres
Marcel Koller hat seinen Vertrag als ÖFB-Teamchef noch nicht verlängert …

7. Überraschung des Jahres
Marcel Koller gewinnt einfach alles!

8. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte…
Marcel Koller macht zumindest bis zum Finale der EM 2016 so weiter.

9. Satz / Spruch / Wort des Jahres
„Swag“ (was?!) – von Marcel Koller, dem Kommunikator des Jahres, regelmäßig gebrauchtes Wort aus dem Jugendslang (geprägt vom österreichischen Rapper Money Boy [wem?!]).

10. Welche Wendung wollen wir 2016 NIE mehr hören „Swag“. (War ja schon 2011 Langenscheidts „Jugendwort des Jahres“ – und schon damals wäre „guttenbergen“ [für abschreiben – aber wer ist Guttenberg?!] lustiger gewesen.)

P.S.
Der Rest der 79. Ausgabe des Tödlichen Passes ist wie immer fantastisch. Als kleines Beispiel die Reaktion von Chefredakteur Johannes John auf „Szene des Jahres“:
„Das 2:1 von Rapid Wien bei Viktoria Pilsen am 5. November (z. B. https://www.youtube.com/watch?v=0806YaA2XQg): Philipp Schobesberger – zugleich der Tor des Jahres.“ 

Soccer, subversiv

Posted in Stanglpass, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 22. April 2015

Mein Beitrag zu dem kürzlich erschienenen Heft 76 der Fußballfachzeitschrift Der tödliche Pass:

Soccer, subversiv

Kürzlich war ich das erste Mal in den USA, für ein paar Tage zwar nur, aber immerhin. Meine Lesung war in Washington, D.C., und ich habe den Tag davor und den Tag danach nichts anderes getan, als durch die Stadt zu wandern, vielleicht, weil ich – im Gegensatz zu den Rollbandmechanismen der ganzen Flugreise – so viel wie möglich aus eigener Kraft erreichen/mit eigenen Augen sehen wollte.

Was mich überraschte (hatte ich falsche Erwartungen?): auf und neben den Straßen von D.C. wird viel Fußball gespielt! Meine im Nachhinein (natürlich streng unwissenschaftlich) angelegte Straßensportstatistik, die die omnipräsenten Ausdauersportarten, etwa das Laufen mit allerlei Accessoires (u. a. Jonglierbällen), nicht berücksichtigt, listet auf: „dreimal Fußball“ – im Vergleich zu „dreimal American Football“ (nie mit Ausrüstung, nur einmal mit dem richtigen Ball, sonst mit Frisbees), „einmal Landhockey“ (Trockentraining fürs Eis?), „zweimal Rudern“, „einmal Schach“ – erstaunlich auch: „null mal Basketball, null mal Baseball“.

Ich weiß noch, wie verloren mir die Fußballspieler in den riesigen Football-Ovalen beim (Fern-)Sehen der WM 1994 vorkamen … Heute, vor Ort, gewann ich einen anderen Eindruck. Diese beiden, zwischen goal posts und gridirons des Sportplatzes der Georgetown University eifrig trainierenden Kicker, z. B. – wohnt ihnen nicht eher etwas Subversives, Unterwanderndes inne? In der Heimstätte der Georgetown Hoyas scheint alles auf American Football ausgerichtet, was aber in Wirklichkeit darin gespielt wird, ist Fußball.

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Fußball ohne Schläger

Posted in Stanglpass by andreasundschnurrendemia on 24. Dezember 2014

Es ist in den letzten Jahren zur traurigen Tradition geworden, dass ich gegen Jahresschluss auf diesem Medium kundtue, es sei zur traurigen Tradition geworden, dass meine einzigen Beiträge zur besten und (zumindest, was die Qualität der Zuneigung anbelangt) auch beliebtesten deutschen Fußballzeitschrift (“Der tödliche Pass”) aus den Antworten zur alljährlichen Silvester-Umfrage bestünden … Sei´s drum, vielleicht wird es im nächsten Jahr ja anders –  auch das schreibe ich jedes Jahr. Hier jedenfalls mein Stanglpass 2014 – und natürlich, wie jedes Jahr, der aus tiefstem Herzen kommende Wunsch, dass es Euch, geneigte Userinnen und User, in diesen Tagen so ergehen möge wie dem derzeit allenthalben so eifrig besungenen Otannenbaum (“Du grinst nicht nur zur Sommerszeit” usw.).

Umfrage Dezember 2014

1. Tor des Jahres

WM 2014: Carlsens 2:1 gegen Anand (misslungener Schuss – der Ball findet, sozusagen, von der Stange des eigenen, an der Fußspitze des Ex-Torschützenkönigs vorbei, ins Netz des gegnerischen Tors).

2. SpielerIn des Jahres

Wie 2013: Magnus Carlsen, Hobbykicker und Schachweltmeister, der all den Schachfans beweist: Fußball ist nicht nur was für Nerds! (Vgl. dazu: Gerald Wenge, Der tödliche Pass 72)

3. Spiel des Jahres

Carlsens Hallenkick am Ruhetag des Gashimov Memorials. Nach 2 Niederlagen in Folge kehrt er entfesselt ins Turnier zurück, siegt in der letzten Runde auch gegen Kronprinz Caruana.

4. Szene des Jahres

Caruana gegen Carlsen, Sinquefield Cup, Rückrunde: Carlsen nimmt Caruana nach dessen 7 Siegen in Folge (!) mit Müh und Not ein Remis ab, Körpersprache danach: gar kein Problem!

(Variante: Nach wochenlangem Hickhack entscheidet sich Carlsen doch dazu, das WM-Match in Sotschi, finanziert von einem ukrainischen prorussischen Aktivisten, zu spielen.

)

5. Enttäuschung des Jahres

Carlsen spielt bei der WM in Sotschi, anders als in Chennai 2013 und den meisten anderen Turnieren bisher, nur Basketball (an den Ruhetagen, meine ich – sonst natürlich Schach).

6. Größtes Ärgernis des Jahres

Garri Kasparow, Carlsens Mentor, verliert die offen korruptionsgelenkte Wahl des FIDE- (= Schach-FIFA)-Präsidenten gegen Amtsinhaber und Gaddafi-, Al-Assad- und Alien-Freund Iljumschninow.

7. Überraschung des Jahres

Fabiano Caruana beginnt das stärkste Turnier der Schachgeschichte, den Sinquefield Cup, mit 7 Siegen in Folge (ebenso „unmöglich“ wie gegen die Seleção 7:0 in Führung zu liegen).

8. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte…

… ließe sich Fußball nebenbei, also neben dem Kinderhüten, Arbeiten u. Ä., ebenso gut über Mobiltelefon und Twitter verfolgen wie Schach.

9. Satz / Spruch / Wort des Jahres

“The process of picking a line-up is a bit like sitting in front of your chess pieces. You’ve no idea how similar the two things are.” Pep Guardiola.

(Vgl. dazu:

)

10. Welche Wendung wollen wir 2015 NIE mehr hören

„Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel.“ (Lukas Podolski? Nein: Kabarettist Jan Böhmermann!)

Glückliches Alabanien!

Posted in Stanglpass by andreasundschnurrendemia on 24. Dezember 2013

Es ist ja in den letzten Jahren zur traurigen Tradition geworden, dass meine einzigen Beiträge zur besten und (zumindest, was die Qualität der Zuneigung anbelangt) auch beliebtesten deutschen Fußballzeitschrift („Der tödliche Pass“) aus den Antworten zur alljährlichen Silvester-Umfrage bestehen … Sei´s drum, vielleicht wird es im nächsten Jahr ja anders. Hier jedenfalls mein Stanglpass 2013 – und natürlich der aus tiefstem Herzen kommende Wunsch, dass es Euch, geneigte Userinnen und User, in diesen Tagen so ergehen möge wie dem derzeit allenthalben so eifrig besungenen Tannenbaum („Du grinst nicht nur zur Sommerszeit“ usw.).

Umfrage Dezember 2013

1. Tor des Jahres

David ALABAS 2:0 im Auswärtsspiel gegen Schweden (35.), das Österreich in das (dann natürlich glorreich gewonnene) WM-Play-off gegen die armen Portugiesen brachte.

2. SpielerIn des Jahres

Thomas MURG (FK Austria Wien, vormals Grazer AK).

3. Spiel des Jahres

Das ALLES entscheidende WM-Qualifikationsspiel Schweden – Österreich, 11.10.13 (2:2).

4. Szene des Jahres

ALABAS 2:0 gegen die Schweden.

5. Enttäuschung des Jahres

Keine, dank ALABA.

6. Größtes Ärgernis des Jahres

Keines, dank ALABA.

7. Überraschung des Jahres

ALABAS 2:0 gegen die Schweden!

8. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte…

Wunschlos, dank ALABA.

9. Satz / Spruch / Wort des Jahres

„Danke, gut. Sie können ruhig Deutsch mit mir reden, ich bin Österreicher“ (David ALABA zum Tiroler Landeshauptmann Günther Platter)

10. Welche Wendung wollen wir 2014 NIE mehr hören

„How do you do?“ (Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter zu David ALABA).

11. Wer wird 2014 Weltmeister?

ALABANIEN! (oder Argentinien)

Gutes Hineinrutschen!

Posted in Stanglpass by andreasundschnurrendemia on 28. Dezember 2012

Mein Beitrag zum sehr empfehlenswerten Heft 67 der internationalen Fußballzeitschrift Der tödliche Pass – meine Kolumne „Der Stanglpass“ befindet sich zwar immer noch (und mehr denn je) auf Papapause, aber zumindest zum Beantworten der alljährlichen Jahresrückblicksumfrage haben Zeit und Energie gereicht.

Jahresrückblick:
Umfrage Dezember 2012

1. Tor des Jahres

Herbert Rauters Volley-Treffer zum 1:0 im Spiel Grazer AK gegen SAK Klagenfurt am 14.04.12, 21. Runde der österreichischen Regionalliga Mitte (Endstand 5:0).

2. SpielerIn des Jahres

Thomas Murg, der mit 17 Jahren vom GAK zum FK Austria Wien, also vom Meister der Regionalliga (3. Spielklasse) zu einem Bundesliga-Spitzenklub, gewechselt ist.

3. Spiel des Jahres

GAK-TSV Hartberg, 05.06.12, Relegation um den Aufstieg in die Erste Liga (2. Spielklasse). 14.600 Zuseher im Hinspiel bedeuten wohl österreichischen Regionalliga-Rekord (ich war dabei!).

4. Szene des Jahres

Jeder Zweikampf bei GAK-Hartberg: die routinierten Hartberger „spielen“ ihre körperliche Überlegenheit voll aus, so dass die jungen Grazer Filigrantechniker mit dem finalen 0:0 gut bedient sind.

5. Enttäuschung des Jahres

Der GAK gerät im Rückspiel in Hartberg mit 0:3 in Rückstand.

6. Größtes Ärgernis des Jahres

Beim Stand von 0:3 stürmen rund 50 Idioten, die sich gleich nennen wie ich („GAK-Fan“), das Spielfeld – das Spiel wird abgebrochen, später mit 3:0 für Hartberg strafverifiziert.

7. Überraschung des Jahres

Im Oktober bringt der GAK einen Konkursantrag ein – den 4. innerhalb von 5 Jahren! Diesmal gibt es kein Weiterwursteln: am 30.10. wird der 110 Jahre alte Verein geschlossen.

8. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte…

Ein neu gegründeter GAK schafft auf wirtschaftlich gesunder Basis den Weg zurück in die Bundesliga, ja, wird sogar (zum 2. Mal nach 2004) Meister – und ich darf das noch erleben …

9. Satz / Spruch / Wort des Jahres

„Das war beim GAK immer so. Hoch hinauf, steil hinunter. Das ist Dialektik.“ Alfred Kolleritsch über den „Grazer Dialektik Klub“. (Zitat von 2006, aber immer noch gültig, leider [oder hoffentlich?!])

10. Welche Wendung wollen wir 2011 NIE mehr hören

„Der Grazer Athletiksport-Klub, kurz GAK, war [!!!] ein österreichischer Sportverein aus Graz.“ (Anfang des aktuellen Wikipedia-Eintrags über jenen Klub, der mir immer noch der liebste ist.)

P.S. Gutes Hineinrutschen allerseits – auch im neuen Jahr!

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Der dritte Pass (Stanglpass 19)

Posted in Stanglpass, Trauer by andreasundschnurrendemia on 15. Juni 2011

(Aus dem in Kürze erscheinenden Heft 61 der Fußballfachzeitschrift Der tödliche Pass)

Der dritte Pass

 St. Johann, 04.06.2011

Dies ist nicht der Stanglpass, den ich schreiben wollte.
Vor ein paar Tagen ist ein lieber Freund von mir gestorben, 33 Jahre alt, verheiratet, Vater einer einjährigen Tochter – seither sind alle Ideen, die ich für diesen Artikel hatte, nur noch eins: unsäglich.
Dass mein Lieblingsklub, der Grazer AK, wieder knapp nicht aus der Regionalliga aufsteigen konnte, ist – in Wirklichkeit – eben keine „Tragödie“; dass ausgerechnet der Lokalrivale Sturm Graz österreichischer Meister wurde, keine „Ironie des Schicksals“; und auch die diesjährigen Ergebnisse des ÖFB-Teams, so enttäuschend sie auch sein mögen, lassen sich nicht als „Katastrophe“ bezeichnen – wahre Katastrophen sehen anders aus.

Ein weiterer Stanglpass, den ich nicht schreiben möchte, ist jener, der – aus meiner jetzigen Trauer, meinem Zorn heraus – den Fußball, seinen Diskurs und die Emotionen all derer, die daran beteiligt sind, als „nichtig“ oder „eitel“ abtut.
Sicher, wenn man gerade dabei ist, Fotos anzuschauen, die einen mittlerweile Verstorbenen noch mit seinem Kind im Arm zeigen, kann die „Verzweiflung“ der Schlachtenbummler, die sich in der parallel geöffneten Registerkarte des Internetexplorers die rot-weiß-roten Perücken raufen (Deutschland ist 1:0 in Führung gegangen), gar nicht anders als lächerlich erscheinen.
Andererseits aber blitzt ausgerechnet darin auch der Trost auf, den das Spiel Fußball mit seiner Parallelwelt – einer besseren Welt als der unseren, einer, in der die „Verzweiflung“ keine Verzweiflung, eine „Katastrophe“ keine Katastrophe und ein „tödlicher“ Pass nichts ist, woran jemand tatsächlich stirbt – zu spenden vermag. Ich empfange ihn selbst, empfange die (ebenso falsche wie rettende) Hoffnung, die der Fußball bringt, wenig später, als – meine Tränen sind noch nicht getrocknet – die Österreicher den (zwischenzeitlichen) Ausgleich erzielen … 

Es ist also – und davon könnte ein dritter Stanglpass, der, den ich hier, so schlecht es auch geht, zu schreiben versuche, handeln – es ist also nicht, wie Thomas Bernhard einmal verkündet hat, „alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt“. In Wirklichkeit (zumindest in meiner) ist es genau umgekehrt.
Gerade dann, wenn man den Tod, der – angeblich – alle erwartet, mit bedenkt, verlieren die als Bagatellen verschrienen Dinge, die uns, und sei es nur für Augenblicke, Freude (oder was auch immer) bereiten, ihre Belanglosigkeit. Ob Fußball, Shoppen oder Russisch Kegeln: sobald man es als das betrachtet, was es im Hinblick auf den Tod bedeutet – sein absolutes Gegenteil: das Leben! –, gewinnt es an Würde, an Tiefe, wird aus dem Spiel Ernst.
Zumindest rechtfertige ich so vor mir selbst, dass ich hier sitzen kann und über Fußball (über Fußball!) schreiben – wo doch mein lieber Freund gestorben ist.

Die große Elf (Stanglpass 18)

Posted in Stanglpass by andreasundschnurrendemia on 16. April 2011

(Aus dem sehr empfehlenswerten Heft 60 der Fußballfachzeitschrift Der tödliche Pass)

Die Welt von gestern

Karl Bruckners Fußballroman Die große Elf

1

 Beim Ausräumen einiger in meiner Geburtsstadt Graz verbliebenen Regale fiel mir neulich ein Buch in die Hände, das ich als Kind zu meinen Lieblingsbüchern zählte: Die große Elf von Karl Bruckner, „ein“, laut Untertitel, „besinnlich-heiterer Fußballroman für Jugendliche bis zum Greisenalter“, erschienen 1951 bei Waldheim-Eberle (Wien).
Bei dem Buch, das ursprünglich wohl aus der Bibliothek meines Vaters (Jahrgang 1947) und meines Onkels (1946) stammt, handelt es sich um die Fortsetzung von Bruckners Bestseller Die Spatzenelf („Gesamtauflage von über 130.000 Exemplaren“, Wikipedia). Dieser „erzählt von Wiener Buben, die zwischen Randstein und Gaslatern’ aufwachsen und auf der Gstettn in Fußballspielen mit einem ,Fetzenlaberl´ ihre Rivalitäten austragen. […] Das solidarische Kollektiv Spatzenelf trägt schließlich den verdienten Sieg über die arroganten Ameisgässler davon“ (Thomas Karny, Wiener Zeitung v. 20.10.2007).
Die Handlung von Die große Elf spielt „ein paar Jahre“ später. Ähnlich wie in Sequels von Hollywood-Sportfilmen (z. B. Die Indianer von Cleveland II) geht es darin um den vorläufigen Niedergang der einst so erfolgreichen Mannschaft – auf den dann freilich ein neuerlicher, umso glanzvollerer Aufstieg folgt. Aus den kindlichen „Wunderspatzen“ wird im Verlauf des Buchs die (gereifte) „große Elf“.

In Erinnerung geblieben ist mir Bruckners Roman wegen der Dramatik der geschilderten sportlichen Ereignisse. Resultat und Verlauf des Entscheidungsspiels („Cup-Finale“) wusste ich immer noch, selbst ein paar Torschützen bekam ich noch zusammen.
Beim Wiederlesen musste ich allerdings feststellen, dass die Spielberichte, die mich damals so gefesselt haben, kaum mehr als eine Art Kulisse darstellen. Viel wichtiger erscheinen mir heute hingegen jene Passagen, die ich als Kind gern überblättert habe: die, in denen „das Augenmerk auf die materiellen Interessen im Sportbetrieb“ (Karny) gelegt wird.

2

Erschienen vor 60 Jahren, spielt der Roman Die große Elf in einer Welt von gestern. Das zeigt sich schon an den Mannschaftsaufstellungen, mit denen – 17 Jahre vor Peter Handkes Gedicht Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27.1.1968 – das Buch eröffnet wird. Das „Spatzenteam“ spielt mit fünf Stürmern, drei Mittelfeldspielern (darunter der zentrale „Centerhalf“, eine Mischung aus Libero und Spielmacher) und nur zwei Verteidigern.
Ein derart offensives 2-3-5 wäre im heutigen Fußball unvorstellbar – Ähnliches gilt auch für die abseits des Spielfelds wirksamen Systeme.

Die Jugendmannschaft des „S. C. Viktoria“ ist so etwas wie Wiener Meister in der Altersklasse U18. Heute wäre für ihre Spieler der Sprung zum Profitum (samt zu erwartendem Vereinswechsel) der einzig logische Schritt – man denke etwa an den Wiener David Alaba, der mit fünfzehn Jahren bei der Wiener Austria auf der Bank saß, mit sechzehn zum FC Bayern wechselte, dort mit siebzehn in der Kampfmannschaft debütierte und „kurz nach seinem 18. Geburtstag“ (Wikipedia) einen Profi-Vertrag unterschrieb.
Karl Bruckner erteilt jedoch dem verfrühten, wenn nicht gar dem gesamten Sportprofitum eine klare Absage. „Sport macht Freude, Arbeit schafft Geld“, lautet die Maxime des moralisch integren Trainers Alois. Und in einer Sitzung, in der über den Verkauf von drei Jungfußballern gestritten wird, wettert der Trainer: „Begreift doch endlich, daß ihr etwas ganz Widersinniges tun wollt: ihr gebt talentierte Jugendspieler ab, die wir uns mit Mühe groß gezogen haben, und wenn ihr dann Nachwuchsspieler für unsere Erste braucht, müßt ihr sie wieder von anderen Vereinen kaufen. Ich bemühe mich jahrelang, junge Menschen zu ehrlichen, tüchtigen Sportlern zu erziehen, und ihr macht Geschäfte mit ihnen? Wenn ihr ohnehin nur Spieler kaufen und verkaufen wollt, dann tauft doch unseren Verein um – nennt ihn nicht ,Sportklub´ Viktoria, sondern ,Sporthandelsagentur [Präsident] Schrumseder, [Sektionschef] Bartos und Kompanie´.“

Müßig zu erwähnen, dass der hier angeprangerte „Handel“ mit Nachwuchsspielern mittlerweile eine legitime, ja, sogar angesehene Praxis darstellt. So sieht sich etwa, vom FC Red Bull Salzburg (um nicht zu sagen: der Salzburger Niederlassung der Red Bull GmbH) abwärts, der Großteil der österreichischen Bundesliga-Klubs als „Ausbildungsverein“ – für reichere, in stärkeren Ligen (z. B. in der deutschen Bundesliga) engagierte Klubs.
Zwar würde es den strengen Trainer Alois und seinen Erfinder sicher freuen, dass die heutigen „Fußballakademien“ Wert auf eine zusätzliche Berufsausbildung legen – ob diese Institutionen jedoch darüber hinaus etwas mit Bruckners idealistischer Symbiose von Freude machendem „Sport“ und Geld schaffender „Arbeit“ zu tun haben, ist fraglich.
Schließlich scheint die von ihnen geförderte Doppelbelastung für die Jugendlichen nicht ganz unproblematisch. Der siebzehnjährige Rapid-Nachwuchsspieler Peter Z. etwa berichtet, er sei von seinem Zehn- bis Elf-Stunden-Tag zwischen Lehre und Training anfangs „urüberfordert“ gewesen. Für ein Privatleben, etwa eine Freundin, sei ohnehin „zu wenig Zeit“. Und so kenne er nur ein Ziel, das er diszipliniert verfolge: „So schnell wie möglich Profi werden.“ (Vgl. Andrea Sailer, passt! v. 02.03.2011).

3

Die große Elf beginnt mit dem Zerfall der Spatzenelf. Der talentierte, aber zur Überheblichkeit neigende Mittelstürmer Franzl (erinnert ein bisschen an Marko Arnautović), zwei seiner Stürmerkollegen und der Verteidiger Vikerl wollen „Profi-Fußballer“ werden. Sie gehen auf das Angebot eines Spielervermittlers ein, verlassen ihre alten Freunde und wechseln gegen Ablösesummen zur Konkurrenz, wo sie „Prämien“ erhalten (so klein diese auch sein mögen: Franzl etwa will sich für sein erstes „Handgeld“ von zwanzig Schilling ein paar Kilo Kirschen kaufen oder ins Kino gehen).
Die übriggebliebenen Spatzen sind anfangs entmutigt. Erst, als es Kapitän Schurl und Stürmer Willi gelingt, den Spielervermittler Salamander, der ihnen auch noch den naiven Linksaußen Stöpserl abspenstig machen will, als „Dieb“, „Gauner“, ja, „Gangsterhäuptling“ zu überführen, ändert sich die Stimmung. Von da an zeichnet sich die Mannschaft durch die von Trainer Alois seit jeher geforderten Tugenden „Zusammenspiel“ und „Kampfgeist“ aus.
Den Schikanen der Vereinsführung zum Trotz (die Spieler müssen ihre Schuhe selbst flicken, die „unprofitable“ Jugendmannschaft soll aufgelöst werden etc.) wird im Semifinale des nicht näher bezeichneten „Cups“ die „Kicker-Elf“ nach 0:3-Rückstand 4:3 geschlagen. Und mit demselben Resultat endet auch das Finale gegen „Unitas“, Franzls neue Mannschaft. Dabei fällt das entscheidende Tor unter denkbar dramatischen Umständen: in den letzten Sekunden der Verlängerung, aus einem Konter, der unmittelbar auf einen gehaltenen Elfmeter folgt …
Bei der Siegesfeier in der Kabine findet dann auch der im Sportroman versteckte Wirtschaftskrimi ein Happy End. Willi und Schurl gelingt es, den intriganten Sektionschef Bartos zu entlarven: er hat sich an den Verkäufen von Franzl und Co. persönlich bereichert. Und der Präsident von Unitas, der den Siegern ein paar Spieler abkaufen will, wird vom Trainer kurzerhand aus der Kabine geworfen. „Bei uns wird jetzt reiner Tisch gemacht“, sagt Alois. „Wir wollen wieder ein richtiger Sportverein sein.“

Das Match Amateur- gegen Profi-Sport endet bei Bruckner also mit einem totalen Triumph jener, die „um die Ehre spielen“ – wobei anzunehmen ist, dass dies nicht nur heute, sondern bereits vor 60 Jahren etwas weltfremd erschien. In Wirklichkeit ging dieser Klassiker wohl auch schon in der Welt von gestern meistens anders aus …
Umso schöner aber, wenn dann doch einmal der Außenseiter gewinnt: „Und hell blinkt der Siegespokal, als der Obmann ruft:

,Es lebe die große Elf!´“

Karl Bruckner (1906 – 1982) österreichischer Schriftsteller. „Seine für Frieden und soziale Gerechtigkeit eintretenden Jugendbücher wurden in viele Sprachen übersetzt“ (AEIOU Österreich-Lexikon). Werke u. a.: Die Spatzenelf (1949, neu aufgelegt 2000, mittlerweile vergriffen), Die große Elf (1951, vergriffen), Sadako will leben (1961, 2004 neu aufgelegt). Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur 1956 und 1961.

Zitate und Abbildung aus:
Karl Bruckner: Die große Elf. Ein besinnlich-heiterer Fußballroman für Jugendliche bis zum Greisenalter. Mit 20 Text-Illustrationen von Adalbert Pilch. Wien: Buchgemeinschaft Jung-Donauland o. J.

Weitere Stanglpässe

Recht brav (Stanglpass 17)

Posted in Stanglpass by andreasundschnurrendemia on 13. Januar 2011

(Aus dem sehr empfehlenswerten Heft 59 der Fußballfachzeitschrift Der tödliche Pass)

Recht brav

Der heilige Nikolaus im Gespräch

Der Stanglpass
zugespielt von Andreas Unterweger aus Österreich

06.12.2010, zwischen Tür und Angel

Heiliger Nikolaus, bitte warte noch einen Moment … Ich soll einen Stanglpass schreiben.
Weil ich mich aber immer so brav um meine Familie kümmere, komme ich kaum dazu, mich
mit Fußball zu beschäftigen – deshalb suche ich einen kompetenten Interviewpartner. Da hab
ich mir gedacht: Frag doch den Nikolaus, der weiß alles, was im letzten Jahr passiert ist …

Sehr brav.

Danke! Mir ist natürlich klar, dass du es eilig hast – schließlich erwarten heute noch viele
Kinder deinen Besuch. Deshalb möchte ich dich auch gar nicht mit langen Vorreden
aufhalten, sondern komme gleich zur Sache … Ähem … Wo sind meine Unterlagen … Ah,
hier … – Wie beurteilst du die Leistungen des österreichischen Nationalteams in diesem Jahr?

Recht brav.

Die eher abwertende Modalpartikel „recht“ verdankt sich wohl den dürftigen Auftritten der
Mannschaft in den ersten drei Freundschaftsspielen des Jahres – und dem schwachen Start in
die EM-Qualifikation: Kasachstan wurde zuhause zwar mit 2:0 besiegt, das erste Tor fiel aber
erst in der Nachspielzeit. Die Performance in den 91 Minuten davor war alles andere als …

… sehr brav.

Genau. Doch schon beim nächsten Spiel, dem 3:0 gegen Aserbaidschan, sah die Sache ganz
anders aus. Angetrieben vom überragenden Marko Arnautović, der zwei Tore erzielte und
seine Kollegen mit hierzulande längst vergessenem Fußballkulturgut wie „Fersler“ und
„Gurkerl“ überraschte, präsentierte sich das ganze Team seit langer Zeit wieder einmal …

… recht brav.

Exakt. Diesen Aufwärtstrend bestätigte das turbulente 4:4 in Belgien. Wieder zeigte die
Offensive mit u. a. Arnautović, Zlatko Junuzović und Mittelstürmer Stefan Maierhofer, der
von Didi Constantini Marc Janko vorgezogen wird und seine technischen Mängel bislang mit
großem Einsatz wettmacht, eine sehr starke Leistung. Defensiv aber waren die Burschen …

… sehr schlimm.

Richtig. Und hätte nicht Martin Harnik, der entmutigten Körpersprache seines Trainers zum
Trotz, in der 93. Minute das 4:4 erzielt, wäre das Spiel, in dem man bereits 3:2 geführt hatte,
noch verloren worden – wie das folgende Freundschaftsspiel gegen Griechenland, in dem die
drückende spielerische Überlegenheit keine Früchte trug (1:2). Dennoch: dieses 4:4 war …

… recht brav …

… und vielleicht sogar mehr als das. Denn es hat Emotionen ausgelöst. Selbst ein in
Sportdingen betont unaufgeregtes Printmedium wie Der Standard ließ sich zu der Schlagzeile
„Wahnsinns-Match mit irrem Ende“ hinreißen und sprach (zu Recht) von einem „Klassiker“.
Tatsächlich kann ich mich nicht an eine Nationalmannschaft erinnern, deren Spiel derart …

… brav …

… – äh, ja, aber eigentlich wollte ich sagen: mitreißend – gewirkt hätte. Es scheint, als ob
Teamchef Constantini, der zwischenzeitlich wegen gröberer Kommunikationsprobleme mit
gewissen Spielern und seines theoretischen („Taktik ist überbewertet“) und auch praktischen
(Stürmer Roland Linz als Spielmacher) Taktik-Bashings kritisiert wurde, im Grunde doch …

… recht brav …

… oder auch: richtig handelt, indem er ein harmonisches Teamgefüge über alles andere stellt.
Im nächsten Jahr warten Spiele gegen die stärksten beiden Mannschaften der Gruppe A,
Deutschland und die Türkei. Natürlich darf man sich keine ernsthaften Hoffnungen auf die
EM-Qualifikation machen – aber Constantinis „elf Freunden“ traut man zumindest zu, sich …

… brav …

– nein, viel viel mehr als brav! – beherzt! leidenschaftlich! hingebungsvoll! gegen das
Schicksal zu stemmen – und das, ein Novum in Österreich!, nicht nur mit kämpferischen,
sondern auch mit spielerischen Mitteln … – Nun, wie auch immer, lieber Nikolaus. Ich will
dich nicht länger von guten Taten abhalten. Hab Dank für deine Antworten, sie waren …

… recht brav?

Du sagst es. Bis zum nächsten Jahr!

Die WM von Maria (Stanglpass 15)

Posted in Stanglpass by andreasundschnurrendemia on 18. August 2010

(Aus Heft 57 der Fußballfachzeitschrift Der tödliche Pass)

Für mich war es weder die WM von Iniesta noch die von Schweinsteiger, sondern die von Maria – und damit meine ich natürlich nicht: Di María, den wackeren argentinischen Flügelspieler, der das Waterloo der Seinen auch nicht verhindern konnte, sondern: die Maria, die meine Frau rund einen Monat vor dem Eröffnungsspiel zur Welt gebracht hat – sprich: unsere liebe kleine Tochter. Wie auch schon anderen Sportereignissen, denen Maria kurz nach ihrer Geburt via ihres Papas Aufregung beiwohnen durfte, hat sie auch der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika ihren Stempel aufgedrückt.

Woran sich das erkennen lässt? Nun, sagen wir so: Seitdem Maria da ist, gewinnt immer das Gute. Es gewinnt zwar nicht überlegen, es gewinnt nicht jedes einzelne Spiel, und oft sieht es schon so aus, als ob alles, einmal mehr, tragisch enden würde (wie die WM 2006 oder die Champions League 2009/2010 …) – aber, und das ist tatsächlich ganz neu, am Ende, wenn man schon fast alle Hoffnung fahren lassen hat, geht es dann doch noch gut aus.

Marias Einfluss zeigte sich bei der Schach-WM in Sofia (Viswanathan Anand holt sich in der letzten Partie auf ebenso glückliche wie spektakuläre Art und Weise den Sieg), er zeigte sich im Viertelfinale von Roland Garros (Jürgen Melzer dreht einen Zweisatzrückstand gegen Novak Djokovic und zieht ins Semifinale ein), und er beendete den schon viel zu lange währenden finanziellen Leidensweg des Grazer AK: nach dem dritten Zwangsausgleich in vier Jahren ist der Klub – dank des Engagements von Ex-Präsident Rudi Roth – nun einigermaßen saniert und kann sich auf die Zukunft (Aufstieg aus der Regionalliga) konzentrieren.

Bei der Fußball-WM aber verhielt sich Maria ähnlich wie der große Zinédine Zidane 1998. Über weite Strecken des Turniers unauffällig bzw. nicht gar nicht dabei, zeigte sie erst im Finale (beim Vereiteln mehrerer Robben´scher Großchancen und in der 116. Minute …), wozu sie fähig ist. Der tödliche Pass traf sie zum Exklusivinterview – auf dem Wickeltisch:

TP       Maria, du wurdest im Laufe des WM-Turniers oft erst kurz vor Schluss, und dann nur gemeinsam mit deinem schon etwas langsamen Papa, der es meist einfach nicht früher geschafft hat, sich zum Computer (ORF-Live-Stream) zu setzen, eingewechselt. Dennoch: Wie beurteilst du die spielerische Qualität dieser WM?

M        (runzelt die Stirn, gähnt, dann:) Buh!

TP       Das sehe ich ähnlich. Im Finale aber warst Du – mit Papa und Mama! – von Anfang an dabei. Was sagst du zu der – angeblich taktisch brillanten – Spielweise der Niederländer?

M        (strampelt mit den Beinen, fuchtelt mit den Armen, tritt ihrem Papa gegen die Brust)

TP       Ja, das meine ich. Wie findest du diese Art zu spielen?

M        (strampelt noch etwas, schielt und schnauft, wird ruhiger – aus ihrem [glücklicherweise noch verpackten] Windelpopo dringt ein gurgelndes Geräusch …)

TP       Du hast Recht, anders kann man es nicht sagen. Ich bin ganz deiner Meinung. Und deine Mama, für die das WM-Finale (wie sicherlich für viele andere) das erste Fußballspiel seit Langem bedeutete, war regelrecht entsetzt. Diese Spielweise war keine Werbung für den Fußball, des Anlasses nicht würdig und eine Schande für eine so traditionsreiche Fußballnation … Umso mehr haben wir – deine Mama und ich, du hast ja (zu Recht!) ab der fünfzehnten Minute geschlafen – uns über Iniestas Tor in der Verlängerung gefreut. – Und wie fühlst du dich mit Spanien als Weltmeister?

M        (lächelt) Heureux[1]

TP       Ganz der Papa! Danke für das Gespräch.


[1] Sprich: „öröh“, französisch für „glücklich“. Meine Tochter ist offenbar ausgesprochen frankophil – jedenfalls zählt „heureux“ zu ihren Lieblingswörtern. (Obwohl es korrekterweise ja „heureuSE“ heißen müsste. Aber was soll´s, für die grammatikalischen Feinheiten hat sie ja noch etwas Zeit …)

Foto: Reinfried Blaha

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