Andreas Unterweger

Printemps des poètes – Hors saison

Posted in gedichte, Poèmes, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 14. Juli 2019

Spät, dafür aber am französischen Nationalfeiertag – Nachtrag zu den Terminen:

  1. 23.05.19, 19 Uhr, Andreas Unterweger liest beim Poesiefestival Printemps des poètes aus seinem in Kooperation mit Versopolis erscheinenden dreisprachigen Gedichtband. Guillaume Métayer liest die Übersetzungen ins Französische. Außerdem lesen:  Luljeta Lleshanaku (Albanien), Eleanor Rees (GB), Ivan Hristov (Bulgarien). Centre national du livre, 53 Rue de Verneuil, 75007 Paris, und
  2. 24.05.19, 19 Uhr, 23.05.19, 19 Uhr, Andreas Unterweger liest beim Poesiefestival Printemps des poètes aus seinem in Kooperation mit Versopolis erscheinenden dreisprachigen Gedichtband. Yekta liest die Übersetzungen ins Französische. Außerdem lesen: Luljeta Lleshanaku (Albanien), Eleanor Rees (GB), Ivan Hristov (Bulgarien). Café La Pomme d´Eve, 1 Rue Laplace, 75005 Paris.

Paris, bekanntlich ein Fest fürs Leben, hat auch für zwei Leben ausreichend Feste zu bieten. Und so durfte Ende Mai nicht nur der Prosaschriftsteller meines Namens jubilieren (bei der Nuit de la littérature: wir berichteten), sondern auch sein Gedichte schreibendes Alter Ego – wurde doch im Rahmen meiner Teilnahme an der Sonderschiene „Hors saison“ des Lyrikfestivals „Printemps des poètes“ mein erster Gedichtband veröffentlicht:

Die Einladung nach Paris und das im Verlag La Traductière erschienene Büchlein verdanke ich meiner  virtuellen Präsenz auf der internationalen Lyrikplattform Versopolis, die vom Verlag Beletrina in Ljubljana organisiert wird und zu der ich vom Unabhängigen Literaturhaus Niederösterreich eingeladen wurde. Vielen Dank, liebe Sylvia Treudl und Michael Stiller! God save the E.U.!

Die erste Lesung fand im renommierten Centre national du livre statt.
Von l.n.r.: Ivan Hristov, io, Luljeta Lleshanaku, Eleanor Rees:

Hier sieht man, wie der Dichter dreinschaut, wenn das Flugzeug der AUA zwischen Graz und Wien so viel Verspätung aufreißt, dass es den AUA-Anschlussflug nach Paris verpasst und der Lesereisende trotz Dauerlaufs vom Flughafen über die RER- und Métro-Bahnsteige (auch solche in die falsche Richtung) erst 15 Minuten nach programmiertem Beginn der Veranstaltung auftaucht:

(c) Printemps des poètes

Ich las drei Gedichte („An einen, den ich kannte“, „Großvatersprache“, „Die Schlange“, glaube ich), alle drei übersetzt von Guillaume Métayer, der auch die französischen Fassungen vortrug.

Anschließend eine lange Diskussion über „die neue europäische Lyrikwelle“, die von einigen ihrer Protagonisten im schönen Garten des CNL fortgesetzt wurde.
Hier unterhalten sich Ivan Hristov, Guillaume Métayer und die bulgarisch-französische Dichterin Velina Minkoff

… hier Luljeta Lleshanaku mit Leserinnen …

… hier zitiert ein AUA-Geprüfter wieder einmal Arthur Rimbaud: Ich ist ein anderer:

Die Vorbereitungen auf die Lesung am Abend darauf lassen sich auf Facebook trefflich nacherleben, dort so geschildert:

„Paris – Stadt der Dichterinnen und Dichter!
Erst Rimbaud und Verlaine gesucht und gefunden …

… dann zufällig (!), einen Tag vor den vereinbarten Treffpunkt, Laure Gauthier getroffen (kein Wunder, dass wir doublecheesen) …

… danach geplantes Posen mit dem designierten Styrian Artist In Residence Guillaume Métayer vor der Buchhandlung Tchann, wo er demnächst seine über 1000-seitige Nietzsche-Lyrik-Gesamtübersetzung (in Reimen!) präsentiert …

Guillaume und ich besuchten auch das Café La Pomme d’Eve im Quartier latin, in dessen mittelalterlichem Kellergewölbe am Abend die zweite Lesung des Festivals stattfand – schon die Klingel war ein Gedicht …

Am Abend wurde wieder Gutes von Luljeta Lleshanaku (Albanien), Mystisches von Eleanor Rees (GB) und Witziges von Ivan Hristov (Bulgarien) geboten.
Ich las das lange Gedicht „Kabul“, das der ebenfalls anwesende Laurent Cassagnau, bekannt als brillanter Übersetzer von „Das gelbe Buch“ („Le livre jaune“), ins Französische übertragen hatte.

 

(c) Laurent Cassagnau

(c) Printemps des poètes

Musikalischer Höhepunkt des Abends war zweifelsohne Ivan Hristovs Flötenperformance.

Danke Österreichisches Kulturforum in Paris

… danke Versopolis, danke Linda Maria Barros und Louise Champiré von Printemps des poètes!
Danke auch für die netten Unterhaltungen auf diversen Flughäfen, lieber Paris-Flug- und Verspätungsgenosse Christoph Urban!

*

Zum Gedichtbuch:

Es enthält folgende Gedichte im deutschen Original und ihre Übersetzungen ins Französische und Englische:

Donauebene (Dezember), frz. v. Laurent Cassagnau, engl. v. Greg Nissan.
An einen, den ich kannte, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Greg Nissan.
Kabul, frz. v. Laurent Cassagnau, engl. v. Greg Nissan.
Großvatersprache, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Greg Nissan.
Die Sonnenblumen, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Greg Nissan.
Klimatologen, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Greg Nissan.
Das Tonstudio, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Greg Nissan.
Юдит, frz. v. Laurent Cassagnau, engl. v. Greg Nissan.
Die Maus, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Gertraud Dayé.
Die Spinne, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Gertraud Dayé.
Die Schlange, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Gertraud Dayé.
Kein Gedicht, frz. v. Guillaume Métayer, engl. v. Gertraud Dayé.

Das Buch ist in den Buchhandlungen Bücherstube, Prokopigasse 16, 8010 Graz …

… und Büchertheke Draxler, Schmiedgasse 12, 8430 Leibnitz, erhältlich.
Veranstalter*innen/Journalist*innen beschicke ich gerne selbst.

 

Nächste Lesungen aus dem Buch:

Podujatie, Slowakei.

24.07.2019, 17:00, Guillaume Métayer und Andreas Unterweger lesen Gedichte von Friedrich Nietzsche und eigene Texte. Special guest: Kinga Tóth. Anschließend Prosecco und Knabberei. Bücherstube, Prokopig. 16, 8010 Graz.

 

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manuskripte 224 – Präsentation

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 28. Juni 2019

Nachtrag zum Termin:
26.06.2019, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 224. Mit Lesungen von Hans Eichhorn, Erwin Einzinger und Schauspielerin Sarah Sophia Meyer. Steiermärkische Landesbibliothek, 8010 Graz.

Heiß her ging es bei der Präsentation der manuskripte 224 – und das trotz der unverschämt angenehmen Kühle im Veranstaltungssaal der Steiermärkischen Landesbibliothek.

Der Saal war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt, unter den Zuhörenden befanden sich erfreulich viele Schreibende wie etwa Christoph Dolgan, Günter Eichberger, Max Höfler, Heidi Wingler, Silvana Cimenti, Florian Dietmaier, Gerhard Melzer, Helmut Moysich und Klaus Hoffer. Danke fürs Kommen!

Ich eröffnete den Abend mit schönen Grüßen von Alfred Kolleritsch, der leider aus gesundheitlichen Gründen verhindert war. Zum Glück ist es nichts Ernstes – noch am Vormittag befand sich mein lieber Kollege wohl genug, um im Büro rund 23 Einsendungen abzulehnen.

(c) manuskripte

 

Anschließend die ProtagonistInnen des Abends, zuerst die Doppelspitze der progressiven oberösterreichischen Literatur, Hans Eichhorn …

 

… und Erwin Einzinger:

Danach las Schauspielerin Sarah Sophia Meyer Gedichte von Yevgeniy Breyger, Lynn Salcom, Walle Sayer und Guillaume Métayer.

An- und abschließend reger Heftverkauf und Weingenuss!

Vielen Dank, liebe Katharina Kocher-Lichem und Christine Wiesenhofer für die Gastfreundschaft!

Unten noch weitere Infos zu manuskripte 224: Pressetext, Cover, Erwerbsmöglichkeit …

 manuskripte 224: Lektüre für einen ganzen herrlichen Sommer …

 

… bietet die Ausgabe 224 der manuskripte. Davon kann man sich bereits bei der Präsentation des Heftes am 26.6. in der Landesbibliothek überzeugen. Die Erzählung des Dichter-Malers Hans Eichhorn liefert die Hintergrundstrahlung zum seesommerfrischen Grün seines Titelbilds, Erwin Einzinger entführt uns in die phantastischen Schattenbilder seiner Verstreuten Märchenbaumkalenderblätter, und Schauspielerin Sarah Sophia Meyer deklamiert die heißeste Lyrik der Gegenwart, darunter die eben erst mit dem Leonce-und-Lena-Preis ausgezeichneten Gedichte Yevgeniy Breygers (D) sowie Texte der kanadischen Newcomerin Lynn Salcom und des aktuellen Styrian Artist in Residence des Landes Steiermark, Guillaume Métayer (F).

 

Weitere Hotspots des Heftes:

Warm und kalt gibt es für Peter Handkes Roman Die Obstdiebin in Leopold Federmairs Essay Im Wechselbad der Gefühle, Debütantin Freda Fiala führt uns mit ihren Gedichten durch die glühende Hitze Houstons, Ludwig Hartinger erklimmt überhaupt Lichtsteige.

Wem dies zu heiß ist, der halte sich an Almut Tina Schmidts Trostspender-Dramolette oder mag in Wolfgang Hermanns Garten am Meer, Bodo Hells Öde[r] Kirche oder gar Ingeborg Horns Zwei Paradiesen Abkühlung suchen. Und besonders lichtempfindliche LeserInnen folgen am besten Christoph Dolgan in die Elf Nächte und ein[en] Tag seines Romanvorabdrucks (Droschl, Herbst 2019) oder Michael Donhauser in die Sommernachtsepisoden seiner subtil formvollendeten Epoden.

Besonderes Augenmerk sei den essayistischen Beiträgen geschenkt: Christoph W. Bauer poetischer Erinnerung an Gert Jonke, Daniela Strigls euphorischer Diagnose des Morbus Setz oder Thomas Rothschilds Analyse des Gesamtwerks der jüngst mit dem Ehrenring des Landes Steiermark geehrten Barbara Frischmuth.

Den Auftakt bildet diesmal eine Marginalie der trotz ihrer Jugend schon langjährigen manuskripte-Autorin Gerhild Steinbuch: Ihre sprachlich fundierte Kritik an der „vermeintlich neuen sehr sehr alten Rechten“ macht deutlich, dass es im Widerstand gegen eine Politik, die die Freiheit der Kunst und Medien beschränken will, keine Sommerpause geben darf.

Alle Autor*innen des Hefts:

Thomas Antonic
Christian W. Bauer
(michael johann bauer) blume
Katharina Bendixen
Yevgeniy Breyger
Christoph Dolgan
Michael Donhauser
Hans Eichhorn
Erwin Einzinger
Freda Fiala
Leopold Federmair
Natascha Gangl
Helga Glantschnig
Ludwig Hartinger
Lydia Haider
Bodo Hell
Wolfgang Hermann
Ingeborg Horn
Sarah Kuratle
Guillaume Métayer
Jari Niesner
Barbara Rauchenberger
Thomas Rothschild
Lynn Salcom
Walle Sayer
Lisa Spalt
Almut Tina Schmidt
Daniela Strigl
Mikael Vogel

 

Die manuskripte 224 sind zu bestellen im umfassend bestückten Webshop:

http://www.manuskripte.at/webshop/

Oder unter: bestellung@manuskripte.at

Guillaume Métayer: Drei Gedichte (manuskripte 224)

Posted in manuskripte, Simulakren, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 27. Juni 2019

Mein persönlich(st)er Beitrag zu Heft 224 der manuskripte sind diese Übersetzungen dreier Gedichte von Guillaume Métayer, zurzeit Styrian Artist In Residence des Landes Steiermark.

Während Guillaume Métayer in Frankreich eben mit seiner Übersetzung der gesammelten Gedichte Friedrich Nietzsches (in Form, sprich: Reim!), die auch im Bezug auf die deutsche Edition neue Maßstäbe setzt, große Erfolge feiert (s. etwa Rezension in Libération oder Le nouveau magazine littéraire) …

 

(Foto: lesbelleslettresblog)

… ist er hierzulande hauptsächlich als Dichter bekannt. Dies mag an seinem Gedichtband „Simulakren“ (Yara 2016) ebenso liegen wie an seinen Veröffentlichungen in den manuskripten (z. B. der Essay „Von unserem Sonderberichterstatter in Poesie“, manuskripte 218) und seinen Aufenthaltsstipendien im Rahmen des Styrian Artist in Residence-Programms (2017 und 2019).

(Der junge Nietzsche und sein Übersetzer [v.l.n.r.])

Für die eben erschienenen manuskripte 224 habe ich drei neue Gedichte übersetzt, die Métayers lyrische Bandbreite skizzieren – vom zeitkritischen, ebenso ironischen wie formvollendeten Sonett über die kurze subjektive Reflexion bis zum epischen Langgedicht à la István Kemény (den Métayer ins Französische übersetzt):

 

 

FB WORLD

 

 

Wir haben erfunden: das Buch der Gesichter

wo jedes Maul wie eine Flaschenpost ist

Wir sind alle zu schön jeder ein Spezialist

darin nett großzutun bei der Jagd auf Irrlichter

 

Seht hier unsere Posten und Pfoten und Dichter

unser bestes Profil Kleinkram der uns anpisst

Aber weil zurückschnellt was nicht abwürgbar ist

kommt unsere Traurigkeit hoch vor die Richter

 

Die Glätte des Bildschirms bietet keinen Stopp

Wir sind hier gefangen im großen Als-ob

beim Casting für ein terroristisches Stück

 

Trauerweide von Pest als Baum unsrer Ahnen

Passfotos wie Aschenfahnen

Fajumporträts sind wir Untote vor Glück

(Schauspielerin Sarah Sophia Meyer liest „FB World“ bei der Präsentation der manuskripte am 26.06.19 in der Stmk. Landesbibliothek, (c) manuskripte)

 

 

Recht

 

 

Papier Gewalt

Die in Wettbewerb tritt mit dem Gewicht eines Kindes

Tintenseerose

Die all die Zimmer füllt, all meine Zeit.

Verlorenes Juwel

Am Grunde eines Brunnens des Argwohns.

Tunnel der Pflichtfigur

Für den Vitruvianischen Menschen in seinem Spinnennetz.

 

 

 

 

Von einem nuklearen Epos

 

 

Rauch zwischen dem roten Blinken,

Aber die Installation ist nicht in Gefahr.

Das Wasser bleibt glatt, die Leere und die Wand intakt.

Im einzigen Strahl eines schüchternen Mondes

Badet die Spitze eines Zeigefingers,

Beladen mit unendlich codierten Wellen,

Vertrautes Labyrinth, Rivale trüben Wassers,

Milchstraßen, die sich in schwarze Löcher knüllen,

Sandrosen des Himmels …

Dieser Finger, der sich da windet, ähnelt

Einem jener Fische, die zum Licht hochschwimmen,

Wie in einem aufsteigenden Tanz, einem Karussell

Der Kegel, der Marionetten, deren Fäden das Licht wären

Und deren Magnet der Mondstein.

Oder der alte Bärtige, der diesen anstößigen Finger

Beunruhigt, dann befriedigt untersucht,

Erst ganz still, dann mit einem murrenden Sermon

Sicher stellt, dass seine unzähligen taktilen Kanäle

Ihren Platz auf seinem Zeigefinger eingenommen haben: er macht sich bereit, von der Höhe

Des Damms die längste Angel der Welt auszuwerfen,

Ganz hinunter, ganz hinunter, weit weg von diesem Rauch hier,

Der ganz hinauf, ganz hinaufsteigt, auf diesen Mond zu

Und dem Himmel gegenüber, die Hand in der Leere, fühlt er, wie

In Extase, weit weg, das Abendessen zappeln. Danach, es hinaufziehen,

Vorsichtig, über mehrere hundert Meter.

Dann essen, schlafen gehen, wie üblich,

Gemäß der persönlichen Philosophie des Hosha Suru,

Nach der die geringste falsche Bewegung

Einen Sturz aus dreihundert Metern zur Folge hat und den Tod,

Unweigerlich. Ideal einer absoluten Selbstbeherrschung,

Wo das geringste Stampfen für den Schläfer tödlich sein kann,

Außer wenn er in seinem Fall die raue Wand zu krallen kriegt

Und Halt findet in dieser Mauer ohne Griff, deren

Geringste Reliefs für Riesen bemessen zu sein scheinen.

So, mit dem fernen Schnee der Berge als Decke

Und dem blauen Himmel als Schal, nistend

Über diesen verlassenen Amphitheatern,

Diesen Gavarnie´schen Karen, die eine übermenschliche Technik

Von Insel zu Insel säte, als wahrer

Floh auf so manchem Argus aus Beton mit blinkenden Augen,

So lebt seit über zwanzig Jahren Hosha Suru,

Der Verstrahlte.

*

Die manuskripte 224 sind u. a. im manuskripte Webshop erhältlich!

Nuit de la littérature

Posted in Das gelbe Buch, Le livre jaune, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 30. Mai 2019

Rückblick auf den Termin:
25.05.2019, 18:00-23:00, jeweils zur vollen Stunde: Schauspieler Paul Tchkarian liest aus „Le livre jaune“ (Édition Lanskine 2019, „Das gelbe Buch“ in der Übersetzung von Laurent Cassagnau), Laurent Cassagnau, Paul de Brancion und Andreas Unterweger sprechen über „Das gelbe Buch“ und das gelbe Leben. Nuit de la littérature, ALLEY CONCEPT LIFESTYLE – 4 rue Androuet – 75018 Paris.

Ich bin wirklich ein „champignon de bonheur“, wie der Germanismus sagt …

Erstens fand „Das gelbe Buch“ mit Laurent Cassagnau einen herausragenden Übersetzer, der sich nach Goethe und Donhauser auch für meinen Freund Biber Zeit nahm und seine Erlebnisse aus reiner Lesefreude übersetzte …

(c) Laure Gauthier

Zweitens fand Laurent Cassagnau, mit Hilfe Laure Gauthiers, für unser „Le livre jaune“ den renommierten Verlag Édition LansKine!
Auf dem Foto: die äußerst engagierte Verlegerin Catherine Tourné, (2.v.l.), Schriftsteller Paul de Brancion (2.v.r., er gibt die Reihe „Régions froides“ heraus, „Le livre jaune“ ist das erste Buch der Reihe), Laurent Cassagnau, ich.

(c) Laure Gauthier

Drittens fand das Österreichische Kulturforum in Paris …

… dass es eine gute Idee wäre, im Rahmen des internationalen Lesefestivals Nuit de la littérature im entzückenden Quartier Abbesses als österreichischen Schriftsteller den Herrn meines Namens auftreten zu lassen. Was für ein Ort für eine Buchpräsentation!

(c) Alexandra Filippi, Österreichisches Kulturforum

Und viertens hatte ich mit Paul Tchkarian schon beim Festival „Livres en tête“ (Paris 2018), zu dem mich mein lieber Dichterfreund Guillaume Métayer* eingeladen hatte, einen Schauspieler gefunden, der die Figuren aus meinen Texten so authentisch verkörperte, dass ich selbst zum dankbar glucksenden Publikum werden durfte. Zu meiner Freude erklärte er sich bereit, bei der Nuit de la littérature aus „Le livre jaune“ zu lesen.

(c) Bernhard Engel

Wie die anderen Protagonist*innen an den anderen 17 Locations traten wir an diesem Abend fünfmal auf. Zu jeder vollen Stunde in der jedes Mal mit anderen Leuten vollen Boutique …

… immer in derselben Reihenfolge, aber mit einem etwas anderen Programm:

Begrüßung durch Sigrid Bigot-Baumgartner vom …

… danach kurze Begrüßung durch mich …

(c) Alexandra Filippi, Österreichisches Kulturforum

… ein Kapitel auf Deutsch …

(c) Alexandra Filippi, Österreichisches Kulturforum

… längere Lesung auf Französisch durch Paul Tchkarian …

(c) Alexandra Filippi, Österreichisches Kulturforum

Anschließend Vorstellung der Reihe und des Buchs durch Paul de Brancion (dessen jedes Mal auf neue Weise brillanten Vortrag wir hier alle bestaunen) …

(c) Alexandra Filippi, Österreichisches Kulturforum

… und detailliertere Vorstellung des Buchs durch Laurent Cassagnau …

(c) Alexandra Filippi, Österreichisches Kulturforum

… mit ein paar Fragen an den wacker mit seinem Französisch kämpfenden Autor …

(c) Alexandra Filippi, Österreichisches Kulturforum

… danach seriöse Diskussion:

(c) Alexandra Filippi, Österreichisches Kulturforum

Es war einfach herrlich, den drei Herren zuhören zu dürfen – schade, dass das Ganze schon nach dem fünften Mal vorbei war!

Paul Tchkarian Performance war einfach  umwerfend, ich musste peinlicherweise immer wieder über seine, also meine Witze lachen …
Auch in der Diskussion meldete er sich immer wieder zu Wort und wies etwa auf stilistische Ähnlichkeiten zwischen „Das gelbe Buch“ und „Don Juans“ hin.
Paul ist 21 Jahre jung, Spanisch-Lehrer (ein paar Schuljahre übersprungen …) und ist nicht nur in Filmen wie Pedro Almodóvars „Dolor y gloria“ eine wirkliche Entdeckung.

Durch Pauls Lesung wurde mir neuerlich klar, wie großartig die Übersetzung von Laurent Cassagnau ist.

Einer der schönsten Momente bei der Diskussion: Laurent fragt mich nach Herkunft und Mechanik der logischen (Fehl-)Schlüsse in „Das gelbe Buch“, ich weiß natürlich, wie jeder ernsthafte Dichter, beim besten Willen nicht, was ich warum geschrieben habe (immer nur wann und wo). Leider fällt mir diesmal aber nicht einmal mehr ein ausweichender Witz ein. Zum Glück springt Paul de Brancion in die Bresche: „Kann es sein, dass die Angst vor der Dunkelheit damit zu tun hat? Und dass immer dann, wenn sich die Welt verdunkelt, Dinge geschehen, die man sich nicht erklären kann, als eine Art Rettungsmechanismus, bei den Figuren diese Art von pseudo-logischem Denken einsetzt?“ Na klar! Wow! Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Angst vor der Dunkelheit, und was dagegen hilft (1. Erklärungen, 2. einen Großvater haben), Thema des ersten und letzten Kapitels darstellt. Ich durfte also wieder, dank der beiden klugen Herren, etwas über meine eigene Arbeit lernen, noch dazu etwas Wichtiges. Ich habe mich selten auf so angenehme Weise überflüssig gefühlt wie bei dieser Veranstaltung.

(c) Alexandra Filippi, Österreichisches Kulturforum

Beim anschließenden „after“, wie der Franzose so schön neudeutsch sagt, hatte sich die gute Stimmung, die „Das gelbe Buch“ verbreitet, auch auf alle anderen Teilnehmenden ausgebreitet … Bref: La vie en jaune!

(c) Paul de Brancion

Ich danke allen Beteiligten herzlich, insbesondere natürlich dem

und seinen Mitarbeitern Direktor Mario Vielgrader, Alexandra Filippi und Sigrid Bigot-Baumgartner, für die Einladung und Unterstützung meiner Reise.

Merci beaucoup!

P.S. Bericht über „Printemps des poètes“ folgt in Kürze.

*Guillaume Métayer trat bei der Nuit de la littérature mit János Térey aus Ungarn auf.  Es geht die Mär, dass wir einen Teil unseres Publikums seiner leidenschaftlichen Empfehlung für unser gelbes Programm verdankten. Danke, lieber Freund!

Lecture Anglistik Graz

Posted in Grungy Nuts, Tingeltangel-Tour, Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 30. April 2019

Nachtrag zum Termin:
06.05.2019, 19 Uhr, Andreas Unterweger spricht auf der Anglistik der Karl-Franzens-Universität zum Themenkreis: „Übersetzen. Schreiben. Leben“. GEWI-Sitzungszimmer, Universitätsplatz 3, Hauptgebäude, EG, Karl-Franzens-Universität Graz.

Wie auf dem sehr schönen Plakat von Caterina Hauser angekündigt, trat ich bei meinem Gastvortrag auf der Grazer Anglistik gleich doppelt auf …

Als Schriftsteller …

(c) Caterina Hauser

… und als Übersetzer:

(c) Caterina Hauser

Im gediegenen Ambiente des Gewi-Sitzungszimmers (von dessen Existenz gleich hinter der Germanistik-Bibliothek ich trotz der Jahrzehnte, die ich auf der dort studiert habe, nichts geahnt habe) …

… berichtete ich, nach der viel zu freundlichen Einführungen von Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr.phil. Margit Reitbauer und Mag. M.E.S. Dr.phil. Johannes Wally …

(c) Margit Reitbauer

… und vor den ausgeschlafenen Augen der sehr aufmerksamen und exzellent vorbereiteten Studierendenschar …

(c) Margit Reitbauer

… erst über meine Erfahrungen mit dem Schreiben (Antworten auf die beiden ewigen Post-Lesungsfragen: 1. Wie bin ich „zum Schreiben gekommen“? 2. Kann man davon leben? Mit Kurzlesungen aus „Wie im Siebenten“ und „Grungy Nuts“) …

(c) Caterina Hauser

… dann über jene mit dem Übersetzen.

(c) Caterina Hauser

Dabei sprach ich auch über jenes „Übersetzungs“-Verfahren, bei dem ich zwar, bis auf die Silbe genau, die Form des Primärtextes einhalte, dafür aber den Inhalt verändere. Dies gilt etwa für das Hofmannsthal-Cover „Zwei Briefe“ (manuskripte 200) oder für die Songs Norb Payrs, die ich auf Deutsch neu getextet habe (EP „Tankstellenmorgen“):

(c) Caterina Hauser

Danach ging es ums Übersetztwerden – die Studierenden Johannes Wallys hatten ja dankenswerter auch sehr gute Übersetzungen (ins Englische) einiger meiner Texte vorgenommen. Da ich teilweise bewusst „Unübersetzbares“ und auch manche schon übersetzte Texte ausgewählt hatte, gab es reichlich Stoff für die abschließende Diskussion.

(c) Caterina Hauser

Fazit: Auf der Grazer Anglistik würde ich auch selbst gerne wieder zum Studenten werden!

(c) Margit Reitbauer

Ich danke Johannes Wally für die Einladung und seine Mühe mit Organisation und Übersetzungen, Studiendekanin Margit Reitbauer für die nette Betreuung und Caterina Hauser für das gelungene Plakat! Dank an due beiden Damen auch für die sehr schönen Fotos!

 

Slowenische Buchtage in Maribor

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 26. April 2019

Nachtrag zum Termin:
24.04.2019, Andreas Unterweger liest Gedichte im Rahmen der Slowenischen Buchtage in Maribor. 13:00 geisteswissenschaftliche Fakultät, 18:00 Salon uporabnih umetnosti (Salon nützlicher Künste). Außerdem lesen: Borut Gombač, Tomo Podstenšek, Andrea Stift-Laube, Kinga Tóth.

Dass ich ein Semester lang jeden Freitag in Maribor spazierte, äh, studierte (im Rahmen einer Kooperation zwischen den Unis Graz und Maribor), ist mittlerweile 18 Jahre her. Trotzdem habe ich die Filozofska fakulteta, wo die erste Lesung von Grazer AutorInnen im Rahmen der „Slovenski dnevi knjige v Mariboru“ (Slowenische Buchtage in Maribor) stattfand, auf Anhieb gefunden – und auch die Tür zum richtigen Seminarraum war gut beschildert:

Um 13:00 also die erste Lesung in der Filozofska fakulteta, vor voll besetztem Seminarraum, mit vielen guten Fragen der Studierenden – hier mein Ausblick auf die Grazer Stadtschreiberin Kinga Tóth bei den letzten Vorbereitungen auf ihr Sound-Poetry-Spektakel:

Nach dem Interview mit Lidija Čučko von Radio Slovenija International ging es in die Innenstadt zur Mariborer Buchmesse, die sich eine sympathische Dimension bewahrt hat:

Dort kam es nachmittäglichen Grenzüberschreitungen in Farbe …

… und Urheberschaft, hier mit dem Mariborer Autor Tomo Podstenšek

… den ich schon vom Literaturfest Alpe Adrija in Koprivnica 2017 als Leser mit exzellentem Geschmack in Erinnerung habe:

Aufbruch ins ehemalige Casino von Maribor …

… in dessen Erdgeschoss sich das angeblich älteste Café Maribors, der sehr hübsche Salon uporabnih umetnosti (Salon nützlicher Künste?!) befindet:

Ich trete also ein …

… mache einen Versuch über, nein, Besuch bei der Jukebox …

… und staune …

… wie Daniela Kocmut (der ich die Einladung nach Maribor verdanke: hvala lepa!) …

… und der nette Herr vom ORF Slovenci, mit dem ich kurz mein erstes Interview auf Slowenisch führen sollte …

… über den gut sortierten Büchertisch

.. und Salon!

(c) Kristjan Robič

Andreas Pawlitschek, Direktor des Österreichischen Kulturforums in Ljubljana, begrüßte ebenso launig …

(c) Kristjan Robič

… wie ich ihn aus Washington, D.C., kenne …

Autumn splendor

(c) Peter Cutts

Ganz rechts im Bild …

(c) Kristjan Robič

Urška P. Černe, die meine Gedichte „Die Eltern“, „Kein Gedicht“, „An einen, den ich kannte“, „GroßVaterSprache“, „Die Sonnenblumen“ und „Юдит“ für diesen Abend ins Slowenische übersetzt hatte und die beiden Lesungen hingebungsvoll moderierte: hvala lepa!

Letzte Sammlung letzter Kräfte vor der letzten Lesung – so viel Slowenisch gesprochen habe ich schon lange nicht mehr …

(c) Kristjan Robič

Hvala lepa, lepi Maribor! Es ist noch immer genauso schön, in Dir herumzustudieren, wie vor 18 Jahren! Na svidenje!

Mein Dank gebührt Daniela Kocmut für die Einladung, Petra Kolmančič und Kristina Kočan vom Team der Slovenski dnevi knjige Maribor für die freundliche Betreuung und Urška P. Černe für die gelungenen Übersetzungen!

Lei lei, Leipzig! (Buchmesse Leipzig 2019)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 2. April 2019

Nachtrag zum Termin:
21. und 22.03.2019, 9-18 Uhr: Andreas Unterweger und Verena Stauffer vertreten die Literaturzeitschrift manuskripte auf der Buchmesse Leipzig, zumeist am Stand der manuskripte, Halle 4, HVB-Gemeinschaftsstand, D213+E210.

Von 21.-24.3.19 ging es auf der Leipziger Buchmesse wieder einmal um jene Dinge, um die es im ganzen deutschsprachigen Literaturbetrieb heutzutage wirklich geht: Masse …

… und Macht.

Im ganzen deutschsprachigen Literaturbetrieb? Nein, vor einem kleinen Regal am Hauptverband des Österreichischen Buchhandels, jenem der Literaturzeitschrift manuskripte nämlich, wurden die literarischen Tugenden des richtigen Dichtens noch hochgehalten:

(c) Verena Stauffer

(c) Verena Stauffer

Aber der Reihe nach …

Ankunft am 20.3.19: „Empty streets“ …

… „coming home“ …

… „all alone“:

Am nächsten Morgen: Anfahrt zur Buchmesse:

Ankunft beim manuskripte-Regal:

Ansturm der Interessierten …

Letzte Vorbereitungen mit Verena Stauffer …

Erstes Highlight: 15:00: Ich diskutiere im Namen der manuskripte mit Hanns-Georg Schmidt-Bergmann, Matthias Walz (Allmende) und Carolin Callies (poetin) über Wohl und Wehe von „Literaturzeitschriften heute“. Leipzig liest, Leseinsel der Unabhängigen Verlage, Buchmesse Leipzig, Halle 5.

 

Ein beflügelndes Gespräch, das gerne noch länger dauern hätte dürfen. So konnten wir nur die positiven Aspekte der gegenwärtigen Situation von Literaturzeitschriften besprechen: Es wird unheimlich viel geschrieben! Ob aber auch gleich viel gelesen (oder gar gekauft/abonniert) wird, konnten wir leider nicht mehr diskutieren …

Ausflug in die Innenstadt …

… dann nach Leipzig-Lindenau, ins Tapetenwerk, wo in diesem Jahr die Lesungen in der Lyrikbuchhandlung stattfanden.

In der langen, traditionsreichen Geschichte der Lyrikbuchhandlung durften die manuskripte als erste Literaturzeitschrift überhaupt AutorInnen für Lesungen nominieren – danke, lieber Tim Holland!

Aber während die manuskripte-Autorinnen, Carolin Callies und Miroslava Svolikova, noch in den Startlöchern scharrten, waren auf der Bühne bereits die von ihren Verlagen nominierten manuskripte-Autoren Zoltan Lési …

… und mein Lieblingslyriker Max Sessner …

… zu Gange.

Dann, um Mitternacht, die fulminanten Auftritte von Carolin Callies …

… und Miroslava Svolikova:

Anschließend: Köstlichkeiten aus Oberkotzau:

Am nächsten Tag, 22.03.2019, 15:00-17:00, der absolute Höhepunkt der diesjährigen Buchmesse:
manuskripte-Weißwein-Jause: Andreas Unterweger und Verena Stauffer bewirten manuskripte-AutorInnen, -AbonnentInnen, -LeserInnen (und solche die es werden wollen!), mit südsteirischem Weißwein und der besten Information, wie es mit der Literatur weitergeht! Buchmesse Leipzig, Stand der manuskripte, HVB-Gemeinschaftsstand, D213+E210.“

Ansturm der Interessierten …

… darunter Laura Freudenthaler …

(c) Verena Stauffer

… Josef Haslinger (2. v. l.) …

… Tim Holland (Mitte), Yevgeniy Breyger (ganz rechts, eine Woche später Leonce-und-Lena-Preis-Gewinner: Glückwunsch!) …

… Carolin Callies, Nadja Küchenmeister, Matthias Kniep (v.l.n.r.) …

… Oswald Egger (Mitte), David Fuchs (r.) …

… Daniela Seel (l.) …

… Walter Famler …

… u.v.a.m.! Wir danken Euch allen fürs Kommen!

(c) Verena Stauffer

Abschließend: Heimreise durch die unendlichen Hallen …

 

Danke, liebe Verena, für Deine ebenso begeisterte wie begeisternde Unterstützung und die schönen Fotos!

(c) Verena Stauffer

Lesefest 2019: Kinga Tóth über „Grungy Nuts“

Posted in Grungy Nuts, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 16. März 2019

Nachtrag zum Termin:
09.03.2019, Lesefest 2019, ca. 17:20, Andreas Unterweger liest aus „Grungy Nuts“ (Droschl 2018). Einführung von Kinga Tóth. Kulturzentrum bei den Minoriten, 8020 Graz.

(c) Barbara Belic

Unmittelbar vor Max Höflers sprunghafter Performance und zwei Slots, bevor ich Angelika Reitzer vorstellen durfte, hatte ich, wie angekündigt …

… die Freude, Kinga Tóths Ausführungen zu meinem Buch „Grungy Nuts“ lauschen zu dürfen.

Zu meinem Glück hatte sich schon ein paar Tage zuvor im Café König herausgestellt, dass Kinga trotz ihrer Jugend die Grunge-Ära am eigenen Leib miterlebt hatte und damit mit den im Buch entworfenen Welten vertrauter war als wohl die meisten anderen RezensentInnen davor.
Kein Wunder, dass sich unsere Arbeiten ähnlicher sind, als man auf den ersten Blick vermuten möchte.

Und vielleicht lag es auch daran, dass ich bei dieser Lesung aus „Grungy Nuts“, der womöglich letzten aus dem Buch, das erste Mal den Eindruck hatte, tatsächlich das so genannte Zielpublikum zu erreichen. Darauf ließen jedenfalls die Unterhaltungen schließen, die sich danach ergaben – mit Leuten, die in den 90ern in Graz jung gewesen waren, Leute, denen man nicht nur nicht erklären muss, was „Grunge“ bedeutet, sondern denen auch Namen wie Musichouse, Q, Black Box usw. ein Begriff sind und denen man solche Widmungen in die Bücher schreiben kann: „Viel Freude in den Kellern von damals!“

Herzlichen Dank, liebe Kinga, für den gelungenen Einführungstext voller wunderbarer Zitate (etwa die Motivkette: „MaschinenMinnesänger“, „DJ des Grunge“, „Grungefuge“, „Fugenmühle“ und „nach Grungy Nuts spalten wir uns zu Bohnenpulver und werden neu konstruiert“!), danke, dass ich ihn hier publizieren darf!

 

Kinga Tóth:

Willkommen auf Dimension D7

Straight as an arrow//Defect defect//Not straight, not so straight//
Reject reject//Towards anti-social ///Standing on the stairs//Cold, cold morning//Ghostly image of fear
Mayday mayday//Gonna leave this region//They’ll take me with them///Dimension seven

singt Kurt Cobain, Frontman der legendären Band „Nirvana”, der unsichtbare aber immer spürbare Geist des neuen Buches von A.U. Sieben ist auch in Ungarn eine magische Zahl: durch sieben Felder fahren die Söhne, die auf Abenteuer gehen, sieben Felder lang dauert eine Hochzeitfeier, sieben Meilen groß ist der Stiefel, womit man eben überallhin fliegen kann, auch zu Dimension Sieben, und sieben Phasen durchlaufen auch die MaschinenMinnesänger von Andreas Unterweger, bis sie endlich bei D7 im Untergang18 landen und eine Band gründen – oder eher nicht.

Fehlhören hilft bei dem Titel und bei dem Bandnamen: Müsligedichte – crunchy Nuts hätte nicht so cool geklungen, also lieber Grungy Nuts, und wir gehen auch garantiert Nuts nach dem Dadawahnsinn mit Haushaltsobjekten, mit Kurt Schwitters in dem WG-BadezimmerProberaumLebensraumKummerparadise, aber dieses „going Nuts“ ist, was wir am meisten brauchen, um endlich wieder etwas spüren zu können, also schließen wir die Augen und lass uns wieder Sweet 16 – ups 17 sein, in düsteren Räumen philosophieren, und uns mit grotesken Sprachspielen öffnen und wieder verbergen – lass uns wieder back to Konjunktiv 2 Plusquamperfekt—„was hätte sein können“ und the ultimate MAYDAYMAYDAY wieder fühlen

(ok-sind die Augen offen?, dann losgeht’s: )

„Es war keinmal, es war-ist nichts passiert, doch hatte dieses Nichts schon einen Klang oder mehrere, AU baut die Grungefuge auf: mit wiederkehrenden Sätzen, Polizeisirenen, Meereshexe mit Wellenhaar… während bei uns unsere OstblockVäter noch „Perlenhaargirl“ von Omega sangen – mit the Winds of change of course, haben die Babies damit nicht aufgehört im Schwimmbecken mit Geld und Pistole rundherum zu schwimmen, eingewogen von den Meerjungfrauen, jetzt hören wir schon das Unterwasserlullaby: come as you are, as you were als und wie du 17 warst, a good friend oder a memory, wie war es, wie wir uns alle daran nicht mehr erinnern.

Zuerst nehmen wir die Kaffeeoverdose ein (filter- löffelchen- schwarzer Liebeskummer in der Kaffeekanne) und gucken unsere Lebensgeschichte in der Tasse an – A.U. sieht die Zukunft wie die alten Wahrsagerinnen: wer wird deine Geliebte sein? –we dive now deeper und jetzt marmeln wir weiter über gebrochene Herzen, die Räder rattern weiter im Schriftstellerhirn und im Erzählertraum rollt „the wheel of fortune“ aber da ist Ace of Base, sowas steht auf A.U.-s Setlist eigentlich nicht, (er sitzt im Zentral (im Geheimnis!) und da ist er Dj of Grunge, vielleicht mag er es im Geheimnen auch da zu sitzen- es gibt nämlich nur eine Brücke zw. Zentral und König, aber das ist schon eine andere Playlist!)

Im Orgelakkumulator sitzen wir neben Andreas und dem Kurt, der sich ständig austauscht, zuerst ist er eine Kaffeemühle dann Koffernautilus, wo Meerjungfrauen schwimmen: Sulamits Haare, die goldene Margarethe kreisen rundherum, während die Engel hoch Schwammrollen essen gehen, läuft der Sirenengesang weiter, Side A-Side B, in dieser WGKasette mit Multipersonas sinken alle langsam: u1 u2 u3 u18 In dem Lift nach unten walzt eine Meerjungfrau allein mit einer Messer, was Aschensulamimt zuguckt und dann wenn sie fertig sind, kämmen die beide sich die Haare..

„gluck glack glückglock kling klong klenglongen“- Die Fugenmühle mahlt weiter mit Niveacremetiegel, Tischmistkübel, Zahnputzbecher, Handstaubsauger, Porzellanmesserbänkchen- weiß wie naked bones – Ttischfussballtisch, wackelnden Begräbniskoffern singender Schwester am Ufer, Skelettsound, Wasserpfeife, Chips, Flaschen – in den Flaschenhals gesprochenen Gedanken – kreisen wir immer tiefer „dig down and find piece“ -oder Noise oder Stimme, dive immer mehr down, wo die Zeilen zu Bitumen mutieren, wo die p-s (fonds) sich ändern, wo Black hole sun die Schrift beleuchtet

„etwas zermalmte mich – steht auf Seite 11. und es stimmt, nach Grungy Nuts spalten wir uns zu Bohnenpulver und werden neu konstruiert, in die Milchstrasse geschmolzen, „standing on the stairs“ mit neuem Geschmack, Neuresonanz schweben wir in Dimension 7. Schließen Sie die Sicherheitsgurte, wir landen gleich in Endstation MAYDAY

(c) Barbara Belic

Vielen Dank, liebe Birgit Pölzl und Kathrin Kapeundl vom Kulturzentrum bei den Minoriten, für dieses wiederum sehr gelungene Lesefest!

Lesefest 2019: Angelika Reitzer

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 13. März 2019

Nachtrag zum Termin:
09.03.2019, Lesefest 2019, ca. 17:40, Lesung von Angelika Reitzer, Einführung von Andreas Unterweger. Kulturzentrum bei den Minoriten, 8020 Graz.

Kurz nach meiner eigenen Lesung (Bericht folgt) und unmittelbar nach Max Höflers sprunghafter Performance hatte ich, wie angekündigt …

… und wie bereits zwei Tage davor (bei der Präsentation der manuskripte 223), die große Freude und Ehre, meine sehr geschätzte Kollegin Angelika Reitzer vorzustellen.

Das hat dann in etwa so ausgesehen …

(c) Josef Wilhelm

(c) Barbara Belic

… und so geklungen:

 

Drei Wege zu Angelika Reitzer

und ihrem Roman Obwohl es kalt ist draußen

 

1.: Der Weg des Lesens

 

Ich bin ganz gut im Schreiben, dafür aber umso schlechter im Lesen.

D. h.: Womöglich lese ich gar nicht einmal extra schlecht, ich bin ja nun sogar ein „professioneller Leser“, lese viele Manuskripte für die Literaturzeitschrift manuskripte, aber, was das „private Lesen“ anbelangt, so bin ich – exakt seit Beginn des professionellen Lesens – sicher maximal Durchschnitt: Ich lese privat genauso gut, genauer gesagt: genauso schlecht wie alle anderen Leserinnen und Leser.

Wie alle Lesenden lese ich also so gut wie gar kein Buch mehr, und wenn ich schon eines lese, dann nur „so ein bisschen rein“. Und selbstverständlich ist mir dieses Buch dann geschenkt worden.

Wenn ich nicht auch ein schreibender Leser wäre, noch dazu einer, der, wie gesagt, zurzeit im „Literaturbetrieb“ drinsteckte (und damit wüsste, wie dieser Betrieb so betrieben wird [und wie wenig das mit dem, worum es beim Schreiben in Wirklichkeit geht, zu tun hat]), dann läse ich, so, wie alle anderen Lesenden, bestimmt auch ausschließlich jene Bücher, auf denen ein Sticker lautend Buchpreis oder Shortlist oder „Grandios!“ prangte. So ein Buch würde ich dann sicher auch kaufen. Um es zu verschenken.

 

Fakt ist: Ich habe im letzten Jahr (2018) kein einziges Buch gelesen.

Zumindest nicht privat, sprich: ungezwungen.

Und schon gar nicht ganz, d. h.: von ganz vorne bis ganz, ganz nach hinten.

Oder etwa mit Begeisterung. Womöglich wachsender.

Kein einziges.

Bis auf dieses.

 

 

 

 

 

2. Der Weg der Wissenschaft

 

 

Würde sich die Welt in die richtige Richtung drehen (was sie zurzeit nicht tut), so gäbe es in 100 Jahren noch so etwas wie Literaturwissenschaft. Und wenn diese dann auf die vor 100 Jahren (sprich: heute) geschriebenen Bücher zurückblickte, dann würde sie erkennen, woran es lag, dass die Welt sich damals (also heute) in die falsche Richtung drehte. Daran nämlich, dass heute (damals) viel zu wenig gelesen wurde!

Aber warum? Käme es daher, dass die Leserinnen und Leser zu faul, gar zu „Smombies“ geworden seien? Iwo!, so die Literaturwissenschaft (selbst eine Leserin), im Gegenteil: Schuld waren die Bücher!

So habe sie etwa, so die Germanistik der Zukunft, unter all den Büchern, die sie aus dem Jahr 2018 gelesen habe, kein einziges gefunden, dass sowohl außerordentlich gut geschrieben gewesen sei („richtige Literatur“) als auch sich der einzig wirklich wichtigen Frage gewidmet habe: Wie glückt Leben?

Ein Buch also, das einer gelingenden Existenz (samt Beziehung, Familie etc.) nachspürt, ohne dabei je trivial zu werden.

Ein Buch, das einem durch eben das den Atem raubt, was alles nicht schiefgeht.

Ein Buch, das sich auf höchstem literarischen Niveau mit dem Einzigen, was uns wirklich kümmert, auseinandersetzt: mit dem Glücklichwerden – und -bleiben.

Nein, würde die Germanistik sagen, und wenn sie ihren Korpus noch so oft durchkämme, sie finde kein solches Buch.

Kein einziges.

Bis auf dieses.

 

 

 

 

 

3. Der Weg des Doppelkurzbiografieparallelsurfens

 

Ab und an passiert Folgendes: Ich stelle beim Surfen durch die Kurzbiografie eines/einer anderen Parallelen zu meiner eigenen fest. So auch bei Angelika Reitzer.

Beide sind wir in den 70ern in Graz geboren, beide haben wir „früher“ am Bauernmarkt gearbeitet (sie Kaiser-Josef-Platz, ich Lendplatz), beide gingen wir „später“ von hier weg – sie erst nach Salzburg, um dort Germanistik zu studieren, dann nach Berlin, dann nach Wien, wo sie heute lebt. Beide schreiben wir Bücher – und zwar jene Art, die man, wird man am Bauernmarkt danach gefragt („Liebesroman oder Krimi?“), nur stotternd erklären kann – ich helfe mir meist mit: „richtige Literatur“. Beide haben wir ein paar Preise erhalten (sie, u. a.: Landesliteraturpreis des Landes Stmk 2014, Outstanding Artist Award 2016). Und beide kommen wir immer wieder gern nach Graz zurück.

Dem genauen, ja, wissenschaftlichen Leser unserer Kurzbios wird freilich auffallen: Angelika hat alles ein paar Jahre früher gemacht als ich. Diese Jahre sind, stellt man uns nebeneinander, völlig unsichtbar, insofern unerheblich, lösen bei mir aber doch einen wichtigen Gedanken aus: So, wie sie jetzt ist, werde ich bald sein.

Auch das ist mir schon öfter passiert, und jedes Mal war meine Reaktion dieselbe: „Um Himmels willen!“

Ja, tatsächlich habe ich noch nie einen kurzbiografisch zu mir selbst parallelsurfenden Menschen gesehen, bei dem ich mir gesagt hätte: „Weiter so, Andreas! Die Richtung stimmt!“

Keinen einzigen.

Bis auf diesen.

Anzeiger 2-2019

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 6. März 2019

Vielen Dank, liebe Elisabeth Stuppnig, für dieses nette Porträt in „Anzeiger. Das Magazin für die österreichische Buchbranche„, dem Medium des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels.

Sowohl das Telefoninterview als auch die Fotosession mit Johanna Riedler/Lumikki waren sympathisch (und) unkompliziert!

Bei den manuskripten arbeiten wir seit letztem Jahr bei unseren Buchmessenauftritten in Frankfurt und Leipzig mit dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels zusammen und waren immer angetan von der Kompetenz und vom Engagement der MitarbeiterInnen.

Das Cover-Foto der manuskripte-Ausgabe 191, die ich oben in Händen halte, stammt übrigens von meinem Vater, Sepp Unterweger.
In seiner ersten Fassung ließ mich der Artikel noch sagen:
„Das war einfach eine Momentaufnahme. Als Maria mit dem manuskripte-Heft gespielt hat, hat mein Vater ein Foto gemacht und es Alfred Kolleritsch geschenkt. Er hat es dann zu meiner Überraschung als Cover gebracht.”