Andreas Unterweger

7 Grazer Glücksversprechen II

Posted in Grazer Glossen, Trauer by andreasundschnurrendemia on 21. Juni 2015

Noch einmal mein Text aus dem von Luise Kloos 2012 bei edition keiper herausgegebene “Citybook” Graz (mit schönen Beiträgen von Werner Schandor, Andrea Stift u. a.) – von Schauspieler Rudi Widerhofer sehr, sehr gut vorgelesen (Beginn der Lesung ca. 2:50, Text darunter):

(Video vom arrivierten Jungregisseur Edwin Rainer alias voiceinspiration – besten Dank)

7 Grazer Glücksversprechen

 1

Schließ die Augen. Stolpere so bis zum Hochhaus am Lendplatz (dem mit der Uhr drauf), fahr
mit dem Lift bis ganz hinauf, zur Waschküche, taste dich an ein Fenster … Öffne die Augen.

2

Warte auf den heißesten Tag des Jahres. Wandere dann, auf dem größtmöglichen Umweg,
zum Landhaushof, setz dich unter die Arkaden. Die Bänke dort liegen seit 1505 im Schatten.

3

Geh die Keplerstraße auf und ab (oder die Kärntner Straße oder die Conrad-von-Hötzendorf-
Straße oder die Triester Straße oder die Grabenstraße …) – so lange, bis es zu regnen beginnt.

4

Leg dich unter den Hummelbaum – Yggradsilkrone aus summenden Blüten – im Innenhof der
Universität. Leg den Wittgenstein weg, die Zigaretten weg. Beginn die Hummeln zu zählen.

5

Lauf am linken (oder rechten) Murufer entlang nach Norden (oder Süden). Lauf unter der
letzten Brücke durch. Lauf, bis der Weg endet, die Welt endet, der Wald beginnt. Lauf weiter.

6

Lern Fahrradfahren im Volksgarten. Versuch es immer wieder – bis deine Zähne nicht mehr
den Boden berühren. Versuch das dann mit den Knien. Mit den Füßen. Dann: mit den Reifen.

7

Mach dir Freunde in Andritz. Tauch unter in ihrem Swimmingpool. Werde ein erstes gelbes
Blatt, ein Katzenhaar, ein Pingpongball. Treib so (so langsam es nur geht) aufs Meer hinaus.

Sommer der Liebe

Posted in Das gelbe Buch, Nachrichten aus dem Guten Morgen-Land, Trauer by andreasundschnurrendemia on 1. Juni 2015

Das Getränk zum Buch:

„Sommer der Liebe“*

1/8 l Bio-Weißwein, 5/8 l kaltes Leitungswasser, 3-7 Blätter Zitronenmelisse.

Die gut gekühlte Flasche in eine Badetasche packen und am ersten richtigen Sommertag des Jahres am Badesee (oder Fluss, Meer …) langsam, aber konsequent, austrinken.

* Nach Tom Tom, in Erinnerung an die Sommer mit ihm (6.11.77-1.6.11).

Der liebe Herr Breisach

Posted in Trauer by andreasundschnurrendemia on 11. Januar 2015

Der liebe Herr Breisach ist gestorben.

Über all seine offiziellen Verdienste schreibt Werner Krause schön in der Kleinen Zeitung.

Ich werde immer in dankbarer Erinnerung behalten, wie er als Jurymitglied meine Erzählung „Grasberg“ trotz womöglich (tatsächlich?) falscher Gattungsmerkmale (Short Story) zum 2. Platz beim Literaturwettbewerb der Akademie Graz 2007 gepusht hat.
Zu seinem 90. Geburtstag habe ich ihm die ersten, handschriftlichen Notizen zu dieser Erzählung, die er treffend als „eine von Endzeitstimmung geprägte Liebesgeschichte in musikalisch-rhythmischer Sprache“ bezeichnet hat, geschenkt – und damit einige der zauberhaftesten Momente, die mein Schreiben bislang zu bieten hatte.
Damals (Sommer 2006) fuhr ich schon ein paar Wochen lang mit einem gewissen Gefühl, aber im Wesentlichen sprachlos, sprich: Erster-wahrer-Satz-los, durch Europa. Eines sonnigen Katervormittags in Stuttgart nahm mich mein Freund Hans dann mit in eine kleine Kunstausstellung. Wir gehen hinein, dort ist ein Tisch, ein Buch darauf, Patti Smith, ich schlage es auf, lese: „Es war alles ein Traum.“ Der Rest war dann einfach.

Möge das Gras sie „ganz ganz weich, ganz ganz zart“ zugedeckt haben, lieber Herr Breisach.

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Geh ´nause´!

Mein Beitrag zu:

k ein h aus

Szenischer Abend in 10 Stationen mit dramatischen Kurztexten von Valerie Fritsch, Anselm Glück, Elfriede Jelinek, Stefan Schmitzer, Monique Schwitter, Clemens Setz, Gerhild Steinbuch, Peter Turrini, Andreas Unterweger und Josef Winkler.
Zum 10. Geburtstag des Literaturhauses Graz

Mitwirkende SchauspielerInnen: Katharina Paul, Sebastian Reiß, Susanne Weber, Rudi Widerhofer
Musik: Robert Kreš (Geige), Lothar Lässer (Akkordeon)
Regie: Danielle Strahm, Regieassistenz: Julia Hager, Ausstattung: Manuela Pirozzi

Vorstellungstermine: 15., 16., 21., 24., 25., 26., 27. Mai und 1., 2., 3. Juni 2013, Beginn: jeweils 19.30 Uhr

Geh „nause“!

 10 x 3 Wegbeschreibungen

zum 10. Geburtstag
des Grazer Literaturhauses
(eröffnet ´03)

Schick deine Homies vor: nach Tokio, Narita Airport. Lass sie dort Gösser saufen, Schnitzel
futtern, furzen. Und die Gates mit Cif putzen – bis es riecht wie in Wien-Schwechat. Dann:

komm du.

*

Geh heute ausnahmsweise einmal zum Spar, nicht zum Billa. Such dort so lange nach deinem
Lieblings-Bio-Bulgur, bis du im Labyrinth schluchzend zusammenbrichst … Dann: geh rüber

zum Billa.

*

Mal die traurigen Hügel dort, die zum Weinen sind, wenn man sie in der Sonne anschaut. Mal
dir ein gelbes Haus darauf, mit großen Fenstern, einer roten Tür. – Öffne die Tür. Schließe sie

(hinter dir).

*

Überschütte dich mit Benzin. Leg den Sprengstoffgürtel an, die Schlinge um. Steck dir die
Pumpgun in den Mund, die Pillen, setz die Rasierklinge an … Steig aufs Brückengeländer.

Spring – nicht.

*

Streichle deine Katze – mit der Nasenspitze – im Nacken, wo sie es am liebsten hat. Atme den
Wellenrausch der Wiese ein, die Gischt des Taus, das gelbe Flimmern, das so schläfrig macht.

Bleib so.

*

Spring in den Bach neben der Autobahn. Tauch ein – in seine ganze Länge: stell dir den Biber
vor, mit dem du dir das Wasser teilst, den Wels; denk an den Aal auf seinem Trip ins Meer …

Folge ihm.

*

Gib die Kontaktlinsen raus – und fahr mit U-Bahn, Tram und Bus (wobei du mindestens
fünfmal umsteigst) zu einer Adresse, wo du noch nie zuvor gewesen bist. Gib dort die Linsen

wieder rein.

*

Warte auf die erste Schneesturmnacht des Jahres. Steig dann in deinen Truck und fahr über
den Wechsel (oder die Rocky Mountains [oder sonst ein Gebirge]). Halte beim erstbesten

Parkplatz danach.

*

Dreh die Zeit zurück – bis zu jenem Sonne-auf-Augen-zu-gelben Augenblick, der deiner
ersten Erinnerung unmittelbar vorausgeht. Schau dich um. Präge dir alles ganz genau ein, und

„vergiss“ es.

*

Zieh ins Tonstudio. Nimm dort – Nacht für Nacht, sobald sie schläft – die Atembrandung
deiner Liebe auf. Gib die Ohropax raus, die Kopfhörer rein – wenn du allein bist, später dann,

im Sarg.

*

Erbe das Rezeptbuch deiner Großmutter. Entziffere ihre Handschrift. Bereite das „Hendl“ zu,
die „Fülle“, den „Saft“ – ganz genau so, wie sie es immer gemacht hat. Koste. – Nein, das

funktioniert nicht.

*

Warte auf die Regenzeit. Steig dann – allein – auf den Hohenstein (oder den K2 [oder sonst
einen Berg]). Krall dich in den Fels. Zieh dich hoch. Kriech zum Schutzhaus. Rette dich: in

den Notraum.

*

Trag immer bei dir: das Frosch-Spülmittel, den Denk mit-Schwamm, das Geschirrtuch aus
Frankreich (mit den roten Birnen drauf). Und wohin es dich auch verschlagen mag: mach du

den Abwasch.

*

Erbe den Toaster deiner Großmutter. Stell ihn auf den Küchentisch – wie eine Vase (Urne?) –,
steck ihn an. Schieb keine Scheibe Toast hinein. Setz dich. Drück den Hebel nach unten. Und

jetzt: schnuppere.

*

Komm nicht auf blöde Ideen wie diese. Hab nicht so viel getrunken, nichts geraucht, sei gar
nicht erst mitgegangen. Und: schau nur, geh nicht hinein. Nein, schau nicht einmal. Geh nicht.

Geh nicht.

*

Erbe die Uhr deines Großvaters. Leg sie in dein Bett, neben dich – und wenn du nachts nicht
schlafen kannst, dann schau, wie früher, zu ihr hin: Wie ihr Ziffernblatt leuchtet! Wie sein

Herz tickt!

*

Hör heute ausnahmsweise einmal früher auf zu arbeiten. Nein: fang gar nicht erst an. Lass dir
zum Frühstück Pizza kommen, Eis und Bier, hau dich aufs Sofa, schau Sitcoms. Und hab ein

gutes Gewissen.

*

Finde deinen Platz. Such das Haus ab, den Garten, die Straße. Versuch´s unter der Tanne, auf
ihr, in der Restmülltonne. Such, bis es Nacht wird – Tag wird – such weiter … Bleib dort, wo

du zusammenbrichst.

*

Tausch Platz mit deinem Spiegelbild. Sei Immigrant im Wunderland, lern Jabberwocky,
gewöhn dich an den Linksverkehr. Schau dich an – im Rückspiegel. Und erkenne dich selbst

nicht wieder.

*

Zieh aufs Klo. Lern im Sitzen zu schlafen, mit Fliesen zu kuscheln, sprich mit dem Klobesen,
wenn du ihn gießt … Wisse: du kannst aufatmen. Jetzt (endlich!) bist du in keinem Haus mehr

ein Fremder.

*

Zieh ins Literaturhaus. Geh dabei so vor: Versteck dich während dieser Vorführung (z. B.
hier, im Text), lass dich einsperren. Und wenn alle fort sind: hol die neue Mickey Mouse raus

und lies.

*

Warte auf den heißesten Tag des Jahres. Wandere dann, auf dem größtmöglichen Umweg,
zum Grazer Landhaushof, setz dich unter die Arkaden. Die Holzbänke dort liegen seit 1505

im Schatten.

*

Stell den Schuh wieder hin. Nimm den Finger vom Sprayknopf, kehr das Backpulver auf,
kämm das Schneckenkorn aus der Wiese. Zieh den Gelsenstecker raus. Entrolle die Zeitung.

Tu´s nicht.

*

Frag dich auf Stoasteirisch durch Mumbai (oder Guǎngzhōu [oder Seoul [oder Lagos]]) – bis
dir jemand auf Stoasteirisch antwortet. – Aber nein. Das vergiss gleich wieder. Dieser Weg ist

zu einfach.

*

Lies alles über Bob Marley. Tourtagebücher, Memoiren, das Rastafari Kochbuch. Analysier
seine Riffs, die Chiffren, sezier die Verwandlung von Fleisch in Musik. Dann aber: steh auf

und tanze.

*

Schau deinem Laptop dabei zu, wie er abstürzt. Wie das Warnfenster flackert, die Lüftung
aufjault, diese Zeile erlischt. Erlebe drei bange Minuten. Schalte das Ding wieder ein. Siehe:

alles okay.

*

Fahr in die Arktis, stürz dich von einer Klippe, werde die Möwe, die du in Wirklichkeit bist.
Merke: du bist der größte, stärkste Vogel hier draußen – niemand fliegt so hoch wie du. Dann:

lande wieder.

*

Lass dich von deinem Schatten scheiden. Wisch die Angst aus deinen Augenwinkeln, leg den
Trauerflor ab, der dich fesselt. Sag den Gleichnissen adieu, den Höhlen. Dreh dich um, blinzle

ins Licht.

*

Hör auf den Herzschlag deiner Mutter. Schaukle im Wellenrausch des ersten Meers, Eigelb
und Flimmernis … Dann aber: dreh dich, winde dich da raus. Wir versprechen dir: es kommt

noch besser.

*

Mach nur noch das, was deine Tochter sagt: Räum die Sonne weg! Blas die Brennnesseln aus!
Entschuldige dich bei den Regentropfen! Komm immer mit/schau immer zu/bleib immer da!

Geh „nause“!

Abder

Posted in Trauer by andreasundschnurrendemia on 15. März 2013

Mein Freund Abder, der kabylische Filmemacher und Schriftsteller Abderrahmane Bouguermouh, ist im Februar in Algier verstorben.

Ich durfte sein Buch „Anzaâ oder die Erinnerung“, Auszüge aus Romanen und Essays, ins Deutsche übersetzen (Steirische Verlagsgesellschaft 2002).
In meiner Erinnerung bleibt nicht nur die intensive und schöne Arbeit mit den französischen Texten, sondern vor allem Abders so großzügige und warmherzige Gastfreundschaft, die er, damals ein Exilant, mir erwiesen hat – sei es nun auf dem Schlossberg in Graz (Zigaretten und Whiskey, mit durchs Fenster trippelnden Eichhörnchen) oder im Pariser Plattenbau (Couscous , Rotwein, kabylische Volkslieder bis spät in die Nacht).

Adieu, Abder!

Hier Auszüge aus dem Nachruf von Luise Grinschgl (Kulturvermittlung Steiermark/Internationales Haus der Autoren Graz/ Cultural City Network Graz):

„Abderrahmane Bouguermouh*, geboren 1936 in der Kabylei und dem Stamm der
Berber (der Volksstamm zählt etwa vier Millionen Angehörige, wovon etwa
die Hälfte ins Ausland, hauptsächlich nach Frankreich emigriert ist)
zugehörig, lebte und arbeitete von *Dezember 2000 bis Juli 2002 als
„writer in exile“ in Graz*. Sein Leben war geprägt vom Einsatz für die
Anerkennung der Berber in Algerien sowie des „Tamazight“
(Berbersprache). Bouguermouhs Haltung zu den Berbern brachte ihm
Schwierigkeiten mit den staatlichen Stellen in Algerien ein und führte
zu seinem Ausschluss aus dem nationalen Film-Zentrum, dessen
Mitbegründer er war. Ärger bekam er auch wegen der Realisierung eines
Filmprojekts in der Sprache der Berber (1965); die Ausstrahlung des
Films wurde verboten. In der Folge wurde Bouguermouh vom allgemeinen
Überwachungsdienst beschattet, sein Telefon wurde abgehört. Zwischen
1968 und 1980 war er nicht nur von jeglicher geistig-kreativer Arbeit
ausgeschlossen, sondern konnte auch nichts veröffentlichen. Da er keine
Ausreisegenehmigung erhielt, dokumentierte er alles, was ihm widerfuhr
— es entstand die Idee zu einem Roman. In den folgenden Jahren nahmen
die Unruhen im Land zu. Zwar konnte er trotz großer Schwierigkeiten
verschiedene Filmprojekte realisieren, doch nachdem er 1997
den“Berberfilm“ „La Colline Oubliée“ gedreht hatte, wurde er von den
Fundamentalisten zum Tode verurteilt und entging bei der Filmpremiere in
Paris nur knapp einem Attentat, wurde dabei aber verletzt.

1998 erhielt er von der Heinrich-Böll-Stiftung ein einjähriges
Arbeitsstipendium. Danach wurde ihm im Rahmen des
Städte-der-Zuflucht-Programms der Stadt Graz bis August 2002 ein
Stipendium in Graz gewährt, wo auch sein in Paris verlegter Roman
„Eclipse“  entstand. Von September 2002 bis September 2003 war
Abderrahmane Bougermouth Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm des
PEN. 2009 erschien sein Roman „Anza“. Abderrahmane Bouguermouh ist am 3.
Februar 2013 kurz vor seinem 77 Geburtstag nach langer Krankheit in
Algier, Algerien gestorben.“

Luise Grinschgl

Und hier ein Nachruf auf Al Jazeera (arabisch, schöne Bilder, Filmausschnitte):

Sodom und Gomorra

Posted in Grazer Glossen, Trauer by andreasundschnurrendemia on 11. Juli 2011

Gestern in G7, der Sonntagsbeilage der Kleinen Zeitung in Graz:

SODOM UND GOMORRA

Die einzige WG, in der ich jemals gewohnt habe, war eine Utopie. Wobei der Ausdruck „Utopie“, also „Nicht-Ort“, irreführend ist. Schließlich gab es den Ort, die leerstehende Wohnung meiner Großeltern im Lendplatz-Hochhaus, ja tatsächlich – nur lebte darin eben nicht (NOCH nicht, wie ich damals dachte) jene Wohngemeinschaft, die die Welt verbessert hätte: mein Freund Tom Tom und ich.
Wir waren siebzehn Jahre alt. Morgen für Morgen schleppten wir uns zur Schule, um dort über imaginären Zahlen, toten Sprachen und anderen Scheinproblemen zu brüten. Das Leben war anderswo. Im Café Cäsaro etwa, wo wir in langen, von süßem Cider und starkem Tobak befeuerten Dialogen das Wesen des Glücks definierten – jenes WG-Glücks, das uns, wie wir hofften, schon bald („nach der Matura!“) erwarten würde.
Ich will hier nicht auf die Details unserer Vision eingehen – erstens sind es zu viele, zweitens kommt es darauf nicht an. Sagen wir einfach so: Wie alle (positiven) Utopisten seit Platon schafften auch wir jene Dinge ab, die uns auf die Nerven gingen, und erhoben die zum Gesetz, die Spaß machten, aber verboten waren. Freilich: Gegen das, was Tom Tom und mir vorschwebte, stank der platonische Ideal-Staat ab wie eine von da Vincis Flugmaschinen gegen Keith Richards´ Party-Jet.

Es versteht sich von selbst, dass die Verwirklichung unseres WG-topias letztlich verhindert wurde. Für eine so gute Idee wie diese wird die Welt (die immer eine von Eltern regierte sein wird) nie bereit sein. Was uns jedoch niemand nehmen konnte, war das Wissen, dass unser Traum in jenen Momenten, da wir ihn GEMEINSAM geträumt hatten, ohnehin bereits wahr geworden war …
Als wir uns (heimlich) den Schlüssel nachmachen ließen, z.B.: erst die Angst, von Mister Minit als Einbrecher entlarvt zu werden – dann: unsere diebische Freude … Oder, kurz darauf, die erste (inoffizielle) Wohnungsbesichtigung: Wir schlichen durch die Zimmer, flüsterten, machten nicht einmal Licht an – niemand war jemals so frei … Und natürlich – ein Jahr vor dem avisierten Bezugstermin (wann sonst?) – der Kauf des WG-Haustiers.
Ein Wellensittich sollte es sein – weil jemand erzählt hatte, dass er den seinen darauf dressiert habe, ihm Zigaretten zu bringen. Und da jemand anderes meinte, allein zu wohnen sei auch für ein Vogerl kein Glück, kauften wir – um unser ganzes Geld – zwei: ein quirliges, gelb-grün gezeichnetes Männchen und ein Albino-Weibchen, groß und stark. Es war Tom Tom, der ihnen ihre Namen gab – die coolsten Namen, zweifellos, die Wellensittiche jemals getragen haben (s. Titel).

Schon bald werden sie am Himmel unserer Künstler-WG fliegen, jeder eine Zigarette im Schnabel: eine für dich, eine für mich… Schon bald wirst du mein WG-Bruder sein, werden wir im gelobten Lend logieren, wird uns ganz Graz, diese verkappte Paradise City, where the grass is green and the girls are pretty, zu Füßen liegen …
Bis dahin aber bleiben die zwei Vögel noch bei den Eltern wohnen (meinen), zwitschern ein bisschen, fressen, dösen – und nur wenn sie, im Spiel, die Flügel öffnen, kommt Leben in ihren goldenen Käfig.

Für Thomas Mossböck (1977 – 2011)

 

Der dritte Pass (Stanglpass 19)

Posted in Stanglpass, Trauer by andreasundschnurrendemia on 15. Juni 2011

(Aus dem in Kürze erscheinenden Heft 61 der Fußballfachzeitschrift Der tödliche Pass)

Der dritte Pass

 St. Johann, 04.06.2011

Dies ist nicht der Stanglpass, den ich schreiben wollte.
Vor ein paar Tagen ist ein lieber Freund von mir gestorben, 33 Jahre alt, verheiratet, Vater einer einjährigen Tochter – seither sind alle Ideen, die ich für diesen Artikel hatte, nur noch eins: unsäglich.
Dass mein Lieblingsklub, der Grazer AK, wieder knapp nicht aus der Regionalliga aufsteigen konnte, ist – in Wirklichkeit – eben keine „Tragödie“; dass ausgerechnet der Lokalrivale Sturm Graz österreichischer Meister wurde, keine „Ironie des Schicksals“; und auch die diesjährigen Ergebnisse des ÖFB-Teams, so enttäuschend sie auch sein mögen, lassen sich nicht als „Katastrophe“ bezeichnen – wahre Katastrophen sehen anders aus.

Ein weiterer Stanglpass, den ich nicht schreiben möchte, ist jener, der – aus meiner jetzigen Trauer, meinem Zorn heraus – den Fußball, seinen Diskurs und die Emotionen all derer, die daran beteiligt sind, als „nichtig“ oder „eitel“ abtut.
Sicher, wenn man gerade dabei ist, Fotos anzuschauen, die einen mittlerweile Verstorbenen noch mit seinem Kind im Arm zeigen, kann die „Verzweiflung“ der Schlachtenbummler, die sich in der parallel geöffneten Registerkarte des Internetexplorers die rot-weiß-roten Perücken raufen (Deutschland ist 1:0 in Führung gegangen), gar nicht anders als lächerlich erscheinen.
Andererseits aber blitzt ausgerechnet darin auch der Trost auf, den das Spiel Fußball mit seiner Parallelwelt – einer besseren Welt als der unseren, einer, in der die „Verzweiflung“ keine Verzweiflung, eine „Katastrophe“ keine Katastrophe und ein „tödlicher“ Pass nichts ist, woran jemand tatsächlich stirbt – zu spenden vermag. Ich empfange ihn selbst, empfange die (ebenso falsche wie rettende) Hoffnung, die der Fußball bringt, wenig später, als – meine Tränen sind noch nicht getrocknet – die Österreicher den (zwischenzeitlichen) Ausgleich erzielen … 

Es ist also – und davon könnte ein dritter Stanglpass, der, den ich hier, so schlecht es auch geht, zu schreiben versuche, handeln – es ist also nicht, wie Thomas Bernhard einmal verkündet hat, „alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt“. In Wirklichkeit (zumindest in meiner) ist es genau umgekehrt.
Gerade dann, wenn man den Tod, der – angeblich – alle erwartet, mit bedenkt, verlieren die als Bagatellen verschrienen Dinge, die uns, und sei es nur für Augenblicke, Freude (oder was auch immer) bereiten, ihre Belanglosigkeit. Ob Fußball, Shoppen oder Russisch Kegeln: sobald man es als das betrachtet, was es im Hinblick auf den Tod bedeutet – sein absolutes Gegenteil: das Leben! –, gewinnt es an Würde, an Tiefe, wird aus dem Spiel Ernst.
Zumindest rechtfertige ich so vor mir selbst, dass ich hier sitzen kann und über Fußball (über Fußball!) schreiben – wo doch mein lieber Freund gestorben ist.

Was ich weiß

Posted in Tingeltangel-Tour, Trauer by andreasundschnurrendemia on 29. April 2011

 WAS ICH WEISS

Geschrieben im Frühsommer 2009,
vor der Reise zur Buchmesse Lemberg.

Für Nazar Hončar (1964 – 2009)

 1

Das mit dem Tod habe ich nie verstanden. Wie das geschehen kann, dass einer nicht mehr ist.
Und wie das gehen soll: nicht sein. Jedes Mal wieder, wenn es heißt, dass er sie es gestorben
sei, befällt mich eine Art Verlegenheit. Betretenheit, als hätte ich mein Gegenüber bei einer
Lüge ertappt. Und zwar bei einer ziemlich dreisten. Denn schließlich kann es das ja gar nicht
geben, denke ich, dass jemand, der gerade noch da war, urplötzlich, einfach so, verschwindet.
Dass etwas so unfassbar Wichtiges, Lebensnotwendiges, wie es ein Mensch für seine Lieben
ist, verloren geht. Und zwar: für immer. Das, denke ich – nein: weiß ich –, kann: nicht sein.

Aber es scheint, als wäre es nicht wichtig, was ich weiß. Schon gar nicht, ob ich das, was da
wider (mein) besseres Wissen geschieht, verstehen kann – oder nicht. Und so heißt es eben
immer wieder, er sie es sei tot. Seit fünfzehn Jahren heißt es jetzt bereits, er (mein Großvater)
sei tot. Und sie (Judiths Großmutter) sei, heißt es, im April gestorben. Und es (mein Kind) sei
letztes Jahr gleich zweimal, einmal im März und einmal im Dezember, noch ungeboren schon
tot in Judiths Bauch gelegen. Und ob ich das begreifen kann (oder auch nicht), ist scheißegal
Ich weiß, dass es den Tod nicht gibt. Aber dem Tod geht was ich weiß am Arsch vorbei.

Und während man noch in die Löcher starrt, die sich da plötzlich neben einem auftun. Und
während man am Rande dieser in die Weizenfelder, die Rapsfelder des Lebens gesprengten
Krater steht. Und während man sich vorsichtig, scheu, widerwillig (Tag für Tag wieder wie in
Eiswasser), hinunter lässt. In jene Grotten aus gestocktem Blut. Und Tränen. Das Grab in dir,
die Gruft, die Höhle – mit deren Erforschung du, ob es dir passt oder nicht, dein Leben
zubringst. Während der täglichen Trauerarbeit also. Steigt draußen (irgendwo weit weg, im
Osten) jemand, den du noch viel zu wenig kennst, ins Wasser: um sich abzukühlen. Und kehrt

nie wieder.

2

Nazar, ich weiß viel zu wenig von Dir. Alles in allem sind wir uns wohl nur fünf, sechs Mal
begegnet, jedes Mal unter Umständen, die mich an einen Satz aus Notting Hill erinnern: „It
was nice to meet you – surreal, but nice.“ So ist etwa das erste, was ich von Dir erfahre, dass
du „Hofnarr des ukrainischen Königs“ bist. Zumindest erzählst du das (ohne zu lächeln!)
einem älteren Pärchen, das nach der „tieferen Bedeutung“ deiner extravaganten Kappe gefragt
hat … Damals, im November 2007, weiß ich zwar noch nicht einmal, wie Du heißt – aber
eins ist schon klar: der neue Stadtschreiber von Graz (das bist Du) hat jede Menge Humor!

Das zweite Mal trägst Du keine Kopfbedeckung. Wir sind in so etwas wie einer „literarischen
Gesellschaft“ – und während alles rund um Dich tratscht und kichert, sagst Du kein Wort.
„Nun sprecht doch mit dem neuen Stadtschreiber“, so und so ähnlich tönt es rings um die
Tafel, „kann denn niemand hier russisch? Oder polnisch? Oder was auch immer er spricht …“
Wenig später, als die Sitzordnungsrochaden Dich in meine Nähe spülen, setzt Du dann die
Pointe unter den hier gespielten Witz. „Andreas“, sagst Du plötzlich in sehr gutem Deutsch,
„ich habe im Internet deine Musik gehört …“ – Jetzt sprichst Du, und alle anderen sind still.

Von da an sind wir lose in Kontakt. Du bekommst ein Demo meiner Band ratlos, du bist die
einzige V.I.P. bei unserer CD-Präsentation. Trotz einzelner Kritikpunkte (1. zu wenig
„psychodelisch“, 2. die Frisur des Schlagzeugers …) erwähnst Du eine Auftrittsmöglichkeit in
der Ukraine … Danach vergeht viel Zeit, Du verlässt Graz, und als ich schon nicht mehr
damit rechne, erreicht mich tatsächlich eine Einladung nach Lemberg. Ich bedanke mich bei
Dir per Mail. In Lemberg, denke ich, werden wir alles besprechen können, in Lemberg, denke
ich – nein: weiß ich –, werde ich Dich, Nazar, dann endlich besser kennen lernen … Und da

bin ich nun.

P.S.

Dieser Text ist in dem Buch „Dichter noch dichter“ (Edition Thanhäuser 2011) enthalten, das am 05.05. um 20:00 im Kulturzentrum bei den Minoriten in Graz präsentiert wird.

Dazu Luise Grinschgl von der Kulturvermittlung Steiermark in ihrer Einladung:

„Aus über 60 Einreichungen wurde 2007 der aus Lemberg/Ukraine stammende Dichter Nazar Hončar zum Stadtschreiber der Stadt Graz gewählt. Nazar Hončar nahm während seines Aufenthaltes in Graz an zahlreichen Projekten teil, gestaltete und organisierte ein ukrainsches Lesefest bei den Minoriten mit, im Leykam-Verlag erschien sein erstes Buch in deutscher Sprache („Lies dich) und vor allem hinterließ Nazar Hončar zahlreiche Freundschaften und Spuren. Chrystyna Nazarkewytsch, die nicht nur die Ehefrau von Nazar Hončar, sondern auch eine hervorragende Übersetzerin ist, hat für den Band „Dichter noch dichter“ eine feine Auswahl von Hončar’s Texten zusammengestellt und übersetzt. Im Frühjahr dieses Jahres erschien „Dichter noch dichter“ im Thanhäuser-Verlag mit diversen Texten von Nazar, aber auch mit Gedanken und Bekenntnissen einiger Persönlichkeiten. Die Präsentation der Publikation in Graz erfolgt anlässlich des zweiten Todestag von Nazar Hončar, der 2009 völlig unerwartet verstorben ist.

Über zahlreichen Besuch der Veranstaltung freuen sich die Künstlerinnen und Künstler sowie die Organisator/innen und Sponsor/innen und Luise Grinschgl für das Team der Kulturvermittlung Steiermark

Literatur im Kulturzentrum bei den Minoriten präsentiert:

DICHTER NOCH DICHTER

Nazar Hončar

Zweisprachige Lesung und Buchpräsentation Lesung der ukrainischen Texte: Chrystyna Nazarkewytsch Lesung der deutschen Übersetzung: Martin Horn Birgit Pölzl im Gespräch mit dem Verleger Christian Thanhäuser und der Übersetzerin Chrystyna Nazarkewytsch
Literarische Reaktionen von Jörg Albrecht / Stadtschreiber 2010/11 + Fiston Mwanza / Stadtschreiber 2009/10 Musik von Andriy Ivchenko / Gitarre + Josef Fürpaß / Bandoneon
Im postum zusammengestellten Band des ukrainischen Dichters Nazar Hončar, Grazer Stadtschreiber 2007/08, finden sich rund drei Dutzend seiner poetischen Texte sowie ein Essay, in dem der Autor durch die unterirdischen Höhlenlabyrinthe wandert und nach verwandten Seelen Ausschau hält. Gott und die Welt sind die Themen der nachdenklichen und melancholischen, schalkhaften und kuriosen Texte im neuen deutschsprachigen Buch Dichter noch dichter von Nazar Hončar. In Kooperation mit dem Internationalen Haus der Autoren und Autorinnen Graz, der Kulturvermittlung Steiermark, KulturKontakt Austria und der Edition Thanhäuser.“

Der letzte Dichter

Posted in Grazer Glossen, Trauer by andreasundschnurrendemia on 18. März 2011

Heute (18.03. – St. Wolfi´s Day?) wäre Wolfgang Bauer 70 Jahre alt geworden.
Aus diesem Anlass habe ich im Auftrag der Kleinen Zeitung folgenden Text geschrieben (dort erschienen am 14.03.):

DER LETZTE DICHTER

1

Als ich siebzehn war, waren alle Dichter schon tot. Für Rimbaud, Trakl oder Brinkmann ohnehin zu spät geboren, hatte ich es (knapp, aber doch) auch verpasst, Charles Bukowski und Kurt Cobain zu ihren Lebzeiten wahrzunehmen. Der einzige, der noch die Stellung hielt – und das in meiner allernächsten Nähe (zu der ich, mit siebzehn, freilich ein eher distanziertes Verhältnis hatte …) – war Wolfgang Bauer.

An manchen Morgen sah ich ihn, ein paar Schritte voraus, über den Tummelplatz trotten. Mein Weg führte in die Schule, seiner nach Hause, nach Singapur oder noch weiter. Der traumverlorene Gang und das zerzauste, nach Eigendefinition wie „verbogene Antennen“ hochstehende Haar ließen „Wolfi Bauer“, wie ihn alle Welt nannte, in der putzmunteren, glatt frisierten Stimmung eines Grazer Innenstadtmorgens geradezu außerirdisch fremd erscheinen – wie eines jener „grünen Männchen“, die durch manche seiner Stücke geistern.

Auch wenn ich von diesen damals noch nicht viel mehr mitbekommen hatte, als dass sie irgendwie „cool“ waren – dem unheilbar an Pubertät erkrankten Kind, das ich war, schien allein schon das Auftreten ihres Autors nobelpreiswürdig. Verbürgte mir doch Bauers bloßes Da-Sein, dass es so etwas wie „Dichter“, und damit: die Dichtung (sprich: das richtige Leben), nicht nur in den Büchern der Toten, sondern auch in Wirklichkeit gab.

2

Ein paar Jahre später erst wurde mir klar, dass Wolfgang Bauer nicht nur äußerlich meiner Vorstellung eines großen Dichters entsprach, sondern auch die entsprechenden Texte schrieb. Von Anfang an begeisterten mich v. a. einige seiner weniger bekannten Arbeiten: die beiden Gedichtbände, die Kurzprosa, Stücke wie Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?, Das kurze Leben der Schneewolken oder Skizzenbuch.

Heute habe ich den Eindruck, dass Bauer – abgesehen von Magic Afternoon, mit dem er, womöglich aus einem Missverständnis heraus, den Zeitgeist der späten 60er genau getroffen hat – mit vielen seiner zahllosen Ideen „zu früh“ dran war. So nehmen etwa die absichtlich schlecht (!) geschriebenen Gedichte des Bands Das stille Schilf jenen Humor, der später durch Leute wie Helge Schneider oder Stermann und Grissemann populär wurde, (besser – nein: schlechter!) vorweg.

Und ihrer Zeit voraus waren wohl auch Bauers ab Mitte der 70er entstandene „Traumtheater“-Stücke. Einem konsequenteren Realismusbegriff als dem landläufigen verpflichtet, bringen diese die innere Wirklichkeit ihrer Hauptfiguren auf die Bühne: Sie zeigen ein und dasselbe Szenario aus dem doppelten Blickwinkel des Schizophrenen, bestehen aus den Erinnerungsfetzen eines Sterbenden, stellen ihren eigenen Entstehungsprozess im Kopf eines gewissen „Wolfi Bauer“ dar …

Leider wurden diese Meisterleistungen des dramatischen Schreibens bis heute nicht gebührend gewürdigt. Während die auf ähnlichen Plots und Verfahrensweisen basierenden Filme eines David Lynch oder Charly Kaufman ein Millionenpublikum erreichen, sind Bauers Stücke nicht einmal auf den österreichischen Bühnen zu sehen.

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Dass Wolfgang Bauer gestorben war, erfuhr ich in Frombork, an der polnischen Ostsee. Die Notizen, die ich mir an jenem Morgen machte, sind geprägt von ungläubigem Staunen. Dem Tod, gerade wenn er in weiter Ferne eintritt, haftet ja immer etwas Unwirkliches an – wie oft ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass es ihn gar nicht gibt …

Doch in die Bestürzung über den Verlust des lieben Bekannten (so ließe sich mein persönliches Verhältnis zu dem Dichter, über dessen Arbeit ich mittlerweile germanistische Texte verfasst hatte, umreißen), mischte sich noch etwas anderes – etwas, das mich dazu drängte, ausgerechnet die Tatsache, dass es mir die Sprache verschlagen hatte, in Worte zu fassen.

„Ich sitze“, so und so ähnlich notierte ich also, „hier ganz allein mit meinem Schreibblock – und kann über nichts anderes schreiben, als dass ich hier mit meinem Schreibblock sitze, ganz allein“ …

Aus dieser Verlorenheit heraus schrieb ich ein paar Tage später meine erste eigene Erzählung.

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(((())))

Posted in Trauer by andreasundschnurrendemia on 29. Januar 2010

Von J. D. Salinger (1919 – 2010) sollte jeder alles gelesen haben, was er zur Veröffentlichung frei gegeben hat. (Bekanntlich war das nicht allzu viel: nichts mehr ab 1965 – obwohl er, zumindest nach eigenen Angaben, auch danach noch geschrieben hat.)

Mit alles meine ich eben nicht nur The Catcher In The Rye und vielleicht noch Nine Stories, sondern auch seine letzten, mit einem Bein bereits in der absoluten Freiheit des nicht zur Veröffentlichung Gedachten stehenden Texte wie  Seymour wird vorgestellt. Darin finden sich dann Sätze wie dieser hier:

„… bitte nehmen Sie von mir diesen bescheidenen Strauß früh blühender Klammern an:
(((())))“