Andreas Unterweger

Was mache ich hier

Posted in Dylanologie, Im Auftrag des Herrn unterwegs, Tingeltangel-Tour, Unterweger & Stift by andreasundschnurrendemia on 15. April 2015

Nachtrag zum Termin:
16.04.2015, 20:00, Andreas Unterweger liest bei der Präsentation der Anthologie „Franziskus Unser. Literarische Positionen zum Papst“. Hg. v. Andrea Stift (Leykam 2015). ImCubus, Mariahilferplatz 3/I, 8010 Graz. Außerdem lesen: der gute Christoph Dolgan und Herausgeberin Andrea Stift.

Das war eine schöne und unterhaltsame Sache, die, u.a., so ausgesehen hat:

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Alle Fotos: (c) Leykam Buchverlag/E. Klöckl-Stadler

Und hier die ersetn 3/5 meines eigenen Beitrags zum Buch, den Andrea Stift, höchst eloquent, vorab so beschrieben hat:

„Bei Andreas Unterweger wird die Teilnahme an dieser Anthologie zur Glaubensfrage: „Was mache ich hier?“ Seine „fünf Botschaften“, deren autobiographische, belletristische und essayistische Elemente das Papstamt aus unerwarteten Perspektiven hinterfragen, bergen dann dennoch eine Art Glaubensbekenntnis: zum Schreiben.“

WAS MACHE ICH HIER
5 Botschaften

Die Glocken von St. J.

In dem Dorf, wo wir wohnen, nah bei unserem Haus, steht eine kleine Kapelle. Die Glocke des Turms, nein: Türmchens dieser Kapelle läutet dreimal am Tag: um sechs Uhr früh, zwölf Uhr mittags und sechs Uhr abends.
Wobei „läuten“ das falsche Wort ist. Es handelt sich eher um so etwas wie ein Schrillen, hysterisch, ja, aggressiv, eine Art metallisches Bellen – kein Wunder, dass der Hund unserer Nachbarn, ein ebenso diszipliniertes wie intelligentes Tier, jedes Mal wieder (also dreimal am Tag, dreimal dreihundertdreiundsechzig Komma fünfundsiebzig mal im Jahr [abzüglich Karfreitag und -samstag, unter Berücksichtigung von Schaltjahren], insgesamt somit tausendeinundneunzig Komma fünfundzwanzig mal pro Jahr [sprich: exakt siebentausendsechshundertachtundreißig Komma fünfundsiebzig mal in den sieben Jahren, die wir nun hier wohnen]) die Nerven komplett wegschmeißt, um in (nicht nur stimmlich) allerhöchster Verzweiflung in das Gejaule seines eisernen Artgenossen, der ihn aus dem hier sonst so heiteren, friedlichen Himmel heraus ankläfft, einzufallen.
Dieses Duett erreicht eine Lautstärke, gegen die sich selbst das gelegentliche Vorbeidonnern versprengter Motorrad-Nomaden molto amabile ausnimmt: Kinder schrecken aus dem Schlaf, Katzen flüchten auf Dachböden, Hasen jagen im panischen Zickzack übers Stoppelfeld, bis – nach jedes Mal aufs Neue mitgezählten einhundertvierundzwanzig Glockenhieben (das macht, nebenbei bemerkt, insgesamt neunhundertsiebenundvierzigtausendzweihundertfünf, seitdem wir hier wohnen) – der Lärmpegel abebbt, der Hund erschöpft ins Gras sinkt, der Himmel aufklart, wieder Frieden herrscht.
So viel zur Rolle der katholischen Kirche in meinem täglichen Leben.

The Chimes Of Bob Dylan

Bob Dylan liebt Glocken. Die Hinweise darauf reichen von The Chimes Of Freedom (1964) über „the sounds of those Methodist bells“ in Sara (1976) bis zu einer entsprechenden, sehr erhellenden Äußerung, von der ich leider vergessen habe, wo sie nachzulesen ist.
Jedenfalls – so meine privatdylanologische Radikalthese – ist es im Wesentlichen, sprich: in Wirklichkeit, Bob Dylans Liebe zum Klang von Kirchenglocken zu verdanken, dass dieser, geboren als Robert Allen Zimmermann, aufgewachsen in einer jüdischen Familie und danach weltweit bekannt geworden als Verfasser musikalischer Fundamentalkritik an jeglicher Art von Autorität, 1978 – aus heiterem Himmel, sozusagen – ein christliches Erweckungserlebnis erfuhr.

Die erste Botschaft, die Bob Dylan am Beginn seiner drei Alben währenden christlichen Phase verkündete, ist folgende: „Well, it may be the devil or it may be the Lord / But you’re gonna have to serve somebody“.
Dies erinnert an einen recht aktuellen Tweet von Papst Franziskus I., über den ich beim Recherchieren gestolpert bin (den Tweet, nicht den Papst): „Wenn man nicht Gott anbetet, dann wird etwas anderes angebetet. Geld und Macht sind Götzen, die oft Gottes Platz einnehmen.“ (@pontifex_de, 02.08.2014)

Zitiert der Papst etwa Bob Dylan? Nein, beide paraphrasieren das Neue Testament: „Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mt 6,24 Lut)
Die Botschaft der drei Texte ist jedenfalls ziemlich die gleiche – mit dem Unterschied, dass für den frisch erweckten Gottesdiener Dylan noch eine Erkenntnis darstellt, was für die routinierteren Franziskus und Matthäus bereits außer Frage steht.

Als John Lennon Dylans Song „Gotta Serve Somebody“ erstmals im Fernsehen hörte/sah, antwortete er, fuchsteufelswild, mit dem Song „Serve Yourself“.
Aber selbst bei diesem Gebot bin ich mir, irgendwie, nicht ganz so sicher.

Die Päpstin

Das Grimm´sche Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ handelt, u. a., davon, wie man Papst wird bzw. was es bedeutet, Papst zu sein. Demzufolge geht es dabei um Reichtum, sprich: um Macht.
Ilsebill, die Frau des Fischers, der den verzauberten Butt aus dem Meer gezogen und wieder zurückgeworfen hat, wünscht sich vom Fisch immer schönere (teurere) Behausungen (statt des ursprünglichen „Topfs“ [im plattdeutschen Original: „Pisspott“] erst eine Hütte, dann ein Schloss), bevor sie auf Ämter verfällt: König, Kaiser und schließlich, auf ihrem Höhepunkt (vor dem Totalabsturz, der mit dem Satz „ick will warden, as de lewe Gott!“ beginnt), ist Ilsebill für einen Tag und eine Nacht sogar – „in lauter Gold gekleidet“, „drei grosse goldene Kronen auf“, umkniet von allen „Kaiser[n] und […] Könige[n]“, die ihr „den Pantoffel küssen“, und alles in allem strahlend wie „die helle Sonne“ selbst – Papst.

Diese Karriereleiter wirkt mittelalterlicher, als sie womöglich ist – schließlich führt das Forbes Magazin Papst Franziskus I.immer noch als viertmächtigsten Menschen der Welt. Und als Verfüger über ein Vermögen von bis zu 12 Milliarden Euro, das, u. a., in allerlei Unternehmungen angelegt ist, zählt er auch zu den Top 60, 70 der Allerreichsten.
Ich weiß schon, man darf Franziskus aka Jorge Mario Bergoglio, der sich mit seinem Kreuz aus Eisen wohl tatsächlich, und wahrscheinlich auch aufrichtig, darum bemüht, ein „Papst der Armen“ zu sein, nicht mit den anderen Gestalten auf den beiden Listen (Putin, Blatter, Google usw.) in einen Pisspott werfen … Andererseits:

„Es gibt keine saubere Methode, um zu hundert Millionen Eiern zu kommen […] Der Mann ganz oben glaubt vielleicht, daß seine Hände sauber sind, aber irgendwo auf dem Weg nach unten sind Leute an die Wand gedrückt worden, ist netten kleinen Geschäften der Boden unter den Füßen weggezogen worden, so daß sie für ein Butterbrot verkauft werden mussten, haben anständige Menschen ihre Stellung verloren, ist der Aktienmarkt manipuliert worden, hat man die Bevollmächtigten der Konkurrenz gekauft wie alten Ramsch, und die Lobby-Piraten und die großen Rechtsverdreher-Firmen haben Hunderte von Riesen dafür eingesteckt, dass sie ein Gesetz unter den Tisch brachten, das vom Volk zwar gewünscht wurde, von den Reichen aber nicht, weil es ihnen den Profit schmälerte. Geld ist Macht, und Macht wird mißbraucht. Das liegt im System. Vielleicht ist´s ja das beste System, das wir haben können, aber freuen tut´s mich trotzdem nicht.“
Raymond Chandler, Der lange Abschied

[…]

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Washington, D.C. – official pictures

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour, Unterweger & Stift, Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 18. November 2014

Hochoffizieller Nachtrag zum Termin:
04.11.2014, 19:30, Andreas Unterweger liest im Rahmen des WEIN-LESE-FESTS am Austrian Cultural Forum in Washington, D.C. (auf Englisch). Außerdem liest (auf Deutsch): Valerie Fritsch.

Autumn splendor
(c) Peter Cutts

Mein Dank gilt:
Alfred Kolleritsch und dem ganzen Team der Literaturzeitschrift „manuskripte“, das mich auf die Short List steirischer Schriftsteller, die an diesem Wein-und-Literatur-Abend in der österreichischen Botschaft in den U.S.A. teilnehmen könnten, gesetzt hat;
Andrea Stift für die Absage ihrer Teilnahme – ich bin quasi als „Joker“ (altösterreichisch: „Weli“, neudeutsch: „Götze“) in die Mannschaft gerutscht;
Angelika Schweiger, Direktor Andreas Pawlitschek und den im Büro des Austrian Cultural Forum praktizierenden „Buben“ für die kompetente und freundliche Organisation und Betreuung;
Steph Morris für seine offenbar sehr gelungene Übersetzung dreier Kapitel aus „Wie im Siebenten“ (die Leute haben gelacht [an den richtigen Stellen]);
meinem Verlag, dem Literaturverlag Droschl, bekanntermaßen Verlag meines Herzens, für Rekrutierung und Honorierung von Steph Morris;
Gertraud Dayé für ihre stephmorrismäßig gelungene Übersetzung mehrerer meiner Gedichte (z. B. „No Poem“ [s. u.] – den Reaktionen nach zu schließen auf Englisch besser als auf Deutsch [was, der Übersetzerethik zum Trotz, als Kompliment gemeint ist!]);
Valerie und Martin für das angenehme Zusammenwohnen in der Gästewohnung der Botschaft, ihr Verständnis meiner Nöte mit all den amerikanischen Automaten und Automatismen und ihr abschließendes Aufräumen
und
meinen Eltern – fürs Auf-ihr-älteres-Enkerl-Aufpassen (während ihr Sohn die Exotismen eines unbekannten Kontinents erforscht).

Hier die Fotos der wichtigsten Stationen des Abends,
gemacht von und (c) Peter Cutts,
zur Verfügung gestellt vom Austrian Cultural Forum:

Schon beim Eintritt wird klar – heute Abend geht es in erster Linie um Literatur:

Autumn splendor

Wir Schriftsteller müssen nüchtern bleiben:

Autumn splendor

Direktor Andreas Pawlitschek leitet launig ein:

Autumn splendor

Wir lernen Einiges über guten Wein aus der Steiermark, insbesondere jenen vom Weingut Strauss vulgo Schopper, den wir parallel dazu verkosten dürfen – im Vordergrund aber steht, wie gesagt (und auf dem Bild deutlich zu sehen), die gute Literatur:

Autumn splendor

Valerie liest:

Autumn splendor

Andreas quatscht:

Autumn splendor

Andreas liest die von Steph Morris übersetzten Kapitel aus „Wie im Siebenten“ (eines davon nachlesen):

Autumn splendor

Andreas liest eines seiner von Gertraud Dayé übersetzten Gedichte, z. B. „No Poem“:

Autumn splendor

Angelika Schweiger freut sich:

Autumn splendor

Und auch für mich war es einfach nur amazing!

Good night!

P.S.
Alle Fotos von Peter Cutts auf flickr.com.

Retweet des Jahres

Posted in Cobainologie, ratlos, Tingeltangel-Tour, Twitteristik, Unterweger & Stift by andreasundschnurrendemia on 14. April 2014

Retweet des Jahres 2013 ist – zumindest auf dieser Homepage – der letzte der vier unten stehenden, ausnahmsweise vom Homepagebetreiber selbst stammende Tweet – wurde er doch von Gerald Wenge in der Fußballfachzeitschrift „Der tödliche Pass“ als Motto für seinen Artikel „Seitenaus. Oder was es außer Fußball noch so gibt“ verwendet:

Tatsächlich liefert Gerald Wenge einen Fußballspielbericht in Schach-Termini – mein Tweet hatte also offensichtlich recht.
Jedenfalls empfehle ich den Tödlichen Pass heißestens – sowohl in seiner Print-, als auch in seiner Blog- und Tweetausgabe.

*

Nun ist das natürlich beileibe nicht das erste Mal, dass eine Zeile von mir als Motto verwendet wird (sondern das, äh, kurz nachgerechnet …  zweite).
Der erste mottomäßige Retweet findet sich auf S. 5 des Romans „Klimmen“ von Andrea Stift, wo es darunter heißt: „Mein Dank für umfassende Inspiration gilt der Band ratlos„.

Man kann sich vorstellen, wie dem ehemaligen, derzeit in Papapause befindlichen Leadsänger von ratlos zumute war, als er Andrea Stifts kürzlich erschienenem Der Standard-Artikel über Kurt Cobain lesen musste, sie habe „Klimmen“ „mit Nirvana in den Ohren“ geschrieben …
Wie viele Bands passen denn gleichzeitig in zwei Schriftstellerinnenohren? Zwei?! Oder eine ins Ohr, eine ins Herz?!? Oder gar umgekehrt?!?! – Der Leadsänger lässt Frl. Stift ausrichten, er verlange lückenlose Aufklärung – am besten in Artikelform – spätestens zu seinem 20. Todestag.

 

Linda Stift

Posted in Unterweger & Stift by andreasundschnurrendemia on 17. März 2012

Nachtrag zu dem Termin:
11.03.2012, Andreas Unterweger beim Lesefest NEUE TEXTE 2012,
Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz.
Um 11:00 stelle ich Linda Stift vor (wir sind Opener),
um ca. 15:25 lese ich selbst, mit einer Einführung von Natascha Gangl.
Eintritt: 5 Euro.

LINDA STIFT

Ich habe eine beste Freundin, die ist Schriftstellerin und heißt auch Stift: Andrea Stift, nicht
Linda Stift. Die Wendung – „Andrea Stift, nicht Linda Stift“ – kommt meiner besten Freundin
ähnlich routiniert flüssig über die Lippen wie mir die folgende: „Nein, ich bin nicht verwandt
mit dem Mörder.“ Im Gegensatz zu mir ist Andrea jedoch sehr wohl verwandt – nicht mit
dem Mörder, aber mit Linda, die auch Schriftstellerin ist, und als solche mörderisch berühmt.

Andrea und ich, Andreas, wir sind (Vor-)Namensvetter und -base – sogar zweiten Grades:
Andrea Josefine und Andreas Josef. Die (Nach-)Namensbasen Andrea Josefine und Linda
Stift sind hingegen nicht nur sprachlich, sondern auch wirklich Cousinen – was wiederum
uns, Linda Stift und mich, Andreas Josef Unterweger, in ein obskures, weder mit Worten
noch mit Stammbaum bestimmbares, und doch bestehendes Verwandtschaftsverhältnis stürzt.

Wenn ich über Linda Stift spreche, spreche ich also über ein Familienmitglied – wie bei einer
Geburtstagsansprache –, und als literarisch versiertes Publikum wissen Sie bestimmt, dass die
Weltliteratur keine schwierigere Gattung kennt als diese. „Je einfacher das zu Schreibende,
desto qualvoller meine Anstrengung“, heißt es bei Čechov über Geburtstagsglückwünsche.
Wäre Čechov je zum Lesefest eingeladen gewesen, er hätte das über Anmoderationen gesagt.

Ach, Anmoderationen … Früher, in den Zwanzigern (meinen, nicht denen des vorigen
Jahrhunderts), pflegte ich sie aus dem Ärmel zu schütteln – und tatsächlich habe ich auch
Linda Stift schon einmal, im Erscheinungsjahr ihres so erfolgreichen Debütromans Kingpeng,
2005, einem Publikum vorgestellt. Freilich, damals waren die Voraussetzungen andere: da ich
Andrea, meine Namensbase, noch nicht kannte, war ich mit Linda auch noch nicht verwandt.

Damals hatte ich noch nichts von Linda Stift gelesen; hatte noch kein einziges Glas Bier mit
ihr getrunken, war mit ihr noch nicht, innerhalb eines Tages, nach Frankfurt und zurück
geflogen; hatte sie noch nie dabei angefeuert, wenn sie hinter ihrem Söhnlein her durch die
Buch Wien hetzte – kein Wunder, dass ich (damals) mit ihren persönlichen Daten (geboren in
Wagna, studierte Germanistik etc.) um mich schmiss, als wäre ich Facebook … Und heute?

Heute geht so etwas nicht mehr. Heute kann ich ja nicht einmal über ihr neuestes Buch
sprechen, den Roman Kein einziger Tag. Zwar habe ich es ganz brav gelesen, wollte mir
während des Lesens auch Notizen machen – aber noch bevor ich meinen Unterstreich- und
Kommentier-Bleistift aus dem Federpenal holen konnte, war das Buch, das ich doch gerade
eben erst aufgeschlagen hatte, auch schon wieder ausgelesen … So kurz? Nein, so spannend!

So. Wenn ich richtig rechne, dauert diese Anmoderation nun bald drei Minuten – Zeit, an ein
Ende zu kommen. Linda, ich finde, Du bist eine gute Schriftstellerin und ein guter Mensch
(ist ja eh das Gleiche), und freue mich, als Dein Verwandter, Dein „Bruder“ sozusagen, schon
sehr auf die Lesung aus Deinem Roman, der ja nicht zuletzt ein Familien-Roman ist … Tja,
dann viel Spaß. Lass es krachen. Und, ach ja, bevor ich es vergesse: Nachträglich, aber doch –

alles Gute zum Geburtstag!

P.S.

Es war übrigens das erfreulichste Lesefest, an dem ich je teilgenommen habe – nur nette Leute und gute Texte.

Hier noch ein paar Bilder aus meiner schmucken Geburtsstadt …

Grazer Uhrturm im Abendlicht:

Ein paar Wohnhäuser:

Typische Grazer Altstadtidylle:

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Andrea Stift

Posted in Unterweger & Stift by andreasundschnurrendemia on 17. März 2012

——– Original-Nachricht ——–
Datum: Wed, 14 Mar 2012 09:37:06 +0000
Von: Andrea Stift
An: Alle
Betreff: Elfriede Jelinek spielt Gameboy

Meine Lieben,

bald, endlich, erscheint mein neues Buch – es wird den glorreichen Titel ELFRIEDE JELINEK SPIELT GAMEBOY tragen und am 12. April in der Edition Keiper vorgestellt (Puchstraße 17, 8020 Graz) werden. Ich lese ein bisschen daraus, Stefan Laube und Horst Waggershauser begleiten mich musikalisch – liebenswerterweise mit Vertonungen einiger meiner Gedichte. (20.00)

[…]

Wer mich und uns mit seinem Kommen beglücken will, der tue das. Weitere Lesungstermine finden sich wie immer auf http://www.andreastift.at.

Alles Liebe und schöne Frühlingstage
wünscht

Andrea

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Zärtliches Pingpong

Posted in Unterweger & Stift by andreasundschnurrendemia on 27. Juli 2011

Aus der aktuellen Ausgabe der Literaturzeitschrift schreibkraft:

ZÄRTLICHES PINGPONG

Über den Gedichtband Konfrontationen von Maria Seisenbacher und Hermann Niklas

Andreas Unterweger
im Gespräch mit Andrea Stift

Warum arbeiten Andrea Stift und Andreas Unterweger in ihrer ersten gemeinsamen Rezension mit kommunizierender Kritik in Form von abwechselnden Wortmeldungen, die sich als spezielle kritische Dialogform verstehen?

Wie bitte?

Andrea, meine Frage ist eine Variation auf den ersten Satz des Buchs, das wir besprechen. Du sollst sagen: Weil auch „Hermann Niklas und Maria Seisenbacher […] in ihrem ersten gemeinsamen Gedichtband Konfrontationen mit kommunizierender Lyrik in Form von Antworten [arbeiten], die sich als spezielle lyrische Dialogform verstehen“. Verstehst du?

Aber das stimmt ja nicht.

Wie bitte?

Wir machen diese Rezension ja nicht deshalb gemeinsam, sondern weil wir immer wieder einmal Sachen zusammen machen. Und weil wir schon beim Viertelfestival 2008 „kommunizierende“ Prosatexte der beiden vortragen durften, die uns gut gefallen haben.

Na, ich habe eben gedacht, wenn wir so anfangen, wie ich gedacht habe, dann kommt die Rede gleich auf das Konzept des Gedichtbands – das ja sehr ungewöhnlich ist …

Allerdings. Niklas und Seisenbacher gehen so vor: ausgehend von einem gemeinsamen Erlebnis, schreibt einer der beiden ein Gedicht – auf das der andere, wieder in Form eines Gedichts, antwortet. Was dann wiederum eine lyrische Antwort zur Folge hat. Niklas´ Texte im Buch sind regulär gesetzt, Seisenbachers kursiv … Das Schöne daran ist, dass die beiden, ganz anders als wir zwei, ein Liebespaar sind.

Genau. Es handelt sich um kommunizierende Liebeslyrik. Etwas sehr Seltenes – in der Regel ist es ja so, dass einer (meist tatsächlich ein Mann) für den anderen (meist: die andere) schreibt. Dante für Beatrice. Petrarca für Laura. Klaus Theweleit hat herausgearbeitet, welch grausame Tendenzen einem solchen Verfahren zugrunde liegen können: der eine spricht/schreibt (lebt), weil die andere schweigt (wie ein Grab) … Dinge, über man sich, nebenbei bemerkt, im Klaren sein sollte, wenn man sich an etwas Ähnlichem versucht. – Für Liebeslyrik, in der beide Partner gleichberechtigt zu Wort kommen, fallen mir ad hoc jedoch kaum Beispiele ein. Vielleicht der Briefwechsel von Goethe und Marianne von Willemer – deren Gedichte dann freilich als „echte Goethes“ in den West-östlichen Divan eingegangen sind. Auch bei anderen schreibenden Paaren, wie etwa Celan und Bachmann, oder auch Rimbaud und Verlaine, dürfte es vergleichbare Ansätze gegeben haben. Aber als Konzept für ein ganzes Buch ist diese Idee – für mich zumindest – neu.

Und es ist eine wunderbare Idee! Wenn sich zwei für das Gleiche begeistern, das gemeinsam ausleben können und damit dann auch noch ihre Beziehung abbilden, das muss doch ein sehr schöner Prozess sein. Um dieses Hin und Her, dieses zärtliche Pingpongspiel, habe ich die beiden beim Lesen richtig beneidet …

Pingpongspiel trifft es gut. Tatsächlich spielen sich Niklas und Seisenbacher Bilder und Motive wie einen Ball zu – während der eine den Ball als Topspinn-Vorhand übers Netz kracht, spielt ihn die andere als Slice-Ballonball zurück … So wird etwa das zerbrechliche Straußenei aus dem einen Gedicht im nächsten zum aufschlagenden Kopf, dann zum Kopfloch, zum Krater, Spaltkopf usw. Ein beeindruckend dichtes Motivgeflecht – oder, um beim Bild zu bleiben: ein Match mit zahlreichen packenden Ballwechseln …

… oder „Konfrontationen“. Trotzdem ist mir der Titel etwas zu sehr auf Kontrast bedacht. Ich hätte dem Buch einen etwas liebevolleren Namen gegeben.

Die Betonung des „Gegeneinander“ fällt schon in den poetologischen Statements zu Beginn auf. Ich habe diese Art des Aufeinanderprallens jedoch nicht nur als lieblos empfunden – in den Gedichten scheint es auch erotisch konnotiert zu sein.

Und es handelt sich auch um das Aufeinanderprallen zweier Sprachen – seine: konkret im Benennen, sehr körperlich, fast pushy

… ihre: filigraner, unbestimmter, „lyrischer“ …

…– bis tatsächlich, wie anfangs als Ziel vorgegeben, „eine gemeinsam fremde Sprache“ entsteht. Tatsächlich werden die „Stimmen“ der beiden gegen Ende des Buchs einander immer ähnlicher – und die Texte immer kürzer: als ob es dann nicht mehr so vieler Worte und Erklärungen bedürfe, weil der andere mittlerweile beinahe schon dieselbe Sprache spricht. Dieser Prozess macht die Besonderheit dieses Gedichtbands aus. – Wenn man aber in das Buch hineinblättert, einmal hier und einmal dort ein Gedicht liest, wie man das mit Gedichtbänden eben so macht, erschließt sich diese Qualität nicht. Da habe ich mich eher über den unzugänglichen Charakter einzelner Texte gewundert – oder mich von der stellenweise gekünstelten Ausdrucksweise abgewiesen gefühlt. „Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Einfachheit“, habe ich mir z. B. notiert.

Ich verstehe, was du meinst. Aber: das (lt. Vorwort wider Willen) „verschlüsselt oder geheimnisvoll“ Wirkende der gemeinsamen Sprache, die stellenweise wirklich an eine Art „Privatsprache“ erinnert, scheint mir eine fast notwendige Gegenbewegung zur Textform darzustellen: Die Kommunikation zweier Liebender ist ja per se etwas sehr Intimes. Und diese Intimität ist auch ganz deutlich spürbar – manchmal fast zu deutlich …

Mir ist es auch so gegangen! Das hab ich mir auch notiert!

Man fühlt sich wie ein Voyeur – ohne aber etwas sehen zu können. Während die Gedichte mich Leser vor das Fenster drängen, zieht die Sprache, in der sie gehalten sind, den Vorhang zu … Die Form enthüllt, der Ausdruck verschleiert. In diesem Schwebezustand scheinen mir diese Texte zu verharren – und das ist auch gut so.

Mag sein. Es ist ja auch jedes der Gedichte, für sich genommen, gut.

Widerspricht das nicht dem, was du vorher gesagt hast?

Nein. Ich habe gesagt, die Gedichte sind gut, ich habe nicht gesagt, dass sie schön sind.

Kannst du mir das bitte erklären?!

Ein gutes Gedicht ist eines, an dem ich nichts auszusetzen habe. Bei einem schönen Gedicht aber bleibt mir die Luft weg.

Und wenn du nun die einzelnen „guten“ Gedichte dieses Buchs im Kontext der „lyrischen Dialogform“, in der sie stehen, im Wissen um ihre Suche nach einer „gemeinsam fremden Sprache“ liest, werden sie dann für dich nicht „schön“?

Leider nein. Ich finde die Idee des Buchs zwar bezaubernd – doch mir fehlt eben der gewisse Zauber … Natürlich ist das ein rein subjektiver Eindruck.

Hm. Das heißt: wir verbleiben diesem Buch gegenüber …

… etwas ratlos …

… aber mit großer Sympathie.

Genau!

 

Maria Seisenbacher und Hermann Niklas: Konfrontationen. Gedichte 2005 – 2008. Artwork von Goto. St. Pölten: Literaturedition Niederösterreich 2009.

Wie schön* man es gehabt haben könnte …

Posted in Tingeltangel-Tour, Unterweger & Stift by andreasundschnurrendemia on 25. Februar 2011

… wenn man dabei gewesen wäre, als ich am 16.02.2011, bei der Präsentation von „Das schönste Fremde ist bei dir. Alfred Kolleritsch zum 80. Geburtstag (Droschl 2011)“, mein im Buch enthaltenes Dramolett „Wie schön wir es haben könnten“ gelesen habe – kann man sich jetzt als YouTube-Video anschauen:

Gefilmt wurde das traurige** Schauspiel von voiceinspiration, sprich: Jungregisseur Edwin Rainer, bei dem ich mich auf diesem Weg herzlich bedanke!

* Kann durch jedes beliebige andere Adjektiv ersetzt werden.
** S. o.

Das schönste Fremde ist bei dir

Posted in Tingeltangel-Tour, Unterweger & Stift by andreasundschnurrendemia on 18. Februar 2011

Nachtrag zu dem Termin:
16.02.2011, 20:00, Buchpräsentation: „Das schönste Fremde ist bei dir. Alfred Kolleritsch zum 80. Geburtstag“ mit den Herausgeberschaften Andrea Stift und Andreas Unterweger u. a. m. Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz.

Ein schöner Abend! Ganz dem feierlichen Anlass – Alfred Kolleritsch wurde 80 Jahre alt – angemessen und sowohl während als auch vor und nach meinen Auftritten (erst gemeinsam mit Mitherausgeberin Andrea Stift eine Ansprache halten, dann – nach Lesungen von Andrea, Gerhild Steinbuch, Monique Schwitter und Sissi Tax – mein im Buch enthaltenes Dramolett „Wie schön wir es haben könnten“ vorlesen) sehr sehr lustig.

Für all jene, die wegen der frühzeitigen Ausverkauftheit (sagt man das so?!) der Veranstaltung nicht dabei sein konnten: die Kleine Zeitung hat online eine nette Fotostrecke mit lauter gelungenen (wenn auch nicht immer schmeichelhaften) Fotos – hier klicken!

Lesenswert, nicht nur für Pilzfreunde, auch dieses Interview mit dem Jubilar – und dieser Blogeintrag.

Viel Spaß!

Geteicht

Posted in ratlos, Tingeltangel-Tour, Unterweger & Stift by andreasundschnurrendemia on 5. August 2009

Nachtrag zu dem Termin: „02.08.2009, 10:30, Andrea Stift feat. ratlos, Unplugged-Konzert und Lesung auf der Seebühne der Tanzschule Kummer, Hilmteich, Graz.“

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Stefan Laube, Daniel Ithaler, Andreas Unterweger, Judith Gschwantner und Christian Dayé (v.l.n.r.)
danken allen, die uns trotz der frühen Stunde bei unserer ersten Unplugged-Session angefeuert haben!

Mehr Bilder von ratlos bei Teichen!
Mehr Bilder von ratlos!

Fan-Post

Posted in Tingeltangel-Tour, Unterweger & Stift by andreasundschnurrendemia on 3. Juni 2009

… mit Fußnoten – bzw.: Nachtrag zu dem Termin „29.05.2009, 20:00, kneipenkur in der Peinlichgasse 11, 8010 Graz. Andrea Stift und Andreas Unterweger feat. Stefan Laube, den traurigsten Liedermacher der Welt.“

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Fan-Post von Flaumi von Rotzgör
(für die Andrea Stift, Stefan Laube, Judith Gschwantner und ich uns herzlich bedanken!)

Suchend nach Literatur-Melasse,
Ging ich in die Peinlichgasse.
Schaute dort nach einem Lift,
und stieg hinauf zu Madame Stift.

Sie lugte aus der Tür empor,
Und dann war ich nurmehr ganz Ohr.
Erstaunt, was ich da alles hörte:
Manches erschreckte mich und, huch!
Ein Arzt mich auch empörte,
Weil er´s wagte bis zum Kieferbruch!
Doch fließend wie es auf den Punkte trifft…
erzählt das nur Madame Andrea Stift.*

Und dann konnten Gefühle schwingen,
Als Andreas´ Judith ansetzte zu singen.
Auch Judiths Andreas emsig sang
Zu einem ganz, ganz neuen Klang!**

Und schließlich dieser STE…
Mit seinem Zynik-Dreh,
Der ja auch schon alles kann,
Im Namen trägt er mich als …FAN.***

Ob sich mein Antlitz da erholt?
Ein riesen Pustel aus ihm johlt:
Allen vielste Dakne
Für soviel Künstler-Akne!****

* „Madame Stift“, die famose Gastgeberin, hat – neben zarten Liebesgedichten – einen ebenso grau- wie unterhaltsamen Prosatext über ihre (und auf ihrer) neue(n) Mundharmonika vorgetragen.

** Nach einem Vorprogramm, bestehend aus fünf Gedichten, haben Judith und ich (auf der oben abgebildeteten Kindergitarre des Herrn Laube, s.u.) drei Songs gespielt: „Gewitter“, „Regenzeit“ und „Rockmusiker“ – sehr zur Freude von Judiths Grazer Fanclub, der nach ihrem ersten Auftritt in der Stadt schon geschätzte siebzig Mal größer ist als meiner (oder gar der von ratlos, der zwar nie gegründet, aber mehrfach aufgelöst wurde).

*** Herr STE-FAN Laube, Meister des traurigen Witzes (und witzigen Trauergesanges), präsentierte Sickergedichte, hochkomische Kurzprosa und mehrere Lieder – darunter die wunderschöne Nummer „Waldschach“.

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**** Anspielung auf einen kleinen Dialog, den Herr Laube und ich 2004 für unsere damalige Radiosendung „Wartezimmer“ (Radio Helsinki) gemeinsam verfasst und anlässlich der Lesung in der Peinlichgasse vorgetragen haben. Das Dramolett heißt „Unsere Sprache hat AKNE“ und beginnt so:

A: Guten TAKNE!
B: Ja, guten TAKNE!
A: LAKNE nicht gesehen. Gut schaust aus!
B: O dAKNE, dAKNE! Bist noch auf der Uni?
A: Na, da hab ich mich verabschiedet. Ich bin jetzt auf der HAKne.
B: Ah, das hab ich auch gmacht.
A: Und jetzt studierst?
B: Na, ich mAK NEt. Ich bin jetzt bei der Bawag-BAKNE.
A: Schon lAKNE?
B: Na, erst ein paar TAKNE.
A: Und hast dort viel zum HAKNEln?‘
B: Buh, frAK NEt … Aber ich pAK NEt, wie viel ich dort verdien!

usw. (Fortsetzung wird auf Verlangen verschickt)

Abschließend ein Stimmungsbild aus der (Fan-)Post, die nach dem Ende des Kulturprogramms abging:

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