Andreas Unterweger

Was uns erwartet

Posted in Mikroessays, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 16. April 2012

Mein Beitrag zum Buch „Das große Abenteuer der Kunst – Assoziationen nach der Moderne“. Hg. v. Astrid Kury und Emil Breisach, das anlässlich Emil Breisachs 89.Geburtstags und zum 25-Jahr-Jubiläum der Akademie Graz in der Grazer edition keiper erschienen ist.
Beiden Geburtstagskindern wünsche ich nachträglich alles Gute!

4 Mikroessays

nach Impulsen von Emil Breisach und Astrid Kury

Was erwartet uns / Sag es mir / da du mit deiner Musik / mit deinen Versen /
mit deinen Bauten / und Bildern / das eherne Tor / einen Spalt breit / zu öffnen suchst

Emil Breisach

Was uns erwartet, weiß ich nicht, zum Glück, und will es auch gar nicht wissen. Denn:
„Sobald man weiß, was als Nächstes kommt, wird es fad“ (das habe ich neulich über mein
Schreiben geschrieben), und dass „fad“ schlimm ist, richtig schlimm (schlimmer als Krieg –
schreibt das nicht Peter Strasser?), das weiß ich. Ich weiß ja, was passiert, wenn mir beim
Schreiben fad wird: ich höre sofort damit auf. Und wer hat noch einmal (in seinem ersten
Buch, da ist ein solcher Satz erlaubt) geschrieben: „Ich lebte, weil ich schrieb“? Ach ja, ich.

„Ich bin Abenteurer und nicht Dichter“, hat H. C. Artmann gedichtet (obwohl er es
gesagt hat, nicht geschrieben) – ein Satz, der, in meinen Ohren, so wenig (oder viel?) Sinn
ergibt wie der: „Ich wollte immer Dichter sein, nicht Schriftsteller“ oder der: „Sie werden
überrascht sein, wie viel mit einer Tautologie gesagt werden kann“ (C. West Churchman). –
Sagen wir so: Nicht jedes Abenteuer, das dich ruft, ist ein Gedicht – aber jedes Gedicht ist ein
Abenteuer (sein Ruf ein Satz: der wahrste, den du weißt – der erste, den du niederschreibst.)

Nur das Neue macht glücklich, sagt unser neues Orakel, die Neurologie. Indem dein
Gehirn dich nur für neu gemachte Erfahrungen mit Dopaminen belohnt, stachle Es den
Faulpelz, der Es durch die Gegend trägt, zum Lernen an. – Andererseits: Ich erinnere mich an
ein Seminar, Poetiken von Aristoteles bis heute (?), bei dem es jede Stunde wieder um das
gleiche Alte ging (Mimesis). – Andererseits: Deine Erinnerungen, sagt das Orakel, werden im
Hirn stets aufs Neue gebaut: das Alte, das du zu kennen glaubst, erfindet sich unentwegt neu.

Nichts fürchten wir mehr als das Unbekannte – man denke nur an Xenophobie, die
Angst vor dem Fremden: der Horror verschwindet dann aus den Filmen, wenn man den Alien
erstmals sieht. So gesehen sind wir alle, wenn schon nicht Künstler, so doch Abenteurer –
wann immer du den Schritt ins Unbekannte wagst. Ob nun ins Labyrinth, hinter den nächsten
Beistrich, die Kellertür: Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs [Platz für deinen Namen],
seiner ein Mann starken Besatzung, die „das eherne Tor / einen Spalt breit / zu öffnen sucht“.

Mehr Leseproben aus dem Buch (Texte u. a. von Dimitré Dinev, Clemens Setz, Valerie Fritsch …)