Andreas Unterweger

Sting Like A Butterfly (Kleine Zeitung v. 20.05.17)

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 21. Mai 2017

Gestern, am 20.05.17, in der Kleinen Zeitung, aber auch heute noch gültig: Meine Besprechung von Für dich würde ich sterben, Erzählungen aus dem Nachlass von F. Scott Fitzgerald.

Hier ein Foto des Zeitungsartikels …

… und hier die ursprüngliche Fassung:

Sting Like A Butterfly

Prosaperlen aus dem Nachlass von F. Scott Fitzgerald

 

In den 1930er Jahren durchlebte F. Scott Fitzgerald (1898-1940) seine persönliche Große Depression. Der Ruhm, den er in den Roaring Twenties genossen hatte, war verflogen. Seine Frau Zelda, eine Art Ex-Reality Star, zog von einer Nervenklinik in die nächste. Er selbst kämpfte mit Alkoholismus, Tuberkulose, der Sorge um Tochter Scottie und, da seine Romane floppten, finanziellen Problemen …

Diese wurden verschärft, als Magazine wie Saturday Evening Post seine Short Stories, die zu schreiben ihm als Brotjob diente, immer öfter ablehnten. „Zu düster“, befanden die Redakteure. „Auf der Höhe der modernen Literatur“, meint hingegen Herausgeberin Anne Margaret Daniel, die knapp 20 solcher Texte zu einem geglückten Erzählband zusammenfasste.

 

Während die Redaktionen weitere Geschichten über junge Liebe verlangten, schrieb Fitzgerald – mit jener schmetterlingshaft leicht wirkenden Virtuosität, die ihm selbst Ernest Hemingway attestierte – über Selbstmord, Drogen, Arbeitslose, Korruption … Kurz: Er hielt seiner Gegenwart, die auf den Weltkrieg zutaumelte, den Spiegel vor.

Bzw.: die Filmkamera. Wendungen wie „Nächste Einstellung“ belegen die Strahlkraft des neuen Leitmediums, dessen Glanz und Elend sich auch der Schöpfer des „großen Gatsby“, ab 1937 Hollywood-Drehbuchautor, aus Geldnot verschrieben hatte. „Wir sind besser als die Wirklichkeit“, lässt er einen Regisseur sagen, und: „Ich war selten so enttäuscht wie vom echten Versailles und erinnerte mich dort an das Versailles, das Conger neunundzwanzig im Studio gebaut hatte.“

 

„Besser als die Wirklichkeit“ war freilich kein Anspruch, den Fitzgerald an seine Prosa stellte. Er hatte höhere Ziele: „Ich habe immer gedacht … ich könnte (auch wenn ich´s nicht immer getan habe), Menschen glücklich machen, und das hat mir mehr Freude bereitet als alles andere“, heißt es in einem Brief aus seinem letzten Lebensjahr.

Mit den Erzählungen aus Für dich würde ich sterben ist ihm dies, 77 Jahre nach seinem Tod, jedenfalls gelungen.

 

Scott Fitzgerald: Für dich würde ich sterben. Erzählungen. Herausgegeben und kommentiert von Anne Margaret Daniel. Aus dem amerikanischen Englisch von Gregor Runge, Andrea Stumpf und Melanie Walz. Hamburg: Hoffmann und Campe 2017.

 

Mit bestem Dank für die gute Zusammenarbeit, lieber Werner Krause!

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