Andreas Unterweger

manuskripte 227 – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 1. April 2020

Die manuskripte 227 wurden am Dienstag, 31.3.2020, online präsentiert.

Hier Alfred Kolleritschs und meine Marginalie als Leseprobe:

 

Marginalie

 

„ich bin hier wo die
richtung des neuen noch steil ist“
Freda Fiala, S. 69

 

Ida von Szigethys Titelbild scheint auf den ersten Blick eine aussichtslose Situation darzustellen. Eine von jenen, wie sie uns aus den täglichen Nachrichten nur allzu bekannt sind … Was aber, wenn es sich um den Augenblick unmittelbar vor dem Aus- und Aufbruch handelt, das Sammeln der Kräfte, bevor die Jacke der Zwänge gesprengt und all das, was die Welt verstellt, übersprungen wird?

Die 33 Beiträge der vorliegenden Ausgabe, geschrieben von 19 Autorinnen und 13 Autoren aus zehn Ländern (und mehr als dementsprechend unterschiedlich!), haben den Akt ihrer eigenen Befreiung schon hinter sich. Auch wenn es bislang keine andere als die papier- bzw. bildschirmweiß flimmernde Grenze zum Bislang-so-noch-nicht-Gesagten ist, die überwunden wurde. Immerhin. Nein: umso bemerkenswerter.

 

Dieses Jahr sind es genau 60 Jahre, dass die manuskripte damit begonnen haben, sich aus freien Stücken wieder und wieder, Heft für Heft, hart an solchen Mauern zu positionieren: „hier wo die / richtung des neuen noch steil ist“. Ein Standpunkt, der keiner ist, weil er nie stillsteht, immer in Bewegung bleiben muss, per definitionem nicht exakt definiert werden kann – und gerade deshalb oft einen schweren Stand mit sich bringt …

Zum 60. Geburtstag unserer Zeitschrift geht im Literaturhaus Graz ein Symposium des Franz-Nabl-Instituts über die Bühne, das den schon lange gültigen Anspruch der manuskripte an sich selbst im Namen trägt: „(Die beste Information,) wie es mit der Literatur weitergeht“. Zwei Tage voller Vorträge, Filmvorführungen und Diskussionen zu den Aufbrüchen, die in dieser Zeitschrift Platz fanden, finden und finden werden. Und bestimmt sind auch die mehr oder weniger erwünschten Nebenwirkungen auf Städte der Volkserhebung, selbst ernannte Kulturhauptstädte und weit darüber hinausreichende Bubbles ein Thema. Das Programm liegt dem Heft bei.*

 

Immer noch freuen wir uns darüber, dass Peter Handke, der 1964 in Heft 10 der manuskripte als Schriftsteller debütiert und insgesamt 43mal zu unserer Zeitschrift beigetragen hat, 2019 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle!

 

Und immer noch trauern wir um unseren so lieben Freund, den Schriftsteller, Maler und Fischer Hans Eichhorn, der uns Ende Februar 2020 seine letzten Gemälde-Postkarten geschickt hat. Eine davon wird das Cover der manuskripte 228.

 

 

A.U./A.K.

 

*

Das Symposium wurde leider wegen der Maßnahmen gegen Corona abgesagt.
Dennoch gehen die wissenschaftlichen Beiträge nicht verloren. Sie werden gesammelt und im Herbst in einer Sonderpublikation der manuskripte und auf Dossier Online veröffentlicht.

 

 

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