Andreas Unterweger

manuskripte in Berlin – Vorschau

Posted in Das Gelbe vom Jahr, manuskripte by andreasundschnurrendemia on 29. März 2018

Vorschau auf den Termin:
05.04.2018, 19:00, Andreas Unterweger bei der manuskripte-Präsentation in Berlin. Lesungen und Podiumsdiskussion. Es lesen Ruth Benrath, Georg Leß, Andrea Scrima, Gerhild Steinbuch, Andreas Unterweger, Joceline Ziegler. Moderation: Fabian Thomas. Literaturhaus Lettrétage, Mehringdamm 61, 10961 Berlin, Deutschland.

Vorschautext der manuskripte:

Seit 1960 liefert die Grazer Literaturzeitschrift „manuskripte“ laut ihrem Gründer und Herausgeber Alfred Kolleritsch „die beste Information, wie es mit der Literatur weitergeht“.

Im Literaturhaus Lettrétage präsentiert Andreas Unterweger, der neue Mitherausgeber der Zeitschrift, Lyrik, Prosa und dramatische Texte von Berliner „manuskripte“-AutorInnen aus den jüngsten der mittlerweile 219 (!) Ausgaben.

Die folgende Podiumsdiskussion über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der „manuskripte“ und der Literatur überhaupt wird von Fabian Thomas moderiert.

Kurzlesungen von:

Ruth Benrath (Berlin, D): „Lindern“ (Erzählung)
Georg Leß (Berlin, D): Gedichte
Andrea Scrima (Berlin, USA): „Wie viele Tage“ (Romanauszug)
Gerhild Steinbuch (Berlin, A): „Friendly Fire“ (Theater)
Andreas Unterweger (Leibnitz, A): „Das Gelbe vom Jahr“ (Prosa)
Joceline Ziegler (Magdeburg, D): Gedichte

Moderation: Fabian Thomas

Anschließend reger Heftverkauf, Abonnementabschlüsse und österreichische Gemütlichkeit!

Eintritt frei.

(Mit freundlicher Unterstützung des Österreichischen Kulturforums in Berlin)

Vorschautext des Berliner Literaturhauses Lettrétage:

Zur Feier des bevorstehenden manuskripte-Meet and Reads im Literaturhaus Lettrétage in Berlin durfte ich Tom Bresemann, dem Mitbegründer von Lettrétage, folgendes Interview geben:

Was sind die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen Deiner Tätigkeit als Mitherausgeber der Manuskripte?

Seit Ende 2016 stehe ich Alfred Kolleritsch als Herausgeber der manuskripte zur Seite. Unsere Tätigkeit ist schnell definiert: Wir suchen nach den besten noch unveröffentlichten literarischen Texten, um sie in unserer Zeitschrift abzudrucken.

Zum einen durchforsten wir die wöchentlich rund 30 Einsendungen, die wir erhalten, zum anderen laden wir AutorInnen zur Mitarbeit ein – ob es sich nun um langjährige, sozusagen „regelmäßige“ BeiträgerInnen handelt (etwa Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, Robert Menasse, Ilma Rakusa u. a.) oder um jüngere AutorInnen, die uns aufgefallen sind.

Bei der Auswahl der Texte agiert die manuskripte-Redaktion traditionell „offen“. Das heißt, es geht rein um die literarische Qualität der Texte – keine spezielle literarische Richtung wird bevorzugt. Die einzige Grenze, die wir außerhalb ästhetischer Kriterien ziehen ist die zur extremen Rechten. Andererseits kommen von dieser Seite so gut wie nie Texte. Schon gar nicht welche, die man in Betracht ziehen könnte!

Meine Aufgabe sehe ich auch darin, jüngeren deutschsprachigen AutorInnen die Scheu vor den ach so traditionsreichen manuskripten zu nehmen. Verglichen mit anderen Literaturzeitschriften mag es tatsächlich schwerer sein, in den manuskripten zu veröffentlichen, dafür hat diese Publikation dann aber auch wirklich Gewicht – etwa in der Wahrnehmung von VerlagslektorInnen.

Was erwartet das Publikum am 5. April in der Lettrétage?

Die beste Information, wie es mit der Literatur weitergeht!  Diese Information wird sowohl praktisch übermittelt (siehe Liste der Lesenden), zum anderen theoretisch: In einem Gespräch mit Fabian Thomas gebe ich meine Einschätzung zum gegenwärtigen Stand des Literaturbetriebs ab. Und beim gemütlichen Beisammensein nach der Veranstaltung wird sich die Gelegenheit ergeben, mit allen Auftretenden und den anderen anwesenden manuskripte-AutorInnen ins Gespräch zu kommen, diverse manuskripte-Hefte durchzublättern, zu kaufen oder gar ein Abonnement zu bestellen.

Worauf freust Du Dich am meisten?

Auf all die Freunde – alte und neue! Die manuskripte waren und sind geprägt von der Freundschaft zwischen Schreibenden – legendär etwa jene von Alfred Kolleritsch und Peter Handke. Gerhild Steinbuch veröffentlicht seit 2005 in den manuskripten, ich selbst kenne sie ungefähr gleich lang – es ist immer eine Freude, sie zu treffen. Ruth Benrath und ich haben uns 2011 bei der Autorentagung “Literarische Brennpunkte. Mikrotexte aus Lateinamerika und Europa“ im Literaturhaus Lettrétage kennengelernt und schon damals viel Spaß zusammengehabt. Viele andere kenne ich nur vom Lesen und Mailen – umso schöner, sie endlich persönlich kennenzulernen. Ich hoffe, dass viele unserer Berliner AutorInnen zur Lesung kommen – hoffentlich auch ein paar zukünftige!

*

In diesem Sinne: Bis nächste Woche!

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Literatur im Werk XIV – PK

Posted in Das gelbe Buch, manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 25. August 2017

Gestern in Draxlers Büchertheke in Leibnitz:
Pressekonferenz im Hinblick auf die kommende manuskripte-Lesung …

16.09.2017, 19:00: Alfred Kolleritsch, Valerie Fritsch, Angelika Reitzer und Andreas Unterweger lesen bei Literatur im Werk XIV. Mit Klezmer-Musik von ADANA und Buffet. Werkstatthalle der Fa. PEUGEOT – SUZUKI Marko, Kapellenweg 8, 8430 Leibnitz.

V.l.n.r.: Alfred Kolleritsch, Andreas Unterweger, Helga Höhn, Erwin Draxler.

Die anwesenden Damen und Herren von der Presse waren ausgezeichnet und die Schinkenkipferln sehr interessiert – nein, umgekehrt – jedenfalls danke!

Wir freuen uns auf das legendär zahlreiche und stürmische Leibnitzer Publikum!
Nähere Informationen hier:

Und hier zwei der Pressereaktionen:

Bettina Kuzmicki in der Kleinen Zeitung v. 25.08.

 

Eva Heinrich auf meinbezirk.at v. 24.08.

Der Elefant der Liebe (Zu: Wolfgang Bauer, „Der Rüssel“)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 21. Februar 2015

Hier mein Artikel über das wiedergefundene Stück von Wolfgang Bauer, der gestern, am 20.02.2015, in der Kleinen Zeitung zu lesen war – dort unter dem Titel „Der Elefant der Liebe bringt das Glück“.
 

Der Elefant der Liebe

 

Was für ein Glück! In Leibnitz wurde das verschollen geglaubte Theaterstück „Der Rüssel“ von Wolfgang Bauer gefunden. Die Geschichte des Typoskripts klingt abenteuerlich. Noch abenteuerlicher aber ist das Stück selbst.

 

Es sind gleich mehrere glückliche Zufälle, die zur Entdeckung von „Der Rüssel“ führten. Nicht zuletzt schien das Stück den richtigen Finder „gesucht“ zu haben. Schließlich kann man Klaus-Dieter Hartl, Kurator am Stadtmuseum Leibnitz, durchaus als „Bauer-Kenner“ bezeichnen – wenn auch, bis jetzt, auf einer eher persönlichen Ebene.

Hartl kannte nicht nur Wolfgangs Vater Rolf (als Lehrer), sondern auch den Autor selbst (als Nachbarn). Kein Wunder, dass er aufmerkte, als er im Nachlass des Komponisten Franz Koringer auf ein Typoskript stieß, das mit „Wolfgang Bauer / „Der Rüssel“ / Eine Tragödie in elf Bildern.“ betitelt war.

 

Bauer und Koringer – wo liegt da die Verbindung? Den Hinweis liefert die Widmung: „Lieber Lois, erlaube mir bitte, daß ich Deine Weihnachtswünsche mit einer meiner Schreibereien erwidere. Die herzlichsten Wünsche, Dein W Bauer“.

Offenbar schickte Bauer das Stück Alois Hergouth, der im Forum Stadtpark den Dichter-Nachwuchs betreute. Hergouth hingegen gab es Koringer, der schon einige seiner Gedichte vertont hatte. Danach geriet der Text des Jungautors in Vergessenheit …

 

Von den weiteren Kopien des Stücks blieb nur das Bild 4 erhalten. Es wurde 1970 in „Ver Sacrum“ und in der Droschl-Werkausgabe veröffentlicht. Der Rest galt als verloren.

Als Hartl klar wurde, dass er es mit einer Sensation zu tun hatte, wandte er sich an „manuskripte“-Herausgeber Alfred Kolleritsch. Und in dessen Büro, wo der Fund am 13.2. präsentiert wurde, lernte er mit Wolfgangs Sohn Jack auch noch die dritte Generation der Bauers kennen.

 

Ein richtiger Wolfi Bauer!

 

Wolfgang Bauer war wohl erst 21 Jahre jung, als er „Der Rüssel“ schrieb (1962). Und doch wirkt das Stück „wolfibaueresker“ als andere frühe Dramen. Wie in einer Keimzelle scheint vorgebildet, was das spätere Werk, jenseits des Hyperabsurden („Mikrodramen“) und des Hyperrealistischen („Magic Afternoon“), ausmacht.

 

In „Der Rüssel“ kommt es zum Clash zweier Realitäten. Jener eines Volksstücks mit seinen typischen, freilich grotesk überzeichneten Wilderern, Wildbächen und Generationenkonflikten. Und jener eines märchenhaften Afrikas, dessen Palmen und Riesenschnecken (!) die alpine Kulisse überwuchern.

Dies klingt verrückter, als es vielleicht ist. Denn wie in Bauers späterem „Traumtheater“ lässt sich auch hier das vorgeblich Absurde realistisch „entschlüsseln“.

 

Aus der Sicht des Protagonisten Florian Tilo nämlich, dem die Welt seiner Familie zunehmend monströs erscheint. Er flüchtet in eine Wahnvorstellung, ein imaginäres Afrika.

DAS Symbol für dieses Wunderland ist ein Elefant. Als dieser tatsächlich auftaucht, verkündet Florian: „das unendliche Glück kommt“! Dieses hängt für ihn v. a. an der Erfüllung seiner Liebe zu Anna, der auch sein dämonisch viriler Großvater nachstellt.

 

Die kurz, aber grotesk aufflackernde Utopie missglückt – auf alberne Weise (Bauers absichtlich schlechte Gedichte lassen grüßen!): der „liebe Elefant“ bleibt im Fenster des Tilo´schen Hauses stecken.

Was für ein Unglück! Das Tier wird erschossen, Florian, eben noch Dorfhäuptling im Lendenschurz, baumelt vom Gipfelkreuz – darunter gibt sich Anna dem Großvater hin – bevor diesen die Geier zerfleischen …

 

Was für ein Glück! „Der Rüssel“ ist nicht nur ein richtiger Wolfi Bauer, sondern auch ein richtig guter …
Und: Das Stück wird in der nächsten Ausgabe der „manuskripte“ zur Gänze abgedruckt.

 

Mit bestem Dank an Ute Baumhackl, Werner Krause und Julia Schafferhofer für die freundliche Betreuung.