Andreas Unterweger

Auschlössl

Posted in Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 9. Juli 2011

Nachtrag zu:
07.07.2011, 19:30; Lesung, Gespräch, Musik – mit Helwig Brunner, Rose Egbo, Emeka Agba Eleven und Andreas Unterweger. Moderation: Katharina Lanzmaier-Ugri. Auschlössl. Friedrichgasse 36, 8010 Graz.

 

(c) Christopher Mavric

Ich danke allen Beteiligten, insbesondere den Musikern (Rose Egbo, Emeka Agba Eleven, Godwin Azubuike) und Organisatorin Eva Reithofer-Haidacher vom Megaphon, für diesen sehr schönen Sommerabend!

(c) Jelena Popic

Nicht im Bild: das aufmerksame und gut gelaunte Publikum, alles V.I.P.s, darunter etwa Ex-Stadtschreiber Fiston Mwanza, Malerin/Schriftstellerin Friederike Schwab, Fotografin Jelena Popic, Luise Grinschgl (Kulturvermittlung Steiermark und Internationales Haus der Autorinnen und Autoren Graz), Karin Hohensinner (Literaturzeitschrift Lichtungen) und Aktionskünstler Ed Gfrerer, mit dessen Hilfe endlich die richtige Antwort auf eine seit Langem offene Frage gefunden werden konnte: Wer entscheidet eigentlich darüber, was gute Kunst ist und was nicht? „Wir!“

(c) Jelena Popic

Gute Kunst ist z. B. das hier: der Blog-Eintrag zu diesem Abend von Fotografin Jelena Popic aus Split, Kroatien, derzeit Artist in residence von CCN Graz. Unbedingt anschauen!

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Keep on singing

Posted in Grazer Glossen, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 15. Juni 2011

Aus der aktuellen Ausgabe des Grazer Straßenmagazins „MEGAPHON“:
ein Portät der MEGAPHON-Verkäuferin Rose Egbo.

 Keep on singing

Singen. Rose Egbo singt und tanzt – in der Sporgasse, auf dem Hauptplatz, vor der Uni – wo
immer sie das Megaphon verkauft. Schriftsteller Andreas Unterweger traf sie zum Gespräch.

Sprechen wir über das, was gut ist. Sprechen wir über die freundlichen, die lieben Menschen.
Sprechen wir nicht über das, was der Mann – du dachtest, es sei einer von den Guten, weil er
nahe herankommt, dich noch näher winkt – dir ins Ohr gezischt hat. Sprechen wir nicht über
Rassisten. Sprechen wir über das, was schön ist – an deinem neuen Leben, hier, in Österreich.

Sprechen wir über das Singen, das Schwimmen, das Fußballschauen – sprechen wir über die
Wohnung, die du dir mit einer Freundin teilst. Sprechen wir über die Schokolade, die dir
geschenkt wird, die Kärtchen, die CD, die Komplimente … Sprechen wir über die Bücher, die
du liest, die Messen, die du hörst, deinen Glauben … Sprechen wir über deine Arbeit hier.

Sprechen wir nicht zu viel, nicht zu lang – du, Rose, singst ohnehin viel lieber. Du bist die
Megaphon-Verkäuferin, die singt und tanzt. Bestimmt kenne ich dich vom Sehen. Ob ich dir
ein Heft abgekauft habe? Weiß ich nicht. Ja, es gibt viele Verkäufer, sehr viele … Aber reden
wir nicht davon – sprechen wir lieber darüber, dass du so das Geld für die Miete verdienst.

Sprechen wir über dich, Rose: Rose Egbo, geboren 1981 in Benin City, Nigeria – seit 2006 in
Österreich. Sprechen wir nur über dein Leben hier, dein „neues Leben“ – und nicht über dein
altes, in Nigeria. Oder gar über das, was dich daraus vertrieben hat. Wir sprechen über nichts,
worüber du nicht reden willst – versprochen. Sprechen wir nicht mehr über das, was war.

Sprechen wir lieber über das, was sein wird. Dein Bürojob etwa. Davor: Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung. Davor: Abschluss des Sprachkurses, den du dir selbst bezahlst.
Sprechen wir nur über dieses eine mögliche Zukunftsszenario, kein anderes. „I will NOT go
back“, sagst du – und hoffst dabei auf Gott. Sprechen wir über Hoffnung, nicht über Angst.

Sprechen wir über das, was gut ist: das Bad zur Sonne; ein Sieg von Arsenal; ein Gospel, den
du im Sonnenschein singst. Sprechen wir über die lieben Leute hier – nicht über das, was uns
die Angst ins Ohr zischt. Sprechen wir über deine Hoffnung, Rose, dein Lächeln. Man muss
stark sein, man muss immer lächeln, sagst du. Und (zu mir? zu dir selbst? zu uns beiden?):

„Keep on singing.“

P.S.
Die Veröffentlichung des Artikels an dieser Stelle will übrigens nichts weniger, als Sie, geneigte Userin/geneigter User, vom Kauf eines MEGAPHON-Heftes, womöglich aus den Händen von Rose Egbo, abhalten …

P.P.S.
Außerdem möchte ich Ihnen jene Veranstaltung ans Herz legen, zu der dieser Link (oder ein Blick nach rechts oben: „Termine“) führt.