Andreas Unterweger

Song für Pollanz

Posted in ratlos, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 4. März 2014

Nachtrag 1 zum  Termin:
01.03.2014, Andreas Unterweger beim Lesefest NEUE TEXTE 2014. Um 14:00 lese ich aus „Das kostbarste aller Geschenke“ (Vorstellung durch Friederike Schwab), um 15:35 stelle ich Wolfgang Pollanz vor. Kulturzentrum bei den Minoriten, Mariahilferplatz 3/I, 8010 Graz.

Song für Pollanz

„Du warst wie ich ein Unheilbarer“
Wolfgang Pollanz: Spanish Caravan (für Jim Morrison)

Wolfgang und ich, wir haben uns 2008 kennen gelernt – hier, in diesem Saal, beim Lesefest.
Damals war er es, der mich vorgestellt hat, und zwar auf so freundliche, derart erfreuliche und
mein chronisch kränkelndes Selbstbewusstsein dermaßen kräftigende Weise, dass ich, der ich
damals gerade erst an meinem ersten Buch schrieb, die letzten Zweifel über Bord schmiss und
mich endgültig dazu entschloss, Dichter zu werden. Das will ich ihm heute heimzahlen.

Wolfgang, ich bereue unsere Begegnung oft. Genauer gesagt: Ich bereue manchmal, dass wir
uns nicht woanders kennen gelernt haben. Noch genauer: Ich frage mich ab und an, wie mein
Leben verlaufen wäre, wenn wir uns nicht hier, mit unseren Literatenmasken auf, getroffen
hätten, sondern dort, wo sich wahre Gesichter, zumindest unsere, unverhüllt zeigen: im
Rauch- und Biernebel eines Rockkonzerts – z. B. der Band, die ich damals noch hatte (ratlos).

Denn schließlich bist ja auch du, lieber Wolfgang, was Rockmusik betrifft, wie ich „ein
Unheilbarer“. Zwar hast du an die 20 gute Bücher veröffentlicht, die tolle Literaturzeitschrift
Sterz gegründet, verlegst die großartige edition kürbis und machst Wies, etwa durch das
Programm des Theater im Kürbis, für so manchen Abend zur heimlichen Kulturhauptstadt der
Steiermark. Aber – und krank, wie ich bin, scheint mir das mindestens genauso wichtig – aber

du bist eben auch, ja, womöglich: in Wirklichkeit, Musiker (von der legendären „Isolierband“
der 80er bis zu den spannenden Les machines molles von heute) und, was bezüglich meines
nunmehr verkorksten Lebens am wichtigsten ist, sogar ein Labelboss – also einer jener mit
jehovamäßigen Kompetenzen ausgestatteten Weltregenten, wie man sie nur noch aus den
Berichten von Leuten kennt, die sich an die 60er erinnern können (sie nicht miterlebt haben).

Stell Dir also vor, wir wären uns erstmals bei einem ratlos-Konzert begegnet, du hättest uns
spielen sehen, wärst natürlich, wie jeder, der dort war (Eltern, Onkeln, Großcousinen), hin
und weg gewesen und hättest uns prompt einen lukrativen Plattenvertrag vorgelegt, der für
Alternativelabels wie Deine pumpkin records typisch ist. (Man weiß ja: in der Musikindustrie
liegt das Geld, anders als im kindlegeschädigten Literaturbetrieb, immer noch auf der Straße.)

Herrje, was hätte sich aus diesen paar kleinen Unterschriften nicht alles entwickeln können!
Ich erspare Dir hier die Details meiner Tagträume – nur so viel: In dem am wenigsten kühnen
fahren wir beide, längst Härteres als Lesefeste feiernd und somit vollgepumpt bis obenhin mit
purem, unverschnittenem Glück, in unseren schicken gelben Lamborghinis frühmorgendliche
Stock-Car-Rennen in Miami Beach … Ach, was wäre das für ein wirklich erfülltes Leben!

Im kühnsten Paralleluniversum aber hast du – trotz all der goldenen Platten, Käfige,
Klobemsel usw. – weitergeschrieben, hast sowohl Deine feinen, fast schon gewagt
unprätenziösen Gedichte als auch 33 Songs trotzdem geschrieben, und 33 Songs wäre
trotzdem das beste Buch des Jahres 2013 geworden – mit dem Unterschied freilich, dass nun
auch ein Song von ratlos darin vorkäme, ein Song mit dem Titel, sagen wir, Song für Pollanz.

„Ich habe diesen Song gewählt, um über Rockmusiker zu schreiben, die das Gefühl nicht
loswerden, in Wirklichkeit Dichter zu sein“, stünde im Text über den Song, und: „Dieses
Gefühl ist nicht heilbar“, und vielleicht auch: „Der Song beginnt mit den Sätzen: ,Wolfgang
und ich, wir haben uns 2008 kennen gelernt – im Rauch- und Biernebel eines ratlos-Konzerts
… Prompt hat er uns einen Plattenvertrag vorgelegt … Das will ich ihm heute heimzahlen.´“

Tankstellenmorgen – out now!

Posted in Tankstellenmorgen by andreasundschnurrendemia on 14. September 2012

Ab heute im Handel:

die  EP „Tankstellenmorgen“
(Dornbach Records)
von Norb Payr und Andreas Unterweger.
Vinyl-Single (4 Songs) mit beigelegter CD.
Vertrieb: einstmals HOANZL, jetzt privat bestellbar via z. B. andreas.unterweger@gmx.at. Preis: € 14,99,-

(Cover: Willi Ripl)

Mehr Informationen (Songtitel, Songtexte, Fotos etc.) auf andreasunterweger.at.

Mehr Informationen auf norbpayr.com.

Hörprobe („Autopilot“).

Kontakt: office@dornbach-records.com oder andreas.unterweger@gmx.at.

Links funktionieren nicht? Bitte hier klicken und dann noch einmal versuchen – danke!

Und hier die wunderbaren Liner Notes von Wolfgang Pollanz – sein Wort in Hörers Ohr! Bzw.:

Herz und Hirn

Mit dem Eindeutschen von englischen Songs ist das so eine Sache. Bestimmt sagt den meisten im Zusammenhang mit den Beatles der Name Camillo Felgen rein gar nichts. Und doch sollte man ihn kennen, der Luxemburger Moderator und Texter war der Übersetzer von „I Want To Hold Your Hand“ und „She Loves You“, es sind die einzigen zwei Titel, von denen die FabFour auf Druck der Plattenfirma eine deutsche Version eingespielt haben. Man glaubte damals, die Band könne nur so in Deutschland Fuß fassen. Nun, heute sind wir eines Besseren belehrt. Weil damals alles schnell gehen musste, traf sich der Übersetzer mit Paul McCartney am Vorabend der Aufnahme in einem Hotelzimmer in Paris. Dieser hatte nur einen Wunsch, es sollte möglichst kein für Engländer nur sehr schwer aussprechbares „ch“ in dem Text vorkommen. Um seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen, überließ er Felgen eine Flasche Dimple. Als die Band nach einem Konzert in Paris gegen ein Uhr morgens wieder bei diesem auftauchte, verlangte McCartney allen Ernstes, er solle seinen Text in „Sie liebt dir“ ändern, einem Wunsch, dem Felgen verständlicherweise nicht nachkam.

Ob Norb Payr den jungen Schriftsteller Andreas Unterweger auch mit einer Flasche Whiskey bestochen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber eigentlich ist diese EP mit deutschen Versionen von Norb Payrs Songs keine Überraschung, spielt doch die Musik in Unterwegers literarischer Arbeit eine nicht unwesentliche Rolle, er selbst hat in Bands gespielt, auf pumpkin records war vor einigen Jahren eine Bearbeitung eines Hugo von Hoffmannsthal-Textes seiner damaligen Gruppe auf dem Sampler POEM/E/S vertreten. Und natürlich ist Andreas Unterweger nicht der einzige Autor, der ab und zu Songtexte schreibt. Zwei große amerikanische Dichter fallen einem da auf der Stelle ein, Richard Brautigan, der Texte für die kalifornische Psychedelic-Band Mad River schrieb, und Thomas Pynchon, in dessen Büchern immer wieder fiktive Bands und Lyrics vorkommen.

Was die Songs dieser EP so großartig macht, ist die sprachliche Musikalität von Andreas Unterwegers Texten, die sich wie selbstverständlich an Norb Payrs Musik anpassen, so, als gäbe es gar keine englischen Versionen, als seien dies die Originale. Und sie haben auch Witz, aus „Ride On The Train“ wird ein „Tankstellenmorgen“, und „Liverpool“ mutiert zu „Swimmingpool“. Nicht immer funktioniert die deutsche Sprache in Zusammenhang mit Popmusik, manches klingt bemüht, manches peinlich, zu sehr ist man von Schlagermusik auf der einen, von Diskurspop auf der anderen Seite in seinen Hörgewohnheiten geprägt. Vielleicht kann einen diese EP versöhnen mit beiden Seiten, Andreas Unterwegers Texte und Norb Payrs Songs treffen glücklicherweise beides – Herz und Hirn.

Wolfgang Pollanz, April 2012