Andreas Unterweger

„Grazer Literatur-Plätzchen“ auf der Murinsel

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 16. Dezember 2022

Am 15.12.2022 fanden erstmals die „Grazer Literatur-Plätzchen“ statt – eine Kooperation von manuskripte und der Grazer Murinsel.

Zu jeder vollen Stunde wischen 14 und 19 Uhr präsentierten literaturhauptstadtbekannte Grazerinnen und Grazer ihre Lieblingsweihnachtstexte und Lieblingsweihnachtskekse:

Literatur-Plätzchen auf der Murinsel:

Literatur-Plätzchen auf der Murinsel:

Von drauß‘ vom Walde:

Hausherr Wolfgang Skerget begrüßte – vielen Dank für die wieder gut funktionierende Kooperation!

Cordula Simon, die künftige Kaffeehausliteraturstipendiatin der Murinsel, wusste noch ein Gedicht von James Krüss aus ihrer Kindheit auswendig …

… und präsentierte selbstgebackenen Lebkuchen nach Art der Familie Simon:

Literaturhaus-Chef Klaus Kastberger las Gedichte von Clemens Setz und Friederike Mayröcker …

… und lieferte sich eine knallharte Mürbteig-Battle mit manuskripte-Redakteurin Silvana Cimenti.

Wer von den beiden die besseren Ischler-Törtchen gebacken hatte, blieb richtigerweise unentschieden bzw. Geschmacksfrage. Kekse sind schließlich keine Texte, und es gab auch keinen Backmann-Preis zu küren.

Schauspielerin und Autorin Pia Hierzegger

… las Christine Lavant, erzählte von Salzstangen und brachte syrisches Süßgebäck aus Wien mit.

Fiston Mwanza Mujila erzählte von Weihnachtstraditionen in der Demokratischen Republik Kongo, ohne Kommerz, ohne Kekse, dafür mit viel Musik und afrikanischem Bier. Er las ein Gedicht von Mariama Jobe aus der von ihm herausgegebenen Anthologie „Kontinentaldrift. Das schwarze Europa“.

Valerie Fritsch konnte leider nicht kommen, sie steckte im Stau fest, und zwar in Marokko. Dankenswerterweise schickte sie uns jene Texte, die sie üblicherweise zu Hause unter dem Christbaum vorträgt. Jimi Lend, Silvana Cimenti und ich lasen in ihrer Vertretung Gedichte von Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse und Joachim Ringelnatz. Hoffentlich kommt Valerie bis zum Heiligen Abend gut heim, sonst müssen wir am 24.12. bei Familie Fritsch schon wieder einspringen!

Um 19 Uhr der krönende Abschluss. In klirrender Kälte performte Jimi Lend ein herzerwärmendes Potpourri seiner künstlerischen Qualitäten: packende Dialektdichtung aus der eigenen Feder, politisch engagierte Songs auf der Ukulele, ein Auszug aus „Aus dem Leben Hödlmosers“, mit dessen dramatischer Adaption er gerade durch Österreich tourt:

Dazu gab es selbstgemachte Rumkugeln aus seiner Eibiswalder Seelenküche!

Ich danke allen Besucherinnen und Besuchern, allen Beteiligten fürs Mit- sowie dem Team der Grazer Murinsel fürs Möglichmachen! Wieder haben wir etwas Neues probiert, vielleicht war es ja der Beginn einer neuen Grazer Weihnachtstradition!

Alle Fotos (c) manuskripte oder privat

manuskripte 238 – Marginalie und mehr

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 5. Dezember 2022

Meine Marginalie zu Heft 238 der manuskripte, das letzten Mittwoch, 30.11.2022, im Literaturhaus Graz präsentiert wurde (s.u.).

Marginalie

Gleich zwei Protagonisten der manuskripte-Geschichte feiern in diesem Dezember ihren 80. Geburtstag.
Am 6.12. Peter Handke, der den ersten Schritt auf dem Weg zum literarischen Weltruhm bekanntlich mit einer Veröffentlichung in der Ausgabe 10 der manuskripte (1964) machte. Und am 28.12. Klaus Hoffer, der mit seinem Doppelroman „Bei den Bieresch“ tatsächlich nichts weniger als den „Grazer Moby Dick“* schuf.
Diesen so unterschiedlichen Autoren der Grazer Gruppe, beide auch lebenslange Freunde Alfred Kolleritschs, sind entsprechend unterschiedliche Hommagen gewidmet – kleinteiliges Mosaik die eine (im Stil der legendären Handke’schen Aufzeichnungen), Diptychon die andere.

Sowohl Handke als auch Hoffer wurden einst von den manuskripten „entdeckt“. Umgekehrt sind es ihre Beiträge (gemeinsam rund hundert!), die den Ruf unserer Zeitschriftwesentlichmitbegründet haben.
Lieber Peter, lieber Klaus, wir gratulieren Euch ganz im Sinne des Wortstamms gratus: dankbar!

Dass es gerade „in dürftiger Zeit“ notwendiger denn je ist, die Dichtung mit ihren Heldinnen und Helden zu ehren, davon künden auch die anderen Texte dieser Ausgabe. In all ihrer Vielfalt belegen sie, jeder auf seine eigene, unverwechselbare Weise, Radka Denemarkovás Definition von Literatur als „Oase des Humanismus“, eines „Humanismus der gelebten Hoffnung“, altruistisch und, in jeder Hinsicht, grenzenlos.

Und so laden wir Sie in ein „anderes Graz“ ein. Sie alle, die Sie Literatur wie die hier versammelte lesen, wissen schließlich um die „Möglichkeit, ein Vogel zu werden, immer“ / „mit andren Worten“. Mit den Worten anderer geht das ganz „wie von selbst“.

Andreas Unterweger

* Clemens Setz auf S. 148 dieser Ausgabe

Titelbild

Das wunderbare Titelbild, das mit seiner Wald- und Pilzmotivik einerseits auf die Welt Handkes, mit dem abgründigen Riss aber auch auf die Hoffer’sche Ästhetik verweist, stammt von Isa Riedl.

*

Inhalt

Die manuskripte 238 sind nun im Handel und im manuskripte-Webshop erhältlich.

*

Präsentation

Bernd Melichar würdigte die Ausgabe mit einer Vorschau in der Kleinen Zeitung (vielen Dank!):

Die erste manuskripte-Präsentation seit rund 7 Jahren, die ich verpasst habe …

Herzlichen Glückwunsch, lieber Kurt Neumann!

Presse

Die Kleine Zeitung brachte am Samstag, den 03.12.2022, eine 6-Seiten-Hommage an Peter Handke, eine Doppelseite war den manuskripten 238 gewidmet – mit Abdrucken und Zitaten aus dem Heft:

Ich danke Kleine-Literaturchef Bernd Melichar für diese schöne Kooperation!

*

Die Kronen Zeitung vom Sonntag, den 04.12.22, würdigte den Jubilar mit dieser schönen Rezension der manuskripte 238:

Herzlichen Dank, lieber Christoph Hartner!

Buch Wien 2022

Posted in manuskripte, So long, Annemarie, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 5. Dezember 2022

Unmittelbar bevor mich die böse Muse Corona erstmals küsste, war ich mit „So long, Annemarie“ (Droschl ’22) und den manuskripten (= meiner Kollegin Silvana Cimenti, 6 Flaschen Bio-Weißwein vom Weingut Nievoll, dem letzten Schokotaler des Grazer Cafés König und zwei manuskripte-Säcken voller manuskripte-Hefte) auf der Buch Wien.

*

Am Freitag, 25.11.2022, um 14:00, präsentierten Monique Schwitter, Aleš Šteger und ich „Neverend. Literarische Dialoge zwischen Nord und Süd“ (manuskripte 233) in der Donau Lounge.

Manfred Müller (Österreichische Gesellschaft für Literatur) bin ich für seine unaufgeregte und prägnante Moderation des kurzen, aber wieder einmal intensiven Gesprächs mit meinen Projektpartnern sehr dankbar!

Von außen sah das so aus:

Und von innen so:

(c) Aleš Šteger

Mehr Informationen, u.a., hier.

*

Direkt im Anschluss, um 15:00, fand der heimliche Höhepunkt der diesjährigen Wiener Buchmesse statt, der allseits beliebte manuskripte-Meet-and-Weißwein-Drink. Am Stand der Verlage DROSCHL, Folio und Residenz kam es zum Halligalli im Dienst der Literatur!

Autorin Sophia Schnack, rotahorn-Förderpreisträgerin 2022, übernahm gerne die höchste Verantwortung, nämlich die für die letzte Etappe des Weins vom südweststeirischen Bio-Weingut Nievoll:

Eine Flasche Nievoll-Bio-Weißwein beim Vorkosten am Vortag. In Graz erhältlich u.a. im Gscheft (neben Scherbe):

Verena Stauffer und Silvana Cimenti bildeten die Doppelspitze der manuskripte-Gastfreundschaft:

Nievolls Bio-Weißwein und wir freuten uns über regen Zuspruch von Autorinnen und Autoren wie Christian Steinbacher, Wolfgang Hermann, Julius Handl, Raoul Eisele (auf den Bildern) und vieler anderer mehr, darunter Anna Baar, Monique Schwitter, Aleš Šteger, Manfred Müller, Elke Atzler, Denise von Quistorp, Sherzad Hassan, Alexander Sitzmann, Cornelius Hell usw. usf.

*

Der Tag danach begann mit einem Interview. Regisseur Martin Vogg befragte mich zu meinen Erfahrungen mit der so genannten „Auslandskultur“:

(c) Clever Contents Filmproduktion

Die Doku wird im Frühling 2023 auf ORF 3 ausgestrahlt.

*

Danach: Pressearbeit am Droschl-Stand, wie immer das Herz der Veranstaltung, mit der gesamten Droschl-Presseabteilung.

*

Um 16:30 dann meine Abschlusslesung. Auf DER STANDARD-Bühne sprach ich mit Johanna Öttl über „So long, Annemarie“ (Droschl 2022) und las den Anfang des Romans (Foto von der Generalprobe des Lesungsoutfits vor trister Hotelzimmerwand):

Ich danke allen Kontaktpersonen für diese fröhliche Buchmesse und wünsche uns allen eine gute Besserung!

„Heute gibt es jeden Tag einen Skandal“ – Kulturzeitung 80

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 27. November 2022

Das Cover der aktuellen Ausgabe der Grazer Kulturzeitung 80:

Hier der dazugehörige Artikel – es geht um inszenierte Randale, poetische Pizzabausätze, das PAM-Gefühl bei der Entdeckung von Talenten und andere tägliche Aufregungen im Literaturbetrieb.

Ich danke Stefan Zavernik und Sigrun Karre für das nette Gespräch und die so freundliche redaktionelle Betreuung!

„Nostalgie im Roman“ (Frankfurt 2022)

Posted in manuskripte, So long, Annemarie, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 15. November 2022

Drei Kurzinterviews als Nachtrag zur Podiumsdiskussion mit den slowenischen Autor*innen Jela Krečič, Ana Schnabl und Aleš Šteger zum Thema „Nostalgie im Roman“, die für 22.10.2022, um 19 Uhr, im Rahmen des Bookfest City Festivals und ermöglicht von JAK (Javna agencija za knjigo Republike Slovenije) und manuskripte, im loftigen Chic des Lindley Lindenberg Hotels in Frankfurt/Main angesetzt war.

Unter den Gästen befanden sich, erfreulicherweise, u.a. auch Simone Bühler und Karina Goldberg von der Frankfurter Buchmesse, der Dichter Milan Dekleva und, als angeregt plaudernder „Kofferträger“ seiner Ehefrau Jela Krečič, der Philosoph Slavoj Žižek, mit dem ich kurz über Kafka, Kellnerroboter und Krimis plauderte. Nach der Fotosession verkosteten wir slowenischen Wein und erzählten uns poetische Geschichten aus aller Welt.
Vielen Dank für die Einladung!

V.r.n.l.: Aleš Šteger, Ana Schnabl und Jela Krečič auf dem Diskussionssofa, ich auf dem Moderatorenthron

***

Hier die drei Kurzinterviews, die im Anschluss per Mail stattfanden. Ich danke Amalija Maček für diese glänzende Idee sowie den Autorinnen und dem Autor für ihre Auskunftsfreude und blitzgescheiten Antworten!

AUF DEUTSCH

Jela Krečič

Liebe Jela, dein Roman „Keine wie sie“ (Mitteldeutscher Verlag 2022), eine Liebesgeschichte und im Klappentext treffend als „Porträt der Generation Y“ bezeichnet, lässt sich auch als ein Panoptikum verschiedener Schattierungen der Nostalgie lesen: Der Protagonist trauert seiner Ex hinterher, die Freunde aus der Studentenkneipe beklagen ihre vergehende Jugend und in einer der eindrücklichsten Passagen des Buchs werden anhand der Beschreibung einer Busreise zu Ehren von Titos Geburtstag die Auswüchse der „Jugonostalgija“ geschildert. Warum ist die slowenische Generation Y derart nostalgisch? Oder handelt es sich gar um ein globaleres Phänomen?

Als ich „Keine wie sie“ schrieb, war es nicht meine Absicht, die junge Generation zu porträtieren. Es stimmt allerdings, dass die Liebesgeschichte des Buches in einem bestimmten historischen Moment spielt, nämlich nach der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008, die in Slowenien (und nicht nur dort) auf den Schultern der jungen Leute von damals ausgetragen wurde. Die Rezession und die Sparmaßnahmen haben insbesondere dieser Generation die Botschaft vermittelt, dass die Zeit, in der Bildung, harte Arbeit und Talent ein stabiles Einkommen und die Möglichkeit eines angemessenen Lebens boten, unwiderruflich vorbei ist. Dies war der Moment, in dem der Wohlfahrtsstaat allmählich zu bröckeln begann. Es war auch eine Zeit, in der die letzten Träume von der Nachhaltigkeit des Kapitalismus zerplatzten. Wir haben gelernt, dass es sich um ein System handelt, das immer mehr Krisen hervorbringt, die das Leben in den Sozialstaaten extrem unberechenbar gemacht haben – und Krisen der einen oder anderen Art sind zu einem ständigen Merkmal unseres Lebens geworden. In dieser Hinsicht ist der Roman meiner Meinung nach immer noch aktuell.

Ich denke, dass nach der Unabhängigkeit Sloweniens Anfang der 1990er Jahre eine allmähliche Desillusionierung gegenüber der schönen neuen Welt der Demokratie und des Kapitalismus einsetzte. Es ist die Desillusionierung über die gesellschaftliche Konstellation nach der Unabhängigkeit, die jene Nostalgie nach dem jugoslawischen Sozialismus nährt, die ich in einem Kapitel des Romans anspreche. Ich habe mich bewusst von dieser Nostalgie ferngehalten, es geht auch bei ihr um eine grundlegende Erkenntnis. Und wenn ich etwas zu meiner Herangehensweise sagen darf: Das Genre der Komödie ist gerade deshalb geeignet, weil es keine Position ehrt, keine Haltung verherrlicht, schon gar nicht die Nostalgie. Die Nostalgie muss, wenn überhaupt, zum Gegenstand von Witzen werden.

Ich möchte jedoch hinzufügen, dass das sozialistische Jugoslawien ein Projekt einer gemeinsamen Politik war, die zumindest formell für einige Jahrzehnte eine erschwingliche Gesundheitsversorgung, Bildung und sozialen Wohnungsbau für ein möglichst breites Spektrum von Menschen bot. Diese Vision einer sozialen Ordnung war zwar im Prinzip gerecht, aber auch unhaltbar und führte zu wirtschaftlichen und anderen Krisen, die schließlich in einem Krieg gipfelten. Keine noch so große Nostalgie kann diese Wahrheit auslöschen.

Die Tatsache, dass es Menschen gibt, die Tito, Jugoslawien und seine Rituale verehren, zwingt uns zu einer kritischen Betrachtung dessen, was uns das derzeitige System bietet. Meiner Meinung nach ist das erste Hauptdefizit – das auch auf der Ebene der EU als Ganzes sichtbar ist – das Fehlen einer Politik im grundlegenden Sinne des Wortes; was fehlt, ist eine Vision für den Aufbau eines gemeinsamen Lebens jenseits der Interessen des Kapitals, der großen Konzerne und des Profitstrebens. Ich meine auch, dass der Zusammenbruch des Sozialismus und des Ostblocks ein riesiges politisches Vakuum hinterlassen hat, das nun umso häufiger und allzu erfolgreich von rechten und populistischen Projekten gefüllt wird. Ich möchte hier meine eigene Nostalgie hinzufügen – Nostalgie für eine Linke, die es noch wagte, sich eine Alternative zum kapitalistischen System vorzustellen. Ich bin mir bewusst, dass es diese Linke nie gegeben hat, aber gleichzeitig bin ich nicht der Meinung, dass wir die Vorstellung von einem besseren, nachhaltigeren und gerechteren System aufgeben sollten. Immerhin haben die emanzipatorischen Bewegungen der Linken eine Reihe wichtiger gesellschaftlicher Veränderungen bewirkt, die zumindest signalisieren, dass Politik im edlen Sinn noch möglich ist.

Was meine Hauptfigur und die Nostalgie betrifft, würde ich Folgendes sagen. Der Roman beginnt mit der Verzweiflung des Protagonisten, als er sich von seiner ersten und ersten großen Liebe trennt und nun versucht, das Glück in neuen Liebesbeziehungen zu finden. Ich bin mir nicht sicher, ob Nostalgie die richtige Bezeichnung für seine Haltung ist, vielleicht würde ich sie eher als Trauer um einen Verlust beschreiben. Auch bei dieser Konzeption kam mir die Gattung der Komödie in den Sinn, denn die Komödie stellt die Position des Helden ständig in Frage. Ich gehe sogar so weit, dass ich ihm die Chance biete, mit seiner viel beklagten ersten und „wahren“ Liebe wieder vereint zu werden, aber er muss erkennen, dass auch diese Neue nicht die Richtige ist. Wenn wir diese Position Nostalgie nennen, dann problematisieren wir sie radikal. Jede Nostalgie ist mit einer Lüge verbunden; der Sehnsucht nach etwas, das nie war, zumindest nicht in der Form, wie wir es uns in einem nostalgischen Szenario erträumen. Es ist eine Lektion, die der Protagonist akzeptieren muss und die ihn nach und nach zu einem besseren Menschen macht. Die Nostalgie ist in diesem Fall auch ein Zeugnis der Zwangslage des Subjekts, seines Schmerzes, seines Traumas und gleichzeitig ein Versuch, es zu lindern, zu heilen. Doch, wie gesagt: keine Komödie, die diesen Namen verdient, kann eine solche Art der Traumabewältigung unkritisch akzeptieren. Die Logik der Komödie verlangt immer, dass wir uns der Hoffnungslosigkeit, der Wahrheit der Hoffnungslosigkeit, stellen, was freilich keine Entschuldigung dafür darstellen darf, uns selbst (oder die Welt) einfach aufzugeben. Die Wahrheit der Hoffnungslosigkeit ist nicht die letzte Wahrheit, sondern erfordert weiteres mutiges Durchhalten. In dieser Dialektik sehe ich auch die Nähe der Komödie zur Philosophie, wobei die Komödie uns die Möglichkeit zum Lachen und zur Erleichterung bietet – ein sehr willkommenes Nebenprodukt in den aktuellen und kommenden Krisen.

Ana Schnabl

Liebe Ana, dein Roman „Meisterwerk“ (Folio 2022) erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einem Autor und einer Lektorin, die in Punkto Sprache und Erzählverfahren zu überzeugen weiß: mit kühnen, doch nie übertriebenen Bildern wird das Innenleben der beiden Protagonisten seziert oder eher entfaltet, in seiner blühenden Vielfalt sicht- und greifbar gemacht. Da die Handlung Mitte der 80er Jahre angesiedelt ist, könnte man meinen, auch hier werde der Staat Jugoslawien romantisch verklärt. De facto handelt es sich aber eher um das Gegenteil von „Jugonostalgie“, oder etwa nicht?

Da „Meisterwerk“ kein historischer Roman ist, kann oder will er nicht wirklich in die Vergangenheit blicken, sondern in die Zukunft, in ein „Was wäre wenn“. In diesem Sinne ist der Roman melancholisch. Ich verstehe Melancholie als eine Form des Visionären: das zu vermissen, was noch nicht existiert, aber in Umrissen erahnt werden kann. Die Protagonistin des Romans, Ana, stellt sich aber nur vor, wie sie sich von den Folgen ihrer Fehlentscheidungen befreien kann, und ihre persönliche Befreiung hängt – wie immer, wie bei jedem – von den gesellschaftlichen und politischen Umständen ab, insbesondere vom Fall des jugoslawischen Regimes, auf den sie keinen direkten Einfluss hat. Ihre Haltung gegenüber Jugoslawien ist also durch ein sehr starkes persönliches Interesse motiviert. Das Gleiche gilt für Adam, der im Gegensatz zu Ana mehr politische Macht oder sie sich – als nicht verurteilter Dissident – zumindest erhofft. Während ich bei Anna das Verhältnis zwischen persönlicher und politischer Freiheit hinterfragte, wollte ich bei Adam die Idee des „uneigennützigen Dienstes am Gemeinwohl“ ironisieren: Was Adam mehr will als soziale und politische Veränderungen, ist ein besserer persönlicher Status, mehr persönliches Kapital. „ Meisterwerk“ ist also auch ein Roman des Eigeninteresses. Der Arbeitstitel lautete eigentlich „Selbstsucht“.

So, wie „Meisterwerk“ alles andere als nostalgisch auf das Leben in Jugoslawien zurückblickt, ist es im Grunde auch keine Liebesgeschichte, sondern letztlich ein feministisches Buch, das von einer Befreiung handelt – die Protagonistin emanzipiert sich im Ljubljana der 80er Jahre von überkommenen, sprich: nostalgischen Liebes- und Lebenskonzepten. Wie aktuell ist diese Thematik im Slowenien von heute?

Es ist wahr, dass „Meisterwerk“ um das Stichwort Feminismus herum organisiert ist, dass das Persönliche politisch ist oder dass intime Revolutionen in politische Revolutionen eingeschrieben sind und umgekehrt. Natürlich habe ich nicht zufällig eine feministische Perspektive für meinen Roman gewählt; Feminismus ist, hehe, ein persönliches Interesse von mir, aber ich habe mit meinem Roman auch sozusagen auf ein gesellschaftliches Bedürfnis reagiert. Die Emanzipation der Frau, die natürlich kein abgeschlossener Prozess ist, ist in Slowenien – wie wahrscheinlich überall in Europa und anderswo – ein äußerst wichtiges und aktuelles Thema. Die slowenische Gesellschaft ist im Grunde noch immer patriarchalisch geprägt und serviert uns deshalb gerne Femizide, Fälle von Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch, Fälle von Gewalt in der Intimsphäre, Versuche der Retraditionalisierung, deren Ausfluss der Versuch ist, das Recht auf Abtreibung abzuschaffen, entsetzliche öffentliche Diskussionen über Frauen und Minderheiten, Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern und andere mehr oder weniger abstoßende Phänomene. Aber natürlich gilt die alte Regel, dass die repressiven Kräfte immer dann gestärkt werden, wenn die Frauen eines ihrer Rechte oder Freiheiten sichern, ganz im Sinne des Wechselspiels von Revolution und Konterrevolution.

Mit Aleš Šteger im Februar 2022 in Leibnitz

Aleš Šteger:

Lieber Aleš, Dein so umfangreiches und vielfältiges Werk kreist entweder um so genannte ewige Themen (man denke an die Gedichtbände „Buch der Dinge“, Suhrkamp 2006, „Buch der Körper“, Schöffling 2012, oder den jüngsten, 2022 bei Wallstein erschienenen monumentalen Roman „Neverend“ [!] mit seinem Fokus auf den Krieg) oder es konzentriert sich radikal auf die Gegenwart (wie etwa in Deinen „Written On Site“-Essays). Wo hat da „die slowenische Nostalgie“ ihren Moment?

Gegenüber der Nostalgie habe ich tatsächlich eine reservierte Haltung. Ich bin mir ihrer mobilisierenden Kraft bewusst, die Jugonostalgie war authentisch und wurde gleichzeitig missbraucht, und wenn es um politischen Missbrauch geht, schafft die Nostalgie falsche, hohle Vorstellungen von der Vergangenheit und damit Raum für Manipulation in der Gegenwart. Die Melancholie ist anders, sie entzieht sich dem politischen Missbrauch, weil sie keine ideologische Funktion an sich hat und daher Ausdruck einer reflektierten, distanzierten Haltung gegenüber der Welt ist.

In Deinem Jugendroman „Als der Winter verschwand“ (Karl Rauch 2022) taucht mit dem Kurent eine fast in Vergessenheit geratene slowenisch-steirische mythologische Figur auf, um als eine Art volkstümlicher Superheld gegen Umweltzerstörung und Industrialisierung zu kämpfen. Ist denn nicht der Kurent womöglich ein Nostalgiker?

Der Kurent ist nicht nostalgisch, im Gegenteil. Ein Kurent ist jemand oder etwas, der vor der Wahl steht, entweder zu kämpfen (und das schließt die radikale Möglichkeit ein, sich für das Wohl anderer zu opfern) oder sich vernichten zu lassen. In einer solchen Konstellation ist kein Platz für Nostalgie, auch wenn ein Hauch von Nostalgie auf den ersten Seiten meines Jugendromans zu finden ist, wo die Entstehung des Kurents in alten Zeiten geschildert wird.

***

PO SLOVENSKO

Andreas Unterweger:

Draga Jela, tvoj roman „Ni druge“ je ljubezenska zgodba, ki je na zavihku nemške izdaje pravilno opredeljena kot „Portret generacije Y“. Lahko jo beremo tudi kot panoptikum različnih odtenkov nostalgije: osrednji lik žaluje za svojo nekdanjo partnerko, druščina prijateljev v študentskem lokalu obžaluje svojo minljivo mladost, v enem od odlomkov, ki so name naredili največji vtis, pa opisuješ avtobusno popotovanje v čast Titovemu rojstnemu dnevu in najrazličnejše tipe „jugonostalgije“. Zakaj je slovenska generacija Y tako nostalgična? Ali pa gre celo za nekoliko bolj globalni problem?

Jela Krečič:

Ko sem pisala Ni druge, moj namen ni bil portretirati mlado generaciji. Res pa je, da je ljubezenska zgodba knjige umeščena v specifični zgodovinski trenutek, v čas po finančni in gospodarski krizi leta 2008, ki se je v Sloveniji (pa ne le tam) odvijala prav na plečih tedanjih mladih. Recesija in varčevalni ukrepi so še posebej tej generaciji poslali sporočilo, da je čas, ko so izobrazba, delavnost in talent zagotavljali stabilni dohodek in tudi možnost dostojnega življenja, nepreklicno minil. To je bil trenutek, ko smo zaznali, da je socialna država začela postopoma razpadati. Prav tako je bil to čas, ko so se še zadnje sanje o vzdržnosti kapitalizma podrle. Spoznali smo, da gre za sistem, ki vse pogosteje generira vse več kriz, zaradi katerih je življenje v deželah blaginje postalo izjemno nepredvidljivo – takšne in drugače krize pa so postale stalnice naših življenj. V tem pogledu po mojem roman še vedno ohranja aktualnost.

Mislim, da je po osamosvojitvi Slovenije v začetku devetdesetih postopoma nastopila deziluzija o  krasnem novem svetu demokracije in kapitalizma. Prav razočaranje nad poosamosvojitveno družbeno konstelacijo hrani nostalgijo po jugoslovanskem socializmu, ki se je dotaknem v enem poglavju v romanu. Namerno sem do te nostalgije ohranila distanco, saj gre tudi v njej za nek temeljni sprevid. In če smem nekaj reči o svojem pristopu, je žanr komedije priročen prav zato, ker ne časti nobene pozicije, ne poveličuje nobene drže, še najmanj nostalgije. Nostalgija, če že, mora postati predmet šale.

K temu pa bi vendarle rada dodala, da je bila socialistična Jugoslavija projekt politike skupnega, ki je vsaj formalno in vsaj nekaj desetletij omogočal dostopno zdravstvo, izobrazbo, socialna stanovanja za kar največji spekter ljudi. Ta, sicer v načelu pravična vizija urejanja družbenega, pa prav tako ni bila vzdržna, sproducirala je svoje lastne gospodarske in druge krize, ki so konec koncev kulminirale v vojni. Te resnice nobena nostalgija ne more izbrisati.

Dejstvo, da obstajajo ljudje, ki častjo Tita, Jugoslavijo, njene rituale, od nas obenem terja, da se kritično zazremo v to, kar nam ponuja aktualni sistem. Mislim, da je prva ključna pomanjkljivost – vidna tudi na ravni EU kot celote – , pomanjkanje politike v osnovnem pomenu besede; manjka torej vizija gradnje skupnega življenja onkraj interesov kapitala, velikih korporacij ter sle po dobičku. S tem hočem reči tudi, da je propad socializma in vzhodnega bloka pustil za seboj velik politični vakum, ki ga sedaj toliko pogosteje in preveč uspešno zapolnjujejo desničarski in populistični projekti. Tu se morda dotaknem še lastne nostalgije – nostalgije po levici, ki si je še drznila zamišljati alternativo kapitalističnemu sistemu. Zavedam se, da te levice ni nikoli bilo, a hkrati ne pristajam na idejo, da moramo obupati nad zamišljanjem boljšega, vzdržnega, pravičnejšega sistema. Konec koncev so leva emancipatorna gibanja prinesla kopico pomembnih družbenih sprememb, ki –  če nič drugega – sporočajo, da je politika v žlahtnem pomenu še vedno možna.

Kar zadeva mojega glavnega junaka in nostalgijo, pa bi rekla takole. Roman se začne z junakovim obupom, ko se razide s svojo prvo in prvo veliko ljubeznijo ter poskuša sedaj srečo najti v novih in novih ljubezenskih razmerjih. Nisem prepričana, ali je nostalgija ustrezno ime za njegovo držo, morda bi to prej označila kot žalovanje za izgubo. Pri tej zasnovi mi je spet prišel naproti žanr komedije, saj prav komedija postavlja junakovo pozicijo neprestano pod vprašaj. Celo tako daleč grem, da mu ponudim možnost ponovne sreče s tako objokovano prvo in „pravo“ ljubeznijo, a mora ob njej ugotoviti, da po novem tudi ta ni prava. Če temu rečemo nostalgija, jo torej radikalno problematiziram. Sleherno nostalgijo spremlja laž; namreč hrepenenje po nečem, česar nikoli ni bilo, vsaj ne v obliki, kot jo sanjamo v nostalgičnem scenariju. To je lekcija, ki jo mora glavni junak sprejeti in zaradi katere postopoma tudi postane boljši moški. Nostalgija v tem primeru priča tudi o neki zagati subjekta, o njegovi bolečini, travmi in je obenem tudi poskus, kako jo ublažiti, pozdraviti, a, kot rečeno, nobena komedija, vredna svojega imena, ne more nekritično sprejeti takšnega načina reševanja travm. Logika komedije vselej terja, da se soočimo z brezupom, z resnico brezupa, kar pa nas obenem ne opravičuje, da preprosto obupamo – nad sabo (ali svetom). Resnica brezupa ni poslednja resnica, ampak terja nadaljnje pogumno vztrajanje. V tej dialektiki vidim tudi bližino komedije filozofiji, pri čemer nam komedija ponudi še priložnost za smeh in olajšanje – kar je v sedanjih in prihajajočih krizah nadvse dobrodošel stranski produkt.    

Andreas Unterweger:

Draga Ana, tvoj roman „Mojstrovina” pripoveduje o ljubezni med pisateljem in urednico ter bralca prepriča z jezikom in pripovednim postopkom: z drznimi, a nikdar pretiranimi podobami seciraš oziroma razvijaš notranje življenje obeh protagonistov, dokler ne razkriješ vse živopisane mnogoterosti, ki jo lahko občutimo, kakor da je na dosegu roke. Dogajanje je postavljeno v sredino 80ih let, zato bi lahko domnevali, da bo tudi tu Jugoslavija predstavljena nekoliko romantično olepšano. Dejansko pa gre prav za nasprotje „jugonostalgije“, mar ne?

Ana Schnabl:

Ker Mojstrovina ni zgodovinski roman, ne more oziroma noče zares zreti v preteklost, marveč v prihodnost, v tisti „kaj bi, če bi“. V tem smislu je roman melanholičen. Melanholijo namreč razumem kot obliko vizionarstva: pogrešati tisto, česar sploh še ni, a si je to mogoče v obrisih zamišljati. Glavna protagonistka romana, Ana, si tako zamišlja, a zgolj zamišlja, kako bi se osvobodila posledic svojih slabih odločitev, pri čemer je njena osebna osvoboditev – kot vselej pri vsakem posamezniku – odvisna od družbenih in političnih okoliščin, konkretno od padca jugoslovanskega režima, na katerega nima neposrednega vpliva. Njen odnos do Jugoslavije je potemtakem motiviran izrazito interesno, osebno, ozko. Enako ob tem velja tudi za Adama, ki pa ima za razliko od Ane več politične moči oziroma si jo – kot nesojeni disident – najmanj obeta. Če sem z Ano prevpraševala razmerje med osebno in politično svobodo, pa sem želela z Adamom na drugi strani ironizirati idejo o „brezinteresnem služenju javnemu interesu“: Adam si vendarle bolj od družbenih in političnih sprememb želi boljšega osebnega statusa, večjega osebnega kapitala. Mojstrovina je zato tudi roman o osebnem interesu. Njen delovni naslov je pravzaprav bil Sebičnost.

Andreas Unterweger:

Draga Ana, tako kot „Mojstrovina” nikakor ne zre nostalgično na življenje v Jugoslaviji, pa pravzaprav tudi ni ljubezenska zgodba, temveč na koncu koncev feministična knjiga, ki govori o osvoboditvi – protagonistka se v 80ih letih emancipira in osvobodi preživetih, torej nostalgičnih konceptov ljubezni in življenja. Kako aktualna je ta tematika v današnji Sloveniji?

Ana Schnabl:

Drži, Mojstrovina je organizirana okoli feminističnega gesla, da je osebno politično oziroma, da se intimne revolucije vpisujejo v politične revolucije ter obratno. Feministične perspektive si za roman seveda nisem izbrala po naključju; feminizem je, hehe, moj osebni interes, vendar sem se z romanom odzivala tudi na družbene potrebe, če se tako izrazim. Ženska emancipacija, ki, kajpak, ni zaključen proces, je v Sloveniji izjemno pomembna, aktualna tematika – kakor verjetno povsod po Evropi in drugod. Slovenska družba je v osnovi še zmeraj patriarhalna in nam zato rada postreže s femicidi, primeri posilstev in spolnih zlorab, primeri intimno-partnerskega nasilja, poskusi retradicionalizacije, katerih odvod je poskus razveljavitve pravice do splava, grozljivim javnim diskurzom o ženskah in predstavnikih manjšin, plačnimi nesorazmerji med ženskami in moškimi ter drugimi bolj ali manj odvratnimi pojavi. Velja pa seveda staro pravilo, da se represivne sile okrepijo vsakič, ko si ženske zagotovijo katero od pravic ali svoboščin. Revolucija in kontrarevolucija, v tem smislu.

Andreas Unterweger:

Dragi Aleš, tvoj obsežni in večplastni opus bodisi kroži okrog tako imenovanih večnih tem (če pomislimo samo na pesniške zbirke »Knjiga reči«, »Knjiga teles« ali monumentalni roman »Neverend« [!], ki se osredotoča na vojno) ali pa se radikalno posveča sedanjosti (kot na primer v tvojih esejih iz serije »Na kraju zapisano«). Kje je tu mogoče najti »slovensko nostalgijo«?

Aleš Šteger:

Do Nostalgije imam zadržan odnos. Zavedam se njene mobilizacijske moči, jugonostalgija je bila pristna in zlorabljena obenem in ko je šlo za politično zlorabo, ustvarja nostalgija napačne, votle predstave o preteklosti in preko njih ustvarja prostor za manipulacije v sedanjosti. Drugače je z melanholijo, ki se izmika politični zlorabi, saj po sebi nima ideološke funkcije in je zato veliko bolj odraz neke reflektirajoče, distančne pozicije do sveta.

Andreas Unterweger:

V tvojem romanu za mladino z naslovom „Kurent“ v liku kurenta obujaš skoraj pozabljeno slovensko-štajersko mitološko figuro, ki se kot nekakšen ljudski superjunak bori proti uniževanju okolja in industrializaciji. Je Kurent morda nostalgik?

Aleš Šteger:

Kurent ni nostalgik, nasprotno. Kurent je nekdo ali nekaj, ki je postavljeno pred izbiro, ali se boriti (in borba vključuje tudi radikalno možnost žrtvovanja samega sebe za dobro drugih) ali pa pustiti, da si izničen. V taki konstelaciji ni prostora za nostalgijo, čeprav morda na uvodnih straneh mojega romana za mlade, kjer je prikazan nastanek Kurenta v starih časih, utegne zadišati po nostalgiji.

***

Übersetzungen ins Slowenische: Amalija Maček

Übersetzungen ins Deutsche: Andreas Unterweger

manuskripte-Förderpreis der Stadt Graz 2022

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 30. Oktober 2022

Der manuskripte-Förderungspreis der Stadt Graz 2022 geht an Katrin Köhler – herzlichen Glückwunsch!

„Dieser Preis wird alljährlich vergeben und wurde früher Forum Stadtpark – Literaturförderungspreis genannt. Die Vergabe erfolgt auf Empfehlung des Herausgebers der international renommierten Grazer Literaturzeitschrift „manuskripte“. Die Preishöhe beträgt ab 2019 Euro 2.500,–.“

Preisverleihung am 25.10. im Kunsthaus Graz: Stadtrat Günter Riegler, Katrin Köhler, Moderator Gernot Rath (v.r.n.l.)

***

manuskripte-Förderungspreis der Stadt Graz für Katrin Köhler – Jurybegründung:

Mit ihren glasklar formulierten Sätzen erschafft Katrin Köhler schwindelerregende Ordnungen. Diese versuchen sich als Wegweiser durch ebenso seltsame wie seltsam vertraute Denklabyrinthe, tasten nach dem System im Chaos des „existentialistischen Musicals“, als das sie unser Dasein treffend entlarven.

Wer dies als unterhaltsames absurdes Gedankentheater abtut, übersieht die tragische Dringlichkeit, mit der die Erzählstimme dieser Texte sisyphosartig um Orientierung ringt. Gerade, indem sie konsequent scheitern, skizzieren Köhlers zwischen Lyrik und Prosa, Traktat und Tragikomödie hin und her schaukelnde literarische Erklärungsversuche das Ausmaß des „riesigen Durcheinanders“ in unserer Welt. Damit gelingt der Autorin nichts weniger als eine höchst überzeugende Darstellung der menschlichen Unbehaustheit, zum einen tieftraurig, zum anderen getragen von einem feinen, oft grimmigen Humor: „Die Liebe ist keine Kartoffel.“

Katrin Köhler wurde 1987 in Ivano-Frankivsk in der Ukraine geboren und wuchs in Schwedt/Oder auf. Sie studierte in Hamburg, Kiel und Istanbul Bildende Kunst und lebt heute in Hamburg. Sie war Finalistin beim Literarischen März Darmstadt (Leonce-und-Lena-Preis) 2021 und erhielt im selben Jahr das LCB-Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats.

2020 und 2021 lebte Katrin Köhler als Styria Artist in Residence des Landes Steiermark in Graz, wo sie enge künstlerische Kontakte knüpfte, so dass sie seither regelmäßig zurückkehrt. In Heft 231 der manuskripte, der ersten Ausgabe nach dem Relaunch der Zeitschrift 2021, publizierte sie einen Auszug aus Das existentialistische Musical. Für Heft 233 besuchte sie im Auftrag der Zeitschrift die Ausstellung was sein wird – den so entstanden poetischen Essay Ein Mangel an Orientierung ist ein Nicht-zu-Hause-Sein trug sie bei der Präsentation im Kunsthaus Graz vor.

Katrin Köhler ist nicht die erste ausländische Autorin, die in Graz ein literarisches Zuhause gefunden hat, aber die erste, die den manuskripte-Förderpreis erhält – eine längst überfällige Premiere!

Andreas Unterweger

Frankfurter Buchmesse 2022

Posted in manuskripte, So long, Annemarie, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 28. Oktober 2022

Am 22.10. stattete ich als individuelle steirische Delegation der Frankfurter Buchmesse einen offiziellen Besuch ab.
Nach dem frühmorgendlichen Durchschreiten des Wurmlochs bei Graz-Thalerhof …

… hatte ich um 11:00 das Vergnügen, mit Daniela Fürst über meinen Roman „So long, Annemarie“ (Droschl 2022) zu sprechen.
Das halbstündige Gespräch ist auf Literadio nachzuhören (auf diese Zeile klicken!).
Danke für die Einladung, liebe Daniela Fürst!

Danach besuchte ich die manuskripte-Präsenz am Stand des österreichischen Buchhandelsverbands, wo ich die Schriftstellerinnen Thea Mengeler, Selene Mariani und Res Sigusch (v.r.n.l.) in die Lektüre der Hefte vertieft antraf …

… und meine Verlegerin Annette Knoch am Stand des Literaturverlags Droschls, der wie immer das Herz der Veranstaltung bildete!

(c) Literaturverlag Droschl

Im loftigen Chique des Hotels Lindley Lindenberg umweit des Osthafens ging um 19 Uhr, im Rahmen des Bookfest City Festivals und ermöglicht von JAK und manuskripte, das Podiumsgespräch mit den slowenischen Autor*innen Jela Krečič, Ana Schnabl, Aleš Šteger und mir über die Bühne.
Ein schriftliches Destillat des intensiven Austausches über „Nostalgie im Roman“ folgt.

Im Publikum, erfreulicherweise, u.a. Simone Bühler von der Frankfurter Buchmesse, der Dichter Milan Dekleva und, als angeregt plaudernder „Kofferträger“ seiner Ehefrau Jela Krečič, der Philosoph Slavoj Žižek.
Anschließend slowenischer Wein und poetische Geschichten aus aller Welt.
Vielen Dank für die Einladung, liebe Amalija Maček!

Bei Sonnenaufgang trug mich mein eigener fliegender Koffer dann wieder nach Hause.

manuskripte 237 – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 3. Oktober 2022

Meine Marginalie zu Heft 237 der manuskripte, das morgen, am 04.10.2022, 19 Uhr, im Rahmen einer Kooperation von steirischer herbst und manuskripte im Palais Attems (styriarte.STUDIO) präsentiert wird*.

Marginalie

Der alles andere als ferne Krieg in der Ukraine und die ebenso unmögliche wie unerlässliche Aufgabe, seine unfassbaren Schrecken künstlerisch zu erfassen, prägen alle in diesem Jahr erschienenen Ausgaben der manuskripte.

Seit Kriegsbeginn bemühen wir uns, ukrainischen Autor*innen eine Stimme zu geben – sei es durch die Online-Benefiz-Lesung Unter freiem Himmel noch in der ersten Kriegswoche (weiterhin auf unserem YouTube-Kanal abrufbar) oder die Berichte Chrystyna Nazarkewytschs, ausgezeichnet mit dem Literaturstipendium des Landes Steiermark, die auch auf unserer Homepage nachzulesen sind.

Die Kooperation mit dem steirischen herbst erlaubt uns, dieses Engagement auf ein neues Level zu heben. Das Auftaktkapitel versammelt 14 Autor*innen und vier bildende Künstler*innen, die auch heute noch in dem attackierten Land leben und arbeiten. Als Kuratorin fungierte Galina Rymbu, selbst Dichterin aus Lwiw.

Unser Dank gilt allen Beiträger*innen und herbst-Intendantin Ekaterina Degot mit ihrem Team.

Das Wegbrechen der Normalität, an die wir uns im Alltag zu Recht klammern, ist Leitmotiv nicht nur der Texte aus dem Ukraine-Schwerpunkt, sondern auch zahlreicher weiterer Beiträge des Heftes – ob als traumatisches Erlebnis, als Befürchtung, die das tägliche Leben zersetzt, oder als atemraubende Fiktion.

„Wo bleibt das Licht?“, fragt Ilma Rakusa in ihrem berührenden literarischen Journal. Wie hell der Strom der Poesie freilich gerade in dunklen Tagen zu leuchten vermag, davon zeugen die kommenden Seiten.

Andreas Unterweger

manuskripte 237. Cover von Jennifer Eckert

* Friedrich Chernyshov, Vlada Chentsova, Martina Zinner und Lorenz Kabas lesen aus dem Kapitel „steirischer herbst in den manuskripten“ mit 14 ukrainischen Autor*innen, kuratiert von Galyna Rymbu. Musik von Heinali.
Palais Attems (styriarte.STUDIO), Sackstraße 17, 8010 Graz.

Weitere Lesungen aus manuskripte 237:

15.11.2022, 19:30 Uhr
Tanja Raich und Stefan Wedam: „Schwerer als das Licht“. Lesung und Musik
Tanja Raich liest ihren Textbeitrag zu manuskripte 237 und aus ihrem eben erschienenen Roman
Murinsel Graz, Café
(in Kooperation mit Murinsel Graz und gamsbART)

18.11.2022, 19 Uhr
Szenische Lesung aus dem Drama „Schlafstörungen“ von Radka Denemarková
(in Kooperation mit der Ausstellung „Faking the Real. Kunst der Verführung“)
Kunsthaus Graz, Lendkai 1, 8010 Graz

Heimo Steps, 1946-2022

Posted in manuskripte, Trauer by andreasundschnurrendemia on 21. August 2022

Heimo Steps
1946-2022

„Damit es licht bleibt / und hell“, schrieb Heimo Steps auf das Blatt, das er zu Alfred Kolleritschs 89. Geburtstag an die legendäre Zettellampe im manuskripte-Büro hängte. Licht spielte auch wenig später, in seinem Nachruf auf seinen engen Freund Fredy, mit dem ihn weit mehr als die turbulente gemeinsame Herausgabe eines französischen manuskripte-Heftes verband, eine entscheidende Rolle: „in seinem letzten Gedichtband ,Die Nacht des Sehens‘“, so Steps in manuskripte 229, habe Kolleritsch „den Sinn der Schwermut … zum Leuchten gebracht“.

Heimo Steps war ein Lichtblick in der steirischen Kulturlandschaft, der mit seinem unkonventionellen, vor Ideen sprühenden Engagement seinerseits einen Sinn zum Leuchten brachte: den der Kulturpolitik. Über Jahrzehnte hinweg war er den manuskripten ein ebenso verlässlicher wie kreativer Projektpartner, darüber hinaus ein fixer Bestandteil der Café-König-Morgenrunde (gemeinsam mit Alfred Kolleritsch, Johanna Vucak, Helga Höhn, Fußballern, Marktfrauen, Jungschriftsteller*innen …) und ein gern gesehener Gast in unserer Redaktion, der er immer wieder Texte von Autorinnen und Autoren vermittelte, wenn er sie nicht gleich selbst übersetzte (Boualem Sansal).

Mir selbst ist Heimo 2004 erstmals begegnet: Im obersten Geschoss des Joanneums, wo er als eine Art Exilant und ich als eine Art Praktikant untergebracht waren. Sein völlig selbstloses Interesse an mir und meinen Tätigkeiten vor allem abseits des Museumsjobs war ungewöhnlich für die Umgebung. Nach jedem der kurzen, aber nie in starren Phrasen verlaufenen Gespräche schienen der enge Gang breiter, die kleinen Fenster heller.

Später durfte ich Heimo Steps auch als Reise-Organisator erleben: 2009 und 2011 lud er mich als Autor in die Delegation des Landes Steiermark, die die Frankfurter Buchmesse besuchte. Ich erinnere mich, dass er die Lemmingströme des internationalen Reiseverkehrs gerne mit kopfschüttelnden Aphorismen quittierte, etwa: „Alle gehen in die gleiche Richtung – was soll das?!“

Bei seinem letzten offiziellen Auftritt dort verabschiedeten wir Autorinnen und Autoren unseren liebenswürdig chaotischen Reiseführer in den Ruhestand, Günter Eichberger hielt eine Rede, in der er den „letzten Anarch unter den Beamten“ eloquent würdigte.

In den Jahren danach saßen Heimo und ich oft im Café König zusammen. Immer wieder staunte ich über die Fülle und Vielfältigkeit seiner Interessen, nein, Begeisterungen. Die Gespräche über Albert Camus, Gert Jonke und Michel Houellebecq, über Paris und Klagenfurt, Ornithologie und Gartenbaukunst, Marco Pantani, den KAC und den Grazer Fußball, Naked Lunch, die Melancholie und den Blues bin ich dankbar – sie werden mir sehr fehlen.

Bon voyage, lieber Heimo.

Mit Heimo Steps auf der Frankfurter Buchmesse 2011
Alfred Kolleritsch und Heimo Steps

Präsentation der manuskripte 236 – Mitschnitt und Bilder

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 2. August 2022

Am 29.06. wurden die manuskripte 236 im Kunsthaus Graz präsentiert – ein Heft mit Brücken zur Kunsthaus-Ausstellung “Amazons of Pop!” (1961-1973). So stammten etwa die Umschlagbilder (und die grafischen Interventionen im Inneren) von der Avantgarde-Künstlerin Ingeborg G. Pluhar (mehr dazu in meiner Marginalie zum Heft).

In ihrer stets empfehlenswerten Literatursendung Das rote Mikro auf Radio Helsinki hat Barbara Belic nun einen Mitschnitt des Abends ausgestrahlt – vielen Dank! (Zum Nachhören hier klicken!!!)

In den Hauptrollen (in der Reihenfolge ihres Auftretens):

Kunsthaus-Chefkuratorin und Interimschefin Katrin Bucher, die den Abend eröffnete:

Der manuskripte-Herausgeber als The-Dark-Blue-Moderator:

Pekua, die mit ihren Klängen wieder einmal das Publikum begeisterten:

Gerhild Steinbuch, manuskripte-Preisträgerin 2019 und Rektorin der Sprachkunst Wien, zwar verhindert und daher nicht im Bild, aber gut zu hören: Ihr Text „How to Lasso the Truth – ein ziemliches taumelndes Manual“, eine literarische Reaktion auf die Kunsthaus-Ausstellung Amazons of Pop (s. Marginalie), wurde mit musikalischer Umrahmung von Bernhard Fleischmann virtuell performt.

Theodora Bauer, manuskripte-Förderpreisträgerin 2016 und bekannt als LiteraTOUR-Moderatorin von Servus TV, las ihre nachdenklich-schöne Prosa „Wesen, von wo der Abend kommt“:

Schauspielerin Ninja Reichert mit Chrystyna Nazarkewytschs ebenso erschütterndem wie berührendem Kriegsbericht (hier zum online Mitlesen):

Café-König-Chefin Waltraud Merkl, leider auch nicht im Bild, aber stets im Bilde: dank ihres Caterings klang der Abend, der mit einem Begrüßungsgetränk (s.u.) schon gut begonnen hatte, auch stimmungsvoll aus.

Im Namen der manuskripte danke ich allen Beteiligten, insbesondere den Damen und Herren vom Kunsthaus Graz, für die gute Zusammenarbeit!

*************

Die manuskripte 236 sind im Buchhandel und im manuskripte-Webshop erhältlich.

*******

Bernd Melichar in der Kleinen Zeitung v. 25.07.2022 über die manuskripte 236:

*******

Christoph Hartner in der Kronen Zeitung v. 26.07.2022:

******