Andreas Unterweger

Lei lei, Leipzig! (Buchmesse Leipzig 2019)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 2. April 2019

Nachtrag zum Termin:
21. und 22.03.2019, 9-18 Uhr: Andreas Unterweger und Verena Stauffer vertreten die Literaturzeitschrift manuskripte auf der Buchmesse Leipzig, zumeist am Stand der manuskripte, Halle 4, HVB-Gemeinschaftsstand, D213+E210.

Von 21.-24.3.19 ging es auf der Leipziger Buchmesse wieder einmal um jene Dinge, um die es im ganzen deutschsprachigen Literaturbetrieb heutzutage wirklich geht: Masse …

… und Macht.

Im ganzen deutschsprachigen Literaturbetrieb? Nein, vor einem kleinen Regal am Hauptverband des Österreichischen Buchhandels, jenem der Literaturzeitschrift manuskripte nämlich, wurden die literarischen Tugenden des richtigen Dichtens noch hochgehalten:

(c) Verena Stauffer

(c) Verena Stauffer

Aber der Reihe nach …

Ankunft am 20.3.19: „Empty streets“ …

… „coming home“ …

… „all alone“:

Am nächsten Morgen: Anfahrt zur Buchmesse:

Ankunft beim manuskripte-Regal:

Ansturm der Interessierten …

Letzte Vorbereitungen mit Verena Stauffer …

Erstes Highlight: 15:00: Ich diskutiere im Namen der manuskripte mit Hanns-Georg Schmidt-Bergmann, Matthias Walz (Allmende) und Carolin Callies (poetin) über Wohl und Wehe von „Literaturzeitschriften heute“. Leipzig liest, Leseinsel der Unabhängigen Verlage, Buchmesse Leipzig, Halle 5.

 

Ein beflügelndes Gespräch, das gerne noch länger dauern hätte dürfen. So konnten wir nur die positiven Aspekte der gegenwärtigen Situation von Literaturzeitschriften besprechen: Es wird unheimlich viel geschrieben! Ob aber auch gleich viel gelesen (oder gar gekauft/abonniert) wird, konnten wir leider nicht mehr diskutieren …

Ausflug in die Innenstadt …

… dann nach Leipzig-Lindenau, ins Tapetenwerk, wo in diesem Jahr die Lesungen in der Lyrikbuchhandlung stattfanden.

In der langen, traditionsreichen Geschichte der Lyrikbuchhandlung durften die manuskripte als erste Literaturzeitschrift überhaupt AutorInnen für Lesungen nominieren – danke, lieber Tim Holland!

Aber während die manuskripte-Autorinnen, Carolin Callies und Miroslava Svolikova, noch in den Startlöchern scharrten, waren auf der Bühne bereits die von ihren Verlagen nominierten manuskripte-Autoren Zoltan Lési …

… und mein Lieblingslyriker Max Sessner …

… zu Gange.

Dann, um Mitternacht, die fulminanten Auftritte von Carolin Callies …

… und Miroslava Svolikova:

Anschließend: Köstlichkeiten aus Oberkotzau:

Am nächsten Tag, 22.03.2019, 15:00-17:00, der absolute Höhepunkt der diesjährigen Buchmesse:
manuskripte-Weißwein-Jause: Andreas Unterweger und Verena Stauffer bewirten manuskripte-AutorInnen, -AbonnentInnen, -LeserInnen (und solche die es werden wollen!), mit südsteirischem Weißwein und der besten Information, wie es mit der Literatur weitergeht! Buchmesse Leipzig, Stand der manuskripte, HVB-Gemeinschaftsstand, D213+E210.“

Ansturm der Interessierten …

… darunter Laura Freudenthaler …

(c) Verena Stauffer

… Josef Haslinger (2. v. l.) …

… Tim Holland (Mitte), Yevgeniy Breyger (ganz rechts, eine Woche später Leonce-und-Lena-Preis-Gewinner: Glückwunsch!) …

… Carolin Callies, Nadja Küchenmeister, Matthias Kniep (v.l.n.r.) …

… Oswald Egger (Mitte), David Fuchs (r.) …

… Daniela Seel (l.) …

… Walter Famler …

… u.v.a.m.! Wir danken Euch allen fürs Kommen!

(c) Verena Stauffer

Abschließend: Heimreise durch die unendlichen Hallen …

 

Danke, liebe Verena, für Deine ebenso begeisterte wie begeisternde Unterstützung und die schönen Fotos!

(c) Verena Stauffer

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Lesefest 2019: Angelika Reitzer

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 13. März 2019

Nachtrag zum Termin:
09.03.2019, Lesefest 2019, ca. 17:40, Lesung von Angelika Reitzer, Einführung von Andreas Unterweger. Kulturzentrum bei den Minoriten, 8020 Graz.

Kurz nach meiner eigenen Lesung (Bericht folgt) und unmittelbar nach Max Höflers sprunghafter Performance hatte ich, wie angekündigt …

… und wie bereits zwei Tage davor (bei der Präsentation der manuskripte 223), die große Freude und Ehre, meine sehr geschätzte Kollegin Angelika Reitzer vorzustellen.

Das hat dann in etwa so ausgesehen …

(c) Josef Wilhelm

(c) Barbara Belic

… und so geklungen:

 

Drei Wege zu Angelika Reitzer

und ihrem Roman Obwohl es kalt ist draußen

 

1.: Der Weg des Lesens

 

Ich bin ganz gut im Schreiben, dafür aber umso schlechter im Lesen.

D. h.: Womöglich lese ich gar nicht einmal extra schlecht, ich bin ja nun sogar ein „professioneller Leser“, lese viele Manuskripte für die Literaturzeitschrift manuskripte, aber, was das „private Lesen“ anbelangt, so bin ich – exakt seit Beginn des professionellen Lesens – sicher maximal Durchschnitt: Ich lese privat genauso gut, genauer gesagt: genauso schlecht wie alle anderen Leserinnen und Leser.

Wie alle Lesenden lese ich also so gut wie gar kein Buch mehr, und wenn ich schon eines lese, dann nur „so ein bisschen rein“. Und selbstverständlich ist mir dieses Buch dann geschenkt worden.

Wenn ich nicht auch ein schreibender Leser wäre, noch dazu einer, der, wie gesagt, zurzeit im „Literaturbetrieb“ drinsteckte (und damit wüsste, wie dieser Betrieb so betrieben wird [und wie wenig das mit dem, worum es beim Schreiben in Wirklichkeit geht, zu tun hat]), dann läse ich, so, wie alle anderen Lesenden, bestimmt auch ausschließlich jene Bücher, auf denen ein Sticker lautend Buchpreis oder Shortlist oder „Grandios!“ prangte. So ein Buch würde ich dann sicher auch kaufen. Um es zu verschenken.

 

Fakt ist: Ich habe im letzten Jahr (2018) kein einziges Buch gelesen.

Zumindest nicht privat, sprich: ungezwungen.

Und schon gar nicht ganz, d. h.: von ganz vorne bis ganz, ganz nach hinten.

Oder etwa mit Begeisterung. Womöglich wachsender.

Kein einziges.

Bis auf dieses.

 

 

 

 

 

2. Der Weg der Wissenschaft

 

 

Würde sich die Welt in die richtige Richtung drehen (was sie zurzeit nicht tut), so gäbe es in 100 Jahren noch so etwas wie Literaturwissenschaft. Und wenn diese dann auf die vor 100 Jahren (sprich: heute) geschriebenen Bücher zurückblickte, dann würde sie erkennen, woran es lag, dass die Welt sich damals (also heute) in die falsche Richtung drehte. Daran nämlich, dass heute (damals) viel zu wenig gelesen wurde!

Aber warum? Käme es daher, dass die Leserinnen und Leser zu faul, gar zu „Smombies“ geworden seien? Iwo!, so die Literaturwissenschaft (selbst eine Leserin), im Gegenteil: Schuld waren die Bücher!

So habe sie etwa, so die Germanistik der Zukunft, unter all den Büchern, die sie aus dem Jahr 2018 gelesen habe, kein einziges gefunden, dass sowohl außerordentlich gut geschrieben gewesen sei („richtige Literatur“) als auch sich der einzig wirklich wichtigen Frage gewidmet habe: Wie glückt Leben?

Ein Buch also, das einer gelingenden Existenz (samt Beziehung, Familie etc.) nachspürt, ohne dabei je trivial zu werden.

Ein Buch, das einem durch eben das den Atem raubt, was alles nicht schiefgeht.

Ein Buch, das sich auf höchstem literarischen Niveau mit dem Einzigen, was uns wirklich kümmert, auseinandersetzt: mit dem Glücklichwerden – und -bleiben.

Nein, würde die Germanistik sagen, und wenn sie ihren Korpus noch so oft durchkämme, sie finde kein solches Buch.

Kein einziges.

Bis auf dieses.

 

 

 

 

 

3. Der Weg des Doppelkurzbiografieparallelsurfens

 

Ab und an passiert Folgendes: Ich stelle beim Surfen durch die Kurzbiografie eines/einer anderen Parallelen zu meiner eigenen fest. So auch bei Angelika Reitzer.

Beide sind wir in den 70ern in Graz geboren, beide haben wir „früher“ am Bauernmarkt gearbeitet (sie Kaiser-Josef-Platz, ich Lendplatz), beide gingen wir „später“ von hier weg – sie erst nach Salzburg, um dort Germanistik zu studieren, dann nach Berlin, dann nach Wien, wo sie heute lebt. Beide schreiben wir Bücher – und zwar jene Art, die man, wird man am Bauernmarkt danach gefragt („Liebesroman oder Krimi?“), nur stotternd erklären kann – ich helfe mir meist mit: „richtige Literatur“. Beide haben wir ein paar Preise erhalten (sie, u. a.: Landesliteraturpreis des Landes Stmk 2014, Outstanding Artist Award 2016). Und beide kommen wir immer wieder gern nach Graz zurück.

Dem genauen, ja, wissenschaftlichen Leser unserer Kurzbios wird freilich auffallen: Angelika hat alles ein paar Jahre früher gemacht als ich. Diese Jahre sind, stellt man uns nebeneinander, völlig unsichtbar, insofern unerheblich, lösen bei mir aber doch einen wichtigen Gedanken aus: So, wie sie jetzt ist, werde ich bald sein.

Auch das ist mir schon öfter passiert, und jedes Mal war meine Reaktion dieselbe: „Um Himmels willen!“

Ja, tatsächlich habe ich noch nie einen kurzbiografisch zu mir selbst parallelsurfenden Menschen gesehen, bei dem ich mir gesagt hätte: „Weiter so, Andreas! Die Richtung stimmt!“

Keinen einzigen.

Bis auf diesen.

manuskripte 223 – Präsentation

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 9. März 2019

Nachtrag zum Termin:
07.03.2019, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 223. Mit Lesungen von Daniel Wisser, Angelika Reitzer und Schauspieler Daniel Doujenis (Lyrik von Christoph W. Bauer, Stefan Hertmans, Ales Steger und Hedwig Wingler). Schauspielhaus Graz, Haus 3, 8010 Graz.

 

Auch die Präsentation der manuskripte 223 war ein Lesefest!

Im knallvollen Haus 3 des Schauspielhauses Graz gab es schon bei meiner Einführung …

… zweimal Szenenapplaus.


Erstens als ich erzählte, Alfred Kolleritsch befinde sich wohl und habe heute im Büro rund 30 Texte abgelehnt …

… zweitens, als ich mich im Namen der manuskripte für die bislang (seit 1962) 72 manuskripte-Beiträge Heidi Winglers (oben zwischen Wisser und Kolleritsch) bedankte.

Hier das Video meiner Einführung, gefilmt vom unverwüstlichen Jungregisseur Edwin Rainer alias Voiceinspiration (vielen Dank!):

Danach: fulminante Lesungen der KollegInnen Daniel Wisser …

… und Angelika Reitzer.

Abschließend las Daniel Doujenis Gedichte von Christoph W. Bauer …

… Aleš Šteger, Stefan Hertmans und Hedwig Wingler.

((c) aller scharfen Fotos: Julian Kolleritsch/manuskripte)

Unten alle Presse-Informationen zum Heft, das wie immer im manuskripte-Webshop zu bestellen ist:

manuskripte 223: Die Strahlkraft großer Namen

 

Glanz und Glamour bei der Präsentation der manuskripte 223: Mit Daniel Wisser, dem Gewinner des Österreichischen Buchpreises 2018, und Angelika Reitzer sind zwei AutorInnen zu Gast, die mit ihren Romanen im vergangenen Literaturjahr die absoluten Glanzlichter setzten. Wisser liest die abgründig-amüsante Kurzgeschichte Silvia aus seinem neuen Buchprojekt, Reitzer eine berührende Erzählung namens 20.000 Stunden Licht. Dazu präsentiert Publikumsliebling Daniel Doujenis neue Gedichte von drei Starlyrikern aus drei Nationen.

Titelbild: Ida Szigethy, „SHADOW OF A DREAM“, Paris 1980

Für ausgezeichnete Literatur auf der Höhe der Zeit stehen auch die Namen der weiteren BeiträgerInnen im neuen manuskripte-Heft. Der frischgebackene Wortmeldungen-Preisträger Thomas Stangl ist mit dem Beginn seines im Mai bei Droschl erscheinenden Erzählbands vertreten, die Grazerin Nava Ebrahimi (Österr. Buchpreis Debüt 2017) mit einem Auszug aus ihrem neuen Roman, die rotahorn-Preisträgerinnen 2018 Marie Gamillscheg und Miroslava Svolikova mit ihren amüsanten wie aufrüttelnden Dankesreden.

Texte arrivierter Literaturgrößen wie Friederike Mayröcker, Said, Händl Klaus, Wilhelm Hengstler und Günter Eichberger stehen neben jenen von aufstrebenden AutorInnen wie Carolin Callies, Sandra Gugic oder Bastian Reinert und gleich zwei waschechten Debüts: Prosa des Grazers Florian Dietmaier und Lyrik der Vorarlbergerin Verena Längle!

Abschließend stellt die iranisch-schwedische Autorin Athena Farrokhzad in ihrem „offenen Brief an Europa“ eine Reihe ebenso poetischer wie dringlicher Fragen: Europa, wo hast du die Liebe verlegt?“

*

AutorInnen manuskripte 223 – Gesamtliste:

 

Christoph W. Bauer L niemandsmorgen, fünf fragmente
Carolin Callies L Gedichte
Lucas Cejpek P Umkreisung
Florian Dietmaier P Hörst du zu, wenn du schweigst oder hörst du weg
Nava Ebrahimi P Ali-Reza (Romanauszug)
Günter Eichberger P Bosch 3
Athena Farrokhzad E Offener Brief an Europa
Marie Gamillscheg E Dankesrede rotahorn-Preisverleihung
Stefan Gerlach P Signora Tardelli
Christl Greller L Erzählgedichte
Sandra Gugic L Protokolle der Gegenwart
Klaus Händl L 2 Gedichte
Ingram Hartinger P Aus: Offenheit und Riff
Wilhelm Hengstler P Baumwolle
Stefan Hertmans Gedichte
Barbara Honigmann E Gedenken an Oleg Jurjew
Günther Kaip P Miniaturen
Julian Kolleritsch E 20 Jahre ohne Protokolle
Verena Längle L Gedichte
Friederike Mayröcker L Gedichte
Daniel Nachbaur P Alterserscheinungen
Ioana Orleanu P Zwiegespräch mit Liebelie
Sebastian Raho L Gedichte
Bastian Reinert L Schattentrunken. Gedichte
Angelika Reitzer P 20.000 Stunden Licht
SAID P malone im abfallenden licht
Thomas Stangl P Die Geschichte des Körpers (Anfang)
Aleš Šteger L Aus dem Band: „Über dem Himmel unter der Erde“
Miroslava Svolikova E Dankesrede anlässlich der Verleihung des rotahorn – Literaturpreises 2018
Sissi Tax P auszug aus dem drahtzeilprojekt: modertexte
Juliane von Crailsheim L Gedichte
Hedwig Wingler L Was erlaubt ist
Daniel Wisser P Silvia

 

P = Prosa, L = Lyrik, E = Essay

*

Update: Ein ganzer Podcast über die manuskripte 223 von Günter Encic!

„Nicht nur die „Mischung aus Arrivierten und Newcomern“ in manuskripte 223 ist sehr schön geworden, sondern auch der Podcast von Günter Encic, der seine gesamten 18:30 Minuten unserer aktuellen Ausgabe widmet! Mit einem Interview mit Andreas Unterweger sowie Lesungen aus dem Heft von Angelika Reitzer und Nava Ebrahimi. Schwere Empfehlung! Vielen Dank für dieses gelungene Porträt, lieber Günter Encic!“
(manuskripte auf Facebook)

 

 

Anzeiger 2-2019

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 6. März 2019

Vielen Dank, liebe Elisabeth Stuppnig, für dieses nette Porträt in „Anzeiger. Das Magazin für die österreichische Buchbranche„, dem Medium des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels.

Sowohl das Telefoninterview als auch die Fotosession mit Johanna Riedler/Lumikki waren sympathisch (und) unkompliziert!

Bei den manuskripten arbeiten wir seit letztem Jahr bei unseren Buchmessenauftritten in Frankfurt und Leipzig mit dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels zusammen und waren immer angetan von der Kompetenz und vom Engagement der MitarbeiterInnen.

Das Cover-Foto der manuskripte-Ausgabe 191, die ich oben in Händen halte, stammt übrigens von meinem Vater, Sepp Unterweger.
In seiner ersten Fassung ließ mich der Artikel noch sagen:
„Das war einfach eine Momentaufnahme. Als Maria mit dem manuskripte-Heft gespielt hat, hat mein Vater ein Foto gemacht und es Alfred Kolleritsch geschenkt. Er hat es dann zu meiner Überraschung als Cover gebracht.”

Interview über Asli Erdoğan für Cocon

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 22. Dezember 2018

Neulich bekam ich in der manuskripte-Redaktion netten Besuch von Emel Heinreich, Petra Paul und Sebastian Stefan Golser von Cocon, Verein zur Entwicklung und Umsetzung von Kunstprojekten, aus Wien.

In einem Interview durfte ich über meine Erfahrungen mit der türkischen manuskripte-Autorin Asli Erdoğan berichten.
Frau Erdoğan und ich haben uns zwar nie persönlich getroffen, das Interview ist aber alles andere unpersönlich geworden, denke ich!

Cocon bereitet das Theaterprojekt „Nicht einmal das Schweigen“ mit Texten Asli Erdoğans vor, das 2019 in Graz Premiere feiern wird. Im Rahmen der Aufführung wird auch eine Reihe von Videointerviews zu sehen sein.
Es ehrt und freut mich, dass das Interview mit mir als Teaser für das Projekt fungiert!

Mehr dazu:

https://coconkulturwien.wordpress.com/

https://coconkulturwien.wordpress.com/cocon-zu-gast-bei-manuskripte/

Alles Gute weiterhin, liebe Asli Erdoğan, liebe Leute von Cocon! Und danke für das nette Gespräch!

„kaspar aus stein“ (manuskripte 222)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 16. Dezember 2018

Mein eigener Beitrag zu Heft 222 der manuskripte:

Laure Gauthier: kaspar aus stein
Aus dem Französischen von Andreas Unterweger

Die poetische Erzählung kaspar de pierre wurde seit ihrem Erscheinen 2017 im Verlag La Lettre volée in positiven bis hymnischen Rezensionen gefeiert, für mehrere Preise nominiert und in Genf szenisch aufgeführt.

Als Bearbeitung des Kaspar Hauser-Mythos weist der Text zahlreiche Bezüge zur deutschen Sprache im Allgemeinen und zur österreichischen Literatur im Besonderen auf – man denke nur an Peter Handkes Drama Kaspar. Die 1972 geborene Pariserin hat sich sowohl als Dichterin als auch als Literaturwissenschaftlerin intensiv mit Elfriede Jelinek und ihren österreichischen GenerationsgenossInnen auseinandergesetzt.

 

Hier die Anfänge der Übersetzung: Leibnitz, Sommer 2018 …

Lesen Sie hier den Beginn des in den manuskripten abgedruckten Auszugs aus kaspar aus stein!

Bestellen Sie hier die manuskripte 222!

Laure Gauthier lebt in Paris und schreibt wunderbar eigensinnige Gedichte, Erzählungen und Libretti. Mehr, auch über kaspar aus stein, auf ihrer (auch deutschsprachigen) Homepage: laure-gauthier.com/de
2015 habe ich ihr Theaterstück marie weiss rot für die manuskripte besprochen: „Übersetzen. Schreiben. Lesen“.
2016 erschien in manuskripte 215 meine Übersetzung eines Textausschnitts aus Gauthiers aktuellem Buch, je neige (entre les mots de villon) (Lanskine 2018).
Dank eines Werkzuschusses der Literar Mechana werde ich das ganze Buch kaspar aus stein übersetzen können – herzlichen Dank, Literar Mechana!

 

manuskripte 222 – Präsentation

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 22. November 2018

Nachtrag zum Termin:
21.11.2018, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 222.
Mit Lesungen von Arnold Stadler und Andrea Winkler. Schauspielerin Susanne Konstanze Weber liest Lyrik von Kornelia Koepsell, Ursula Krechel und Max Sessner. Schauspielhaus Graz, Haus 3, 8010 Graz. Eintritt und Wein frei.

Titelbild: Jack Bauer, aus der Serie „Schäferstündchen“, 2018.

 

222 – eine magische Nummer, ein magisches Heft, eine magische Präsentation!

Hier die wichtigsten Stationen des Abends im Schnelldurchlauf: Ilse Amenitsch von ORF Steiermark hat ihr Mikrofon platziert: am 22.11., 18:30,und am 2.12., 22:00, auf ORF Radio Steiermark zu hören.

Ich spreche über das Heft, den Begriff der Offenheit, die „Weltreise der Literatur“, die die aktuelle Ausgabe der manuskripte antritt (s.u.) und stelle die ProtagonistInnen des Abends vor:

Arnold Stadler liest seinen Beitrag, „Am Kilimandscharo. Unterwegs zu einer Erzählung“:

Andrea Winkler las ihren Beitrag: „An einem Tag wie keinem“:

Schauspielerin Susanne Konstanze Weber las Lyrik von Kornelia Koepsell, Ursula Krechel und Max Sessner:

Anschließend: Après-Poesie mit vielen Freundinnen und Freunden! Alfred Kolleritsch, Gründer und Herausgeber der manuskripte, war zwar leider aus gesundheitlichen Gründen verhindert, aber durch seine Präsenz in jeder Anekdote mittendrin im Geschehen!

Arnold Stadler

Andrea Winkler, Franz Weinzettl

Heft 222 der manuskripte lässt sich hier bestellen: bestellung@manuskripte.at oder http://www.manuskripte/webshop

 

Pressetext der manuskripte 222:

Weltreise der zeitgenössischen Literatur

 

Alle, die angesichts des mild, aber doch heranrückenden Winters das Fernweh packt, können mit der aktuellen Ausgabe der manuskripte im Kopf verreisen:

Folgen Sie Arnold Stadler zum Kilimandscharo und an andere Sehnsuchtsorte, streifen Sie mit Leopold Federmair durch die „Gegend von Takehara“ (in Japan), mit Rosa Pock durch „die stadt der müßiggänger“ oder schauen Sie mit Jan Volker Röhnerts Gedichten durch „Teheran-Fenster“. Die ganze Ambivalenz des Exotischen zeigt sich in Milena M. Flašars Erzählung „Ferngespräch“, die sich auf die Spuren von Exilanten begibt – von der Kaspar-Hauser-Variation der französischen Avantgarde-Dichterin Laure Gauthier ganz zu schweigen.

 

Ebenso buntgemischt wie hochkarätig die Liste der BeiträgerInnen aus insgesamt sechs Ländern:

Internationalen Literaturstars wie Büchner-Preisträger Arnold Stadler oder Ursula Krechel (Dt. Buchpreis 2016) stehen neben nationalen Größen wie Milena Michiko Flašar (Österr. Buchpreis Shortlist 2018), Andrea Winkler oder Lydia Mischkulnig und Newcomern wie der Grazerin Silvana Cimenti (manuskripte-Förderpreis der Stadt Graz 2018). Die Germanistin Alexandra Millner bespricht Thomas Antonics Wolfgang Bauer-Biografie, Literaturhauschef Klaus Kastberger Flašars Roman „Herr Kato spielt Familie“.

Und mit Rui Nunes präsentieren die manuskripte 222 auch eine überraschende Neuentdeckung: Der arrivierte portugiesische Autor lebt seit Jahren vom hiesigen Literaturbetrieb unbemerkt in St. Pölten. Die Prosastücke in den manuskripten 222 sind seine erste Publikation in Österreich.

 

Bleiben Sie weltoffen – lesen Sie die manuskripte!

 

AutorInnen der manuskripte 222:

Thomas Ballhausen
Xaver Bayer
Ruth Johanna Benrath
Silvana Cimenti
Jan Decker
Leopold Federmair
Milena Michiko Flasar
Laura Freudenthaler
Laure Gauthier
Jörg Hannemann
Ingeborg Horn
Daniel Jurjew
Günther Kaip
Klaus Kastberger
Kornelia Koepsell
Ursula Krechel
Elke Laznia
Alexandra Millner
Lydia Mischkulnig
Boris A. Novak
Rui Nunes
Mario Oppelmayer
Christine Pitzke
Rosa Pock
Jan Röhnert
Max Sessner
Cordula Simon
Arnold Stadler
Christian Steinbacher
Andrea Winkler

Buch Wien 2018: manuskripte-Meet and Drink

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 17. November 2018

Nachtrag zum Termin:
09.11.2018, 15:00, Andreas Unterweger bewirtet manuskripte-AutorInnen und -AbonnentInnen (und solche, die es werden wollen) beim manuskripte-Meet and Drink auf der Buch Wien mit südsteirischem Weißwein und der besten Information, wie es mit der Literatur weitergeht. Stand der Verlage Droschl und Residenz, C19, C21.

Eine Buch Wien ohne manuskripte-Meet and Drink wäre wie Wien ohne …

… den Eiffelturm!

Deshalb wurde die seit dem Jahre 17 unseres Jahrhunderts bestehende Tradition auch heuer fortgesetzt. Und tatsächlich stürmten die Autorinnen und Autoren, Abonnentinnen und Abonnenten, Freundinnen und Freunde der manuskripte (und solche, die es werden wollten [sprich: wurden!]) auch diesmal wieder den Droschl-/Residenz-Stand, an dem Helga Höhn und ich unsere Zelte in Form von Heften, Flaschen und Grazer Königstalern aufgeschlagen hatten.
Hier ein paar kleine Ausschnitte der regen Betriebsamkeit:

Max Droschl, Daniela Strigl
(wie in der Folge: v.l.n.r.)

Tadeja Lackner, Verena Stauffer, Fridolin Stauffer

Almut Tina Schmidt

Andreas Unterweger, Heinz Fischer, Daniela Strigl

Helga Höhn

Anna Baar

Karin Rick

Helga Höhn, Karin Rick und Heide Schmidt (beim Kauf eines guten Droschl-Buchs)

Sebastian Raho

Andreas Unterweger, Frédéric Beigbeder, Thomas Stangl

Herbert J. Wimmer

Helga Höhn und Andreas Unterweger auf der Buch Wien Party

Wir danken allen fürs Kommen! Bis zum nächsten Mal!

Und für diejenigen, die zwar Abo-Karten mitgenommen haben, sie aber im prall gefüllten Messe-Sack nicht mehr wiederfinden: ein manuskripte-Abo kann man auch online bestellen: http://www.manuskripte.at/webshop/ – 4 x 150 Seiten mit der besten Information, wie es mit der Literatur weitergeht – um nur 29,70 Euro (innerhalb Österreichs).

 

Augsburger Rauchzeichen 2018

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 21. Oktober 2018

Nachtrag zum Termin:
18.10.2018, Andreas Unterweger liest Gedichte bei den „Augsburger Rauchzeichen“. Außerdem lesen: Michael Hammerschmid und Verena Stauffer. Brechthaus, Auf dem Rain 7, 86152 Augsburg (D).

Vielen Dank an die lieben Kuratoren und Organisatoren der „Augsburger Rauchzeichen“, allen voran dem Lyriker Max Sessner und dem Buchhändler Kurt Izidrovic, für den sowohl literarisch als auch menschlich gelungenen Abend im Geburtshaus Bertolt Brechts!

Wir österreichischen (manuskripte-)Dichter haben uns jedenfalls wohlgefühlt:

(c) Verena Stauffer

Ich selbst habe das Gedicht „Kabul“ und die beiden Zyklen „Fünf Freunde“ und „Die Eltern“/“Der Vater“/“Die Mutter“ gelesen.

Hier die Reise als Fotofibel:

Tag 1

Hinfahrt:

Grandhotel Cosmopolis Augsburg:

Hotellobby:

Hotelzimmer:

Ausblick:

Der Dichter …

… ins Brechthaus:

Backstage:

Publikum (u. a. mit dem Lyriker Gerald Fiebig, 1. Reihe rechts):

Michael Hammerschmid liest:

Verena Stauffer liest:

Ich lese:

Mit Brecht:

(c) Verena Stauffer

Mit Brechts:

Mit Brechts Haus:

(c) Verena Stauffer

Tag 2

Hotelzimmer:Ausblick:

Stadtbücherei:

Brechtshop (in der Buchhandlung am Obstmarkt):

Dinkelscherben:

Puppenkiste?

Rückfahrt:

 

Glückliche Wiederkehr:

Danke, liebe Freundinnen und Freunde in Augsburg, für die schöne Zeit!
Wenn ich in die Augen schließe, gehe ich immer noch in Augsburg herum, und es macht gar nichts, dass ich mich, immer noch, ständig verirre.

„Kabul“ und weitere Gedichte (manuskripte 221, grazkunst)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 18. Oktober 2018

Während ich auf dem Weg nach Augsburg bin, um dort gemeinsam mit Michael Hammerschmid und Verena Stauffer Gedichte vorzulesen, ist in zwei Grazer Kunstzeitschriften folgende lyrische Parallelaktion zu beobachten:
Mein Gedicht „Kabul“ findet sich sowohl in manuskripte 221 (auf Wunsch von Alfred Kolleritsch) als auch in grazkunst, der Zeitschrift der Kunstuniversität Graz, deren aktuelle Ausgabe dem Thema „Begehren“ gewidmet ist (mit Beiträgen von Robert Menasse, Robert Pfaller, Beat Furrer u.a.m.).

„Kabul“ variiert ein bekanntes Übersetzungsproblem aus dem Koran – angeblich sind mit den „Huris“, die im Paradies auf Märtyrer und andere Gerechte warten, gar keine Jungfrauen gemeint, sondern Weintrauben …
In den manuskripten wird „Kabul“ von den Gedichten „Qikiqtaq“ und „An einen, den ich kannte“ begleitet – Reaktionen auf Berichte über die Franklin-Expedition und (ein Gedicht von) Charles Bukowski.

 

 

 

 

 

Kabul

 

1

 

Wenn der Frühling kam, war wieder Krieg,

und wir achteten darauf, dass wir die Sonne,

wie wir es gelernt hatten, immer im Rücken

 

hatten. Auf den Terrassen all der Teehäuser

auf den Kabuler Boulevards besetzten wir

immer dieselben Plätze (die mit dem Rücken

 

zur Sonne), so dass für all die Mädchen, die,

damals noch, täglich ins Teehaus kamen, nur

noch die anderen, die in der Sonne, blieben.

 

Während die Mädchen somit, um uns sehen

zu können, gegen das Licht blinzeln mussten,

konnten wir die Mädchen ansehen, ohne zu

 

blinzeln. Und während sie die Augen, wegen

der Sonne, bald ganz geschlossen hielten (so

dass es uns, in ihren Augen, eigentlich nicht

 

mehr gab), gab es für unsereins, wenn er auf

diese Weise (großäugig) ein Mädchen ansah,

nichts, was mehr da war (nichts mehr, was da

 

war?) als sie … Ihre Haut war so hell, dass

man das Mark in ihren Knochen sah … Ein

Tuch auf ihrem Haar war besser als die Welt.

 

 

 

 

 

2

 

Für sie zu sterben war das Mindeste. Doch

mindestens genauso gut war es, hier so, die

Sonne hinter uns, zu sitzen, und die Mädchen

 

anzusehen … Wie sie so dasaßen, die Sonne

im Gesicht, die Augen (schwarz umrandet)

zu, musste ich jedes Mal wieder – das weiß

 

ich noch – an Weintrauben denken … Nicht

an Korallen, Perlen und Rubine, sondern an

Trauben, Weißweintrauben, solche mit sehr,

 

sehr hellem Fleisch … Aber in Wirklichkeit,

schon klar, waren es keine Trauben (oder

Korallen, Perlen und Rubine), die wir sahen,

 

sondern nur: Mädchen – Mädchen mit sehr,

sehr weißen Lidern, Mädchen, weiß von dem

Sonnenlicht, in dem sie saßen, warm von der

 

Sonne, und die Augen zu … Es waren weiße,

kristallklare Trauben. Alles, vom Himmel

bis zum Boden, war von ihrem Duft erfüllt.

 

 

 

 

 

 

 

3

 

Von uns aus hätte es bis in alle Ewigkeit so

(Teehaus-Terrasse, Sonne, Mädchen in der

Sonne) weitergehen können, aber: so ging es

 

eben nicht, nicht hier bei uns, hier in Kabul,

schon gar nicht hier, bei uns, in Kabul, wenn

der Frühling kam … Wenn der Frühling kam,

 

war wieder Krieg, und im Krieg sah man

keine Mädchen, konnte das nicht, wie auch,

sondern starb für sie – das war (das wussten

 

wir, die wir damals dort saßen, auch) der

Krieg: Wir starben für Mädchen, die es gar

nicht gab … Es gab ja nur das Teehaus und,

 

in der Sonne dort, die Mädchen. Wir sahen

die Gesichter, hell und: unsagbar klar … Was

sich in ihnen spiegelte, erleuchtete die Welt.

 

 

 

 

 

Qikiqtaq

 

1

 

Damals hatten wir jede Menge Schnee –

damals gab es das noch: richtige Winter!

–, und es lief gut für uns, richtig gut (All

 

well), lief wie auf Kufen, nein, wirklich

auf Kufen: unser Beiboot nämlich, das

wir mit Seifen und mit Seidentüchern,

 

Haarbürsten, Bibeln und goldenen Uhren

bis über die Freibordkante hoch beladen

hatten. Damals gab es das noch: echtes

 

Gold, wir verwendeten Taschentücher

aus Naturseide, und jeder von uns besaß

seine eigene mechanische Uhr … Heute

 

noch finden sich (haufenweise!, alles

echtes Handwerk!) unsere Schiffsöfen,

Schaufeln, Eispickel und Ruder auf dem

 

Archipel. Von ihr, der Großen, unserer

Pyramide, die wir aus Konservendosen

(erst ausgelöffelt, dann mit Kies befüllt)

 

errichtet hatten, ganz zu schweigen. Die

Dosen waren aus echtem, englischem

Zinnblech. Verlötet mit: reinstem Blei.

 

 

 

 

 

2

 

Denn darum geht es doch, nicht? Spuren

zu hinterlassen. Und ich meine nicht die

des Schlittens im Schnee. Ich spreche

 

von etwas anderem, Größerem … Und

sei es nur eine Line Earl Grey, Type für

Type übers Eis verstreut, ein Formblatt

 

unter einem Stein: so was setzt doch auf

jeden Fall ein Zeichen – und wenn dieses

unleserlich ist wie das Tagebuch eines

 

Maats … Ihr, habgierig, hinterhältig und

grausam, mit eurer Vorliebe für Blut und

Walfischspeck, könnt das natürlich nicht

 

begreifen. Doch wahrlich, ich sage euch:

Wer nicht vergessen werden will, muss

Spuren legen … Schnitte setzen … Und

 

sei es mit einem Messer – aus echtem

Silber, versteht sich, mit Monogramm –

auf Johns Oberarmknochen … John,

 

der den Schlitten zog wie ein Ochse. Ein

waschechter englischer Fleischberg von

Ochse. Der trotz des Hungers gut schlief.

 

 

 

An einen, den ich kannte

 

 

Wie all meine autobiografischen Gedichte / ist auch dieses hier an

jemanden gerichtet / den ich in Wahrheit nie kennengelernt habe

 

Nur seine schiefgelatschten Schuhe / kannte ich, & wie es ist, mit

einem Koffer aus Papier / in eine Stadt zu kommen, wo es regnet

 

& nichts im Bauch zu haben als Sehnsucht / nach einem ruhigen

Zimmer, billigem Rotwein / Zigaretten, Sinfonien von Brahms &

 

einer Schreibmaschine, die noch durchhält / eine letzte Nacht …

Von allen Schreibmaschinen in der Hölle / war deine die heißeste

 

die, von der selbst einer wie du / immer wieder schnellstmöglich

die Finger lassen musste / wohl deshalb hacktest du so auf sie ein

 

Wenn deine Hinterhofboxerfäuste / die Tasten schlugen, schlugen

Flammen daraus / zumindest stellte ich mir das damals oft so vor

 

Du warst ein Dichter, ich / ein Junge, aber nicht zu jung für diese

Art Brand, noch heute / hüte ich seine Nester unter nassem Papier

 

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