Andreas Unterweger

„Wortnetze, in denen man sich gern verfängt“ (Kleine Zeitung v. 12.11.17)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 12. November 2017

Am 12.11.2017 in der Kleinen Zeitung: meine Rezension zum Gedichtband „Im Ausgehorchten“ von Hans Eichhorn, rotahorn-Preisträger 2017 – eine Hommage.

Erst der veröffentlichte Artikel …


… dann die Originalversion:

Die Stille ist ein Tun geworden

Die Gedichte des rotahorn-Preisträgers Hans Eichhorn schöpfen aus dem Schweigen

Die am lautesten schreien, sind nicht zwangsläufig jene, die am meisten Aufmerksamkeit verdienen. Diese alte Rotkreuz-Weisheit lässt sich glatt auf den Literaturbetrieb übertragen. Zu den so genannten „Stillen im Land“, die von den Literaturkritik-Sanitätern in ihrer täglichen Aufregung oft sträflich übersehen werden, zählt Hans Eichhorn.

Der 61-jährige Oberösterreicher erlebte den wohl größten medialen Hype um seine Person erst kürzlich, in diesem Sommer. Der im Zweitberuf als Fischer tätige Autor hatte, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz, sein in den 90ern verlorenes Geldbörsel aus dem Attersee geangelt. Selbst Boulevardblätter berichteten. Um die knapp 30 Prosa- und Lyrikbücher, die er in den Jahrzehnten davor veröffentlicht hat, war es dagegen medial vergleichsweise still geblieben …

Die Stille, wenngleich eine ganz andere, wesentlichere, prägt auch Eichhorns jüngste Publikation, den Lyrikband Im Ausgehorchten. „Und plötzlich ist es still“, hebt etwa ein typisches Gedicht an, „Fast ein Atemanhalten und der Sinuston in den Ohren“ ein anderes, oder: „Die Stille des Hauses nimmt dich in ihre Mitte“.

Wie bei John Cage ist auch die Stille in Hans Eichhorns Gedichten nicht mit der Abwesenheit von Geräuschen gleichzusetzen. Sie bezeichnet vielmehr den Zustand einer gesteigerten Aufmerksamkeit, eine Bewusstseinsveränderung, durch die das lyrische Ich nicht unbedingt immer zur Ruhe, aber doch zu sich kommt. Die zumeist nächtliche Stille ist jener See, aus dem der Dichterfischer, „die Ohren […] geräuschgespitzt“, seine Sprachbilder holt. Titelgebend wird sie zum „Ausgehorchten“, zum Be- und Erschriebenen: „Und die Stille ist ein Tun geworden“, „erschwiegen die Schrift“.

Geräusche der Außenwelt (Autos, die Schreie der Blässhühner oder, um „Punktfünfuhrsiebzehn“, die Katze) verbinden sich mit nachwirkenden Skurrilitäten des öffentlichen Diskurses und dem permanenten inneren Lärm (Erinnerungen, Selbstgespräche, Zweifel …) zu meist kurzen, unprätentiös konzipierten Meditationen von poetischer Vieldeutigkeit – „nur nicht mit Logik die Sache verderben“. Beeindruckend, wie der Autor sein reduziertes Motivinventar immer wieder neu zu arrangieren vermag. Und wie er daraus dichte Wortnetze webt, in denen man sich beim Lesen gerne verfängt.

Am 13.11. bekommt Hans Eichhorn den von Saubermacher-Gründer Hans Roth gestifteten rotahorn-Preis verliehen. Die Jury (Alfred Kolleritsch, Barbara Frischmuth, Reinhard P. Gruber, Werner Krause) würdigt in ihm den „getriebenen Sprachwerker, der Fische aus dem Attersee und Wörter aus der Möglichkeitskiste zieht“. Die festliche Preisverleihung findet in der Steiermärkischen Landesbibliothek statt. In aller gebotenen Stille – es könnte also laut werden!

*

Mit bestem Dank an Werner Krause für die professionelle und herzliche Betreuung/Zusammenarbeit!

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manuskripte 217 – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 30. September 2017

Alfred Kolleritschs und meine Marginalie zu Heft 217 (!) der manuskripte, das am 28.09., im Kulturzentrum Minoriten beim Lesefestival „Hoffnung als Provokation“ (feat. Steirischer Herbst), präsentiert wurde.

 

Marginalie

 

Es kommt selten vor, dass Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften eine Bedeutung erlangen, die über die jedem gegönnten Freuden der Selbst-, Leser- und Verlagsfindung hinausgeht. Umso bemerkenswerter, wenn es doch geschieht: „I have been so proud of the fact that two of my articles have been published in manuskripte back in 2013 that I included it in my official court defense!“, schrieb uns die in der Türkei aus politischen Gründen inhaftiert gewesene Autorin Asli Erdogan nach ihrem Gerichtsprozess, bei dem sie – wir hoffen, nicht nur vorläufig! – freigesprochen wurde.

 

Befreiende Wirkungen wünschen wir auch jenen Texten, die unter dem Titel „Hoffnung als Provokation“ in diesem Heft versammelt sind. Renommierte Autorinnen und Autoren aus internationalen Krisengebieten, darunter eben auch Asli Erdogan, werfen poetische bis essayistische Perspektiven auf den Begriff der Hoffnung. Dieser Sonderteil ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum bei den Minoriten, dem Internationalen Haus der Autoren in Graz und, nach exakt 10 Jahren Pause, auch mit dem Steirischen Herbst. „Die Kunst hält ihre Hand hin, / der herbst schnipselt daran!“* Möge die Maniküre gelingen!

 

Gewohnt struwwelpetrig freilich der Hauptteil unserer Ausgabe 217, in der sich – neben mehreren manuskripte-Vertrauten (Ilma Rakusa, Olga Martynova, Angelika Reitzer …) und Entdeckungen (Georg Leß, Christian Lange-Hausstein …) – nach langen Jahren des Schweigens erfreulicherweise auch ein neuer literarischer Text von Bettina Galvagni findet.

 

A.K./A.U.

 

manuskripte 217 – Präsentation

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 29. September 2017

Nachtrag zu:

28.09.2017, 18:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 217 beim Literaturfestival „Hoffnung als Provokation“ im Rahmen des 50. steirischen herbstes. Es lesen Asli Erdogan, Radka Denemarkova, Jazra Khaleed. Im weiteren Verlauf des Abends lesen: Hamed Abboud, Ghayat Almadhoun, Fiston Mwanza Mujila, Serhij Zhadan, Shumona Sinha, Alexander Ilitschewski . Minoritensaal, Kulturzentrum bei den Minoriten, Mariahilferplatz 3, 8020 Graz.

Große Freude mit der Präsentation der manuskripte 217, die gestern, am 28.9., im vollen großen Minoritensaal im Kulturzentrum bei den Minoriten, das Lesefestival „Hoffnung als Provokation“ (feat. Steirischer Herbst) eröffnete.

Berührendes, Kluges, exzellente Dichtung, packende Leseperformances und intensive Diskussionen ließen den langen, über zwei Bühnen laufenden Abend kurz und Hoffnung als etwas tatsächlich nicht allzu Provokant-Vermessenes erscheinen.

Im Namen der manuskripte danke ich allen Institutionen und Personen , die diesen gelungenen Abend mitorganisiert haben, insbesondere Birgit Pölzl (Kulturzentrum bei den Minoriten), Luise Grinschgl (Kulturvermittlung Steiermark) und Thomas Wolkinger (FH Joanneum).

 

Hier der Facebook-Bericht der manuskripte mit Fotos der ProtagonistInnen des Abends.

Oder …

Ich spreche im Namen der manuskripte über die manuskripte – und überbringe Grüße von Alfred Kolleritsch.

 

 

Mehr zu „Hoffnung als Provokation“.

 

Das Inhaltsverzeichnis der manuskripte 217:

 

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Literatur im Werk XIV – PK

Posted in Das gelbe Buch, manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 25. August 2017

Gestern in Draxlers Büchertheke in Leibnitz:
Pressekonferenz im Hinblick auf die kommende manuskripte-Lesung …

16.09.2017, 19:00: Alfred Kolleritsch, Valerie Fritsch, Angelika Reitzer und Andreas Unterweger lesen bei Literatur im Werk XIV. Mit Klezmer-Musik von ADANA und Buffet. Werkstatthalle der Fa. PEUGEOT – SUZUKI Marko, Kapellenweg 8, 8430 Leibnitz.

V.l.n.r.: Alfred Kolleritsch, Andreas Unterweger, Helga Höhn, Erwin Draxler.

Die anwesenden Damen und Herren von der Presse waren ausgezeichnet und die Schinkenkipferln sehr interessiert – nein, umgekehrt – jedenfalls danke!

Wir freuen uns auf das legendär zahlreiche und stürmische Leibnitzer Publikum!
Nähere Informationen hier:

Und hier zwei der Pressereaktionen:

Bettina Kuzmicki in der Kleinen Zeitung v. 25.08.

 

Eva Heinrich auf meinbezirk.at v. 24.08.

Offener Brief an Europa

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 24. August 2017

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

 

nächste Woche besuche ich folgende Veranstaltung – kommt doch auch!

 

Offener Brief an Europa

Diskussionsveranstaltung mit Angelika Reitzer*, Aleš Šteger und Stefan Hertmans

Dienstag, 29.8.2017, 19:00 Uhr

Veranstaltungssaal der Steiermärkischen Landesbibliothek, Kalchberggasse 2 / Joanneumsviertel, 8010 Graz

Steiermärkische Landesbibliothek in Kooperation mit   manuskripte-3

Alle weiteren Informationen finden sich in der unten stehenden Aussendung von Katharina Kocher-Lichem, der Leiterin der Steiermärkischen Landesbibliothek.

Nur dies vorweg:

„Der offene Brief an Europa“ von Stefan Hertmans ist ein wunderbar geschriebener, tatsächlich „poetischer“ Essay über Europa und die wichtigen Fragen, denen es sich heute gegenübersieht. Hier letzten Samstag in der FAZ.

Aleš Šteger (Mitte) …

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… und Angelika Reitzer, die dankenswerterweise statt der erkrankten Radka Denemarková am Gespräch teilnehmen wird …

Angelika Reitzer, Andreas Unterweger

… sind langjährige manuskripte-Autoren und nicht nur als solche ein Hit.

Und nachdem es sich bei der Veranstaltung um eine Art Außenstelle des Festivals „dnevi poezije in vina – days of poetry and wine“ in Ptuj handelt, darf man sich wohl auch auf die berühmte slowenische Gastfreundschaft freuen!

Bis Dienstag!

Gesendet: Mittwoch, 23. August 2017 um 14:12 Uhr
Von: „Kocher-Lichem Katharina“
An:  alle
Betreff: Diskussionsveranstaltung „Offener Brief an Europa“, LB, 29.8., 19 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde der Landesbibliothek!

Am Dienstag, 29. August, wird um 19 Uhr in der Steiermärkischen Landesbibliothek der „Offene Brief an Europa“, eine Initiative des slowenischen Lyrikfestivals „Tage der Poesie und des Weines“ („dnevi poesije in vina“) präsentiert. Der „Offene Brief an Europa“ ist ein neuer Part des Festivals, der nun jedes Jahr von einem namhaften Festivalautor verfasst werden soll – 2017 ist es der flämische Autor Stefan Hertmans.

Andreas Unterweger von den manuskripten wurde gebeten, für diesen „Offenen Brief an Europa“ auch eine internationale Plattform zu suchen. Der „Offene Brief“ (siehe Link unten) wird nun heute um 20.30 Uhr im Rahmen des Festivals in Ptuj präsentiert, am 29.8 um 12 Uhr in Zagreb und am 29.8. um 19 Uhr in Graz an der Landesbibliothek.

Gemeinsam mit den manuskripten lädt die Landesbibliothek daher herzlich zur Diskussion „Offener Brief an Europa“!

 

Offener Brief an Europa

Diskussionsveranstaltung mit Radka Denemarková, Aleš Šteger und Stefan Hertmans

 

Dienstag, 29.8.2017, 19:00 Uhr

Im Veranstaltungssaal der Steiermärkischen Landesbibliothek,
Kalchberggasse 2 / Joanneumsviertel
8010  Graz

Das Festival Tage der Poesie und des Weines, eines der angesehensten mitteleuropäischen Lyrikfestivals, verwirklicht als einen Festivalschwerpunkt 2017 in Zusammenarbeit mit der Allianz Kulturstiftung Berlin das Projekt Offener Brief an Europa. Im August 2017 wird im Zuge des Festivals die erste Edition des Briefes vorgestellt, mit dem Versuch einen Appell an Europa und die Welt zu senden und ihnen dadurch die Sprache der Kunst zurückzubringen –  sinnreich, subtil und penibel. Möglicherweise ergeht es Europa nicht gut, da es aufhörte auf die Sprache der Lyrikerinnen zu hören und anfing in einer Sprache von Kommentaren zu brüllen? Die künstlerische Leitung des Festivals wird künftig jedes Jahr eine(n) Dichter(in) auswählen und damit eine Möglichkeit schaffen an Europa zu appellieren und ein Problem anzusprechen, dass ihr oder ihm am dringlichsten erscheint.

Den ersten Offenen Brief an Europa wird der flämische Autor Stefan Hertmans verfassen, eine der hervorragendsten Stimmen zeitgenössischer Literatur, Lyriker, Essayist, Novellist und Intellektueller, der aus dem Land kommt, dessen Hauptstadt als Synonym für Europa gilt. Erstmals wird er bei der Eröffnung des Festivals Tage der Poesie und des Weines vorlesen und am Dienstag, den 29. August 2017, um 19 Uhr in der Landesbibliothek Graz zu Gast sein.

  • Begrüßung und einleitende Worte von Aleš Šteger
  • Stefan Hertmans liest den Brief vor
  • Gesprächsrunde mit Mag. Stefan Börger (Leiter des Europareferates des Landes Steiermark) und den Autoren Stefan Hertmans und Radka Denemarková

Der Link zum Festival: http://www.versoteque.com/en/2017/

Und der Link zum „Offenen Brief an Europa“: http://www.readcentral.org/uploads/files/open-letter-to-europe_stefan-hertmans_translated-by-donald-gardiner_za-splet.pdf

Der Besuch der Veranstaltung ist kostenlos.

Ich freue mich über zahlreiches Interesse!

 

Mit freundlichen Grüßen

Katharina Kocher-Lichem

 

Mag. Katharina Kocher-Lichem
Leitung Steiermärkische Landesbibliothek

Amt der Steiermärkischen Landesregierung –
Abteilung 9 Kultur, Europa, Außenbeziehungen

Joanneumsviertel
Kalchberggasse 2, 8010 Graz

 

 

Ein magischer Abend! (manuskripte 216)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 23. Juni 2017

Nachtrag zu dem Termin: 21.06.2017, 19:00, Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die manuskripte 216. Es lesen Hans Eichhorn, Erwin Einzinger, Björn Treber und Schauspielerin Susanne Konstanze Weber. Schauspielhaus Graz, Haus 3, 8010 Graz.

 

Mehr als nur Zahlenmagie war im Spiel, als Alfred Kolleritsch und ich gestern, am 21.6. die Nummer 216 (!) der manuskripte präsentierten …

*

Von allen hitzigen Geistern der Sommersonnenwende befeuert, entwickelte sich ein sowohl literarisch als auch stimmungsmäßig zauberhafter Abend, der in ein großes, fröhliches Beisammensein unter freiem Sternenhimmel mündete.

Unser Dank gilt dem so zahlreichen Publikum, das sich von Hitze, trickreicher Vorberichterstattung in punkto Beginnzeit und attraktiver Konkurrenz nicht beirren ließ.

 

Eine kleine Chronologie in Bildern (alle mit * von Julian Kolleritsch – danke!):

*

Ich spreche über das Datum und das Heft – das, wie immer, mit nichts als Highlights gespickt ist, darunter Texte von Elfriede Jelinek, Yoko Tawada und Friederike Mayröcker – nicht zu vergessen unsere aktuelle Debütantin Anna-Sophie Fritz und der wegweisende Essay von Harald Miesbacher über Werner Schwabs literarische Anfänge.

Herzlichen Dank für dieses Video an den unermüdlichen Kamera-/Eckermann des Grazer Literaturlebens, Edwin Rainer alias VOICEINSPIRATION!

Björn Treber liest mit „In Weintriebs Haus“ einen Text, der aus demselben Romanprojekt stammt wie jener, den er in Bälde beim Bachmannpreis in Klagenfurt vorlesen wird:

„Du erfindest ja andauernd Gefährdungen, denen wir gar nicht ausgesetzt sind.“

*

Autor, Fischer und Maler (s. Titelbild!) Hans Eichhorn liest aus seiner literarischen Bewusstseinsreise „Verlockung“ – „Die Hoffnung, Wörter, Sätze mögen sich beinahe selbst formulieren.“

*

Erwin Einzinger liest aus seinen wie immer vor grenzgenialen Bildern überbordenden Prosagedichten „Ein Strahl nahezu unverfälschter Freude“ – „Hey, kleiner aufschraubbarer Bleistiftspitzer in einer blauen Globuskugel aus zartem Bakelit, komm, sei unser Gast!“

*

Alfred Kolleritsch, Hans Eichhorn und Schauspielerin Susanne Konstanze Weber lauschen Erwin Einzinger.

Susanne Konstanze Weber liest Gedichte von Valzhyna Mort und Michael Krüger – aus seinem neuen Gedichtband-Manuskript „Einmal einfach“.

(Herzlichen Dank auch für dieses Video, lieber Edwin Rainer alias VOICEINSPIRATION!)

*

Après-Poésie:

Die Herren Philipp Kolleritsch, Treber, Einzinger und Alfred Kolleritsch.

Weinzettl, Ehepaar Eichhorn, Miesbacher, Moysich.

Das manuskripte-Heft 216, fast alle anderen Ausgaben von 1960 bis heute und das höchst günstige manuskripte-Abonnement lassen sich wie immer bequem hier bestellen: http://www.manuskripte.at/webshop

 

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Björn Treber (Kleine Zeitung v. 25.05.17)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 26. Mai 2017

Gestern, am 25.05.17, in der Kleinen Zeitung, aber auch heute noch gültig: Mein Porträt von Björn Treber, Teilnehmer der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt 2017.

Hier ein Foto des Zeitungsartikels …

… und hier die ursprüngliche Fassung:

Mit vollem Risiko nach Klagenfurt

 

Den jungen Kärntner Björn Treber hat wohl kaum jemand als Teilnehmer beim Bachmann-Preis erwartet. Der Jury empfohlen wurde er von der Grazer Literaturzeitschrift manuskripte.

 

Wettkampfsituationen sind nichts Neues für Björn Treber. Schließlich galt der 24-jährige als großes Tennistalent. Drei Jugendstaatsmeistertitel und ein 7:1-Score gegen Dominic Thiem sprechen für sich. Seine Leidenschaft galt aber anderem: „Im Internat in der Südstadt bin ich um fünf Uhr aufgestanden, um zu lesen“, erzählt er. Kein Wunder, dass ihm für das Training bald die Kraft fehlte.

Die steckte er in den Sport namens Literatur … Nach Beginn eines Germanistik-Studiums in Graz schickte er seine Versuche an die manuskripte, wo ich damals schon als Redakteur arbeitete. Ich weiß noch, wie mir Alfred Kolleritsch erstmals einen Text „von diesem langen Kärntner“ über den Schreibtisch schob. Wir druckten die allzu expressiven Frühwerke zwar nicht ab, waren aber von der Hingabe und Lernwilligkeit ihres Autors beeindruckt.

In der Folge kam der junge Mann oft zu Text- und Lebensbesprechungen in die Redaktion, zahllose E-Mails gingen hin und her. Und einmal verkosteten wir gemeinsam Treberschnaps. „Bei den manuskripten“, meint er heute, „habe ich zum zweiten Studium immatrikuliert.“

In Heft 211 und 214 debütierte der Doppelstudent endlich mit Prosa: introspektiven Beobachtungen, die in jeder Formulierung um maximalen Ausdruck ringen. Dass Juror Stefan Gmündner ihn mit seinem Text Weintrieb für die Tage der deutschsprachigen Literatur nominiert hat, ist aber auch für Alfred Kolleritsch und mich eine Überraschung – eine erfreuliche!

Vor einem der groben Verrisse, für die das Wettlesen berüchtigt ist, zeigt Björn keine Angst. „Ich bin zwar etwas nervös, war aber schon beim Tennis ein Risikospieler!“, lacht er.

Vor Klagenfurt gibt Treber noch ein Heimspiel und liest bei der Präsentation der neuen manuskripte am 21.6., um 19:00, im Schauspielhaus Graz.

Björn Treber mit Alfred Kolleritsch …

… im Café König …

… und mit Treberbrand.

*

Mit bestem Dank für die gute Zusammenarbeit, lieber Werner Krause!

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manuskripte 215

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 5. April 2017

Nachtrag zum Termin:

30.3.2017, 19:00, Schauspielhaus Graz, Haus 3.
Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger präsentieren die 215. Ausgabe der manuskripte.
Antonio Fian und Marianne Jungmaier lesen ihre Beiträge aus dem Heft.
Schauspieler Daniel Doujenis liest Lyrik von Asli Erdogan, Robert Hass, Uta Gosmann und Jan Wagner sowie Prosa von Gerhild Steinbuch.
Eintritt und Wein frei. Heftkauf möglich!

Wie jede manuskripte-Präsentation war auch die erste dieses Jahres die absolut beste (zumindest in diesem Jahr)!

Besonders gefreut haben wir uns über die vielen neuen Gesichter im Publikum. Und die Lesungen waren tatsächlich exzeptionell gut.

Hier ein paar Streiflichter:

Ich erkläre das Heft, mit besonderer Berücksichtigung des Covers …

Dieses stellt eine Arbeit Gustav Trogers dar: „Infernoh“ (Foto von Ingrid Vien). Es zeigt Gustav Troger als „Spiegelmenschen“ (wie auf dem Cover unseres Heftes 197) beim Videodreh mit der Band Arcade Fire. Vgl. dazu:


Darüber die Akropolis, eine „Demokratie-Ruine“ (Troger).
Seitlich Zitate von George Grosz.

Antonio Fian liest neue Traumprosa:

„Man ahne ja nicht, in welchem Zustand die meisten Manuskripte abgeliefert würden […]“

Marianne Jugmaier liest aus ihrem entstehenden Roman „Zündlers Herz“:

„[…] dem tristen Dasein der Default World eins in die Fresse hauen.“

Schauspieler Daniel Doujenis, unser Publikumsliebling, mit fulminanten Darbietungen…

Besonders sein Vortrag eines Gedichtes Asli Erdogans und, zum Abschluss, der unglaublich starken Prosa „Friendly Fire“ von Gerhild Steinbuch gingen unter die Haut.

Weitere Highlights des Heftes:
Der lange, experimentelle Dialog „Die Galerie“ von Jürg Laederach, Fabjan Hafners letztes Geburtstagsgedicht an Alfred Kolleritsch, ein poetischer Frühlingsgruß von Friederike Mayröcker und ein Essay des algerischen Starautors Boualem Sansal über das Drama vergangener und aktueller kultureller Kolonialisierungen in Algerien.

Aber eigentlich ist es wie immer – und jeder einzelne Text der aktuellen Ausgabe ist auch eines ihrer absoluten Highlights. Deshalb hier das gesamte Inhaltsverzeichnis.

Die manuskripte 215 lassen sich – wie auch alle Abos, Auslandsabos und ältere Ausgaben – hier bestellen: http://www.manuskripte.at/webshop/

„Ich schneie“ (manuskripte 215)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 5. April 2017

Mein eigener Beitrag zu Heft 215 der manuskripte:

Laure Gauthier: Ich schneie (zwischen den wörtern villons)
Aus dem Französischen mit Unterstützung der Autorin von Andreas Unterweger

Laure Gauthiers intensiver, rhythmischer, zwischen intimer Lyrik und (Historien-)Drama zu verortender Text hat mir als Übersetzer viel abverlangt – neben der Hilfe der Autorin (merci beaucoup!) konnte ich mich auf Roland Girtlers Rotwelsch. Die alte Sprache der Gauner, Dirnen und Vagabunden und das ewige Deutsche Wörterbuch der Grimms verlassen.
Hier die Anfänge: die erste Arbeit in Leibnitz, Sommer und Herbst 2016 …

Lesen Sie hier den Auszug aus „Ich schneie …“ zur Gänze!

Bestellen Sie hier die manuskripte 215!

Laure Gauthier lebt in Paris und schreibt wunderbar eigensinnige Gedichte, Erzählungen und Libretti. Mehr auf ihrer (auch deutschsprachigen) Homepage: laure-gauthier.com/de
2015 habe ich ihr Buch „marie weiss rot“ für die manuskripte besprochen: „Übersetzen. Schreiben. Lesen“.

*

Besonders lesenswert diesmal auch das Inserat auf der so genannten „U3“ …

Simulakren„, der Gedichtband von Guillaume Métayer, den ich aus dem Frz. übersetzt habe, ist per E-Mail zu bestellen unter:
office@edition-yara.at

Ich freue mich auf mehrere gemeinsame Lesungen aus „Simulakren“ im Juni, wenn Guillaume als Styria Artist in Residence einen Monat lang in Graz leben wird:
9.6.17, 18:00, Büchertheke Draxler, Leibnitz.
12.6.17, 19:00, Landesbibliothek Steiermark, Graz.
22.6. (Genaueres folgt), Französisches Kulturinstitut, Ljubljana, Slowenien.

Der Besuch der jungen Leute

Posted in Das gelbe Buch, manuskripte, Tingeltangel-Tour, Wie im Siebenten by andreasundschnurrendemia on 8. Februar 2017

Volles Haus, oder genauer: volle manuskripte-Redaktion, als uns gestern, am 07.02.17, Schülerinnen und Schüler der 6., 7. und 8. Klassen des Akademischen Gymnasiums mit ihrem Deutsch-Lehrer Dr. Josef Buchegger besuchten.

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Die jungen Leute, die freiwillig (!) und nach Schulschluss (!!) zu Besuch waren, lauschten aufmerksam meinem Impulsvortrag über die manuskripte, stellten kluge Fragen und hatten auch mehrheitlich die richtige Antwort parat, als es darum ging, unter 2 Gedichten dasjenige zu erkennen, das Alfred Kolleritsch und ich in die nächste Ausgabe aufgenommen haben. (Ich habe die Texte ohne Nennung ihrer Autoren vorgelesen. Das gute Gedicht stammte aus Kornelia Koepsells Zyklus Die Wächter und ist in Heft 215 der manuskripte, die am 30.03.17, um 19:00, im Schauspielhaus Graz, Haus 3, präsentiert werden, nachzulesen.)

Die „Neigungsgruppe Deutsch“ (oder so ähnlich) beschäftigt sich in diesem Semester mit „Gegenwartsliteratur aus Graz“ (oder so ähnlich).

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Viktor Mutic (l.) und Akis Dakar haben ein Referat über Wie im Siebenten und Das gelbe Buch gehalten. Hier das Interview, das ich ihnen geben durfte:

Pakete austragen und Scherben aufsammeln

Andreas Unterweger im Gespräch mit Viktor Mutic und Akis Dakar

Welchen Bezug hast du heute noch zu deiner Heimatstadt Graz? Welche Bedeutung hat Graz für dich?

Ich bin im Sommer (2016) wieder in die Nähe von Graz gezogen, nach Leibnitz, und komme zurzeit drei bis vier Vormittage die Woche nach Graz, um bei der Literaturzeitschrift manuskripte zu arbeiten. Seit Herbst bin ich dort Mitherausgeber. D. h. ich wähle gemeinsam mit Alfred Kolleritsch, der die Zeitschrift 1960 gegründet hat, aus den vielen, vielen Einsendungen, die wir ins Büro bekommen, die besten Texte für unser jeweils nächstes Heft aus. Außerdem kümmere ich mich um den Facebook- und Twitter-Auftritt der manuskripte, bringe Pakete zur Post etc.

Ich bin also wieder Teilzeit-Grazer geworden. Das freut mich sehr, denn ich fühle mich immer noch, wenn schon als irgendetwas, dann als Grazer. Es ist „meine Stadt“, wie man sagt.

Was hat dich dazu bewogen, „Wie im Siebenten“ und „“Das gelbe Buch“ zu schreiben? Wieviel vom Inhalt beruht auf eigenen Lebenserfahrungen? 

Beide Bücher kamen sozusagen aus heiterem Himmel. Oder eher aus einem finsteren – beide Anfänge sind nach oder in schlaflosen Nächten entstanden, ohne dass ich einen Plan dafür entworfen hätte. Aber ich habe jedes Mal sofort gespürt, dass das etwas Größeres werden könnte als nur dieser eine Text. Dass sich da eine eigene kleine Welt auftut.

Autobiographisch, also so gut wie möglich eins zu eins aus meinen eigenen Erfahrungen übertragen, ist bei beiden Büchern v. a. die Geographie. Die Schauplätze viel mehr als die Figuren.

Zu Beginn von „Wie im Siebenten“ habe ich im siebenten Wiener Gemeindebezirk gewohnt, „Das gelbe Buch“ verklärt die Landschaft rund um St. Johann/Grafenwörth in Niederösterreich, wo ich anschließend neun Jahre lang gelebt habe.

Wobei „Wie im Siebenten“ natürlich provokant autobiographisch „tut“, mit der Hauptfigur des Schriftstellers „Andreas“, der sein erstes Buch schreibt usw. Das Buch zeigt aber auch gleichzeitig, dass es schwierig ist zu erzählen, wie etwas „in Wirklichkeit“ gewesen ist. Der Schriftsteller im Buch scheitert daran, so wie ich in Wirklichkeit (!) daran gescheitert bin. Aber indem von eben diesem Scheitern berichtet wird, gelingt es dem Buch hoffentlich doch, etwas Wirkliches herzustellen, in all seiner Brüchigkeit und Wandelbarkeit. Es erzählt autobiographisch, indem es erzählt, dass man nicht autobiographisch erzählen kann, könnte man sagen …

„Das gelbe Buch“ besteht hingegen nicht, wie viele glauben wollen, aus Erinnerungen an meine eigene Kindheit. Diese bilden nur einen geringen Teil (Aspekte der Großvater-Figur, die „Tomatensauce“-Verwechslung). Alle anderen Storys sind Erlebnisse, Beobachtungen und Einfälle, die mir in dieser heiteren Landschaft begegnet sind, oder Dinge, die ich aus anderen Büchern und Filmen in mein Buch geholt und für meine Zwecke umgebaut habe. Und zwar aus ganz unterschiedlichen Werken: Weltliteratur, Philosophie, Science Fiction, Bibel etc. Im Lauf der Zeit habe ich den Eindruck gewonnen, die Welt des „gelben Buchs“ sei älter als „Das gelbe Buch“ selbst. Etwas, das als Rohstoff da draußen schon vorhanden ist, und ich, der Dichter, bin jemand, der herumgeht, die leuchtenden Stücke (die Scherben?!) aufsammelt und sie neu zusammenfügt.

– Wie würdest du die beiden Bücher gegenüberstellen? Welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede haben sie deiner Meinung nach?

Die beiden Bücher haben den Tonfall gemeinsam, der in meinen Ohren ein fröhlicher, allen Zweifeln zum Trotz optimistischer ist. Beide Bücher entspringen der Freude, u. a. der über einen neuen Wohnort, neue Eindrücke – einmal Wien, einmal das Haus am Land.

Mit dem „gelben Buch“ habe ich direkt nach „Wie im Siebenten“ begonnen, also nach ca. einem Monat Pause, im Sommer 2008. Aus der Aufregung eines ersten Sommers am Land, aus einer großen Freude am Leben heraus. Es sollte mein zweites Buch werden und es fühlt sich für mich auch immer noch so an. Das Schreiben hat dann doch länger gedauert, weil ich zweimal Vater geworden bin und diese Erfahrungen in anderen Büchern verarbeitet habe (erst „Du bist mein Meer“, dann „Das kostbarste aller Geschenke“). In jenen Zeiten habe ich parallel an den Büchern gearbeitet, immer ein paar Monate am „gelben Buch“, dann am jeweils anderen. Das hat sich gut ergänzt und teilweise beeinflusst. „Du bist mein Meer“ ist eine ebenso legitime logische Weiterentwicklung von „Wie im Siebenten“ wie „Das gelbe Buch“: Gleichzeitig passt „Das gelbe Buch“ genauso gut auf „Das kostbarste aller Geschenke“ wie es auf „Wie im Siebenten“ gepasst hätte.

Für mich sind beide Bücher gelb. „Wie im Siebenten“ hat freilich einen deutlichen meer- bis nachtblauen Schattenstreifen im Bild.

*

Vielen Dank für den netten Besuch!