Andreas Unterweger

rotahorn-Preis-Verleihung 2020

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 5. Juli 2021

Herzlichen Glückwunsch zum rotahorn-Preis 2020, liebe Nava Ebrahimi und liebe Franziska Füchsl!

Hans Roth, Nava Ebrahimi, Franziska Füchsl, AU
(c) Saubermacher

Andreas Unterweger: „Rede zum rotahorn-Preis 2020“

Alfred Kolleritsch hat sich selten wiederholt, aber wenn er sich wiederholte, dann war das, was da wiederholt wurde, besonders wichtig – genauer gesagt: besonders richtig.

Zu diesen besonderen Wahrheiten gehörten Aphorismen wie „Man merkt die Absicht und ist verstimmt“ (angesichts von allzu durchsichtigen Texten oder Geschenken von Autor*innen)

oder

„Ich bin dankbar für jeden, der schlecht schreibt“ (angesichts der Textberge auf seinem Schreibtisch).

Eine weitere Wahrheit, die er mehrmals im Jahr, und nicht nur in den Tagen um die rotahorn-Jurysitzung und die rotahorn-Preisverleihung wiederholte, war folgende:

„Das ist wirklich ein lieber Kerl, der Roth.“

Wobei der Wortlaut variieren konnte:

„Der Roth ist wirklich ein Lieber.“

Obwohl sie in völlig verschiedenen Lebensbereichen reüssierten, hatten Alfred Kolleritsch und Hans Roth viele Dinge und Eigenschaften gemeinsam – und damit meine ich nicht nur das, was man als „südoststeirischen Sinn für feinen Humor“ oder „südoststeirische Lebenslust“ nennen könnte. Im rotahorn-Preis verschmilzt das Beste aus ihrer beiden Welten, um aus unserer Welt eine bessere zu machen.

Der rotahorn-Preis war das Geschenk Hans Roths zu Alfred Kolleritschs 80. Geburtstag. Ein Geschenk, das es Kolleritsch erlaubte, damit andere zu beschenken. Als jemand, der es zu einem Teil seines gewaltigen Lebenswerks gemacht hatte, Schreibende zu unterstützen, war ein medienwirksamer Förderpreis für Autor*innen, die noch eher am Anfang ihres Weges stehen oder zu Unrecht unterschätzt geblieben sind, ein wunderbares, geniales, ja, das richtigste Geschenk.

Ich bin sehr glücklich, dass der rotahorn weiterhin ein fixer Bestandteil im Jahreskreis der manuskripte bleiben kann. Wie die Bücher, die er geschrieben hat, wie die manuskripte, die Zeitschrift, die er mir anvertraut hat, reicht auch der rotahorn-Preis über die Lebensdaten Alfred Kolleritschs hinaus – er ist Teil seines ihn selbst überdauernden Lebenswerks, Teil seines Vermächtnisses.

Neulich habe ich mich im Büro dabei ertappt, wie ich die Wiederholung AKs selbst wiederholt habe: „Sehr lieb, der Hans Roth“. Das wiederhole ich gerne auch hier: „Es ist wirklich sehr lieb von Hans Roth, dass er weiterhin die Literatur, die Autor*innen und die manuskripte unterstützt“. Dankeschön!“

(c) Saubermacher

Offizielle Presseinformation mit Jury-Begründungen:

Die Preisträger des Hans Roth Literaturpreises „rotahornstehen fest. Den Hauptpreis

erhielt Nava Ebrahimi, mit dem zweiten Preis wurde Franziska Füchsl geehrt. Die beiden Autorinnen überzeugten die Fachjury mit ihrem literarischen Können. Kulturlandesrat Mag. Christopher Drexler und der Grazer Kulturstadtrat Dr. Günter Riegler überreichten die Prämierungen im Theater im Lend in Graz.

Nava Ebrahimi und Franziska Füchsl wurden aus einer hochklassigen Shortlist talentierter Lyrik und Prosa-Autor*innen ermittelt, die ein Naheverhältnis zu den „manuskripten“ pflegen.

Die Fachjury, bestehend aus den Autor*innen Barbara Frischmuth, Valerie Fritsch und Andreas Unterweger, dem Germanisten Julian Kolleritsch sowie den Kulturjournalisten Werner Krause, Christoph Hartner und Heinz Sichrovsky, lobte in ihrer Begründung die literarischen Leistungen:

Begründung für Nava Ebrahimi

Nava Ebrahimi schreibt sorgfältig konstruierte Erzählungen auf exakt formulierter sprachlicher Basis, die jeden ihrer Protagonisten mit seinem eigenen Akzent zu Wort kommen lässt. Ihre Plots und Figuren kreisen um die brandaktuellen Themen Herkunft und Identität, die sie in ihrer globalen Tragweite auszuleuchten weiß. Dabei gelingt der in Teheran geborenen Grazerin das Kunststück, Romane zu schreiben, die der Komplexität und Widersprüchlichkeit unserer Gegenwart gerecht werden und dennoch ein Lesevergnügen darstellen.

Begründung für Franziska Füchsl

Franziska Füchsl ist eine sprachliche Feinmechanikerin, die im Grenzbereich von Lyrik und Prosa poetisches Neuland erschließt. Geschult an den Arbeiten von Oswald Egger und Peter Waterhouse verwebt die Oberösterreicherin rares Vokabular, grafisch-formale Elemente und rhythmische Hypersensibilität zu höchst eigenständigen sprachlichen Gebilden. Dinge werden zu Worten, und aus den Worten entsteht eine neue Welt – selbst wenn man die Worte nicht immer auf Anhieb versteht. Kurz: Eine belebende Abwechslung im Einheitsbrei der Gegenwartsbelletristik!

Der als Förderpreis konzipierte „rotahorn“ wird mit 5.000 Euro dotiert – 3.000 Euro für den ersten und 2.000 Euro für den zweiten Preis. Die Jury nominiert Preisträger*innen aus dem Pool der Autor*innen, die in den „manuskripten“ publizieren bzw. sich für eine Publikation bewerben.

Für eine lebenswerte Umwelt – für eine lesenswerte Literatur

Die Saubermacher Dienstleistungs AG setzt sich im Rahmen ihrer Kernaufgaben seit 40 Jahren nachhaltig für eine lebenswerte Umwelt ein. Für Hans Roth, Gründer des Unternehmens, gehört zu einer lebenswerten Umwelt auch eine lesenswerte Literatur.

Mit dem „rotahorn“ bereichert seit 2011 ein Literaturpreis, initiiert von Hans Roth, die

österreichische Kulturlandschaft. Die Auswahl der Preisträger*innen erfolgte in enger

Zusammenarbeit der Literaturzeitschrift „manuskripte“.

Hans Roth, Aufsichtsratsvorsitzender der Saubermacher Dienstleistungs AG: „In der

Steiermark und ganz Österreich gibt es viele Nachwuchstalente, die im Verborgenen

schöpferisch tätig sind. Mit dem rotahorn möchten wir diesen Literaturschaffenden eine

gesellschaftliche Blatt-Form bieten.“

manuskripte: Die Literaturzeitschrift im 61. Lebensjahr, gegründet von Alfred Kolleritsch (†) und nun herausgegeben von Andreas Unterweger, erscheint vierteljährlich. Publiziert werden ausschließlich unveröffentlichte Texte.

Mit Stadtrat Günter Riegler und Landesrat Christopher Drexler
(c) Saubermacher

Clubgespräch #3

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 29. Juni 2021

Am 24.06. war ich zu Gast in der Leibnitzer Galerie Marenzi, um mit Hannes Schwarz, dem Klubobmann des steirischen SPÖ-Landtagsklubs, und Isabella Holzmann (Greith-Haus, Hunger auf Kunst und Kultur – und mehr) …

… das dritte sog. „Clubgespräch“ zu führen.

Wer auf diese Zeile oder den Link unter dem Bild unten klickt, kann sich das Gespräch samt Wortspenden der Sängerin PAENDA, einer Galerieführung der Leibnitzer Vize-Bürgermeisterin Helga Sams und allerlei Kulturtipps auf Facebook zu Gemüte führen:

https://www.facebook.com/hannesschwarzspoe/videos/492894835270194

Wir sprachen über einen bunten Strauß von Themen aus Kunst und Kultur(politik): vom Song Contest bis zum Song Contest der Literatur aka Bachmann-Preis.


Auch schriftlich festhalten möchte ich meine Unterstützung für die Idee eines Grundeinkommens für Kunstschaffende nach Vorbild der Corona-Unterstützung für Autor*innen, die in Österreich erfreulicherweise rasch und erstaunlich unbürokratisch umgesetzt wurde. Es geht ja.

Fazit: Eine unterhaltsame und informative Begegnung, bei der der Wordrap eindeutig meine Lieblingsdiziplin darstellte:

Herzlichen Dank an Hannes Schwarz und sein engagiertes Team für die Einladung und freundliche Betreuung!
Danke auch für die Fotos, die alle von Hannes Schwarz‘ Facebook-Seite stammen.

manuskripte-Open Air

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 18. Juni 2021

Im Stil eines Sommerfestivals ging am Donnerstag, 17.06.21, im Lesliehof des Joanneumviertels in Graz die analoge Präsentation der manuskripte 231 über die Bühne.

Und das als erste Veranstaltung des Leslie Opens, das sich im Jahr 2 der Pandemie vom Sommerkino zur offenen Bühne für eine Vielzahl von kulturellen Initativen weiterentwickelt hat (endlich einmal eine erfreuliche Mutation!).


(c) manuskripte
Gut gefüllte Reihen – trotz Hitze, Fußball und anderen Lesungen.

Ich bedankte mich bei den Projektpartnern, Oliver Binder-Krieglstein von Leslie Open, Andrea Egger-Dörres von DAT Das andere Theater, der Stadt Graz, dem Joanneum und Ex-Forum-Präsidentin Heidrun Primas, die mich erstmals auf die Idee aufmerksam gemacht hatte.

Sonderapplause erhielten Petra Höfler für ihr rundum gelungenes Redesign der manuskripte und unser Cover Artist, die luxemburgische Malerin Val Smets:

manuskripte-Preisträgerin Laura Freudenthaler las ihre Kurzprosa aus dem Heft (vgl. dazu auch Roland Renners Präsentationsfilm: „Nichts weniger als Magie. Laura Freudenthaler und Andreas Unterweger im Gespräch“)

(c) manuskripte

„Präzise Beobachtungen, ebenso formuliert, generieren eine zweite Wirklichkeit, die geradezu magisch aufgeladen ist mit hyperrealistischer Intensität. Freudenthalers Romane und Prosastücke, von ihr gerne schlicht als „Geschichten“ bezeichnet, rufen in Erinnerung, was Erzählen (bzw. erzählt zu bekommen) im Grunde darstellt: einen bewusstseinserweiternden Akt.“
(Aus der Jurybegründung zum manuskripte-Preis des Landes Steiermark 2021)

Der junge Grazer Gabriel Proedl, nicht nur laut Kleiner Zeitung eine literarische Neuentdeckung …

… und trotz seiner wachsenden Bekanntheit als Journalist für Die Zeit, Stern, Falter usw. ein waschechter Debütant, las, in senegalesische Designerware gewandet, seine Erzählung „Wahnsinnsnacht, Mama“:

(c) manuskripte

Xaver Bayer, Gewinner Österreichischen Buchpreises 2020, las „Die Apokalypse des Johannes“:

(c) manuskripte

„Er, ein Meister des surrealistischen Erzählens, (ver-)führt seine Leserschaft in eine Welt des Unklaren, der Andeutung. Eine nicht greifbare /fassbare Welt, der man nur ungern wieder entsteigt.“
(Silvana Cimenti über Xaver Bayer in manuskripte 231)

Vielen Dank Euch allen fürs Kommen, Lesen, Zuhören und die schönen Unterhaltungen vor und nach der Lesung!
Sehr habe ich mich auch über den Besuch zahlreicher manuskripte-Autor*innen gefreut, wie etwa Alhierd Bacharevic und Julia Cimufiejeva aus Belarus (dzt. Writers in Exile, Kulturvermittlung Steiermark), Johannes Wally, Franz Weinzettl oder der aus Leoben angereiste Günther Freitag.

Die manuskripte 231 sind übrigens im Buchhandel und hier erhältlich.

„In Zeilen wie diesen“ im Forum Stadtpark

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 8. Juni 2021

Im gut gefüllten Saloon des Forum Stadtpark ging letzten Freitag – endlich, nach all den coronabedingten Verschiebungen! – die Präsentation von Isa Riedls und meiner gemeinsamen Publikation „In Zeilen wie diesen . magic spell“ über die Bühne.

(c) Peter Hutter

Nach der Begrüßung durch Gastgeber bzw. Verleger Gerhard Pichler (Edition Stadtpark) stellte Herausgeber Klaus-Dieter Hartl (Galerie Marenzi) das von ihm initiierte Projekt vor:

(c) Peter Hutter

Ich las aus dem Buch …

(c) Peter Hutter

… wobei ich mit einem Zitat der am 4.6. leider verstorbenen Friederike Mayröcker eröffnete.

Dies ist das zweite traurige Ereignis, das „In Zeilen wie diesen“ säumt. Schließlich wurde der Text auch knapp vor Alfred Kolleritschs Tod fertiggeschrieben.

Amankale aka Markus Deutschmann steuerte musikalische Interventionen bei.

(c) Klaus-Dieter Hartl

Abschließend nahm die Malerin Isa Riedl den Abend in die Hand und sprach über ihre ausgestellten und im Buch abgebildeten Arbeiten.

(c) Klaus-Dieter Hartl

Widerstand durch Langsamkeit, mit den Höhlengalerien der Steinzeit, in denen über 5.000 Jahre hinweg an denselben Wandmalereien gemalt wurde, als Utopie.

(c) Peter Hutter

Ich danke alle Beteiligten an dem Projekt, diesmal besonders dem Team des Forum Stadtpark, zweintopf (Gerhard und Eva Pichler) und der anwesenden Präsidentin Heidrun Primas (die letzte Veranstaltung unter ihrer Ägide)!

***

Hier alles Wissenswerte rund um das vorgestellte Büchlein:

Andreas Unterweger – Isa Riedl – Klaus Dieter Hartl

 In Zeilen wie diesen – magic spell  

Galerie Marenzi Leibnitz
15 x 21 cm
40 Seiten, Klammerheftung
ISBN: 978-3-901109-65-2
10 Euro


Isa Riedl „Ritual“

Die Publikation entstand zwischen April und Juni 2020.

In der Galerie Marenzi in Leibnitz wurde am 06.03. die Ausstellung Magic Spell der Grazer Künstlerin Isa Riedl eröffnet und wegen der Coronapandemie am 10. 03. gleich wieder geschlossen. Der Leiter der Galerie Klaus Dieter Hartl wollte die Situation nicht untätig hinnehmen und bat den Schriftsteller Andreas Unterweger, literarische Stimmungsbilder dieser Zeit zu verfassen. In der Sprache des Alltags/der Medien wurde dieser Zeitabschnitt meist so genannt: „in Zeiten von Corona“, „in diesen Zeiten“ oder „in Zeiten wie diesen“. Daraus entwickelte Andreas Unterweger den Titel In Zeilen wie diesen und lieferte fünf Wochen lang jeweils, passend zur Jahreszahl, 20+20 Zeilen, geteilt in vier Kapitel à zehn.
Klaus-Dieter Hartl und Andreas Unterweger waren sich von Anfang an darin einig, dass In Zeilen wie diesen weder in der gerade boomenden Gattung (Corona-)Tagebuch noch im humoristisch-polemischen Fahrwasser von Zeitungskolumnen angesiedelt werden sollte. Stattdessen versuchte der Schriftsteller eine flexible, prosagedichtähnliche Form zu entwickeln, die sich am Niveau und teils auch an der Motivik der in dieser Zeit in der Galerie gezeigten bildnerischen Arbeiten Isa Riedls orientierte.
Im Gegensatz zur strengen äußeren Gestalt der Texte ist ihr Inhalt breit gestreut. Vergleichbar der kubistischen Ästhetik einiger Werke Isa Riedls werden die verschiedensten Perspektiven, Stimmen, Zitate, Splitter aus dem Privaten, dem Leibnitzer und dem Weltgeschehen, sowie nicht zuletzt ein Call and Response-Spiel mit Aspekten aus der Ausstellung Magic Spell zu einem formal kompakten Ganzen montiert.
Die Publikation umfasst diese Texte und einige Arbeiten, die in der Galerie Marenzi zu sehen waren.

dog-ear/eselsohren  
ist eine lose Reihe von Katalog- und Buchpräsentationen im Forum Stadtpark.
Die Gestaltung der Präsentation erfolgt durch die eingeladenen Künstler*innen.

Weitere Informationen zu „In Zeilen wie diesen . magic spell“ gab es bei einer Pressekonferenz in Leibnitz.

Direktlinks zu den 2020 aufgenommen Videos mit Lesungen und Gesprächen, inkl. Leseproben:

In Zeilen wie diesen 1 (mit Song)
In Zeilen wie diesen 2 (mit einem Gespräch mit Isa Riedl)
In Zeilen wie diesen 3 (mit einem Gespräch mit Isa Riedl und Gedicht)
In Zeilen wie diesen 4 (mit einem Gespräch mit Isa Riedl)
In Zeilen wie diesen 5 (mit einem Gespräch mit Isa Riedl)

„In Zeilen wie diesen . magic spell“ ist in der Galerie Marenzi, in Draxlers Büchertheke in Leibnitz oder auch bei mir um 10 Euro erhältlich.

„Mein Nachbar auf der Wolke“ – manuskripte 231 im slowenischen ORF

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 23. Mai 2021

Kurz vor Erscheinen der manuskripte 231 hat mich Simon Ošlak für die slowenische Radiosendung des ORF interviewt. Hier sein schöner Artikel samt meinen Wortspenden:

Zum Hören hier oder auf das Foto klicken.

Im Mittelpunkt steht die neue manuskripte-Rubrik „Mein Nachbar auf der Wolke“. Redigiert von Matthias Göritz und Amalija Maček, die eine gleichnamige Anthologie bei Hanser vorbereiten und den Gastlandauftritts Sloweniens bei der Frankfurter Buchmesse 2023 kuratieren, wird in den manuskripten bis 2023 jeweils eine Stimme der slowenischen Lyrik vorgestellt.
In Heft 231 ist es Miljana Cunta, deren lichtdurchflutete Gedichte von einem Kurzessay Matthias Göritz‘ begleitet werden.
(Die manuskripte 231 sind übrigens hier zum Preis von nur 10 Euro zu bestellen.)

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Simon! Es war mir wieder eine Freude!

„nichts weniger als Magie“ – Laura Freudenthaler zu Gast bei den manuskripten

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 20. Mai 2021

Zum Erscheinen der neuen manuskripte-Ausgabe 231 war erfreulicherweise meine Verlagskollegin Laura Freudenthaler in der Redaktion zu Gast.

Meine Nachnachfolgerin als manuskripte-Preisträger*in hat eine gewohnt faszinierende Kurzprosa und die Übersetzung des Essays „Teufelskirsche“ von Catherine Lemieux zum Heft beigetragen. Aus Letzterem stammt das Motto für die gesamte Ausgabe: „nichts weniger als Magie“.

In Roland Renners Kurzfilm unterhalten Laura und ich uns über Magie und Literatur, bevor sie ihren titellosen Beitrag liest.

Zur Erinnerung noch die Jurybegründung für Laura Freudenthalers manuskripte-Preis:

„Laura Freudenthalers Prosa verzaubert durch Geradlinigkeit. Die Sätze, aus denen sie ihre faszinierend vielschichtigen Gefühls- und Bildwelten baut, kommen ganz ohne Showeffekte aus – gerät man aber erst einmal in ihren Sog, sieht man die Dinge (auch außerhalb der Buchdeckel!) mit anderen Augen.

Präzise Beobachtungen, ebenso formuliert, generieren eine zweite Wirklichkeit, die geradezu magisch aufgeladen ist mit hyperrealistischer Intensität. Freudenthalers Romane und Prosastücke, von ihr gerne schlicht als „Geschichten“ bezeichnet, rufen in Erinnerung, was Erzählen (bzw. erzählt zu bekommen) im Grunde darstellt: einen bewusstseinserweiternden Akt.

Die 1984 in Salzburg geborene Autorin gilt als eine der größten Hoffnungen der deutschsprachigen Belletristik. Die Literaturzeitschrift manuskripte ist seit 1960 ein fruchtbarer Nährboden solcher Hoffnungen. Laura Freudenthaler veröffentlicht seit 2010 regelmäßig in der Grazer Literaturzeitschrift und ist der Steiermark auch durch ihren Grazer Verlag Droschl verbunden.

Laura Freudenthaler, geboren 1984 in Salzburg, lebt in Wien.

Die Erzählungen Der Schädel von Madeleine. Paargeschichten erschienen 2014.

Für ihren ersten Roman Die Königin schweigt (2017) erhielt sie den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2018. Der Roman wurde auch als bester deutschsprachiger Debütroman beim Festival du premier Roman 2018 in Chambéry ausgezeichnet.

2019 veröffentlichte sie ihren zweiten Roman, Geistergeschichte, der mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet wurde.

Im Juni 2020 gewann sie mit dem Text Der heißeste Sommer den 3sat-Preis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.

Im November 2020 erhielt Laura Freudenthaler den Literaturförderpreis der Stadt Meersburg.“

Vielen Dank für Deinen Besuch, liebe Laura!

Die manuskripte 231 sind im Buchhandel und im manuskripte-Webshop erhältlich.

w e i t e r schreiben – der Kurzfilm zum manuskripte-Relaunch

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 19. Mai 2021

„w e i t e r schreiben“ – Roland Renners Kurzfilm über den Relaunch der manuskripte 231 (ab heute im Handel) ist jetzt online!

Grafikerin Petra Höfler, meine Mitarbeiter*innen Silvana Cimenti und Julian Kolleritsch, Cover-Künstlerin Val Smets und ich erzählen über die Hintergründe der behutsamen grafischen und inhaltlichen Erneuerung der manuskripte.

„‚w e i t e r schreiben‘ – auch im Sinne von: ‚weiter denken‘, ‚den Horizont erweitern‘ …“


Vielen Dank, lieber Roland, für die ebenso fröhlichen wie professionellen Dreharbeiten!

Silvana Cimenti und Tonmann Tankred Derler
Regisseur Roland Renner (l.) und Julian Kolleritsch
Dreharbeiten in der Galerie Roter Keil
vor „Nudgers & Shovers I & II“ von Val Smets,
Cover und Rückseite der manuskripte 231


Die manuskripte 231 werden gestaffelt präsentiert:
1. im Rahmen einer Online-Lesung mit Laura Freudenthaler (Premiere am 19.05.2021, 19 Uhr, auf dem YouTube-Kanal der manuskripte)
2. beim manuskripte-Open Air im Lesliehof, Graz, am 17.06.2021, mit Lesungen von Laura Freudenthaler, Xaver Bayer und Gabriel Proedl.

Die Ausgabe ist im Buchhandel sowie auf http://www.manuskripte.at/webshop/ erhältlich.

manuskripte 231 – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 18. Mai 2021

Meine Marginalie zu Heft 231 der manuskripte, das ab morgen (Mi, 19.05.21) im Handel erhältlich ist.

Marginalie

„Weiterschreiben!“ war ein Ratschlag, den Alfred Kolleritsch gerne jungen Autor*innen mit auf den Weg gab. Im Zuge der behutsamen Erneuerung der manuskripte im Jahr 1 nach dem Ableben unseres lieben Fredy wurde sein Motto nicht nur zum Untertitel der Zeitschrift erhoben, sondern auch um eine Bedeutungsebene bereichert. „weiter schreiben“ im Sinne von: „weiter denken“, „den Horizont erweitern“.

In den manuskripten wird eben nicht nur weiter, es wird weiter geschrieben: das Ideal des „Offenen“, das Kolleritsch stets verfolgte, ist wichtiger denn je. Die Zeitschrift bietet Platz für die unterschiedlichsten Schreibweisen von jüngeren und renommierten Autor*innen aus aller Welt.

Man könnte sagen: In den manuskripten wird weiter weiter geschrieben …

Aus der stolzen Tradition unseres Mediums Kraft für Neues zu schöpfen, das hatten wir uns für das optische Redesign vorgenommen. So orientierte sich Petra Höfler, die beauftragte Grafikerin, an der Titelschrift der allerersten manuskripte-Ausgabe, um daraus ein zeitgemäßes Logo zu entwickeln.

Ähnlich die Vorgangsweisen bei den Veränderungen von Format, Schrift und Papier – Details dazu werden in einem Kurzfilm erläutert, der auf unserem YouTube-Kanal zu sehen ist*.

Neu ist auch die stärkere Verschränkung von Coverkunst und Inhalt. Diesmal sind es die farbenprächtigen Pilze der Malerin Val Smets, die nicht nur vom Umschlag leuchten, sondern wie ein grafisches Myzel auch das Heftinnere durchwirken.

Assoziationen zu literarischen Fungi, von Alice im Wunderland über den „Pilznarren“ Peter Handke bis zu Hugo von Hofmannsthals Lord Chandos, dem die Worte „wie modrige Pilze im Mund“ zerfielen, sind keine Grenzen gesetzt.

Die Texte sind rund um Zitate aus dem Heft angeordnet, die weniger als Kapitelüberschriften gemeint sind, denn als unverhoffte Orientierungshilfen beim Seitenwandern: Wegweiser, die im Pilzwald hängen, lose und windschief, in eine andere Richtung gewendet von jeder blätternden Hand.

Das erste, ins Heftganze einführende Satzfragment stammt aus dem Essay Teufelskirsche der kanadisch-wienerischen Autorin Catherine Lemieux, der von der diesjährigen manuskripte-Preisträgerin Laura Freudenthaler ins Deutsche übersetzt wurde: „nichts weniger als Magie“.

Dieses Motto weist auf den ersten Blick auf all die Fabelwesen hin, die Dämonen, Lindwürmer, Hexen und Wölfe, die sich in verblüffender Fülle und in völlig unterschiedlichen Rollen, vom sprachmagischen Versuchskaninchen bis zum Wappentier politischen Engagements, in den Beiträgen finden.

Was aber auch gemeint ist: Ihr hoffentlich freudiges Staunen über den Inhalt der manuskripte 231!

Andreas Unterweger

Titelbild von Val Smets: „Nudgers & Shovers I“

*Online ab 19.05.21

„Dober dan, Štajerska“ (ORF2 v. 25.04.2021)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 26. April 2021

Neulich hatte ich erfreulichen Besuch in der Redaktion. Simon Oslak und Kameramann Peter Bratko interviewten mich für „Dober dan, Štajerska“, die slowenische Sendung des ORF (Erstausstrahlung 25.04.2021).

Pred kratkim sem imel lep obisk v uredništvu. Simon Ošlak je me intervjuval za slovensko oddajo na ORFu.

Zum Sehen auf RTV 4 hier klicken! Klikni tukaj!
Ab 14:18. Od 14:18.

Ich erzählte über die slowenischen Wurzeln meines Lebens und Schreibens …

Govoril sem o svojih slovenskih koreninah …

… die Beziehungen der manuskripte zu slowenischen Schreibenden …

…  odnosu med manuskripte in slovenskimi pisatelji …

… und über meinen Nebenjob als „Mentor“ für Styria Artists in Residence.

… in o svojem delu kot „mentor“ rezidenčnih umetnikov Štajerske „Styria Artists in Residence“.

Telegene Aktivität mit der Dichterin Katrin Köhler, Styria Artist in Residence 2021.

Es war ein unterhaltsamer Vormittag – vielen Dank, lieber Simon!

Bilo je zabavno jutro – hvala, dragi Simon!

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Rivista clanDestino (2 Gedichte, Interview)

Posted in gedichte, manuskripte, Poèmes, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 27. März 2021

Ich freue mich sehr über meine Präsenz in der italienischen Literaturzeitschrift clanDestino!
(Hier oder auf dem Foto zu erklicken.)

 

Valentina Colonna, Dichterin, Komponistin und frischgebackene Doktorin der Linguistik, hat ein längeres Interview mit mir geführt – die Themen: meine Arbeit mit und abseits von den manuskripten, Wohl und Wehe von Literaturzeitschriften im Allgemeinen, Zusammenarbeit mit Alfred Kolleritsch und Ratschläge an junge Dichter*innen.
Aus dem Englischen übersetzt hat es Flora Matera.

Dem Interview gehen zwei meiner Gedichte voraus, ins Italienische übersetzt von Barbara Herzog: „An einen, den ich kannte“ und „Donauebene, Dezember“, beide bei clanDestino (deutsch und italienisch) oder im dreisprachigen Gedichtbändchen „Poèmes“ (deutsch, französisch, englisch) nachzulesen.

Grazie mille, cara Valentina, grazie Barbara Herzog e Flora Matera, grazie a tutti!

 

Das Interview wurde in der beiderseitigen Fremdsprache Englisch geführt, hier die Originalfassung – für all jene, bei denen 2 Jahre Wahlpflichtfach Italienisch auch nicht für die Zeitschriftenversion reichen:

 

INTERVISTA

Valentina Colonna:
manuskripte is the most prestigious Austrian literary review, one of the oldest and most renowned literary journals in the German-speaking countries. It was founded in Graz in 1960 by Alfred Kolleritsch. Since 2016 Kolleritsch, who sadly passed away in 2020, and you edited the review together. Can you tell us about manuskripte and your experience there?

 

Andreas Unterweger:
manuskripte is known for Peter Handke’s first publication and early publications by other famous Austrian writers like Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker or Ernst Jandl. However, many international stars like Vaclav Havel, Allen Ginsberg, Sylvia Plath, Seamus Heaney and many others also published in the review. In 2019, we were lucky to present Louise Glück before she received the Nobel Prize.

Based in Graz, Austria’s second city, manuskripte played a decisive role in the development of the city. Graz was a stronghold of the Nazis before and even after WWII. In the sixties and seventies, Kolleritsch and his friends of the artist’s community Forum Stadtpark stood up against a very reactionary public and the local press. As a result, manuskripte caused several scandals, once the editor was even accused of dissemination of pornography. This struggle really changed the place. Without the progress caused by manuskripte and Forum Stadtpark, Graz could never have been cultural capital of Europe in 2003, for instance.

I have been a fan of manuskripte and writers like Handke and Kolleritsch since I was a teenager. My dream was to publish in the review, not to become the editor. That just happened while I was busy trying to write my own stuff … When I was young, I waited until my texts were good enough before I sent them to Kolleritsch. He published one of my stories in 2006 and I remember that I was very proud then. He supported me as a writer, we became friends, and in 2009, when he was very sick, I started to help the editorial staff occasionally. In 2016, after I had returned to Styria (I lived in the countryside in Lower Austria for almost 10 years), he told me that he was looking for a successor and that he had chosen me.

manuskripte was edited by “Fredy” – Alfred Kolleritsch’s nickname – for 60 years; that’s world record, I guess. So it was quite an experience to work side by side with such a legend … What have I learned from him? He always trusted his intuition. He always tried to “read deeper”, to see the human being behind the words … And he didn’t rush into a decision, not even under pressure.

When Fredy died in 2020, I was very sad. Since then, I have been very busy. It’s not necessary to reinvent manuskripte. The concept – to be open, not to limit the review to certain themes or poetics – is still great. That said, my team and me, we have to change some minor things. For instance, we have to approach the contemporary readers by a new appearance and some fine-tuning in terms of content. We are happy to have more than 1.000 subscribers and to reach a circulation of 2.500 copies. We recently even raised the number by selling copies on airports and train stations in Germany, Austria and Switzerland.

I still mainly consider myself as a writer. To be the editor of manuskripte is my bread-and-butter job. A bread-and-butter job that could also be seen as my second dream job.

 

Valentina Colonna:
What do you think about the European landscape of literature (in particular poetry) reviews?

 

Andreas Unterweger:
Reviews like manuskripte have always been in a precarious situation. Nowadays it seems to be even worse – considering the new media, which offer many possibilities to publish your writing (blogs, Facebook and so on). What are literary reviews still good for after all?

On the other hand: everybody can create his own blog or Twitter account. That’s nothing special. And nobody can read the whole internet … That could be an opportunity for journals like manuskripte: people – and publishing houses – need someone who pre-selects more than ever. If you publish in a renowned review like manuskripte you get noticed by readers – and especially by those readers who really matter, like editors, critics, other writers …

Despite the new media, people are still extremely interested in being published in manuskripte – to be printed, not just to be published online. We receive about 2000 unsolicited manuscripts a year. We publish about 80 of them in our four annual issues.

 

Valentina Colonna:
How did the experience with Kolleritsch and the work for the review influence your work as a poet?

 

Andreas Unterweger:
Working for manuskripte influenced my own writing mainly on the level of organization. I simply have less time now. On the other hand, the poet in me is prone to defiance. “Less time?”, he says. “Ok, so I will start to write a long, long novel which requires even MORE time!” You see, it’s a struggle against myself – a win-win-situation, so to speak.

Nevertheless, my inner poet is getting more and more reconciled with my role as an editor. It’s not bad at all  not to be a writer exlcusively. To be the editor of manuskripte gives me the opportunity to help other writers and artists (young writers, foreign writers, writers in troubles, forgotten writers …), which I have to seize. And it allows me to make a living without depending on odd jobs.

 

Valentina Colonna:
manuskripte
always paid careful attention to the international literature scene as well as to new authors: what would you suggest to a young author in 2021?

 

Andreas Unterweger:
The advice, that helped me the most, is rather simple. It is by Ernest Hemingway. In A Moveable Feast he tells himself as a young writer: “,All you have to do is to write one true sentence. Write the truest sentence that you know.’ So finally I would write a true sentence, and then go on from there.”

These words are still valid. Work on the smallest entities to create a stable background – that’s better than creating castles in the air by using empty phrases (like “castles in the air”). Concentrate on the language, not on your career – the career is the second step. And don’t give up too early – it’s normal to get rejected at first. “Try again. Fail again. Fail better” – as Samuel Beckett wrote.

 

(Danke fürs Korrekturlesen, liebe Barbara!)