Andreas Unterweger

manuskripte 233 – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 13. Oktober 2021

Marginalie

„Die beste Information, wie es mit der Literatur weitergeht“, lautet der klassische Slogan der manuskripte. Was also lag näher, als einen Dialog zwischen der in unserer Redaktion betriebenen Zukunftsforschung und der Ausstellung was sein wird. Von der Zukunft zu den Zukünften, die noch bis Ende Oktober im Rahmen der STEIERMARK SCHAU im Kunsthaus Graz gezeigt wird, zu initiieren?

Mit der jungen Hamburger Lyrikerin Katrin Köhler und dem Avantgarde-Routinier Bodo Hell wurden zwei Schreibende ungleichen Profils eingeladen, die Ausstellung aus ihrer literarischen Position heraus zu reflektieren. Das Diptychon ihrer Reaktionen auf das dort Gesehene bildet den Auftakt der Ausgabe.

Grafisch geprägt wird diese vom ebenfalls im Kunsthaus ausgestellten Grazer Kunstduo studio ASYNCHROME, für dessen Vermittlung, wie überhaupt die freundlich-fröhliche Zusammenarbeit, wir Kunsthaus-Leiterin Barbara Steiner und Kuratorin Katrin Bucher Trantow danken wollen.

Um Orientierung zwischen den Polen Vergangenheit und Zukunft (oder doch Körper und Welt? Individuum und Gesellschaft?) ringt der Großteil der aktuellen Beiträge. Neben Wappnungen für das Kommende, darunter eine waschechte Utopie (Reinhard P. Gruber: Das humanistische Manifest), steht das Motiv Genealogie hoch im Kurs, etwa in Ricardo Domenecks Gedicht Körpererde, Günter Eichbergers Prosa Weltverlust oder Fiston Mwanza Mujilas Romanauszug Innere Stadt.

Christoph W. Bauer hingegen gestaltet, unter Einbeziehung von u. a. Sabine Gruber und Verena Stauffer, gleich einen ganzen Reigen lyrischer Variationen auf das Werk Sapphos, der Ahnfrau der europäischen Dichtung.

Neben dem seit Anfang des Jahres laufenden Schwerpunkt zu slowenischer Lyrik (diesmal: Ana Pepelnik) starten mit der vorliegenden Ausgabe drei neue Rubriken in den manuskripten.

Other Writers Need to Concentrate präsentiert die besten unveröffentlichten Texte des gleichnamigen, von Katharina Bendixen edierten Blogs zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen schreibender Eltern.

In einer Kooperation mit dem renommierten Lyrikpreis des Mondseer Landes drucken wir den prämierten Zyklus von Mara-Daria Cojocaru ab – auch für die Leser*innen der manuskripte ein Gewinn.

Und unter dem Schlagwort Literaturdialoge veröffentlichen wir die Ergebnisse des vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten unterstützten Projekts Neverend, das ich gemeinsam mit Monique Schwitter umsetzen durfte: sich kreuzende Briefe deutschsprachiger und „ex-jugoslawischer“ Autor*innen.

In einer Zeit, in der sich die Spaltungen hier wie andernorts geradezu exponentiell vertiefen, dürfen Gespräche, die über Grenzen hinwegführen, nicht aufhören. Und so setzen die manuskripte die Rubrik Literaturdialoge auch in den kommenden Ausgaben fort.

Andreas Unterweger

Cover der manuskripte 233 von studio ASYNCHROME, „Weltenverschiebung“

Was sein wird: manuskripte 233 im Kunsthaus Graz

Präsentation des neuen Heftes mit dem Schwerpunkt was sein wird: Gespräch und Lesungen von und mit studio ASYNCHROME, Katrin Köhler, Bodo Hell, Fiston Mwanza Mujila

Einführung und Moderation: Katrin Bucher Trantow und Andreas Unterweger

13.10., 19 Uhr, Space 04

manuskripte – Die beste Information, wie es mit der Literatur weitergeht“, lautet der klassische Werbeslogan der legendären Grazer Literaturzeitschrift. Was also lag näher als einen Dialog zwischen der permanenten literarischen Zukunftsforschung der manuskripte und der STEIERMARK SCHAU: was sein wird im Kunsthaus Graz zu initiieren?

Mit dem österreichischen Avantgarde-Routinier Bodo Hell und der jungen Hamburger Lyrikerin Katrin Köhler (Styrian Artist in Residence) nominierte manuskripte-Herausgeber Andreas Unterweger zwei Autor*innen unterschiedlicher Generation, um die Ausstellung was sein wird im Kunsthaus zu besuchen und literarisch auf das Gesehene zu reagieren.

Im Space 04 lesen die beiden ihre Beiträge zum Heft, zudem trägt Peter-Rosegger-Preisträger Fiston Mwanza Mujila seine lyrische Zukunftsvision Innere Stadt vor.

Den inhaltlichen Schwerpunkt was sein wird in manuskripte 233 begleiten künstlerische Arbeiten von Studierenden der TU Graz, die sich auch mit der Ausstellung im Kunsthaus Graz auseinandersetzen und in Space 04 ausgestellt sind. Kuratiert wurde der Zyklus von den Dozenten Marleen Leitner und Michael Schitnig aka studio ASYNCHROME, die neben Arbeiten im Heft auch das aktuelle manuskripte-Cover gestalten.

Eintritt und Begrüßungsgetränk frei – anschließend Barbetrieb (Catering Café König).

Um Anmeldung unter lz@manuskripte.at oder 0316 825608 (Mo.–Fr. von 9-13 Uhr) wird gebeten.

*

Das neue Heft ist ab jetzt unter bestellung@manuskripte.at zu bestellen.

manuskripte-Stadtspaziergang am 13.10.21 – Vorschau

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 10. Oktober 2021

Vorschau auf den Termin:

manuskripte-Stadt-Spaziergang

zum 60. Geburtstag der Literaturzeitschrift

(nachträglich, aber nachdrücklich)

Beginn: 13.10.2021, 16:00 Uhr, Forum Stadtpark, Stadtpark 1, 8010 Graz

Dauer: ca. 2,5 Stunden

manuskripte-Herausgeber Andreas Unterweger führt an manuskripte-relevante Grazer Orte – vom Forum Stadtpark, wo am 4.11.1960 die ersten manuskripte-Hefte auf das Publikum der Forum-Eröffnung herabflatterten, über weitere Schauplätze von Literaturgeschichte(n) oder gar -skandalen bis in die legendär verzettelte Redaktion in der Sackstraße 17.

Der Weg durch mehr als sechs Jahrzehnte Literatur- und Stadtgeschichte ist gepflastert mit zahlreichen vollkommen überraschenden Begegnungen: Grazer Klassiker*innen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft melden sich mit Interventionen, Kurzlesungen und Interviews zu Wort.

Featuring:       Max Höfler, Jimi Lend, My wicked wicked ways, Ninja Reichert, Rudi Widerhofer u.a.m.

Der Stadtspaziergang mündet um ca. 18:30 Uhr ins Kunsthaus Graz, wo – nach einem Begrüßungsgetränk, serviert von der Catering-Crew des Café König – um 19 Uhr die Präsentation der manuskripte 233 mit u. a. Lesungen von Bodo Hell, Katrin Köhler und Fiston Mwanza Mujila stattfindet.

Begrenzte Teilnehmerzahl – um Anmeldung unter lz@manuskripte.at oder 0316 825608 (Mo.–Fr. von 9-13 Uhr) und das Mitführen eines 3G-Nachweises wird gebeten.

Beim ersten Mal – am 21.9. – hat das so ausgesehen:

Jimi Lend in Aktion.
(c) Josef Wilhelm

Mehr Fotos von der ersten Ausgabe des nun teils relaunchten Spaziergangs finden sich hier.

Poesiegalerie 2021

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 9. Oktober 2021

Am 7.10. machte ich mich auf den Weg nach Wien zu Udo Kawassers lobenswerter und mittlerweile auch Sacher-Masoch-Preis-gekrönter Poesiegalerie, bei der die manuskripte wieder 2 Plätze für Lesungen gebucht hatten.

Vor der ersten Lesung war noch Zeit für eine Besprechung der übernächsten manuskripte-Ausgabe mit Hanno Millesi, der bei der Präsentation am 16.12. im Literaturhaus Graz eine neue Erzählung lesen und auch die grafische Gestaltung der Ausgabe übernehmen wird.

Trotz der im Hintergrund über die Handy flimmernden Regierungskrise blieb unser Gespräch, wie es ja auch unserer beider Literatur entspricht, völlig unpolitisch.

Dann die vierte Lesung mit Laure Gauthier aus ihrem eben erschienenem und von mir übersetzten Langgedicht „kaspar aus stein“ (Edition Thanhäuser) innerhalb einer Woche:

Nach uns las Paul Schömann, der in manuskripte 231 Anfang des Jahres sein literarisches Debüt gefeiert hatte, neue Gedichte.

Stefan Schmitzer schilderte die manuskripte-Lesungen auf dem Blog der Poesiegalerie so:

Berichte über die weiteren Lesungen – u.a. von Gerhard Ruiss, der mit einem 22 Jahre alten, aber brandaktuellen Gedicht über den Unterschied zwischen einem Kanzler und einem Installateur auffiel, und anderen manuskripte-Autor*innen des ersten Abends, wie Cornelia Travnicek, Thomas Ballhausen und Timo Brandt – finden sich auch auf dem erwähnten Blog.

Weiter so, liebe Poesiegalerie!

Und:

P.S. Für mich bist du laure.gauthier Nummer 1, liebe Laure! 🙂

„papier marché“ (Steirischer Herbst, Lange Nacht der Museen 2021)

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 3. Oktober 2021

Nach der gemeinsamen Edition Thanhäuser- und manuskripte-Lesung im „Literatur Hotel“ (Kultum Graz) ging es gestern, am 2.10.21, gleich weiter:
Beim „papier marché“ im Rahmen von steirischer herbst und „Lange Nacht der Museen“ sprach ich mit dem Verleger und aktuellen manuskripte-Coverkünstler Christian Thanhäuser im Innenhof des Grazer Palais Attems (Sackstr. 17) über schöne Dinge aus Papier – erst die manuskripte, dann die Bücher der Edition Thanhäuser, dann Laure Gauthiers dort erschienene poetische Erzählung „kaspar aus stein“, die ich übersetzt habe. Zum Anschluss lasen Laure und ich aus dem Buch.

(c) Joseph Thanhäuser
(c) Helene Lanschützer
(c) Helene Lanschützer

Der „papier marché“ mit manuskripte-Tisch hatte von 15 Uhr bis 1 Uhr früh geöffnet – jede/r interessierte Besucher/in erhielt von manuskripte-Praktikantin Helene Lanschützer ein Heft als Leseprobe gratis.

Vorgespräch in der Redaktion:
Laure Gauthier, Joseph und Christian Thanhäuser, der Selfiegraf
Verkabelt.
Nachbesprechung in der Redaktion: Laure Gauthier und Christian Thanhäuser
Einblick in Christian Thanhäusers geheime kaspar-Skizzen

Vanda Mikšić in manuskripte 232

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 26. September 2021

Für die aktuelle Ausgabe der manuskripte habe ich das Gedicht „vacances“ von Vanda Mikšić übersetzt.

Auch wenn der Sommer nun schon wieder vorbei ist, bleibt das Gedicht leider aktuell.

Vanda Mikšić ist eine kroatische Literaturwissenschaftlerin und Dichterin, schreibt aber auch auf Französisch – kein Wunder, dass sie als eine der wichtigsten literarischen Übersetzerinnen aus dem Französischen ins Kroatische gilt.
Kennengelernt habe ich sie passenderweise bei der Diskussion „A comme Babel : une Europe poétique“, initiiert und moderiert von Guillaume Métayer, im Rahmen des Festival Maginifique Printemps in der Villa Gillet, Lyon(-line).

Am Start (v.r.u. nach r.o.): Vanda Mikšić (Kroatien), Tóth Krisztina (Ungarn), Guillaume Métayer (Frankreich: mit Mikrophon im Gesicht und Organisatorin Lucie Campos Mitchell neben sich) und ich (Österreich).


Vielen Dank für die so angenehme Zusammenarbeit, liebe Vanda!

Die manuskripte 232 sind im Buchhandel oder im manuskripte-Webshop erhältlich.

manuskripte-Stadtspaziergang #1

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 23. September 2021

Vorgestern ging der erste manuskripte-Stadtspaziergang über die Bühne der Grazer Innenstadt.

Wie angekündigt kam es im Lauf meiner Literaturhauptstadtführung zu mehreren völlig zufälligen und überraschenden Interventionen von special guests, einige davon geplant, andere – erfreulicherweise! – auch ungeplant.
Um den Teilnehmenden des zweiten Spaziergangs* (13.10., 16 Uhr – er mündet in die manuskripte-Präsentation samt Café König-Bar im Kunsthaus Graz) die Überraschungen nicht zu verderben, möchte ich hier gar nicht mehr preisgeben als diese paar unverfänglichen Schnappschüsse:

Jimi Lend
(c) Josef Wilhelm
Forum Stadtpark
(c) manuskripte
Max Höfler
(c) S. Unterweger
Fiston Mwanza Mujila
(c) S. Unterweger

Mit Ausgabe 1 der manuskripte
(c) S. Unterweger
Mit Rudi Widerhofer
(c) manuskripte
manuskripte-Relaunch-Grafikerin Petra Höfler mit Begleitung.
(c) S. Unterweger
Mit Julian Kolleritsch.
(c) S. Unterweger
Mit Franz Weinzettl
(c) S. Unterweger
Mit Agnes Altziebler und Agnes Altziebler 🙂
(c) Franz Weinzettl
Mit Josef Wilhelm.
(c) manuskripte

Gerhard Fuchs
(c) S. Unterweger
Jimi Lend
(c) manuskripte
Mit Angelika Schimunek und ihrer Bücherstube
(c) S. Unterweger
Mit Susanne Konstanze Weber

Mit manuskripte-Büro samt Lampe
(c) S. Unterweger

Daniel Doujenis liest Alfred Kolleritsch im Café König
(wie übrigens auch ab 4.11. im Forum Stadtpark – Karten kann man schon reservieren!).
Daniel Doujenis und „Königin“ Waltraud (Merkl) mit Speisekarte

Herzlichen Dank an alle Beteiligten und die fördernden Institutionen** für den fröhlichen Nachmittag!
Ich habe mich sehr über die rege physische und inhaltliche Teilnahme gefreut!

*Der zweite Stadtspaziergang enthält freilich zum Teil auch völlig neue Überraschungen – sogar im geplanten Bereich der Veranstaltung.

**

manuskripte-Stadtspaziergang am 21.9.

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 16. September 2021

Vorschau auf den Termin:

manuskripte-Stadt-Spaziergang

zum 60. Geburtstag der Literaturzeitschrift

(nachträglich, aber nachdrücklich)

Beginn: 21.09.2021, 17:00 Uhr, Forum Stadtpark, Stadtpark 1, 8010 Graz

Dauer: ca. 2,5 Stunden

manuskripte-Herausgeber Andreas Unterweger führt an manuskripte-relevante Grazer Orte – vom Forum Stadtpark, wo am 4.11.1960 die ersten manuskripte-Hefte auf das Publikum der Forum-Eröffnung herabflatterten, über weitere Schauplätze von Literaturgeschichte(n) oder gar -skandalen bis in die legendär verzettelte Redaktion in der Sackstraße 17.

Der Weg durch mehr als sechs Jahrzehnte Literatur- und Stadtgeschichte ist gepflastert mit zahlreichen vollkommen überraschenden Begegnungen: Grazer Klassiker*innen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft melden sich mit Interventionen, Kurzlesungen und Interviews zu Wort.

Featuring: Max Höfler, Jimi Lend, Harald Miesbacher, Fiston Mwanza Mujila, My wicked wicked ways, Susanne K. Weber, Franz Weinzettl, Rudi Widerhofer u.a.m.

Der Stadtspaziergang mündet um ca. 19 Uhr ins manuskripte-Lieblings-Café König, wo Schauspieler Daniel Doujenis Gedichte von Alfred Kolleritsch vortragen wird.

Begrenzte Teilnehmerzahl – um Anmeldung unter lz@manuskripte.at oder 0316 825608 (Mo.–Fr. von 9-13 Uhr) und das Mitführen eines 3G-Nachweises wird gebeten.

Der zweite manuskripte-Stadtspaziergang findet am 13.10. um 16 Uhr statt (und mündet in die manuskripte-Präsentation im Kunsthaus Graz).

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Bei meiner Literaturstadtführung für die Lesegesellschaft Andere Bibliothek 2014. Damals kommentiert mit: „so sah Peter Handke aus, als (…) Graz mit ihm fertig [war] – oder umgekehrt“. Foto (c) Heinrich Käsgen

Bei der Vorbereitung aufgetaucht:

manuskripte 232 – Präsentation auf den Schlossbergterrassen

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 18. August 2021

Am 13.8. sind die manuskripte 232 erschienen. Die Präsentation fand in der atemberaubenden Kulisse der Schlossbergterrassen der Grazer Hotels Kai 36 und Schlossberghotel statt.

Die Veranstaltung begann im Kai 36. Glücklicherweise regnete es nicht, und die Abendsonne sorgte dafür, dass sich auch niemand verkühlte. Nah am Hotelpool sprach ich über die Highlights des Heftes und las aus meiner Marginalie.

Schauspieler Felix Krauss las Clemens Setz‘ Erinnerung an Friederike Mayröcker und einen Auszug aus dem Langgedicht „doggerland“ von Ulrike Draesner.

Nach einer kurzen Treppenwanderung durch die mit zeitgenössischer Kunst gespickten Hotelgänge ging es im schon schattigeren Garten des Schlossberghotels weiter.

Bernhard Strobel las seine Kurzgeschichte „Die Hauptsache“ …

… und Felix Krauss zwei Gedichte von Kornelia Koepsell.

Höhepunkt des Abends war der Auftritt Barbara Frischmuths. Sie las unveröffentlichte Gedichte, u.a. über Riesenpilze.

Davor überreichte ich ihr zu ihrem jüngsten runden Geburtstag einen Blumenstrauß aus Papier, der ihren beiden Leidenschaften, Schreiben und Gärtnern, gerecht wurde. Unsere Ferialpraktikantin Helene Lanschützer hatte die 7 Origami-Tulpen (eine für jedes Jahrzehnt, das Frischmuth mit den manuskripten verbindet) aus Frischmuth-Gedichten gefaltet: herzlichen Dank!

Anschließend: coole Hefte und kühle Getränke!

Unser Dank gilt den Teams der Hotels Schlossberghotel und Kai 36, insbesondere Claudia Wohlgemuth, für die wunderbar professionelle Organisation und Betreuung!

Die manuskripte 232 sind im Buchhandel und in unserem Webshop erhältlich.

Mitschnitt der Lesungen von Barbara Frischmuth und Bernhard Strobel, gesendet am 6.9.2021 in „Das rote Mikro“, Radio Helsinki, Gestaltung von Barbara Belic.

Rezension Kleine Zeitung:

Rezension Kronen Zeitung (Christoph Hartner):

Volksgruppen-ORF Slovenci (Simon Oslak, ein paar Interview-Schnipsel mit mir, Audio):

Cover der manuskripte 232 von Christian Thanhäuser, Doggerland. Dreifarbiger Föhrenholzschnitt, Handpressendruck auf Büttenpapier, 2021
(c) Barbara Belic

manuskripte 232 – Marginalie

Posted in manuskripte by andreasundschnurrendemia on 16. August 2021

Marginalie

Zu den eindringlichsten Momenten meiner Zusammenarbeit mit Alfred Kolleritsch zählten seine Telefonate mit Friederike Mayröcker. Meist war sie es, die anrief.

„Fredy!“, wisperte sie – deutlich hörbar, denn das Telefon war immer laut gestellt. „Fritzi!“, antwortete er. „„Fredy …“ „Fritzi …“ „Fredy …“ „Schreibst du wohl noch?“ „Ja, ich schreibe. Und du, schreibst du?“

Es hat mich jedes Mal tief berührt, wie sich diese beiden literarischen Allzeitgrößen, über die im Alter unüberwindlich gewordene Distanz zwischen Graz und Wien hinweg, ihres Weiterlebens versicherten, das für sie immer gleichbedeutend mit Weiterschreiben war.

Alfred Kolleritschs Tod war ein schwerer Schlag für Friederike Mayröcker. Das gab sie mir am selben Telefon, in einem langen, dennoch wortarmen Gespräch, zu verstehen. Als sich Anfang Juni die traurige Nachricht verbreitete, dass sie ihrem Fredy ins Unerreichbare gefolgt war, fiel mir eines ihrer Gedichte aus manuskripte 221 ein. Laut ihrer Datierung hatte sie es fast auf den Tag genau drei Jahre zuvor geschrieben.

„I’ll charm the air“, heißt es darin – ein Zitatsplitter aus Macbeth, den sie, verschmitzt oberflächenübersetzend, in die unmittelbare Umgebung ihres Gedichts, „duftende Lindenbäume“, transponiert hatte: „ich werde die Lüfte umschwärmen“.

Shakespeares Vers („I’ll charm the air to give a sound“) lässt sich freilich vor allem als poetische Kurzdefinition von Dichtung (und nicht zuletzt der ihren!) verstehen: mit (Atem-)Luft der banalen Umwelt ihre Zauber entlocken, der Materie eine Stimme verleihen, dem Leben selbst Leben einhauchen …

Auf den folgenden Seiten finden sich „luftge Weisen“ (so lautet die Stelle in der klassischen Übersetzung von Dorothea Tieck) in der ganzen, faszinierenden Vielfalt der Gegenwartsliteratur. Die Bandbreite reicht von der zauberhaften Mayröcker-Hommage des Büchner-Preisträgers Clemens Setz über Ulrike Draesners spracharchäologisches Meisterwerk Doggerland bis hin zu Michael Donhausers Poetik des Schlamms; die „komisch-logisch-ikonische“ Rede im Debüt von AMOS+YPE findet darin ebenso Platz wie Sandra Gugićs „Enthusiastin des Gewöhnlichen“.

Christian Thanhäusers grafische Interventionen kreisen kongenial um zwei der vielen Pole: die in Doggerland aufbrechenden (Ge-)Schichten zum einen und seine Erinnerung an die Herbarien des Jahrhundertdichters H.C. Artmann zum anderen.

Im Zentrum des Heftes gratulieren wir Barbara Frischmuth, der Grande Dame der manuskripte-Geschichte, zu ihrem runden Geburtstag. Beschenkt hat freilich sie uns: mit neuen Gedichten. Charming!

Andreas Unterweger

Einen Teil der Marginalie habe ich bei der Präsentation der manuskripte 232 am 13.08.21 auf den Schlossbergterrassen der Hotels Kai 36 und Schlossberghotel vorgelesen. Bericht dazu folgt in Kürze.
Cover der manuskripte 232 von Christian Thanhäuser, Doggerland. Dreifarbiger Föhrenholzschnitt, Handpressendruck auf Büttenpapier, 2021

rotahorn-Preis-Verleihung 2020

Posted in manuskripte, Tingeltangel-Tour by andreasundschnurrendemia on 5. Juli 2021

Herzlichen Glückwunsch zum rotahorn-Preis 2020, liebe Nava Ebrahimi und liebe Franziska Füchsl!

Hans Roth, Nava Ebrahimi, Franziska Füchsl, AU
(c) Saubermacher

Andreas Unterweger: „Rede zum rotahorn-Preis 2020“

Alfred Kolleritsch hat sich selten wiederholt, aber wenn er sich wiederholte, dann war das, was da wiederholt wurde, besonders wichtig – genauer gesagt: besonders richtig.

Zu diesen besonderen Wahrheiten gehörten Aphorismen wie „Man merkt die Absicht und ist verstimmt“ (angesichts von allzu durchsichtigen Texten oder Geschenken von Autor*innen)

oder

„Ich bin dankbar für jeden, der schlecht schreibt“ (angesichts der Textberge auf seinem Schreibtisch).

Eine weitere Wahrheit, die er mehrmals im Jahr, und nicht nur in den Tagen um die rotahorn-Jurysitzung und die rotahorn-Preisverleihung wiederholte, war folgende:

„Das ist wirklich ein lieber Kerl, der Roth.“

Wobei der Wortlaut variieren konnte:

„Der Roth ist wirklich ein Lieber.“

Obwohl sie in völlig verschiedenen Lebensbereichen reüssierten, hatten Alfred Kolleritsch und Hans Roth viele Dinge und Eigenschaften gemeinsam – und damit meine ich nicht nur das, was man als „südoststeirischen Sinn für feinen Humor“ oder „südoststeirische Lebenslust“ nennen könnte. Im rotahorn-Preis verschmilzt das Beste aus ihrer beiden Welten, um aus unserer Welt eine bessere zu machen.

Der rotahorn-Preis war das Geschenk Hans Roths zu Alfred Kolleritschs 80. Geburtstag. Ein Geschenk, das es Kolleritsch erlaubte, damit andere zu beschenken. Als jemand, der es zu einem Teil seines gewaltigen Lebenswerks gemacht hatte, Schreibende zu unterstützen, war ein medienwirksamer Förderpreis für Autor*innen, die noch eher am Anfang ihres Weges stehen oder zu Unrecht unterschätzt geblieben sind, ein wunderbares, geniales, ja, das richtigste Geschenk.

Ich bin sehr glücklich, dass der rotahorn weiterhin ein fixer Bestandteil im Jahreskreis der manuskripte bleiben kann. Wie die Bücher, die er geschrieben hat, wie die manuskripte, die Zeitschrift, die er mir anvertraut hat, reicht auch der rotahorn-Preis über die Lebensdaten Alfred Kolleritschs hinaus – er ist Teil seines ihn selbst überdauernden Lebenswerks, Teil seines Vermächtnisses.

Neulich habe ich mich im Büro dabei ertappt, wie ich die Wiederholung AKs selbst wiederholt habe: „Sehr lieb, der Hans Roth“. Das wiederhole ich gerne auch hier: „Es ist wirklich sehr lieb von Hans Roth, dass er weiterhin die Literatur, die Autor*innen und die manuskripte unterstützt“. Dankeschön!“

(c) Saubermacher

Offizielle Presseinformation mit Jury-Begründungen:

Die Preisträger des Hans Roth Literaturpreises „rotahornstehen fest. Den Hauptpreis

erhielt Nava Ebrahimi, mit dem zweiten Preis wurde Franziska Füchsl geehrt. Die beiden Autorinnen überzeugten die Fachjury mit ihrem literarischen Können. Kulturlandesrat Mag. Christopher Drexler und der Grazer Kulturstadtrat Dr. Günter Riegler überreichten die Prämierungen im Theater im Lend in Graz.

Nava Ebrahimi und Franziska Füchsl wurden aus einer hochklassigen Shortlist talentierter Lyrik und Prosa-Autor*innen ermittelt, die ein Naheverhältnis zu den „manuskripten“ pflegen.

Die Fachjury, bestehend aus den Autor*innen Barbara Frischmuth, Valerie Fritsch und Andreas Unterweger, dem Germanisten Julian Kolleritsch sowie den Kulturjournalisten Werner Krause, Christoph Hartner und Heinz Sichrovsky, lobte in ihrer Begründung die literarischen Leistungen:

Begründung für Nava Ebrahimi

Nava Ebrahimi schreibt sorgfältig konstruierte Erzählungen auf exakt formulierter sprachlicher Basis, die jeden ihrer Protagonisten mit seinem eigenen Akzent zu Wort kommen lässt. Ihre Plots und Figuren kreisen um die brandaktuellen Themen Herkunft und Identität, die sie in ihrer globalen Tragweite auszuleuchten weiß. Dabei gelingt der in Teheran geborenen Grazerin das Kunststück, Romane zu schreiben, die der Komplexität und Widersprüchlichkeit unserer Gegenwart gerecht werden und dennoch ein Lesevergnügen darstellen.

Begründung für Franziska Füchsl

Franziska Füchsl ist eine sprachliche Feinmechanikerin, die im Grenzbereich von Lyrik und Prosa poetisches Neuland erschließt. Geschult an den Arbeiten von Oswald Egger und Peter Waterhouse verwebt die Oberösterreicherin rares Vokabular, grafisch-formale Elemente und rhythmische Hypersensibilität zu höchst eigenständigen sprachlichen Gebilden. Dinge werden zu Worten, und aus den Worten entsteht eine neue Welt – selbst wenn man die Worte nicht immer auf Anhieb versteht. Kurz: Eine belebende Abwechslung im Einheitsbrei der Gegenwartsbelletristik!

Der als Förderpreis konzipierte „rotahorn“ wird mit 5.000 Euro dotiert – 3.000 Euro für den ersten und 2.000 Euro für den zweiten Preis. Die Jury nominiert Preisträger*innen aus dem Pool der Autor*innen, die in den „manuskripten“ publizieren bzw. sich für eine Publikation bewerben.

Für eine lebenswerte Umwelt – für eine lesenswerte Literatur

Die Saubermacher Dienstleistungs AG setzt sich im Rahmen ihrer Kernaufgaben seit 40 Jahren nachhaltig für eine lebenswerte Umwelt ein. Für Hans Roth, Gründer des Unternehmens, gehört zu einer lebenswerten Umwelt auch eine lesenswerte Literatur.

Mit dem „rotahorn“ bereichert seit 2011 ein Literaturpreis, initiiert von Hans Roth, die

österreichische Kulturlandschaft. Die Auswahl der Preisträger*innen erfolgte in enger

Zusammenarbeit der Literaturzeitschrift „manuskripte“.

Hans Roth, Aufsichtsratsvorsitzender der Saubermacher Dienstleistungs AG: „In der

Steiermark und ganz Österreich gibt es viele Nachwuchstalente, die im Verborgenen

schöpferisch tätig sind. Mit dem rotahorn möchten wir diesen Literaturschaffenden eine

gesellschaftliche Blatt-Form bieten.“

manuskripte: Die Literaturzeitschrift im 61. Lebensjahr, gegründet von Alfred Kolleritsch (†) und nun herausgegeben von Andreas Unterweger, erscheint vierteljährlich. Publiziert werden ausschließlich unveröffentlichte Texte.

Mit Stadtrat Günter Riegler und Landesrat Christopher Drexler
(c) Saubermacher